Josua 19

Darnach fiel das zweite Los auf den Stamm der Kinder Simeon nach ihren Geschlechtern; und ihr Erbteil war unter dem Erbteil der Kinder Juda.

51 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Darnach fiel das zweite Los auf den Stamm der Kinder Simeon nach ihren Geschlechtern; und ihr Erbteil war unter dem Erbteil der Kinder Juda.
  2. 2 Und es ward ihnen zum Erbteil Beer-Seba, Seba, Molada,
  3. 3 Hazar-Sual, Bala, Ezem,
  4. 4 Eltholad, Bethul, Horma,
  5. 5 Ziklag, Beth-Markaboth, Hazar-Susa,
  6. 6 Beth-Lebaoth, Saruhen. Das sind dreizehn Städte und ihre Dörfer.
  7. 7 Ain, Rimmon, Ehter, Asan. Das sind vier Städte und ihre Dörfer.
  8. 8 Dazu alle Dörfer, die um diese Städte liegen, bis gen Baalath-Beer-Ramath gegen Mittag. Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Simeon nach ihren Geschlechtern.
  9. 9 Denn der Kinder Simeon Erbteil ist unter dem Erbteil der Kinder Juda. Weil das Erbteil der Kinder Juda ihnen zu groß war, darum erbten die Kinder Simeon unter ihrem Erbteil.
  10. 10 Das dritte Los fiel auf die Kinder Sebulon nach ihren Geschlechtern; und die Grenze ihres Erbteils war bis gen Sarid
  11. 11 und geht hinauf abendwärts gen Mareala und stößt an Dabbeseth und stößt an den Bach, der vor Jokneam fließt,
  12. 12 und wendet sich von Sarid gegen der Sonne Aufgang bis an die Grenze Kisloth-Thabor und kommt hinaus gen Dabrath und reicht hinauf gen Japhia,
  13. 13 und von da geht sie gegen Aufgang durch Gath-Hepher, Eth-Kazin und kommt hinaus gen Rimmon, Mithoar und Nea
  14. 14 und lenkt sich herum mitternachtwärts gen Hannathon und endet im Tal Jephthah-El,
  15. 15 und Kattath, Nahalal, Simron, Jedeala und Bethlehem. Das sind zwölf Städte und ihre Dörfer.
  16. 16 Das ist das Erbteil der Kinder Sebulon nach ihren Geschlechtern; das sind ihre Städte und Dörfer.
  17. 17 Das vierte Los fiel auf die Kinder Isaschar nach ihren Geschlechtern.
  18. 18 Und ihr Gebiet war Jesreel, Chesulloth, Sunem,
  19. 19 Hapharaim, Sion, Anaharath,
  20. 20 Rabbith, Kisjon, Ebez,
  21. 21 Remeth, En-Gannim, En-Hadda, Beth-Pazez,
  22. 22 und die Grenze stößt an Thabor, Sahazima, Beth-Semes, und ihr Ende ist am Jordan. Sechzehn Städte und ihre Dörfer.
  23. 23 Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Isaschar nach ihren Geschlechtern, die Städte und ihre Dörfer.
  24. 24 Das fünfte Los fiel auf den Stamm der Kinder Asser nach ihren Geschlechtern.
  25. 25 Und ihr Gebiet war Helkath, Hali, Beten, Achsaph,
  26. 26 Allammelech, Amead, Miseal, und die Grenze stößt an den Karmel am Meer und an Sihor-Libnath
  27. 27 und wendet sich gegen der Sonne Aufgang gen Beth-Dagon und stößt an Sebulon und an das Tal Jephthah-El mitternachtwärts, Beth-Emek, Negiel und kommt hinaus gen Kabul zur Linken,
  28. 28 Ebron, Rehob, Hammon, Kana bis an Groß-Sidon
  29. 29 und wendet sich gen Rama bis zu der festen Stadt Tyrus und wendet sich gen Hosa und endet am Meer in der Gegend von Achsib
  30. 30 und schließt ein Umma, Aphek, Rehob. Zweiundzwanzig Städte und ihre Dörfer.
  31. 31 Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Asser nach ihren Geschlechtern, die Städte und ihre Dörfer.
  32. 32 Das sechste Los fiel auf die Kinder Naphthali nach ihren Geschlechtern.
  33. 33 Und ihre Grenze war von Heleph, von den Eichen bei Zaanannim an, Adami-Nebek, Jabneel, bis gen Lakkum und endet am Jordan,
  34. 34 und die Grenze wendet sich zum Abend gen Asnoth-Thabor und kommt von da hinaus gen Hukkok und stößt an Sebulon gegen Mittag und an Asser gegen Abend und an Juda am Jordan gegen der Sonne Aufgang;
  35. 35 und feste Städte sind: Ziddim, Zer, Hammath, Rakkath, Kinnereth,
  36. 36 Adama, Rama, Hazor,
  37. 37 Kedes, Edrei, En-Hazor,
  38. 38 Jereon, Migdal-El, Horem, Beth-Anath, Beth-Semes. Neunzehn Städte und ihre Dörfer.
  39. 39 Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Naphthali nach ihren Geschlechtern, die Städte und ihre Dörfer.
  40. 40 Das siebente Los fiel auf den Stamm der Kinder Dan nach ihren Geschlechtern.
  41. 41 Und das Gebiet ihres Erbteils waren Zora, Esthaol, Ir-Semes,
  42. 42 Saalabbin, Ajalon, Jethla,
  43. 43 Elon, Thimnatha, Ekron,
  44. 44 Eltheke, Gibbethon, Baalath,
  45. 45 Jehud, Bne-Barak, Gath-Rimmon,
  46. 46 Me-Jarkon, Rakkon mit den Grenzen gegen Japho.
  47. 47 Und an demselben endet das Gebiet der Kinder Dan. Und die Kinder Dan zogen hinauf und stritten wider Lesem und gewannen und schlugen es mit der Schärfe des Schwerts und nahmen es ein und wohnten darin und nannten es Dan nach ihres Vaters Namen.
  48. 48 Das ist das Erbteil des Stammes der Kinder Dan nach ihren Geschlechtern, die Städte und ihre Dörfer.
  49. 49 Und da sie das Ganze Land ausgeteilt hatten nach seinen Grenzen, gaben die Kinder Israel Josua, dem Sohn Nuns, ein Erbteil unter ihnen
  50. 50 und gaben ihm nach dem Befehl des HERRN die Stadt, die er forderte, nämlich Thimnath-Serah auf dem Gebirge Ephraim. Da baute er die Stadt und wohnte darin.
  51. 51 Das sind die Erbteile, die Eleasar, der Priester, und Josua, der Sohn Nuns, und die Obersten der Vaterhäuser unter den Stämmen durchs Los den Kindern Israel austeilten zu Silo vor dem HERRN, vor der Tür der Hütte des Stifts; und vollendeten also das Austeilen des Landes.

