3. Mose 21
Und der HERR sprach zu Mose: Sage den Priestern, Aarons Söhnen, und sprich zu ihnen: Ein Priester soll sich an keinem Toten seines Volkes verunreinigen,
24 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Und der HERR sprach zu Mose: Sage den Priestern, Aarons Söhnen, und sprich zu ihnen: Ein Priester soll sich an keinem Toten seines Volkes verunreinigen,
- 2 außer an seinem Blutsfreunde, der ihm am nächsten angehört, als: an seiner Mutter, an seinem Vater, an seinem Sohne, an seiner Tochter, an seinem Bruder
- 3 und an seiner Schwester, die noch eine Jungfrau und noch bei ihm ist und keines Mannes Weib gewesen ist; an der mag er sich verunreinigen.
- 4 Sonst soll er sich nicht verunreinigen an irgend einem, der ihm zugehört unter seinem Volk, daß er sich entheilige.
- 5 Sie sollen auch keine Platte machen auf ihrem Haupt noch ihren Bart abscheren und an ihrem Leib kein Mal stechen.
- 6 Sie sollen ihrem Gott heilig sein und nicht entheiligen den Namen ihres Gottes. Denn sie opfern des HERRN Opfer, das Brot ihres Gottes; darum sollen sie heilig sein.
- 7 Sie sollen keine Hure nehmen noch eine Geschwächte oder die von ihrem Mann verstoßen ist; denn er ist heilig seinem Gott.
- 8 Darum sollst du ihn heilig halten, denn er opfert das Brot deines Gottes; er soll dir heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, der euch heiligt.
- 9 Wenn eines Priesters Tochter anfängt zu huren, die soll man mit Feuer verbrennen; denn sie hat ihren Vater geschändet.
- 10 Wer Hoherpriester ist unter seinen Brüdern, auf dessen Haupt das Salböl gegossen und dessen Hand gefüllt ist, daß er angezogen würde mit den Kleidern, der soll sein Haupt nicht entblößen und seine Kleider nicht zerreißen
- 11 und soll zu keinem Toten kommen und soll sich weder über Vater noch über Mutter verunreinigen.
- 12 Aus dem Heiligtum soll er nicht gehen, daß er nicht entheilige das Heiligtum seines Gottes; denn die Weihe des Salböls seines Gottes ist auf ihm. Ich bin der HERR.
- 13 Eine Jungfrau soll er zum Weibe nehmen;
- 14 aber keine Witwe noch Verstoßene noch Geschwächte noch Hure, sondern eine Jungfrau seines Volks soll er zum Weibe nehmen,
- 15 auf daß er nicht seinen Samen entheilige unter seinem Volk; denn ich bin der HERR, der ihn heiligt.
- 16 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
- 17 Rede mit Aaron und sprich: Wenn an jemand deiner Nachkommen in euren Geschlechtern ein Fehl ist, der soll nicht herzutreten, daß er das Brot seines Gottes opfere.
- 18 Denn keiner, an dem ein Fehl ist, soll herzutreten; er sei blind, lahm, mit einer seltsamen Nase, mit ungewöhnlichem Glied,
- 19 oder der an einem Fuß oder einer Hand gebrechlich ist
- 20 oder höckerig ist oder ein Fell auf dem Auge hat oder schielt oder den Grind oder Flechten hat oder der gebrochen ist.
- 21 Welcher nun von Aarons, des Priesters, Nachkommen einen Fehl an sich hat, der soll nicht herzutreten, zu opfern die Opfer des HERRN; denn er hat einen Fehl, darum soll er zu dem Brot seines Gottes nicht nahen, daß er es opfere.
- 22 Doch soll er das Brot seines Gottes essen, von dem Heiligen und vom Hochheiligen.
- 23 Aber zum Vorhang soll er nicht kommen noch zum Altar nahen, weil der Fehl an ihm ist, daß er nicht entheilige mein Heiligtum; denn ich bin der HERR, der sie heiligt.
- 24 Und Mose redete solches zu Aaron und zu seinen Söhnen und zu allen Kindern Israel.
Kapitelüberblick
Wer als Priester vor Gott diente, musste besondere Anforderungen an seine Lebensführung beachten. In 3. Mose 21 legt Gott fest, wie die Nachkommen Aarons mit Todesfällen, Trauerbräuchen und familiären Beziehungen umgehen sollen. Dabei unterscheidet er zwischen den gewöhnlichen Priestern und dem Hohenpriester, für den noch strengere Vorschriften gelten. Auch die Verantwortung der priesterlichen Familie wird angesprochen.
Der zweite Teil des Kapitels behandelt die körperlichen Voraussetzungen für den Dienst am Altar. Bestimmte körperliche Gebrechen schließen einen Nachkommen Aarons von einzelnen priesterlichen Aufgaben aus. Dennoch bleibt ihm das Recht erhalten, von den heiligen Opfergaben zu essen. Diese Unterscheidung ist entscheidend für das Verständnis der Vorschriften.
Im Mittelpunkt steht Gottes Heiligkeit. Die Priester sollten durch ihren Dienst und ihre Lebensführung erkennen lassen, dass sie dem HERRN geweiht waren und mit den heiligen Dingen seines Heiligtums verantwortlich umgehen mussten.
Einführung
Seit der Einsetzung Aarons und seiner Söhne hatte Gott bestimmten Männern aus dem Stamm Levi den priesterlichen Opferdienst anvertraut. Die Anweisungen dafür finden sich bereits in 2. Mose 28–29. In 3. Mose 8 wird anschließend beschrieben, wie Aaron und seine Söhne für ihren Dienst geweiht wurden. Ihre Aufgabe bestand darin, die vorgeschriebenen Opfer darzubringen, mit den heiligen Gaben umzugehen und das Volk im Unterschied zwischen heilig und gewöhnlich, rein und unrein zu unterweisen (3. Mose 10,10–11).
Diese Verantwortung erklärt, weshalb für Priester besondere Vorschriften galten. Sie standen nicht außerhalb der Gebote, die Gott seinem gesamten Volk gegeben hatte, sondern trugen aufgrund ihres Dienstes zusätzliche Verpflichtungen. Auch die Unterscheidung zwischen gewöhnlichen Priestern und dem Hohenpriester war bereits in der Einrichtung des Heiligtums angelegt.
Zum Verständnis des Kapitels ist außerdem wichtig, dass rituelle Unreinheit nicht grundsätzlich mit persönlicher Sünde gleichzusetzen ist. Der Kontakt mit einem Verstorbenen konnte einen Menschen nach dem Gesetz unrein machen, ohne dass der betreffende Mensch dadurch etwas moralisch Verwerfliches getan hatte. Für den priesterlichen Dienst galten jedoch besondere Grenzen, weil der Umgang mit dem Heiligtum an vorgeschriebene Reinheitsbedingungen gebunden war.
Die folgenden Anweisungen betreffen somit eine konkrete Ordnung des alten Bundes. Sie müssen zunächst innerhalb dieses Zusammenhangs verstanden werden, bevor nach ihrer weiterführenden Bedeutung gefragt wird. Den Ausgangspunkt bildet die Frage, wann ein Priester trotz seiner besonderen Verpflichtungen beim Tod naher Angehöriger rituelle Unreinheit auf sich nehmen durfte.
3. Mose 21,1–4
Totenunreinheit und die Ausnahmen für nahe Angehörige
Gott beginnt seine Anweisungen mit einer Vorschrift, die den Umgang der Priester mit Verstorbenen betrifft. Mose soll den Söhnen Aarons erklären, dass sie sich nicht durch den Kontakt mit einem Toten verunreinigen dürfen. Nach der israelitischen Reinheitsordnung führte die Berührung eines Leichnams zu ritueller Unreinheit, wie besonders 4. Mose 19,11–16 erläutert. Diese Unreinheit war nicht automatisch eine persönliche Sünde. Der Tod eines Angehörigen gehörte zum menschlichen Leben, und die Trauer darüber war nichts Verwerfliches. Für die Priester galten jedoch zusätzliche Einschränkungen, weil sie am Heiligtum dienten und dort mit den heiligen Opfergaben umgingen. Ihre besondere Stellung verlangte, dass sie auch bei Todesfällen auf die vorgeschriebenen Reinheitsgrenzen achteten.
Das hebräische Wort nefesch, das in Vers 1 verwendet wird, bedeutet häufig „Seele“, „Leben“ oder „Person“. In diesem Zusammenhang bezeichnet es jedoch einen Verstorbenen beziehungsweise dessen Leichnam. Der Vers spricht deshalb nicht von einer geheimnisvollen Verunreinigung durch die Seele eines Toten, sondern von der rituellen Unreinheit, die mit einem Todesfall und dem entsprechenden Kontakt verbunden war. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Reinheitsvorschriften nicht als Lehre über eine von ihrem Körper getrennt weiterlebende Seele verstanden werden dürfen. Der unmittelbare Zusammenhang behandelt den Umgang mit Verstorbenen und die damit verbundenen Anforderungen an den priesterlichen Dienst.
In Vers 2 macht Gott ausdrücklich Ausnahmen für die nächsten Angehörigen eines Priesters. Genannt werden seine Mutter, sein Vater, sein Sohn, seine Tochter und sein Bruder. Bei ihrem Tod durfte sich ein gewöhnlicher Priester verunreinigen. Damit wird deutlich, dass seine besondere Berufung nicht jede familiäre Verpflichtung aufhob. Der priesterliche Dienst war mit Einschränkungen verbunden, aber die engsten Beziehungen innerhalb der Familie behielten ihre Bedeutung. Das Gesetz berücksichtigt deshalb die besondere Nähe zwischen Eltern und Kindern sowie unter Geschwistern. Die Erlaubnis betrifft allerdings die ausdrücklich genannten Angehörigen und darf nicht ohne Weiteres auf jeden entfernteren Verwandten ausgeweitet werden.
Vers 3 ergänzt die unverheiratete Schwester, die dem Priester besonders nahesteht. Der hebräische Text verwendet das Wort betulah, das gewöhnlich eine Jungfrau bezeichnet, und erklärt zusätzlich, dass sie noch keinem Mann gehört hat. Im Zusammenhang ist damit eine Schwester gemeint, die noch nicht verheiratet ist. Auch bei ihrem Tod darf der Priester die sonst geltende Reinheitsgrenze überschreiten. Auffällig ist, dass der Bruder in Vers 2 ohne eine entsprechende Einschränkung genannt wird, während bei der Schwester ausdrücklich ihr unverheirateter Zustand berücksichtigt wird. Das verweist auf die damaligen familiären Verhältnisse, in denen sich die rechtliche und gesellschaftliche Zugehörigkeit einer Frau durch ihre Eheschließung veränderte. Die Vorschrift bedeutet nicht, dass eine verheiratete Schwester ihrem Bruder persönlich weniger wert gewesen wäre. Sie legt fest, bei welchen Angehörigen der Priester nach der besonderen Reinheitsordnung eine Ausnahme beanspruchen durfte.
Eine Schwierigkeit entsteht in Vers 4. Schlachter 1951 spricht hier vom „Vorgesetzten“ innerhalb seines Volkes, der sich nicht verunreinigen und dadurch entweihen soll. Der hebräische Ausdruck ba'al be'ammav lässt jedoch unterschiedliche Deutungen zu. Ba'al kann unter anderem einen Herrn, einen Ehemann oder eine Person mit besonderer Stellung bezeichnen. Nach einer Auslegung wird nochmals betont, dass ein Priester aufgrund seiner herausgehobenen Stellung keine unerlaubte Totenverunreinigung auf sich nehmen darf. Eine andere Deutung versteht den Vers im Zusammenhang mit seinen ehelichen Beziehungen. Besonders in der jüdischen Auslegung wird dabei unterschieden, ob es sich um seine rechtmäßig geheiratete Ehefrau oder um eine Frau handelt, deren Heirat ihm als Priester untersagt gewesen wäre.
