3. Mose 3
Ist aber sein Opfer ein Dankopfer von Rindern, es sei ein Ochse oder eine Kuh, soll er eins opfern vor dem HERRN, das ohne Fehl sei.
17 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Ist aber sein Opfer ein Dankopfer von Rindern, es sei ein Ochse oder eine Kuh, soll er eins opfern vor dem HERRN, das ohne Fehl sei.
- 2 Und soll seine Hand auf desselben Haupt legen und es schlachten vor der Tür der Hütte des Stifts. Und die Priester, Aarons Söhne, sollen das Blut auf den Altar umhersprengen.
- 3 Und er soll von dem Dankopfer dem HERRN opfern, nämlich das Fett, welches die Eingeweide bedeckt, und alles Fett am Eingeweide
- 4 und die zwei Nieren mit dem Fett, das daran ist, an den Lenden, und das Netz um die Leber, an den Nieren abgerissen.
- 5 Und Aarons Söhne sollen's anzünden auf dem Altar zum Brandopfer, auf dem Holz, das auf dem Feuer liegt. Das ist ein Feuer zum süßen Geruch dem HERRN.
- 6 Will er aber dem HERRN ein Dankopfer von kleinem Vieh tun, es sei ein Widder oder Schaf, so soll's ohne Fehl sein.
- 7 Ist's ein Lämmlein, soll er's vor den HERRN bringen
- 8 und soll seine Hand auf desselben Haupt legen und es schlachten vor der Hütte des Stifts. Und die Söhne Aarons sollen sein Blut auf dem Altar umhersprengen.
- 9 Und er soll also von dem Dankopfer dem HERRN opfern zum Feuer, nämlich sein Fett, den ganzen Schwanz, von dem Rücken abgerissen, dazu das Fett, welches das Eingeweide bedeckt, und alles Fett am Eingeweide,
- 10 die zwei Nieren mit dem Fett, das daran ist, an den Lenden, und das Netz um die Leber, an den Nieren abgerissen.
- 11 Und der Priester soll es anzünden auf dem Altar zur Speise des Feuers dem HERRN.
- 12 Ist aber sein Opfer eine Ziege und er bringt es vor den HERRN,
- 13 soll er seine Hand auf ihr Haupt legen und sie schlachten vor der Hütte des Stifts. Und die Söhne Aarons sollen das Blut auf dem Altar umhersprengen,
- 14 und er soll davon opfern ein Opfer dem HERRN, nämlich das Fett, welches die Eingeweide bedeckt, und alles Fett am Eingeweide,
- 15 die zwei Nieren mit dem Fett, das daran ist, an den Lenden, und das Netz über der Leber, an den Nieren abgerissen.
- 16 Und der Priester soll's anzünden auf dem Altar zur Speise des Feuers zum süßen Geruch. Alles Fett ist des HERRN.
- 17 Das sei eine ewige Sitte bei euren Nachkommen in allen Wohnungen, daß ihr kein Fett noch Blut esset.
Kapitelüberblick
Das Friedensopfer eröffnet den Israeliten eine besondere Form der Darbringung vor Gott. Als Opfergaben sind fehlerlose Rinder, Schafe oder Ziegen zugelassen, wobei sowohl männliche als auch weibliche Tiere verwendet werden dürfen. Der Opfernde legt seine Hand auf den Kopf des Tieres und schlachtet es vor dem HERRN. Anschließend übernehmen die Priester die Darbringung des Blutes und der für den Altar bestimmten Teile.
Ausführlich beschreibt Gott, welche Fettstücke und inneren Organe verbrannt werden sollen. Bei Schafen gehört auch der Fettschwanz dazu. Die Vorschriften unterscheiden sich in einzelnen Handlungen, folgen aber derselben grundlegenden Ordnung. Abschließend wird festgelegt, dass die Israeliten weder Blut noch das Gott vorbehaltene Opferfett essen dürfen.
Das Kapitel zeigt damit, dass auch ein Opfer, das mit Gemeinschaft und Dankbarkeit verbunden ist, unter Gottes heiligen Bestimmungen steht. Der Mensch darf sich Gott nahen, doch die Darbringung geschieht nicht nach eigenen Vorstellungen.
Einführung
Die ersten beiden Kapitel des dritten Mosebuches haben unterschiedliche Formen des Opferdienstes vorgestellt. Beim Brandopfer steht die Darbringung des Tieres auf dem Altar im Mittelpunkt. Das Speisopfer besteht dagegen aus Getreideerzeugnissen, von denen ein Anteil verbrannt und ein anderer den Priestern überlassen wird. Mit der nächsten Opferart begegnet uns eine weitere wichtige Seite des Gottesdienstes Israels.
Der hebräische Ausdruck zevach shelamim wird gewöhnlich mit „Friedensopfer“ oder „Gemeinschaftsopfer“ übersetzt. Das Wort shelamim gehört sprachlich zu einem Bedeutungsbereich, der Frieden, Wohlergehen und Unversehrtheit umfasst. Damit ist mehr gemeint als die bloße Abwesenheit eines Streites. In der biblischen Sprache kann Frieden einen Zustand beschreiben, in dem Beziehungen geordnet sind und Menschen unter Gottes Segen leben.
Warum diese Opferart unterschiedliche Anlässe umfassen konnte, wird in 3. Mose 7,11–16 näher erklärt. Dort werden Dankopfer, Gelübdeopfer und freiwillige Gaben unterschieden. Ein Israelit konnte also aus Dankbarkeit für empfangene Hilfe opfern, eine zuvor gegebene Zusage erfüllen oder freiwillig eine Gabe darbringen. Das Friedensopfer war deshalb nicht auf die Wiedergutmachung einer bestimmten Schuld beschränkt.
Eine Besonderheit dieser Opferart wird ebenfalls erst in den späteren Vorschriften vollständig sichtbar: Ein Teil des Opferfleisches durfte im Rahmen eines heiligen Mahles gegessen werden. Auch die Priester erhielten vorgeschriebene Anteile. Dadurch bekam das Friedensopfer eine gemeinschaftliche Bedeutung, die über die eigentliche Handlung am Altar hinausreichte.
Für das Verständnis der folgenden Verse müssen wir deshalb zwei Ebenen unterscheiden. Das dritte Kapitel beschreibt zunächst die vorgeschriebenen Opferhandlungen und die Teile, die Gott auf dem Altar dargebracht werden. Erst zusammen mit den ergänzenden Bestimmungen des siebten Kapitels erschließt sich die gesamte Ordnung dieser Opferart. Beide Texte gehören zusammen, ohne dass ihre jeweiligen Schwerpunkte miteinander vermischt werden dürfen.
3. Mose 3,1–2
Das Friedensopfer: Eine persönliche Gabe vor Gott
Wer ein Friedensopfer aus seiner Rinderherde darbringen möchte, darf sowohl ein männliches als auch ein weibliches Tier auswählen. Damit beginnt die dritte große Opferordnung des dritten Mosebuches mit einer bemerkenswerten Unterscheidung. Während für das Brandopfer aus der Rinderherde ausdrücklich ein männliches Tier vorgeschrieben war, lässt Gott beim Friedensopfer beide Geschlechter zu. Diese Erweiterung bedeutet jedoch nicht, dass die Anforderungen an die Opfergabe grundsätzlich geringer wären. Auch hier muss das Tier ohne Fehler sein. Der Opfernde erhält also eine größere Auswahl, bleibt aber an die Voraussetzung gebunden, dass die Gabe für den heiligen Dienst geeignet sein muss.
Die Forderung nach einem fehlerlosen Tier bezieht sich zunächst auf dessen körperliche Beschaffenheit. In 3. Mose 22,17–25 werden die entsprechenden Bestimmungen näher erläutert. Tiere mit bestimmten Verletzungen, Missbildungen oder Krankheiten durften für solche Opfer nicht verwendet werden. Dahinter steht der Gedanke, dass eine Gott geweihte Gabe nicht achtlos ausgewählt werden darf. Dennoch sollten wir diese Vorschrift nicht vorschnell mit einer vollständigen Beschreibung der inneren Haltung des Opfernden gleichsetzen. Ein körperlich fehlerloses Tier beweist noch nicht, dass der Mensch, der es darbringt, aufrichtig vor Gott lebt. Die späteren Propheten werden gerade davor warnen, äußere Opferhandlungen als Ersatz für Gehorsam und ein aufrichtiges Herz zu betrachten.
Für das Verständnis dieser Opferart ist auch ihre hebräische Bezeichnung aufschlussreich. Das Wort zevach bezeichnet ein Schlachtopfer, während shelamim mit dem Bedeutungsbereich von Frieden, Wohlergehen und geordneten Beziehungen verbunden ist. In der hebräischen Bibel beschreibt Frieden häufig mehr als das Ende eines Streites. Er kann einen Zustand umfassen, in dem Menschen unter Gottes Segen leben und ihre Beziehungen von Wohlergehen geprägt sind. Das Friedensopfer gehört in diesen größeren Bedeutungsbereich. Allerdings erklärt der Name allein noch nicht sämtliche Anlässe oder Wirkungen des Opfers. Erst die ergänzenden Vorschriften in 3. Mose 7,11–16 zeigen ausdrücklich, dass diese Opferart sowohl aus Dankbarkeit als auch im Zusammenhang mit einem Gelübde oder als freiwillige Gabe dargebracht werden konnte.
