Richter 20

Da zogen die Kinder Israel aus und versammelten sich zuhauf wie ein Mann, von Dan bis gen Beer-Seba und vom Lande Gilead zu dem HERRN gen Mizpa;

48 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Da zogen die Kinder Israel aus und versammelten sich zuhauf wie ein Mann, von Dan bis gen Beer-Seba und vom Lande Gilead zu dem HERRN gen Mizpa;
  2. 2 und traten zuhauf die Obersten des ganzen Volks aller Stämme Israels in der Gemeinde Gottes, vierhundertausend Mann zu Fuß, die das Schwert auszogen.
  3. 3 Aber die Kinder Benjamin hörten, daß die Kinder Israel hinauf gen Mizpa gezogen waren. Und die Kinder Israel sprachen: Sagt, wie ist das Übel zugegangen?
  4. 4 Da antwortete der Levit, des Weibes Mann, die erwürgt war, und sprach: Ich kam gen Gibea in Benjamin mit meinem Kebsweibe, über Nacht dazubleiben.
  5. 5 Da machten sich wider mich auf die Bürger zu Gibea und umgaben mich im Hause des Nachts und gedachten, mich zu erwürgen; und haben mein Kebsweib geschändet, daß sie gestorben ist.
  6. 6 Da faßte ich mein Kebsweib und zerstückte es und sandte es in alle Felder des Erbes Israels; denn sie haben einen Mutwillen und eine Torheit getan in Israel.
  7. 7 Siehe, da seid ihr Kinder Israel alle; schafft euch Rat und tut hierzu!
  8. 8 Da machte sich alles Volk auf wie ein Mann und sprach: Es soll niemand in seine Hütte gehen noch in sein Haus kehren;
  9. 9 sondern das wollen wir jetzt tun wider Gibea:
  10. 10 laßt uns losen und nehmen zehn Mann von hundert, und hundert von tausend, und tausend von zehntausend aus allen Stämmen Israels, daß sie Speise nehmen für das Volk, daß es komme und tue mit Gibea-Benjamin nach all seiner Torheit, die es in Israel getan hat.
  11. 11 Also versammelten sich zu der Stadt alle Männer Israels, wie ein Mann verbunden.
  12. 12 Und die Stämme Israels sandten Männer zu allen Geschlechtern Benjamins und ließen ihnen sagen: Was ist das für eine Bosheit, die bei euch geschehen ist?
  13. 13 So gebt nun her die Männer, die bösen Buben zu Gibea, daß wir sie töten und das Übel aus Israel tun! Aber die Kinder Benjamin wollten nicht gehorchen der Stimme ihrer Brüder, der Kinder Israel;
  14. 14 sondern versammelten sich aus den Städten gen Gibea, auszuziehen in den Streit wider die Kinder Israel.
  15. 15 Und wurden des Tages gezählt der Kinder Benjamin aus den Städten sechsundzwanzigtausend Mann, die das Schwert auszogen, ohne die Bürger zu Gibea, deren wurden siebenhundert gezählt, auserlesene Männer.
  16. 16 Und unter allem diesem Volk waren siebenhundert Mann auserlesen, die links waren und konnten mit der Schleuder ein Haar treffen, daß sie nicht fehlten.
  17. 17 Aber derer von Israel (ohne die von Benjamin) wurden gezählt vierhunderttausend Mann, die das Schwert führten, und alle streitbare Männer.
  18. 18 Die machten sich auf und zogen hinauf gen Beth-el und fragten Gott und sprachen: Wer soll vor uns hinaufziehen, den Streit anzufangen mit den Kindern Benjamin? Der HERR sprach: Juda soll anfangen.
  19. 19 Also machten sich die Kinder Israel des Morgens auf und lagerten sich vor Gibea.
  20. 20 Und ein jeder Mann von Israel ging heraus, zu streiten mit Benjamin, und schickten sich, zu streiten wider Gibea.
  21. 21 Da fielen die Kinder Benjamin heraus aus Gibea und schlugen des Tages unter Israel zweiundzwanzigtausend zu Boden.
  22. 22 Aber das Volk der Männer von Israel ermannte sich und stellte sich auf, noch weiter zu streiten am selben Ort, da sie sich des vorigen Tages gestellt hatten.
  23. 23 Und die Kinder Israel zogen hinauf und weinten vor dem HERRN bis an den Abend und fragten den HERRN und sprachen: Sollen wir wieder nahen, zu streiten mit den Kindern Benjamin, unsern Brüdern? Der HERR sprach: Zieht hinauf zu ihnen!
  24. 24 Und da die Kinder Israel sich machten an die Kinder Benjamin des andern Tages,
  25. 25 fielen die Benjaminiter heraus aus Gibea ihnen entgegen desselben Tages und schlugen von den Kindern Israel noch achtzehntausend zu Boden, die alle das Schwert führten.