Diese Frage ist deshalb bedeutsam, weil die Ehefrau in der ausdrücklichen Aufzählung der Verse 2–3 nicht gesondert genannt wird. Nach traditioneller jüdischer Auslegung kann der Ausdruck für einen nahen Angehörigen in Vers 2 auch die Ehefrau einschließen. Vers 4 würde dann verhindern, dass diese Ausnahme auf eine unerlaubte eheliche Verbindung ausgedehnt wird. Andere Ausleger sehen darin keine besondere Vorschrift über die Ehefrau, sondern eine abschließende Betonung der priesterlichen Reinheit. Der hebräische Wortlaut entscheidet zwischen diesen Deutungen nicht eindeutig. Für die Erklärung ist daher festzuhalten, dass Gott bestimmte familiäre Ausnahmen ausdrücklich zulässt, während die genaue Bedeutung von Vers 4 umstritten bleibt. Weder ein uneingeschränktes Verbot noch eine ausdrücklich formulierte Erlaubnis für jeden denkbaren Fall lässt sich allein aus diesem Vers sicher ableiten.
Der Unterschied zwischen gewöhnlichen Priestern und dem Hohenpriester wird im weiteren Verlauf des Kapitels noch deutlicher. Nach Vers 10–11 durfte der Hohepriester selbst beim Tod seines Vaters oder seiner Mutter keine entsprechende Totenverunreinigung auf sich nehmen. Damit unterlag er strengeren Anforderungen als die übrigen Nachkommen Aarons. Eine ähnliche Vorschrift begegnet in 4. Mose 6,6–7 bei Menschen, die für eine bestimmte Zeit ein Nasiräergelübde abgelegt hatten. Auch sie sollten sich während ihrer besonderen Weihe nicht einmal durch den Tod naher Angehöriger verunreinigen. Diese Parallele zeigt, dass die Einschränkungen nicht aus einer Geringschätzung der Familie hervorgingen, sondern mit einer besonderen, durch Gottes Gesetz festgelegten Weihe verbunden waren.
Die ersten vier Verse verbinden somit zwei Anliegen, die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Einerseits soll der priesterliche Dienst durch die Beachtung der Reinheitsgebote geschützt werden. Andererseits erkennt Gott die Bedeutung engster familiärer Beziehungen ausdrücklich an. Die gewöhnlichen Priester dürfen bei bestimmten Todesfällen Aufgaben übernehmen, die mit ritueller Unreinheit verbunden sind. Das Kapitel verbietet ihnen deshalb weder die Liebe zu ihren Angehörigen noch die Trauer um Verstorbene. Es legt vielmehr besondere Grenzen für Menschen fest, die zum Dienst am Heiligtum berufen waren. Wie diese Zugehörigkeit zu Gott auch die äußeren Trauerbräuche und das persönliche Verhalten der Priester prägen sollte, zeigen die folgenden Verse.
3. Mose 21,5–6
Verbotene Trauerzeichen und die besondere Heiligkeit der Priester
Nach den Vorschriften über den Kontakt mit Verstorbenen richtet Gott den Blick auf bestimmte äußere Zeichen der Trauer. Die Priester sollen sich keine kahlen Stellen auf dem Kopf scheren, die Ränder ihres Bartes nicht abschneiden und keine Einschnitte an ihrem Körper vornehmen. Solche Handlungen waren im Alten Orient als Ausdruck von Trauer und Klage bekannt. Besonders das Abschneiden von Haaren und das Verletzen der eigenen Haut konnten den Schmerz über einen Todesfall sichtbar machen. Gott verbietet den Priestern jedoch diese bestimmten Formen der Trauer. Ihre besondere Stellung vor ihm sollte sich nicht nur im Umgang mit Verstorbenen, sondern auch darin zeigen, wie sie ihrem Schmerz Ausdruck verliehen.
Das Verbot, sich eine Glatze zu machen, bezeichnet in diesem Zusammenhang das absichtliche Abscheren der Haare als Trauerzeichen. Gemeint ist nicht der natürliche Verlust der Haare und auch nicht grundsätzlich jede Veränderung der Frisur. Das hebräische Wort qorchah beschreibt eine kahle Stelle, die bewusst hergestellt werden kann. Eine wichtige Parallele findet sich in 5. Mose 14,1–2. Dort wird den Israeliten untersagt, sich wegen eines Toten Einschnitte zu machen oder sich zwischen den Augen kahl zu scheren. Die Formulierung „zwischen den Augen“ bezeichnet dabei den vorderen Kopfbereich beziehungsweise den Haaransatz und nicht das Entfernen der Augenbrauen. Diese Vorschrift richtet sich ausdrücklich an das gesamte Volk. Bestimmte Trauerbräuche waren somit nicht allein den Priestern verboten. In 3. Mose 21 werden sie jedoch besonders mit den Anforderungen ihres heiligen Dienstes verbunden.
Auch das Abschneiden der Bartränder gehört zu den genannten Verboten. Bereits in 3. Mose 19,27 hatte Gott den Israeliten untersagt, die Ränder ihres Bartes zu verderben. Der Zusammenhang von 3. Mose 21,5 legt nahe, dass hier insbesondere eine bestimmte Form des Bartabschneidens als Trauerzeichen gemeint ist. Daraus sollte nicht vorschnell ein allgemeines Verbot jeder gewöhnlichen Bartpflege abgeleitet werden. Allerdings darf der weitere Wortlaut aus Kapitel 19 auch nicht einfach auf einen Trauerbrauch beschränkt werden, ohne seinen eigenen Zusammenhang zu prüfen. Für die vorliegende Stelle ist entscheidend, dass Gott die Priester davor bewahren will, bestimmte körperliche Zeichen der Trauer zu übernehmen.
Das dritte Verbot betrifft Einschnitte in die Haut. Der hebräische Ausdruck beschreibt absichtlich zugefügte Verletzungen des Körpers. Solche Handlungen konnten in der damaligen Welt mit intensiver Trauer oder religiösen Vorstellungen verbunden sein. In 1. Könige 18,28 wird beispielsweise berichtet, dass die Baalspropheten sich bei der Anrufung ihres Gottes mit Messern und Spießen verletzten. Diese Erzählung zeigt, dass Selbstverletzungen auch im Zusammenhang mit fremden Kulten vorkamen. Sie beweist jedoch nicht, dass jeder Einschnitt bei einem Todesfall automatisch denselben religiösen Hintergrund hatte. Bereits 3. Mose 19,28 enthält ein ausdrückliches Verbot von Einschnitten wegen Verstorbener. Die Vorschrift aus Kapitel 21 steht somit innerhalb einer umfassenderen Ordnung, durch die Gott bestimmte körperliche Praktiken untersagte.
Dabei darf das Verbot solcher Trauerzeichen nicht mit einem Verbot der Trauer selbst verwechselt werden. Die Bibel berichtet wiederholt von Menschen, die über den Tod eines Angehörigen weinten, klagten oder ihre Kleider zerrissen. Abraham trauerte um Sara (1. Mose 23,2), und auch David brachte seinen Schmerz über den Tod Absaloms zum Ausdruck (2. Samuel 18,33). Solche Berichte zeigen, dass Trauer zum menschlichen Leben gehört und nicht grundsätzlich als mangelndes Vertrauen auf Gott beurteilt wird. Die Priester sollten ihre Gefühle nicht verleugnen. Ihnen wurden vielmehr bestimmte Ausdrucksformen untersagt, die mit ihrer besonderen Weihe unvereinbar waren. Der Text begründet dies nicht mit der Behauptung, dass ein Mensch, der Gott vertraut, beim Tod eines Angehörigen keinen tiefen Schmerz empfinden dürfe.
Vers 6 erklärt den eigentlichen Grund für diese Anforderungen. Die Priester sollen ihrem Gott heilig sein und seinen Namen nicht entweihen. Denn sie bringen die Feueropfer des HERRN dar, die hier als das Brot ihres Gottes bezeichnet werden. Dieser Ausdruck begegnet bereits in Vers 8 und beschreibt die Opfergaben, die Gott nach der vorgeschriebenen Ordnung dargebracht werden. Er bedeutet nicht, dass Gott menschliche Nahrung zum Leben benötigt. Vielmehr gehört die Bezeichnung zur Sprache des Opferdienstes und unterstreicht die besondere Heiligkeit der Gaben. Weil die Priester mit diesen heiligen Dingen umgingen, sollte auch ihre Lebensführung dem Gott entsprechen, dem sie dienten. Ihr persönliches Verhalten war damit nicht völlig von ihrer öffentlichen Aufgabe zu trennen.
Bemerkenswert ist die wiederholte Aufforderung zur Heiligkeit. Bereits in Vers 6 erklärt Gott, dass die Priester heilig sein sollen; in Vers 8 wird derselbe Gedanke noch einmal aufgenommen und ausdrücklich mit Gottes eigener Heiligkeit verbunden. Die Vorschriften über Trauer und äußeres Erscheinungsbild stehen deshalb nicht für sich allein. Sie gehören zu einer Berufung, die den gesamten priesterlichen Dienst bestimmte. Die Priester sollten Gottes Namen nicht dadurch entweihen, dass sie die besonderen Grenzen ihrer Weihe missachteten. Das Verbot bestimmter Trauerbräuche sollte sichtbar machen, dass ihr Leben auch im Umgang mit dem Tod unter Gottes Weisungen stand.
Für das heutige Verständnis ist zwischen diesen konkreten Vorschriften der israelitischen Priesterordnung und dem dahinterstehenden geistlichen Anliegen zu unterscheiden. Die Bibel verlangt nicht, dass Christen sämtliche damaligen Haar- und Bartvorschriften als unmittelbare Regeln für ihre eigene Lebensführung übernehmen. Ebenso wenig sollte aus diesen Versen abgeleitet werden, dass bestimmte Frisuren oder Formen gewöhnlicher Körperpflege grundsätzlich sündhaft seien. Entscheidend ist zunächst der historische Zusammenhang: Gott hatte Männer für einen besonderen Dienst ausgesondert und ihnen entsprechende Grenzen gesetzt. Ihre Trauer sollte nicht durch Praktiken ausgedrückt werden, die er ihnen untersagt hatte. Damit erinnert der Abschnitt daran, dass selbst in Zeiten persönlicher Erschütterung Gottes Wille Bedeutung behält, ohne den menschlichen Schmerz geringzuschätzen.
3. Mose 21,7–8
Ehevorschriften und die Verantwortung des priesterlichen Amtes
Nachdem Gott den Priestern bestimmte Trauerbräuche untersagt hat, wendet er sich in Vers 7 ihrer Eheschließung zu. Die Nachkommen Aarons dürfen nicht jede Frau heiraten, die ein anderer Israelit nach den allgemeinen Ehegesetzen zur Frau nehmen könnte. Ausgeschlossen werden eine Hure, eine als entehrt bezeichnete Frau und eine Frau, die von ihrem Ehemann verstoßen wurde. Als Begründung nennt Gott erneut die besondere Heiligkeit des Priesters. Die Vorschrift richtet sich also nicht gegen die Ehe selbst. Auch die Priester durften heiraten und Familien gründen. Ihre besondere Stellung am Heiligtum brachte jedoch zusätzliche Einschränkungen mit sich, die über die allgemeinen Bestimmungen für das Volk hinausgingen.
Die ersten beiden Bezeichnungen verdienen eine genauere Betrachtung. Das hebräische Wort zonah, das Schlachter 1951 mit „Hure“ wiedergibt, bezeichnet häufig eine Prostituierte. In der späteren jüdischen Rechtsauslegung wird der Begriff allerdings weiter gefasst und auf bestimmte unerlaubte sexuelle Beziehungen bezogen. Daneben steht chalalah, eine Frau, deren Stellung als entweiht bezeichnet wird. Dieses Wort gehört zum hebräischen Wortstamm chalal, der bereits in Vers 6 für das Entweihen des göttlichen Namens verwendet wurde. Im Zusammenhang mit den Ehevorschriften bezeichnet es einen besonderen rechtlichen Status. Die jüdische Auslegung versteht darunter unter anderem eine Frau, deren Herkunft oder frühere Verbindung nach den priesterlichen Ehegesetzen als unzulässig galt. Damit ist chalalah nicht einfach ein anderes Wort für Prostitution. Die beiden Ausdrücke dürfen ebenso wenig ohne nähere Prüfung auf jede Frau angewendet werden, die eine belastende sexuelle Erfahrung gemacht hat.