In Vers 2 soll der Opfernde seine Hand auf den Kopf des Tieres stützen. Damit beteiligt er sich persönlich an der Darbringung und stellt eine erkennbare Verbindung zwischen sich und seiner Opfergabe her. Die Handlung begegnet bereits beim Brandopfer und wird auch in späteren Opfergesetzen verwendet. Doch gerade deshalb ist es wichtig, ihre Bedeutung nicht überall gleichzusetzen. Beim großen Versöhnungstag beschreibt 3. Mose 16,21 ausdrücklich, wie Aaron seine Hände auf einen lebenden Bock legt und die Sünden Israels über ihm bekennt. Beim Friedensopfer fehlt eine solche Erklärung. Der Text erwähnt weder ein Sündenbekenntnis noch eine ausdrückliche Übertragung von Schuld auf das Tier. Die Handauflegung verbindet den Opfernden mit seiner Gabe, ohne dass damit bereits jede Einzelheit ihrer geistlichen Bedeutung festgelegt wäre.
Anschließend wird das Tier vor dem Eingang der Stiftshütte geschlachtet. Der Israelit übergibt seine Gabe also nicht lediglich einem Priester, um sich von der weiteren Handlung zu entfernen. Nach dem naheliegenden Sinn der Vorschrift führt er die Schlachtung selbst aus. Damit bleibt er unmittelbar an der Darbringung beteiligt. Der vorgesehene Ort ist ebenfalls bedeutsam. Das Opfer wird vor der Stiftshütte dargebracht, dort, wo sich der Brandopferaltar im Vorhof befindet. Der Mensch tritt mit seiner Gabe in den heiligen Dienst ein, ohne deshalb das Innere des Heiligtums betreten zu dürfen. Gottes Nähe und die Grenzen des menschlichen Zugangs bleiben somit auch bei einem Opfer bestehen, das mit Frieden und Gemeinschaft verbunden ist.
Nach der Schlachtung übernehmen die Söhne Aarons eine Aufgabe, die ausdrücklich den Priestern zugewiesen wird. Sie bringen das Blut an den Altar und sprengen es ringsum an dessen Seiten. Hier begegnet dieselbe grundlegende Blutbehandlung wie beim Brandopfer. Die Bedeutung des Blutes wird später in 3. Mose 17,11 mit dem Leben des Tieres und dem von Gott eingesetzten Sühnedienst verbunden. Dennoch sagt 3. Mose 3,1–2 nicht ausdrücklich, dass dieses Friedensopfer für eine bestimmte Sünde Sühnung bewirken soll. Deshalb wäre es zu weitgehend, ihm ohne weitere Begründung genau dieselbe Funktion zuzuschreiben wie den später beschriebenen Sündopfern. Die Blutdarbringung gehört zum heiligen Opferdienst, doch die einzelnen Opferarten besitzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Gerade beim Friedensopfer wird dieser Unterschied durch die weiteren Vorschriften besonders verständlich. Das Tier wird geschlachtet und sein Blut am Altar dargebracht, aber nicht sein gesamtes Fleisch wird verbrannt. Nach 3. Mose 7 erhalten die Priester bestimmte Anteile, während andere Teile im Rahmen eines heiligen Opfermahles gegessen werden dürfen. Damit verbindet diese Opferart die Darbringung vor Gott mit einer gemeinsamen Mahlzeit. Die Gemeinschaft entsteht jedoch nicht unabhängig von Gottes Anweisungen. Sie wird innerhalb einer Ordnung gefeiert, in der die Opfergabe zunächst dem HERRN gewidmet und die vorgeschriebenen Handlungen ausgeführt werden. So stehen Freude und Ehrfurcht nicht im Gegensatz zueinander, sondern gehören im Gottesdienst Israels zusammen.
Eine weiterführende Verbindung findet sich in 5. Mose 12,5–7. Dort fordert Gott die Israeliten auf, ihre Opfer an den Ort zu bringen, den er für seinen Namen erwählen wird. Im Zusammenhang mit den Opfergaben sollen sie vor dem HERRN essen und sich mit ihren Familien über den Segen ihrer Arbeit freuen. Diese Stelle hilft, den gemeinschaftlichen Charakter des Friedensopfers einzuordnen. Die Freude vor Gott ist kein nebensächlicher Zusatz zu einem ansonsten ausschließlich ernsten Ritual. Sie gehört zur biblischen Vorstellung eines Gottesdienstes, in dem Menschen seine Versorgung anerkennen und in seiner Gegenwart Gemeinschaft erleben. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Form religiöser Freude automatisch den Vorschriften für das Friedensopfer entspricht. Auch diese Freude bleibt an Gottes Weisungen gebunden.
Damit eröffnen die ersten beiden Verse einen wichtigen Gedanken: Die Beziehung zu Gott umfasst nicht nur die Bitte um Vergebung oder die Anerkennung seiner Heiligkeit, sondern auch Dankbarkeit, Gemeinschaft und Freude über seine Güte. Das Friedensopfer gibt diesen Erfahrungen innerhalb des Bundes mit Israel eine geregelte Form. Zugleich erinnert die Beteiligung des Opfernden daran, dass Gemeinschaft mit Gott nicht bloß eine äußere Handlung ist, die andere stellvertretend für einen Menschen ausführen. Wer seine Gabe bringt, nimmt persönlich am Gottesdienst teil und erkennt Gottes Anspruch auf die Darbringung an.
Nachdem das Tier geschlachtet und sein Blut an den Altar gebracht wurde, richtet sich der Blick auf diejenigen Teile, die ausdrücklich für Gott bestimmt sind. Die folgenden Verse erklären, weshalb bestimmte Fettstücke und innere Organe ausgesondert und auf dem Altar verbrannt werden müssen. Erst diese weitere Unterscheidung zeigt, wie die Opfergabe zwischen dem Anteil für Gott und den später zum Verzehr bestimmten Teilen aufgeteilt wird.
3. Mose 3,3–5
Blut und Fett: Was beim Friedensopfer Gott allein gehört
Nachdem das Tier geschlachtet und sein Blut an den Altar gebracht wurde, beschreibt Gott nun, welche Teile des Friedensopfers ausdrücklich für ihn bestimmt sind. Dabei fällt eine Besonderheit auf: Anders als beim Brandopfer wird nicht das gesamte Tier auf dem Altar verbrannt. Stattdessen werden bestimmte Fettstücke und innere Organe herausgenommen und Gott als Feueropfer dargebracht. Diese Unterscheidung gehört zum Wesen des Friedensopfers. Während später ein Teil des Fleisches im Rahmen einer gemeinsamen Mahlzeit gegessen werden darf, bleiben die für den Altar bestimmten Stücke davon ausgenommen. Der Mensch darf also an der Opfergabe teilhaben, doch nicht alles steht zu seiner Verfügung.
Vers 3 nennt zunächst das Fett, das die Eingeweide bedeckt, sowie das Fett, das an ihnen hängt. Gemeint sind bestimmte Fettansammlungen im Inneren des Tieres, besonders im Bereich der Bauchorgane. Der Text beschreibt damit keine beliebigen Fleischstücke, sondern genau festgelegte Bestandteile. Diese sollten sorgfältig vom übrigen Fleisch getrennt und für die Verbrennung auf dem Altar vorbereitet werden. Das Fett gehörte im damaligen Leben zu den wertvollen Bestandteilen eines Tieres. Es konnte als besonders gehaltvoller Teil der Nahrung angesehen werden. Wenn Gott bestimmte Fettstücke für sich beansprucht, betrifft seine Anweisung daher Bestandteile, die auch für den Menschen einen erkennbaren Wert besaßen.
Allerdings dürfen wir den Begriff Fett nicht ohne Weiteres mit jedem Fett gleichsetzen, das sich im Körper eines Tieres befindet. Das hebräische Wort chelev bezeichnet in den Opfergesetzen insbesondere die Fettteile, die Gott zur Darbringung vorbehalten hat. Der Zusammenhang bestimmt, welche Stücke gemeint sind. Diese Unterscheidung wird für das abschließende Fettverbot in Vers 17 besonders wichtig. Dort müssen wir klären, wie weit das Verbot reicht und welche ergänzenden Vorschriften in 3. Mose 7 gelten. Bereits hier lässt sich jedoch erkennen, dass Gott nicht einfach eine allgemeine Ernährungsregel formuliert, sondern zunächst genau bestimmt, welche Bestandteile des Opfertieres auf seinen Altar gehören.
In Vers 4 werden zusätzlich beide Nieren mit dem sie umgebenden Fett genannt. Dazu kommt ein bestimmter Teil im Bereich der Leber, den die Schlachter-Bibel 1951 als das bezeichnet, „was über die Leber hervorragt“. Der zugrunde liegende hebräische Ausdruck ist anatomisch nicht ganz eindeutig. Häufig wird er als Leberlappen oder als ein mit der Leber verbundener Fettteil verstanden. Sicher ist, dass ein bestimmter Bestandteil zusammen mit den Nieren herausgenommen werden soll. Die genaue Zuordnung zu einem modernen anatomischen Begriff bleibt dagegen umstritten. Für die Bedeutung des Opfergesetzes ist diese Unsicherheit nicht entscheidend. Gott legt bestimmte innere Teile des Tieres als seinen Opferanteil fest, und die Vorschrift verlangt, dass sie entsprechend ausgesondert werden.
Dass ausgerechnet die Nieren ausdrücklich erwähnt werden, hat später zu verschiedenen geistlichen Deutungen geführt. In poetischen Texten der Bibel können die Nieren bildlich für das verborgene Innere eines Menschen stehen. Jeremia spricht beispielsweise davon, dass Gott Herz und Nieren prüft (Jeremia 11,20). Auch Psalm 16,7 verwendet die Nieren im Zusammenhang mit dem inneren Erleben des Menschen. Daraus könnte man ableiten, dass die Nieren des Opfertieres hier die verborgenen Gedanken und Beweggründe des Opfernden darstellen sollen. Eine solche Deutung wird in 3. Mose 3 jedoch nicht ausgesprochen. Der Text beschreibt zunächst wirkliche Organe, die zum vorgeschriebenen Opferanteil gehören. Die spätere bildliche Verwendung des Wortes erklärt nicht automatisch den ursprünglichen Sinn dieser Opferhandlung.