  26. 26 Da zogen alle Kinder Israel hinauf und alles Volk und kamen gen Beth-El und weinten und blieben daselbst vor dem HERRN und fasteten den Tag bis zum Abend und opferten Brandopfer und Dankopfer vor dem HERRN.
  27. 27 Und die Kinder Israel fragten den HERRN (es war aber daselbst die Lade des Bundes Gottes zu der Zeit,
  28. 28 und Pinehas, der Sohn Eleasars, Aarons Sohns, stand vor ihm zu der Zeit) und sprachen: Sollen wir weiter ausziehen, zu streiten mit den Kindern Benjamin, unsern Brüdern, oder sollen wir ablassen? Der HERR sprach: Zieht hinauf; morgen will ich sie in eure Hände geben.
  29. 29 Und die Kinder Israel stellten einen Hinterhalt auf Gibea umher.
  30. 30 Und zogen also die Kinder Israel hinauf des dritten Tages gegen die Kinder Benjamin und stellten sich wider Gibea wie zuvor zweimal.
  31. 31 Da fuhren die Kinder Benjamin heraus, dem Volk entgegen, und wurden losgerissen von der Stadt und fingen an zu schlagen und zu verwunden etliche vom Volk, wie zuvor zweimal, im Felde auf zwei Straßen, deren eine gen Beth-El, die andere gen Gibea geht, bei dreißig Mann in Israel.
  32. 32 Da gedachten die Kinder Benjamin: Sie sind geschlagen vor uns wie vorhin. Aber die Kinder Israel sprachen: Laßt uns fliehen, daß wir sie von der Stadt reißen auf die Straßen!
  33. 33 Da machten sich auf alle Männer von Israel von ihrem Ort und stellten sich zu Baal-Thamar. Und der Hinterhalt Israels brach hervor an seinem Ort, von der Höhle Geba,
  34. 34 und kamen gen Gibea zehntausend Mann, auserlesen aus ganz Israel, daß der Streit hart ward; sie aber wußten nicht, daß sie das Unglück treffen würde.
  35. 35 Also schlug der HERR den Benjamin vor den Kindern Israel, daß die Kinder Israel auf den Tag verderbten fünfundzwanzigtausend und hundert Mann in Benjamin, die alle das Schwert führten.
  36. 36 Denn da die Kinder Benjamin sahen, daß sie geschlagen waren, gaben ihnen die Männer Israels Raum; denn sie verließen sich auf den Hinterhalt, den sie bei Gibea aufgestellt hatten.
  37. 37 Und der Hinterhalt eilte auch und brach hervor auf Gibea zu und zog hinan und schlug die ganze Stadt mit der Schärfe des Schwerts.
  38. 38 Sie hatten aber abgeredet miteinander, die Männer von Israel und der Hinterhalt, mit dem Schwert über sie zu fallen, wenn der Rauch aus der Stadt sich erhöbe.
  39. 39 Da nun die Männer von Israel sich wandten im Streit und Benjamin anfing zu schlagen und verwundeten in Israel bei dreißig Mann und gedachten: Sie sind vor uns geschlagen wie im vorigen Streit,
  40. 40 da fing an sich zu erheben von der Stadt ein Rauch stracks über sich. Und Benjamin wandte sich hinter sich, und siehe, da ging die Stadt ganz auf gen Himmel.
  41. 41 Und die Männer von Israel wandten sich auch um. Da erschraken die Männer Benjamins; denn sie sahen, daß sie das Unglück treffen wollte.
  42. 42 Und wandten sich von den Männern Israels auf den Weg zur Wüste; aber der Streit folgte ihnen nach, und die von den Städten hineingekommen waren, die verderbten sie drinnen.
  43. 43 Und sie umringten Benjamin und jagten ihn bis gen Menuha und zertraten sie bis vor Gibea gegen der Sonne Aufgang.
  44. 44 Und es fielen von Benjamin achtzehntausend Mann, die alle streitbare Männer waren.
  45. 45 Da wandten sie sich und flohen zu der Wüste, an den Fels Rimmon; aber auf derselben Straße schlugen sie fünftausend Mann und folgten ihnen hintennach bis gen Gideom und schlugen ihrer zweitausend.
  46. 46 Und also fielen des Tages von Benjamin fünfundzwanzigtausend Mann, die das Schwert führten und alle streitbare Männer waren.
  47. 47 Nur sechshundert Mann wandten sich und flohen zur Wüste, zum Fels Rimmon, und blieben im Fels Rimmon, vier Monate.
  48. 48 Und die Männer Israels kamen wieder zu den Kindern Benjamin und schlugen mit der Schärfe des Schwerts die in der Stadt, Leute und Vieh und alles, was man fand; und alle Städte, die man fand, verbrannte man mit Feuer.