Als dritte Gruppe nennt Gott Frauen, die von ihrem Mann verstoßen wurden. Das hebräische geruschah bezeichnet eine geschiedene beziehungsweise aus der Ehe entlassene Frau. Bemerkenswert ist, dass der Vers nicht nach dem Grund der Scheidung fragt. Er sagt auch nicht, dass jede geschiedene Frau persönlich an der Auflösung ihrer Ehe schuldig gewesen sein müsse. Nach 5. Mose 24,1–4 war eine Scheidung innerhalb der damaligen Rechtsordnung unter bestimmten Voraussetzungen möglich und wurde ausdrücklich rechtlich behandelt. Das Verbot aus 3. Mose 21,7 bedeutet deshalb nicht, dass eine geschiedene Frau grundsätzlich keine neue Ehe eingehen durfte. Es betrifft vielmehr die besondere Partnerwahl eines Nachkommen Aarons. Eine zusätzliche Einschränkung für den priesterlichen Dienst darf nicht zu einem allgemeinen Urteil über die Würde oder den moralischen Wert geschiedener Frauen gemacht werden.
Bei diesen Vorschriften ist außerdem zwischen den gewöhnlichen Priestern und dem Hohenpriester zu unterscheiden. In Vers 7 wird noch nicht verlangt, dass jeder Priester ausschließlich eine Jungfrau heiraten müsse. Diese weitergehende Bestimmung erscheint erst in den Versen 13–14 und betrifft ausdrücklich den Hohenpriester. Dort wird auch die Witwe als mögliche Ehefrau ausgeschlossen. Das gewöhnliche Priestertum unterlag somit besonderen Ehegesetzen, während für den Hohenpriester nochmals strengere Anforderungen galten. Diese Unterscheidung zeigt, dass Gott innerhalb des priesterlichen Dienstes unterschiedliche Verantwortungsstufen festgelegt hatte. Die Anforderungen an den Hohenpriester dürfen deshalb nicht rückwirkend auf sämtliche Nachkommen Aarons übertragen werden.
Vers 8 enthält anschließend einen bemerkenswerten Wechsel der Anrede. Während bisher von den Priestern in der Mehrzahl gesprochen wurde, heißt es nun: „Darum sollst du ihn für heilig halten“. Der hebräische Ausdruck weqiddaschto steht ebenfalls in der Einzahl und richtet die Aufforderung an denjenigen, der dem Priester gegenübersteht. Damit geht es nicht mehr nur darum, wie sich die Priester selbst verhalten sollen. Auch das Volk trägt Verantwortung dafür, die besondere Stellung der Priester anzuerkennen. Der Priester ist nicht deshalb heilig, weil er sich selbst für wichtiger hält als andere Menschen. Er wurde für einen Dienst ausgesondert, den Gott ihm übertragen hatte. Die Israeliten sollten diese Berufung achten und den Umgang mit den heiligen Dingen nicht als gewöhnliche menschliche Angelegenheit betrachten.
Als Begründung erklärt Gott, dass der Priester das Brot ihres Gottes darbringt. Mit diesem Ausdruck sind die Opfergaben gemeint, die nach Gottes Weisung am Heiligtum dargebracht wurden. Bereits in Vers 6 war dieselbe Verbindung zwischen Opferdienst und Heiligkeit hergestellt worden. Nun wird daraus auch eine Verpflichtung für das Volk abgeleitet. Wer die Priester in ihrem von Gott angeordneten Dienst achtete, erkannte damit zugleich die Bedeutung des Heiligtums und der dort dargebrachten Opfer an. Dennoch verlieh das Priesteramt seinen Trägern keine uneingeschränkte persönliche Autorität. Die spätere Geschichte zeigt, dass Priester selbst schuldig werden und ihren Auftrag missbrauchen konnten. Besonders Maleachi 2,7–9 wirft den Priestern vor, Gottes Weisung verdorben und viele Menschen zu Fall gebracht zu haben. Die Achtung des göttlich eingesetzten Amtes bedeutete deshalb nicht, dass jedes Verhalten eines Priesters gerechtfertigt gewesen wäre.
Am Ende des Verses begründet Gott die Forderung mit seiner eigenen Heiligkeit: Er ist der HERR, der sein Volk heiligt. Hier verbindet sich die besondere Stellung der Priester mit der Berufung ganz Israels. Die Priester sollten Gott heilig sein, weil sie vor ihm dienten; das Volk sollte sie als heilig achten, weil Gott selbst heilig ist und Israel zu seinem Eigentum gemacht hat. Heiligkeit wird damit nicht allein als eine Leistung beschrieben, die Menschen durch das Befolgen äußerer Vorschriften erreichen. Sie hat ihren Ursprung in Gottes Handeln. Er bestimmt Menschen für seinen Dienst und legt fest, wie sie mit dieser Berufung umgehen sollen.
Die beiden Verse machen somit deutlich, dass die Verantwortung der Priester nicht am Eingang des Heiligtums endete. Auch ihre Ehe und ihr Familienleben standen unter besonderen Anforderungen. Zugleich sollte das Volk die ihnen übertragene Aufgabe achten, ohne daraus eine unfehlbare Stellung der einzelnen Amtsträger abzuleiten. Für das heutige Verständnis bleibt besonders wichtig, zwischen den historischen Ehevorschriften des aaronitischen Priestertums und allgemeinen Maßstäben für menschliche Beziehungen zu unterscheiden. Gottes Heiligkeit darf weder zur Geringschätzung bestimmter Menschen noch zur Rechtfertigung geistlichen Machtmissbrauchs verwendet werden. Der eigentliche Grundgedanke liegt darin, dass eine von Gott übertragene Verantwortung einen entsprechenden Umgang mit dem eigenen Leben verlangt.
3. Mose 21,9
Die Verfehlung einer Priestertochter und die angeordnete Strafe
Nach den Ehevorschriften für die Priester behandelt Gott eine schwere sexuelle Verfehlung innerhalb ihrer Familie. In Vers 9 wird ausdrücklich die Tochter eines Priesters angesprochen. Wenn sie sich durch Unzucht entweiht, entweiht sie nach dem Gesetz zugleich ihren Vater und soll mit Feuer bestraft werden. Diese Bestimmung gehört zu den strengsten Strafvorschriften des dritten Mosebuches. Sie steht unmittelbar nach der Erklärung, dass die Priester heilig sein sollen, weil sie vor Gott dienen und seine Opfergaben darbringen. Der Zusammenhang macht deutlich, weshalb die Handlung hier eine besondere Bedeutung erhält: Die Lebensführung der priesterlichen Familie war eng mit der öffentlichen Stellung des Vaters und seiner Verantwortung am Heiligtum verbunden.
Das hebräische Verb zanah, das dem Ausdruck für Unzucht zugrunde liegt, kann unterschiedliche unerlaubte sexuelle Handlungen bezeichnen. Häufig beschreibt es Prostitution, wie beispielsweise in 1. Mose 38,15. An anderen Stellen wird derselbe Wortstamm jedoch auch für sexuelle Beziehungen verwendet, die gegen bestehende eheliche Verpflichtungen verstoßen. In 3. Mose 21,9 wird deshalb unterschiedlich beurteilt, ob ausdrücklich Prostitution gemeint ist oder ob die Vorschrift einen weiter gefassten sexuellen Tatbestand behandelt. Der Text nennt weder den beteiligten Mann noch die näheren Umstände der Handlung. Es wäre daher zu weitgehend, aus dem verwendeten Wort allein sämtliche Einzelheiten des Vergehens ableiten zu wollen.
Die traditionelle jüdische Rechtsauslegung versteht diesen Vers insbesondere im Zusammenhang mit dem Ehebruch einer verlobten oder verheirateten Priestertochter. Dabei entstanden unterschiedliche Auffassungen darüber, für welche dieser beiden Gruppen die besondere Feuerstrafe gelten sollte. Die rabbinischen Gelehrten unterschieden außerdem zwischen den allgemeinen Strafbestimmungen bei Ehebruch und der besonderen Vorschrift für die Tochter eines Priesters. Diese Auslegung zeigt, dass der Vers nicht einfach als Strafe für jede sexuelle Handlung einer unverheirateten Frau verstanden werden muss. Allerdings enthält der unmittelbare hebräische Wortlaut die genaue Unterscheidung zwischen Verlobung und Ehe nicht ausdrücklich. Die späteren rechtlichen Erklärungen helfen deshalb, die Auslegungsgeschichte zu verstehen, dürfen aber nicht ohne Weiteres mit dem ursprünglichen Gesetzestext gleichgesetzt werden.
Besonders auffällig ist die doppelte Verwendung des hebräischen Wortstammes chalal, der das Entweihen oder Entheiligen bezeichnet. Zunächst wird erklärt, dass die Tochter sich selbst entweiht. Anschließend heißt es, dass sie dadurch ihren Vater entweiht. Die zweite Aussage bedeutet nicht, dass der Vater persönlich dieselbe Handlung begangen hätte. Vielmehr wird seine besondere Stellung als Priester berührt. Er gehörte zu den Männern, die vor Gott dienten und mit heiligen Opfergaben umgingen. Eine schwerwiegende Verfehlung innerhalb seiner Familie konnte deshalb auch seine öffentliche Ehre beeinträchtigen. Der Vers beschreibt diese Verbindung, ohne ausdrücklich anzuordnen, dass der Vater dadurch sein Priesteramt verliert oder selbst bestraft werden müsse.
Am Ende wird die Bestrafung durch Feuer genannt. Der hebräische Ausdruck ba'esch tissaref bezeichnet eine Feuerstrafe und ist in diesem Zusammenhang als ernsthafte rechtliche Anordnung zu verstehen. Eine vergleichbare Bestimmung begegnet in 3. Mose 20,14 bei der verbotenen Verbindung eines Mannes mit einer Frau und deren Mutter. Auch in 1. Mose 38,24 fordert Juda zunächst, Tamar wegen einer vermeintlichen sexuellen Verfehlung verbrennen zu lassen. Diese Erzählung liegt jedoch lange vor der Gesetzgebung am Sinai und beschreibt keine Anwendung der späteren priesterlichen Vorschriften. Die Ähnlichkeit der Strafart berechtigt deshalb nicht dazu, beide Fälle in allen Einzelheiten gleichzusetzen.
Wie die Feuerstrafe in 3. Mose 21,9 ursprünglich vollstreckt werden sollte, wird nicht beschrieben. Der Vers nennt weder einen Scheiterhaufen noch eine andere konkrete Vorgehensweise. Die spätere jüdische Rechtsauslegung entwickelte besondere Bestimmungen für eine Hinrichtung durch Feuer, die nicht in jeder Hinsicht einem Verbrennen des gesamten Körpers entsprechen. Solche Überlieferungen sind für die Rechtsgeschichte bedeutsam, liefern aber keine sichere Beschreibung der ursprünglichen Vollstreckung zur Zeit Moses. Für die Auslegung genügt deshalb die Feststellung, dass eine besonders schwere Strafe ausdrücklich angeordnet wird, während die Einzelheiten ihres Vollzugs offenbleiben.