Kapitelüberblick

Die Verteilung des verheißenen Landes wird fortgesetzt und zum Abschluss gebracht. Sechs weitere Stämme erhalten ihre Erbteile durch das Los vor dem HERRN. Simeon bekommt Städte innerhalb des bereits zugewiesenen Gebietes Judas, während Sebulon, Issaschar, Asser und Naphtali ihre Gebiete im Norden Kanaans erhalten. Dan wird zunächst ein Erbteil westlich des Gebirges Ephraim zugesprochen. Der Bericht erzählt jedoch auch davon, wie die Daniter später die Stadt Leschem im Norden erobern und ihr den Namen Dan geben.

Nachdem die Stammesgebiete verteilt worden sind, erhält auch Josua persönlich ein Erbteil. Auf Gottes Anweisung wird ihm die Stadt Timnat-Serach im Gebirge Ephraim zugesprochen, die er aufbaut und bewohnt. Den Abschluss bildet die Bestätigung, dass Eleasar, Josua und die Familienhäupter die Landverteilung in Silo vor dem HERRN vollendet haben. Damit endet die ausführliche Zuteilung der Stammesgebiete und ein wesentlicher Abschnitt der Geschichte Israels im verheißenen Land.

Einführung

Mit dem Einzug in Kanaan begann für Israel eine neue Phase seiner Geschichte. Das Volk, das während der Wüstenwanderung gemeinsam unterwegs gewesen war, sollte nun in seinen jeweiligen Stammesgebieten dauerhaft wohnen. Grundlage dieser Ordnung waren die Verheißungen Gottes an Abraham, Isaak und Jakob. Bereits Mose hatte Anweisungen zur Verteilung des Landes gegeben und dabei sowohl die Größe der Stämme als auch die Entscheidung durch das Los berücksichtigt (4. Mose 26,52–56).