Eine weitere Verbindung ergibt sich aus den Vorschriften für das Sündopfer. In 3. Mose 4,8–10 werden nahezu dieselben Fettteile und Organe genannt. Dort wird sogar ausdrücklich auf die Weise verwiesen, in der diese Stücke beim Friedensopfer herausgenommen werden. Damit wird deutlich, dass unterschiedliche Opferarten bestimmte Handlungen gemeinsam haben konnten, ohne deshalb dieselbe Funktion zu besitzen. Beim Friedensopfer gehören die beschriebenen Teile zum Anteil Gottes, während das Sündopfer in einem anderen Zusammenhang mit Schuld, Reinigung und Sühnung steht. Die Übereinstimmung einzelner Handlungen darf deshalb nicht dazu führen, beide Opferarten miteinander gleichzusetzen.
Nachdem die für Gott bestimmten Teile vorbereitet wurden, übernehmen die Söhne Aarons ihre Darbringung. Vers 5 erklärt, dass sie auf dem Altar verbrannt werden sollen, und fügt eine bemerkenswerte Einzelheit hinzu: Die Verbrennung geschieht über dem Brandopfer auf dem Holz, das über dem Feuer liegt. Der Text stellt das Friedensopfer damit in eine erkennbare Verbindung zum bereits beschriebenen Brandopfer. Die Formulierung wird häufig im Zusammenhang mit dem regelmäßigen Brandopferdienst verstanden, der später ausdrücklich als tägliche Darbringung angeordnet wird (2. Mose 29,38–42). Ob die Vorschrift in jedem einzelnen Fall dieselbe zeitliche Abfolge voraussetzt, wird hier nicht näher erklärt. Sicher ist jedoch, dass die Fettteile des Friedensopfers auf dem gemeinsamen Brandopferaltar verbrannt werden und die unterschiedlichen Opferhandlungen innerhalb desselben Heiligtumsdienstes stehen.
Diese gemeinsame Verwendung des Altars ist von Bedeutung. Die verschiedenen Opferarten waren keine voneinander unabhängigen religiösen Einrichtungen, sondern gehörten zur Ordnung des Heiligtums, das Gott in der Mitte Israels errichten ließ. Das Brandopfer, das Speisopfer und das Friedensopfer besaßen unterschiedliche Vorschriften und Schwerpunkte, wurden aber innerhalb eines zusammenhängenden Gottesdienstes dargebracht. Dadurch konnten verschiedene Aspekte der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk ihren Ausdruck finden, ohne dass jede Opferart für sich allein die gesamte Bedeutung des Opferdienstes erklären musste.
Am Ende bezeichnet Gott auch die Verbrennung der Fettteile als ein wohlriechendes Feueropfer für den HERRN. Diese Formulierung begegnet bereits bei den vorherigen Opferarten und beschreibt die Darbringung als Gott wohlgefällig. Sie darf jedoch nicht so verstanden werden, als benötige Gott tatsächlich Nahrung oder als werde er durch den Geruch des verbrannten Fettes körperlich gesättigt. In Psalm 50,9–13 weist Gott ausdrücklich die Vorstellung zurück, er sei auf Tiere aus menschlichem Besitz angewiesen oder müsse Fleisch und Blut zu sich nehmen. Ihm gehört ohnehin alles, was lebt. Die Opfer erhalten ihre Bedeutung deshalb nicht dadurch, dass Gott etwas zum Überleben benötigt, sondern weil er selbst diesen Dienst eingerichtet hat.
Gerade beim Friedensopfer wird dieser Unterschied besonders anschaulich. Die Gott vorbehaltenen Teile werden verbrannt, während andere Anteile später für die Priester und das gemeinsame Opfermahl bestimmt sind. Die Darbringung verbindet also die Ehrung Gottes mit der Gemeinschaft der Menschen, ohne dass Gottes Anteil und menschliche Verfügung beliebig vertauscht werden dürfen. Das Opfermahl ist keine gewöhnliche Mahlzeit, über deren Bestandteile allein die Teilnehmer entscheiden. Es steht innerhalb einer heiligen Ordnung, in der Gott zuerst festlegt, was ihm gehört.
Damit zeigen die Verse 3–5, dass Frieden und Gemeinschaft vor Gott nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden dürfen. Der Mensch darf sich über Gottes Güte freuen und an einer heiligen Mahlzeit teilnehmen, doch er muss zugleich anerkennen, dass die Opfergabe Gottes Bestimmungen unterliegt. Diese Ordnung wird im weiteren Verlauf des Kapitels auf Schafe und Ziegen übertragen. Dabei bleiben die grundlegenden Vorschriften erhalten, während einzelne Besonderheiten der jeweiligen Tierart zusätzlich berücksichtigt werden.
3. Mose 3,6–8
Das Friedensopfer vom Kleinvieh: Dieselbe Heiligkeit bei unterschiedlichen Opfergaben
Nach den Vorschriften für das Friedensopfer aus der Rinderherde wendet sich Gott nun den kleineren Herdentieren zu. Auch Schafe und Ziegen können als Friedensopfer dargebracht werden. Damit erweitert sich die Auswahl der erlaubten Opfergaben auf Tiere, die in der Viehhaltung Israels eine wichtige Rolle spielten. Für viele Familien gehörten Schafe und Ziegen zum täglichen Leben. Sie lieferten unter anderem Milch, Wolle oder Haare und konnten zur Ernährung beitragen. Ein solches Tier zu opfern bedeutete daher, einen Teil des eigenen Besitzes für den Gottesdienst einzusetzen. Der materielle Wert konnte geringer sein als bei einem Rind, doch die Gabe wurde deshalb nicht als weniger gültiges Friedensopfer behandelt.
Wie beim Rinderopfer dürfen sowohl männliche als auch weibliche Tiere verwendet werden. Diese Bestimmung unterscheidet das Friedensopfer weiterhin vom Brandopfer, für das bei Schafen und Ziegen ausdrücklich ein männliches Tier verlangt wird (3. Mose 1,10). Die unterschiedlichen Anforderungen zeigen, weshalb die Opfergesetze sorgfältig auseinandergehalten werden müssen. Was für eine Opferart vorgeschrieben ist, gilt nicht zwangsläufig für jede andere. Die Zulassung beider Geschlechter beim Friedensopfer bedeutet jedoch nicht, dass der Opfernde völlig frei über die Beschaffenheit seiner Gabe entscheiden durfte. Das Tier musste ohne Fehler sein und damit die Voraussetzungen erfüllen, die Gott für diesen heiligen Dienst festgelegt hatte.
Vers 6 spricht zunächst allgemein vom Kleinvieh. In Vers 7 beginnt dann die besondere Beschreibung des Schafopfers, während die Ziegen ab Vers 12 gesondert behandelt werden. Diese Gliederung hat einen erkennbaren Grund: Bei den Schafen werden später bestimmte Fettteile genannt, die bei den Ziegen nicht in gleicher Weise beschrieben werden. Die Opferhandlung besitzt also eine gemeinsame Grundordnung, berücksichtigt aber zugleich Unterschiede zwischen den zugelassenen Tierarten. Deshalb wäre es ungenau, beide Abschnitte einfach als wortgleiche Wiederholung zu betrachten. Erst die vollständige Beschreibung zeigt, welche Handlungen gemeinsam bleiben und welche Einzelheiten hinzukommen.
Wer ein Schaf darbringen möchte, soll es vor den HERRN bringen. Der Ausdruck beschreibt nicht nur den Transport eines Tieres an einen bestimmten Ort. Innerhalb des Opfergesetzes bedeutet er, dass die Gabe in den von Gott vorgesehenen heiligen Dienst eintritt. Dabei bleibt das Friedensopfer eine persönliche Darbringung. Der Israelit bringt sein eigenes Tier und übernimmt die Handlungen, die ihm zugewiesen werden. Erst dort, wo der priesterliche Dienst beginnt, treten die Söhne Aarons mit ihrer besonderen Verantwortung hinzu. Die Opfergabe verbindet somit die persönliche Beteiligung des Menschen mit einer Ordnung, über die er nicht eigenmächtig verfügen kann.
In Vers 8 soll der Opfernde seine Hand auf den Kopf des Schafes stützen und das Tier vor der Stiftshütte schlachten. Die Wiederholung dieser Handlung ist bemerkenswert, weil sie zeigt, dass die persönliche Verbindung zwischen dem Menschen und seiner Gabe nicht auf das Rinderopfer beschränkt bleibt. Auch beim kleineren Herdentier gehört die Handauflegung zur vorgeschriebenen Darbringung. Sie macht erkennbar, dass der Mensch nicht irgendein Tier opfert, sondern eines, das er selbst vor Gott bringt. Über die genaue geistliche Wirkung der Handauflegung sagt dieser Vers jedoch nichts Zusätzliches. Insbesondere wird keine ausdrückliche Übertragung bestimmter Sünden beschrieben. Eine solche Erklärung müsste aus anderen Stellen begründet werden und darf nicht einfach in den Wortlaut hineingelesen werden.
Auf die Schlachtung folgt erneut die Blutdarbringung durch die Söhne Aarons. Sie sprengen das Blut ringsum an den Altar. Damit bleibt der Umgang mit dem Blut bei Rindern und Schafen grundsätzlich gleich, obwohl sich die Tiere in Größe und Wert unterscheiden können. Der Text bindet diese Handlung weder an einen bestimmten materiellen Opferwert noch an das Geschlecht des Tieres. Sie gehört vielmehr zur vorgeschriebenen Ordnung des Friedensopfers. Das Blut wird nicht für die spätere Mahlzeit zurückbehalten, sondern im priesterlichen Dienst an den Altar gebracht. Seine besondere Bedeutung hängt mit dem Leben des Tieres zusammen, wie Gott später in 3. Mose 17,11 erläutert.