Eine weitere Frage betrifft die Verantwortung der beteiligten Personen. Vers 9 nennt ausschließlich die Tochter des Priesters und die besondere Folge ihrer Handlung. Daraus darf nicht geschlossen werden, dass der beteiligte Mann grundsätzlich schuldlos oder nach anderen Gesetzen von jeder Verantwortung ausgenommen gewesen wäre. Bereits 3. Mose 20,10 bestimmt bei Ehebruch ausdrücklich eine Strafe für beide schuldhaft Beteiligten. Ebenso wenig behandelt Vers 9 den Fall, dass eine Frau Opfer sexueller Gewalt wird. Die Unterscheidung zwischen einem Täter und einer Frau, die gegen ihren Willen zu einer sexuellen Handlung gezwungen wird, ist jedoch innerhalb der Tora bekannt (5. Mose 22,25–27). Deshalb darf die Bestimmung nicht dazu verwendet werden, Menschen allein aufgrund erlittener sexueller Gewalt eine persönliche Schuld zuzuschreiben.
Für die heutige Auslegung ist entscheidend, die historische Strafordnung Israels von der bleibenden Frage nach persönlicher Verantwortung zu unterscheiden. Die Feuerstrafe gehörte zur damaligen Gesetzgebung und begründet keine Befugnis, Menschen wegen sexueller Verfehlungen eigenmächtig Gewalt anzutun. Ebenso wenig bedeutet die besondere Stellung einer Priesterfamilie, dass die Ehre eines religiösen Amtsträgers wichtiger wäre als der gerechte Umgang mit seinen Angehörigen. Gerade weil geistliche Verantwortung ernst zu nehmen ist, dürfen Schuld, persönliche Würde und die tatsächlichen Umstände einer Handlung nicht miteinander vermischt werden. Der Vers zeigt, dass Gott auch das Verhalten innerhalb der priesterlichen Familie in die Anforderungen der Heiligkeit einbezog. Mit den folgenden Versen richtet sich der Blick schließlich auf den Hohenpriester, dessen besondere Weihe noch strengere Verpflichtungen mit sich brachte.
3. Mose 21,10–12
Der Hohepriester und seine besonderen Pflichten bei Todesfällen
Nachdem Gott die Vorschriften für die gewöhnlichen Priester und ihre Familien erläutert hat, richtet er sich nun an den Hohenpriester. Seine Stellung innerhalb des Priestertums war besonders, weil ihm Aufgaben anvertraut waren, die kein anderer Priester in gleicher Weise ausführen durfte. Das zeigte sich vor allem am Versöhnungstag, an dem er nach 3. Mose 16 das Allerheiligste betreten musste, um die vorgeschriebenen Sühnhandlungen zu vollziehen. In 3. Mose 21,10 wird er als der Hohepriester unter seinen Brüdern bezeichnet. Er gehörte also selbst zur Priesterfamilie, nahm innerhalb dieser Gemeinschaft jedoch eine herausgehobene Stellung ein. Diese besondere Berufung brachte zusätzliche Verpflichtungen mit sich, die sogar den Umgang mit dem Tod der nächsten Angehörigen betrafen.
Der Vers erinnert zunächst daran, dass das Salböl über das Haupt des Hohenpriesters ausgegossen worden war. Bei der Einsetzung Aarons hatte Mose nach 3. Mose 8,12 tatsächlich das Salböl auf dessen Haupt gegossen und ihn dadurch für seinen Dienst geheiligt. Außerdem wird erwähnt, dass der Hohepriester für das Tragen der heiligen Kleider eingesetzt worden war. Die hebräische Formulierung verwendet hier einen Ausdruck, der wörtlich mit dem Füllen der Hände zusammenhängt und im priesterlichen Zusammenhang die Einsetzung in ein Amt bezeichnet. Gemeint ist also nicht lediglich, dass der Hohepriester besondere Kleidung besaß. Er war durch eine von Gott angeordnete Weihe für seinen Dienst bestimmt worden. Das Salböl und die Amtskleider machten diese besondere Stellung sichtbar.
Anschließend untersagt Gott dem Hohenpriester, sein Haar ungeordnet hängen zu lassen oder seine Kleider zu zerreißen. Beide Handlungen konnten im alten Israel Ausdruck tiefer Trauer sein. Das Zerreißen der Kleidung begegnet beispielsweise bei Jakob, als er glaubt, Joseph sei gestorben (1. Mose 37,34). Es war ein sichtbares Zeichen des Schmerzes und der Erschütterung. Auch ungeordnetes Haar konnte in diesem Zusammenhang eine entsprechende Bedeutung haben. Die Vorschrift verbietet deshalb nicht grundsätzlich die Pflege oder Veränderung der Haare, sondern untersagt dem Hohenpriester bestimmte Trauerzeichen. Sie bedeutet ebenso wenig, dass er beim Tod eines geliebten Menschen keine Traurigkeit empfinden durfte. Der Unterschied liegt zwischen dem menschlichen Schmerz und den besonderen äußeren Handlungen, die ihm aufgrund seiner Weihe untersagt waren.
Eine eindrückliche Parallele findet sich in 3. Mose 10,6–7. Nach dem Tod Nadabs und Abihus befahl Mose Aaron und seinen beiden verbliebenen Söhnen, ihre Haare nicht ungeordnet hängen zu lassen und ihre Kleider nicht zu zerreißen. Gleichzeitig durften die übrigen Israeliten den Verlust beklagen. Aaron musste also eine besonders schwere persönliche Erfahrung durchstehen, ohne die üblichen Trauerzeichen anzunehmen. Diese Begebenheit zeigt, wie ernst die besondere Verantwortung im Heiligtumsdienst genommen wurde. Allerdings darf die damalige Ausnahmesituation nicht vollständig mit den dauerhaften Vorschriften aus Kapitel 21 gleichgesetzt werden. In Kapitel 10 ging es unmittelbar um die Ereignisse während der Einsetzung des Priestertums. Hier wird dagegen die besondere Verpflichtung des Hohenpriesters als allgemeine Vorschrift formuliert.
In Vers 11 geht Gott noch weiter. Der Hohepriester darf sich keinem Verstorbenen nähern, um sich dadurch rituell zu verunreinigen. Ausdrücklich werden sogar sein Vater und seine Mutter genannt. Das bildet einen deutlichen Gegensatz zu den gewöhnlichen Priestern, denen in Vers 2 die Totenverunreinigung bei den nächsten Angehörigen erlaubt wurde. Für den Hohenpriester besteht diese Ausnahme nicht. Die ausdrückliche Erwähnung der Eltern ist deshalb besonders bedeutsam: Gerade dort, wo die familiäre Bindung am engsten war, sollte seine besondere Weihe Vorrang vor den sonst üblichen Handlungen im Zusammenhang mit einem Todesfall haben. Daraus folgt jedoch nicht, dass der Hohepriester seine Eltern geringachten oder ihnen zu Lebzeiten notwendige Fürsorge verweigern durfte. Die Vorschrift betrifft die rituelle Verunreinigung durch Verstorbene, nicht die grundsätzliche Pflicht zur Liebe und Achtung innerhalb der Familie.
Eine bemerkenswerte Verbindung besteht zur Nasiräerweihe in 4. Mose 6,6–7. Wer sich durch ein entsprechendes Gelübde dem HERRN geweiht hatte, durfte während dieser Zeit ebenfalls keine Totenverunreinigung auf sich nehmen, auch nicht beim Tod von Vater, Mutter, Bruder oder Schwester. Beide Abschnitte verwenden außerdem den hebräischen Begriff nezer, der eine besondere Weihe oder das Zeichen dieser Weihe bezeichnen kann. Beim Nasiräer wird seine Gottzugehörigkeit mit diesem Ausdruck verbunden; beim Hohenpriester steht er im Zusammenhang mit dem heiligen Salböl und seiner Amtsweihe. Die sprachliche und sachliche Parallele zeigt, dass besondere Weihe auch besondere Reinheitsanforderungen mit sich bringen konnte. Dennoch waren Nasiräer und Hohepriester nicht gleichgestellt. Ein Nasiräergelübde verlieh niemandem das erbliche Priesteramt oder die Befugnis, die besonderen Opferhandlungen des Hohenpriesters auszuführen.
Vers 12 ergänzt, dass der Hohepriester das Heiligtum nicht verlassen und das Heiligtum seines Gottes nicht entweihen soll. Diese Aussage darf nicht so verstanden werden, als hätte er das Heiligtum während seines gesamten Lebens niemals verlassen dürfen. Die Vorschrift steht unmittelbar im Zusammenhang mit den verbotenen Trauerhandlungen und der Totenverunreinigung. Der Hohepriester sollte seine heiligen Verpflichtungen nicht verlassen, um an Handlungen teilzunehmen, die ihn für seinen besonderen Dienst unrein machen würden. Als Begründung nennt Gott nochmals die Weihe durch das Salböl. Der hebräische Text spricht vom nezer des Salböls seines Gottes, das auf ihm liegt. Seine herausgehobene Verantwortung beruhte somit nicht auf persönlichem Ansehen, sondern auf der Weihe, durch die Gott ihn für dieses Amt ausgesondert hatte.
Die drei Verse zeigen, dass innerhalb des israelitischen Priestertums unterschiedliche Grade der Verpflichtung bestanden. Die gewöhnlichen Priester durften bei bestimmten Todesfällen Ausnahmen von den Reinheitsvorschriften beanspruchen; der Hohepriester durfte dies nicht. Seine besondere Aufgabe vor Gott verlangte eine strengere Beachtung der heiligen Ordnung, selbst wenn sie mit schmerzlichen persönlichen Einschränkungen verbunden war. Im Neuen Testament wird Jesus Christus als der große Hohepriester vorgestellt, der endgültig vor Gott für sein Volk eintritt (Hebräer 4,14–16; 7,26–28). Diese Verbindung darf jedoch nicht bedeuten, dass jede einzelne Vorschrift aus 3. Mose 21 unmittelbar auf Christus übertragen werden könnte. Der grundlegende Zusammenhang liegt in der besonderen Verantwortung des hohepriesterlichen Dienstes. Während die Priester Israels durch Salbung und vorgeschriebene Reinheitsbedingungen für ihren Dienst ausgesondert wurden, beschreibt der Hebräerbrief Christus als den vollkommenen Hohenpriester, dessen Opfer und Vermittlung keiner Wiederholung bedürfen.
3. Mose 21,13–15
Die besonderen Ehevorschriften des Hohenpriesters
Nach den strengen Vorschriften über den Umgang mit Verstorbenen legt Gott fest, welche Frau der Hohepriester heiraten darf. Während die gewöhnlichen Priester bereits bestimmten Einschränkungen bei der Wahl ihrer Ehefrau unterlagen, gelten für den Hohenpriester zusätzliche Anforderungen. Nach Vers 13 soll er eine Frau in ihrem jungfräulichen Zustand heiraten. Diese Bestimmung steht im Zusammenhang mit seiner besonderen Weihe und den Aufgaben, die ihm am Heiligtum anvertraut waren. Sie bedeutet nicht, dass die Ehe für einen Hohenpriester unerwünscht gewesen wäre. Im Gegenteil: Gott berücksichtigt ausdrücklich, dass der Hohepriester eine Ehe eingehen und Nachkommen haben kann. Seine besondere Stellung schließt das Familienleben nicht aus, verbindet es jedoch mit zusätzlichen Vorschriften.
Der hebräische Text verwendet in Vers 13 das Wort betulah, das gewöhnlich mit „Jungfrau“ wiedergegeben wird. Durch die ergänzende Formulierung bivtuleha, sinngemäß „in ihrer Jungfräulichkeit“, wird dieser Zustand besonders hervorgehoben. Für die Eheschließung des Hohenpriesters sollte die Frau nach der hier vorausgesetzten Ordnung noch keine sexuelle Verbindung eingegangen sein. Damit unterscheidet sich seine Vorschrift von derjenigen für gewöhnliche Priester in Vers 7, wo die Jungfräulichkeit nicht in gleicher Weise ausdrücklich verlangt wird. Die besondere Anforderung betrifft jedoch den Hohenpriester als Träger eines bestimmten erblichen Amtes. Sie ist keine allgemeine Aussage darüber, dass eine Frau nur dann einen hohen persönlichen oder geistlichen Wert besitzt, wenn sie noch Jungfrau ist.
