Klagelieder 5 – Lutherbibel 1912
Gedenke, HERR, wie es uns geht; schaue und siehe an unsre Schmach!
Lutherbibel 1912 – 22 Verse. Der vollständige Kapiteltext:
- 1 Gedenke, HERR, wie es uns geht; schaue und siehe an unsre Schmach!
- 2 Unser Erbe ist den Fremden zuteil geworden und unsre Häuser den Ausländern.
- 3 Wir sind Waisen und haben keinen Vater; unsre Mütter sind Witwen.
- 4 Unser Wasser müssen wir um Geld trinken; unser Holz muß man bezahlt bringen lassen.
- 5 Man treibt uns über Hals; und wenn wir schon müde sind, läßt man uns doch keine Ruhe.
- 6 Wir haben uns müssen Ägypten und Assur ergeben, auf daß wir Brot satt zu essen haben.
- 7 Unsre Väter haben gesündigt und sind nicht mehr vorhanden, und wir müssen ihre Missetaten entgelten.
- 8 Knechte herrschen über uns, und ist niemand, der uns von ihrer Hand errette.
- 9 Wir müssen unser Brot mit Gefahr unsers Lebens holen vor dem Schwert in der Wüste.
- 10 Unsre Haut ist verbrannt wie in einem Ofen vor dem greulichen Hunger.
- 11 Sie haben die Weiber zu Zion geschwächt und die Jungfrauen in den Städten Juda's.
- 12 Die Fürsten sind von ihnen gehenkt, und die Person der Alten hat man nicht geehrt.
- 13 Die Jünglinge haben Mühlsteine müssen tragen und die Knaben über dem Holztragen straucheln.
- 14 Es sitzen die Alten nicht mehr unter dem Tor, und die Jünglinge treiben kein Saitenspiel mehr.
- 15 Unsers Herzens Freude hat ein Ende; unser Reigen ist in Wehklagen verkehrt.
- 16 Die Krone unsers Hauptes ist abgefallen. O weh, daß wir so gesündigt haben!
- 17 Darum ist auch unser Herz betrübt, und unsre Augen sind finster geworden
- 18 um des Berges Zion willen, daß er so wüst liegt, daß die Füchse darüber laufen.
- 19 Aber du, HERR, der du ewiglich bleibst und dein Thron für und für,
- 20 warum willst du unser so gar vergessen und uns lebenslang so gar verlassen?
- 21 Bringe uns, HERR, wieder zu dir, daß wir wieder heimkommen; erneuere unsre Tage wie vor alters!
- 22 Denn du hast uns verworfen und bist allzusehr über uns erzürnt.