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

Richter Kapitel 20 beschreibt den Bürgerkrieg zwischen den übrigen Stämmen Israels und dem Stamm Benjamin. Nachdem die schreckliche Tat aus Kapitel 19 bekannt geworden ist, versammelt sich ganz Israel, um über das Vorgehen zu beraten. Zunächst fordert man die Auslieferung der Schuldigen aus Gibea, doch Benjamin weigert sich und stellt sich schützend vor die Täter.

Es kommt zu einem Krieg. Obwohl Israel den Herrn befragt, erleidet es zunächst zwei schwere Niederlagen. Erst nachdem das Volk fastet, weint und Opfer bringt, schenkt Gott den Sieg. Der Stamm Benjamin wird beinahe vollständig vernichtet.

Die Hauptbotschaft lautet:

Gott ist gerecht und verurteilt Sünde. Gleichzeitig zeigt das Kapitel, dass auch diejenigen, die für eine gerechte Sache kämpfen, sich selbst demütigen und auf Gott vertrauen müssen.

Historischer Hintergrund

Die Ereignisse schließen direkt an Kapitel 19 an.

Die zwölf Teile des Leichnams der Frau werden in ganz Israel verschickt. Dadurch wird das Volk aufgerüttelt.

Die Bibel berichtet:

„Ganz Israel versammelte sich wie ein Mann“

Von Dan bis Beerscheba kommen die Stämme zusammen.

Diese Formulierung bedeutet:

Das ganze Volk erkennt, dass eine außergewöhnlich schwere Sünde geschehen ist.

Verse 1–7: Die Versammlung Israels

Der Levit erzählt, was in Gibea geschehen ist.

Sein Bericht konzentriert sich auf das Verbrechen.

Daraufhin sagt das Volk:

„Keiner von uns wird in sein Zelt gehen“

Stattdessen beschließen sie gemeinsames Handeln.

Geistliche Lektion

Schwere Sünde darf nicht gleichgültig behandelt werden.

Die Bibel zeigt, dass Gerechtigkeit notwendig ist.

Gleichzeitig muss sie nach Gottes Maßstäben erfolgen.

Verse 8–11: Der Beschluss

Israel entscheidet:

  • Man wird gegen Gibea ziehen.

  • Zunächst sollen die Täter ausgeliefert werden.

  • Erst wenn dies verweigert wird, soll gekämpft werden.

Das ist wichtig.

Israel beginnt nicht sofort mit Krieg, sondern fordert zunächst Recht.

Anwendung

Die Bibel unterstützt nicht vorschnelle Vergeltung.

Wenn möglich, soll zuerst eine gerechte Lösung gesucht werden.

Verse 12–17: Benjamin verweigert die Auslieferung

Die übrigen Stämme senden Boten:

„Gebt die Männer heraus, damit wir das Böse aus Israel wegschaffen“

Doch Benjamin lehnt ab.

Statt die Schuldigen zu bestrafen, schützt der Stamm sie.

Nun sammelt Benjamin seine Streitkräfte.

Unter ihnen befinden sich:

  • 26.000 Krieger,

  • zusätzlich 700 besonders geübte Schleuderer aus Gibea.

Von diesen heißt es:

Sie konnten auf ein Haar zielen und nicht fehlen.

Geistliche Lektion

Hier geschieht ein tragischer Fehler:

Loyalität gegenüber der eigenen Gruppe wird wichtiger als die Treue zu Gottes Gerechtigkeit.

Menschen verteidigen manchmal das Falsche,

nur weil es aus den eigenen Reihen stammt.

Verse 18: Die erste Frage an Gott

Israel zieht nach

Bethel

und fragt den Herrn:

„Wer soll zuerst hinaufziehen?“

Gott antwortet:

„Juda zuerst“

Auffällig ist:

Israel fragt nur nach der Reihenfolge,

nicht danach,

ob sie sich selbst prüfen müssen.

Verse 19–21: Die erste Niederlage

Israel greift an.

Benjamin schlägt sie.

22.000 Männer Israels fallen.

Das überrascht viele Leser.

Warum verliert Israel,

obwohl seine Sache gerecht erscheint?

Geistliche Bedeutung

Eine gerechte Sache allein garantiert noch keinen Sieg.

Auch Gottes Volk muss demütig vor ihm leben.

Verse 22–25: Die zweite Niederlage

Israel weint vor dem Herrn.

Sie fragen erneut:

„Sollen wir wieder kämpfen?“

Der Herr antwortet:

„Zieht hinauf gegen sie“

Doch auch diesmal verlieren sie.

18.000 Männer sterben.

Warum lässt Gott dies zu?