Vers 14 zählt anschließend die Frauen auf, die der Hohepriester nicht heiraten darf. Genannt werden eine Witwe, eine geschiedene Frau, eine als entweiht bezeichnete Frau und eine Hure. Einige dieser Gruppen waren bereits in Vers 7 für gewöhnliche Priester ausgeschlossen worden. Neu ist insbesondere die ausdrückliche Erwähnung der Witwe. Während das allgemeine Priestergesetz eine Witwe nicht grundsätzlich als Ehefrau ausschließt, darf der Hohepriester nach dieser Bestimmung auch sie nicht heiraten. Das ist bemerkenswert, weil die Witwenschaft für sich genommen keine persönliche Verfehlung darstellt. Eine Frau konnte ihren Mann verlieren, ohne irgendeine Schuld an seinem Tod zu tragen. Dass sie dennoch für die Ehe mit dem Hohenpriester ausgeschlossen wurde, zeigt, dass die Vorschrift nicht einfach zwischen sittlich guten und schlechten Frauen unterscheidet. Sie legt vielmehr eine besondere rechtliche Voraussetzung für dieses Amt fest.
Auch die übrigen Bezeichnungen müssen in ihrem jeweiligen Zusammenhang verstanden werden. Eine geschiedene Frau war nicht zwangsläufig selbst für die Auflösung ihrer Ehe verantwortlich. Ebenso bezeichnet das hebräische chalalah, gewöhnlich mit „Entweihte“ wiedergegeben, im priesterlichen Eherecht einen besonderen Status und darf nicht pauschal auf jede Frau übertragen werden, die sexuelles Unrecht erlitten hat. Das Wort zonah kann Prostitution oder andere nach dem jeweiligen Zusammenhang unerlaubte sexuelle Beziehungen bezeichnen. Die spätere jüdische Rechtsauslegung hat diese Kategorien näher bestimmt und voneinander abgegrenzt. Der unmittelbare Text erläutert jedoch nicht alle denkbaren Einzelfälle. Für die Auslegung ist deshalb entscheidend, dass hier bestimmte Ehevoraussetzungen des Hohenpriesters geregelt werden und keine allgemeine Bewertung sämtlicher betroffener Frauen ausgesprochen wird.
Im zweiten Teil von Vers 14 wird die positive Vorschrift wiederholt: Der Hohepriester soll eine Jungfrau aus seinem Volk heiraten. Der hebräische Ausdruck me'ammav bedeutet sinngemäß „aus seinem Volk“. Damit wird die Wahl seiner Ehefrau ausdrücklich an die Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft gebunden, aus der er selbst stammt. Der Wortlaut sagt jedoch nicht eindeutig, dass die Frau ebenfalls aus einer Priesterfamilie stammen musste. Eine solche zusätzliche Einschränkung darf deshalb nicht ohne weitere Begründung in den Vers hineingelesen werden. Auch die Wiederholung der Jungfräulichkeit ist bedeutsam. Gott belässt es nicht bei der Aufzählung ausgeschlossener Frauen, sondern benennt nochmals ausdrücklich, welche Voraussetzung eine Ehefrau des Hohenpriesters erfüllen soll.
Vers 15 erklärt den Grund für diese besondere Regelung: Der Hohepriester soll seine Nachkommenschaft unter seinem Volk nicht entweihen. Das hebräische Wort zera bedeutet „Same“ und bezeichnet hier seine Nachkommen beziehungsweise die aus seiner Ehe hervorgehende Abstammungslinie. Da das Priesteramt an die Nachkommen Aarons gebunden war, hatte die rechtmäßige Herkunft innerhalb der priesterlichen Ordnung eine besondere Bedeutung. Die Ehevorschriften betrafen deshalb nicht nur den Hohenpriester persönlich, sondern auch die rechtliche Stellung seiner Nachkommen. Eine nach den priesterlichen Gesetzen unzulässige Verbindung konnte Auswirkungen auf ihre Berechtigung zum priesterlichen Dienst haben. Die spätere jüdische Rechtsauslegung hat diese Folgen näher bestimmt. Der Vers selbst nennt jedoch nicht sämtliche rechtlichen Einzelheiten.
Die Formulierung, der Hohepriester dürfe seine Nachkommenschaft nicht entweihen, bedeutet nicht, dass Kinder aus einer solchen Verbindung aufgrund ihrer Geburt persönlich sündiger oder vor Gott weniger wertvoll wären. Es geht um die Voraussetzungen der priesterlichen Abstammung innerhalb der damaligen Bundesordnung. Zwischen der Berechtigung zu einem bestimmten erblichen Amt und dem persönlichen Wert eines Menschen muss sorgfältig unterschieden werden. Dass bestimmte Personen vom aaronitischen Priesterdienst ausgeschlossen waren, bedeutet nicht, dass sie grundsätzlich keine Beziehung zu Gott haben konnten. Die biblische Geschichte kennt zahlreiche Menschen außerhalb der Priesterfamilie, die Gott vertrauten und von ihm angenommen wurden. Der besondere Status des Priestertums war daher nicht mit einer allgemeinen Rangordnung menschlicher Würde gleichzusetzen.
Am Ende von Vers 15 erinnert Gott erneut daran, dass er selbst den Hohenpriester heiligt. Damit wird dieselbe Grundlage genannt, die bereits für die übrigen priesterlichen Vorschriften entscheidend war. Die besonderen Anforderungen beruhten nicht auf einer selbst erworbenen Überlegenheit des Hohenpriesters, sondern auf seiner Berufung zu einem heiligen Dienst. Seine Ehe sollte den rechtlichen Voraussetzungen entsprechen, die Gott für dieses Amt bestimmt hatte. Dabei dürfen die historischen Ehegesetze nicht ohne Weiteres auf alle Gläubigen oder auf heutige christliche Amtsträger übertragen werden. Der Hebräerbrief beschreibt Jesus Christus als den vollkommenen Hohenpriester, dessen Priestertum sich grundlegend vom erblichen Priesterdienst der Nachkommen Aarons unterscheidet (Hebräer 7,11–28). Daraus folgt jedoch nicht, dass jede einzelne Ehevorschrift dieses Kapitels unmittelbar eine symbolische Aussage über Christus enthält. Zunächst regeln die Verse 13–15 die Eheschließung und die Nachkommenschaft des israelitischen Hohenpriesters. Ihr gemeinsamer Grundgedanke liegt darin, dass die besondere Weihe für Gottes Dienst auch die persönliche Lebensführung und die Verantwortung gegenüber der nächsten Generation berührte.
3. Mose 21,16–21
Körperliche Voraussetzungen für den priesterlichen Opferdienst
Nach den besonderen Vorschriften für die Lebensführung und die Ehe des Hohenpriesters beginnt in Vers 16 ein neuer Abschnitt. Gott spricht erneut zu Mose und beauftragt ihn, Aaron eine weitere Bestimmung mitzuteilen. Sie betrifft nicht nur Aaron selbst oder den jeweils amtierenden Hohenpriester, sondern seine Nachkommen in allen zukünftigen Generationen. Wer unter ihnen ein bestimmtes körperliches Gebrechen hat, darf nicht herzutreten, um das Brot seines Gottes darzubringen. Damit wird eine Grenze innerhalb des erblichen Priestertums festgelegt. Die Abstammung von Aaron allein genügte nach dieser Ordnung nicht, um sämtliche priesterlichen Aufgaben ausführen zu dürfen. Für den unmittelbaren Opferdienst waren zusätzliche körperliche Voraussetzungen vorgeschrieben.
Der zentrale Ausdruck ist das hebräische Wort mum, das Schlachter 1951 mit „Gebrechen“ wiedergibt. Es bezeichnet hier eine körperliche Besonderheit oder Beeinträchtigung, die nach Gottes Vorschrift vom betreffenden Dienst ausschließt. Dasselbe Wort wird in 3. Mose 22,20–25 für körperliche Mängel bei Opfertieren verwendet. Diese Verbindung ist bedeutsam, denn sowohl die Opfergaben als auch diejenigen, die sie darbrachten, unterlagen besonderen Anforderungen. Die körperliche Unversehrtheit gehörte offenbar zur Ordnung des heiligen Opferdienstes. Allerdings erklärt Gott nicht ausdrücklich, dass jeder einzelne körperliche Mangel eine bestimmte geistliche Schwäche darstellen sollte. Ebenso wenig bezeichnet er die betroffenen Priester als persönlich sündig. Die Vorschrift behandelt ihre Eignung für bestimmte heilige Handlungen, nicht ihren moralischen Charakter.
In Vers 18 beginnt eine ausführliche Aufzählung. Zunächst werden blinde und lahme Männer genannt. Anschließend spricht Schlachter 1951 von einem Verstümmelten oder einem Menschen, der ein zu langes Glied hat. Die beiden zugrunde liegenden hebräischen Wörter charum und sarua sind nicht in allen Einzelheiten sicher zu bestimmen. Charum wird unter anderem als Veränderung der Nase oder des Gesichts verstanden, während andere Übersetzungen an ein verkürztes Körperglied denken. Sarua beschreibt wahrscheinlich ein auffällig verlängertes Gliedmaß. Die unterschiedlichen Erklärungen zeigen, dass sich die damaligen körperlichen Kategorien nicht immer eindeutig in heutige anatomische Begriffe übertragen lassen. Der grundlegende Sinn bleibt dennoch erkennbar: Auch sichtbare körperliche Abweichungen, die nicht zwangsläufig eine Krankheit darstellten, konnten nach dieser Vorschrift vom Opferdienst ausschließen.
Vers 19 ergänzt einen Mann mit einem gebrochenen Fuß oder einer gebrochenen Hand. Damit werden ausdrücklich Verletzungen genannt, die auch durch einen Unfall entstehen konnten. Das ist wichtig, weil die Aufzählung nicht ausschließlich angeborene oder lebenslange Beeinträchtigungen umfasst. Ein gebrochener Knochen konnte heilen, während andere der genannten körperlichen Merkmale dauerhaft bestehen blieben. Der Text erklärt nicht im Einzelnen, unter welchen Voraussetzungen ein wiederhergestellter Priester seinen Dienst erneut aufnehmen durfte. Die Erwähnung solcher Verletzungen zeigt jedoch, dass die Einschränkungen nicht einfach als unveränderliche persönliche Eigenschaften verstanden werden dürfen. Entscheidend war der körperliche Zustand im Verhältnis zu den Anforderungen des priesterlichen Dienstes.
In Vers 20 folgen weitere Merkmale. Schlachter 1951 nennt einen Buckligen, einen Schwindsüchtigen, einen Menschen mit einem Fleck auf dem Auge sowie Personen mit Krätze, Flechten oder einem Hodenbruch. Besonders bei diesen Begriffen ist sprachliche Vorsicht geboten. Das hebräische daq, das hier mit „schwindsüchtig“ übersetzt wird, beschreibt ursprünglich etwas Dünnes oder Schmächtiges. Daraus lässt sich keine sichere Diagnose einer bestimmten Krankheit wie Tuberkulose ableiten. Auch der Ausdruck für den Augenfehler bezeichnet zwar eine sichtbare Veränderung, erlaubt aber nicht die eindeutige Bestimmung einer heutigen Augenerkrankung. Die Wörter für Hautleiden umfassen unterschiedliche Erscheinungen, deren genaue medizinische Einordnung unsicher bleibt. Schließlich bezeichnet die letzte Formulierung eine körperliche Auffälligkeit oder Schädigung im Bereich der Hoden. Bereits die alten jüdischen Ausleger verstanden einzelne dieser Bezeichnungen unterschiedlich. Deshalb sollten die vertrauten deutschen Übersetzungen nicht mit gesicherten medizinischen Diagnosen verwechselt werden.
