3. Mose 7
Und dies ist das Gesetz des Schuldopfers. Ein Hochheiliges ist es.
38 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Und dies ist das Gesetz des Schuldopfers. Ein Hochheiliges ist es.
- 2 An der Stätte, da man das Brandopfer schlachtet, soll man auch das Schuldopfer schlachten und sein Blut auf dem Altar umhersprengen.
- 3 Und all sein Fett soll man opfern, den Schwanz und das Fett, welches das Eingeweide bedeckt,
- 4 die zwei Nieren mit dem Fett, das daran ist, an den Lenden, und das Netz über der Leber, an den Nieren abgerissen.
- 5 Und der Priester soll's auf dem Altar anzünden zum Feuer dem HERRN. Das ist ein Schuldopfer.
- 6 Was männlich ist unter den Priestern, die sollen das essen an heiliger Stätte; denn es ist ein Hochheiliges.
- 7 Wie das Sündopfer, also soll auch das Schuldopfer sein; aller beider soll einerlei Gesetz sein; und sollen dem Priester gehören, der dadurch versöhnt.
- 8 Welcher Priester jemandes Brandopfer opfert, des soll des Brandopfers Fell sein, das er geopfert hat.
- 9 Und alles Speisopfer, das im Ofen oder auf dem Rost oder in der Pfanne gebacken ist, soll dem Priester gehören, der es opfert.
- 10 Und alles Speisopfer, das mit Öl gemengt oder trocken ist, soll aller Kinder Aarons sein, eines wie des andern.
- 11 Und dies ist das Gesetz des Dankopfers, das man dem HERRN opfert.
- 12 Wollen sie ein Lobopfer tun, so sollen sie ungesäuerte Kuchen opfern, mit Öl gemengt, oder ungesäuerte Fladen, mit Öl bestrichen, oder geröstete Semmelkuchen, mit Öl gemengt.
- 13 Sie sollen aber solches Opfer tun auf Kuchen von gesäuerten Brot mit ihrem Lob- und Dankopfer,
- 14 und sollen einen von den allen dem HERRN zur Hebe opfern, und es soll dem Priester gehören, der das Blut des Dankopfers sprengt.
- 15 Und das Fleisch ihres Lob- und Dankopfers soll desselben Tages gegessen werden, da es geopfert ist, und nichts übriggelassen werden bis an den Morgen.
- 16 Ist es aber ein Gelübde oder freiwilliges Opfer, so soll es desselben Tages, da es geopfert ist, gegessen werden; so aber etwas übrigbleibt auf den andern Tag, so soll man's doch essen.
- 17 Aber was vom geopferten Fleisch übrigbleibt am dritten Tage, soll mit Feuer verbrannt werden.
- 18 Und wo jemand am dritten Tage wird essen von dem geopferten Fleisch seines Dankopfers, so wird er nicht angenehm sein, der es geopfert hat; es wird ihm auch nicht zugerechnet werden, sondern es wird ein Greuel sein; und welche Seele davon essen wird, die ist einer Missetat schuldig.
- 19 Und das Fleisch, das von etwas Unreinem berührt wird, soll nicht gegessen, sondern mit Feuer verbrannt werden. Wer reines Leibes ist, soll von dem Fleisch essen.
- 20 Und welche Seele essen wird von dem Fleisch des Dankopfers, das dem HERRN zugehört, und hat eine Unreinigkeit an sich, die wird ausgerottet werden von ihrem Volk.
- 21 Und wenn eine Seele etwas Unreines anrührt, es sei ein unreiner Mensch, ein unreines Vieh oder sonst was greulich ist, und vom Fleisch des Dankopfers ißt, das dem HERRN zugehört, die wird ausgerottet werden von ihrem Volk.
- 22 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
- 23 Rede mit den Kindern Israel und sprich: Ihr sollt kein Fett essen von Ochsen, Lämmern und Ziegen.
- 24 Aber das Fett vom Aas, und was vom Wild zerrissen ist, macht euch zu allerlei Nutz; aber essen sollt ihr's nicht.
- 25 Denn wer das Fett ißt von dem Vieh, davon man dem HERRN Opfer bringt, dieselbe Seele soll ausgerottet werde von ihrem Volk.
- 26 Ihr sollt auch kein Blut essen, weder vom Vieh noch von Vögeln, überall, wo ihr wohnt.
- 27 Welche Seele würde irgend ein Blut essen, die soll ausgerottet werden von ihrem Volk.
- 28 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
- 29 Rede mit den Kindern Israel und sprich: Wer dem HERRN sein Dankopfer tun will, der soll darbringen, was vom Dankopfer dem HERRN gehört.
- 30 Er soll's aber mit seiner Hand herzubringen zum Opfer des HERRN; nämlich das Fett soll er bringen samt der Brust, daß sie ein Webeopfer werden vor dem HERRN.
- 31 Und der Priester soll das Fett anzünden auf dem Altar, aber die Brust soll Aarons und seiner Söhne sein.
- 32 Und die rechte Schulter sollen sie dem Priester geben zur Hebe von ihren Dankopfern.
- 33 Und welcher unter Aarons Söhnen das Blut der Dankopfer opfert und das Fett, des soll die rechte Schulter sein zu seinem Teil.
- 34 Denn die Webebrust und die Hebeschulter habe ich genommen von den Kindern Israel von ihren Dankopfern und habe sie dem Priester Aaron und seinen Söhnen gegeben zum ewigen Recht.
- 35 Dies ist die Gebühr Aarons und seiner Söhne von den Opfern des HERRN, des Tages, da sie überantwortet wurden Priester zu sein dem HERRN,
- 36 die der HERR gebot am Tage, da er sie salbte, daß sie ihnen gegeben werden sollte von den Kindern Israel, zum ewigen Recht allen ihren Nachkommen.
- 37 Dies ist das Gesetz des Brandopfers, des Speisopfers, des Sündopfers, des Schuldopfers, der Füllopfer und der Dankopfer,
- 38 das der HERR dem Mose gebot auf dem Berge Sinai des Tages, da er ihm gebot an die Kinder Israel, zu opfern ihre Opfer dem HERRN in der Wüste Sinai.
Kapitelüberblick
Gottes Anweisungen für den Opferdienst zeigen, wie sorgfältig das Volk Israel mit den Gaben umgehen sollte, die ihm heilig waren. Zunächst wird das Schuldopfer genauer beschrieben. Anschließend legt Gott fest, welche Teile der verschiedenen Opfer den Priestern zustehen und wie sie damit umgehen sollen.
Besondere Aufmerksamkeit erhält das Friedensopfer, das aus Dankbarkeit, aufgrund eines Gelübdes oder freiwillig dargebracht werden konnte. Für das gemeinsame Opfermahl gelten unterschiedliche Fristen und Reinheitsvorschriften. Auch der Verzehr bestimmter Fettteile und des Blutes wird ausdrücklich untersagt. Schließlich regelt Gott die Verteilung der Opferanteile und bestätigt die Versorgung der Priester.
So wird deutlich, dass der Gottesdienst Israels nicht allein aus dem Darbringen von Opfertieren bestand. Jede Handlung unterlag einer von Gott festgelegten Ordnung. Die Opfergaben waren deshalb mehr als persönliche Geschenke: Sie gehörten zu einem heiligen Dienst, in dem Dankbarkeit, Verantwortung, Gemeinschaft und Ehrfurcht vor Gott ihren Platz hatten.
Einführung
Am Berg Sinai hatte Gott mit Israel einen Bund geschlossen und das Volk zu einem Leben in seiner Gegenwart berufen. Nach dem Bau der Stiftshütte, des beweglichen Heiligtums, von dem aus Gott seinem Volk begegnen wollte, erhielt Mose weitere Anweisungen für den Gottesdienst. Das dritte Buch Mose führt diese Unterweisung fort und erklärt, wie Israel sich Gott nähern und wie die Priester ihren Dienst ausüben sollten.
Die ersten fünf Kapitel stellen vor allem die verschiedenen Opferarten vor. Dabei wird häufig beschrieben, was ein Israelit darbringen musste, aus welchem Anlass dies geschah und welche Handlungen am Altar erforderlich waren. Ab 3. Mose 6 rückt stärker die Verantwortung der Priester in den Mittelpunkt. Sie mussten wissen, welche Vorschriften bei der Durchführung der Opfer zu beachten waren und wie mit den heiligen Gaben umzugehen war.
Diesen Zusammenhang sollte man beim Lesen berücksichtigen. Manche Bestimmungen erscheinen zunächst wie Wiederholungen, ergänzen jedoch frühere Anweisungen um Einzelheiten, die für den tatsächlichen Opferdienst entscheidend waren. Auch die Begriffe Sündopfer und Schuldopfer dürfen nicht einfach gleichgesetzt werden. Beide stehen mit menschlicher Schuld in Verbindung, haben innerhalb der Opferordnung aber unterschiedliche Aufgaben.
Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung der Opfergesetze. Darin wird auch das Opfer zur Einsetzung der Priester erwähnt, dessen Durchführung in 3. Mose 8 ausführlicher beschrieben wird. Damit entsteht ein natürlicher Übergang von den göttlichen Anweisungen zu ihrer Umsetzung.
3. Mose 7,1–6
Das Schuldopfer: Ein hochheiliges Opfer vor Gott
Das Schuldopfer nimmt innerhalb der Opferordnung eine besondere Stellung ein. Bereits im ersten Vers bezeichnet Gott es ausdrücklich als „hochheilig“. Damit wird deutlich, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Gabe handelte, über die der Mensch nach eigenem Ermessen verfügen konnte. Das Opfer war für einen bestimmten Zweck ausgesondert und durfte nur nach den von Gott festgelegten Vorschriften behandelt werden. Diese Bezeichnung begegnet auch beim Sündopfer und bei bestimmten Speisopfern (3. Mose 6,10.18). Sie beschreibt die besondere Heiligkeit der Opfergabe, nicht etwa einen höheren Wert des Menschen, der sie darbrachte.
Der Anlass für das Schuldopfer wurde bereits in 3. Mose 5 ausführlicher erklärt. Es konnte notwendig werden, wenn ein Mensch sich an etwas vergangen hatte, das Gott gehörte, oder wenn er seinem Mitmenschen Unrecht zugefügt hatte. Dazu gehörten beispielsweise die widerrechtliche Aneignung fremden Eigentums, das Ableugnen anvertrauter Gegenstände oder ein falscher Eid. Bei solchen Verfehlungen genügte es nicht, ein Opfertier zum Heiligtum zu bringen. Der Schuldige musste das entstandene Unrecht wiedergutmachen und in den entsprechenden Fällen zusätzlich ein Fünftel des Wertes erstatten (3. Mose 5,14–26 nach der Verszählung der Schlachter 1951). Die Opferhandlung stand deshalb in einem engen Zusammenhang mit persönlicher Verantwortung. Wer Gottes Vergebung suchte, sollte das begangene Unrecht nicht einfach bestehen lassen.