Das Kapitel gibt indirekt eine Antwort.

Erst später sehen wir,

dass Israel nun fastet,

Opfer bringt

und sich tief vor Gott demütigt.

Gott möchte nicht nur das Böse richten,

sondern auch sein eigenes Volk reinigen.

Verse 26–28: Wahre Demut

Nun geschieht etwas Neues.

Israel:

  • weint,

  • fastet bis zum Abend,

  • bringt Brandopfer,

  • bringt Friedensopfer.

Außerdem wird erwähnt, dass

Pinhas

vor der Bundeslade dient.

Jetzt fragen sie:

„Sollen wir noch einmal kämpfen oder aufhören?“

Diesmal antwortet Gott:

„Zieht hinauf; morgen werde ich sie in eure Hand geben“

Geistliche Lektion

Hier erkennen wir einen Unterschied:

Anfangs suchte Israel nur Führung.

Jetzt sucht Israel Gott selbst.

Verse 29–36: Der Hinterhalt

Israel legt einen Hinterhalt.

Benjamin greift erneut an.

Die Benjaminiten glauben,

sie würden wie zuvor siegen.

Sie verfolgen Israel aus der Stadt heraus.

Währenddessen nehmen die im Hinterhalt liegenden Männer Gibea ein.

Als das Rauchzeichen aufsteigt,

wendet sich Israel um.

Benjamin erkennt zu spät,

dass es in eine Falle geraten ist.

Verse 37–48: Der Stamm Benjamin wird fast vernichtet

Die Niederlage ist verheerend.

Etwa 25.000 Männer Benjamins sterben.

Nur 600 Männer fliehen in die Wüste zum Felsen Rimmon.

Anschließend zerstören die Israeliten Städte und Besitz Benjamins.

Eine ernste Beobachtung

Der Krieg beginnt mit dem Wunsch,

eine schreckliche Sünde zu bestrafen.

Er endet mit einer fast vollständigen Vernichtung eines Stammes Israels.

Das zeigt,

wie zerstörerisch Sünde werden kann.

Nicht nur die eigentlichen Täter,

sondern ein ganzer Stamm leidet unter den Folgen.

Der eigentliche Schwerpunkt des Kapitels

Viele fragen:

Warum ließ Gott Israel zweimal verlieren?

Die Antwort liegt wahrscheinlich darin,

dass Gott sein Volk lehren wollte,

nicht auf eigene Stärke zu vertrauen.

Sie mussten erkennen:

Selbst wenn ihre Sache gerecht war,

blieben sie von Gottes Gnade abhängig.

Historischer und theologischer Kontext

Der Bürgerkrieg gehört zu den dunkelsten Ereignissen der Richterzeit.

Das Kapitel zeigt,

wie weit Israel von Gottes ursprünglichem Plan entfernt war.

Statt gemeinsam gegen den Götzendienst zu kämpfen,

bekämpfen sich die Stämme gegenseitig.

Dies bestätigt erneut den Leitvers des Buches:

„Jeder tat, was recht war in seinen Augen“

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

  • 5. Mose 17: Schweres Unrecht soll aus Israel entfernt werden.

  • Josua 7: Die Sünde Einzelner kann Folgen für das ganze Volk haben.

  • Psalm 51: Gott freut sich über ein zerbrochenes und demütiges Herz.

  • Sprüche 3: Vertraue auf den Herrn und nicht auf deinen eigenen Verstand.

  • Jakobus 4: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“

  • 1. Petrus 5: „Demütigt euch unter die mächtige Hand Gottes“

Praktische Anwendung für heute

Dieses Kapitel fordert jeden Gläubigen heraus:

  • Bin ich bereit, Sünde auch dann klar zu benennen, wenn sie aus den eigenen Reihen kommt?

  • Suche ich Gottes Willen oder verlasse ich mich auf meine eigene Einschätzung?

  • Erkenne ich, dass selbst gerechte Ziele in Abhängigkeit von Gott verfolgt werden müssen?

  • Bin ich bereit, mich vor Gott zu demütigen, bevor ich über andere urteile?

Zentrale Botschaft des Kapitels

Richter 20 zeigt, dass Gott Sünde ernst nimmt und Gerechtigkeit fordert. Gleichzeitig macht das Kapitel deutlich, dass niemand aus eigener moralischer Überlegenheit handeln darf. Israel musste lernen, dass auch eine gerechte Sache nur dann zum richtigen Ziel führt, wenn sie in Demut und Abhängigkeit von Gott verfolgt wird. Das Kapitel erinnert daran, dass Gottes Volk zuerst sich selbst prüfen muss, bevor es andere richtet, und dass nur Gott vollkommene Gerechtigkeit und Weisheit besitzt.