Die vorausgehenden Kapitel schildern, wie diese Anordnungen schrittweise umgesetzt wurden. Die ostjordanischen Besitzungen waren bereits unter Mose vergeben worden. Danach erhielten Juda und die Nachkommen Josephs ihre Gebiete. In Josua 18 wurde die Stiftshütte in Silo aufgestellt und die Verteilung der noch verbliebenen Landesteile vorbereitet. Das erste der dort geworfenen Lose fiel auf Benjamin. An diese Entscheidung schließt der vorliegende Bericht unmittelbar an.

Die ausführlichen Ortslisten sind vor dem Hintergrund der damaligen Landordnung zu verstehen. Städte, Dörfer, Quellen, Täler und Gebirgszüge dienten dazu, die Gebiete der einzelnen Familien abzugrenzen. Viele der genannten Orte lassen sich heute nur ungefähr oder überhaupt nicht sicher bestimmen. Auch die überlieferten Städtenamen und Zahlen weisen stellenweise Unterschiede auf, die eine sorgfältige Prüfung erfordern.

Die Darstellung der Erbteile ist zudem nicht in jeder Hinsicht eine chronologische Erzählung. Besonders bei Dan greift der Bericht auf einen Vorgang zurück, der im Richterbuch ausführlicher geschildert wird. Für das Verständnis des Kapitels ist deshalb zwischen der ursprünglichen Landzuteilung, späteren Veränderungen und der tatsächlichen Besitznahme zu unterscheiden.

Josua 19,1–6

Simeons Erbteil innerhalb Judas und die dreizehn Städte

Nachdem Benjamin das erste der sieben verbliebenen Erbteile erhalten hatte, fällt das zweite Los auf Simeon. Gleich zu Beginn nennt Vers 1 eine Besonderheit: Das Gebiet der Nachkommen Simeons liegt mitten innerhalb des Erbteils Judas. Anders als Benjamin, dessen Grenzen im vorhergehenden Kapitel ausführlich beschrieben wurden, erhält Simeon hier kein durch eigene Grenzlinien abgegrenztes Stammesgebiet. Stattdessen besteht seine Zuteilung aus Städten und ihren umliegenden Siedlungen innerhalb eines bereits vergebenen Gebietes. Der Text betont dennoch, dass Simeon sein Erbteil nach seinen Geschlechtern erhält. Seine Familien besitzen damit ein eigenes, ausdrücklich zugewiesenes Erbe, obwohl dieses geografisch in das Stammesgebiet Judas eingebettet ist.

Diese besondere Lage erinnert an die Worte Jakobs über Simeon und Levi in 1. Mose 49,5–7. Jakob hatte ihre Gewalttat an den Männern Sichems verurteilt und angekündigt, dass ihre Nachkommen innerhalb Israels zerstreut werden sollten. Die spätere Landverteilung lässt eine Verbindung zu dieser Ankündigung erkennen. Allerdings erfüllte sich die Zerstreuung bei beiden Stämmen nicht auf dieselbe Weise. Levi erhielt kein zusammenhängendes Stammesgebiet, sondern später Städte in verschiedenen Teilen Israels. Simeon bekam dagegen eigene Städte innerhalb Judas. Josua 19 erklärt diese Zuteilung nicht ausdrücklich als Erfüllung der Worte Jakobs. Der Zusammenhang wird erst durch den Vergleich beider Bibelstellen sichtbar und sollte deshalb nicht mit einer unmittelbaren Begründung des Losentscheids verwechselt werden.

Die Städteaufzählung beginnt in Vers 2 mit Beer-Seba, einer der bekanntesten Siedlungen im südlichen Kanaan. Bereits Abraham hatte in dieser Gegend gewohnt und dort den Namen des HERRN angerufen (1. Mose 21,33). Auch Isaak hielt sich in Beer-Seba auf, wo Gott ihm seine Verheißung bestätigte (1. Mose 26,23–25). Später begegnet die Stadt häufig in der Wendung „von Dan bis Beer-Seba“, die die nördliche und südliche Ausdehnung des israelitischen Siedlungsgebietes bezeichnet (1. Samuel 3,20). In Josua 19 ist Beer-Seba jedoch zunächst eine Stadt innerhalb des Erbteils Simeons. Ihre frühere Bedeutung in der Geschichte der Erzväter erklärt, weshalb dieser Name bereits lange vor der Stammesverteilung bekannt war.