In Vers 2 bestimmt Gott, dass das Schuldopfer an derselben Stelle geschlachtet werden sollte wie das Brandopfer. Bereits in 3. Mose 1,11 wird für die entsprechende Opferhandlung die Nordseite des Altars genannt. Der Ort war somit kein beliebig gewählter Platz, sondern gehörte zur festgelegten Ordnung des Heiligtums. Anschließend sollte das Blut des Schuldopfers ringsum an den Altar gesprengt werden. Das Blut hatte im Opferdienst eine besondere Bedeutung, weil Gott es mit dem Leben des Geschöpfes und mit der Sühnung von Schuld verband (3. Mose 17,11). Die Handlung erinnerte daran, dass Schuld vor Gott nicht bedeutungslos war und Vergebung nicht einfach durch menschliche Entschlossenheit erlangt werden konnte.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu beachten. Beim Schuldopfer wurde das Blut an den Brandopferaltar im Vorhof gebracht. Bei bestimmten Sündopfern, etwa für den gesalbten Priester oder die ganze Gemeinde, galten dagegen weitergehende Vorschriften, bei denen Blut auch innerhalb der Stiftshütte verwendet wurde (3. Mose 4,3–21). Die verschiedenen Opfer waren also nicht in jedem Einzelteil gleich gestaltet. Ihre Handlungen folgten einer jeweils bestimmten Ordnung. Deshalb wäre es zu weitgehend, aus einer einzelnen Blutanwendung bereits eine vollständige Erklärung aller geistlichen Vorgänge im Heiligtum abzuleiten.
Die Verse 3 und 4 beschreiben anschließend, welche Teile des Opfertieres auf dem Altar dargebracht werden mussten. Dazu gehörten der Fettschwanz, das Fett über den Eingeweiden, die beiden Nieren mit dem dazugehörigen Fett sowie ein bestimmter Teil an der Leber. Der ausdrücklich erwähnte Fettschwanz war bei den damals bekannten Fettschwanzschafen ein besonders ausgeprägter Körperteil. Die genauen Angaben zeigen, dass nicht das gesamte Tier verbrannt wurde, sondern bestimmte Teile für den Altar vorgesehen waren. Auch bei den Friedensopfern begegnet diese Unterscheidung bereits in 3. Mose 3. Das Fett, das Gott auf diese Weise zugewiesen hatte, durfte nicht nach Belieben zurückbehalten oder anderweitig verwendet werden.
Nach Vers 5 sollte der Priester diese Teile auf dem Altar verbrennen. Die Schlachter 1951 beschreibt dies als eine Darbringung, die zu einem Feueropfer für den Herrn wurde. Damit ist nicht gemeint, dass Gott Nahrung benötigte oder durch den Rauch des Opfers versorgt werden musste. Die Opferhandlung war ein vorgeschriebener Bestandteil des Gottesdienstes, durch den eine Gott vorbehaltene Gabe tatsächlich dargebracht wurde. Schon Psalm 50,12–13 macht deutlich, dass Gott nicht wie ein Mensch von tierischer Nahrung abhängig ist. Entscheidend war daher nicht ein materieller Nutzen für Gott, sondern die gehorsame Durchführung des von ihm angeordneten Opferdienstes.
Vers 6 enthält schließlich eine Bestimmung, die zunächst überraschen kann: Obwohl das Schuldopfer hochheilig war, durften die männlichen Priester von seinem Fleisch essen. Allerdings musste dies an einer heiligen Stätte geschehen. Die entsprechenden Vorschriften zum Sündopfer nennen dafür ausdrücklich den Vorhof der Stiftshütte (3. Mose 6,19). Die Heiligkeit des Opfers bedeutete also nicht, dass jedes Essen davon ausgeschlossen war. Vielmehr bestimmte Gott selbst, welcher Anteil verbrannt werden musste und welcher Anteil den Priestern zur Nahrung dienen durfte. Das Fleisch wurde dadurch nicht zu einer gewöhnlichen Mahlzeit, über die frei verfügt werden konnte. Auch sein Verzehr gehörte zur geregelten Behandlung heiliger Opfergaben.
Gerade diese Verbindung von Sühne, Heiligkeit und priesterlichem Dienst hilft, die Opferordnung besser zu verstehen. Das Schuldopfer sollte nicht den Eindruck erwecken, ein Mensch könne sich durch eine äußere Handlung von seiner Verantwortung freikaufen. Wo Wiedergutmachung geboten war, gehörte sie ausdrücklich dazu. Zugleich war der Priester für die vorgeschriebene Opferhandlung verantwortlich. Später erklärt der Hebräerbrief, dass die wiederholten Opfer des alten Bundes die endgültige Beseitigung der Sünde nicht selbst bewirken konnten und dass Jesus Christus durch sein eigenes Opfer eine vollkommene Grundlage für die Vergebung geschaffen hat (Hebräer 10,1–14). Dieser größere Zusammenhang macht die Bedeutung des Opferdienstes verständlich, ohne jedes einzelne Ritualdetail zu einer eigenständigen Vorhersage über Christus erklären zu müssen.
3. Mose 7,7–10
Die Opferanteile und die Versorgung der Priester
Nicht alle Teile eines Opfers wurden auf dem Altar verbrannt. Gott hatte genau festgelegt, welche Gaben ihm auf diese Weise dargebracht werden sollten und welche den Priestern zur Versorgung dienten. Die Verse 7–10 erklären diese Verteilung für das Sündopfer, das Schuldopfer, das Brandopfer und verschiedene Speisopfer. Dabei wird deutlich, dass die Priester nicht selbst entscheiden durften, was sie von den Opfergaben behalten wollten. Ihre Anteile waren ebenso Teil der göttlichen Ordnung wie die Opferhandlungen selbst.
Vers 7 stellt zunächst eine Verbindung zwischen dem Sündopfer und dem Schuldopfer her. Für beide galt die Bestimmung, dass der Priester, der die Sühnung vollzog, einen Anspruch auf das Opferfleisch hatte. Mit Sühnung ist hier die von Gott angeordnete Handlung gemeint, durch die Schuld im Rahmen des Opferdienstes behandelt wurde. Die gemeinsame Vorschrift bedeutet allerdings nicht, dass beide Opferarten in allen Einzelheiten gleich waren. Ihre Anlässe und bestimmte Handlungen unterschieden sich, wie die vorhergehenden Kapitel zeigen. Auch durfte nicht jedes Sündopfer gegessen werden. Wenn sein Blut zur Sühnung in die Stiftshütte hineingebracht wurde, musste das betreffende Opfer verbrannt werden (3. Mose 6,23). Vers 7 beschreibt deshalb eine gemeinsame Regel für die priesterlichen Anteile, hebt aber die besonderen Vorschriften der einzelnen Opfer nicht auf.
Der Anspruch des darbringenden Priesters bedeutete auch nicht, dass ausschließlich er persönlich von dem Opferfleisch essen durfte. Bereits Vers 6 gestattet allen männlichen Angehörigen der Priesterschaft, davon zu essen, sofern dies an einer heiligen Stätte geschah. Zwischen der Zuweisung eines Opferanteils und den Vorschriften über seinen Verzehr muss deshalb unterschieden werden. Die Opfergaben blieben auch dann heilig, wenn Gott sie den Priestern zur Nahrung überließ.
Eine andere Besonderheit begegnet in Vers 8. Beim Brandopfer wurde das Opfertier grundsätzlich vollständig auf dem Altar verbrannt. Eine Ausnahme bildete jedoch sein Fell, das dem Priester zustand, der das Opfer darbrachte. Schon 3. Mose 1,6 hatte vorgeschrieben, das Tier vor seiner Zerteilung abzuhäuten. Nun wird erklärt, was mit diesem Fell geschehen sollte. Es fiel nicht dem Opfernden zu, sondern wurde dem zuständigen Priester überlassen. Auch hier zeigt sich, dass die Bestimmungen über das Brandopfer nicht nur die Handlung am Altar regelten, sondern ebenso den Umgang mit den Teilen des Tieres, die nicht verbrannt wurden.
In den Versen 9 und 10 wendet sich die Aufmerksamkeit den Speisopfern zu. Diese bestanden nicht aus Fleisch, sondern vor allem aus Getreideerzeugnissen. Je nach Vorschrift konnten sie aus feinem Mehl, mit Öl vermengtem Mehl oder bereits zubereiteten Backwaren bestehen. Ihre verschiedenen Formen waren schon in 3. Mose 2 beschrieben worden. Ein Teil wurde auf dem Altar verbrannt, während der übrige Anteil grundsätzlich den Priestern zustand. Welche Priester ihn erhielten, richtete sich jedoch nach der Art der Darbringung.
Wurde ein Speisopfer im Ofen gebacken oder in einem Topf beziehungsweise einer Pfanne zubereitet, gehörte der verbleibende Anteil nach Vers 9 dem Priester, der es darbrachte. Bei Speisopfern, die mit Öl vermengt oder trocken dargebracht wurden, galt dagegen eine gemeinschaftliche Regelung. Diese Anteile sollten nach Vers 10 allen Söhnen Aarons gleichermaßen zustehen. Die Vorschriften unterschieden somit zwischen Gaben, die einem bestimmten diensttuenden Priester zufielen, und solchen, die unter den berechtigten Priestern verteilt wurden. Weshalb gerade diese Zubereitungsarten unterschiedlich behandelt wurden, erklärt der Text nicht ausdrücklich. Sicher ist jedoch, dass die Verteilung nicht dem persönlichen Ermessen der Priester überlassen blieb.
Eine weitere Einschränkung war bereits in 3. Mose 6,16 festgelegt worden: Brachte ein Priester ein eigenes Speisopfer dar, musste es vollständig verbrannt werden. Er durfte nicht davon essen. Die Versorgungsvorschriften galten also nicht uneingeschränkt für jede Opfergabe. Der Priester konnte aus seinem Amt keinen Anspruch ableiten, sich grundsätzlich alles anzueignen, was am Heiligtum dargebracht wurde. Auch für ihn bestanden verbindliche Grenzen zwischen dem, was Gott vollständig vorbehalten war, und dem, was ihm selbst zustand.
Diese Regelungen waren für den Alltag des Heiligtums von erheblicher Bedeutung. Die Priester waren mit dem Opferdienst, der Unterweisung des Volkes und weiteren Aufgaben am Heiligtum betraut. Gott hatte deshalb vorgesehen, dass sie durch bestimmte Opferanteile versorgt wurden. Später wird dieser Grundsatz noch ausführlicher erklärt, wenn Gott Aaron mitteilt, welche heiligen Gaben ihm und seinen Nachkommen zustehen (4. Mose 18,8–20). Die Versorgung der Priester war somit kein zufälliger Vorteil ihres Amtes, sondern ein ausdrücklich geregelter Bestandteil ihres Dienstes.