Die Aufzählung umfasst damit unterschiedliche Arten körperlicher Einschränkungen: Beeinträchtigungen des Sehens und Gehens, Veränderungen der Gliedmaßen, Knochenverletzungen sowie bestimmte Haut- und Geschlechtsmerkmale. Nicht alle diese Zustände hätten die Ausführung einer Opferhandlung zwangsläufig unmöglich gemacht. Ein Mensch mit einer sichtbaren Veränderung des Auges oder der Haut konnte möglicherweise viele körperliche Tätigkeiten ohne Schwierigkeiten verrichten. Deshalb reicht die Erklärung nicht aus, Gott habe ausschließlich die praktische Arbeitsfähigkeit der Priester sicherstellen wollen. Zwar konnten manche Verletzungen den Dienst am Altar erschweren, doch die Vorschrift geht erkennbar darüber hinaus. Die Verbindung mit den Anforderungen an Opfertiere legt nahe, dass auch Vorstellungen von körperlicher Vollständigkeit und kultischer Ordnung eine Rolle spielten. Wie jede einzelne Bestimmung genau begründet wurde, erläutert der Text allerdings nicht.
Eine weitere Frage entsteht daraus, dass körperliche Gebrechen hier mit dem heiligen Dienst in Verbindung gebracht werden. Der Leser könnte meinen, Gott betrachte Menschen mit Behinderungen grundsätzlich als weniger wertvoll oder als unrein. Eine solche Schlussfolgerung geht jedoch über den Wortlaut hinaus. Die aufgezählten Merkmale werden nicht als persönliche Sünden bezeichnet. Ebenso wenig wird behauptet, dass die betroffenen Männer von Gott weniger geliebt würden. Schon in 3. Mose 19,14 hatte Gott ausdrücklich verboten, einem Tauben zu fluchen oder einem Blinden ein Hindernis in den Weg zu legen. Damit verpflichtete er sein Volk, gerade Menschen mit entsprechenden Einschränkungen nicht zu misshandeln. Zugleich muss ernst genommen werden, dass die Vorschrift aus Kapitel 21 tatsächlich einen Ausschluss von bestimmten angesehenen Aufgaben bedeutete. Diese historische Einschränkung sollte weder verschwiegen noch zu einer allgemeinen Abwertung der Betroffenen ausgeweitet werden.
Vers 21 fasst die Bestimmung nochmals zusammen und benennt ihren unmittelbaren Gegenstand: Ein Nachkomme Aarons mit einem solchen Gebrechen darf nicht herzutreten, um die Feueropfer des HERRN darzubringen. Auch die Wendung vom „Brot seines Gottes“ wird wiederholt. Mit ihr sind hier die Opfergaben gemeint, die Gott nach der festgelegten Ordnung dargebracht wurden. Der Ausdruck besagt nicht, dass Gott menschliche Nahrung benötigte, sondern gehört zur Sprache des Opferdienstes. Die Wiederholung lässt keinen Zweifel daran, dass die Einschränkung verbindlich war. Dennoch muss auf ihren genauen Umfang geachtet werden. Der Vers erklärt nicht, dass ein betroffener Priester seine Abstammung, seine Zugehörigkeit zur Priesterfamilie oder grundsätzlich jede Möglichkeit der Teilnahme am religiösen Leben verliert. Er untersagt ausdrücklich das Herantreten zur Darbringung bestimmter Opfer.
Die Verse 16–21 zeigen somit, dass Gott für den damaligen Heiligtumsdienst nicht nur die Herkunft und die persönliche Lebensführung der Priester regelte, sondern auch körperliche Anforderungen festlegte. Diese Vorschriften lassen sich nicht vollständig durch praktische Überlegungen erklären; sie gehören zur besonderen Heiligkeitsordnung des aaronitischen Priestertums. Zugleich bleibt die Unterscheidung zwischen einem körperlichen Merkmal und persönlicher Schuld entscheidend. Ein Gebrechen macht einen Menschen nicht moralisch schlechter und nimmt ihm nicht seine Würde vor Gott. Wie genau die Einschränkung des Opferdienstes von der weiterhin bestehenden Zugehörigkeit zur Priesterfamilie zu unterscheiden ist, erläutern die folgenden Verse. Dort wird ausdrücklich festgelegt, welche Rechte den betroffenen Priestern trotz ihrer körperlichen Einschränkungen erhalten bleiben.
3. Mose 21,22–23
Das Recht auf heilige Speisen und die Grenzen des Heiligtumszugangs
Nach der ausführlichen Aufzählung körperlicher Gebrechen folgt eine wichtige Ergänzung. Obwohl ein Nachkomme Aarons mit einer solchen Beeinträchtigung nicht am Altar dienen durfte, blieb ihm ausdrücklich erlaubt, vom Brot seines Gottes zu essen. Vers 22 stellt damit klar, dass die Einschränkung bestimmter priesterlicher Aufgaben nicht den vollständigen Verlust seiner Stellung innerhalb der Priesterfamilie bedeutete. Der betroffene Mann war weiterhin ein Nachkomme Aarons und behielt seinen Anteil an den dafür vorgesehenen heiligen Opfergaben. Diese Bestimmung ist entscheidend, weil sie verhindert, das vorhergehende Verbot weiter auszudehnen, als Gott es tatsächlich formuliert hat.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Vers sowohl die heiligen als auch die hochheiligen Speisen nennt. Im Hebräischen stehen die Ausdrücke qodschê haqqodaschim für die hochheiligen Dinge und qodaschim für die heiligen Dinge. Damit werden unterschiedliche Kategorien geweihter Opfergaben bezeichnet. Beispielsweise gehörten bestimmte Anteile der Speisopfer, Sündopfer und Schuldopfer zu den hochheiligen Gaben, für deren Verzehr besondere Vorschriften galten (3. Mose 6,9–11; 7,6). Andere Opfergaben unterlagen weniger strengen Bestimmungen. Dass der betroffene Priester von beiden Kategorien essen durfte, zeigt, dass sein körperliches Gebrechen ihn nicht grundsätzlich vom Anteil an den heiligen Gaben ausschloss. Die jeweils geltenden Regeln über den Ort des Verzehrs und die erforderliche Reinheit blieben dabei bestehen.
Eine mögliche Schwierigkeit entsteht durch die Bezeichnungen „heilig“ und „hochheilig“. Sie könnten so verstanden werden, als dürfe der Priester im Heiligtum bestimmte Räume betreten, weil er von den entsprechenden Gaben essen darf. Doch der Vers spricht vom Heiligkeitsgrad der Speisen, nicht von einer Erlaubnis, das Heilige oder Allerheiligste zu betreten. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil der folgende Vers gerade Einschränkungen für den Zugang zu bestimmten Bereichen des Heiligtums enthält. Das Recht, eine heilige Gabe zu verzehren, und die Befugnis, eine heilige Handlung an einem bestimmten Ort auszuführen, waren innerhalb der israelitischen Ordnung nicht identisch.
In Vers 23 wird deshalb ausdrücklich festgelegt, dass der betreffende Priester nicht zum Vorhang kommen und sich dem Altar nicht nähern darf. Der Vorhang bezeichnet im Zusammenhang des Heiligtums die Abgrenzung zum Allerheiligsten. Der Altar steht für den Bereich, in dem die vorgeschriebenen Opferhandlungen vollzogen wurden. Beide Orte waren unmittelbar mit dem priesterlichen Dienst verbunden. Das Verbot bedeutet jedoch nicht, dass jeder Nachkomme Aarons gewöhnlich hinter den Vorhang ins Allerheiligste gehen durfte und nur die körperlich beeinträchtigten Priester davon ausgenommen waren. Bereits die allgemeine Heiligtumsordnung beschränkte den Zutritt zum Allerheiligsten auf den Hohenpriester und die dafür vorgeschriebenen Bedingungen (3. Mose 16,2.29–34). Vers 23 setzt darüber hinaus für die betroffenen Priester besondere Grenzen beim Herantreten zum Vorhang und zum Altar. Daraus darf kein pauschales Verbot abgeleitet werden, sich überhaupt an der Anbetung Gottes zu beteiligen.
Als Begründung erklärt Gott, dass seine Heiligtümer nicht entweiht werden sollen, denn er selbst ist es, der sie heiligt. Damit wird der Gedanke der vorhergehenden Verse wieder aufgenommen. Die Einschränkung beruht auf den besonderen Anforderungen, die Gott für den Dienst an seinen heiligen Stätten festgelegt hatte. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Vorschrift nicht sagt, der körperlich beeinträchtigte Priester sei als Mensch unheilig oder von Gott verworfen. Sie behandelt die Voraussetzungen für bestimmte Aufgaben und Orte innerhalb des Heiligtums. Gerade die ausdrückliche Erlaubnis zum Verzehr heiliger Speisen verhindert eine solche Gleichsetzung. Dennoch bleibt die Beschränkung real: Der betreffende Priester war von Aufgaben ausgeschlossen, die andere Männer seiner Familie ausführen durften. Diese historische Tatsache sollte weder verschwiegen noch als Aussage über seinen persönlichen Wert vor Gott verstanden werden.
Eine zusätzliche Unterscheidung wird im folgenden Kapitel deutlich. Nach 3. Mose 22,4–7 durfte ein Priester, der vorübergehend rituell unrein geworden war, die heiligen Gaben erst wieder essen, nachdem die vorgeschriebenen Voraussetzungen zur Reinigung erfüllt waren. Ein körperliches Gebrechen und rituelle Unreinheit hatten somit unterschiedliche rechtliche Folgen. Ein Priester mit einem körperlichen Gebrechen blieb grundsätzlich zum Verzehr heiliger Speisen berechtigt. War er jedoch zusätzlich rituell unrein, galten auch für ihn die entsprechenden Einschränkungen. Der körperliche Zustand aus Kapitel 21 darf deshalb nicht einfach mit den zeitlich begrenzten Unreinheitszuständen aus Kapitel 22 gleichgesetzt werden. Noch weniger lässt sich daraus ableiten, dass körperliche Beeinträchtigungen an sich eine persönliche Sünde darstellen würden.
Für das Verständnis der gesamten Priesterordnung ist diese Differenzierung von besonderer Bedeutung. Gott hatte bestimmten Nachkommen Aarons den Opferdienst übertragen und dafür konkrete Voraussetzungen festgelegt. Zugleich ließ er die betroffenen Männer weiterhin an den heiligen Gaben teilhaben, die der Versorgung der Priesterfamilie dienten. Die Einschränkung ihrer Aufgaben bedeutete also nicht, dass sie vollständig aus der priesterlichen Gemeinschaft ausgeschlossen wurden. Auch andere biblische Texte unterscheiden zwischen bestimmten religiösen Ämtern und der grundsätzlichen Zugehörigkeit zu Gott. In Jesaja 56,3–7 verheißt Gott beispielsweise Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen oder gesellschaftlichen Situation um ihre Stellung fürchten, einen bleibenden Namen in seinem Haus. Diese Verheißung hebt die konkreten Vorschriften aus 3. Mose 21 nicht ausdrücklich auf, zeigt jedoch, dass Gottes Annahme eines Menschen nicht mit der Berechtigung zu einem bestimmten erblichen Priesterdienst gleichgesetzt werden darf.
Die beiden Verse schließen die Bestimmungen über körperliche Gebrechen deshalb mit einer wichtigen Klarstellung ab: Nicht jeder Nachkomme Aarons durfte dieselben Aufgaben übernehmen, aber die betroffenen Priester verloren dadurch nicht sämtliche Rechte ihrer Herkunft. Gottes Heiligkeitsordnung regelte sowohl die Grenzen ihres Dienstes als auch ihre fortbestehende Versorgung durch die heiligen Gaben. Wer den Abschnitt sorgfältig liest, muss beide Aussagen gelten lassen. Die damaligen Zugangsbeschränkungen waren verbindliche Bestandteile des israelitischen Opferdienstes; sie begründen jedoch kein allgemeines Urteil über den geistlichen Wert von Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Entscheidend ist die genaue Unterscheidung zwischen der besonderen Befugnis zum Opferdienst und der weiterhin bestehenden Zugehörigkeit zur Priesterfamilie.