Gerade dieser Zusammenhang hilft, den Charakter des Friedensopfers richtig zu verstehen. Obwohl es mit Dankbarkeit, Freude und gemeinschaftlichem Essen verbunden sein kann, wird das Tier nicht einfach für eine gewöhnliche Festmahlzeit geschlachtet. Zuerst erfolgen die von Gott vorgeschriebenen Handlungen am Heiligtum. Erst innerhalb dieser Ordnung dürfen die dafür bestimmten Teile des Fleisches gegessen werden. Eine solche Verbindung zwischen Opfer und Freude vor Gott begegnet auch in 5. Mose 12,5–7. Dort sollen die Israeliten ihre Gaben an den von Gott erwählten Ort bringen und sich mit ihren Familien vor ihm über seinen Segen freuen. Die Gemeinschaft ist damit nicht von Gottes Heiligkeit getrennt, sondern findet unter seiner Autorität statt.
Eine weiterführende geistliche Bedeutung ergibt sich aus der Frage, was einen Menschen zur Gemeinschaft mit Gott berechtigt. Der Unterschied zwischen einem großen Rind und einem kleineren Schaf entscheidet in diesem Kapitel nicht darüber, ob eine gültige Opfergabe vorliegt. Beide Tierarten werden ausdrücklich zugelassen, und beide müssen nach Gottes Bestimmungen dargebracht werden. Daraus lässt sich ableiten, dass der materielle Umfang der Gabe nicht allein über ihren Platz im Gottesdienst entscheidet. Allerdings erklärt das Kapitel damit noch keine allgemeine Regel, nach der der wirtschaftliche Wert sämtlicher Opfer bedeutungslos wäre. Es zeigt vielmehr, dass Gott innerhalb dieser Opferart unterschiedliche geeignete Gaben vorgesehen hat.
Damit führen die Verse 6–8 die bereits begonnene Opferordnung weiter und bereiten zugleich eine Besonderheit vor. Während der Opfernde und die Priester bei der Darbringung des Schafes dieselben grundlegenden Aufgaben wie beim Rinderopfer erfüllen, wird bei den für Gott bestimmten Teilen ein zusätzlicher Bestandteil genannt. Die folgenden Verse beschreiben den Fettschwanz des Schafes und erläutern, weshalb auch dieser besondere Körperteil zusammen mit den übrigen Fettstücken auf dem Altar verbrannt werden soll.
3. Mose 3,9–11
Der Fettschwanz und die inneren Teile: Gottes besonderer Anteil am Schafopfer
Bei der Darbringung eines Schafes nennt Gott eine Besonderheit, die beim Rinderopfer nicht vorkommt. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Fettstücken soll der ganze Fettschwanz des Tieres auf dem Altar verbrannt werden. Diese Einzelheit ist bemerkenswert, weil sie in der Schlachter-Bibel 1951 nicht ausdrücklich wiedergegeben wird. Der hebräische Text nennt jedoch eindeutig die aljah, den Fettschwanz, und verlangt, dass dieser vollständig nahe am Rückgrat abgetrennt wird. Auch andere biblische Opfergesetze erwähnen diesen besonderen Körperteil, beispielsweise 2. Mose 29,22 und 3. Mose 7,3. Es handelt sich deshalb nicht um eine nebensächliche sprachliche Variante, sondern um einen tatsächlich vorgeschriebenen Bestandteil des Opfers.
Zum Verständnis dieser Vorschrift hilft ein Blick auf die Schafhaltung des Alten Orients. In dieser Region waren bereits in der Antike Schafe verbreitet, die größere Fettvorräte im Bereich ihres Schwanzes bildeten. Bei manchen dieser Tiere konnte der Fettschwanz eine beträchtliche Größe erreichen. Solche Schafe sind nicht nur aus späteren Beschreibungen bekannt, sondern auch auf alten Darstellungen aus Mesopotamien zu erkennen. Der biblische Text setzt damit eine Tierhaltung voraus, die sich von dem Bild vieler heutiger europäischer Schafrassen unterscheidet. Was einem modernen Leser zunächst ungewöhnlich erscheint, war für Menschen im damaligen Vorderen Orient eine verständliche Besonderheit bestimmter Schafe.
Der Fettschwanz war nicht einfach ein bedeutungsloser Körperteil. Das darin enthaltene Fett konnte als wertvoller Bestandteil des Tieres genutzt werden, unter anderem bei der Zubereitung von Speisen. Wenn Gott seine vollständige Darbringung verlangt, wird somit ein Teil ausgesondert, der auch für den menschlichen Gebrauch von Bedeutung sein konnte. Allerdings erklärt Vers 9 nicht ausdrücklich, weshalb gerade der Fettschwanz zusätzlich zum übrigen Fett verbrannt werden musste. Seine besondere Beschaffenheit macht die Anweisung verständlich, doch eine darüber hinausgehende geistliche Symbolik wird nicht genannt. Insbesondere lässt sich aus dem Wortlaut nicht ableiten, dass der Fettschwanz eine bestimmte menschliche Eigenschaft oder ein einzelnes Ereignis im Leben Jesu darstellen soll.
Die Vorschrift ist auch hinsichtlich ihrer Genauigkeit bemerkenswert. Der Fettschwanz soll vollständig und dicht beim Rückgrat abgetrennt werden. Gott verlangt also nicht lediglich, einen beliebigen Teil des Schwanzfettes zu entnehmen. Der gesamte dafür bestimmte Körperteil gehört zur Darbringung. Diese Anweisung zeigt, dass die Opferhandlung nach einer konkreten Ordnung ausgeführt werden sollte. Zugleich hilft sie, den Unterschied zwischen den Opferteilen genauer zu verstehen. Während beim Rind bestimmte Fettansammlungen im Bereich der inneren Organe genannt wurden, kommt beim Schaf ein zusätzlicher Fettvorrat hinzu. Die zugelassenen Tiere werden somit nicht in jeder anatomischen Einzelheit gleich behandelt.
In Vers 10 folgen die beiden Nieren mit dem sie umgebenden Fett sowie ein bestimmter Teil im Bereich der Leber. Diese Bestandteile entsprechen weitgehend denen, die bereits beim Rinderopfer vorgeschrieben wurden. Die Wiederholung unterstreicht, dass die grundlegende Auswahl der für den Altar bestimmten inneren Teile erhalten bleibt. Gleichzeitig darf ihre anatomische Benennung nicht mit einer ausdrücklich erklärten geistlichen Bedeutung verwechselt werden. Zwar können die Nieren in anderen biblischen Zusammenhängen bildlich für das verborgene Innere eines Menschen stehen, doch hier gehören sie zunächst zu den tatsächlich herauszunehmenden Organen des Opfertieres. Auch für den erwähnten Leberteil legt das Kapitel keine besondere Symbolik fest.
Nachdem die vorgeschriebenen Teile ausgesondert wurden, soll der Priester sie auf dem Altar verbrennen. Vers 11 verwendet dafür eine ungewöhnliche Formulierung, die in der Schlachter 1951 als „Nahrung für das Feuer des HERRN“ wiedergegeben wird. Der hebräische Ausdruck enthält das Wort lechem, das gewöhnlich Brot oder Nahrung bezeichnet, und verbindet es mit der Darbringung durch Feuer. Ähnliche Ausdrücke begegnen auch an anderen Stellen des Opferdienstes. In 4. Mose 28,2 bezeichnet Gott die ihm dargebrachten Feueropfer in einer Weise, die ebenfalls an Nahrung erinnert. Diese Sprache beschreibt den für Gott bestimmten Opferanteil und seine Darbringung auf dem Altar.
Dabei entsteht eine wichtige Frage: Bedeutet die Bezeichnung als Nahrung, dass Gott tatsächlich durch die verbrannten Opfer ernährt wird? Eine solche Vorstellung widerspricht dem ausdrücklichen Zeugnis anderer Bibelstellen. In Psalm 50,9–13 erklärt Gott, dass ihm ohnehin alle Tiere gehören und er weder auf das Fleisch der Opfer noch auf ihr Blut als Nahrung angewiesen ist. Er besitzt keinen körperlichen Mangel, den Menschen durch Opfergaben ausgleichen müssten. Die Rede von Nahrung gehört deshalb zur besonderen Sprache des Heiligtumsdienstes. Was auf dem Altar verbrannt wird, ist Gottes zugewiesener Anteil, ohne dass Gott dadurch wie ein Mensch essen müsste.
Gerade beim Friedensopfer ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Während die Gott vorbehaltenen Teile im Feuer aufgehen, werden andere Anteile später von den Priestern und den Teilnehmern des Opfermahles gegessen. Das Opfer verbindet somit die Darbringung für Gott mit einer tatsächlichen Mahlzeit unter Menschen. Die verwendete Nahrungssprache darf dabei nicht zu der Vorstellung führen, Gott sitze wie ein weiterer menschlicher Teilnehmer am Tisch und benötige seinen eigenen Anteil zur Ernährung. Vielmehr macht die Aufteilung deutlich, dass das gesamte Opfer unter Gottes Autorität steht. Er bestimmt, was auf den Altar gehört und was im Rahmen des heiligen Mahles gegessen werden darf.