Zugleich bewahrten diese Vorschriften die Priester vor der Vorstellung, sie könnten über die Opfergaben wie über persönliches Eigentum verfügen, bevor Gott deren Verwendung bestimmt hatte. Sie empfingen ihren Anteil nicht unabhängig vom Heiligtum, sondern innerhalb des ihnen anvertrauten Dienstes. Gerade deshalb war ein verantwortlicher Umgang mit diesen Gaben notwendig. Wie ernst diese Ordnung genommen werden sollte, zeigt später das Verhalten der Söhne Elis. Sie eigneten sich Opferfleisch widerrechtlich an und missachteten die vorgeschriebene Darbringung des Fettes (1. Samuel 2,12–17). Ihr Beispiel macht sichtbar, wie aus einem von Gott gewährten Versorgungsrecht ein schwerer Missbrauch werden konnte, wenn die Ehrfurcht vor seinen Anweisungen verloren ging.
3. Mose 7,11–14
Dankbarkeit vor Gott und die verschiedenen Brotopfer
Neben den Opfern, die wegen menschlicher Schuld dargebracht wurden, kannte Israel auch Opfer, mit denen Menschen ihre Dankbarkeit und Verbundenheit mit Gott ausdrückten. Vers 11 beginnt die näheren Bestimmungen für diese Opferart. Die Schlachter 1951 verwendet dafür die Bezeichnung „Dankopfer“, während andere Bibelübersetzungen von Friedens- oder Gemeinschaftsopfern sprechen. Der hebräische Ausdruck bezeichnet eine Opferart, die verschiedene Anlässe umfasste. Neben einem Opfer zum Dank konnten auch ein erfülltes Gelübde oder die freiwillige Entscheidung eines Menschen Anlass zur Darbringung sein. Diese Unterschiede werden im weiteren Verlauf des Kapitels ausdrücklich berücksichtigt.
In Vers 12 wird zunächst das Opfer beschrieben, das jemand zum Lob Gottes darbringen wollte. Ein solches Opfer konnte Ausdruck der Dankbarkeit für erfahrene Hilfe, Bewahrung oder andere Wohltaten Gottes sein. Der Text nennt hier keinen bestimmten Anlass, der für alle Opfernden gelten musste. Entscheidend war, dass der Mensch seine Dankbarkeit nicht allein mit Worten ausdrückte, sondern sie durch eine konkrete Opfergabe vor Gott brachte. Einen passenden Einblick in diese Haltung gibt Psalm 107,21–22. Dort werden Menschen aufgefordert, Gott für seine Güte zu danken und seine Taten mit Lob zu verkündigen. Die Dankbarkeit richtet sich somit nicht nur auf das empfangene Gute, sondern vor allem auf den Gott, von dem die Hilfe kommt.
Zum Dankopfer gehörten neben dem Opfertier verschiedene Brotgaben. Vers 12 nennt ungesäuerte Kuchen, die mit Öl vermengt waren, ungesäuerte Fladen, die mit Öl bestrichen wurden, und weitere Kuchen aus feinem, mit Öl verarbeitetem Mehl. Ungesäuert bedeutet, dass der Teig ohne Sauerteig zubereitet wurde. Die verschiedenen Formen unterschieden sich in ihrer Herstellung, gehörten jedoch gemeinsam zur vorgeschriebenen Darbringung. Der Opfernde konnte deshalb nicht einfach irgendein Brot mitbringen und selbst bestimmen, welche Gabe für den Gottesdienst geeignet war. Auch seine Dankbarkeit erhielt innerhalb des Heiligtums eine von Gott festgelegte Form.
Überraschend ist die zusätzliche Vorschrift in Vers 13. Neben den ungesäuerten Broten sollte ausdrücklich auch gesäuertes Brot dargebracht werden. Das ist bemerkenswert, weil Gott in 3. Mose 2,11 verboten hatte, Sauerteig bei einem Feueropfer auf dem Altar zu verbrennen. Auf den ersten Blick könnten diese Vorschriften widersprüchlich erscheinen. Tatsächlich betreffen sie jedoch unterschiedliche Handlungen. Das Verbot aus 3. Mose 2 bezog sich auf das, was auf dem Altar verbrannt werden durfte. Die gesäuerten Brote des Dankopfers gehörten dagegen zu den begleitenden Gaben und wurden nicht als Feueropfer verbrannt. Ähnlich wurden beim Wochenfest zwei gesäuerte Brote vor den Herrn gebracht (3. Mose 23,17–20). Sauerteig war im israelitischen Gottesdienst also nicht ausnahmslos verboten. Entscheidend war, für welchen Zweck eine Gabe bestimmt war.
Gerade dieser Unterschied schützt vor einer zu einfachen Deutung des Sauerteigs. An manchen Stellen der Bibel wird er als Bild für einen schädlichen Einfluss verwendet, etwa wenn Jesus vor dem Sauerteig der Pharisäer warnt (Matthäus 16,6.12). Daraus folgt jedoch nicht, dass Sauerteig in jeder biblischen Vorschrift dieselbe negative Bedeutung besitzen muss. In 3. Mose 7 wird keine symbolische Erklärung gegeben, weshalb beim Dankopfer sowohl ungesäuertes als auch gesäuertes Brot vorgeschrieben war. Eine feste geistliche Bedeutung für jede Brotsorte lässt sich daher aus diesen Versen allein nicht beweisen. Die sichere Aussage besteht darin, dass beide Arten innerhalb der ausdrücklich geregelten Opfergabe ihren Platz hatten.
Vers 14 erklärt anschließend, was mit einem Teil dieser Brote geschehen sollte. Von jeder der genannten Brotgaben musste ein Stück für den Herrn ausgesondert werden. Die Schlachter 1951 bezeichnet diese Handlung als eine „Hebe“. Gemeint ist eine Gabe, die aus dem Ganzen herausgenommen und Gott besonders gewidmet wurde. Der Begriff verlangt nicht, dass man sich eine genau festgelegte Hebebewegung vorstellen muss. Entscheidend ist die Aussonderung eines Anteils, dessen weitere Verwendung Gott bereits bestimmt hatte. Dieser Anteil gehörte dem Priester, der das Blut des Friedensopfers am Altar sprengte. Die Darbringung vor Gott und die anschließende Zuweisung an den Priester standen somit nicht im Widerspruch zueinander.
Bemerkenswert ist außerdem, dass der Priester gerade aufgrund seines Dienstes am Opfer einen solchen Anteil erhielt. Die Brote waren nicht einfach eine persönliche Belohnung des Opfernden für den Priester. Sie wurden zunächst als Gabe für den Herrn dargebracht und gingen nach der göttlichen Vorschrift in die Versorgung des zuständigen Priesters über. Der Opfernde brachte seine Dankbarkeit zum Ausdruck, während zugleich für den Dienst am Heiligtum gesorgt wurde. Beide Anliegen waren in derselben Opferordnung miteinander verbunden.
Die Verse 11–14 zeigen damit eine wichtige Besonderheit der israelitischen Opferpraxis: Nicht jedes Opfer stand unmittelbar im Zusammenhang mit einem begangenen Unrecht. Menschen konnten sich Gott auch mit Lob und Dankbarkeit nähern. Ihre Opfer waren jedoch keine gewöhnlichen Geschenke, bei denen allein die persönliche Absicht über die richtige Durchführung entschied. Auch ein freiwilliger Ausdruck der Dankbarkeit sollte die Heiligkeit des Gottesdienstes achten. Wie diese Dankbarkeit anschließend in einer gemeinsamen Mahlzeit ihren Ausdruck fand und weshalb dafür genaue Zeitgrenzen galten, erklären die folgenden Verse.
3. Mose 7,15–18
Die Zeitgrenzen des Opfermahls und der verantwortliche Umgang mit heiligen Gaben
Wie lange durfte das Fleisch eines Friedensopfers gegessen werden? Diese Frage war für die Israeliten von großer Bedeutung, denn ein Teil des Opfertieres wurde nicht auf dem Altar verbrannt, sondern durfte im Rahmen einer heiligen Mahlzeit verzehrt werden. Die Verse 15–18 zeigen, dass Gott auch für diesen Teil des Opferdienstes genaue Vorschriften gegeben hatte. Dabei unterschieden sich die erlaubten Zeiten je nachdem, aus welchem Anlass das Opfer dargebracht wurde.
Vers 15 bestimmt, dass das Fleisch eines Dankopfers noch am Tag seiner Darbringung gegessen werden musste. Bis zum folgenden Morgen durfte nichts davon übrig bleiben. Wer Gott durch ein solches Opfer danken wollte, musste deshalb die Mahlzeit entsprechend vorbereiten. Das Opferfleisch konnte nicht nach Belieben für spätere Tage aufbewahrt werden. Eine ähnliche Bestimmung findet sich in 3. Mose 22,29–30. Auch dort wird ausdrücklich verlangt, dass ein zum Dank dargebrachtes Opfer am selben Tag verzehrt wird. Die Vorschrift war also kein nebensächlicher Hinweis, sondern gehörte zur verbindlichen Ordnung dieser Opferart.
Anders verhielt es sich bei einem Friedensopfer, das aufgrund eines Gelübdes oder freiwillig dargebracht wurde. Ein Gelübde war ein Versprechen gegenüber Gott, durch das sich ein Mensch zu einer bestimmten Handlung verpflichtete. Ein freiwilliges Opfer beruhte dagegen nicht auf einer solchen vorherigen Verpflichtung. Für beide Fälle erlaubte Vers 16, das Fleisch sowohl am Tag der Darbringung als auch am folgenden Tag zu essen. Was nach der ersten Mahlzeit übrig blieb, durfte also noch am zweiten Tag verzehrt werden. Damit gewährte Gott für diese Opfer einen längeren Zeitraum als für das eigentliche Dankopfer. Weshalb die Vorschriften gerade zwischen diesen Anlässen unterscheiden, erklärt der Text nicht ausdrücklich. Es wäre deshalb zu weitgehend, aus den unterschiedlichen Fristen eine feste Rangordnung der Dankbarkeit oder des persönlichen Glaubens abzuleiten.
Spätestens am dritten Tag endete jedoch jede Erlaubnis zum Verzehr. Vers 17 schreibt vor, dass die verbliebenen Fleischreste mit Feuer verbrannt werden mussten. Diese Handlung unterschied sich von der ursprünglichen Darbringung der vorgeschriebenen Fettteile auf dem Altar. Nun ging es darum, die Reste einer bereits dargebrachten Opfergabe ordnungsgemäß zu beseitigen. Das Fleisch durfte nicht einfach in eine gewöhnliche Mahlzeit übergehen, nur weil die eigentliche Opferhandlung bereits abgeschlossen war. Seine Herkunft aus einem heiligen Opfer blieb für den weiteren Umgang entscheidend.
Man könnte vermuten, dass diese Zeitgrenzen auch vor dem Verderben des Fleisches schützen sollten. In einer Umgebung ohne moderne Kühlmöglichkeiten war der zeitnahe Verzehr von Fleisch durchaus sinnvoll. Doch der Bibeltext selbst begründet die Vorschriften nicht ausdrücklich mit der Lebensmittelhygiene. Seine Aussagen reichen darüber hinaus, denn selbst wenn Fleisch äußerlich noch genießbar gewesen wäre, durfte es am dritten Tag nicht mehr gegessen werden. Die Grenze beruhte auf Gottes Anordnung und nicht auf einer vom Opfernden vorgenommenen Einschätzung des Zustands der Nahrung. Ein möglicher praktischer Nutzen erklärt deshalb nicht die vollständige Bedeutung dieser Vorschrift.
