3. Mose 27
Und der HERR redete mit Mose und sprach:
34 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
- 2 Rede mit den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Wenn jemand ein besonderes Gelübde tut, also daß du seinen Leib schätzen mußt,
- 3 so soll dies eine Schätzung sein: ein Mannsbild, zwanzig Jahre alt bis ins sechzigste Jahr, sollst du schätzen auf fünfzig Silberlinge nach dem Lot des Heiligtums,
- 4 ein Weibsbild auf dreißig Silberlinge.
- 5 Von fünf Jahren an bis auf zwanzig Jahre sollst du ihn schätzen auf zwanzig Silberlinge, wenn's ein Mannsbild ist, ein Weibsbild aber auf zehn Silberlinge.
- 6 Von einem Monat an bis auf fünf Jahre sollst du ihn schätzen auf fünf Silberlinge, wenn's ein Mannsbild ist, ein Weibsbild aber auf drei Silberlinge.
- 7 Ist er aber sechzig Jahre alt und darüber, so sollst du ihn schätzen auf fünfzehn Silberlinge, wenn's ein Mannsbild ist, ein Weibsbild aber auf zehn Silberlinge.
- 8 Ist er aber zu arm zu solcher Schätzung, so soll er sich vor den Priester stellen, und der Priester soll ihn schätzen; er soll ihn aber schätzen, nach dem die Hand des, der gelobt hat, erwerben kann.
- 9 Ist's aber ein Vieh, das man dem HERRN opfern kann: alles, was man davon dem HERRN gibt ist heilig.
- 10 Man soll's nicht wechseln noch wandeln, ein gutes um ein böses, oder ein böses um ein gutes. Wird's aber jemand wechseln, ein Vieh um das andere, so sollen sie beide dem HERRN heilig sein.
- 11 Ist aber das Tier unrein, daß man's dem HERRN nicht opfern darf, so soll man's vor den Priester stellen,
- 12 und der Priester soll's schätzen, ob es gut oder böse sei; und es soll bei des Priesters Schätzung bleiben.
- 13 Will's aber jemand lösen, der soll den Fünften über die Schätzung geben.
- 14 Wenn jemand sein Haus heiligt, daß es dem HERRN heilig sei, das soll der Priester schätzen, ob's gut oder böse sei; und darnach es der Priester schätzt, so soll's bleiben.
- 15 So es aber der, so es geheiligt hat, will lösen, so soll er den fünften Teil des Geldes, zu dem es geschätzt ist, draufgeben, so soll's sein werden.
- 16 Wenn jemand ein Stück Acker von seinem Erbgut dem HERRN heiligt, so soll es geschätzt werden nach der Aussaat. Ist die Aussaat ein Homer Gerste, so soll es fünfzig Silberlinge gelten.
- 17 Heiligt er seinen Acker vom Halljahr an, so soll er nach seinem Wert gelten.
- 18 Hat er ihn aber nach dem Halljahr geheiligt, so soll der Priester das Geld berechnen nach den übrigen Jahren zum Halljahr und ihn darnach geringer schätzen.
- 19 Will aber der, so ihn geheiligt hat, den Acker lösen, so soll er den fünften Teil des Geldes, zu dem er geschätzt ist, draufgeben, so soll er sein werden.
- 20 Will er ihn aber nicht lösen, sondern verkauft ihn einem andern, so soll er ihn nicht mehr lösen können;
- 21 sondern derselbe Acker, wenn er im Halljahr frei wird, soll dem HERRN heilig sein wie ein verbannter Acker und soll des Priesters Erbgut sein.
- 22 Wenn aber jemand dem HERRN einen Acker heiligt, den er gekauft hat und der nicht sein Erbgut ist,
- 23 so soll der Priester berechnen, was er gilt bis an das Halljahr; und soll desselben Tages solche Schätzung geben, daß sie dem HERRN heilig sei.
- 24 Aber im Halljahr soll er wieder gelangen an den, von dem er ihn gekauft hat, daß sein Erbgut im Lande sei.
- 25 Alle Schätzung soll geschehen nach dem Lot des Heiligtums; ein Lot aber hat zwanzig Gera.
- 26 Die Erstgeburt unter dem Vieh, die dem HERRN sonst gebührt, soll niemand dem HERRN heiligen, es sei ein Ochs oder Schaf; denn es ist des HERRN.
- 27 Ist es aber unreines Vieh, so soll man's lösen nach seinem Werte, und darübergeben den Fünften. Will er's aber nicht lösen, so verkaufe man's nach seinem Werte.
- 28 Man soll kein Verbanntes verkaufen noch lösen, das jemand dem HERRN verbannt von allem, was sein ist, es seien Menschen, Vieh oder Erbacker; denn alles verbannte ist ein Hochheiliges dem HERRN.
- 29 Man soll auch keinen verbannten Menschen lösen, sondern er soll des Todes sterben.
- 30 Alle Zehnten im Lande von Samen des Landes und von Früchten der Bäume sind des HERRN und sollen dem HERRN heilig sein.
- 31 Will aber jemand seinen Zehnten lösen, der soll den Fünften darübergeben.