Damit erhält die besondere Vorschrift über den Fettschwanz ihren Platz innerhalb der gesamten Opferordnung. Sie ergänzt die bereits beschriebenen Fettteile und zeigt, wie sorgfältig der für Gott bestimmte Anteil vorbereitet werden musste. Gleichzeitig bewahrt uns der Text davor, die einzelnen Organe und Körperteile mit frei erfundenen Bedeutungen zu versehen. Entscheidend ist zunächst, dass Gott bestimmte Teile ausdrücklich für seinen Altar beansprucht und ihre Darbringung durch den Priester anordnet. Im anschließenden Abschnitt werden dieselben Grundsätze auf das Ziegenopfer übertragen. Dort zeigt sich, welche Vorschriften für beide Tierarten gelten und worin sich die Darbringung einer Ziege von der eines Schafes unterscheidet.
3. Mose 3,12–16
Das Ziegenopfer: Gottes Anteil bleibt derselbe
Als dritte Möglichkeit für das Friedensopfer nennt Gott die Ziege. Damit wird die bereits begonnene Ordnung für das Kleinvieh vervollständigt. Rinder, Schafe und Ziegen können als Friedensopfer dargebracht werden, sofern sie die vorgeschriebenen Voraussetzungen erfüllen. Für die Ziege gelten die allgemeinen Bestimmungen aus Vers 6, nach denen sowohl männliche als auch weibliche Tiere zugelassen sind, die keinen Fehler aufweisen dürfen. Der Text eröffnet also keine neue Opferart, sondern beschreibt die letzte der drei zugelassenen Tiergruppen. Bemerkenswert ist dabei, wie sorgfältig Gott auch diese Darbringung regelt. Die Unterschiede zwischen den Tieren werden berücksichtigt, während die grundlegenden Anforderungen an den Opferdienst erhalten bleiben.
Ziegen gehörten im alten Israel zu den verbreiteten Nutztieren. Sie waren für viele Familien wertvoll, weil sie Milch lieferten und auch in Landschaften gehalten werden konnten, die für andere Formen der Viehhaltung weniger günstig waren. Ihr Fleisch und ihre Haare konnten ebenfalls genutzt werden. Eine Ziege war daher nicht bloß ein geringwertiger Ersatz für ein größeres Opfertier, sondern gehörte zum Besitz und zur wirtschaftlichen Versorgung einer Familie. Dass Gott sie ausdrücklich als Friedensopfer zulässt, zeigt, dass diese Opferart nicht auf die Besitzer großer Rinderherden beschränkt war. Allerdings nennt das Kapitel keine Staffelung nach Einkommen. Die verschiedenen Tierarten sind zulässige Gaben, ohne dass der Text sie ausdrücklich unterschiedlichen sozialen Gruppen zuordnet.
Bei der Ziege beginnt die Opferhandlung auf dieselbe Weise wie bei den zuvor beschriebenen Tieren. Der Opfernde bringt sie vor den HERRN, stützt seine Hand auf ihren Kopf und schlachtet sie vor der Stiftshütte. Die persönliche Beteiligung bleibt damit unverändert. Auch bei diesem Opfer wird nicht beschrieben, dass der Mensch seine Sünden über dem Tier bekennen oder ausdrücklich auf dieses übertragen soll. Die Handlung stellt zunächst eine Verbindung zwischen dem Opfernden und seiner Gabe her. Ihre Bedeutung muss innerhalb der jeweiligen Opferart verstanden werden. Gerade bei Ziegen ist diese Unterscheidung wichtig, weil sie an anderen Stellen der Bibel auch für Sündopfer und für den großen Versöhnungstag verwendet werden. Dass dieselbe Tierart bei unterschiedlichen Opferhandlungen vorkommt, bedeutet jedoch nicht, dass alle diese Handlungen denselben Zweck erfüllen.
Eine besonders deutliche Abgrenzung ergibt sich aus 3. Mose 16. Dort werden am großen Versöhnungstag zwei Böcke für eine besondere Handlung ausgewählt. Einer wird als Sündopfer für den HERRN geschlachtet, während der andere lebendig bleibt und nach dem ausdrücklichen Bekenntnis der Sünden Israels in die Wüste geschickt wird. Diese Vorschriften unterscheiden sich grundlegend vom Friedensopfer aus 3. Mose 3. Die Ziege des Friedensopfers gehört weder zu einer solchen Zweierordnung noch wird sie nach dem beschriebenen Sündenbekenntnis fortgeschickt. Der Vergleich zeigt, weshalb biblische Opfertiere nicht unabhängig von ihrem jeweiligen Zusammenhang einen einzigen feststehenden Symbolwert besitzen.
Nachdem die Ziege geschlachtet wurde, bringen die Söhne Aarons ihr Blut an den Altar und sprengen es ringsum an dessen Seiten. Auch hier bleibt die priesterliche Zuständigkeit bestehen. Der Opfernde führt die ihm zugewiesenen Handlungen aus, während die Priester die Blutdarbringung übernehmen. Das Blut wird dabei am Brandopferaltar im Vorhof verwendet. Es wird nicht in das Innere des Heiligtums getragen, wie es bei bestimmten anderen Opferhandlungen vorgeschrieben ist. Dieser Unterschied wird später besonders bei den Sündopfern wichtig. Schon innerhalb des dritten Mosebuches zeigt sich, dass die Art der Blutverwendung je nach Opfer und Anlass unterschiedlich sein kann. Für das Friedensopfer bleibt die Darbringung ringsum an den äußeren Altar die vorgeschriebene Handlung.
In den Versen 14 und 15 folgt die Auswahl der Teile, die für Gott bestimmt sind. Genannt werden das Fett über den Eingeweiden, die Fettstücke an den inneren Organen, beide Nieren mit dem sie umgebenden Fett sowie ein bestimmter Teil im Bereich der Leber. Damit entspricht das Ziegenopfer im Wesentlichen der zuvor beschriebenen Darbringung des Rindes. Eine Besonderheit des Schafopfers fehlt jedoch: Der Fettschwanz wird nicht genannt. Diese Auslassung ist kein Hinweis darauf, dass die Ziege weniger wertvoll oder geistlich weniger bedeutsam wäre. Vielmehr berücksichtigt die Vorschrift die unterschiedlichen körperlichen Merkmale der Tiere. Bei den beschriebenen Schafen gehörte der besonders ausgeprägte Fettschwanz zu den vorgeschriebenen Opferteilen. Für die Ziege wird dagegen kein entsprechender Bestandteil verlangt.
Die wiederholte Beschreibung der inneren Organe bestätigt außerdem, dass Gott bestimmte Teile für den Altar ausgesondert hatte. Die Nieren und der erwähnte Bereich der Leber werden dabei nicht als geheimnisvolle Zeichen erklärt, sondern als konkrete Bestandteile des Tieres genannt. In anderen biblischen Texten können innere Organe bildlich für das verborgene Denken und Empfinden eines Menschen stehen. Doch aus dieser späteren Verwendung lässt sich nicht ableiten, dass jeder einzelne Opferteil in 3. Mose 3 eine festgelegte Bedeutung für das geistliche Innenleben besitzen müsse. Die Vorschrift handelt zunächst davon, welche Teile entfernt und verbrannt werden sollen. Ihre geistliche Tragweite ergibt sich aus der Zugehörigkeit dieser Teile zum heiligen Opferdienst, nicht aus einer frei zusammengestellten Symboldeutung.
Nach der Vorbereitung verbrennt der Priester die ausgesonderten Teile auf dem Altar. Dabei verwendet Vers 16 erneut die Sprache einer Nahrungsgabe, die als lieblicher Geruch vor Gott aufsteigt. Dieser Ausdruck gehört zur Bildsprache des Opferdienstes und beschreibt die Darbringung als Gott wohlgefällig. Die Bibel selbst bewahrt jedoch vor der Vorstellung, Gott müsse durch die Opfer seines Volkes ernährt werden. In Psalm 50,9–13 erklärt er ausdrücklich, dass ihm alle Tiere gehören und er weder auf Fleisch noch auf Blut als Nahrung angewiesen ist. Das Opfer erfüllt daher kein Bedürfnis Gottes, als hätte er einen Mangel, den Menschen ausgleichen könnten. Vielmehr nimmt der Mensch an einem Gottesdienst teil, dessen Ordnung und Bedeutung Gott selbst festgelegt hat.
Beim Friedensopfer erhält diese Sprache einen besonderen Zusammenhang. Die späteren Vorschriften zeigen, dass Teile des Fleisches den Priestern und andere den Teilnehmern des Opfermahles zustehen. Während Menschen tatsächlich von der Opfergabe essen dürfen, wird der für Gott ausgesonderte Anteil auf dem Altar verbrannt. Diese Aufteilung ist keine gewöhnliche Verteilung einer Mahlzeit zwischen gleichberechtigten Teilnehmern. Sie bringt vielmehr zum Ausdruck, dass die gesamte Darbringung unter Gottes Autorität steht. Selbst dort, wo Menschen im Rahmen des Gottesdienstes Gemeinschaft und Freude erleben, bleibt Gott derjenige, der die Bedingungen dieser Gemeinschaft bestimmt.
Am Ende von Vers 16 steht schließlich eine kurze Aussage, die für das gesamte Kapitel von besonderer Bedeutung ist: „Alles Fett gehört dem HERRN.“ Damit fasst Gott die wiederholten Vorschriften über die Fettstücke in einer grundsätzlichen Bestimmung zusammen. Bei allen drei zugelassenen Tiergruppen werden bestimmte Fettteile von den übrigen Bestandteilen getrennt und auf dem Altar verbrannt. Sie stehen nicht zur freien Verfügung des Opfernden. Der Wortlaut macht damit den Anspruch Gottes auf diesen besonderen Opferanteil ausdrücklich sichtbar. Zugleich muss die Formulierung im Zusammenhang der zuvor genannten Teile gelesen werden. Welche Reichweite das daraus folgende Verbot für den Verzehr von Fett besitzt, wird durch die weiteren Opfergesetze genauer bestimmt.