Wie ernst dieses Gebot war, zeigt Vers 18. Sollte jemand trotz des Verbots am dritten Tag von dem Opferfleisch essen, würde das Opfer nicht mehr als annehmbar gelten und dem Darbringenden nicht zugerechnet werden. Die Schlachter 1951 beschreibt das Fleisch in diesem Fall als „verdorben“. Gemeint ist im Zusammenhang nicht lediglich, dass es durch natürliche Zersetzung ungenießbar geworden sein musste. Vielmehr war die Gabe durch den verbotenen Umgang für ihren heiligen Zweck unzulässig geworden. Der hebräische Ausdruck bezeichnet hier einen anstößigen, nicht mehr annehmbaren Opferzustand. Was zunächst als gültige Opfergabe dargebracht worden war, durfte nicht durch die Missachtung der vorgeschriebenen Ordnung entheiligt werden.
Besonders bemerkenswert ist die Unterscheidung zwischen der Bewertung des Opfers und der Verantwortung desjenigen, der davon aß. Einerseits würde die Opfergabe nicht anerkannt. Andererseits sollte der Mensch, der das Fleisch entgegen der Vorschrift verzehrte, seine Schuld tragen. Der Text behandelt den Verstoß somit nicht als belanglosen Fehler bei der Aufbewahrung von Nahrung. Er betraf den Umgang mit etwas, das zuvor dem Herrn geweiht worden war. In 3. Mose 19,5–8 wird diese Bestimmung nochmals aufgegriffen und ausdrücklich mit der Heiligkeit dessen begründet, was Gott gehört. Wer die vorgeschriebene Grenze missachtete, behandelte eine heilige Gabe entgegen ihrer Bestimmung.
Die ernste Warnung bedeutet allerdings nicht, dass jede versehentliche Unregelmäßigkeit im Gottesdienst automatisch zur vollständigen Verwerfung eines Menschen führte. Vers 18 beschreibt die Folgen eines bestimmten verbotenen Verzehrs und die dadurch beeinträchtigte Annahme des Opfers. Er erklärt nicht abschließend, wie Gott mit jeder Form menschlichen Versagens umgeht. Die Bibel kennt an anderer Stelle ausdrücklich Vergebung für Menschen, die ihre Schuld erkennen und zu Gott umkehren. Deshalb sollte die Warnung in ihrer ganzen Ernsthaftigkeit stehen bleiben, ohne aus ihr weitergehende Urteile abzuleiten, die der Vers selbst nicht ausspricht.
Diese Vorschriften verdeutlichen schließlich, dass die Bedeutung einer Opfergabe nicht mit ihrer Darbringung am Altar endete. Auch der anschließende Umgang mit ihr gehörte zum Gottesdienst. Ein Opfer konnte nicht allein deshalb als annehmbar gelten, weil es mit einer guten Absicht begonnen worden war. Der weitere Umgang musste ebenso den Anweisungen Gottes entsprechen. Mit den folgenden Versen wird dieser Gedanke noch vertieft: Dort geht es nicht mehr nur darum, wann heiliges Opferfleisch gegessen werden durfte, sondern auch darum, in welchem Zustand ein Mensch daran teilnehmen konnte.
3. Mose 7,19–21
Reinheit und die Verantwortung beim heiligen Opfermahl
Nicht nur der Zeitpunkt einer Opfermahlzeit war entscheidend, sondern auch der Zustand des Opferfleisches und der Menschen, die davon aßen. Mit Vers 19 beginnt deshalb eine weitere Bestimmung, die unmittelbar an die zuvor genannten Vorschriften anschließt. Sie erklärt, wie mit einer Opfergabe umzugehen war, wenn sie mit etwas Unreinem in Berührung gekommen war. Die anschließenden Verse richten den Blick auf die Teilnehmer der Mahlzeit. Auf diese Weise unterscheidet Gott zwischen der Reinheit der Speise und der Reinheit des Menschen, der sie empfängt.
Vers 19 schreibt vor, dass Opferfleisch, das etwas Unreines berührt hatte, nicht mehr gegessen werden durfte. Es musste mit Feuer verbrannt werden. Eine solche Berührung machte das Fleisch für die vorgesehene heilige Mahlzeit unzulässig, selbst wenn es äußerlich unverändert erschien. Der Opfernde durfte nicht selbst entscheiden, dass die Berührung unbedeutend gewesen sei und das Fleisch deshalb weiterhin verwendet werden könne. Was einmal für den Gottesdienst ausgesondert worden war, musste nach den entsprechenden Reinheitsvorschriften behandelt werden. Die Verbrennung verhinderte, dass das unrein gewordene Opferfleisch dennoch verzehrt oder für gewöhnliche Zwecke verwendet wurde.
Im selben Vers folgt jedoch eine wichtige Erlaubnis: Jeder reine Mensch durfte von dem dafür vorgesehenen Opferfleisch essen. Das unterscheidet das Friedensopfer von den zuvor behandelten Sünd- und Schuldopfern, deren Fleisch nur bestimmten Priestern unter besonderen Bedingungen zum Verzehr zustand. Beim Friedensopfer war die Teilnahme nicht auf die Priesterschaft beschränkt. Auch andere Israeliten konnten an der heiligen Mahlzeit teilnehmen, sofern sie die erforderlichen Voraussetzungen erfüllten. Das macht die gemeinschaftliche Bedeutung dieser Opferart sichtbar. Die Mahlzeit verband die Darbringung vor Gott mit einer gemeinsamen Teilnahme an dem, was nach seiner Anordnung gegessen werden durfte.
Was bedeutete es aber, in diesem Zusammenhang rein oder unrein zu sein? Die Reinheitsgesetze Israels umfassten weit mehr als die Unterscheidung zwischen einem guten und einem schlechten Lebenswandel. Ein Mensch konnte beispielsweise durch die Berührung eines toten Körpers, durch bestimmte körperliche Vorgänge oder durch den Kontakt mit anderen Unreinheitsquellen rituell unrein werden. Solche Situationen werden besonders in 3. Mose 11–15 und 4. Mose 19 beschrieben. Rituelle Unreinheit bedeutete deshalb nicht automatisch, dass jemand bewusst gesündigt oder einen schlechten Charakter hatte. Sie bezeichnete einen Zustand, der den Zugang zu bestimmten heiligen Handlungen vorübergehend einschränkte. Für unterschiedliche Ursachen waren entsprechende Reinigungsmaßnahmen vorgesehen, nach denen die betroffene Person wieder als rein gelten konnte.
Diese Unterscheidung ist für Vers 20 besonders wichtig. Dort wird eine ernste Strafe für den Menschen angekündigt, der trotz bestehender Unreinheit von dem Fleisch eines Friedensopfers aß. Nicht schon die bloße Unreinheit ist hier der Anlass der Strafandrohung, sondern die Teilnahme an der heiligen Mahlzeit in einem Zustand, in dem sie verboten war. Der Text hebt ausdrücklich hervor, dass das Opferfleisch dem Herrn gehörte. Obwohl Menschen davon essen durften, verlor es dadurch nicht seine besondere Stellung. Wer daran teilnahm, musste die Bedingungen beachten, unter denen Gott diese Teilnahme gestattet hatte.
Die angedrohte Strafe wird mit dem Ausdruck beschrieben, dass die betreffende Person aus ihrem Volk „ausgerottet“ werden sollte. Diese Formulierung begegnet mehrfach in den mosaischen Gesetzen und bezeichnet eine besonders schwere Verletzung der Bundesordnung. Der zugrunde liegende hebräische Ausdruck bedeutet wörtlich ein Abschneiden. Wie diese Strafe in jedem einzelnen Fall vollzogen wurde, lässt sich jedoch nicht allein aus 3. Mose 7 bestimmen. Ausleger verstehen sie unterschiedlich als Ausschluss aus der Gemeinschaft, als göttliche Bestrafung oder als Strafe, die unter bestimmten Umständen den Tod einschließen konnte. Da hier keine konkrete Vollstreckung beschrieben wird, sollte man nicht behaupten, jeder Verstoß habe zwangsläufig zu einer unmittelbaren Hinrichtung geführt. Sicher ist, dass Gott die Missachtung der heiligen Opfergemeinschaft als außerordentlich ernst bezeichnet.
Vers 21 erweitert die Warnung durch konkrete Beispiele. Genannt werden die Berührung menschlicher Unreinheit, eines unreinen Tieres oder eines unreinen Kriechtieres. Entscheidend ist dabei die Verbindung zwischen dem Kontakt mit einer Unreinheitsquelle und dem anschließenden Verzehr des Opferfleisches. Die Vorschrift sollte verhindern, dass Menschen die Auswirkungen einer solchen Berührung übergingen und dennoch am heiligen Mahl teilnahmen. Zugleich zeigt die Aufzählung, dass nicht nur eine einzige besondere Ursache von Unreinheit gemeint war. Unterschiedliche Situationen konnten dazu führen, dass ein Mensch vorübergehend nicht zur Teilnahme berechtigt war.
Dabei ging es nicht darum, Menschen, die unrein geworden waren, grundsätzlich aus der Gemeinschaft Gottes auszuschließen. Die Reinheitsgesetze sahen ausdrücklich Möglichkeiten vor, wieder rein zu werden. Beispielsweise mussten sich Menschen nach bestimmten Formen der Verunreinigung waschen und bis zum Abend warten, bevor sie wieder als rein galten (3. Mose 11,24–25; 15,5–11). Andere Fälle erforderten weitergehende Maßnahmen. Entscheidend war, dass die Betroffenen ihren Zustand nicht ignorierten, sondern die jeweils vorgeschriebene Reinigung beachteten. Gottes Ordnung unterschied somit zwischen einer zeitweiligen Einschränkung und der schuldhaften Missachtung dieser Einschränkung.
Das Friedensopfer verband dadurch zwei Anliegen, die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Einerseits eröffnete es Menschen die Möglichkeit, ihre Dankbarkeit und Verbundenheit mit Gott in einer gemeinschaftlichen Mahlzeit auszudrücken. Andererseits blieb diese Gemeinschaft an die Heiligkeit des Gottesdienstes gebunden. Die Freude über Gottes Güte bedeutete nicht, dass seine Anweisungen nebensächlich wurden. Ebenso wenig sollten die Reinheitsvorschriften die Menschen daran hindern, Gemeinschaft mit ihm zu suchen. Vielmehr zeigten sie innerhalb des damaligen Opferdienstes, unter welchen Bedingungen die Teilnahme möglich war.
Für das Verständnis der weiteren Bibel ist diese Unterscheidung bedeutsam. Paulus erinnert in 1. Korinther 10,18 daran, dass Menschen, die von Israels Opfern aßen, dadurch Gemeinschaft mit dem Altar hatten. Eine Opfermahlzeit war somit mehr als eine gewöhnliche gemeinsame Mahlzeit. Sie stand in einer Beziehung zum Gottesdienst und zu dem Gott, dem das Opfer galt. Paulus verwendet diesen Zusammenhang später, um die Bedeutung religiöser Gemeinschaft zu erklären. Daraus folgt allerdings nicht, dass sämtliche Reinheitsvorschriften aus 3. Mose 7 unverändert auf christliche Mahlzeiten übertragen werden müssen. Die spätere Anwendung muss im Zusammenhang des neuen Bundes gesondert betrachtet werden.
