3. Mose 8

Und der HERR redete mit Mose und sprach:

36 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
  2. 2 Nimm Aaron und seine Söhne mit ihm samt ihren Kleidern und das Salböl und einen Farren zum Sündopfer, zwei Widder und einen Korb mit ungesäuertem Brot,
  3. 3 und versammle die ganze Gemeinde vor die Tür der Hütte des Stifts.
  4. 4 Mose tat, wie ihm der HERR gebot, und versammelte die Gemeinde vor die Tür der Hütte des Stifts
  5. 5 und sprach zu ihnen: Das ist's, was der HERR geboten hat zu tun.
  6. 6 Und nahm Aaron und seine Söhne und wusch sie mit Wasser
  7. 7 und legte ihnen den leinenen Rock an und gürtete sie mit dem Gürtel und zog ihnen den Purpurrock an und tat ihm den Leibrock an und Gürtete ihn über den Leibrock her
  8. 8 und tat ihm das Amtschild an und das Schild Licht und Recht
  9. 9 und setzte ihm den Hut auf sein Haupt und setzte an den Hut oben an seiner Stirn das goldene Blatt der heiligen Krone, wie der HERR dem Mose geboten hatte.
  10. 10 Und Mose nahm das Salböl und salbte die Wohnung und alles, was darin war, und weihte es
  11. 11 und sprengte damit siebenmal auf den Altar und salbte den Altar mit allem seinem Geräte, das Handfaß mit seinem Fuß, daß es geweiht würde,
  12. 12 und goß von dem Salböl auf Aarons Haupt und salbte ihn, daß er geweiht würde,
  13. 13 und brachte herzu Aarons Söhne und zog ihnen leinene Röcke an und gürtete sie mit dem Gürtel und band ihnen Hauben auf, wie ihm der HERR geboten hatte.
  14. 14 Und ließ herzuführen einen Farren zum Sündopfer. Und Aaron und seine Söhne legten ihre Hände auf sein Haupt.
  15. 15 Da schlachtete er ihn. Und Mose nahm das Blut und tat's auf die Hörner des Altars umher mit seinem Finger und entsündigte den Altar und goß das Blut an des Altars Boden und weihte ihn, daß er ihn versöhnte.
  16. 16 Und nahm alles Fett am Eingeweide, das Netz über der Leber und die zwei Nieren mit dem Fett daran, und zündete es an auf dem Altar.
  17. 17 Aber den Farren mit seinem Fell, Fleisch und Mist verbrannte er mit Feuer draußen vor dem Lager, wie ihm der HERR geboten hatte.
  18. 18 Und brachte herzu einen Widder zum Brandopfer. Und Aaron und seine Söhne legten ihre Hände auf sein Haupt.
  19. 19 Da schlachtete er ihn. Und Mose sprengte das Blut auf den Altar umher,
  20. 20 zerhieb den Widder in Stücke und zündete an das Haupt, die Stücke und das Fett
  21. 21 und wusch die Eingeweide und Schenkel mit Wasser und zündete also den ganzen Widder an auf dem Altar. Das war ein Brandopfer zum süßen Geruch, ein Feuer dem HERRN, wie ihm der HERR geboten hatte.
  22. 22 Er brachte auch herzu den andern Widder des Füllopfers. Und Aaron und seine Söhne legten ihre Hände auf sein Haupt.
  23. 23 Da schlachtete er ihn. Und Mose nahm von seinem Blut und tat's Aaron auf den Knorpel seines rechten Ohrs und auf den Daumen seiner rechten Hand und auf die große Zehe seines rechten Fußes.
  24. 24 Und brachte herzu Aarons Söhne und tat von dem Blut auf den Knorpel des rechten Ohrs und auf den Daumen ihrer rechten Hand und auf die große Zehe ihres rechten Fußes und sprengte das Blut auf den Altar umher.
  25. 25 Und nahm das Fett und den Schwanz und alles Fett am Eingeweide und das Netz über der Leber, die zwei Nieren mit dem Fett daran und die rechte Schulter;
  26. 26 dazu nahm er von dem Korb des ungesäuerten Brots vor dem HERRN einen ungesäuerten Kuchen und einen Kuchen geölten Brots und einen Fladen und legte es auf das Fett und auf die rechte Schulter.
  27. 27 Und gab das allesamt auf die Hände Aarons und seiner Söhne und webte es zum Webeopfer vor dem HERRN.
  28. 28 Und nahm alles wieder von ihren Händen und zündete es an auf dem Altar oben auf dem Brandopfer. Ein Füllopfer war es zum süßen Geruch, ein Feuer dem HERRN.
  29. 29 Und Mose nahm die Brust und webte ein Webeopfer vor dem HERRN von dem Widder des Füllopfers; der ward Mose zu seinem Teil, wie ihm der HERR geboten hatte.
  30. 30 Und Mose nahm von dem Salböl und dem Blut auf dem Altar und sprengte es auf Aaron und seine Kleider, auf seine Söhne und ihre Kleider, und weihte also Aaron und seine Kleider, seine Söhne und ihre Kleider mit ihm.
  31. 31 Und sprach zu Aaron und seinen Söhnen: Kochet das Fleisch vor der Tür der Hütte des Stifts, und esset es daselbst, dazu auch das Brot im Korbe des Füllopfers, wie mir geboten ist und gesagt, daß Aaron und seine Söhne es essen sollen.
  32. 32 Was aber übrigbleibt vom Fleisch und Brot, das sollt ihr mit Feuer verbrennen.
  33. 33 Und sollt in sieben Tagen nicht ausgehen von der Tür der Hütte des Stifts bis an den Tag, da die Tage eures Füllopfers aus sind; denn sieben Tage sind eure Hände gefüllt,
  34. 34 wie es an diesem Tage geschehen ist; der HERR hat's geboten zu tun, auf daß ihr versöhnt seid.
  35. 35 Und sollt vor der Tür der Hütte des Stifts Tag und Nacht bleiben sieben Tage lang und sollt nach dem Gebot des HERRN tun, daß ihr nicht sterbet; denn also ist mir's geboten.
  36. 36 Und Aaron und seine Söhne taten alles, was ihnen der HERR geboten hatte durch Mose.

Kapitelüberblick

Vor der versammelten Gemeinde Israels werden Aaron und seine Söhne feierlich in ihren Priesterdienst eingesetzt. Mose führt dabei die Anweisungen aus, die Gott ihm gegeben hat. Er wäscht die zukünftigen Priester, bekleidet Aaron mit den heiligen Gewändern und salbt das Heiligtum sowie die zum Dienst bestimmten Männer.

Anschließend werden drei Opfer dargebracht: ein Sündopfer, ein Brandopfer und ein besonderes Einweihungsopfer. Dessen Blut wird an das rechte Ohr, den rechten Daumen und die rechte große Zehe Aarons und seiner Söhne gestrichen. Auch Salböl und Opferblut gehören zur abschließenden Weihe. Die Priester erhalten ihren Anteil am Opfermahl und müssen sieben Tage am Eingang der Stiftshütte bleiben, bis ihre Einsetzung vollendet ist.

Der gesamte Ablauf folgt Gottes Anweisungen. Niemand übernimmt diesen heiligen Dienst aus eigener Entscheidung oder aufgrund persönlicher Verdienste. Die Priester werden von Gott für ihre Aufgabe bestimmt und müssen selbst auf den Dienst vorbereitet werden, durch den Israel künftig vor ihm treten soll.

Einführung

Noch bevor die Stiftshütte zum Mittelpunkt des israelitischen Gottesdienstes wurde, hatte Gott Mose auf dem Sinai ausführliche Anweisungen für das Heiligtum gegeben. In 2. Mose 28 beschrieb er die besonderen Gewänder der Priester. Das folgende Kapitel legte fest, wie Aaron und seine Söhne für ihr Amt geweiht werden sollten. Diese Anordnungen standen bereits fest, bevor Mose sie nun in die Tat umsetzte.

Auch die Stellung unseres Kapitels innerhalb des dritten Mosebuches ist wichtig. Die ersten sieben Kapitel erläutern die verschiedenen Opfer und ihre vorgeschriebene Durchführung. Damit ist die Grundlage für den Gottesdienst geschaffen. Allerdings durfte nicht jeder Israelit die priesterlichen Aufgaben am Altar übernehmen. Dafür hatte Gott Aaron und seine männlichen Nachkommen bestimmt (2. Mose 28,1). Das Priestertum war also kein Amt, um das sich besonders ehrgeizige oder angesehene Männer bewerben konnten.

Die Stiftshütte war das bewegliche Heiligtum Israels. Gott hatte verheißen, mitten unter seinem Volk zu wohnen (2. Mose 25,8). Gerade deshalb war der Zugang zu seinem Heiligtum nicht beliebig geregelt. Die Priester sollten stellvertretend für das Volk bestimmte Aufgaben übernehmen und die von Gott festgelegte Ordnung des Gottesdienstes bewahren.

Auffällig ist dabei die besondere Rolle Moses. Obwohl Aaron künftig als Hohepriester dienen sollte, handelt während seiner Einsetzung zunächst Mose selbst. Er führt die vorgeschriebenen Handlungen aus und unterstreicht damit, dass die priesterliche Vollmacht nicht von Aaron ausgeht, sondern auf Gottes Berufung beruht.

Der weitere Verlauf des Buches hilft, die Bedeutung dieser Vorbereitung einzuordnen. In 3. Mose 9 beginnt der öffentliche Opferdienst der eingesetzten Priester. Schon in Kapitel 10 zeigt das Gericht über Nadab und Abihu, wie ernst Gott den Umgang mit seinem Heiligtum nimmt. Zwischen diesen Ereignissen steht die feierliche Einsetzung als notwendige Vorbereitung auf einen Dienst, der Gottes Gegenwart und seine Heiligkeit achten soll.

3. Mose 8,1–5

Gott beruft die Priester vor der ganzen Gemeinde

Die Einsetzung der Priester beginnt mit einer ausdrücklichen Anweisung Gottes. Er spricht zu Mose und befiehlt ihm, Aaron und seine Söhne zusammenzubringen. Dazu sollen die heiligen Kleider, das Salböl, ein Stier zum Sündopfer, zwei Widder und ein Korb mit ungesäuertem Brot bereitgestellt werden. Nichts davon wird dem Zufall überlassen. Noch bevor die erste Handlung vollzogen wird, ist festgelegt, welche Personen und Gegenstände für die Weihe benötigt werden.

Auffällig ist, dass Aaron nicht selbst die Leitung seiner Einsetzung übernimmt. Obwohl er künftig das höchste priesterliche Amt Israels ausüben soll, steht er zunächst auf der Seite derer, die vorbereitet und geweiht werden müssen. Mose handelt auf Gottes Anweisung hin. Darin liegt eine wichtige Unterscheidung: Aaron erhält seine Stellung nicht, weil er sich selbst dazu berufen hätte. Seine Aufgabe wird ihm übertragen. Schon in 2. Mose 28,1 hatte Gott Aaron und seine Söhne ausdrücklich für den Priesterdienst bestimmt. Nun wird diese Berufung sichtbar und wirksam.

Die in Vers 2 genannten Gegenstände geben bereits einen ersten Einblick in den Ablauf. Die besonderen Kleider kennzeichnen die priesterliche Aufgabe. Das Salböl dient der Weihe, also der Aussonderung für den heiligen Dienst. Die Opfertiere und das ungesäuerte Brot gehören zu den verschiedenen Handlungen, durch die die Einsetzung vollzogen wird. Der Stier ist für das Sündopfer bestimmt, der erste Widder für das Brandopfer und der zweite für das besondere Einweihungsopfer. Das Brot wird später ebenfalls in die Zeremonie einbezogen. Welche Bedeutung diese einzelnen Handlungen besitzen, entfaltet der weitere Kapitelverlauf.

Besonders bemerkenswert ist die Reihenfolge: Noch bevor Aaron seinen Dienst aufnehmen kann, ist ein Sündopfer vorgesehen. Der Mann, der künftig im Gottesdienst für andere eintreten soll, steht selbst unter Gottes Ordnung der Sühnung. Seine priesterliche Stellung macht ihn nicht frei von der menschlichen Bedürftigkeit vor Gott. Dieser Unterschied wird später im Hebräerbrief aufgegriffen, wo erklärt wird, dass die Priester des alten Bundes auch wegen ihrer eigenen Sünden Opfer darbringen mussten (Hebräer 5,1–3). Schon die Vorbereitung der Weihe lässt deshalb erkennen, dass das Priestertum Aarons keine menschliche Vollkommenheit voraussetzt.

Eine weitere Anweisung macht die Einsetzung zu einem öffentlichen Ereignis. Mose soll nach Vers 3 die ganze Gemeinde vor der Tür der Stiftshütte versammeln. Die Berufung Aarons und seiner Söhne geschieht somit nicht im Verborgenen. Sie betrifft das gesamte Volk, denn die Priester werden künftig Aufgaben wahrnehmen, die für Israels Beziehung zu Gott von entscheidender Bedeutung sind. Die Gemeinde soll erkennen können, wer diesen Dienst übernehmen darf und auf welcher Grundlage er eingesetzt wird.

Mit der Tür der Stiftshütte ist der Zugangsbereich zum Heiligtum gemeint, nicht das Innere des heiligen Zeltes. Der Text spricht ausdrücklich von der ganzen Gemeinde. Wie die zahlreichen Israeliten dort im Einzelnen Platz fanden und ob Vertreter des Volkes unmittelbar am Eingang standen, wird nicht beschrieben. Entscheidend für die Erzählung ist die öffentliche Versammlung vor dem Heiligtum. Dort, wo später Opfer dargebracht und priesterliche Aufgaben ausgeübt werden, findet nun die feierliche Einsetzung statt.

Vers 4 berichtet knapp, dass Mose den Befehl Gottes ausführt und die Gemeinde zusammenkommt. Diese einfache Feststellung gehört zu einem wiederkehrenden Gedanken des Kapitels: Mose handelt nach dem, was der HERR angeordnet hat. Der Gottesdienst soll nicht von menschlichen Vorlieben bestimmt werden. Selbst Mose, der Israel aus Ägypten geführt und Gottes Anweisungen empfangen hat, gestaltet die Einsetzung nicht nach eigenen Vorstellungen.

Bevor die eigentliche Weihe beginnt, wendet sich Mose an die Versammelten. Er erklärt in Vers 5:

„Das ist's, was der HERR zu tun geboten hat.“ 3.Mose 8,5

Mit diesen Worten nennt Mose den Ursprung seiner Vollmacht. Die nachfolgenden Handlungen sind nicht seine persönliche Entscheidung und auch keine Ehrung Aarons durch die Gemeinde. Sie geschehen, weil Gott sie angeordnet hat. Das verleiht der Einsetzung ihre besondere Bedeutung: Die Priester sollen ihren Dienst nicht aus eigener Macht führen, sondern als Beauftragte Gottes.

Im Neuen Testament greift der Hebräerbrief diesen Grundsatz auf. In Hebräer 5,4 wird erklärt, dass niemand sich die priesterliche Würde selbst nimmt, sondern von Gott dazu berufen wird, wie Aaron. Der unmittelbare Zusammenhang behandelt das Hohepriesteramt und führt anschließend zu Jesus Christus. Damit verbindet der Hebräerbrief die Berufung Aarons mit einer größeren heilsgeschichtlichen Wahrheit: Der Zugang zu Gott und der Dienst vor ihm beruhen nicht auf menschlicher Selbstermächtigung, sondern auf Gottes Handeln.

Zugleich besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Aaron und Christus. Aaron wird als sündiger Mensch für seinen Dienst geweiht und benötigt selbst Sühnung. Christus dagegen ist der sündlose Hohepriester, der nicht für eigene Sünden opfern muss (Hebräer 7,26–27). Die Berufung Aarons weist damit auf einen Priesterdienst hin, dessen volle Bedeutung erst durch Jesus Christus verständlich wird.