3. Mose 21,24
Mose übermittelt Gottes Anweisungen an Priester und Volk
Das Kapitel endet mit einer kurzen, aber bedeutsamen Feststellung: Mose teilte die Anweisungen Aaron, seinen Söhnen und allen Kindern Israels mit. Nachdem Gott die besonderen Reinheitsvorschriften, Ehebestimmungen und Voraussetzungen für den priesterlichen Dienst festgelegt hatte, wurden diese Gebote somit den Menschen bekannt gemacht, für deren Zusammenleben und Gottesdienst sie Bedeutung besaßen. Der Vers enthält keine neue Einzelvorschrift, sondern schließt die göttliche Unterweisung mit ihrer Weitergabe durch Mose ab. Damit wird deutlich, dass die Bestimmungen nicht lediglich eine persönliche Mitteilung an Aaron bleiben sollten.
Auffällig ist die ausdrückliche Nennung der verschiedenen Empfänger. Aaron stand als Hoherpriester an der Spitze des Priestertums. Seine Söhne und deren Nachkommen waren für die gewöhnlichen priesterlichen Aufgaben vorgesehen. Die übrigen Israeliten gehörten dagegen nicht aufgrund ihrer Abstammung zum aaronitischen Priestertum. Dennoch sollten auch sie die Anweisungen kennen. Das bedeutete nicht, dass sämtliche priesterlichen Einschränkungen nun für jeden Israeliten gleichermaßen galten. Die besonderen Vorschriften über Totenunreinheit, Eheschließung und körperliche Voraussetzungen waren ausdrücklich an die Priester beziehungsweise den Hohenpriester gerichtet. Das Volk musste jedoch verstehen, welche Verantwortung Gott diesen Männern übertragen hatte und weshalb nicht jeder Nachkomme Aarons jede priesterliche Handlung ausführen durfte.
Diese öffentliche Bedeutung war bereits in Vers 8 erkennbar geworden. Dort hatte Gott nicht nur die Priester zu einem heiligen Leben verpflichtet, sondern auch angeordnet, dass ihre besondere Stellung geachtet werden sollte. Dazu gehörte, den von Gott bestimmten Dienst und seine Grenzen anzuerkennen. Wenn beispielsweise ein Nachkomme Aarons aufgrund eines körperlichen Gebrechens nicht am Altar dienen durfte, beruhte diese Einschränkung nicht auf einer eigenmächtigen Entscheidung seiner Angehörigen. Sie war Bestandteil der festgelegten Heiligtumsordnung. Ebenso hatte Gott ausdrücklich bestimmt, dass derselbe Priester weiterhin von den heiligen Opfergaben essen durfte. Auch dieses Recht musste innerhalb der Gemeinschaft berücksichtigt werden. Die Kenntnis der göttlichen Anweisungen konnte somit helfen, sowohl die Grenzen des priesterlichen Dienstes als auch die Rechte seiner Angehörigen zu achten.
Moses Aufgabe bestand darin, Gottes Weisungen zuverlässig weiterzugeben. Bereits in 2. Mose 28,1 hatte Gott ihn beauftragt, Aaron und dessen Söhne für den Priesterdienst auszusondern. Die anschließenden Kapitel enthalten genaue Bestimmungen über die Kleidung, die Einsetzung und die Aufgaben der Priester. Mose sollte diese Ordnung nicht nach eigenen Vorstellungen gestalten, sondern nach Gottes Anweisungen handeln. Dasselbe Prinzip begegnet am Ende von 3. Mose 21. Der Text berichtet nicht, dass Mose die Vorschriften verändert oder einzelne Anforderungen ausgelassen hätte. Er beschreibt vielmehr ihre Weitergabe an die vorgesehenen Empfänger. Dabei wird weder der genaue Ort noch die Form dieser Bekanntmachung näher erläutert. Ob Mose alle Menschen gleichzeitig versammelte oder die Anweisungen auf andere Weise übermitteln ließ, lässt sich aus diesem Vers allein nicht bestimmen.
Mit der Weitergabe an das Volk wird außerdem eine Verbindung zur Lehrverantwortung der Priester sichtbar. Nach 3. Mose 10,10–11 sollten sie zwischen heilig und gewöhnlich sowie zwischen rein und unrein unterscheiden und die Israeliten in Gottes Geboten unterweisen. Sie waren deshalb nicht nur für die Durchführung der Opferhandlungen verantwortlich. Ihr Dienst hatte auch eine lehrende Aufgabe. Die Anweisungen, die Mose ihnen nun übermittelte, bildeten einen Teil jener Ordnung, die sie selbst beachten und deren Bedeutung sie dem Volk vermitteln sollten. Später erinnert Maleachi 2,7 daran, dass die Lippen des Priesters Erkenntnis bewahren und die Menschen aus seinem Mund Weisung suchen sollen. Diese Aufgabe verlangte jedoch, dass die Priester selbst unter Gottes Wort standen. Ihre Stellung berechtigte sie nicht dazu, seine Weisungen nach Belieben zu verändern.
Der Schlussvers führt damit noch einmal den grundlegenden Zusammenhang des Kapitels vor Augen. Gott hatte die Priester für einen besonderen Dienst ausgesondert und ihnen entsprechende Verpflichtungen auferlegt. Das übrige Volk sollte diese Berufung und die damit verbundenen Grenzen kennen. Beide standen unter derselben göttlichen Autorität, auch wenn ihre konkreten Aufgaben unterschiedlich waren. Mose übermittelte die Anweisungen an alle genannten Empfänger und machte damit deutlich, dass Gottes Heiligkeitsordnung nicht vom persönlichen Ermessen einzelner Amtsträger abhängig sein sollte. So endet das Kapitel nicht mit einer weiteren Einschränkung, sondern mit der Weitergabe dessen, was Gott angeordnet hatte. Erst wenn seine Weisungen bekannt waren, konnten Priester und Volk ihre jeweilige Verantwortung bewusst wahrnehmen.
Geistliche Kernbotschaft
Die zentrale Botschaft von 3. Mose 21 liegt in der besonderen Verantwortung der Menschen, die Gott für den Dienst an seinem Heiligtum ausgesondert hatte. Die Priester sollten nicht nur die vorgeschriebenen Opferhandlungen ausführen, sondern auch durch ihre Lebensführung zeigen, dass sie dem heiligen Gott dienten. Ihre Berufung betraf deshalb mehr als ihre Tätigkeit am Altar. Auch der Umgang mit dem Tod, die Ehe und die Voraussetzungen für bestimmte priesterliche Aufgaben standen unter Gottes Weisungen. Heiligkeit war in diesem Zusammenhang keine persönliche Auszeichnung, mit der sich die Priester über andere Menschen erheben konnten. Sie war eine Verpflichtung, die sich aus ihrer besonderen Stellung vor Gott ergab.
Der wiederkehrende Ausspruch „Ich bin der HERR, der sie heiligt“ bildet den entscheidenden Hintergrund dieser Bestimmungen. Die Priester hatten sich ihre Berufung nicht selbst gegeben. Gott hatte Aaron und seine Nachkommen für einen bestimmten Dienst ausgewählt und die Bedingungen dieses Dienstes festgelegt. Ihre Verantwortung beruhte deshalb auf Gottes Handeln und nicht auf einer aus eigener Kraft erworbenen Überlegenheit. Gerade weil sie mit den heiligen Gaben und dem Heiligtum umgehen durften, sollten sie Gottes Anweisungen ernst nehmen. Eine von Gott verliehene Stellung bedeutete weder persönliche Unfehlbarkeit noch das Recht, nach eigenem Ermessen über seine Gebote zu verfügen.
Besonders nachdenklich macht der Unterschied zwischen den gewöhnlichen Priestern und dem Hohenpriester. Seine besondere Weihe brachte strengere Anforderungen mit sich, selbst beim Tod seiner nächsten Angehörigen. Hier zeigt sich ein Grundsatz, der über die einzelnen Vorschriften hinaus Bedeutung besitzt: Eine besondere Verantwortung kann mit persönlichen Einschränkungen verbunden sein. Wer eine Aufgabe vor Gott übernimmt, kann nicht ausschließlich nach den eigenen Wünschen handeln. Gleichzeitig dürfen die damaligen Bestimmungen nicht zu der Behauptung führen, dass Trauer, familiäre Liebe oder menschliche Gefühle einer tiefen Gottesbeziehung entgegenstünden. Die Vorschriften regelten bestimmte Handlungen innerhalb des israelitischen Heiligtumsdienstes, nicht die grundsätzliche Erlaubnis, Schmerz zu empfinden oder Angehörige zu lieben.
Eine weitere wichtige Erkenntnis ergibt sich aus den körperlichen Voraussetzungen für den Opferdienst. Die betreffenden Bestimmungen wirken aus heutiger Sicht besonders schwer verständlich, weil sie Menschen aufgrund körperlicher Merkmale von bestimmten Aufgaben ausschlossen. Diese Einschränkungen gehörten tatsächlich zur damaligen Ordnung und sollten nicht verharmlost werden. Doch der Text unterscheidet zwischen der Berechtigung, eine bestimmte Opferhandlung auszuführen, und der fortbestehenden Zugehörigkeit zur Priesterfamilie. Ein betroffener Priester durfte weiterhin von den heiligen und hochheiligen Gaben essen. Damit wurde ihm nicht jede priesterliche Teilhabe entzogen. Vor allem aber begründet das Kapitel keine allgemeine Lehre, dass Menschen mit körperlichen Einschränkungen vor Gott weniger wertvoll oder persönlich schuldiger wären.
Im Licht des Neuen Testaments erhält die Frage nach dem vollkommenen Priesterdienst eine tiefere Bedeutung. Der Hebräerbrief stellt Jesus Christus als den großen Hohenpriester vor, der nicht nur für begrenzte Zeit oder aufgrund einer erblichen Nachfolge dient. Sein Priestertum beruht auf Gottes Berufung und auf der Kraft seines unvergänglichen Lebens (Hebräer 7,16–17). Er bringt kein Opfer dar, das ständig wiederholt werden muss, sondern gibt sich selbst zur Erlösung der Menschen hin. Seine Vollkommenheit besteht dabei nicht einfach in der Erfüllung einer Liste körperlicher Merkmale, sondern vor allem in seiner Sündlosigkeit, seinem vollkommenen Gehorsam und der endgültigen Wirksamkeit seines Opfers. Die Unterschiede zwischen dem aaronitischen Priestertum und Christus müssen deshalb ebenso ernst genommen werden wie ihre Verbindung.
So führt 3. Mose 21 letztlich zur Frage, was es bedeutet, vor einem heiligen Gott zu stehen und ihm zu dienen. Der Mensch bestimmt nicht selbst, was Gottes Heiligkeit ausmacht. Zugleich zeigt die weitere biblische Offenbarung, dass Gottes Ziel nicht in äußerer Abgrenzung um ihrer selbst willen besteht. Durch Jesus Christus eröffnet er sündigen Menschen den Zugang zu sich und reinigt sie von Schuld. Die besondere priesterliche Ordnung Israels weist innerhalb der Geschichte des Erlösungsplans auf die Bedeutung des heiligen Dienstes hin; in Christus begegnet uns der vollkommene Hohepriester, durch den wir mit Zuversicht zu Gott kommen dürfen.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
2. Mose 28–29 und 3. Mose 8 – Die Einsetzung der Priester. Bereits vor den Anweisungen aus 3. Mose 21 hatte Gott bestimmt, dass Aaron und seine Söhne für den Priesterdienst ausgesondert werden sollten. Die besonderen Kleider, die Salbung und die vorgeschriebenen Opferhandlungen gehörten zu ihrer Einsetzung. In 3. Mose 8 wird beschrieben, wie Mose diese Anweisungen ausführte. Dieser Hintergrund erklärt, weshalb Kapitel 21 wiederholt auf die Weihe der Priester Bezug nimmt. Ihre besonderen Verpflichtungen entstanden nicht durch eine selbst gewählte religiöse Lebensweise, sondern aus einem von Gott angeordneten Amt.