Die Verse 19–21 machen damit verständlich, weshalb Gott selbst für die gemeinsame Mahlzeit verbindliche Grenzen festlegte. Wer von einer heiligen Gabe empfing, sollte nicht nur auf das achten, was er aß, sondern auch darauf, ob er nach Gottes Vorschriften daran teilnehmen durfte. Diese Verantwortung betraf nicht allein die Priester, sondern jeden, der an dem Opfermahl teilnahm. Im folgenden Abschnitt wird der sorgfältige Umgang mit den Opfergaben durch weitere Bestimmungen ergänzt. Dort erklärt Gott, weshalb bestimmte Fettteile und das Blut der Tiere nicht zum gewöhnlichen Verzehr bestimmt waren.
3. Mose 7,22–27
Fett und Blut: Was Gott für sich beanspruchte und warum das Leben ihm gehört
Mit Vers 22 beginnt eine neue Anweisung, die Gott durch Mose an die Israeliten richtet. Nachdem zuvor der Umgang mit dem Fleisch der Friedensopfer geregelt worden war, geht es nun um zwei Bestandteile der Opfertiere, die nicht zum gewöhnlichen Verzehr bestimmt waren: bestimmte Fettteile und das Blut. Beide Verbote waren bereits in 3. Mose 3,16–17 angesprochen worden. Nun werden sie genauer erläutert. Dabei ist wichtig, dass Fett und Blut zwar gemeinsam genannt werden, ihre Bedeutung und der Umfang ihrer jeweiligen Vorschriften aber nicht vollständig übereinstimmen.
Vers 23 untersagt den Israeliten ausdrücklich, Fett von Rindern, Schafen und Ziegen zu essen. Gemeint sind dabei insbesondere jene Fettteile, die in den vorangegangenen Opfergesetzen für den Altar bestimmt worden waren. Dazu gehörten das Fett über den Eingeweiden, die Nieren mit dem daran befindlichen Fett und der vorgeschriebene Teil an der Leber. Bei Schafen wurde außerdem der Fettschwanz genannt (3. Mose 3,3–4.9–10). Diese Teile waren bei den entsprechenden Opfern dem Herrn vorbehalten. Deshalb durften die Israeliten sie nicht wie gewöhnliche Nahrung behandeln.
Die Vorschrift darf jedoch nicht so verstanden werden, als hätte Gott damit grundsätzlich jeden Verzehr von Fett verboten. Schon die ausdrückliche Beschränkung auf Rinder, Schafe und Ziegen zeigt, dass hier bestimmte Tierarten angesprochen werden. Vers 25 präzisiert den Zusammenhang zusätzlich, indem er von dem Fett jener Tiere spricht, von denen man dem Herrn Feueropfer darzubringen pflegte. Das Verbot steht damit in enger Verbindung zum Opferdienst. Es wäre deshalb nicht gerechtfertigt, aus diesen Versen ein allgemeines Verbot sämtlicher fetthaltiger Lebensmittel oder pflanzlicher Öle abzuleiten. Entscheidend ist zunächst die Unterscheidung zwischen den Gott vorbehaltenen Opferteilen und dem Fleisch, das unter den vorgeschriebenen Bedingungen gegessen werden durfte.
Eine bemerkenswerte Ergänzung findet sich in Vers 24. Selbst das Fett eines Tieres, das von selbst verendet oder durch ein anderes Tier gerissen worden war, durfte nicht gegessen werden. Gleichzeitig erlaubte Gott ausdrücklich, solches Fett für andere Zwecke zu verwenden. Damit wird zwischen der Nutzung eines tierischen Bestandteils und seinem Verzehr unterschieden. Das Fett musste also nicht grundsätzlich vernichtet werden, nur weil es nicht als Nahrung dienen durfte. Die Vorschrift beschränkte seine Verwendung auf bestimmte Bereiche und ließ andere ausdrücklich zu.
Gerade diese Unterscheidung hilft, den Sinn der Bestimmung genauer zu erfassen. Das Fett eines verendeten oder gerissenen Tieres konnte nicht mehr in der gewöhnlichen Weise als Bestandteil eines vorgeschriebenen Schlachtopfers dargebracht werden. Dennoch blieb das Verzehrverbot bestehen. Es hing somit nicht allein davon ab, ob das betreffende Tier tatsächlich zum Altar gebracht worden war. Die Regel bezog sich auf das dafür bezeichnete Fett der genannten Tierarten. Zugleich zeigt die erlaubte anderweitige Nutzung, dass der Text dem Fett keine geheimnisvolle oder grundsätzlich schädliche Eigenschaft zuschreibt. Es ging um seinen festgelegten Gebrauch innerhalb der göttlichen Ordnung.
Vers 25 unterstreicht die Ernsthaftigkeit dieser Vorschrift. Wer das bezeichnete Fett von einem Tier aß, das zu den für Feueropfer vorgesehenen Tierarten gehörte, sollte aus seinem Volk ausgerottet werden. Wie bereits bei den Reinheitsbestimmungen bezeichnet diese Formulierung eine schwerwiegende Strafe innerhalb des Bundesverhältnisses zwischen Gott und Israel. Die genaue Art ihrer Vollstreckung wird hier nicht beschrieben. Deshalb sollte man weder einen bloß bedeutungslosen Ausschluss noch eine in jedem Fall unmittelbar durch Menschen vollzogene Hinrichtung behaupten. Sicher ist jedoch, dass Gott die eigenmächtige Aneignung dessen, was er für sich bestimmt hatte, nicht als geringfügige Angelegenheit behandelte.
Ab Vers 26 richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Blut. Hier fällt auf, dass die Vorschrift anders formuliert ist als das Fettverbot. Während zuvor ausdrücklich Rinder, Schafe und Ziegen genannt wurden, untersagt Gott nun den Verzehr von Blut sowohl bei Vögeln als auch bei Vieh. Außerdem sollte dieses Gebot überall dort gelten, wo die Israeliten wohnten. Es war also nicht auf die unmittelbare Umgebung der Stiftshütte oder auf die Teilnahme an einer Opfermahlzeit beschränkt. Auch außerhalb des Heiligtums mussten die Israeliten beachten, dass Blut nicht als gewöhnliche Nahrung verwendet werden durfte.
Der tiefere Grund dafür wird an anderen Stellen der Bibel erklärt. Bereits nach der Sintflut hatte Gott Noah und seinen Nachkommen erlaubt, Tiere zur Nahrung zu verwenden, zugleich aber den Verzehr ihres Blutes untersagt (1. Mose 9,3–4). Diese Anweisung liegt innerhalb der biblischen Erzählung lange vor der Gesetzgebung am Sinai. Später erklärt Gott in 3. Mose 17,11, dass das Leben des Fleisches im Blut ist und dass er das Blut zur Sühnung auf dem Altar bestimmt hat. Blut hatte deshalb eine besondere Bedeutung: Es stand für das Leben eines Geschöpfes, über das letztlich Gott verfügt.
Damit unterscheidet sich das Blutverbot in seiner biblischen Begründung vom Verbot bestimmter Fettteile. Beim Fett steht besonders die Frage im Vordergrund, welche Teile des Opfertieres Gott für den Altar beanspruchte. Beim Blut kommt die grundlegende Verbindung zwischen Blut und Leben hinzu. Deshalb wird sein Verzehr auch in 5. Mose 12,23–25 erneut untersagt. Dort wird ausdrücklich erklärt, dass das Blut nicht mit dem Fleisch gegessen werden darf, weil es mit dem Leben verbunden ist. Die Israeliten sollten das Blut auf die Erde ausgießen, anstatt es als Nahrung zu sich zu nehmen.
Diese Vorschriften zeigen zugleich, weshalb das Blut bei den Opferhandlungen eine so wichtige Rolle spielte. Wenn der Priester Blut an den Altar sprengte oder es nach besonderen Vorschriften innerhalb des Heiligtums verwendete, handelte es sich nicht um eine beliebige religiöse Geste. Das Blut war von Gott für eine bestimmte Aufgabe im Zusammenhang mit der Sühnung vorgesehen. Der Mensch konnte nicht frei darüber verfügen, als wäre es ein gewöhnlicher Bestandteil des Opfertieres. Doch auch hier ist eine Grenze wichtig: Das Blut besaß nach der biblischen Darstellung keine von Gott unabhängige Macht. Seine Bedeutung innerhalb des Opferdienstes beruhte darauf, dass Gott selbst ihm diese Aufgabe zugewiesen hatte.
Vers 27 wiederholt schließlich die ernste Strafandrohung für jeden Menschen, der Blut verzehrte. Damit steht das Blutverbot am Ende dieses Abschnitts noch einmal mit besonderem Nachdruck vor den Israeliten. Es betraf nicht nur die Priester oder Menschen, die gerade ein Opfer darbrachten, sondern das Volk in seinen alltäglichen Lebensverhältnissen. Gottes Anspruch auf das Leben sollte nicht nur im Heiligtum anerkannt werden, sondern auch im Umgang mit den Tieren, die den Menschen zur Nahrung dienten.
Die spätere Bibel greift diesen Gedanken in einem neuen geschichtlichen Zusammenhang erneut auf. Als die Apostel darüber berieten, welche Anforderungen den gläubig gewordenen Menschen aus den anderen Völkern auferlegt werden sollten, nannten sie ausdrücklich die Enthaltung von Blut und von Ersticktem (Apostelgeschichte 15,19–29). Das besondere Fettverbot aus 3. Mose 7 wird dort dagegen nicht erwähnt. Dieser Unterschied sollte beachtet werden. Er bedeutet weder, dass die Apostel ausdrücklich sämtliche früheren Fettvorschriften bestätigt hätten, noch beweist ihr Schweigen allein eine ausdrückliche Aufhebung. Ebenso wird unterschiedlich beurteilt, ob die apostolische Blutvorschrift als dauerhaftes Gebot oder besonders im Zusammenhang der damaligen jüdischen und nichtjüdischen Glaubensgemeinschaft zu verstehen ist. Eine abschließende Antwort erfordert die Betrachtung der betreffenden neutestamentlichen Texte in ihrem eigenen Zusammenhang.
Für das Verständnis von 3. Mose 7 bleibt zunächst die ursprüngliche Aussage entscheidend. Israel sollte lernen, dass der Mensch nicht uneingeschränkt über alles verfügen durfte, was ihm durch die Tierwelt zur Verfügung stand. Bestimmte Fettteile waren Gott im Opferdienst vorbehalten, und das Blut erinnerte an die besondere Stellung des Lebens vor seinem Schöpfer. Die Vorschriften verbanden deshalb den Gottesdienst mit dem alltäglichen Umgang mit Nahrung. Was auf dem Altar geschah, sollte nicht losgelöst davon bleiben, wie die Israeliten außerhalb des Heiligtums lebten. In den folgenden Versen wird dieser Zusammenhang noch einmal aufgegriffen, wenn Gott genauer bestimmt, wie die Gaben der Friedensopfer zwischen dem Altar und den Priestern aufzuteilen waren.