Damit endet die Beschreibung der einzelnen Opferhandlungen beim Friedensopfer. Ob ein Israelit ein Rind, ein Schaf oder eine Ziege darbringt, die Gabe wird persönlich vor Gott gebracht, ihr Blut durch die Priester am Altar verwendet und der für Gott bestimmte Anteil verbrannt. Unterschiede in der Tierart verändern nicht die grundlegende Ordnung des Gottesdienstes. Die abschließende Aussage über das Fett führt nun unmittelbar zu einer Vorschrift, die über die einzelne Opferhandlung hinausgeht. Im letzten Vers des Kapitels wird aus Gottes Anspruch auf bestimmte Opferteile ein ausdrückliches Verbot, das Israel auch außerhalb des Heiligtums beachten soll. Dabei werden Fett und Blut gemeinsam genannt und mit einer dauerhaften Satzung verbunden.
3. Mose 3,17
Das Verbot von Fett und Blut: Eine dauerhafte Ordnung zum Schutz des Heiligen
Mit einer weitreichenden Vorschrift beendet Gott die Anweisungen über das Friedensopfer. Nachdem er bestimmt hat, welche Teile der Opfertiere auf dem Altar verbrannt werden sollen, erklärt er, dass die Israeliten weder Fett noch Blut essen dürfen. Dieses Gebot wird ausdrücklich als dauerhafte Satzung für ihre Geschlechter bezeichnet und soll an allen ihren Wohnorten gelten. Damit reicht die Anweisung über die einzelne Opferhandlung hinaus. Die Israeliten sollen die besondere Bedeutung von Fett und Blut nicht nur während des Gottesdienstes beachten, sondern auch dort, wo sie gewöhnlich leben und ihre Mahlzeiten einnehmen.
Zunächst müssen wir klären, was mit dem Verbot des Fettes gemeint ist. Der vorausgehende Abschnitt hat wiederholt bestimmte Fettstücke beschrieben, die Gott auf seinem Altar vorbehalten sind. Dazu gehören das Fett über den Eingeweiden, weitere innere Fettansammlungen und beim Schaf auch der Fettschwanz. Im Hebräischen wird dafür der Begriff chelev verwendet. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jedes Fett, das sich irgendwo im Fleisch eines Tieres befindet, unter genau dieselbe Vorschrift fällt. Die Opfergesetze beziehen sich auf bestimmte Fettteile, die Gott ausdrücklich beansprucht. Deshalb muss das allgemeine Verbot aus Vers 17 zusammen mit den genaueren Bestimmungen gelesen werden, die das dritte Mosebuch später enthält.
Eine entscheidende Erklärung folgt in 3. Mose 7,22–25. Dort wird das Fettverbot ausdrücklich auf Rinder, Schafe und Ziegen bezogen. Es handelt sich um die Tierarten, deren Fettstücke nach den Opfergesetzen auf dem Altar dargebracht werden konnten. Bemerkenswert ist außerdem, dass auch das entsprechende Fett von verendeten oder durch andere Tiere zerrissenen Tieren nicht gegessen werden durfte. Eine Verwendung für andere Zwecke war dagegen erlaubt. Daraus wird ersichtlich, dass das Verbot nicht ausschließlich für Tiere galt, die tatsächlich geopfert wurden. Auch außerhalb einer konkreten Opferhandlung sollten die Israeliten den besonderen Anspruch Gottes auf diese Fettteile anerkennen. Zugleich lässt sich daraus kein allgemeines Verbot sämtlicher pflanzlicher oder tierischer Fette ableiten. Der Text behandelt eine genau bestimmte Vorschrift innerhalb des Bundes mit Israel.
Anders verhält es sich mit dem Blut, dessen Verbot eine noch umfassendere biblische Grundlage besitzt. Bereits nach der Sintflut hatte Gott Noah und seinen Nachkommen erlaubt, Tiere als Nahrung zu verwenden, dabei aber ausdrücklich untersagt, das Fleisch mit seinem Blut, also seinem Leben, zu essen (1. Mose 9,3–4). Diese Anweisung steht zeitlich vor der Gesetzgebung am Sinai. Das dritte Mosebuch greift den Grundgedanken auf und erklärt ihn im Zusammenhang mit dem Opferdienst weiter. In 3. Mose 17,11 verbindet Gott das Blut ausdrücklich mit dem Leben des Tieres und erklärt, dass er es selbst für den Sühnedienst auf den Altar gegeben hat. Das Blut besitzt deshalb eine besondere Bedeutung, die nicht allein von menschlichen Vorstellungen über Reinheit oder Ernährung abhängt.
Bei der Erklärung dieses Zusammenhangs ist das hebräische Wort nephesch wichtig. Es kann je nach Zusammenhang Leben, lebendiges Wesen oder Seele bezeichnen. Wenn die Schlachter 1951 in 3. Mose 17,11 von der „Seele des Fleisches“ spricht, ist damit nicht gemeint, dass sich im Blut eine vom Körper unabhängige, unsterbliche Seele befinde. Der Zusammenhang behandelt das Leben des Tieres, das durch sein Blut dargestellt wird. Gerade deshalb soll das Blut nicht wie ein gewöhnliches Lebensmittel behandelt werden. Gott beansprucht das Leben und bestimmt, wie das Blut innerhalb des Opferdienstes verwendet werden soll. Das Verbot schützt somit eine Unterscheidung, die für das biblische Verständnis von Leben, Tod und Sühnung von grundlegender Bedeutung ist.
Diese besondere Stellung des Blutes erklärt auch, weshalb das Verbot nicht auf Opfertiere beschränkt bleibt. In 3. Mose 17,13–14 wird ausdrücklich angeordnet, dass das Blut eines erlegten Wildtieres oder Vogels ausgegossen und mit Erde bedeckt werden soll. Ebenso verbietet 3. Mose 7,26 den Genuss von Blut sowohl bei Vögeln als auch bei anderen Tieren. Anders als das Fettverbot, das dort auf bestimmte Opfer-Tierarten eingegrenzt wird, besitzt das Blutverbot somit eine breitere Reichweite. Die Israeliten sollten auch beim gewöhnlichen Umgang mit Tieren berücksichtigen, dass das Leben nicht beliebig verfügbar ist. Das Blut eines Tieres wurde nicht dadurch bedeutungslos, dass dieses Tier nicht auf dem Altar geopfert wurde.
Besonders ernst klingt die Formulierung, dass diese Bestimmung als ewige Satzung für alle kommenden Geschlechter gelten soll. Das hebräische Wort olam, das hier mit „ewig“ wiedergegeben wird, kann eine unbefristete beziehungsweise dauerhaft geltende Ordnung bezeichnen. Im Zusammenhang der Gesetzgebung richtet sich die Vorschrift ausdrücklich an Israel und seine nachfolgenden Generationen. Sie soll nicht nur während der Wanderung am Sinai beachtet werden, sondern überall dort, wo das Volk später wohnen wird. Diese Verbindlichkeit darf nicht abgeschwächt werden, als handle es sich um eine unverbindliche Empfehlung. Gleichzeitig entscheidet die Bezeichnung als ewige Satzung für sich allein noch nicht sämtliche Fragen darüber, welche alttestamentlichen Vorschriften nach dem Kommen Jesu in welcher Weise für Christen gelten. Dafür muss das Zeugnis des Neuen Testaments berücksichtigt werden.
Gerade beim Blutverbot findet sich dort eine bemerkenswerte Fortsetzung. In Apostelgeschichte 15 beraten die Apostel und Ältesten darüber, welche Anforderungen an Menschen aus den nichtjüdischen Völkern gestellt werden sollen, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind. Sie entscheiden, diesen Gläubigen nicht die vollständige Verpflichtung auf das mosaische Gesetz aufzuerlegen. Gleichzeitig fordern sie ausdrücklich, sich unter anderem von Blut und vom Erstickten fernzuhalten (Apostelgeschichte 15,19–20.28–29). Damit wird deutlich, dass das Blutverbot im frühen Christentum nicht einfach übergangen wurde. Seine Bedeutung wurde auch im Zusammenleben von jüdischen und nichtjüdischen Gläubigen ernst genommen.
Über die genaue Reichweite dieser apostolischen Anweisung bestehen unterschiedliche Auslegungen. Manche Christen verstehen sie als dauerhaft verbindliches Verbot des Blutgenusses, das bereits vor dem Sinai bestand und im Neuen Testament bestätigt wird. Andere sehen darin besonders eine Regelung für das Zusammenleben der damaligen Gemeinden, in denen Menschen mit unterschiedlichen religiösen und kulturellen Hintergründen gemeinsam Gottesdienst feierten. Beide Positionen müssen berücksichtigen, dass das Apostelkonzil das Blut ausdrücklich nennt, während es das Verbot der besonderen Opferfettstücke nicht wiederholt. Deshalb wäre es ungenau, beide Vorschriften ohne weitere Prüfung als vollständig gleichartig zu behandeln. Der ursprüngliche Zusammenhang in 3. Mose 3 bleibt eindeutig; die Frage ihrer gesamten christlichen Anwendung erfordert jedoch eine sorgfältige Betrachtung der weiteren Bibelstellen.