Nachdem Mose vor der Gemeinde den göttlichen Ursprung der Einsetzung erklärt hat, beginnt die eigentliche Vorbereitung der Priester. Noch bevor Aaron seine heiligen Gewänder erhält, werden er und seine Söhne mit Wasser gewaschen. Damit führt die Erzählung von der öffentlichen Berufung zur persönlichen Vorbereitung auf den Dienst vor Gott.

3. Mose 8,6–9

Die Waschung und die heiligen Kleider Aarons

Mose lässt Aaron und seine Söhne näher treten und wäscht sie mit Wasser. Diese erste Handlung geschieht noch bevor Aaron seine besonderen Priestergewänder erhält. Sie gehört zur vorgeschriebenen Vorbereitung auf den heiligen Dienst und macht sichtbar, dass niemand unvorbereitet vor Gott treten soll. Das Wasser dient hier nicht lediglich der gewöhnlichen Körperpflege, sondern einer rituellen Reinigung. Die Männer werden für eine Aufgabe vorbereitet, bei der sie mit dem Heiligtum und den heiligen Opfergaben in Berührung kommen werden.

Dabei ist zwischen dieser Waschung und den späteren täglichen Reinigungen zu unterscheiden. In 2. Mose 30,17–21 ordnet Gott an, dass die Priester ihre Hände und Füße waschen sollen, bevor sie die Stiftshütte betreten oder am Altar dienen. In 3. Mose 8,6 dagegen werden Aaron und seine Söhne zu Beginn ihrer Einsetzung gewaschen. Der Text beschreibt nicht alle Einzelheiten dieser Handlung, macht jedoch deutlich, dass die Reinigung zur grundlegenden Vorbereitung auf ihr Amt gehört. Sie ersetzt auch nicht die Opfer, die unmittelbar danach folgen. Die Waschung ist ein Teil der Weihe, nicht die vollständige Antwort auf die Schuld des Menschen vor Gott.

Nach der Reinigung beginnt Mose, Aaron mit den Gewändern des Hohepriesters zu bekleiden. Diese Kleidung war bereits in 2. Mose 28 ausführlich beschrieben worden. Dort hatte Gott bestimmt, dass Aaron heilige Kleider erhalten sollte, die seiner besonderen Aufgabe entsprachen. Sie unterschieden ihn von den übrigen Priestern und machten seine Stellung im Gottesdienst sichtbar. Die Gewänder dienten deshalb nicht dazu, Aaron aufgrund persönlicher Leistungen auszuzeichnen. Vielmehr kennzeichneten sie das Amt, das Gott ihm übertragen hatte.

Zunächst erhält Aaron den Leibrock und den Gürtel. Darüber folgen das Obergewand und das Ephod, ein besonderes priesterliches Kleidungsstück, das durch einen kunstvoll gefertigten Gürtel befestigt wird. Die Schlachter-Übersetzung von 1951 gibt Vers 7 auffällig verkürzt wieder. Der hebräische Text nennt diese Kleidungsstücke jedoch einzeln, was auch der ausführlichen Beschreibung in 2. Mose 28 entspricht. Das Ephod wurde aus kostbaren Materialien gefertigt und war mit zwei Schultersteinen versehen, auf denen die Namen der Stämme Israels eingraviert waren (2. Mose 28,6–12). Aaron trug diese Namen beim Dienst vor dem HERRN. Seine Kleidung erinnerte somit daran, dass er nicht allein für sich selbst vor Gott trat, sondern eine Verantwortung gegenüber dem ganzen Volk trug.

Über dem Ephod befestigt Mose in Vers 8 das Brustschild. Dieses war mit zwölf kostbaren Steinen besetzt, auf denen jeweils der Name eines israelitischen Stammes stand (2. Mose 28,15–21). In 2. Mose 28,29 erklärt Gott ausdrücklich, dass Aaron die Namen der Kinder Israels auf seinem Herzen tragen sollte, wenn er das Heiligtum betrat. Die Steine waren also nicht bloß Schmuck. Sie machten die Verbindung zwischen dem Hohenpriester und dem Volk sichtbar. Während die Schultersteine die Namen Israels ebenfalls vor Gott brachten, lag das Brustschild über Aarons Brust. Beide Kleidungsstücke gehörten zu seiner Aufgabe, Israel vor dem HERRN zu vertreten.

Anschließend legt Mose das, was die Schlachter 1951 als „Licht und Recht“ bezeichnet, in das Brustschild. Gemeint sind die Urim und Thummim, deren hebräische Namen traditionell mit Licht und Vollkommenheit beziehungsweise Recht in Verbindung gebracht werden. Sie dienten dazu, in bestimmten Angelegenheiten Gottes Entscheidung zu erfragen, wie auch 4. Mose 27,21 erkennen lässt. Über ihre genaue Gestalt und die Art ihrer Verwendung berichtet die Bibel allerdings nicht genügend, um den Ablauf vollständig rekonstruieren zu können. Deshalb wäre es unangebracht, ihnen bestimmte Farben, Kräfte oder ein genaues Verfahren zuzuschreiben, das der Text selbst nicht erklärt. Entscheidend ist ihre vorgesehene Funktion: Israel sollte in wichtigen Fragen nicht allein auf menschliches Urteilsvermögen vertrauen, sondern Gottes Weisung suchen.

Zum Abschluss setzt Mose Aaron den Kopfbund auf. An dessen Vorderseite befestigt er ein goldenes Stirnblatt, das in Vers 9 als heiliges Diadem bezeichnet wird. In 2. Mose 28,36 wird die Inschrift genannt, die darauf eingraviert werden sollte: „Heilig dem HERRN“. Diese Worte kennzeichnen die besondere Zugehörigkeit des Hohenpriesters zu Gott. Seine Aufgabe war nicht gewöhnlicher Natur und durfte nicht nach persönlichen Vorstellungen ausgeführt werden. Auch sein Dienst an den heiligen Gaben Israels stand unter Gottes Anspruch auf Heiligkeit. In 2. Mose 28,38 wird das Stirnblatt ausdrücklich mit Aarons Verantwortung im Zusammenhang mit den heiligen Gaben des Volkes verbunden.

Die Bedeutung dieser Kleidung erschöpft sich jedoch nicht in ihrer äußeren Erscheinung. Gerade weil Aaron besondere Gewänder benötigte, wird deutlich, dass seine priesterliche Stellung nicht aus einer ihm selbst innewohnenden Vollkommenheit hervorging. Seine Kleidung kennzeichnete die Aufgabe, zu der Gott ihn berufen hatte. Dass Aaron weiterhin ein sündiger Mensch blieb, zeigen die Opfer, die unmittelbar nach seiner Bekleidung vorgeschrieben sind. Die äußere Weihe machte ihn für seinen Dienst kenntlich, hob aber seine menschliche Schwachheit nicht auf.

Im Neuen Testament wird dieser Unterschied besonders deutlich. Der Hebräerbrief beschreibt Jesus Christus als den wahren und vollkommenen Hohenpriester. Während die Priester des alten Bundes selbst der Sühnung bedurften, ist Christus heilig und ohne Sünde (Hebräer 7,26–28). Er muss nicht zuerst für eigene Verfehlungen opfern, sondern hat sich selbst ein für alle Mal hingegeben. Darin übertrifft sein Priesterdienst den Dienst Aarons grundlegend. Die heiligen Gewänder des alten Bundes gehören zu einer sichtbaren Ordnung, durch die Gott seinem Volk den Zugang zu ihm lehrte. In Christus findet die priesterliche Vermittlung ihre endgültige Erfüllung, denn durch ihn dürfen die Gläubigen mit Zuversicht vor Gottes Thron der Gnade treten (Hebräer 4,14–16).

Am Ende von Vers 9 wird nochmals betont, dass Mose nach Gottes Anweisung handelt. Jede Handlung besitzt ihren festgelegten Platz, und selbst die besonderen Gewänder werden nicht nach menschlicher Vorliebe angelegt. Nachdem Aaron auf diese Weise für sein Amt bekleidet worden ist, folgt die nächste Stufe seiner Einsetzung: Die Stiftshütte, ihre Gegenstände und die Priester werden durch das Salböl für den heiligen Dienst geweiht.

3. Mose 8,10–13

Die Salbung des Heiligtums und der Priester

Nachdem Aaron seine heiligen Gewänder erhalten hat, nimmt Mose das Salböl und beginnt, die Stiftshütte für den Gottesdienst zu weihen. Er salbt die Wohnung und alles, was sich darin befindet. Anschließend wendet er sich dem Altar, dessen Geräten und dem Waschbecken zu. Erst danach gießt er Öl auf Aarons Haupt. Diese Reihenfolge verbindet die Weihe des Heiligtums mit der Einsetzung der Menschen, die darin dienen sollen. Sowohl der Ort des Gottesdienstes als auch die Priester werden für ihre besondere Aufgabe ausgesondert.

Das verwendete Öl war kein gewöhnliches Olivenöl. In 2. Mose 30,22–25 hatte Gott eine besondere Mischung aus Olivenöl und kostbaren Duftstoffen vorgeschrieben. Dazu gehörten Myrrhe, Zimt, wohlriechender Kalmus und Kassia. Diese Mischung sollte ausschließlich für den von Gott bestimmten heiligen Gebrauch hergestellt werden. Die Israeliten durften sie weder für gewöhnliche Körperpflege verwenden noch für private Zwecke nachmachen. Dadurch wurde die Grenze zwischen dem alltäglichen Leben und dem besonders geweihten Gottesdienst sichtbar. Die Heiligkeit des Öls beruhte nicht auf einer geheimnisvollen Kraft seiner Zutaten, sondern auf seiner besonderen Bestimmung durch Gott.

In Vers 10 wird die gesamte Stiftshütte gesalbt. Die heilige Wohnung war nicht einfach ein besonders kunstvoll errichtetes Zelt. Gott hatte ihre Errichtung angeordnet, weil er mitten unter seinem Volk wohnen wollte (2. Mose 25,8). Die Salbung kennzeichnet nun ihre ausschließliche Bestimmung für den Gottesdienst. Dasselbe gilt für die Gegenstände im Inneren. Der Tisch, der Leuchter und die übrigen Geräte hatten jeweils ihre vorgeschriebene Aufgabe. Ihre Weihe bedeutete, dass sie nicht mehr für gewöhnliche Zwecke zur Verfügung standen, sondern dem Dienst vor Gott vorbehalten waren.

Besondere Aufmerksamkeit erhält in Vers 11 der Altar. Mose besprengt ihn siebenmal mit Salböl und salbt anschließend den Altar samt seinen Geräten sowie das Waschbecken mit seinem Gestell. Die ausdrückliche Erwähnung der siebenfachen Besprengung unterstreicht die feierliche Bedeutung dieser Handlung. Die Zahl Sieben begegnet in der Bibel häufig im Zusammenhang mit vollständigen Zeitabschnitten und geordneten heiligen Handlungen. Auch die Priesterweihe wird später sieben Tage dauern. Dennoch erklärt der vorliegende Vers nicht ausdrücklich, warum der Altar genau siebenmal besprengt werden musste. Deshalb sollte man aus dieser Zahl keine zusätzliche verborgene Bedeutung ableiten, die der Text selbst nicht erkennen lässt.

Die Weihe des Altars verdient noch aus einem anderen Grund Beachtung. Obwohl er bereits mit heiligem Öl gesalbt wird, folgt in Vers 15 eine weitere Handlung, bei der Mose Opferblut an seine Hörner streicht und für ihn Sühnung erwirkt. Beide Vorgänge gehören zur Einsetzung des Gottesdienstes, dürfen aber nicht miteinander verwechselt werden. Die Salbung kennzeichnet den Altar als heilig und für Gottes Dienst bestimmt. Die spätere Blutbehandlung gehört zur kultischen Reinigung und Sühnung. Der Text unterscheidet diese Handlungen sorgfältig und zeigt dadurch, dass die Vorbereitung des Heiligtums mehrere vorgeschriebene Schritte umfasst.

Nun wendet sich Mose Aaron persönlich zu. Vers 12 berichtet, dass er Salböl auf dessen Haupt gießt und ihn dadurch für sein Amt weiht. Im Unterschied zur Besprengung des Altars wird hier ausdrücklich das Ausgießen des Öls beschrieben. Diese Handlung machte Aarons besondere Stellung als Hohepriester sichtbar. Er sollte künftig im Heiligtum Aufgaben übernehmen, die keinem anderen Israeliten in gleicher Weise anvertraut waren. Seine Amtsstellung beruhte jedoch weiterhin auf Gottes Entscheidung. Das Öl erschuf keine persönliche Heiligkeit aus eigener Kraft, sondern war das sichtbare Zeichen dafür, dass Aaron zu diesem Dienst berufen und geweiht wurde.

Die Bedeutung dieser Salbung begegnet später erneut in Psalm 133,2. Dort wird das kostbare Öl beschrieben, das auf Aarons Haupt gegossen wird, in seinen Bart fließt und bis zum Saum seiner Kleider hinabreicht. Der Psalm verwendet dieses Bild, um den Segen geschwisterlicher Eintracht anschaulich zu machen. Die Salbung Aarons war demnach ein so eindrucksvolles Bild, dass sie später in einem Lied Israels wieder aufgegriffen werden konnte. In 3. Mose 8 steht allerdings zunächst die Einsetzung des Hohenpriesters im Mittelpunkt, während der Psalm das Bild für eine andere geistliche Aussage verwendet.

Die Salbung besitzt darüber hinaus eine wichtige Verbindung zur späteren Heilsgeschichte. Als Samuel David zum König salbte, kam nach 1. Samuel 16,13 der Geist des HERRN über ihn. Hier werden die sichtbare Salbung und Gottes geistliche Befähigung unmittelbar miteinander verbunden. Noch deutlicher tritt diese Verbindung bei Jesus Christus hervor. In Lukas 4,18 bezieht Jesus die Worte Jesajas auf sich, nach denen der Geist des Herrn auf dem Gesalbten ruht. Apostelgeschichte 10,38 erklärt ausdrücklich, dass Gott Jesus von Nazareth mit Heiligem Geist und Kraft gesalbt hat.

Diese Bibelstellen zeigen, dass die Salbung im weiteren Verlauf der Schrift eine tiefere Bedeutung erhält. Gott beruft Menschen nicht nur zu bestimmten Aufgaben, sondern kann sie auch durch seinen Geist für ihren Dienst befähigen. Dennoch bedeutet dies nicht, dass jedes Vorkommen von Öl in der Bibel automatisch den Heiligen Geist bezeichnet. In 3. Mose 8 beschreibt das Öl zunächst die vorgeschriebene Weihe des Heiligtums und der Priester. Der Zusammenhang zwischen Salbung und Geist wird erst durch weitere Bibelstellen ausdrücklich entfaltet. Gerade diese Unterscheidung macht die Verbindung zur späteren Offenbarung Gottes überzeugender.

Nachdem Aaron gesalbt worden ist, treten in Vers 13 seine Söhne hervor. Mose bekleidet sie mit Leibröcken, bindet ihnen die Gürtel um und setzt ihnen die vorgeschriebenen Kopfbedeckungen auf. Ihre Gewänder unterscheiden sich von der besonderen Kleidung Aarons, denn sie übernehmen nicht dasselbe Amt wie der Hohepriester. Dennoch gehören auch sie zum von Gott eingesetzten Priestertum. Sie werden gemeinsam mit ihrem Vater für den Dienst vorbereitet und stehen unter denselben göttlichen Anforderungen an den Umgang mit dem Heiligtum.