3. Mose 7,28–34
Webopfer, Hebopfer und die von Gott festgelegte Verteilung
Nachdem die Vorschriften über den Verzehr der Opfergaben erklärt worden sind, richtet sich der Blick erneut auf die Menschen, die ein Friedensopfer darbrachten. In Vers 28 beginnt eine weitere Anweisung Gottes an Mose, die ausdrücklich an die Kinder Israels weitergegeben werden sollte. Damit wird deutlich, dass die Verantwortung für den Opferdienst nicht allein bei den Priestern lag. Auch derjenige, der mit seiner Gabe zum Heiligtum kam, musste wissen, welchen Anteil er selbst beizutragen hatte und was anschließend damit geschehen sollte.
Vers 29 bestimmt, dass der Opfernde aus seinem Friedensopfer eine besondere Gabe für den Herrn mitbringen musste. Obwohl ein Teil des Opferfleisches später für die gemeinsame Mahlzeit zur Verfügung stand, durfte der Darbringende nicht frei über das gesamte Tier verfügen. Bestimmte Teile waren bereits für den Altar und die Priester vorgesehen. Die Opfergabe gehörte damit zu einer Ordnung, in der das persönliche Anliegen des Menschen und die von Gott bestimmten Aufgaben des Heiligtums miteinander verbunden waren.
Besonders bemerkenswert ist die Anweisung in Vers 30. Der Opfernde sollte die dafür vorgesehenen Teile eigenhändig herbeibringen. Das Fett und die Brust des Opfertieres wurden nicht einfach unabhängig von ihm durch die Priester entgegengenommen. Seine persönliche Beteiligung gehörte ausdrücklich zum Ablauf. Zwar waren die Priester für die vorgeschriebenen Handlungen am Altar verantwortlich, doch der Mensch, der das Opfer darbrachte, blieb daran beteiligt. Der Gottesdienst bestand somit nicht darin, eine Gabe abzugeben und anschließend jede weitere Verantwortung den Priestern zu überlassen.
Mit der Brust des Opfertieres sollte ein sogenanntes Webopfer vor dem Herrn dargebracht werden. Die Schlachter 1951 verwendet dafür auch die Bezeichnung „Webebrust“. Das zugrunde liegende hebräische Wort tenufah steht mit einer Bewegung in Verbindung, durch die eine Gabe vor Gott dargebracht wurde. Traditionell wird darunter ein Hin- und Herbewegen oder Schwingen verstanden. Wie die Bewegung in jedem Einzelnen ausgeführt wurde und welche Handgriffe Opfernder und Priester dabei jeweils übernahmen, lässt sich aus diesem Vers allein jedoch nicht vollständig rekonstruieren. Entscheidend ist, dass die Brust in einer besonderen Handlung vor den Herrn gebracht wurde, bevor sie ihren vorgesehenen Empfängern zufiel.
An dieser Stelle zeigt sich ein wichtiger Unterschied zwischen der Widmung einer Gabe und ihrem anschließenden Gebrauch. Etwas konnte Gott ausdrücklich dargebracht werden, ohne deshalb vollständig auf dem Altar verbrannt werden zu müssen. Die Brust wurde vor den Herrn gebracht und danach den Priestern zugewiesen. Die Opferhandlung machte sie nicht zu gewöhnlichem, frei verfügbarem Fleisch, sondern bestimmte ihre Verwendung innerhalb des heiligen Dienstes. Schon bei den begleitenden Broten des Dankopfers war in Vers 14 ein entsprechender Grundsatz sichtbar geworden: Eine Gabe wurde für den Herrn ausgesondert und anschließend dem zuständigen Priester überlassen.
Vers 31 erklärt, wie mit den gemeinsam herbeigebrachten Teilen weiter verfahren werden sollte. Das Fett musste der Priester auf dem Altar verbrennen, während die Brust Aaron und seinen Söhnen zufiel. Die beiden Bestandteile hatten somit unterschiedliche Bestimmungen. Das Fett gehörte zu den Teilen, die durch das Feueropfer dargebracht wurden. Die Brust dagegen war für die Versorgung der Priester vorgesehen. Diese Verteilung entsprach der bereits in 3. Mose 3 beschriebenen Opferordnung und ergänzte sie um die ausdrückliche Zuweisung des priesterlichen Anteils.
Neben der Brust wird in Vers 32 ein weiterer Teil des Opfertieres genannt: die rechte Keule. Sie sollte dem Priester als sogenannte Hebe gegeben werden. Der hebräische Begriff terumah bezeichnet eine Gabe, die aus einem größeren Ganzen herausgenommen und für einen besonderen Zweck ausgesondert wurde. Der deutsche Ausdruck „Hebe“ kann an eine körperliche Aufwärtsbewegung denken lassen, doch eine solche Bewegung wird hier nicht genauer beschrieben. Im Mittelpunkt steht die Abgabe eines bestimmten Anteils. Die rechte Keule wurde aus dem Friedensopfer herausgenommen und nach Gottes Anweisung dem Priester zugewiesen.
Warum gerade die rechte Keule bestimmt wurde, erläutert der Text nicht. Es wäre deshalb unsicher, ihr eine feste verborgene Bedeutung zuzuschreiben, etwa dass sie grundsätzlich die Kraft des Menschen symbolisieren müsse. Ebenso wenig erklärt der Abschnitt die Brust zu einem vorgeschriebenen Symbol für das Herz oder die Liebe. Solche Gedanken mögen als spätere bildhafte Betrachtungen entstehen, gehören aber nicht zur ausdrücklichen Aussage dieser Verse. Hier geht es zunächst um tatsächliche Teile eines Opfertieres und um die verbindliche Ordnung ihrer Darbringung und Verteilung.
Vers 33 bestimmt anschließend genauer, welcher Priester die rechte Keule erhalten sollte. Sie stand demjenigen unter den Söhnen Aarons zu, der das Blut und das Fett des betreffenden Friedensopfers darbrachte. Damit unterschied sich dieser Anteil von der Brust, die Aaron und seinen Söhnen gemeinsam zugewiesen wurde. Die Vorschrift knüpfte die besondere Gabe an den tatsächlich ausgeübten Opferdienst. Der zuständige Priester erhielt den ihm bestimmten Anteil also nicht aufgrund einer freien Entscheidung des Opfernden, sondern aufgrund einer bereits bestehenden göttlichen Regelung.
Diese genaue Verteilung war auch für das Verhältnis zwischen den Priestern von Bedeutung. Wo mehrere Menschen gemeinsam einen heiligen Dienst ausübten, konnte die Frage nach ihren jeweiligen Anteilen leicht zu Spannungen führen. Der Text berichtet hier zwar nicht von einem solchen Streit, doch die Vorschriften schufen klare Zuständigkeiten. Sie bestimmten, was der Priesterschaft gemeinsam zustand und welcher Anteil an die Ausführung einer bestimmten Opferhandlung gebunden war. Dadurch blieb die Versorgung der Priester mit ihrer Aufgabe am Heiligtum verbunden, statt ausschließlich von persönlichen Absprachen oder der Großzügigkeit einzelner Opfernder abzuhängen.
Den abschließenden Grund für diese Regelung nennt Gott selbst in Vers 34. Er erklärt, dass er die Webebrust und die Hebekeule aus den Friedensopfern der Israeliten genommen und Aaron und seinen Söhnen gegeben habe. Diese Formulierung ist bedeutsam. Nicht die Priester hatten sich die betreffenden Teile eigenmächtig angeeignet. Gott hatte sie ausdrücklich für sie bestimmt. Ebenso wenig konnte der Opfernde allein entscheiden, ob er diese Teile abgeben wollte. Sobald er ein Friedensopfer darbrachte, gehörte ihre festgelegte Verwendung zur vorgeschriebenen Opferhandlung.
Gott bezeichnet diese Zuweisung außerdem als ein bleibendes Anrecht der Priester innerhalb Israels. Es sollte nicht nur für eine einzelne Opferhandlung gelten, sondern für die nachfolgenden Generationen der aaronitischen Priesterschaft bestehen. Eine ähnliche Ordnung begegnet später in 4. Mose 18,8–19, wo Gott die heiligen Gaben als einen wichtigen Bestandteil der priesterlichen Versorgung bestätigt. Da die Priester ihren besonderen Dienst am Heiligtum verrichteten, hatte Gott ihnen bestimmte Anteile an den Opfergaben zugesprochen. Das Wort vom bleibenden Anrecht beschreibt hier die Verbindlichkeit dieser Ordnung für Israels Priesterdienst. Ob und wie priesterliche Aufgaben nach dem Opfer Christi fortbestehen, behandelt das Neue Testament in einem anderen Zusammenhang, besonders im Hebräerbrief. Deshalb dürfen die damaligen Fleischanteile nicht ohne weitere Begründung als unveränderte Vorschrift für christliche Gemeinden verstanden werden.
Die Bestimmungen über Brust und Keule lassen schließlich erkennen, wie eng der Opferdienst mit der Verantwortung der ganzen Gemeinschaft verbunden war. Der Israelit brachte seine Gabe eigenhändig zum Heiligtum, der Priester führte die ihm übertragenen Handlungen aus, und die von Gott bestimmten Anteile dienten der Versorgung der Priesterschaft. Jede dieser Aufgaben hatte ihren eigenen Platz. Kein Beteiligter durfte den gesamten Opferdienst nach persönlichen Vorstellungen gestalten.
Damit wird auch verständlich, weshalb Gott die Verteilung so ausführlich regelte. Die Versorgung seiner Diener sollte weder dem Zufall überlassen bleiben noch zu einem Vorwand für eigenmächtige Bereicherung werden. Gott selbst bestimmte, was auf dem Altar verbrannt und was den Priestern überlassen werden sollte. Im abschließenden Abschnitt des Kapitels wird diese Ordnung noch einmal mit der Einsetzung Aarons und seiner Söhne verbunden. Zugleich führt der Text die verschiedenen Opfergesetze zusammen und bereitet so den Übergang zur tatsächlichen Einsetzung der Priester vor.
3. Mose 7,35–38
Die Einsetzung der Priester und der Abschluss der Opfergesetze
Mit den letzten vier Versen führt Mose die ausführlichen Anweisungen über den Opferdienst zu einem Abschluss. Zunächst wird noch einmal die besondere Stellung Aarons und seiner Söhne hervorgehoben. Danach fasst der Text die verschiedenen Opferarten zusammen und erinnert daran, von wem diese Vorschriften stammen. So endet die Unterweisung nicht mit einer weiteren Einzelbestimmung, sondern mit einem Blick auf die göttliche Grundlage der gesamten Opferordnung.