- 32 Und alle Zehnten von Rindern und Schafen, von allem, was unter dem Hirtenstabe geht, das ist ein heiliger Zehnt dem HERRN.
- 33 Man soll nicht fragen, ob's gut oder böse sei; man soll's auch nicht wechseln. Wird's aber jemand wechseln, so soll's beides heilig sein und nicht gelöst werden.
- 34 Dies sind die Gebote, die der HERR dem Mose gebot an die Kinder Israel auf dem Berge Sinai.
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Mose 27 bildet den Abschluss des dritten Buches Mose. Nachdem Gott in den vorherigen Kapiteln über Opfer, Reinheit, Heiligkeit, Feste, Sabbatjahre und den Bund gesprochen hat, endet das Buch mit einem sehr praktischen Thema: Gelübden und Weihungen.
Ein Gelübde war ein freiwilliges Versprechen gegenüber Gott. Menschen konnten Personen, Tiere, Häuser oder Land dem Herrn weihen. Gott erklärt, wie mit solchen Gelübden umzugehen war.
Die zentrale Botschaft des Kapitels lautet: Gott nimmt die Worte ernst, die Menschen ihm gegenüber aussprechen. Was Gott geweiht wird, soll nicht leichtfertig behandelt werden.
Warum endet das Buch mit diesem Thema?
Das ist bemerkenswert.
Kapitel 26 endete mit den großen Segnungen und Flüchen des Bundes.
Man würde erwarten, dass das Buch dort endet.
Doch Kapitel 27 zeigt eine wichtige Wahrheit:
Gottes Volk soll nicht nur aus Pflicht gehorchen.
Es soll sich freiwillig Gott hingeben.
Der Bund besteht nicht nur aus Geboten. Er umfasst auch eine persönliche Antwort des Glaubens.
Verse 1–8: Die Weihe von Personen
Wenn jemand ein besonderes Gelübde ablegte und sich oder eine andere Person Gott weihen wollte, wurden bestimmte Werte festgelegt.
Je nach Alter und Geschlecht gab es unterschiedliche Schätzwerte.
Diese Werte hatten nichts mit dem Wert eines Menschen vor Gott zu tun.
Die Bibel lehrt eindeutig, dass alle Menschen nach Gottes Bild geschaffen wurden.
Warum gab es dann Unterschiede?
Die Werte spiegelten die durchschnittliche Arbeits- und Erwerbsfähigkeit innerhalb der damaligen Gesellschaft wider.
Es ging um wirtschaftliche Einschätzung, nicht um geistlichen Wert.
Gott bewertet Menschen nicht nach:
Stärke
Alter
Geschlecht
sozialem Status
Vor Gott sind alle Menschen auf seine Gnade angewiesen.
Vers 8 zeigt Gottes Barmherzigkeit:
Wenn jemand arm war, sollte der Priester die Umstände berücksichtigen.
Selbst bei Gelübden berücksichtigt Gott die Möglichkeiten des Einzelnen.
Verse 9–13: Geweihte Tiere
Wenn jemand ein Tier dem Herrn weihte, durfte er es nicht einfach austauschen.
Warum?
Weil Menschen oft versucht wären, zuerst ein gutes Tier zu versprechen und später ein schlechteres zu geben.
Gott schützt vor solcher Unaufrichtigkeit.
Hier begegnet uns ein zeitloses Prinzip:
Gott möchte Ehrlichkeit.
Er erwartet, dass Menschen zu ihrem Wort stehen.
Heute geschieht Ähnliches, wenn Menschen Gott etwas versprechen und später versuchen, einen Rückzieher zu machen.
Verse 14–25: Häuser und Land
Auch Häuser und Grundstücke konnten Gott geweiht werden.
Dann wurde ihr Wert geschätzt.
Falls der Eigentümer sein Eigentum zurückhaben wollte, musste er zusätzlich ein Fünftel bezahlen.
Dies sollte leichtfertige Gelübde verhindern.
Menschen sollten nicht vorschnell Versprechen machen.
Die Bibel warnt an mehreren Stellen davor.
Prediger 5,4–5 sagt:
„Wenn du Gott ein Gelübde tust, so säume nicht, es zu halten“
Gott hört nicht nur unsere Gebete.
Er hört auch unsere Versprechen.
Eine wichtige geistliche Lektion
Viele Menschen versprechen Gott etwas in schwierigen Zeiten:
„Wenn du mir hilfst, werde ich ..“
„Wenn du mich rettest, dann ..“
„Wenn dieses Problem gelöst wird, werde ich ..“
Oft werden solche Versprechen später vergessen.
Mose 27 erinnert daran, dass Gott unsere Worte ernst nimmt.
Verse 26–27: Die Erstgeburt gehört bereits Gott
Die Erstgeburt durfte nicht zusätzlich geweiht werden.
Warum?
Weil sie bereits Gott gehörte.
Man kann Gott nicht etwas weihen, das ihm schon gehört.
Das ist eine wichtige geistliche Wahrheit.
Alles gehört letztlich Gott.