Auffällig ist, dass Mose in diesen Versen das Öl ausdrücklich auf Aarons Haupt gießt, während bei seinen Söhnen zunächst nur die Bekleidung beschrieben wird. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass sie überhaupt keine Salbung erhalten sollten. Bereits 2. Mose 30,30 schließt Aarons Söhne ausdrücklich in die Anordnung zur Salbung ein. In 3. Mose 8,30 wird später berichtet, dass Mose Salböl und Opferblut auch auf sie und ihre Kleider sprengt. Die verschiedenen Handlungen müssen deshalb im Zusammenhang der gesamten Einsetzung verstanden werden. Aarons besondere Salbung wird hervorgehoben, während die Weihe seiner Söhne im weiteren Verlauf vervollständigt wird.

Am Ende von Vers 13 steht erneut der Hinweis, dass Mose alles nach Gottes Befehl ausführt. Damit ist die Vorbereitung durch Kleidung und Salböl zunächst abgeschlossen. Doch weder die äußere Ausstattung noch die feierliche Salbung reichen allein aus, um den Priesterdienst beginnen zu lassen. Als Nächstes wird ein Stier zum Sündopfer herbeigeführt. Die Männer, die künftig für das Volk vor Gott dienen sollen, müssen zuerst selbst an einer Opferhandlung teilnehmen, durch die Sühnung geschieht.

3. Mose 8,14–17

Das Sündopfer und die Reinigung des Altars

Die feierliche Einsetzung der Priester führt nun zu einer Handlung, die für das Verständnis des gesamten Priesterdienstes entscheidend ist. Mose lässt einen jungen Stier zum Sündopfer herbeibringen. Aaron und seine Söhne treten an das Tier heran und legen ihre Hände auf seinen Kopf. Obwohl sie bereits gewaschen, bekleidet und für ihren Dienst vorbereitet worden sind, benötigen sie weiterhin Sühnung. Ihre besondere Berufung hebt ihre Stellung als sündige Menschen nicht auf. Gerade diejenigen, die künftig für das Volk Opfer darbringen sollen, müssen zuerst selbst an einer Opferhandlung teilnehmen.

Die Handauflegung verbindet Aaron und seine Söhne sichtbar mit dem dargebrachten Tier. Sie stehen nicht als unbeteiligte Zuschauer daneben, sondern sind unmittelbar in das Opfergeschehen einbezogen. Eine ähnliche Handlung begegnet bereits in 3. Mose 4, wo der Opfernde seine Hand auf den Kopf des Sündopfers legt. Allerdings muss sorgfältig zwischen dem ausdrücklich beschriebenen Vorgang und seiner möglichen Bedeutung unterschieden werden. In 3. Mose 8 wird kein gesprochenes Sündenbekenntnis erwähnt. Auch erklärt der Vers nicht ausdrücklich, dass durch die Handauflegung eine unsichtbare Schuldsubstanz auf das Tier übergeht. Sicher ist, dass die Handlung die Priester mit diesem Opfer verbindet und zur von Gott vorgeschriebenen Sühnung gehört.

Nachdem die Hände auf den Stier gelegt worden sind, schlachtet Mose das Tier. Bemerkenswert ist, dass Aaron diesen Schritt noch nicht selbst ausführt. Obwohl er zum Hohenpriester bestimmt wurde, handelt während seiner Einsetzung weiterhin Mose. Der spätere Opferdienst Aarons wird hier zunächst für ihn und seine Söhne vollzogen. Damit zeigt der Ablauf einen grundlegenden Unterschied zwischen ihrer Berufung und ihrer tatsächlichen Amtsausübung: Sie werden nicht dadurch zu Priestern, dass sie eigenmächtig priesterliche Aufgaben übernehmen, sondern indem die von Gott angeordnete Einsetzung an ihnen vollzogen wird.

Vers 15 richtet die Aufmerksamkeit anschließend auf das Blut des Opfertieres. Mose nimmt etwas davon mit seinem Finger und streicht es ringsum an die Hörner des Altars. Diese Hörner waren feste Vorsprünge an den vier Ecken des Brandopferaltars, wie seine Baubeschreibung in 2. Mose 27,1–2 zeigt. Das übrige Blut gießt Mose an den Fuß des Altars. Der Text bezeichnet das Ergebnis dieser Handlung mit einer bemerkenswerten Formulierung: Mose entsündigt den Altar, weiht ihn und erwirkt für ihn Sühnung.

Die Heilige Schrift (Schlachter 1951)

Warum benötigt ausgerechnet der Altar eine solche Reinigung? Schließlich ist er kein Mensch und kann keine persönlichen Sünden begehen. Der Ausdruck darf deshalb nicht so verstanden werden, als hätte der Altar selbst moralische Schuld auf sich geladen. Gemeint ist seine kultische Reinigung und Weihe. Er wird durch die vorgeschriebene Blutbehandlung für den heiligen Opferdienst vorbereitet. Das Blut dient hier also nicht nur als Zeichen für die Schuld des Menschen, sondern steht unmittelbar mit der Reinigung eines heiligen Gegenstandes in Verbindung. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil das dritte Mosebuch die Sühnung sowohl im Zusammenhang mit Menschen als auch mit dem Heiligtum behandelt.

Bereits in Vers 11 hatte Mose den Altar mit heiligem Öl gesalbt. Nun kommt die Behandlung mit Opferblut hinzu. Beide Handlungen erfüllen innerhalb der Weihe unterschiedliche Aufgaben. Die Salbung sondert den Altar für Gottes Dienst aus. Die Blutbehandlung reinigt und heiligt ihn nach der vorgeschriebenen Opferordnung. Dass beide Handlungen an demselben Gegenstand vorgenommen werden, zeigt, wie sorgfältig der Gottesdienst vorbereitet werden sollte. Der Altar war nicht einfach ein Platz, an dem Tiere geschlachtet wurden. Dort sollten künftig Opfer dargebracht werden, durch die Israel nach Gottes Anweisung Sühnung erlangen konnte. Deshalb musste auch dieser Ort selbst für seine heilige Aufgabe vorbereitet sein.

Ein Vergleich mit 3. Mose 4 macht eine Besonderheit sichtbar. Wenn dort der gesalbte Priester wegen seiner eigenen Sünde einen Stier darbringt, wird ein Teil des Blutes in die Stiftshütte hineingetragen. Der Priester sprengt es vor dem Vorhang und streicht es an die Hörner des Räucheraltars (3. Mose 4,5–7). Bei der Einsetzung in 3. Mose 8 geschieht das nicht. Mose verwendet das Blut am Brandopferaltar, der im Vorhof steht. Obwohl in beiden Fällen ein Stier als Sündopfer dargebracht wird, unterscheidet sich die vorgeschriebene Blutbehandlung. Das zeigt, dass die Opferordnung nicht nach einer einzigen, für sämtliche Situationen gleichbleibenden Handlung ablief. Der jeweilige Anlass bestimmte, welche Anweisungen auszuführen waren.

Danach nimmt Mose nach Vers 16 die vorgeschriebenen Fettstücke des Stieres, darunter das Fett an den Eingeweiden, den Teil an der Leber und die beiden Nieren mit dem daran befindlichen Fett. Diese Stücke verbrennt er auf dem Altar. Bereits in den vorherigen Kapiteln wurde erklärt, dass bestimmte Fettanteile der Opfertiere dem HERRN vorbehalten waren (3. Mose 3,16–17; 4,8–10). Die einzelnen Organe müssen dabei nicht mit frei erfundenen geistlichen Bedeutungen versehen werden. Der Text nennt sie, weil genau festgelegt war, welche Teile des Tieres auf dem Altar verbrannt werden sollten. Ihre Absonderung gehört zur göttlich angeordneten Opferhandlung.

Mit dem übrigen Stier geschieht jedoch etwas anderes. Nach Vers 17 werden sein Fell, sein Fleisch und der im Text genannte Mist außerhalb des Lagers verbrannt. Mose bringt also nicht das ganze Tier auf den Altar. Während die ausgewählten Fettstücke dort als Opfergabe verbrannt werden, werden die übrigen Bestandteile an einen anderen Ort gebracht. Das entspricht der ausdrücklichen Anordnung für die Priesterweihe in 2. Mose 29,14. Die Verbrennung außerhalb des Lagers ist kein nebensächliches Detail, sondern gehört zum vorgeschriebenen Ablauf dieses besonderen Sündopfers.

Hier zeigt sich eine weitere wichtige Unterscheidung. In 3. Mose 6,23 wird angeordnet, dass ein Sündopfer nicht gegessen werden darf, wenn sein Blut zur Sühnung in die Stiftshütte hineingebracht worden ist. Bei dem Stier aus 3. Mose 8 wird das Blut jedoch nicht in die Stiftshütte getragen, und dennoch wird sein Fleisch außerhalb des Lagers verbrannt. Daraus folgt, dass die Einsetzungszeremonie eine besondere Opferanordnung besitzt. Die Regel über das Verzehrsverbot bestimmter Sündopfer darf nicht einfach umgekehrt und auf jeden einzelnen Opferfall übertragen werden. Der Text beschreibt genau, was mit diesem Stier geschehen soll, ohne jeden Grund für die Unterschiede zwischen den Opferfällen ausdrücklich zu erklären.

Die Verbrennung außerhalb des Lagers erhält im weiteren Verlauf der Bibel eine zusätzliche Bedeutung. Hebräer 13,11–12 erinnert an jene Sündopfer, deren Blut ins Heiligtum gebracht und deren Körper außerhalb des Lagers verbrannt wurden. Der Verfasser verbindet dies mit Jesus, der außerhalb des Stadttores litt, um das Volk durch sein eigenes Blut zu heiligen. Diese neutestamentliche Deutung darf allerdings nicht ungenau auf jedes Opfer übertragen werden. Der Hebräerbrief spricht ausdrücklich von Opfern, deren Blut ins Heiligtum gebracht wurde. Genau darin unterscheidet sich die dort beschriebene Opfergruppe vom Einweihungsopfer in 3. Mose 8. Die Verbindung liegt daher im größeren Zusammenhang der biblischen Opferordnung und nicht in einer vollständigen Übereinstimmung sämtlicher Einzelheiten.

Für das Verständnis des Priestertums bleibt eine wesentliche Aussage bestehen: Aaron und seine Söhne können ihren Dienst nicht unabhängig von der Sühnung beginnen. Ihre heiligen Gewänder, ihre Abstammung und ihre besondere Berufung beseitigen nicht die menschliche Sündhaftigkeit. Sie benötigen selbst Gottes Vergebung und Reinigung. Damit wird zugleich eine Grenze des alttestamentlichen Priestertums sichtbar. Die Priester können für andere dienen, stehen aber selbst unter denselben grundlegenden Bedingungen menschlicher Schuld und Abhängigkeit von Gott.

Der Hebräerbrief stellt diesem begrenzten Priestertum Jesus Christus gegenüber. Er ist der Hohepriester, der nicht zuerst für eigene Sünden opfern muss, weil er selbst ohne Sünde ist (Hebräer 7,26–28). Während Aaron und seine Nachkommen wiederholt Opfer benötigten, hat Christus sich selbst ein für alle Mal hingegeben. Durch sein eigenes Blut hat er eine Erlösung erwirkt, die über den wiederkehrenden Opferdienst des alten Bundes hinausgeht (Hebräer 9,11–14). So wird die Bedeutung der priesterlichen Sühnung im Licht des Neuen Testaments vertieft, ohne die einzelnen Handlungen in 3. Mose 8 ihrer ursprünglichen Bedeutung zu berauben.

Nachdem das Sündopfer vollständig nach Gottes Anweisung behandelt worden ist, folgt die nächste Opferhandlung. Mose lässt den ersten Widder herbeibringen, der als Brandopfer bestimmt ist. Während das Sündopfer besonders die notwendige Reinigung und Sühnung hervorhebt, richtet das folgende Opfer den Blick auf die vollständige Darbringung vor Gott. Die Weihe der Priester schreitet damit von der Reinigung zur weiteren Vorbereitung ihres heiligen Dienstes voran.

3. Mose 8,18–21

Das Brandopfer als vollständige Hingabe an Gott

Nachdem das Sündopfer dargebracht worden ist, lässt Mose den ersten der beiden Widder herbeibringen. Dieses Tier ist für das Brandopfer bestimmt. Aaron und seine Söhne legen erneut ihre Hände auf den Kopf des Opfertieres. Die Handlung erinnert an das vorherige Sündopfer, doch der weitere Ablauf unterscheidet sich deutlich. Während beim Stier nur bestimmte Fettstücke auf dem Altar verbrannt wurden und der übrige Körper außerhalb des Lagers verbrannt werden musste, wird der Widder des Brandopfers vollständig als Opfergabe auf dem Altar dargebracht. Dieser Unterschied gehört zum besonderen Charakter des Brandopfers und hilft, seine Bedeutung innerhalb der Priesterweihe zu verstehen.

Schon in 3. Mose 1 hatte Gott die grundlegenden Vorschriften für das Brandopfer gegeben. Dort wird erklärt, dass der Opfernde seine Hand auf den Kopf des Tieres legen soll und dass das Opfer für ihn angenommen wird, um Sühnung zu erwirken (3. Mose 1,4). Das Brandopfer besitzt also ebenfalls eine Bedeutung für die Versöhnung des Menschen mit Gott. Es wäre deshalb falsch, das vorausgehende Sündopfer ausschließlich mit Vergebung und das Brandopfer ausschließlich mit Hingabe gleichzusetzen. Beide gehören zur von Gott eingesetzten Opferordnung, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Beim Brandopfer tritt besonders die vollständige Darbringung an Gott hervor. Das Tier wird nicht als gemeinsames Mahl verwendet, sondern die dafür vorgesehenen Teile werden auf dem Altar verbrannt.

Wie schon beim Sündopfer handelt Mose selbst. Er schlachtet den Widder und sprengt dessen Blut ringsum an den Altar. Hier fällt eine wichtige Einzelheit auf: Mose streicht das Blut nicht an die Hörner des Altars, wie er es beim vorherigen Sündopfer getan hatte. Stattdessen wird es rings um den Altar gesprengt. Genau diese Handlung war bereits in 3. Mose 1,5 für ein Brandopfer vorgeschrieben worden. Obwohl beide Opfer Bluthandlungen enthalten, werden sie unterschiedlich ausgeführt. Das zeigt, dass Gott für die verschiedenen Opferarten konkrete Anweisungen gegeben hatte. Die Bedeutung eines Opfers lässt sich deshalb nicht allein daraus bestimmen, dass Blut verwendet wurde. Entscheidend ist auch, zu welcher Opferart es gehört und wie das Blut nach Gottes Anweisung behandelt werden soll.

Anschließend zerlegt Mose den Widder in seine einzelnen Stücke. Er legt den Kopf, die Fleischstücke und das Fett auf das Feuer des Altars. In Vers 21 wird zusätzlich erwähnt, dass er die Eingeweide und die Schenkel mit Wasser wäscht, bevor auch diese Teile verbrannt werden. Diese Reihenfolge entspricht den Vorschriften für das Brandopfer aus 3. Mose 1,8–9. Die Waschung war ein Bestandteil der vorgeschriebenen Vorbereitung des Opfertieres. Sie darf nicht mit der vorherigen Waschung Aarons und seiner Söhne verwechselt werden. Dort wurden Menschen auf ihren heiligen Dienst vorbereitet; hier werden bestimmte Teile eines Opfertieres gereinigt, bevor sie auf dem Altar dargebracht werden.

Gerade diese sorgfältige Vorbereitung verdeutlicht, dass das Brandopfer nicht einfach aus dem Verbrennen eines geschlachteten Tieres bestand. Jeder Schritt gehörte zu einer festgelegten Ordnung. Das Tier wurde geschlachtet, sein Blut am Altar verwendet, sein Körper zerlegt und die betreffenden Teile gereinigt. Erst dann war die Darbringung vollständig. Dabei erklärt der Text nicht, dass jedes einzelne Körperteil eine eigene geistliche Bedeutung besitzt. Eine Deutung, nach der beispielsweise die Schenkel ausschließlich den Lebenswandel und die Eingeweide ausschließlich die innersten Gedanken des Menschen symbolisieren, würde über den ausdrücklich beschriebenen Vorgang hinausgehen. Die geistliche Bedeutung ergibt sich zunächst aus dem Charakter des gesamten Brandopfers.