Eine besonders wichtige Verbindung zum Neuen Testament ergibt sich schließlich aus dem Opfer Jesu Christi. Der Hebräerbrief beschreibt, dass Jesus nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern in das himmlische Heiligtum eingegangen ist, sondern durch sein eigenes Blut eine ewige Erlösung erlangt hat (Hebräer 9,11–14). Damit greift der Verfasser die alttestamentliche Verbindung von Blut, Leben und Sühnung auf und führt sie auf Christus hin. Sein Opfer unterscheidet sich grundlegend von den wiederholten Tieropfern des alten Bundes. Jesus gibt nicht das Leben eines anderen Wesens hin, sondern sich selbst. Die besondere Bedeutung des Blutes wird dadurch nicht aufgehoben, sondern innerhalb des Erlösungswerkes Christi auf eine neue und endgültige Weise sichtbar.
Für das Verständnis von 3. Mose 3,17 bleibt damit ein wesentlicher Gedanke bestehen: Gott beansprucht bestimmte Teile der Opfergabe für sich und erinnert Israel durch das Blutverbot daran, dass ihm das Leben gehört. Das Friedensopfer durfte mit Freude, Dankbarkeit und einer gemeinsamen Mahlzeit verbunden sein. Dennoch standen die Teilnehmer nicht außerhalb seiner heiligen Ordnung. Gerade dort, wo Menschen die Gaben Gottes genießen, sollten sie erkennen, dass ihnen nicht alles zur freien Verfügung überlassen ist. Das Opfermahl war Ausdruck einer Beziehung, die auf Gottes Weisungen beruhte und seine Autorität anerkannte.
Mit dieser abschließenden Satzung endet das Kapitel. Aus den unterschiedlichen Opfergaben von Rindern, Schafen und Ziegen ist eine zusammenhängende Ordnung erkennbar geworden, in der der Mensch persönlich vor Gott tritt, die Priester ihren Dienst ausführen und bestimmte Teile des Opfers ausdrücklich dem HERRN gehören. Das Friedensopfer verbindet damit die Freude an Gottes Güte mit der Ehrfurcht vor seiner Heiligkeit. Die Gemeinschaft mit Gott wird nicht als etwas Beliebiges dargestellt, sondern als eine Gabe, die innerhalb der von ihm eröffneten Beziehung ihren Platz findet.
Geistliche Kernbotschaft
Das Friedensopfer eröffnet einen besonderen Blick auf die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Nicht jede Begegnung mit Gott steht ausschließlich im Zeichen von Schuld, Vergebung oder der Bitte um Hilfe. Auch Dankbarkeit, Freude und das bewusste Erleben seiner Güte gehören zum Gottesdienst. Israel durfte Opfer darbringen, die mit einem gemeinsamen Mahl verbunden waren. Dadurch bekam die Beziehung zu Gott eine sichtbare Gestalt im Leben der Menschen. Sie brachten ihre Gaben vor ihn, erkannten seine Herrschaft an und durften innerhalb seiner Ordnung Gemeinschaft miteinander erleben.
Dabei ist entscheidend, dass das Friedensopfer nicht einfach eine gewöhnliche Mahlzeit mit religiösem Hintergrund war. Das Tier wurde zunächst als heilige Gabe vor Gott gebracht. Die vorgeschriebenen Teile gehörten auf den Altar, während andere Anteile den Priestern und den Teilnehmern des Opfermahles zustanden. Gott bestimmte also, wie die Gabe verwendet werden durfte. Gemeinschaft mit ihm bedeutete nicht, dass der Mensch seine Heiligkeit außer Acht lassen konnte. Vielmehr gehörten Ehrfurcht und Freude zusammen. Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft des Kapitels: Gottes Heiligkeit schließt eine Beziehung zu Menschen nicht grundsätzlich aus, sondern gibt ihr innerhalb des Bundes eine verbindliche Ordnung.
Der Begriff des Friedens reicht dabei über das Ende eines Streites hinaus. In der hebräischen Sprache umfasst der Bedeutungsbereich von schalom auch Wohlergehen, geordnete Beziehungen und ein Leben unter Gottes Segen. Das Friedensopfer gehört in diesen Zusammenhang, ohne dass sein Name allein sämtliche Wirkungen der Opferhandlung erklärt. Es konnte aus Dankbarkeit, im Zusammenhang mit einem Gelübde oder freiwillig dargebracht werden. Damit erinnert es daran, dass die Beziehung zu Gott nicht nur aus der Erfüllung von Pflichten besteht. Menschen dürfen auf empfangene Hilfe antworten, seine Güte anerkennen und ihre Freude vor ihn bringen.
Zugleich zeigt der Opferdienst, dass der Mensch nicht selbst über die Bedingungen seiner Gemeinschaft mit Gott verfügt. Das Blut wird den Priestern für die vorgeschriebene Handlung am Altar übergeben, während die besonders bestimmten Fettteile Gott vorbehalten bleiben. Gerade diese Unterscheidung macht deutlich, dass die Opfergabe nicht mehr gewöhnlicher Privatbesitz ist. Was Gott gewidmet wurde, unterliegt seinem Willen. Für Israel war dies eine konkrete Erinnerung daran, dass die Gemeinschaft mit dem HERRN nicht von menschlicher Eigenmächtigkeit, sondern von seiner Offenbarung und seinem Bund bestimmt wurde.
Im Neuen Testament erhält der Gedanke des Friedens mit Gott eine tiefere Bedeutung. Paulus erklärt in Römer 5,1, dass diejenigen, die durch den Glauben gerechtfertigt worden sind, Frieden mit Gott durch Jesus Christus haben. Dieser Friede beruht nicht auf der Fähigkeit des Menschen, durch eigene Leistungen eine ungestörte Beziehung zu Gott herzustellen. Seine Grundlage liegt im Erlösungswerk Christi. Das Friedensopfer beschreibt diesen neutestamentlichen Zusammenhang noch nicht in allen Einzelheiten, doch es gehört zu jener biblischen Geschichte, in der Gott seinem Volk durch den Opferdienst die Bedeutung heiliger Gemeinschaft vor Augen führte.
Für das Leben der Gläubigen bleibt deshalb eine wesentliche Wahrheit bestehen: Gott möchte nicht nur äußerlich geehrt werden, sondern Menschen in eine von Vertrauen, Treue und Dankbarkeit geprägte Beziehung zu sich führen. Diese Beziehung ist keine menschliche Errungenschaft. Sie gründet auf Gottes Handeln und verlangt zugleich eine Antwort, die seinen Willen ernst nimmt. Wahre Gemeinschaft mit Gott verbindet deshalb das Vertrauen auf seine Gnade mit der Bereitschaft, das eigene Leben nach seinem Wort auszurichten.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
Eine besonders wichtige Ergänzung zu diesem Kapitel findet sich in 3. Mose 7,11–21 und 28–34. Dort werden die Vorschriften über das Friedensopfer weiter ausgeführt. Während 3. Mose 3 hauptsächlich die Schlachtung, die Blutdarbringung und die für den Altar bestimmten Teile beschreibt, erklärt das siebte Kapitel die unterschiedlichen Anlässe des Opfers und den Umgang mit dem Fleisch. Beim Dankopfer soll es noch am Tag der Darbringung gegessen werden. Bei freiwilligen Opfern und Gelübdeopfern darf das Fleisch auch am folgenden Tag verzehrt werden, während ein verbliebener Rest am dritten Tag verbrannt werden muss. Außerdem gelten besondere Reinheitsvorschriften für die Teilnehmer. Diese Bestimmungen zeigen, dass das gemeinsame Mahl nicht beliebig gestaltet werden durfte. Selbst die Dauer des Verzehrs und die Voraussetzungen für die Teilnahme gehörten zur heiligen Ordnung.
Eine weitere Verbindung führt zu 5. Mose 12,5–7 und 12,11–12. Mose erklärt dort, dass Israel seine Opfer an den Ort bringen soll, den Gott für seinen Namen erwählen wird. Vor dem HERRN sollen die Menschen essen und sich mit ihren Familien über den Segen ihrer Arbeit freuen. Bemerkenswert ist, dass auch Söhne, Töchter, Knechte, Mägde und die Leviten in diese Freude einbezogen werden. Damit erweitert sich der Blick über den einzelnen Opfernden hinaus. Der Gottesdienst ist nicht ausschließlich eine persönliche Angelegenheit, sondern besitzt eine gemeinschaftliche Seite. Freude über Gottes Versorgung soll mit anderen geteilt werden. Die vorgeschriebene Gemeinschaft erhält dadurch eine Bedeutung, die über das Essen des Opferfleisches hinausreicht.
Besonders aufschlussreich ist außerdem Psalm 50,7–15. Dort erinnert Gott Israel daran, dass er die Opfer seines Volkes nicht benötigt, um seinen eigenen Bedarf zu decken. Ihm gehören bereits alle Tiere und die gesamte Schöpfung. Er ist nicht darauf angewiesen, durch Menschen mit Nahrung versorgt zu werden. Stattdessen fordert er sein Volk auf, Dank zu opfern, seine Gelübde zu erfüllen und ihn in Zeiten der Not anzurufen. Diese Aussagen helfen, die Bezeichnung der Fettteile als Opfergabe beziehungsweise Nahrung für Gott richtig einzuordnen. Die Opfer besitzen ihre Bedeutung nicht deshalb, weil Gott einen körperlichen Mangel hätte. Sie gehören vielmehr zu einer von ihm eingesetzten Beziehung, in der die Menschen seine Güte anerkennen und auf seine Treue antworten.
Das Neue Testament führt den Gedanken des Friedens besonders deutlich in Epheser 2,13–18 weiter. Paulus erklärt dort, dass Menschen, die einst fern waren, durch Jesus Christus nahegebracht worden sind. Christus selbst wird als unser Friede bezeichnet. Durch seinen Tod schafft er Versöhnung und eröffnet Juden und Nichtjuden gemeinsam den Zugang zum Vater durch den Heiligen Geist. Diese Aussage geht weit über das alttestamentliche Friedensopfer hinaus. Dennoch besteht eine wichtige Verbindung: Beide Texte behandeln die Frage, wie Menschen in einer geordneten Beziehung zu Gott leben können. Während das Friedensopfer innerhalb des Bundes mit Israel eine heilige Form der Gemeinschaft darstellt, beschreibt Paulus die durch Christus eröffnete Gemeinschaft, die Menschen aus verschiedenen Völkern einschließt.