Unsere Hingabe macht Gott nicht zum Eigentümer.
Sie erkennt lediglich an, dass er bereits Eigentümer ist.
Verse 28–29: Das Verbannte
Hier begegnen wir einem schwierigen Abschnitt.
Bestimmte Dinge konnten völlig dem Herrn geweiht werden.
Solche Weihungen waren unwiderruflich.
Im Zusammenhang des Alten Testaments betraf dies oft Dinge oder Personen, die bereits unter Gottes Gericht standen.
Diese Verse dürfen nicht isoliert gelesen werden.
Sie beziehen sich auf besondere Situationen innerhalb Israels als Bundesnation und auf göttliche Gerichtsentscheidungen.
Es handelt sich nicht um gewöhnliche Gelübde.
Verse 30–33: Der Zehnte
Nun kommt ein Abschnitt von großer Bedeutung.
„Alle Zehnten im Lande ... sind des HERRN“
Der Zehnte gehörte Gott.
Das bedeutet:
Der Zehnte wurde nicht zuerst Eigentum des Menschen und dann eine freiwillige Gabe.
Er gehörte Gott von Anfang an.
Der Zehnte diente vor allem dem Unterhalt der Leviten und dem Dienst am Heiligtum.
Das Prinzip dahinter ist einfach:
Gott versorgt sein Werk durch die Treue seines Volkes.
Die geistliche Bedeutung
Der Zehnte erinnert daran:
Gott ist der Geber.
Gott ist der Eigentümer.
Wir sind Verwalter.
Der Zehnte ist daher nicht nur eine finanzielle Frage.
Er ist eine Frage des Vertrauens.
Wer Gott den ersten Teil gibt, bekennt damit, dass alles von ihm kommt.
Vers 34: Der Abschluss des Buches
Das Buch endet mit den Worten:
„Das sind die Gebote, die der HERR Mose gebot an die Kinder Israel auf dem Berge Sinai“
Damit schließt das dritte Buch Mose.
Nach all den Gesetzen, Opfern, Festen und Vorschriften bleibt eine zentrale Wahrheit bestehen:
Gott wollte ein heiliges Volk haben, das in enger Gemeinschaft mit ihm lebt.
Die prophetische Bedeutung
Mose endet mit dem Gedanken der Hingabe.
Das weist auf eine größere Wahrheit hin.
Im Neuen Testament wird deutlich, dass Gott letztlich nicht zuerst Tiere, Geld oder Besitz sucht.
Er sucht das Herz.
Jesus Christus gab sich vollkommen für die Menschheit hin.
Als Antwort darauf ruft Gott sein Volk zur völligen Hingabe auf.
Nicht als Mittel zur Erlösung.
Sondern als Antwort auf die bereits geschenkte Erlösung.
Gottes Charakter in diesem Kapitel
Dieses Kapitel zeigt einen Gott,
der ehrlich ist,
der Treue liebt,
der Barmherzigkeit zeigt,
der Menschen ernst nimmt,
der freiwillige Hingabe schätzt.
Gott zwingt niemanden zu einem Gelübde.
Aber wenn ein Mensch sich entscheidet, etwas zu versprechen, erwartet Gott Aufrichtigkeit.
Praktische Anwendung für heute
Frage dich:
Halte ich meine Versprechen gegenüber Gott?
Behandle ich mein Wort als etwas Verbindliches?
Sehe ich mich als Verwalter dessen, was Gott mir gegeben hat?
Vertraue ich Gott mit meinen Finanzen?
Habe ich mein Leben wirklich Gott übergeben?
Wichtige Lektionen
Gott nimmt Gelübde und Versprechen ernst.
Freiwillige Hingabe soll aufrichtig sein.
Alles gehört letztlich Gott.
Der Mensch ist Verwalter, nicht Eigentümer.
Gott berücksichtigt die Möglichkeiten jedes Einzelnen.
Treue ist wichtiger als große Versprechen.
Der Zehnte erinnert an Gottes Eigentumsrecht.
Wahre Anbetung umfasst das ganze Leben.
Abschlussgedanke zum gesamten 3. Buch Mose
Mit 3. Mose 27 endet ein Buch, das oft als schwierig angesehen wird. Doch hinter den Opfern, Priestergesetzen, Reinheitsvorschriften und Festen steht eine durchgehende Botschaft:
Gott ist heilig.
Sünde trennt von Gott.
Gott selbst schafft den Weg zur Versöhnung.
Das Heiligtum, die Opfer, die Priester und die Feste weisen alle auf das Erlösungswerk Christi hin. Das Buch endet deshalb passend mit Hingabe. Nachdem Gott gezeigt hat, wie er Sünder retten will, bleibt die Frage an jeden Menschen:
Wird er sich diesem Gott freiwillig anvertrauen?
Das dritte Buch Mose beginnt mit dem Zugang zu Gott durch das Opfer und endet mit der freiwilligen Hingabe an Gott. Dazwischen entfaltet sich ein beeindruckendes Bild des Erlösungsplans, der schließlich seine vollkommene Erfüllung in Christus findet.