Vers 21 berichtet schließlich, dass Mose den ganzen Widder auf dem Altar verbrennt. Damit unterscheidet sich das Brandopfer von Opferarten, bei denen bestimmte Fleischanteile den Priestern oder den Opfernden zum Verzehr zufielen. Allerdings ist bei dem Ausdruck „ganzer Widder“ eine kleine Einschränkung zu beachten. Die allgemeinen Brandopfervorschriften in 3. Mose 1,6 kennen das Abziehen der Haut, und 3. Mose 7,8 weist diese bei einem gewöhnlichen Brandopfer dem diensttuenden Priester zu. Ob und wie diese Regel bei dem besonderen Einweihungswidder angewandt wurde, wird in 3. Mose 8 nicht eigens erklärt. Die entscheidende Aussage bleibt dennoch bestehen: Das Brandopfer war hinsichtlich seiner eigentlichen Opfergabe durch die vollständige Verbrennung auf dem Altar gekennzeichnet.

Diese umfassende Darbringung macht das Brandopfer zu einem eindrucksvollen Bild der Hingabe an Gott. Aaron und seine Söhne sollten künftig nicht nur einzelne religiöse Handlungen ausführen, sondern mit ihrem ganzen Dienst dem HERRN gehören. Die geistliche Anwendung ergibt sich aus dem Zusammenhang ihrer Einsetzung: Wer für Gottes Dienst bestimmt ist, soll ihm nicht nur äußerlich dienen, sondern auch sein Leben nach seinem Willen ausrichten. Das bedeutet nicht, dass der Widder jede Einzelheit des späteren priesterlichen Lebens symbolisch darstellt. Aber die vollständige Darbringung passt zu der grundlegenden Forderung, Gott nicht nur einen begrenzten Teil des eigenen Lebens vorzubehalten.

An dieser Stelle verwendet der Bibeltext eine bemerkenswerte Formulierung. Das Brandopfer wird als Opfer zum „lieblichen Geruch“ bezeichnet. Damit ist nicht gemeint, dass Gott wie ein Mensch durch den angenehmen Duft verbrannten Fleisches erfreut oder zu einer wohlwollenden Haltung bewegt werden müsste. Die Wendung gehört zur biblischen Opfersprache und beschreibt die Darbringung eines Opfers, das Gottes Anordnung entspricht und ihm wohlgefällig sein soll. Ähnliche Formulierungen begegnen auch bei anderen Opferarten, etwa in 3. Mose 3,5 und 4,31. Der Ausdruck ist deshalb kein ausschließliches Kennzeichen des Brandopfers. Hier unterstreicht er, dass der Widder in der von Gott bestimmten Weise dargebracht wird.

Wie wichtig dabei die innere Haltung des Menschen ist, zeigen spätere Aussagen der Schrift. Psalm 51,18–19 erklärt, dass Gott nicht einfach durch äußere Opfer zufriedengestellt werden kann, wenn das Herz des Menschen ihm fernbleibt. David erkennt, dass ein zerbrochener Geist und ein demütiges Herz vor Gott von entscheidender Bedeutung sind. Diese Worte heben die damals bestehende Opferordnung nicht einfach auf. Sie schützen jedoch vor dem Missverständnis, die äußere Durchführung eines Rituals könne unabhängig von Glauben, Umkehr und Gehorsam Gottes Wohlgefallen sichern. Auch die Priester sollten niemals meinen, ihre Stellung vor Gott beruhe allein darauf, dass sie die vorgeschriebenen Handlungen äußerlich erfüllten.

Im Neuen Testament erhält die Sprache der wohlgefälligen Opfergabe eine besondere Tiefe. Paulus schreibt in Epheser 5,2, dass Christus sich selbst für uns hingegeben hat, als Gabe und Opfer zu einem lieblichen Geruch für Gott. Damit greift er die Sprache der alttestamentlichen Opfer auf und verbindet sie ausdrücklich mit Jesu freiwilliger Selbsthingabe. Anders als die Tiere des alten Bundes bringt Christus nicht etwas außerhalb seiner selbst dar. Er gibt sein eigenes Leben hin. Seine Hingabe geschieht aus Liebe und in vollkommenem Gehorsam gegenüber dem Vater. Dadurch führt das Neue Testament die Opfergedanken des Alten Bundes zu ihrem entscheidenden Mittelpunkt: Jesus Christus.

Der Hebräerbrief vertieft diese Verbindung, indem er erklärt, dass die wiederholten Tieropfer die Sünde nicht endgültig beseitigen konnten (Hebräer 10,1–4). Christus dagegen kam, um den Willen Gottes zu erfüllen, und hat durch die einmalige Darbringung seines Leibes die entscheidende Grundlage der Heiligung geschaffen (Hebräer 10,5–10). Die Bedeutung seines Opfers liegt deshalb nicht nur darin, dass er ein Beispiel vollständiger Hingabe gegeben hätte. Sein Tod ist zugleich das wirksame Opfer für die Sünde. Diese beiden Gedanken dürfen nicht voneinander getrennt werden: Jesus gibt sich vollkommen dem Willen seines Vaters hin und vollbringt gerade dadurch das Erlösungswerk, das kein menschlicher Priester und kein Tieropfer vollenden konnte.

Von dieser Grundlage aus wird auch die Aufforderung des Paulus in Römer 12,1 verständlich. Er ermutigt die Gläubigen, ihre Leiber als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen. Damit verlangt Paulus keine Wiederholung des alttestamentlichen Brandopfers. Christen sollen auch nicht durch eigene Opferbereitschaft ihre Erlösung verdienen. Vielmehr ruft er Menschen, die Gottes Barmherzigkeit erfahren haben, dazu auf, ihr Leben bewusst in seinen Dienst zu stellen. Die Hingabe ist eine Antwort auf Gottes Gnade, nicht deren Kaufpreis.

Für Aaron und seine Söhne ist das Brandopfer nun vollendet. Mose hat den Widder nach der vorgeschriebenen Ordnung dargebracht und damit einen weiteren Schritt ihrer Einsetzung abgeschlossen. Doch noch fehlt eine besondere Handlung, die unmittelbar mit ihrem künftigen Dienst verbunden ist. Ein zweiter Widder wird herbeigebracht, dessen Blut nicht nur am Altar verwendet, sondern auch an bestimmte Körperstellen der Priester gestrichen wird. Dadurch führt die Erzählung von der vollständigen Darbringung des Brandopfers zur persönlichen Weihe der Männer, die künftig vor Gott dienen sollen.

3. Mose 8,22–24

Das Blut des Einweihungsopfers an Ohr, Hand und Fuß

Ein zweiter Widder wird vor Aaron und seine Söhne gebracht. Dieses Tier hat eine besondere Bestimmung: Es ist der Widder des Einweihungsopfers. Nachdem bereits ein Sündopfer und ein Brandopfer dargebracht worden sind, folgt nun eine Handlung, die unmittelbar mit der Übernahme des priesterlichen Dienstes verbunden ist. Der weitere Ablauf unterscheidet sich von den bisherigen Opfern. Das Blut wird nicht nur am Altar verwendet, sondern auch an bestimmten Stellen der Körper Aarons und seiner Söhne angebracht. Auf diese Weise werden die Männer selbst in auffälliger Weise in die Weihehandlung einbezogen.

Wie bei den beiden vorherigen Opfern legen Aaron und seine Söhne zunächst ihre Hände auf den Kopf des Widders. Diese wiederholte Handlung verbindet sie mit dem Tier, das für ihre Einsetzung dargebracht wird. Doch obwohl die Handauflegung dieselbe äußere Form besitzt, darf daraus nicht geschlossen werden, dass alle drei Opfer dieselbe Bedeutung haben. Beim Sündopfer stand besonders die Reinigung und Sühnung im Vordergrund. Das Brandopfer brachte die vollständige Darbringung vor Gott zum Ausdruck. Der zweite Widder gehört dagegen ausdrücklich zur Einsetzung in den priesterlichen Dienst. Seine Besonderheit liegt vor allem darin, wie das Opferblut verwendet wird und welche weiteren Handlungen sich daran anschließen.

Nachdem Mose den Widder geschlachtet hat, nimmt er etwas von dessen Blut und streicht es zunächst an Aarons rechtes Ohrläppchen. Danach bringt er Blut an den Daumen seiner rechten Hand und an die große Zehe seines rechten Fußes. Diese genaue Auswahl ist bemerkenswert. Mose verwendet das Blut nicht wahllos und bestreicht auch nicht den gesamten Körper. Vielmehr werden drei bestimmte Stellen an unterschiedlichen Körperteilen berührt. Bereits in 2. Mose 29,20 hatte Gott genau diese Handlung angeordnet. 3. Mose 8 berichtet nun ihre tatsächliche Durchführung.

Das Ohr ist das Organ des Hörens. Für einen Priester, dessen Aufgabe eng mit Gottes Anweisungen verbunden war, besaß das Hören eine besondere Bedeutung. Die Priester sollten nicht nach eigenen Vorstellungen entscheiden, welche Opfer Gott gefallen oder wie der Gottesdienst gestaltet werden musste. Sie hatten auf sein Wort zu achten und seine Gebote gewissenhaft zu beachten. Darum liegt die geistliche Anwendung nahe, dass ein für Gott geweihtes Ohr zuerst auf seine Stimme hören soll. Allerdings erklärt der biblische Text die Berührung des Ohrläppchens nicht ausdrücklich mit diesen Worten. Die Verbindung zwischen Hören und Gehorsam ist in der Schrift gut begründet; ihre Anwendung auf diese konkrete Blutmarkierung bleibt eine sinnvolle Deutung, keine im Vers selbst ausgesprochene Erklärung.

Die zweite Stelle ist der Daumen der rechten Hand. Die Hand ist eng mit dem menschlichen Handeln verbunden. Gerade die Hände der Priester sollten künftig Opfergaben entgegennehmen, bestimmte Teile der Tiere auf den Altar legen, Blut nach Gottes Anweisung verwenden und zahlreiche weitere Aufgaben im Heiligtum ausführen. Die Berührung des Daumens lässt sich deshalb als ein Zeichen verstehen, dass auch ihre Tätigkeit unter Gottes Anspruch steht. Nicht nur ihre Berufung, sondern ebenso die praktische Ausübung ihres Amtes sollte ihm gehören. Ein Priester konnte nicht behaupten, Gott zu dienen, während er gleichzeitig dessen Anweisungen bei der Durchführung seiner Aufgaben missachtete.

Schließlich bringt Mose Blut an die große Zehe von Aarons rechtem Fuß. Der Fuß steht im natürlichen Zusammenhang mit dem Gehen und dem Weg, den ein Mensch einschlägt. Deshalb lässt sich in dieser Handlung eine weitere geistliche Bedeutung erkennen: Wer für Gottes Dienst geweiht ist, soll auch seinen Lebensweg nach Gottes Willen ausrichten. Psalm 119,105 verwendet ein ähnliches Bild, wenn Gottes Wort als Licht für den Weg des Menschen beschrieben wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Psalm die Blutmarkierung der Priesterweihe ausdrücklich auslegt. Er hilft vielmehr, die biblische Verbindung zwischen Gottes Wort und dem menschlichen Lebenswandel zu verstehen.

Betrachtet man alle drei Körperstellen gemeinsam, entsteht ein eindrucksvolles Gesamtbild. Das Ohr erinnert an das Hören, die Hand an das Handeln und der Fuß an den Lebensweg. Die Priester sollten Gottes Anweisungen nicht nur kennen, sondern ihren gesamten Dienst danach ausrichten. Diese Auslegung fügt sich gut in den größeren Zusammenhang der Schrift ein. Besonders Jakobus 1,22 betont, dass Gottes Wort nicht lediglich gehört, sondern auch getan werden soll. Dennoch muss eine Grenze beachtet werden: 3. Mose 8 nennt Ohr, Daumen und Zehe, erklärt aber nicht ausdrücklich, dass sie jeweils diese drei geistlichen Bedeutungen besitzen. Sicher ist die umfassende persönliche Weihe; die Zuordnung zu Hören, Handeln und Gehen ist eine naheliegende geistliche Anwendung.

Auch die wiederholte Verwendung der rechten Körperseite fällt auf. Mose berührt nicht beide Ohren, beide Hände und beide Füße, sondern ausschließlich die rechte Seite. In der biblischen Bildsprache ist die rechte Seite häufig mit Kraft, Vorrang oder Ehre verbunden. Dennoch wird in diesem Kapitel nicht erklärt, weshalb gerade die rechte Seite für die Blutmarkierung vorgesehen war. Aus der allgemeinen Bedeutung der rechten Hand lässt sich deshalb kein sicherer geheimer Symbolcode für das rechte Ohr oder den rechten Fuß ableiten. Entscheidend bleibt, dass Mose die genau festgelegten Stellen berührt und damit Gottes Anweisung erfüllt.

Nach Aaron treten auch seine Söhne heran. Mose vollzieht an ihnen dieselbe Handlung: Er streicht Blut an ihr rechtes Ohrläppchen, an den rechten Daumen und an die große Zehe ihres rechten Fußes. Obwohl Aaron als Hohepriester eine besondere Stellung besitzt, werden seine Söhne bei dieser Blutmarkierung nicht ausgelassen. Sie erhalten dieselben Zeichen an denselben Körperstellen. Ihre Aufgaben im Heiligtum werden sich von denen ihres Vaters unterscheiden, doch auch sie benötigen die vorgeschriebene Einsetzung. Die Zugehörigkeit zu Aarons Familie allein genügt nicht, um den heiligen Dienst ohne diese Vorbereitung aufzunehmen.

Gerade darin zeigt sich ein wichtiger Grundsatz der priesterlichen Ordnung. Aaron steht als Hohepriester an der Spitze seiner Familie, aber seine Söhne dürfen ihren Dienst nicht einfach aufgrund seiner persönlichen Weihe ausüben. Sie werden selbst in die Opferhandlung einbezogen. Ihre Berufung ist mit einer eigenen Verantwortung verbunden. Was Gott ihnen für den Dienst anvertraut, kann nicht stellvertretend durch die Treue ihres Vaters erfüllt werden. Diese Beobachtung ergibt sich nicht aus einer verborgenen Bedeutung der einzelnen Blutzeichen, sondern aus der Tatsache, dass Mose die vorgeschriebene Handlung an jedem der eingesetzten Priester vollzieht.

Nachdem das Blut an den Körperstellen Aarons und seiner Söhne angebracht worden ist, sprengt Mose das übrige Blut ringsum an den Altar. Damit wird die Verbindung zwischen den Priestern und dem Opferdienst noch deutlicher. Dasselbe Opferblut kommt sowohl mit den Männern, die künftig am Heiligtum dienen sollen, als auch mit dem Altar in Berührung. Die Priester werden nicht unabhängig vom Heiligtum geweiht, und ihre Aufgabe lässt sich nicht von der dort eingesetzten Opferordnung trennen. Ihr Dienst erhält seinen Platz innerhalb der von Gott geschaffenen Ordnung der Annäherung an ihn.

Eine besonders bemerkenswerte Parallele begegnet später in 3. Mose 14. Dort wird bei der Reinigung eines Menschen nach einer schweren Hauterkrankung ebenfalls Opferblut an das rechte Ohrläppchen, den rechten Daumen und die rechte große Zehe gestrichen. Anschließend wird Öl auf dieselben Stellen gebracht (3. Mose 14,14–18). Die Übereinstimmung mit der Priesterweihe ist auffällig und kann kaum übersehen werden. Dennoch unterscheiden sich Anlass und Ziel der beiden Handlungen. In 3. Mose 8 werden Männer in den Priesterdienst eingesetzt; in 3. Mose 14 wird ein gereinigter Mensch nach der vorgeschriebenen Ordnung wieder in die kultische Gemeinschaft aufgenommen. Er wird dadurch nicht zum Priester. Die Parallele zeigt, dass dieselben Körperstellen in unterschiedlichen Weihe- und Reinigungszusammenhängen eine Bedeutung besitzen konnten, ohne dass beide Rituale vollständig gleichgesetzt werden dürfen.