Auch Kolosser 1,19–22 ist für diesen Zusammenhang bedeutsam. Dort verbindet Paulus die Versöhnung mit dem Blut Christi am Kreuz. Der Friede mit Gott wird damit nicht als eine bloße innere Empfindung dargestellt, sondern als Ergebnis eines wirklichen Erlösungsgeschehens. Christus hat durch seinen Tod Versöhnung geschaffen. Diese Verbindung ist wichtig, weil das Friedensopfer in 3. Mose 3 ebenfalls eine Blutdarbringung enthält, ohne dass dort ausdrücklich dieselbe Sühnungsfunktion wie beim Sündopfer erklärt wird. Das Neue Testament führt unterschiedliche alttestamentliche Opfergedanken in Christus zusammen. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, jede einzelne Handlung des Friedensopfers sei bereits eine genaue Vorhersage eines bestimmten Vorgangs am Kreuz.
Eine besonders bemerkenswerte Verbindung findet sich in 1. Korinther 10,16–21. Paulus spricht dort über die Gemeinschaft der Christen am Tisch des Herrn und verweist anschließend ausdrücklich auf Israel und diejenigen, die von den Opfern essen. Sie stehen nach seiner Aussage in einer Beziehung zum Altar. Damit bestätigt das Neue Testament, dass die Teilnahme an einer Opfermahlzeit mehr bedeutete als gewöhnliches Essen. Sie war mit der religiösen Zugehörigkeit und dem Gottesdienst verbunden. Paulus nutzt diesen Zusammenhang, um die Christen vor der Teilnahme an heidnischen Opfermahlzeiten zu warnen. Seine Argumentation zeigt, dass religiöse Gemeinschaft nicht beliebig zwischen unterschiedlichen Formen der Anbetung aufgeteilt werden kann. Zugleich setzt Paulus das alttestamentliche Friedensopfer nicht einfach mit dem christlichen Abendmahl gleich. Vielmehr verwendet er die Bedeutung der Opfergemeinschaft, um eine grundlegende geistliche Verantwortung zu verdeutlichen.
Schließlich greift Hebräer 13,15–16 die Sprache des Opferdienstes auf und überträgt sie auf die Lebensführung der Christen. Durch Jesus sollen sie Gott beständig ein Opfer des Lobes darbringen. Unmittelbar danach werden Wohltätigkeit und das Teilen mit anderen als Gaben beschrieben, an denen Gott Wohlgefallen hat. Hier wird besonders deutlich, wie Dankbarkeit gegenüber Gott und Verantwortung für Mitmenschen miteinander verbunden sind. Christen sollen nicht zu den alten Tieropfern zurückkehren. Ihre Antwort auf Gottes Gnade zeigt sich vielmehr in aufrichtigem Lob, tätiger Liebe und der Bereitschaft, mit anderen zu teilen.
Wichtige Lektionen
Eine erste Lektion betrifft die Bedeutung der Dankbarkeit. Menschen wenden sich häufig besonders dann an Gott, wenn sie sich in Not befinden, Hilfe benötigen oder unter einer schweren Entscheidung stehen. Das Friedensopfer erinnert daran, dass auch Zeiten der Freude und des Wohlergehens bewusst mit Gott verbunden werden dürfen. Wer Hilfe erfahren hat, muss diese nicht als bloßen Zufall betrachten oder nach kurzer Zeit wieder vergessen. Dankbarkeit kann zu einer Haltung werden, die Gottes Güte im eigenen Leben wahrnimmt und anerkennt. Dabei geht es nicht darum, jede erfreuliche Entwicklung vorschnell als besondere göttliche Bestätigung aller eigenen Entscheidungen zu verstehen. Vielmehr darf der Mensch auch im gewöhnlichen Leben erkennen, wie viel er empfängt, ohne alles selbst hervorbringen oder kontrollieren zu können.
Eine zweite Lektion betrifft die Verbindung von Gottesdienst und Gemeinschaft. Das Friedensopfer war nicht ausschließlich für eine einzelne Person bestimmt, die ihre religiöse Pflicht erfüllte und anschließend wieder nach Hause ging. Zu seiner vollständigen Ordnung gehörte auch ein gemeinsames Mahl. Darin liegt ein wichtiger Gedanke für christliche Gemeinden und Familien. Der Glaube darf nicht nur aus persönlichen Überzeugungen bestehen, während gegenseitige Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und gemeinsames Leben vernachlässigt werden. Wer Gemeinschaft mit Gott sucht, sollte auch darüber nachdenken, wie er mit den Menschen umgeht, die ihm anvertraut sind. Das bedeutet nicht, dass jede christliche Gemeinschaft frei von Spannungen sein wird. Gerade dort, wo Menschen unterschiedlich denken und handeln, werden Geduld, Vergebung und gegenseitige Achtung notwendig.
Eine weitere Lektion ergibt sich aus der besonderen Stellung der Priester. Sie hatten klar bestimmte Aufgaben und erhielten zugleich festgelegte Anteile der Opfergabe. Die übrigen Teile standen ihnen nicht nach Belieben zur Verfügung. Daraus lässt sich ein Grundsatz für jede Form geistlicher Verantwortung ableiten: Wer im Dienst Gottes handelt, darf seine Stellung nicht zur persönlichen Bereicherung oder Machtausübung verwenden. Besonders dort, wo Menschen Geld, Vertrauen oder andere Mittel für religiöse Zwecke anvertrauen, ist ein ehrlicher und verantwortungsvoller Umgang notwendig. Geistliche Autorität darf niemals als Rechtfertigung dienen, sich über andere zu erheben oder deren Vertrauen auszunutzen.
Auch die Vorschriften über Blut und Fett lehren einen sorgfältigen Umgang mit Gottes Wort. Beide werden im letzten Vers gemeinsam genannt, besitzen jedoch innerhalb der übrigen Bibel unterschiedliche Begründungen und Zusammenhänge. Das Fettverbot betrifft insbesondere die Gott vorbehaltenen Fettteile bestimmter Tierarten, während das Blutverbot bereits vor der Gesetzgebung am Sinai begegnet und später auch im Neuen Testament ausdrücklich erwähnt wird. Daraus ergibt sich eine grundlegende Lektion für das Bibelstudium: Nicht jedes Gebot darf vorschnell verallgemeinert oder ohne Prüfung auf die Gegenwart übertragen werden. Ebenso wenig darf eine ausdrückliche Anweisung übergangen werden, nur weil ihre ursprüngliche Begründung heutigen Lesern zunächst fremd erscheint. Treue zur Schrift verlangt, den gesamten Zusammenhang zu beachten.
Eine besonders wichtige Lektion betrifft den Unterschied zwischen äußerem Frieden und wirklicher Versöhnung. Menschen können nach außen freundlich miteinander umgehen, obwohl ungelöste Schuld, Misstrauen oder bewusstes Unrecht zwischen ihnen stehen. Das Neue Testament beschreibt den Frieden mit Gott deshalb nicht als bloß angenehmes Gefühl. Er beruht auf der Versöhnung durch Jesus Christus. Für zwischenmenschliche Beziehungen lässt sich daraus eine praktische Folgerung ziehen: Echter Frieden kann nicht einfach dadurch hergestellt werden, dass schwierige Wahrheiten verschwiegen oder Verletzungen übergangen werden. Wo Schuld vorliegt, gehören Aufrichtigkeit, die Bereitschaft zur Umkehr und gegebenenfalls Wiedergutmachung zu den Voraussetzungen einer tragfähigen Versöhnung. Allerdings kann ein einzelner Mensch die Wiederherstellung einer Beziehung nicht immer allein bewirken. Die Bibel fordert dazu auf, soweit es an uns liegt, mit allen Menschen in Frieden zu leben (Römer 12,18).
Schließlich zeigt das Friedensopfer, dass Freude und Ehrfurcht einander nicht ausschließen. Manche Menschen verbinden die Nähe zu Gott vor allem mit ernster Pflichterfüllung, während andere den Glauben hauptsächlich nach ihren persönlichen Gefühlen beurteilen. Das biblische Bild ist umfassender. Gottes Güte darf Freude wecken, und seine Heiligkeit verdient Ehrfurcht. Eine lebendige Beziehung zu ihm besteht weder aus bloßer Angst noch aus einer Beliebigkeit, bei der Gottes Wille keine Rolle mehr spielt. Vertrauen, Dankbarkeit und Gehorsam gehören zusammen, weil sie unterschiedliche Seiten derselben Beziehung betreffen.
So führt 3. Mose 3 zu einer Frage, die auch für Christen von Bedeutung bleibt: Ist unser Frieden mit Gott nur eine religiöse Vorstellung, oder prägt die durch Christus geschenkte Versöhnung tatsächlich unser Leben? Wer Gottes Gnade empfängt, darf daraus Hoffnung und Dankbarkeit gewinnen. Zugleich ist er gerufen, diese Beziehung in seinem Umgang mit anderen, in seinen Entscheidungen und in seinem Vertrauen auf Gottes Wort sichtbar werden zu lassen. Das Friedensopfer erinnert innerhalb seines ursprünglichen Bundeszusammenhangs daran, dass Gemeinschaft mit Gott ein kostbares Geschenk ist, das nicht von seiner Heiligkeit getrennt werden kann.