Vers 35 bezeichnet die den Priestern zugewiesenen Opferanteile als „Salbungsgeschenk“. Dieser Ausdruck steht in enger Verbindung mit der Einsetzung Aarons und seiner Söhne in den Priesterdienst. Bei ihrer Einsetzung wurden sie mit heiligem Öl gesalbt und dadurch für ihre besondere Aufgabe ausgesondert (2. Mose 28,41; 29,7). Die Salbung war ein sichtbares Zeichen ihrer Berufung und Beauftragung. Das hier erwähnte Geschenk bezeichnet jedoch keine zusätzliche Opferart, die erst bei der Einsetzung dargebracht werden musste. Gemeint sind die Anteile an den Opfergaben, die Aaron und seinen Nachkommen aufgrund ihres priesterlichen Dienstes zustanden.
Die Formulierung macht deutlich, dass die Versorgung der Priester von Anfang an mit ihrer Berufung verbunden war. Gott hatte sie nicht lediglich für eine religiöse Aufgabe ausgewählt und anschließend ihrem eigenen Schicksal überlassen. Er hatte zugleich bestimmt, wie sie durch den Opferdienst versorgt werden sollten. Ihre Stellung brachte deshalb sowohl Verantwortung als auch bestimmte Rechte mit sich. Diese Rechte bestanden jedoch nicht unabhängig von ihrem Auftrag. Sie waren an den Dienst gebunden, für den Gott die Priester eingesetzt hatte.
Vers 36 erklärt, dass Gott diese Anteile am Tag ihrer Salbung als bleibendes Recht festlegte. Die Israeliten sollten sie Aaron und seinen Nachkommen über ihre Generationen hinweg geben. Die Versorgung der Priesterschaft beruhte somit nicht auf einer freiwilligen Entscheidung, die das Volk jederzeit widerrufen konnte. Sie gehörte zur verbindlichen Ordnung des Heiligtums. Gleichzeitig bedeutete das zugesprochene Recht nicht, dass die Priester sämtliche Opfergaben nach Belieben verwenden durften. Auch ihre eigenen Ansprüche unterstanden den Vorschriften Gottes.
Die Bezeichnung als ewiges Recht muss innerhalb dieses Zusammenhangs verstanden werden. Sie betont die dauerhafte Geltung der Bestimmung für die aufeinanderfolgenden Generationen der israelitischen Priesterschaft. Daraus folgt nicht ohne Weiteres, dass dieselbe Opferordnung unabhängig von ihrer Erfüllung in Christus für alle Zeiten unverändert fortbestehen müsste. Der Hebräerbrief erklärt später, dass mit dem Priestertum Jesu Christi auch eine grundlegende Veränderung des priesterlichen Dienstes verbunden ist (Hebräer 7,11–12). Für die ursprünglichen Empfänger bedeutete die Vorschrift jedoch, dass Gottes Anordnung nicht nur für die erste Generation der Priester bestimmt war.
In Vers 37 folgt eine Zusammenfassung der Opferarten, die in den vorausgehenden Kapiteln behandelt worden sind. Genannt werden das Brandopfer, das Speisopfer, das Sündopfer, das Schuldopfer, das Einweihungsopfer und das Dankopfer. Die Aufzählung führt die unterschiedlichen Bestimmungen noch einmal unter einer gemeinsamen göttlichen Ordnung zusammen. Dabei hatte jede Opferart ihre eigenen Vorschriften und ihren besonderen Anlass. Das Brandopfer wurde grundsätzlich vollständig auf dem Altar verbrannt, während beim Speisopfer Getreidegaben dargebracht wurden. Sünd- und Schuldopfer standen mit der Behandlung menschlicher Schuld in Verbindung. Das Friedens- oder Dankopfer konnte dagegen auch Ausdruck von Dankbarkeit, eines Gelübdes oder einer freiwilligen Hingabe sein. Diese Unterschiede waren für das Verständnis und die richtige Durchführung des Gottesdienstes wesentlich.
Besonders bemerkenswert ist, dass in dieser abschließenden Aufzählung auch das Einweihungsopfer erscheint. Seine Einzelheiten waren in den bisherigen Kapiteln noch nicht in derselben Ausführlichkeit behandelt worden wie die anderen Opferarten. Die grundlegenden Anweisungen hatte Gott jedoch bereits in 2. Mose 29 gegeben. Dort wird beschrieben, wie Aaron und seine Söhne für ihren priesterlichen Dienst eingesetzt werden sollten. Zu dieser Einsetzung gehörten besondere Opferhandlungen, durch die ihre Beauftragung sichtbar vollzogen wurde. In 3. Mose 8 wird Mose diese Anweisungen tatsächlich ausführen lassen. Die Erwähnung des Einweihungsopfers bereitet somit auf die Ereignisse des folgenden Kapitels vor.
Die Aufzählung in Vers 37 macht außerdem deutlich, dass die verschiedenen Opfer nicht gegeneinander ausgetauscht werden konnten. Ein Dankopfer erfüllte nicht einfach dieselbe Aufgabe wie ein Schuldopfer, und das Einweihungsopfer hatte einen anderen Anlass als ein gewöhnliches Brandopfer. Die Unterschiede gehörten zur Ordnung, die Gott selbst festgelegt hatte. Wer die Opfergesetze verstehen wollte, musste deshalb sowohl ihre Gemeinsamkeiten als auch ihre besonderen Bestimmungen beachten. Sie bildeten einen zusammenhängenden Gottesdienst, ohne dadurch zu einer einzigen undifferenzierten Opferhandlung zu werden.
Vers 38 führt schließlich zum Ursprung dieser Anweisungen zurück. Gott hatte sie Mose am Sinai gegeben, als er den Israeliten gebot, ihm ihre Opfer darzubringen. Damit wird die gesamte Opferordnung ausdrücklich mit der Offenbarung Gottes verbunden. Der Sinai war bereits der Ort gewesen, an dem Israel nach dem Auszug aus Ägypten den Bund mit Gott geschlossen und seine Gebote empfangen hatte (2. Mose 19–20). Nun wird deutlich, dass auch die Vorschriften für den Opferdienst zu der göttlichen Unterweisung gehörten, die Israel in dieser Zeit erhielt.
Dabei ist eine sprachliche Besonderheit zu beachten. Während Vers 38 den Berg Sinai nennt, berichtet 3. Mose 1,1 ausdrücklich, dass Gott Mose aus der Stiftshütte anredete. Diese Aussagen müssen nicht bedeuten, dass sämtliche Opfergesetze auf dem Gipfel des Berges übermittelt wurden. Vielmehr verweisen sie auf den gemeinsamen geschichtlichen Zusammenhang der Offenbarung am Sinai und in der dort errichteten Stiftshütte. Das Volk befand sich weiterhin in der Wüste Sinai, wo es Gottes Weisungen empfing. Der Schlussvers betont somit vor allem, dass die Opfergesetze nicht auf menschliche Überlegungen zurückgingen, sondern Mose als göttliche Anweisungen gegeben wurden.
Damit ist die Grundlage für den weiteren Verlauf des dritten Buches Mose gelegt. Die ersten sieben Kapitel haben erklärt, welche Opfer Israel darbringen sollte, wie die Priester damit umgehen mussten und welche Unterschiede zwischen den einzelnen Opferarten bestanden. Doch bisher wurden die Priester noch nicht im erzählten Geschehensablauf in ihr Amt eingesetzt. Genau daran schließt 3. Mose 8 an. Mose versammelt Aaron, seine Söhne und die Gemeinde, um die bereits gegebenen Anweisungen auszuführen.
Der Übergang ist bedeutsam: Auf Gottes Unterweisung folgt ihre praktische Umsetzung. Was zunächst als verbindliches Gebot ausgesprochen wurde, soll nun im Leben Israels Wirklichkeit werden. Die Einsetzung der Priester macht sichtbar, dass der Dienst am Heiligtum nicht aus menschlicher Eigeninitiative entstand. Gott bestimmte nicht nur, wie man ihm Opfer darbringen sollte, sondern auch, wer die priesterlichen Aufgaben ausführen durfte und unter welchen Bedingungen dies geschehen musste.
Geistliche Kernbotschaft
Gott möchte seinem Volk nahe sein, doch diese Nähe ist nicht von seiner Heiligkeit zu trennen. Die Opfergesetze zeigen, dass der Mensch die Gemeinschaft mit Gott nicht nach eigenen Vorstellungen gestalten konnte. Gott selbst bestimmte, wie Schuld behandelt, Dankbarkeit ausgedrückt und der Dienst am Heiligtum ausgeführt werden sollte. Darin liegt eine grundlegende Botschaft: Der Zugang zu Gott beruht nicht auf menschlicher Selbstbestimmung, sondern auf dem Weg, den Gott eröffnet.
Besonders wichtig ist dabei die Verbindung zwischen Vergebung und Verantwortung. Das Schuldopfer erinnerte daran, dass menschliches Unrecht nicht bedeutungslos wird, sobald jemand eine religiöse Handlung vollzieht. Wo Wiedergutmachung möglich und vorgeschrieben war, musste der Schuldige sich mit den Folgen seines Handelns auseinandersetzen. Zugleich war die Opfergabe keine Bezahlung, durch die sich Gottes Vergebung erkaufen ließ. Die Möglichkeit der Sühnung beruhte auf Gottes eigener Anordnung. So begegnen sich bereits in der alttestamentlichen Opferordnung zwei Wahrheiten: Gott eröffnet dem schuldigen Menschen einen Weg zu sich, und dieser Weg nimmt das begangene Unrecht ernst.
Daneben erhält die Dankbarkeit einen eigenständigen Platz. Nicht jeder Mensch kam zum Heiligtum, weil er eine bestimmte Verfehlung begangen hatte. Manche brachten ihre Opfer, weil sie Gottes Hilfe erfahren hatten, ein Versprechen erfüllen wollten oder ihm freiwillig etwas darbringen möchten. Dadurch wird sichtbar, dass die Beziehung zu Gott mehr umfasst als das Bedürfnis nach Vergebung. Sie schließt auch Freude über seine Güte, die Anerkennung seiner Treue und die Bereitschaft ein, ihm etwas von dem zurückzugeben, was man selbst empfangen hat.
Eine weitere geistliche Bedeutung liegt in der gemeinschaftlichen Seite des Opferdienstes. Das Friedensopfer eröffnete die Möglichkeit, eine heilige Mahlzeit miteinander zu teilen. Gleichzeitig wurde diese Gemeinschaft durch Gottes Gebote geschützt. Die Teilnahme an einer heiligen Handlung war nicht von der Verantwortung des Einzelnen zu trennen. Damit wird eine Spannung sichtbar, die auch für das spätere biblische Verständnis der Gemeinschaft mit Gott bedeutsam bleibt: Gottes Nähe ist ein Geschenk, aber sie darf nicht mit Gleichgültigkeit gegenüber seinem Willen verwechselt werden.