Auch die Verbindung zwischen Blut und Öl verdient Aufmerksamkeit. Aaron wurde bereits vor dem Einweihungsopfer mit Öl gesalbt. Später, in Vers 30, wird Mose Salböl und Opferblut zusammen auf Aaron, seine Söhne und ihre Kleider sprengen. Im weiteren Verlauf der Bibel erhält sowohl das Blut als auch die Salbung eine große Bedeutung für das Verständnis der Erlösung. Doch es wäre zu weitgehend, jede einzelne Handlung unmittelbar mit einem bestimmten neutestamentlichen Begriff gleichzusetzen. Vor allem darf die Reihenfolge bei der Priesterweihe nicht mit dem Reinigungsritual aus Kapitel 14 verwechselt werden. Dort wird Öl ausdrücklich auf die bereits mit Blut berührten Körperstellen gegeben; in Kapitel 8 wird dies nicht in derselben Weise beschrieben.

Das Neue Testament eröffnet dennoch eine wichtige Verbindung zur Bedeutung des Blutes Christi. Hebräer 9,14 erklärt, dass das Blut Jesu das Gewissen von toten Werken reinigt, damit Menschen dem lebendigen Gott dienen können. Hier tritt ein Gedanke hervor, der über die äußeren Handlungen der alten Priesterweihe hinausführt. Die Reinigung durch Christus betrifft nicht nur eine besondere Gruppe von Männern, die am Heiligtum Opfer darbringen sollen. Durch sein Erlösungswerk schafft Jesus die Grundlage dafür, dass Menschen Gott mit einem gereinigten Gewissen dienen können. Die alte Ordnung bestand aus wiederholten Tieropfern und vorgeschriebenen Weihehandlungen. Christus dagegen hat sich selbst durch den ewigen Geist Gott als makelloses Opfer dargebracht.

Damit verändert sich auch das Verständnis des Priesterdienstes im neuen Bund. In 1. Petrus 2,5 und 2,9 werden die Gläubigen als heilige beziehungsweise königliche Priesterschaft bezeichnet. Sie bringen keine Tieropfer dar, um die Erlösung Christi zu ergänzen. Vielmehr sind sie durch ihn zu einem Leben berufen, das Gott ehrt und seinen Willen sichtbar werden lässt. Auch für sie gehören das Hören auf Gottes Wort, der Gehorsam im täglichen Handeln und ein von ihm geprägter Lebensweg untrennbar zusammen. Diese Verbindung ist eine geistliche Anwendung aus dem Gesamtzeugnis der Schrift. Sie bedeutet nicht, dass Christen dieselben Blutrituale wie Aaron und seine Söhne wiederholen müssten.

So besitzt die ungewöhnliche Blutmarkierung in der Mitte der Priesterweihe eine besondere Aussagekraft. Die eingesetzten Männer werden nicht nur durch ihre Kleidung als Priester kenntlich gemacht. Auch an ihren Körpern wird eine Handlung vollzogen, die sie persönlich mit dem Opfer und ihrem künftigen Dienst verbindet. Die äußerlich sichtbaren Zeichen erinnern daran, wie umfassend die Verantwortung ist, die sie übernehmen sollen. Die Einzelheiten ihrer symbolischen Bedeutung bleiben teilweise offen, doch das grundlegende Anliegen der Einsetzung ist deutlich: Der Dienst vor Gott soll nicht nach menschlichem Belieben geschehen, sondern vollständig unter seiner Anweisung stehen.

Mit der Blutmarkierung ist die Darbringung des zweiten Widders jedoch noch nicht abgeschlossen. Im nächsten Schritt werden bestimmte Fettstücke, die rechte Keule und verschiedene ungesäuerte Brote vorbereitet. Mose legt diese Opfergaben unmittelbar in die Hände Aarons und seiner Söhne. Damit erreicht die Einsetzung einen weiteren bedeutenden Abschnitt: Die Männer, die künftig selbst Opfergaben vor Gott darbringen sollen, empfangen nun bei ihrer Weihe die dafür vorgesehenen Gaben in ihre eigenen Hände.

3. Mose 8,25–29

Gefüllte Hände und die Übergabe des Opferdienstes

Der Einweihungswidder ist geschlachtet, und sein Blut wurde bereits an Aaron, seine Söhne und den Altar gebracht. Nun folgt eine ungewöhnliche Handlung, die dem Opfer seinen besonderen Namen gibt. Mose nimmt bestimmte Teile des Widders sowie verschiedene ungesäuerte Brote und legt sie in die Hände der zukünftigen Priester. Diese dürfen die Gaben jedoch nicht einfach behalten. Sie werden zunächst vor dem HERRN dargebracht und anschließend auf dem Altar verbrannt. In dieser Handlung wird sichtbar, dass Aaron und seine Söhne eine Aufgabe empfangen, deren Ursprung bei Gott liegt.

Zunächst beschreibt Vers 25, welche Teile des Widders Mose auswählt. Dazu gehören die vorgeschriebenen Fettstücke, der Fettschwanz, das Fett an den Eingeweiden, der Teil an der Leber, die beiden Nieren mit dem daran befindlichen Fett sowie die rechte Keule. Ein Teil dieser Anordnung entspricht der Behandlung der Fettstücke bei den Friedensopfern, wie sie bereits in 3. Mose 3 beschrieben wurde. Besonders bemerkenswert ist jedoch die zusätzliche rechte Keule. Während bei gewöhnlichen Friedensopfern bestimmte Fleischanteile den Priestern zustanden, wird diese Keule bei der Einsetzung Aarons zunächst für eine besondere Darbringung ausgesondert. Der Unterschied ist wichtig, weil er zeigt, dass die Priesterweihe nicht einfach ein gewöhnliches Friedensopfer wiederholt.

In 3. Mose 7,32–33 hatte Gott bestimmt, dass die rechte Keule eines Friedensopfers dem Priester zufallen sollte, der den vorgeschriebenen Blut- und Fettdienst ausführte. Sie gehörte also zu den Anteilen, die den Priestern für ihren Dienst zugewiesen waren. Bei der Einsetzung Aarons geschieht nun etwas Auffälliges: Gerade dieser Teil wird nicht zum Verzehr zurückbehalten, sondern zusammen mit den anderen Opfergaben auf dem Altar verbrannt. Dadurch erhält die Handlung eine besondere Bedeutung. Noch bevor Aaron und seine Söhne künftig die ihnen zustehenden Opferanteile empfangen, werden entsprechende Gaben bei ihrer Einsetzung Gott dargebracht. Die spätere Versorgung der Priester erscheint damit nicht als selbst erworbenes Recht, sondern als Teil einer Ordnung, die Gott selbst festgelegt hat.

Anschließend nimmt Mose nach Vers 26 drei verschiedene Brote aus dem Korb, der vor dem HERRN steht. Es handelt sich um einen ungesäuerten Kuchen, einen mit Öl zubereiteten Brotkuchen und einen Fladen. Diese drei Brotarten waren bereits in 2. Mose 29,2–3 für die Priesterweihe vorgeschrieben worden. Das Brot gehört hier nicht zu einer gewöhnlichen Mahlzeit, sondern ist Bestandteil der Opferhandlung. Mose legt die ausgewählten Stücke auf die Fettteile und die rechte Keule, sodass Fleisch- und Brotgaben gemeinsam dargebracht werden können.

Dass das Brot ungesäuert sein musste, entspricht der ausdrücklichen Anordnung für diese Zeremonie. Ungesäuertes Brot begegnet in der Bibel auch in anderen heiligen Zusammenhängen, besonders beim Passah und bei den Speisopfern. Dennoch sollte daraus nicht geschlossen werden, dass jede Verwendung ungesäuerten Brotes genau dieselbe geistliche Bedeutung besitzt. In 3. Mose 8 wird nicht erklärt, dass die drei Brotarten jeweils für eine bestimmte Tugend oder eine besondere Stufe des Glaubens stehen. Ihre Bedeutung liegt zunächst darin, dass sie nach Gottes Anweisung zur Einsetzung der Priester gehören. Auch das mit Öl zubereitete Brot darf nicht automatisch mit der persönlichen Salbung Aarons gleichgesetzt werden. Das Öl besitzt innerhalb dieser beiden Handlungen unterschiedliche unmittelbare Funktionen.

Nun erreicht die Erzählung ihren eigentlichen Höhepunkt. Mose legt sämtliche vorbereiteten Opfergaben in die Hände Aarons und seiner Söhne. Zum ersten Mal werden sie innerhalb ihrer Einsetzung auf diese Weise selbst zu Trägern der Gaben, die vor Gott dargebracht werden sollen. Bisher hatte Mose die Opfertiere geschlachtet, das Blut verwendet und die vorgeschriebenen Teile auf dem Altar verbrannt. Nun erhalten die zukünftigen Priester die Opfergaben unmittelbar in ihre Hände. Diese Handlung ist für das Verständnis ihres neuen Amtes von besonderer Bedeutung, denn sie steht in enger Verbindung mit einer auffälligen hebräischen Ausdrucksweise.

Im Alten Testament wird die Einsetzung eines Priesters mehrfach mit der Redewendung beschrieben, jemandem die Hände zu füllen. Auch in 3. Mose 8,33 begegnet dieser Ausdruck wieder. Das Wort für die Einweihung gehört zu derselben sprachlichen Verbindung. Bei der Zeremonie wird diese Redeweise nun geradezu anschaulich: Mose füllt die Hände Aarons und seiner Söhne tatsächlich mit den vorgesehenen Opfergaben. Die Handlung bringt ihre neue Aufgabe zum Ausdruck. Ihre Hände werden für den Dienst am Heiligtum eingesetzt. Was sie künftig als Priester darbringen dürfen, empfangen sie nicht aus eigener Vollmacht, sondern aufgrund der Berufung und Ordnung Gottes.

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Diese Verbindung zwischen der sichtbaren Handlung und der hebräischen Sprache eröffnet einen wichtigen Zugang zum Verständnis der Priesterweihe. Das Füllen der Hände bedeutet nicht einfach, dass Aaron und seine Söhne reich beschenkt werden oder künftig über die Opfergaben frei verfügen können. Vielmehr werden sie für eine bestimmte Aufgabe eingesetzt. Gott überträgt ihnen den Dienst an den heiligen Gaben. Die gefüllten Hände sind deshalb ein Zeichen ihrer Amtsübernahme. Wer später am Altar dient, handelt nicht als Eigentümer des Heiligtums, sondern als jemand, dem eine heilige Verantwortung anvertraut wurde.

Nachdem Mose die Gaben in ihre Hände gelegt hat, werden sie nach Vers 27 als Webopfer vor dem HERRN dargebracht. Der Ausdruck bezeichnet eine besondere rituelle Darbringung, bei der die Opfergabe vor Gott bewegt oder erhoben wurde. Die Schlachter 1951 verwendet dafür das ältere Wort „weben“. Es hat hier nichts mit der Herstellung eines Gewebes zu tun. Gemeint ist eine vorgeschriebene Bewegung der Opfergabe vor dem HERRN. Wie diese Bewegung im Einzelnen ausgeführt wurde, lässt sich aus dem Vers allerdings nicht vollständig rekonstruieren. Entscheidend ist, dass die Gaben auf diese Weise ausdrücklich Gott dargebracht werden.

Gerade die Verbindung zwischen den Händen der Priester und der Darbringung vor dem HERRN verdient Beachtung. Aaron und seine Söhne halten die Gaben, doch die Opfer sind nicht für ihren eigenen Gebrauch bestimmt. Sie werden vor Gott gebracht. Das verdeutlicht die Richtung ihres zukünftigen Dienstes. Die Priester sollten nicht ihre eigene Bedeutung hervorheben, sondern die ihnen anvertrauten Aufgaben im Heiligtum nach Gottes Willen ausführen. Ihre Hände waren künftig mit zahlreichen Opferhandlungen beschäftigt, doch die heiligen Gaben gehörten letztlich in den Gottesdienst des HERRN. Die Einsetzung erinnert sie daran, dass priesterliche Vollmacht immer eine von Gott begrenzte und bestimmte Aufgabe bleibt.

In Vers 28 nimmt Mose die Opfergaben wieder aus den Händen Aarons und seiner Söhne. Anschließend verbrennt er sie auf dem Altar, zusammen mit dem zuvor dargebrachten Brandopfer. Hier zeigt sich nochmals, dass die Männer ihre neue Stellung noch nicht unabhängig ausüben. Obwohl sie die Gaben bereits in den Händen gehalten haben, vollendet Mose die Opferhandlung. Ihre Einsetzung ist noch im Gange. Erst nach dem Abschluss der vorgeschriebenen Weihe werden sie ihren Priesterdienst selbst aufnehmen. Die gefüllten Hände bedeuten daher nicht, dass alle Voraussetzungen bereits mit dieser einen Handlung erfüllt wären. Sie gehören vielmehr zu dem gesamten Ablauf, durch den die Männer für ihren Dienst vorbereitet werden.

Der Text bezeichnet die verbrannten Gaben als Einweihungsopfer, als Feueropfer für den HERRN und als Opfer zum lieblichen Geruch. Diese Bezeichnungen verbinden die besondere Amtsübertragung mit der gewöhnlichen Sprache des israelitischen Opferdienstes. Der Ausdruck vom lieblichen Geruch beschreibt die Gott dargebrachte Opfergabe in der vorgesehenen Ordnung. Er bedeutet nicht, dass Gott durch den materiellen Duft der verbrannten Stücke zu einem bestimmten Verhalten bewegt werden müsste. Die entscheidende Bedeutung liegt in der Darbringung nach seinem Willen. Die Priester erhalten ihre Aufgabe nicht durch einen selbst erfundenen Ritus, sondern durch eine Zeremonie, deren Bestandteile Gott zuvor angeordnet hatte.

Eine weitere Besonderheit folgt in Vers 29. Mose nimmt die Brust des Einweihungswidders und bringt auch sie als Webopfer vor dem HERRN dar. Anders als die zuvor genannten Opferteile wird die Brust jedoch nicht verbrannt. Der Text erklärt ausdrücklich, dass sie Mose als sein Anteil an diesem Opfer zusteht. Damit wird innerhalb derselben Zeremonie zwischen Gaben unterschieden, die vollständig auf dem Altar verbrannt werden, und einem Anteil, den Mose erhält. Auch diese Zuweisung beruht auf Gottes Anweisung und nicht auf einer persönlichen Entscheidung Moses.

Dieser Vorgang gewinnt durch den Vergleich mit den allgemeinen Friedensopfern an Bedeutung. Nach 3. Mose 7,30–34 sollte die Brust den Priestern als Anteil zufallen, während die rechte Keule dem Priester zustand, der den entsprechenden Opferdienst ausführte. Beim Einweihungsopfer wird die rechte Keule dagegen auf dem Altar verbrannt, während Mose die Brust erhält. Die ungewöhnliche Verteilung gehört zur besonderen Situation der Priesterweihe. Mose führt die Einsetzung durch und erhält deshalb den ausdrücklich bestimmten Anteil. Der Text liefert damit keinen Beleg dafür, dass die spätere priesterliche Verteilung der Opfergaben in jedem Einzelpunkt genauso ablaufen sollte wie bei dieser einmaligen Einsetzung Aarons und seiner Söhne.