3. Mose 10,1–11 – Heiligkeit und Verantwortung im Heiligtumsdienst. Der Tod Nadabs und Abihus zeigt, wie ernst die Vorschriften für den Dienst vor Gott genommen werden mussten. Anschließend erhalten Aaron und seine verbliebenen Söhne besondere Anweisungen zum Verhalten in ihrer Trauer. Die Verbindung zu 3. Mose 21,10–12 ist deutlich, weil ähnliche Trauerzeichen untersagt werden. Darüber hinaus erklärt Gott in 3. Mose 10,10–11, dass die Priester zwischen heilig und gewöhnlich sowie zwischen rein und unrein unterscheiden und das Volk unterweisen sollen. Ihre Aufgabe umfasste deshalb sowohl die Durchführung der Opfer als auch die zuverlässige Weitergabe von Gottes Geboten.
4. Mose 19,11–22 und 4. Mose 6,6–7 – Totenunreinheit und besondere Weihe. Nach 4. Mose 19 führte der Kontakt mit einem Verstorbenen unter bestimmten Bedingungen zu ritueller Unreinheit. 3. Mose 21 verschärft die entsprechenden Vorschriften für die Priester und besonders für den Hohenpriester. Eine bemerkenswerte Parallele besteht zum Nasiräergelübde. Während der Zeit seiner besonderen Weihe durfte ein Nasiräer selbst beim Tod engster Angehöriger keine entsprechende Verunreinigung auf sich nehmen. Die Gemeinsamkeit zeigt, dass besondere Weihe mit besonderen Reinheitsanforderungen verbunden sein konnte. Sie bedeutet jedoch nicht, dass Nasiräer dieselben Rechte und Aufgaben wie der Hohepriester besaßen.
3. Mose 19,28 und 5. Mose 14,1–2 – Trauerzeichen und die Zugehörigkeit zu Gott. Die Verbote bestimmter körperlicher Trauerzeichen waren nicht ausschließlich auf das Priestertum beschränkt. Schon 3. Mose 19,28 untersagt Einschnitte wegen Verstorbener. In 5. Mose 14,1–2 werden dem gesamten Volk verwandte Praktiken verboten, weil Israel als Gottes besonderes Volk zu ihm gehört. Die Vorschriften aus 3. Mose 21 stehen somit innerhalb einer umfassenderen Ordnung. Dabei muss zwischen verbotenen Trauerbräuchen und der Trauer selbst unterschieden werden. Die Bibel verurteilt nicht grundsätzlich das Weinen oder die Klage über einen Todesfall.
3. Mose 22,1–9.20–25 – Körperliche Gebrechen, rituelle Unreinheit und Opfergaben. Das folgende Kapitel hilft, mehrere Unterscheidungen aus 3. Mose 21 genauer zu verstehen. Dort werden einerseits die Voraussetzungen für den Verzehr heiliger Gaben behandelt und andererseits körperliche Mängel bei Opfertieren untersagt. Ein Priester mit einem der in Kapitel 21 genannten Gebrechen durfte weiterhin heilige Speisen essen, während eine vorübergehende rituelle Unreinheit den Verzehr zeitweise ausschließen konnte. Körperliches Gebrechen und rituelle Unreinheit sind deshalb nicht gleichbedeutend. Die vergleichbaren Anforderungen an Priester und Opfertiere zeigen eine Verbindung innerhalb der Opferordnung, beweisen jedoch nicht, dass jede körperliche Beeinträchtigung eine bestimmte geistliche Sünde symbolisieren sollte.
3. Mose 19,14 und Jesaja 56,3–7 – Körperliche Einschränkungen und die Zugehörigkeit zu Gott. In 3. Mose 19,14 untersagt Gott ausdrücklich, einen tauben Menschen zu verfluchen oder einem blinden Menschen ein Hindernis in den Weg zu legen. Diese Vorschrift steht einer pauschalen Geringschätzung körperlich beeinträchtigter Menschen entgegen. Jesaja 56 verheißt später auch Verschnittenen, die Gottes Bund bewahren, einen bleibenden Namen in seinem Haus. Beide Stellen behandeln nicht dieselbe Rechtsfrage wie 3. Mose 21. Sie machen jedoch deutlich, dass die Berechtigung zu einem bestimmten erblichen Priesteramt nicht mit dem persönlichen Wert eines Menschen oder seiner grundsätzlichen Zugehörigkeit zu Gott gleichgesetzt werden darf.
Maleachi 2,1–9 – Das Priesteramt verlangt Treue zu Gottes Wort. Der Prophet Maleachi richtet scharfe Vorwürfe gegen Priester, die ihre Verantwortung vernachlässigt haben. Sie sollen Gottes Weisung bewahren und den Menschen Erkenntnis vermitteln, haben aber selbst viele vom rechten Weg abgebracht. Diese Stelle ergänzt 3. Mose 21 um eine wesentliche Perspektive: Die besondere Stellung eines Priesters war kein Beweis persönlicher Treue. Gerade wer Gott dienen und andere unterweisen sollte, musste selbst nach seinem Wort leben. Ein religiöses Amt konnte Ungehorsam nicht rechtfertigen.
Hebräer 4,14–16; 7,23–28 und 9,11–14 – Jesus Christus als vollkommener Hohepriester. Der Hebräerbrief erklärt, dass die aaronitischen Priester wegen ihrer Sterblichkeit nicht dauerhaft im Amt bleiben konnten. Christus dagegen besitzt ein bleibendes Priestertum. Er ist ohne Sünde und hat durch sein eigenes Opfer eine Erlösung bewirkt, die keiner ständigen Wiederholung bedarf. Während die Priester des alten Bundes nach bestimmten Abstammungs-, Weihe- und Reinheitsvorschriften dienten, beruht Christi hohepriesterliche Stellung auf Gottes Berufung und seinem vollkommenen Erlösungswerk. Gerade deshalb dürfen die Vorschriften aus 3. Mose 21 nicht unterschiedslos auf Jesus übertragen werden. Ihre Bedeutung wird im Hebräerbrief im Licht seines einzigartigen Priestertums weitergeführt.
1. Petrus 2,4–10 und 1. Korinther 12,22–26 – Die Gemeinde und ihre gemeinsame Berufung. Petrus bezeichnet die Gläubigen als ein heiliges Priestertum, das durch Jesus Christus geistliche Opfer darbringt. Damit wird eine neue Form der priesterlichen Berufung beschrieben, die nicht auf der leiblichen Abstammung von Aaron beruht. Paulus erklärt außerdem, dass gerade die schwächer erscheinenden Glieder des Leibes Christi notwendig sind und besondere Achtung verdienen. Diese Aussagen beseitigen nicht die historische Tatsache der Zugangsbeschränkungen aus 3. Mose 21. Sie zeigen aber, weshalb deren körperliche Voraussetzungen nicht als allgemeine Anforderungen an die Zugehörigkeit oder Mitarbeit in christlichen Gemeinden übernommen werden dürfen.
Wichtige Lektionen
Gottes Heiligkeit verdient einen verantwortungsvollen Umgang. Die Priester konnten ihre Aufgaben nicht nach eigenen Vorstellungen gestalten. Gott hatte ihnen einen bestimmten Dienst übertragen und die damit verbundenen Voraussetzungen festgelegt. Auch heute sollte der Dienst für Gott nicht als Gelegenheit zur Selbstdarstellung oder zur Erlangung persönlicher Macht verstanden werden. Wer Verantwortung im Glauben übernimmt, steht selbst unter Gottes Wort.
Eine besondere Berufung bedeutet nicht persönliche Überlegenheit. Die Priester waren für bestimmte Aufgaben ausgesondert, aber dadurch nicht automatisch gerechter als andere Israeliten. Ihre besondere Stellung brachte zusätzliche Verpflichtungen mit sich. Diese Unterscheidung schützt davor, Menschen aufgrund eines geistlichen Amtes als unfehlbar zu betrachten oder ihre Entscheidungen grundsätzlich jeder Prüfung zu entziehen.
Trauer und Vertrauen auf Gott schließen einander nicht aus. Die Vorschriften über den Umgang mit Verstorbenen und bestimmte Trauerzeichen dürfen nicht als Verbot menschlicher Traurigkeit verstanden werden. Gott erlaubte den gewöhnlichen Priestern ausdrücklich Ausnahmen beim Tod naher Angehöriger. Die Bibel kennt viele Menschen, die Gott vertrauten und dennoch tief über einen Verlust trauerten. Schmerz ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen fehlenden Glaubens.
Die persönlichen Lebensumstände eines Menschen bestimmen nicht seinen Wert vor Gott. Die Ehevorschriften und die körperlichen Voraussetzungen des Priestertums regelten die Berechtigung zu einem besonderen erblichen Amt. Sie dürfen nicht zu allgemeinen Urteilen über Witwen, geschiedene Frauen oder Menschen mit Behinderungen ausgeweitet werden. Zugleich muss anerkannt werden, dass die damaligen Bestimmungen tatsächlich bestimmte Menschen von einzelnen Aufgaben ausschlossen. Eine sorgfältige Auslegung nimmt beides ernst: die historische Beschränkung und die Grenze ihrer Aussage über den Menschen.
Körperliche Gebrechen und persönliche Schuld sind nicht dasselbe. In 3. Mose 21 wird keinem der betroffenen Priester vorgeworfen, sein körperlicher Zustand sei die Folge einer eigenen Verfehlung. Besonders wichtig ist, dass ihm das Recht auf heilige Speisen ausdrücklich erhalten bleibt. Diese Bestimmung erinnert daran, Menschen nicht aufgrund ihres Aussehens oder ihrer körperlichen Möglichkeiten moralisch zu beurteilen.
Gottes Weisungen müssen innerhalb ihres Zusammenhangs verstanden werden. Die Vorschriften dieses Kapitels richten sich an bestimmte Personen und unterscheiden zwischen gewöhnlichen Priestern, dem Hohenpriester und dem gesamten Volk. Wer diese Unterschiede übergeht, kann Anforderungen auf Menschen übertragen, für die sie ursprünglich nicht gegeben wurden. Eine bibeltreue Auslegung fragt deshalb zuerst, wer angesprochen wird, welche Aufgabe geregelt ist und wie spätere biblische Aussagen diesen Zusammenhang weiterführen.
In Jesus Christus finden wir den vollkommenen Hohenpriester. Die besondere Ordnung des aaronitischen Priestertums macht verständlich, wie ernst der Dienst vor Gott genommen wurde. Der Hebräerbrief zeigt jedoch, dass Christus mehr ist als ein weiterer Priester innerhalb dieser Ordnung. Er ist der sündlose Hohepriester, der durch sein einmaliges Opfer den Weg zu Gott eröffnet hat. Unsere Hoffnung beruht deshalb nicht auf einer eigenen priesterlichen Abstammung, körperlichen Unversehrtheit oder vollkommenen menschlichen Leistung, sondern auf seinem Erlösungswerk.
Die wichtigste Erkenntnis aus 3. Mose 21 besteht darin, dass Gottes Heiligkeit ernst genommen werden muss, ohne die verschiedenen Aufgaben und Voraussetzungen seiner Gebote miteinander zu verwechseln. Die Priester waren für einen besonderen Dienst berufen und hatten entsprechend zu leben. Zugleich führt der weitere biblische Zusammenhang über dieses zeitlich begrenzte Priestertum hinaus zu Jesus Christus. Durch ihn dürfen Menschen zu Gott kommen, ihm vertrauen und in seiner Gegenwart leben.