Auch die Stellung der Priester gehört zu diesem Gesamtbild. Sie hatten einen besonderen Dienst übernommen, dessen Aufgaben und Grenzen nicht von ihnen selbst festgelegt wurden. Gott sorgte für ihre Versorgung, gab ihnen jedoch keine uneingeschränkte Verfügungsmacht über die Opfergaben. Geistliche Verantwortung bedeutete deshalb nicht persönliche Herrschaft über das Heilige, sondern einen Dienst unter Gottes Anweisungen. Die dem Priester gewährten Rechte und die ihm gesetzten Grenzen gehörten untrennbar zusammen.
Im Licht des Neuen Testaments erhält die Opferordnung schließlich eine weiterführende Bedeutung. Die wiederholten Tieropfer konnten die endgültige Befreiung von Sünde nicht selbst herbeiführen. Der Hebräerbrief erklärt, dass Jesus Christus durch die Hingabe seines eigenen Lebens das vollbracht hat, worauf die Opfer des alten Bundes vorauswiesen (Hebräer 10,1–14). Damit wird die Heiligkeit Gottes nicht abgeschwächt und die menschliche Schuld nicht verharmlost. Vielmehr zeigt sich, wie weit Gottes Gnade reicht: Er eröffnet dem Menschen durch Christus den Zugang zu sich, den dieser aus eigener Kraft nicht schaffen könnte.
Die geistliche Mitte des Kapitels liegt deshalb in der Verbindung von Gottes Heiligkeit, seiner Gnade und der angemessenen Antwort des Menschen. Gottes Anweisungen sollten Israel nicht nur zu äußeren Handlungen führen, sondern zu einem verantwortlichen Umgang mit allem, was ihm geweiht war. Vergebung, Dankbarkeit, Gemeinschaft und treuer Dienst gehörten zu einem Leben, das Gottes Gegenwart ernst nahm.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
Hebräer 9,11–14 und 10,1–14 – Die Opferordnung und das vollkommene Opfer Jesu
Der Hebräerbrief stellt die Opfer des alten Bundes dem Opfer Jesu Christi gegenüber. Während die Priester immer wieder Opfer darbringen mussten, hat Christus sich selbst ein für alle Mal hingegeben. Besonders Hebräer 9,11–14 erklärt, dass sein eigenes Blut eine tiefere Reinigung bewirkt als die alttestamentlichen Opferhandlungen. Hebräer 10,1–4 zeigt zudem, dass die wiederholten Tieropfer die Sünde nicht endgültig beseitigen konnten.
Diese Verbindung hilft, die Opfergesetze von 3. Mose 7 innerhalb der gesamten Heilsgeschichte einzuordnen. Die sorgfältige Unterscheidung der Opferarten war für den damaligen Gottesdienst verbindlich, doch ihre Bedeutung erschöpft sich nicht in der äußeren Durchführung. Der Hebräerbrief erklärt, weshalb Christen ihre Vergebung nicht mehr durch die Wiederholung dieser Tieropfer suchen. Entscheidend ist das vollbrachte Opfer Christi. Dabei sollte allerdings nicht jedes einzelne Fettstück, jede Brotsorte oder jede vorgeschriebene Handbewegung zu einem besonderen Symbol für ein Ereignis im Leben Jesu erklärt werden. Der neutestamentliche Zusammenhang trägt die große Verbindung zwischen Opferdienst, Priestertum und Erlösung, ohne alle Einzelheiten entsprechend auszulegen.
1. Korinther 10,16–21 – Gemeinschaft mit dem Altar und Gemeinschaft mit Christus
Paulus greift einen Gedanken auf, der für das Verständnis des Friedensopfers besonders aufschlussreich ist. Er erinnert daran, dass die Israeliten, die von den Opfern aßen, dadurch Gemeinschaft mit dem Altar hatten (1. Korinther 10,18). Die heilige Mahlzeit war demnach nicht bloß ein gemeinsames Essen. Sie brachte eine tatsächliche religiöse Zugehörigkeit zum Ausdruck.
Von diesem Zusammenhang aus erklärt Paulus, weshalb die Gemeinschaft am Tisch des Herrn nicht mit einer bewussten Teilnahme am Götzenkult vereinbar ist. Wer am Brot und Kelch des Herrn teilhat, bekennt damit seine Gemeinschaft mit Christus. Die Verbindung zu 3. Mose 7 besteht somit in der Bedeutung einer religiösen Mahlzeit als Ausdruck von Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Paulus übernimmt jedoch nicht sämtliche Verzehrsfristen und Reinheitsvorschriften des Friedensopfers für das christliche Abendmahl. Er verwendet vielmehr den zugrunde liegenden Gedanken, dass die Teilnahme an einer heiligen Mahlzeit eine geistliche Bedeutung besitzt.
Psalm 50,14–15.23 – Dankbarkeit als Antwort auf Gottes Hilfe
Psalm 50 eröffnet einen weiteren Zugang zur Bedeutung der Dankopfer. Gott fordert sein Volk auf, ihm Dank darzubringen, seine Gelübde zu erfüllen und ihn in Zeiten der Not anzurufen. Gleichzeitig wendet sich der Psalm gegen die Vorstellung, Gott sei auf die Tiere angewiesen, die Menschen ihm opfern.
Damit wird der innere Sinn der Dankdarbringung verständlicher. Das Opfer sollte nicht Gottes Bedürfnisse befriedigen, sondern Ausdruck einer Beziehung sein, in der der Mensch Gottes Hilfe erkennt und darauf antwortet. Die Gabe erhielt ihre Bedeutung nicht allein durch ihren materiellen Wert. Sie stand in Verbindung mit Vertrauen, Dankbarkeit und einem Leben, das Gott die Ehre gibt. Diese Aussagen ergänzen 3. Mose 7, ohne die dort vorgeschriebenen Opferhandlungen für Israel bedeutungslos zu machen.
1. Petrus 2,4–5 und Römer 12,1 – Ein Gottesdienst, der das ganze Leben umfasst
Petrus bezeichnet die Gläubigen als eine heilige Priesterschaft, die durch Jesus Christus geistliche Opfer darbringt, die Gott angenehm sind. Paulus fordert die Christen in Römer 12,1 auf, ihr Leben Gott zur Verfügung zu stellen, und beschreibt dies mit der Sprache des Opfers.
Beide Stellen greifen Gedanken aus der alttestamentlichen Gottesdienstordnung auf, wenden sie aber auf das Leben der Gläubigen unter dem neuen Bund an. Es geht nicht darum, dass Christen dieselben Tieropfer nun in anderer Form wiederholen müssten. Vielmehr wird die Sprache des Opferdienstes verwendet, um Hingabe und ein Leben im Dienst Gottes zu beschreiben. Wie die Opfergabe im alten Bund Gott gewidmet war, so soll nun das Leben des Glaubenden von der Zugehörigkeit zu Christus geprägt sein. Die Annahme dieser geistlichen Opfer geschieht nach 1. Petrus 2,5 ausdrücklich durch Jesus Christus.
Wichtige Lektionen
Wer sich Gott nähert, braucht mehr als eine äußerlich richtige religiöse Handlung. Schon die alttestamentlichen Opfergesetze zeigen, wie ernst Gott den Umgang mit dem nimmt, was ihm gewidmet ist. Für Christen bedeutet das nicht, die früheren Opferzeremonien wieder einzuführen. Es bedeutet vielmehr, den eigenen Glauben nicht auf sichtbare Gewohnheiten zu reduzieren. Gottesdienst, Gebet und andere Ausdrucksformen des Glaubens sollen mit einer Haltung verbunden sein, die Gottes Willen ernst nimmt. Jesus erinnert daran, dass es nicht genügt, ihn mit den Lippen zu ehren, während das Herz fern von ihm bleibt (Markus 7,6–8).
Eine besonders konkrete Lektion betrifft den Umgang mit begangenem Unrecht. Wer einen anderen Menschen geschädigt hat, sollte sich nicht damit zufriedengeben, die Angelegenheit ausschließlich im Gebet vor Gott zu bringen. Wo es möglich ist, gehört auch die Bereitschaft dazu, Verantwortung zu übernehmen, einen Schaden zu ersetzen oder um Vergebung zu bitten. Jesus verbindet diesen Gedanken mit der Aufforderung, sich mit einem Bruder zu versöhnen, bevor man seine Gabe darbringt (Matthäus 5,23–24). Wiedergutmachung verdient Gottes Vergebung nicht. Sie kann jedoch ein wichtiger Ausdruck aufrichtiger Umkehr sein. Wo ein Schaden nicht mehr behoben werden kann, bleibt die Aufgabe, ehrlich mit der eigenen Schuld umzugehen und sich um das zu bemühen, was noch möglich ist.
Ebenso wichtig ist eine Dankbarkeit, die nicht nur von den eigenen Bedürfnissen bestimmt wird. Menschen wenden sich häufig besonders dann an Gott, wenn sie Hilfe benötigen oder einen Ausweg suchen. Die Dankopfer erinnern daran, dass auch empfangene Hilfe, erfahrene Bewahrung und alltägliche Versorgung Anlass sein können, Gott bewusst zu danken. Diese Dankbarkeit muss heute nicht durch ein Tieropfer ausgedrückt werden. Sie kann sich im Gebet, in tätiger Liebe, in Großzügigkeit und in einem verantwortlichen Umgang mit dem Empfangenen zeigen. Hebräer 13,15–16 verbindet das Lob Gottes ausdrücklich mit dem Wohltun und Teilen.
Für Menschen, denen geistliche Verantwortung übertragen wurde, enthält das Kapitel außerdem eine ernste Mahnung. Ein Dienst für Gott darf nicht zu einem Mittel persönlicher Bereicherung oder zur Ausübung willkürlicher Macht werden. Die Priester Israels hatten bestimmte Rechte, doch diese waren durch Gottes Anweisungen begrenzt. Auch im Neuen Testament werden die Verantwortlichen in den Gemeinden aufgefordert, ihre Aufgaben freiwillig, gewissenhaft und ohne Gewinnsucht auszuüben (1. Petrus 5,2–3). Geistliche Autorität rechtfertigt keinen Missbrauch des Vertrauens anderer Menschen.
Schließlich fordert das Kapitel dazu heraus, Dankbarkeit, Ehrfurcht und Gemeinschaft nicht voneinander zu trennen. Ein Mensch kann sich über Gottes Güte freuen und zugleich seine Gebote ernst nehmen. Er kann die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen suchen, ohne dabei die persönliche Verantwortung für sein Handeln aus dem Blick zu verlieren. Und er darf sich auf die Gnade Gottes verlassen, ohne daraus Gleichgültigkeit gegenüber der Sünde abzuleiten.
Für Christen findet diese Haltung ihre tiefste Grundlage in Jesus Christus. Weil er die Versöhnung mit Gott ermöglicht hat, muss niemand versuchen, durch religiöse Leistungen den Zugang zu Gott zu verdienen. Die empfangene Gnade ruft jedoch zu einer Antwort auf. Wer Christus vertraut, soll lernen, die eigene Lebensführung, den Umgang mit anderen Menschen und den Dienst für Gott von seiner Liebe prägen zu lassen. So wird aus dem Glauben nicht nur ein Bekenntnis, sondern eine gelebte Beziehung zu Gott, in der Dankbarkeit und Gehorsam ihren Platz haben.