Die Zuweisung der Opferanteile zeigt zugleich, dass der Priesterdienst auch eine geregelte materielle Versorgung einschloss. Die Priester Israels sollten für ihre Aufgaben nicht einfach aus den Opfergaben nehmen, was ihnen gefiel. Gott selbst bestimmte, welche Teile ihm auf dem Altar dargebracht werden mussten und welche Anteile den Priestern zustanden. Diese Ordnung wird auch in 5. Mose 18,1–2 aufgegriffen, wo die besondere Versorgung der Priester und Leviten mit ihrer Stellung innerhalb Israels verbunden wird. Ihre materielle Versorgung gehörte zu ihrem Dienstauftrag. Sie war jedoch kein Freibrief zur persönlichen Bereicherung und auch keine Erlaubnis, heilige Gaben nach Belieben zu verwenden.

Im Hebräerbrief wird später erklärt, dass jeder Hohepriester eingesetzt wird, um Gaben und Opfer darzubringen (Hebräer 8,3). Damit greift das Neue Testament eine wesentliche Aufgabe auf, die bereits bei Aarons Einsetzung sichtbar wurde. Die Priester waren dazu bestimmt, im Rahmen der göttlichen Ordnung Opfer vor Gott zu bringen. Doch der Hebräerbrief zeigt zugleich die Grenze dieses Dienstes. Die Priester des alten Bundes mussten immer wieder vor den Altar treten und neue Opfer darbringen. Jesus Christus dagegen hat durch die einmalige Hingabe seiner selbst das entscheidende Opfer vollbracht, das keiner Wiederholung bedarf (Hebräer 10,11–14).

Darin liegt ein grundlegender Unterschied zwischen den gefüllten Händen Aarons und dem vollkommenen Priesterdienst Christi. Aaron und seine Söhne empfangen Opfergaben, die sie künftig nach Gottes Anweisung darbringen sollen. Jesus dagegen ist nicht nur der von Gott eingesetzte Hohepriester, sondern zugleich derjenige, der sich selbst als Opfer hingibt. Sein Priesterdienst beruht nicht auf der wiederholten Darbringung fremder Opfergaben. Durch seine eigene Hingabe schafft er die Grundlage der endgültigen Versöhnung. Die alte Priesterweihe erklärt nicht bereits alle Einzelheiten dieses späteren Erlösungswerkes, doch sie hilft zu verstehen, was es bedeutet, von Gott für einen vermittelnden Dienst eingesetzt zu werden.

Mit der Darbringung der Opfergaben und der Zuweisung von Moses Anteil ist ein wesentlicher Teil der Einsetzung vollzogen. Aaron und seine Söhne haben die heiligen Gaben in ihren Händen gehalten und vor Gott dargebracht. Damit wurde ihre neue Aufgabe auf eine Weise sichtbar, die unmittelbar mit der biblischen Sprache der Priesterweihe verbunden ist. Doch die Zeremonie ist noch nicht beendet. Im nächsten Vers greift Mose erneut zum Salböl und zum Opferblut. Diesmal werden nicht einzelne Körperstellen berührt, sondern Aaron, seine Söhne und ihre priesterlichen Kleider gemeinsam besprengt. So wird die persönliche Weihe mit der Kleidung verbunden, die sie künftig während ihres heiligen Dienstes tragen sollen.

3. Mose 8,30

Die gemeinsame Weihe durch Blut und Salböl

Nachdem Mose die vorgeschriebenen Opfergaben dargebracht hat, nimmt er erneut das Salböl zur Hand. Diesmal verwendet er zugleich Blut, das sich am Altar befindet. Mit diesen beiden Mitteln besprengt er Aaron, dessen Kleider, seine Söhne und deren Kleider. Der Vers beschreibt damit eine gemeinsame Weihehandlung, in die sowohl die Priester als auch ihre Amtskleidung einbezogen werden. Nicht nur die Männer selbst, sondern auch die Gewänder, die sie künftig beim Dienst vor Gott tragen sollen, werden ausdrücklich geheiligt.

Eine wichtige Einzelheit liegt in der Herkunft des Blutes. Mose nimmt nicht einfach Blut von einem beliebigen geschlachteten Tier, sondern ausdrücklich Blut vom Altar. Dieses stammt aus der vorausgegangenen Opferhandlung. Dadurch bleibt die Weihe der Priester unmittelbar mit dem Opferdienst verbunden. Das Salböl war bereits für die besondere Verwendung im Heiligtum bestimmt worden. Nun kommen das heilige Öl und das Opferblut innerhalb derselben Handlung zur Anwendung. Der Text sagt allerdings nicht, ob Mose die beiden Flüssigkeiten vor dem Besprengen miteinander vermischte oder nacheinander verwendete. Entscheidend ist ihre gemeinsame Verwendung zur Weihe.

Bereits in 2. Mose 29,21 hatte Gott diese Handlung angeordnet. Dort sollte Mose Blut vom Altar und Salböl nehmen, um Aaron, seine Söhne und ihre Kleider damit zu besprengen. Auffällig ist, dass die Anordnung in 2. Mose 29 vor der Beschreibung der weiteren Darbringung des Einweihungswidders steht, während 3. Mose 8 die Besprengung erst nach diesen Opferhandlungen berichtet. Die Texte stimmen darin überein, welche Personen und Gegenstände geweiht werden und welche Mittel dazu dienen. Die unterschiedliche Reihenfolge der Beschreibung muss nicht bedeuten, dass Mose die Handlung zweimal ausführte. Sie zeigt vielmehr, dass die vorgeschriebenen Schritte in den beiden Kapiteln nicht in jeder Einzelheit in derselben Erzählfolge erscheinen. Für die Auslegung ist deshalb der ausdrücklich berichtete Vollzug in 3. Mose 8 maßgeblich.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Verbindung zwischen den Priestern und ihren Kleidern. Bereits in 2. Mose 28,2 hatte Gott bestimmt, dass für Aaron heilige Kleider angefertigt werden sollten, die seinem Amt Würde und Schönheit verleihen. Diese Gewänder waren jedoch nicht allein deshalb heilig, weil sie aus kostbaren Materialien bestanden oder kunstvoll gearbeitet waren. Sie waren für den Dienst vor Gott bestimmt. Durch die abschließende Besprengung werden die Männer und ihre Amtskleidung gemeinsam in die vorgeschriebene Weihe einbezogen. Die Kleidung gehört damit nicht bloß zur äußeren Erscheinung des Priestertums, sondern zur Ordnung des heiligen Dienstes.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gewänder eine eigenständige göttliche Kraft besaßen. Ebenso wenig wurden Aaron und seine Söhne durch die Berührung mit Öl und Blut zu Menschen, die fortan nicht mehr sündigen konnten. Die Heiligung, von der hier gesprochen wird, bezeichnet zunächst ihre Aussonderung und Weihe für den Dienst am Heiligtum. Das hebräische Wort, das hinter dieser Aussage steht, gehört zum Bedeutungsfeld des Heiligens und Absonderns. Sein genauer Sinn ergibt sich aus dem Zusammenhang: Menschen und Gegenstände werden für Gottes besondere Verwendung bestimmt. Die persönliche Treue der Priester musste sich anschließend in ihrem tatsächlichen Verhalten zeigen.

Gerade der weitere Verlauf des dritten Mosebuches macht diesen Unterschied deutlich. In Kapitel 10 handeln Nadab und Abihu, zwei Söhne Aarons, entgegen Gottes heiliger Ordnung und werden dafür gerichtet. Ihre vorherige Einsetzung schützt sie nicht vor der Verantwortung für ihr späteres Handeln. Damit wird sichtbar, dass die rechtmäßige Weihe eines Menschen nicht automatisch dauerhaften Gehorsam garantiert. Die priesterliche Stellung war eine wirkliche Berufung, aber kein Freibrief, Gottes Anweisungen zu missachten. Die äußere Heiligung und ein entsprechend geführtes Leben gehören zusammen, ohne miteinander identisch zu sein.

Die gemeinsame Verwendung von Blut und Salböl eröffnet zudem eine bedeutende Verbindung zur weiteren Offenbarung der Bibel. Öl wird an anderen Stellen ausdrücklich mit dem Wirken des Heiligen Geistes verbunden, beispielsweise bei der Salbung Davids in 1. Samuel 16,13. Opferblut steht innerhalb der Heiligtumsordnung in engem Zusammenhang mit Sühnung, Reinigung und der Heiligung des Gottesdienstes. Aus diesen biblischen Linien ergibt sich eine sinnvolle geistliche Betrachtung: Gottes Dienst verlangt sowohl Reinigung als auch die Befähigung, nach seinem Willen zu handeln. Dennoch wäre es zu weitgehend, zu behaupten, 3. Mose 8,30 erkläre ausdrücklich das Blut zum Sinnbild Christi und das Salböl zum Sinnbild des Heiligen Geistes. Diese christologische Verbindung entsteht erst durch die weitere Offenbarung und muss von der ursprünglichen Bedeutung der Priesterweihe unterschieden werden.

Besonders aufschlussreich ist dabei 1. Petrus 1,2. Petrus verbindet die Heiligung durch den Geist mit dem Gehorsam und der Besprengung durch das Blut Jesu Christi. Hier stehen tatsächlich mehrere Gedanken nebeneinander, die auch für das Verständnis der alttestamentlichen Weihe wichtig sind: Heiligung, Blut und ein Leben im Gehorsam gegenüber Gott. Der neutestamentliche Text spricht jedoch von der Stellung der Gläubigen in Christus und legt nicht ausdrücklich die Einzelheiten von 3. Mose 8,30 aus. Die Verbindung ist deshalb als heilsgeschichtlicher Zusammenhang wertvoll, nicht als Beweis dafür, dass jede Handlung Moses bereits eine vollständig festgelegte neutestamentliche Symbolbedeutung besaß.

Der Hebräerbrief hilft, den Unterschied zwischen der alten und der neuen Ordnung noch genauer zu verstehen. In Hebräer 9,21 wird daran erinnert, dass auch die Stiftshütte und die Geräte des Gottesdienstes mit Blut besprengt wurden. Damit greift der Verfasser die grundlegende Bedeutung der Blutriten innerhalb des alten Bundes auf. Zugleich erklärt er, dass das Blut Christi weit über die äußere kultische Reinigung hinausgeht. Nach Hebräer 9,13–14 konnten die vorgeschriebenen alten Reinigungsriten eine kultische Reinheit herstellen. Das Blut Jesu dagegen reinigt das Gewissen, damit Menschen dem lebendigen Gott dienen können. Nicht die Wiederholung äußerer Opferhandlungen, sondern die wirksame Selbsthingabe Christi bildet die Grundlage dieses neuen Zugangs zu Gott.

Damit erhält die Weihe Aarons und seiner Söhne im Licht des Neuen Testaments eine größere Bedeutung. Der alte Priesterdienst benötigte sichtbare Handlungen, besondere Gewänder und wiederholte Opfer. Diese Ordnung war von Gott eingesetzt und erfüllte innerhalb des Bundes mit Israel ihre bestimmte Aufgabe. Sie konnte jedoch die endgültige Reinigung des menschlichen Gewissens nicht bewirken. Erst Christus vollbringt das Erlösungswerk, das den Menschen nicht nur äußerlich für einen heiligen Dienst aussondert, sondern ihm durch Gottes Gnade einen erneuerten Zugang zum Vater eröffnet.

Mit Vers 30 erreicht die eigentliche Weihehandlung einen wichtigen Abschluss. Das Blut des Einweihungsopfers wurde verwendet, die vorgesehenen Gaben wurden dargebracht und die Priester samt ihren Kleidern geheiligt. Damit sind die zentralen Opfer- und Salbungshandlungen beschrieben. Dennoch ist ihre Einsetzung noch nicht vollständig beendet. Mose gibt ihnen nun Anweisungen für ein gemeinsames heiliges Mahl und für die folgenden sieben Tage. Die Männer müssen am Eingang der Stiftshütte bleiben und die vorgeschriebene Weihezeit erfüllen. Erst danach können sie den Dienst aufnehmen, für den Gott sie bestimmt hat.

3. Mose 8,31–36

Das heilige Mahl und die sieben Tage der Einweihung

Nach den feierlichen Opferhandlungen wendet sich Mose erneut an Aaron und seine Söhne. Diesmal geht es nicht um weitere Opfergaben für den Altar, sondern um das Fleisch des Einweihungswidders und das Brot, das für die Zeremonie bereitgestellt worden war. Mose befiehlt ihnen, das Fleisch am Eingang der Stiftshütte zu kochen und dort gemeinsam mit dem Brot zu essen. Damit erhält die Priesterweihe einen weiteren Bestandteil, der zunächst wie eine gewöhnliche Mahlzeit erscheinen könnte. Doch auch dieses Essen gehört ausdrücklich zu der von Gott angeordneten Einsetzung.

Der Ort des Mahles ist genau bestimmt. Aaron und seine Söhne sollen das Fleisch nicht in ihre Familienzelte bringen oder irgendwo im Lager verzehren. Sie müssen am Eingang der Stiftshütte bleiben. Bereits in 2. Mose 29,31–33 hatte Gott festgelegt, dass das Fleisch des Einweihungswidders an einem heiligen Ort zubereitet und von den einzusetzenden Priestern gegessen werden sollte. Die Mahlzeit ist deshalb nicht einfach eine Gelegenheit, nach den anstrengenden Opferhandlungen gemeinsam zu essen. Sie gehört zum heiligen Geschehen und ist unmittelbar mit der Einsetzung der Priester verbunden.

Besonders wichtig ist die Erklärung aus 2. Mose 29,33. Dort wird das Essen mit der Sühnung und Heiligung der Priester in Verbindung gebracht. Das Mahl steht somit innerhalb desselben Weihevorgangs wie die Opferhandlungen, die ihm vorausgegangen sind. Es bewirkt jedoch nicht unabhängig von Gottes Anordnung eine geheimnisvolle Veränderung der Männer. Vielmehr ist es ein Bestandteil des vorgeschriebenen Gottesdienstes, durch den ihre Einsetzung vollzogen wird. Die Priester empfangen und essen von dem Opfer, das für ihre Weihe dargebracht worden ist. Dadurch werden sie nicht nur als diejenigen sichtbar, die künftig Opfergaben verwalten sollen, sondern auch als Menschen, die selbst von Gottes heiliger Ordnung abhängig sind.

Eine weitere Besonderheit liegt darin, wer an diesem Mahl teilnehmen darf. Nach 2. Mose 29,33 ist es ausdrücklich Aaron und seinen Söhnen vorbehalten. Ein Fremder darf nicht davon essen, weil die Speise heilig ist. Mit einem Fremden ist in diesem Zusammenhang jemand gemeint, der nicht zum berechtigten Kreis der Teilnehmer gehört. Die Bestimmung darf deshalb nicht ohne Weiteres als allgemeines Verbot verstanden werden, Menschen anderer Herkunft an gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen zu lassen. Es handelt sich um eine besondere Vorschrift für eine bestimmte heilige Handlung. Nicht die persönliche Herkunft als solche steht hier im Mittelpunkt, sondern die Zugehörigkeit zu den Männern, die für den Priesterdienst eingesetzt werden.

Vers 32 bestimmt anschließend, was mit den übrig gebliebenen Speisen geschehen soll. Fleisch und Brot, die nicht gegessen werden, müssen mit Feuer verbrannt werden. In 2. Mose 29,34 wird diese Vorschrift zeitlich genauer erklärt: Was bis zum Morgen übrig bleibt, darf nicht mehr gegessen werden. Der Rest muss verbrannt werden, weil er heilig ist. Darin unterscheidet sich die Mahlzeit von gewöhnlichen Speisen, die man für einen späteren Tag aufbewahren konnte. Die Opfergaben waren für einen bestimmten heiligen Zweck vorgesehen. Auch ihre weitere Behandlung unterlag deshalb Gottes Anweisung.

Eine ähnliche Vorschrift begegnet bereits bei den Friedensopfern in 3. Mose 7,15–18. Dort werden unterschiedliche Fristen für den Verzehr bestimmter Opferarten festgelegt. Beim Dankopfer musste das Fleisch am Tag seiner Darbringung gegessen werden, während bei anderen Friedensopfern unter bestimmten Bedingungen auch am folgenden Tag davon gegessen werden durfte. Diese Unterschiede zeigen, dass die zeitlichen Grenzen nicht einfach aus allgemeinen Regeln zur Haltbarkeit von Fleisch abgeleitet werden können. Sie gehörten zur jeweiligen Opferordnung. Dass übrig gebliebene heilige Speisen verbrannt werden mussten, bedeutete auch nicht, dass sie dadurch nachträglich zu einer zusätzlichen Opfergabe auf dem Altar wurden. Es ging um den vorgeschriebenen Umgang mit Speisen, deren heiliger Gebrauch zeitlich begrenzt war.

Mit Vers 33 verändert sich der Blick auf die Einsetzung. Bisher hat die Erzählung die einzelnen Handlungen beschrieben, die Mose an Aaron und seinen Söhnen vorgenommen hat. Nun erfahren wir, dass ihre Weihe nicht mit dem Abschluss dieser Zeremonien beendet ist. Mose befiehlt ihnen, sieben Tage lang am Eingang der Stiftshütte zu bleiben. Erst wenn diese Zeit erfüllt ist, dürfen sie ihre Einsetzung als abgeschlossen betrachten. Das Priestertum beginnt damit nicht unmittelbar nach einem einzigen feierlichen Tag. Die Männer müssen eine ausdrücklich festgelegte Weihezeit durchlaufen.

Der hebräische Ausdruck, der in diesem Zusammenhang verwendet wird, knüpft an eine bereits bekannte Besonderheit der Priesterweihe an. Die Schlachter 1951 formuliert, dass ihnen sieben Tage lang „die Hände gefüllt“ werden sollen. Diese Wendung bezeichnet ihre Einsetzung in das priesterliche Amt. Bereits bei der Darbringung des Einweihungswidders hatte Mose die Opfergaben tatsächlich in ihre Hände gelegt. Nun wird dieselbe Ausdrucksweise für den gesamten Zeitraum ihrer Amtsübernahme verwendet. Die Verbindung zwischen der konkreten Handlung und der längeren Weihezeit zeigt, dass ihre Einsetzung mehr umfasst als einen einzelnen Augenblick, in dem ihnen die Opfergaben übergeben werden.

Warum die Weihe genau sieben Tage dauern soll, erklärt der Text nicht ausdrücklich. Allerdings begegnet die Zahl Sieben innerhalb der biblischen Heiligtumsordnung mehrfach. Auch in 2. Mose 29,35–37 wird eine siebentägige Einsetzung vorgeschrieben, bei der zugleich die Reinigung und Heiligung des Altars eine wichtige Rolle spielen. Dort wird für jeden Tag ein Stier als Sündopfer angeordnet. Daraus ergibt sich, dass die Weihe über mehrere Tage hinweg mit vorgeschriebenen Opferhandlungen verbunden war. Dennoch beschreibt 3. Mose 8 nicht für jeden einzelnen Tag den vollständigen Ablauf. Deshalb lässt sich nicht mit Sicherheit behaupten, sämtliche zuvor genannten Handlungen seien an jedem der sieben Tage unverändert wiederholt worden. Die tägliche Sündopferanordnung und die siebentägige Weihe sind ausdrücklich belegt; für weitere Einzelheiten bleibt der Bericht zurückhaltender.

In Vers 34 führt Mose den Grund für diese Anweisungen noch einmal auf Gott zurück. Was an diesem Tag geschehen ist, wurde vom HERRN befohlen, um Sühnung für Aaron und seine Söhne zu erwirken. Diese Aussage ist besonders wichtig, weil sie die verschiedenen Handlungen der Einsetzung in einen gemeinsamen Zusammenhang stellt. Die Opfer, die Waschungen, die Salbungen und die übrigen Weihehandlungen sind keine voneinander unabhängigen religiösen Bräuche. Sie gehören zu einer Ordnung, deren Ziel es ist, die Priester für ihren heiligen Dienst vorzubereiten. Die Sühnung steht dabei nicht am Rand, sondern wird ausdrücklich als Bestandteil dieser Einsetzung genannt.

Auch hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig. Die vorgeschriebenen Handlungen machten Aaron und seine Söhne für den Dienst am Heiligtum geeignet. Sie bewirkten jedoch keine endgültige Befreiung von jeder zukünftigen Sünde. Das zeigt bereits die weitere Geschichte Israels. Priester konnten schuldig werden, Gottes Gebote missachten und selbst wieder Sühnung benötigen. Die sieben Tage waren deshalb keine Zeit, in der sündige Menschen in vollkommen sündlose Wesen verwandelt wurden. Es handelte sich um ihre rechtmäßige Einsetzung und Heiligung für den von Gott bestimmten Dienst. Wie sie anschließend mit dieser Verantwortung umgingen, blieb von großer Bedeutung.

Vers 35 verschärft die Anweisung, indem Mose ausdrücklich vor den Folgen des Ungehorsams warnt. Aaron und seine Söhne sollen sieben Tage lang Tag und Nacht am Eingang der Stiftshütte bleiben und die Anordnungen des HERRN beachten, damit sie nicht sterben. Diese ernste Warnung macht deutlich, dass es sich nicht um eine unverbindliche Empfehlung handelt. Der Aufenthalt gehört zur vorgeschriebenen Weihe, und eine eigenmächtige Missachtung dieser Ordnung würde den heiligen Dienst verletzen.

Die Formulierung, dass sie Tag und Nacht dort bleiben sollen, bedeutet allerdings nicht zwingend, dass die Männer sieben Tage und Nächte ununterbrochen wach bleiben mussten. Der Text verlangt ihren fortdauernden Aufenthalt und die gewissenhafte Beachtung der ihnen übertragenen Anordnungen. Über ihre Schlafzeiten und die genaue Gestaltung ihres Aufenthalts berichtet er nichts. Ebenso wenig bedeutet das Bleiben am Eingang der Stiftshütte, dass sie sieben Tage lang im Inneren des Heiligtums wohnen sollten. Gemeint ist der vorgeschriebene Bereich, an dem ihre Einsetzung stattfindet und an dem sie ihren Dienst unter Gottes Anweisung zu beachten haben.

Besonders aufschlussreich ist die Wendung, die Schlachter 1951 mit dem Befolgen der Anordnungen des HERRN wiedergibt. Der hebräische Ausdruck trägt den Gedanken des Bewahrens oder Einhaltens eines anvertrauten Auftrags. Die Priester sollen über das wachen, was Gott ihnen aufgetragen hat. Darin liegt mehr als das äußerliche Ausharren an einem bestimmten Ort. Wer später für die heiligen Dinge verantwortlich sein soll, muss lernen, sich selbst der göttlichen Ordnung zu unterstellen. Die sieben Tage stellen deshalb nicht nur eine zeitliche Begrenzung dar, sondern gehören zur verpflichtenden Vorbereitung auf den Dienst.

Wie ernst diese Verantwortung ist, wird bereits im übernächsten Kapitel sichtbar. In 3. Mose 10 bringen Nadab und Abihu, zwei Söhne Aarons, ein Feueropfer dar, das Gott ihnen nicht geboten hatte. Daraufhin geht Feuer vom HERRN aus, und beide sterben. Diese spätere Begebenheit gibt der Warnung aus 3. Mose 8,35 ein besonderes Gewicht. Zugleich muss der Zusammenhang genau beachtet werden. Der Text sagt nicht, dass Nadab und Abihu während der siebentägigen Einsetzung die vorgeschriebene Aufenthaltsregel verletzt hätten. Ihr späteres Vergehen betrifft eine andere, ausdrücklich beschriebene Handlung. Beide Berichte verbindet jedoch die ernste Verantwortung, Gottes Anweisungen im Heiligtum nicht eigenmächtig zu verändern.

Darin zeigt sich auch ein wichtiger Unterschied zwischen menschlicher Religiosität und dem von Gott eingesetzten Gottesdienst. Aaron und seine Söhne konnten nicht selbst entscheiden, welche Teile der Einsetzung ihnen notwendig erschienen und welche sie auslassen wollten. Ihre persönliche Überzeugung, bereits ausreichend vorbereitet zu sein, hätte Gottes ausdrücklichen Befehl nicht ersetzen können. Gerade Menschen, die anderen Gottes Willen vermitteln sollten, mussten zunächst selbst lernen, nach diesem Willen zu handeln. Die Verantwortung des Priesters begann also nicht erst mit seinem späteren Dienst für die Gemeinde. Sie zeigte sich bereits darin, wie er seine eigene Einsetzung annahm.

Der letzte Vers des Kapitels berichtet schließlich, dass Aaron und seine Söhne alles taten, was der HERR durch Mose geboten hatte. Diese kurze Feststellung bildet einen passenden Abschluss der Erzählung. Während Mose zuvor die einzelnen Anweisungen sorgfältig ausgeführt hat, wird nun auch der Gehorsam der einzusetzenden Priester ausdrücklich hervorgehoben. Sie nehmen den ihnen zugewiesenen Platz ein und erfüllen den Auftrag, der ihnen gegeben wurde. Die Erzählung endet deshalb nicht mit einer zusätzlichen Opferhandlung, sondern mit dem Hinweis auf ihre Bereitschaft, Gottes Anordnung zu befolgen.

Der Übergang zum folgenden Kapitel macht die zeitliche Bedeutung dieser Einsetzung besonders deutlich. In 3. Mose 9,1 wird ausdrücklich der achte Tag genannt. Nun ruft Mose Aaron, seine Söhne und die Ältesten Israels zusammen. Anschließend beginnt der öffentliche Opferdienst unter Aarons priesterlicher Verantwortung. Die sieben Tage der Vorbereitung führen somit auf einen neuen Abschnitt hin. Was bisher unter Moses Leitung zur Einsetzung der Priester geschah, bereitet den Dienst vor, den Aaron nun selbst ausüben soll. Besonders eindrucksvoll wird dies am Ende von Kapitel 9, wo die Herrlichkeit des HERRN dem Volk erscheint und Feuer von Gott das Opfer auf dem Altar verzehrt.

Im größeren Zusammenhang der Bibel bleibt das Priestertum Aarons jedoch eine zeitlich begrenzte Ordnung. Jeder Priester musste seinen Dienst irgendwann beenden, und nachfolgende Generationen übernahmen seine Aufgabe. Der Hebräerbrief stellt dem das Priestertum Jesu Christi gegenüber. Er erklärt, dass die Priester des alten Bundes zahlreich waren, weil der Tod sie daran hinderte, dauerhaft im Amt zu bleiben. Christus dagegen besitzt ein bleibendes Priestertum, weil er ewig lebt (Hebräer 7,23–25). Die menschlichen Priester mussten selbst geweiht werden und benötigten wiederholt Sühnung. Jesus hingegen ist der sündlose Hohepriester, dessen einmaliges Opfer bleibende Wirksamkeit besitzt.

Die siebentägige Weihe Aarons ist deshalb nicht unmittelbar mit einer siebentägigen Vorbereitung Jesu gleichzusetzen. Eine solche Verbindung wird im Neuen Testament nicht hergestellt. Der tiefere Zusammenhang liegt vielmehr im Unterschied zwischen einem Priesterdienst, der fortwährend erneuert und durch neue Amtsinhaber weitergeführt werden musste, und dem vollkommenen Priesterdienst Christi. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Jesus eine Erlösung geschaffen, die keiner wiederholten Einsetzung und keiner erneuten Opferdarbringung bedarf. Wer durch ihn zu Gott kommt, findet in ihm einen bleibenden Fürsprecher.

Damit endet die Einsetzung Aarons und seiner Söhne. Die Männer haben die vorgeschriebenen Opfer dargebracht bekommen, an der heiligen Mahlzeit teilgenommen und den Auftrag zur siebentägigen Weihe erfüllt. Die Erzählung macht deutlich, dass der Dienst vor Gott weder aus menschlichem Anspruch noch aus eigenmächtiger Religiosität hervorgehen darf. Gottes Berufung bestimmt den Auftrag, seine Anweisungen regeln dessen Ausübung, und seine Gnade ermöglicht den Zugang zu ihm. Die Priester treten nun in ein Amt ein, durch das Israel über Generationen hinweg mit der Wirklichkeit von Sünde, Sühnung und Gottes Heiligkeit konfrontiert werden sollte. In Jesus Christus wird schließlich offenbar, worauf der gesamte Opfer- und Priesterdienst in seiner heilsgeschichtlichen Bedeutung hinführt: auf den vollkommenen Mittler, der Menschen dauerhaft mit Gott versöhnt.

Geistliche Kernbotschaft

Gottes Gegenwart ist ein Geschenk, das der Mensch nicht selbst herstellen oder nach eigenen Vorstellungen gestalten kann. Diese Wahrheit steht im Mittelpunkt der Einsetzung Aarons und seiner Söhne. Der HERR hatte Israel aus Ägypten befreit und wollte mitten unter seinem Volk wohnen. Doch seine Nähe bedeutete nicht, dass der Mensch seine Heiligkeit unbeachtet lassen durfte. Gerade weil Gott Gemeinschaft mit seinem Volk wollte, schuf er eine Ordnung, durch die diese Gemeinschaft möglich wurde. Die Priester waren Teil dieser Ordnung. Ihr Dienst sollte Israel helfen, sich Gott auf dem von ihm eröffneten Weg zu nahen.

Darin begegnen sich zwei Eigenschaften Gottes, die nicht voneinander getrennt werden dürfen: seine Heiligkeit und seine Barmherzigkeit. Seine Heiligkeit zeigt sich darin, dass der Zugang zu ihm nicht beliebig gestaltet werden kann. Seine Barmherzigkeit zeigt sich darin, dass er überhaupt einen Weg eröffnet. Gott fordert nicht nur Ehrfurcht, sondern stellt selbst die Mittel bereit, durch die sündige Menschen in seiner Gegenwart bestehen und ihm dienen können. Die ausführlichen Anweisungen der Priesterweihe sind deshalb mehr als strenge religiöse Vorschriften. Sie gehören zu Gottes gnädiger Entscheidung, unter einem Volk zu wohnen, das seine Nähe benötigt und zugleich seiner Heiligkeit nicht aus eigener Kraft entsprechen kann.

Dabei fällt ein grundlegender Unterschied zwischen menschlicher Vorstellung und göttlicher Berufung auf. In vielen Lebensbereichen können Menschen eine Stellung durch besondere Fähigkeiten, Erfahrung oder eigene Leistungen erreichen. Vor Gott genügt das nicht. Aaron erhielt sein Amt nicht, weil er von Natur aus heiliger gewesen wäre als alle anderen Israeliten. Seine Berufung ging von Gott aus, und seine Befähigung zum priesterlichen Dienst musste innerhalb der von Gott bestimmten Ordnung erfolgen. Selbst die besondere Würde seines Amtes machte ihn nicht unabhängig von der Sühnung. Das zeigt, dass geistliche Verantwortung niemals mit persönlicher Vollkommenheit oder einem Anspruch auf Überlegenheit verwechselt werden darf.

Die Einsetzung erinnert zugleich daran, dass Gottes Berufung den ganzen Menschen betrifft. Die Priester sollten ihren Dienst nicht nur äußerlich ausführen, während ihr persönliches Leben davon unberührt blieb. Ihre Aufgabe verlangte Aufmerksamkeit gegenüber Gottes Wort, sorgfältiges Handeln und die Bereitschaft, seinen Weisungen auch dort zu folgen, wo eigene Vorstellungen naheliegender erschienen. Der spätere Ungehorsam einzelner Priester zeigt, dass eine heilige Berufung nicht automatisch einen heiligen Lebenswandel hervorbringt. Wer Gott dienen soll, bleibt dafür verantwortlich, wie er mit dem anvertrauten Auftrag umgeht.

Doch die tiefste geistliche Bedeutung dieses Kapitels liegt nicht in der Forderung nach möglichst sorgfältiger menschlicher Leistung. Sie liegt in der Erkenntnis, dass der Mensch einen von Gott eingesetzten Mittler benötigt. Das Priestertum Aarons konnte diese Aufgabe innerhalb des alten Bundes wahrnehmen, blieb aber durch die Schwachheit und Sterblichkeit seiner Träger begrenzt. Kein Priester konnte aus eigener Vollkommenheit für andere eintreten. Jeder von ihnen war selbst auf Gottes Gnade angewiesen.

In Jesus Christus findet diese Ordnung ihre endgültige Erfüllung. Er ist nicht nur ein weiterer Mensch, der für den Priesterdienst vorbereitet werden muss. Er ist der sündlose Hohepriester, der sich selbst als vollkommenes Opfer hingibt und dadurch den Zugang zu Gott eröffnet (Hebräer 7,26–28; 10,11–14). Was der alte Priesterdienst durch seine wiederholten Handlungen niemals endgültig vollenden konnte, hat Christus durch seine einmalige Hingabe vollbracht. Die Hoffnung des Menschen ruht deshalb nicht auf der Vollkommenheit eines menschlichen Vermittlers, sondern auf Jesus, der für immer lebt und für die Seinen eintritt.

So führt 3. Mose 8 zu einer grundlegenden Erkenntnis über das Verhältnis zwischen Gott und Mensch: Der Zugang zu Gott beginnt nicht mit dem Anspruch des Menschen, würdig genug zu sein, sondern mit Gottes Entscheidung, Gemeinschaft zu ermöglichen. Seine Heiligkeit bleibt bestehen, seine Gnade eröffnet den Weg, und sein Wille bestimmt, wie ihm gedient werden soll. In Christus wird dieser Weg nicht nur sichtbar, sondern endgültig zugänglich.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Die Priesterweihe steht innerhalb einer größeren biblischen Geschichte, die von Gottes Wunsch nach Gemeinschaft bis zum vollkommenen Priesterdienst Jesu Christi reicht. Mehrere Schriftstellen helfen, diesen Zusammenhang genauer zu verstehen. Dabei erklären manche Texte unmittelbar die Handlungen von 3. Mose 8, während andere ihre Bedeutung im weiteren Verlauf der Offenbarung entfalten.

2. Mose 29 und 3. Mose 8 – Gottes Anweisung und ihre Erfüllung. Die engste Verbindung besteht zwischen diesen beiden Kapiteln. Was Gott in 2. Mose 29 über die Einsetzung Aarons und seiner Söhne geboten hatte, wird in 3. Mose 8 tatsächlich durchgeführt. Dadurch lässt sich überprüfen, welche Handlungen zur Priesterweihe gehörten und warum sie vollzogen wurden. Besonders die Waschung, die Opfer, die Blutmarkierungen, das heilige Mahl und die siebentägige Weihezeit werden durch den Vergleich verständlicher. Die beiden Berichte zeigen gemeinsam, dass die Einsetzung nicht auf eine menschliche Tradition zurückging, sondern innerhalb der von Gott offenbarten Heiligtumsordnung stattfand.

2. Mose 25,8 und 29,43–46 – Das eigentliche Ziel des Heiligtums. Gottes Anweisung, ein Heiligtum zu errichten, war mit der Verheißung verbunden, mitten unter Israel zu wohnen. In 2. Mose 29,43–46 wird ausdrücklich erklärt, dass Gott die Stiftshütte und den Altar durch seine Herrlichkeit heiligen, unter den Israeliten wohnen und ihr Gott sein will. Dieser Zusammenhang bewahrt davor, die Priesterweihe nur als eine Sammlung alter Rituale zu betrachten. Ihre eigentliche Bedeutung liegt innerhalb der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Das Heiligtum war nicht Selbstzweck, und die Priester standen nicht im Mittelpunkt der Anbetung. Alles war auf den Gott ausgerichtet, der Israel erlöst hatte und in seiner Mitte wohnen wollte.

3. Mose 14,14–18 – Die auffällige Wiederholung der Blutmarkierungen. Bei der Reinigung eines Menschen, der von einer schweren Hauterkrankung genesen war, wurden dieselben drei Körperstellen mit Opferblut berührt wie bei der Priesterweihe: das rechte Ohrläppchen, der rechte Daumen und die rechte große Zehe. In 3. Mose 14 wurde anschließend zusätzlich Öl auf diese Stellen gegeben. Die Übereinstimmung zeigt eine bemerkenswerte Verbindung innerhalb der levitischen Reinigungs- und Weihehandlungen. Dennoch verfolgt jedes Ritual einen anderen Zweck. Der gereinigte Mensch wurde wieder in die kultische Gemeinschaft aufgenommen, aber nicht zum Priester eingesetzt. Der Vergleich erweitert deshalb das Verständnis der Zeichen, ohne beide Handlungen gleichzusetzen.

3. Mose 9,1–7 und 10,1–3 – Berufung, Dienstbeginn und Verantwortung. Die beiden folgenden Kapitel zeigen, welche Folgen die Einsetzung hat. Am achten Tag beginnt Aaron seinen öffentlichen Priesterdienst. Gott bestätigt diesen Dienst, indem seine Herrlichkeit erscheint und Feuer das Opfer auf dem Altar verzehrt (3. Mose 9,23–24). Doch kurze Zeit später werden Nadab und Abihu gerichtet, weil sie fremdes Feuer vor den HERRN bringen, das er ihnen nicht geboten hatte. Diese unmittelbare Abfolge macht einen wichtigen Unterschied sichtbar: Die rechtmäßige Berufung eröffnet den Dienst, hebt aber die Verantwortung für das spätere Handeln nicht auf. Gottes Gegenwart ist zugleich eine Quelle der Gemeinschaft und ein Grund zu ernsthafter Ehrfurcht.

Hebräer 5,1–10 und 7,23–28 – Von Aaron zum vollkommenen Hohenpriester. Der Hebräerbrief nimmt die Berufung Aarons ausdrücklich auf. In Hebräer 5,4 wird erklärt, dass niemand die hohepriesterliche Würde eigenmächtig an sich nimmt, sondern dazu von Gott berufen wird. Diesen Grundsatz wendet der Verfasser anschließend auf Christus an. Gleichzeitig arbeitet er die entscheidenden Unterschiede heraus. Die Priester aus Aarons Nachkommenschaft waren schwache und sterbliche Menschen, die selbst Opfer benötigten. Christus dagegen besitzt ein bleibendes Priestertum und kann diejenigen vollkommen retten, die durch ihn zu Gott kommen. Damit wird deutlich, warum der alte Priesterdienst zwar von Gott eingesetzt war, aber nicht das letzte Ziel seines Erlösungsplans darstellen konnte.

Hebräer 9,11–14 und 10,11–14 – Äußere Weihe und endgültige Erlösung. Diese Stellen führen die Bedeutung der alttestamentlichen Opferordnung weiter. Das Blut der Tieropfer gehörte zu den vorgeschriebenen Reinigungs- und Sühnungshandlungen des alten Bundes. Christi Blut dagegen reinigt das Gewissen und schafft die Grundlage für einen dauerhaften Zugang zu Gott. Während die alten Priester immer wieder Opfer darbringen mussten, hat Jesus durch seine einmalige Selbsthingabe ein vollkommenes Opfer vollbracht. Die Verbindung besteht nicht darin, jedem einzelnen Gegenstand der Priesterweihe eine verborgene Bedeutung zuzuweisen. Vielmehr zeigt der Hebräerbrief den Unterschied zwischen der vorläufigen Heiligtumsordnung und ihrer endgültigen Erfüllung in Christus.

1. Petrus 2,5.9 und Römer 12,1 – Der Dienst der Gläubigen im neuen Bund. Petrus bezeichnet die Gläubigen als heilige und königliche Priesterschaft. Paulus fordert Christen auf, ihr Leben Gott als lebendiges Opfer zur Verfügung zu stellen. Beide Aussagen greifen Gedanken auf, die bereits innerhalb der alten Opfer- und Priesterordnung von Bedeutung waren: Zugehörigkeit zu Gott, Heiligkeit und ein Leben in seinem Dienst. Doch Christen werden dadurch nicht zu Priestern nach der Ordnung Aarons. Sie benötigen keine erneute Einsetzung durch Tieropfer, denn ihre Beziehung zu Gott gründet sich auf Christus. Ihr geistlicher Dienst besteht darin, durch ihn Gott wohlgefällige Opfer darzubringen und seine Herrlichkeit im eigenen Leben sichtbar werden zu lassen.

Gemeinsam ergeben diese Stellen einen zusammenhängenden heilsgeschichtlichen Verlauf. Gott wollte unter Israel wohnen und setzte dafür das Heiligtum mit seinem Priesterdienst ein. Diese Ordnung machte seine Heiligkeit, die Notwendigkeit der Sühnung und die Bedeutung eines rechtmäßigen Mittlers sichtbar. Im Neuen Testament wird Jesus als derjenige offenbart, der die entscheidende Aufgabe des Mittlers vollkommen erfüllt. Durch ihn erhalten die Gläubigen Zugang zum Vater und werden selbst zu einem Leben berufen, das Gott gehört.

Wichtige Lektionen

Wer Gott dienen möchte, sollte zuerst bereit sein, auf ihn zu hören. Die Einsetzung Aarons zeigt, dass eine geistliche Aufgabe nicht allein aus Begeisterung, Begabung oder einem persönlichen Wunsch heraus entsteht. Im neuen Bund werden Christen zwar nicht mehr nach der alten Priesterordnung eingesetzt, doch der Grundsatz bleibt bedeutsam: Gottes Wille besitzt Vorrang vor menschlicher Selbstbestimmung. Deshalb beginnt verantwortliches Handeln mit der Bereitschaft, die Schrift sorgfältig kennenzulernen und die eigenen Vorstellungen an ihr zu prüfen. Gerade bei geistlichen Entscheidungen ist nicht nur wichtig, ob eine Handlung gut gemeint ist, sondern auch, ob sie mit Gottes offenbartem Willen übereinstimmt.

Dabei darf eine besondere Aufgabe niemals als Beweis persönlicher Überlegenheit verstanden werden. Aaron erhielt die höchste priesterliche Stellung Israels und blieb dennoch ein Mensch, der selbst Sühnung benötigte. Das ist eine wichtige Warnung für jeden, dem andere Menschen geistliche Verantwortung anvertrauen. Kenntnisse über die Bibel, Erfahrung in der Gemeinde oder eine leitende Aufgabe machen niemanden unabhängig von Gottes Gnade. Wer andere begleiten, lehren oder ermutigen möchte, sollte deshalb bereit bleiben, eigene Fehler zu erkennen, Vergebung anzunehmen und sich korrigieren zu lassen. Echte geistliche Verantwortung zeigt sich nicht darin, unfehlbar erscheinen zu wollen.

Eine weitere Lektion betrifft den Zusammenhang zwischen Glauben und täglichem Verhalten. Die Berührung von Ohr, Daumen und Zehe lässt sich sinnvoll als Erinnerung daran verstehen, dass Gottes Wort nicht nur gehört, sondern im Leben umgesetzt werden soll. Für Christen bedeutet das ganz praktisch, biblische Überzeugungen nicht auf den Gottesdienst oder das persönliche Gebet zu begrenzen. Ehrlichkeit im Umgang mit Geld, Geduld innerhalb der Familie, ein verantwortungsvoller Umgang mit anderen Menschen und die Bereitschaft, Unrecht zu korrigieren, gehören ebenfalls zu einem Leben unter Gottes Willen. Jakobus 1,22 warnt ausdrücklich davor, lediglich Hörer des Wortes zu sein. Entscheidend ist, dass das Gehörte das eigene Handeln prägt.

Auch die sorgfältige Durchführung der Weihehandlungen enthält eine wichtige Warnung. Der Mensch neigt dazu, eigene Vorstellungen dort einzufügen, wo Gott bereits klare Anweisungen gegeben hat. Besonders im religiösen Bereich kann dabei der Eindruck entstehen, eine Handlung müsse Gott gefallen, solange sie aufrichtig gemeint sei. Die Schrift unterscheidet jedoch zwischen menschlicher Aufrichtigkeit und tatsächlichem Gehorsam. Das bedeutet nicht, dass jede heutige Gottesdienstform bis ins kleinste Detail durch ein ausdrückliches Bibelgebot festgelegt sein müsste. Die besondere Ordnung der Stiftshütte lässt sich nicht unverändert auf jede christliche Versammlung übertragen. Wohl aber bleibt die Aufgabe bestehen, menschliche Traditionen und persönliche Vorlieben nicht über Gottes Wort zu stellen.

Die siebentägige Weihezeit erinnert außerdem daran, dass geistliche Verantwortung Vorbereitung verlangt. Aaron und seine Söhne durften die vorgeschriebenen Schritte nicht einfach abkürzen, um schneller mit ihrem Dienst zu beginnen. Daraus entsteht keine allgemeine Regel, nach der Christen vor einer Aufgabe eine bestimmte Zahl von Tagen warten müssten. Die praktische Lehre liegt vielmehr im Wert sorgfältiger Vorbereitung. Wer andere in Glaubensfragen unterrichten möchte, sollte sich die Zeit nehmen, die Bibel gründlich zu verstehen. Wer Verantwortung übernimmt, sollte ihre Anforderungen kennen. Und wer eine wichtige Entscheidung vor Gott trifft, braucht die Bereitschaft, sich nicht von Ungeduld oder dem Wunsch nach Anerkennung leiten zu lassen.

Gleichzeitig schützt dieses Kapitel vor einer anderen Gefahr: dem Versuch, sich Gottes Annahme durch besonders gewissenhafte religiöse Leistungen zu verdienen. Aaron und seine Söhne führten die vorgeschriebenen Handlungen aus, doch die Grundlage ihrer Weihe war Gottes eigene Anordnung. Auch für Christen liegt der Zugang zu Gott nicht in einer vollkommen ausgeführten menschlichen Leistung. Jesus Christus hat das notwendige Erlösungswerk bereits vollbracht. Deshalb dürfen Gläubige mit ihren Schwächen, Fragen und ihrer Schuld zu ihm kommen, statt zuerst versuchen zu müssen, sich selbst vollkommen würdig zu machen. Aus dieser empfangenen Gnade wächst dann die Bereitschaft, Gott im eigenen Leben zu folgen.

Schließlich fordert 3. Mose 8 dazu heraus, den eigentlichen Mittelpunkt des Glaubens nicht aus den Augen zu verlieren. So bedeutsam die Aufgaben der Priester waren, sie sollten niemals Gottes Platz einnehmen. Sie waren Diener innerhalb einer Ordnung, die auf ihn ausgerichtet war. Auch heute können Menschen wichtige geistliche Hilfe geben, die Schrift erklären und andere im Glauben begleiten. Doch keiner von ihnen kann Christus ersetzen. Niemand muss seine letzte Hoffnung auf einen menschlichen Leiter, eine religiöse Stellung oder die eigene Glaubensleistung setzen.

Der entscheidende Halt liegt in Jesus selbst. Er ist der vollkommene Hohepriester, der unsere menschliche Schwachheit kennt und dennoch ohne Sünde geblieben ist. Durch ihn steht der Weg zu Gottes Gnade offen (Hebräer 4,14–16). Darin findet die Botschaft von 3. Mose 8 ihre bleibende Bedeutung für das Leben: Gott ist heilig und nimmt den Dienst vor ihm ernst. Doch er lässt den Menschen mit seiner Unvollkommenheit nicht allein. Er selbst hat in Christus den Weg geschaffen, auf dem wir zu ihm kommen, seine Vergebung empfangen und ihm mit einem erneuerten Leben dienen dürfen.