Die folgenden Orte, darunter Molada, Hazar-Schual, Bala, Ezem, El-Tolad, Betuel und Horma, gehören ebenfalls zur südlichen Landschaft Kanaans. Mehrere von ihnen erscheinen bereits in Josua 15 unter den Städten Judas. Besonders Horma besitzt einen geschichtlichen Zusammenhang mit der Landnahme. In 4. Mose 21,1–3 wird berichtet, dass Israel nach einem Sieg über kanaanitische Gegner diesen Namen verwendete. Richter 1,17 erzählt später, dass Juda und Simeon gemeinsam gegen die Kanaaniter in Zephat kämpften und den Ort Horma nannten. Ob sämtliche Erwähnungen dieselbe Siedlung und denselben Vorgang betreffen, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Der Vergleich zeigt jedoch, dass die gemeinsame Geschichte Judas und Simeons nicht auf die bloße Nachbarschaft ihrer Erbteile beschränkt blieb.

In Vers 5 werden unter anderem Ziklag, Beth-Hammarkabot, Hazar-Susa, Beth-Lebaot und Saruhen genannt. Auch diese Orte gehörten zu den südlichen Siedlungsgebieten. Ziklag wird später in der Geschichte Davids wichtig. Nach 1. Samuel 27,5–6 erhielt David die Stadt vom Philisterkönig Achis, als er sich zeitweise im Gebiet der Philister aufhielt. Das bedeutet nicht, dass Ziklag schon zur Zeit Josuas von den Philistern beherrscht wurde. Die verschiedenen Berichte beziehen sich auf unterschiedliche geschichtliche Situationen und zeigen, dass die tatsächlichen Herrschaftsverhältnisse einer Stadt im Laufe der Zeit wechseln konnten. Die Namen Beth-Hammarkabot und Hazar-Susa lassen sich sprachlich mit Wagen beziehungsweise Pferden verbinden. Daraus allein kann jedoch nicht geschlossen werden, dass diese Orte nachweislich bedeutende Zentren der Streitwagenherstellung oder Pferdezucht waren.

Eine besondere Schwierigkeit entsteht bei der Gesamtzahl der Städte. Die Schlachter 1951 nennt in den Versen 2–5 dreizehn Ortsnamen und fasst sie in Vers 6 ausdrücklich als dreizehn Städte mit ihren Dörfern zusammen. Der masoretische hebräische Text enthält dagegen unmittelbar nach Beer-Seba einen zusätzlichen Namen, Scheba. Werden Beer-Seba und Scheba als zwei selbstständige Städte gezählt, ergeben sich vierzehn Namen, obwohl auch der hebräische Text dreizehn Städte nennt. Manche Ausleger verstehen Scheba deshalb als einen zweiten Namen für Beer-Seba oder als versehentliche Wiederholung eines Namensbestandteils. Andere halten Scheba für einen eigenständigen Ort und verweisen auf die ähnlich lautende Stadt Schema in Josua 15,26. Auch die griechische Überlieferung kennt eine entsprechende abweichende Namensform. Keine dieser Erklärungen entscheidet die Frage endgültig. Die Schlachter 1951 bietet eine Liste, deren dreizehn Namen mit der angegebenen Gesamtzahl übereinstimmen; die abweichende hebräische Überlieferung bleibt dennoch zu berücksichtigen.

Vers 6 schließt diese erste Städtegruppe mit dem Hinweis auf ihre zugehörigen Dörfer ab. Das Erbteil Simeons bestand also nicht lediglich aus dreizehn voneinander unabhängigen Ortschaften. Zu den Städten gehörten kleinere Ansiedlungen und die umliegenden Gebiete, die ihren Bewohnern als Lebensgrundlage dienten. Wie groß diese Besitzungen jeweils waren und ob sie überall ein zusammenhängendes Gebiet bildeten, lässt sich aus der Liste nicht bestimmen. Sicher ist jedoch, dass Simeon innerhalb Judas einen eigenen Erbbesitz erhielt, der konkrete Städte und deren Dörfer umfasste. Die folgenden Verse ergänzen diese Aufzählung um weitere Orte und erklären schließlich ausdrücklich, weshalb ein Teil des ursprünglich Juda zugesprochenen Gebietes an Simeon überging.

Josua 19,7–9

Die übrigen Städte Simeons und die Anpassung des Erbteils Judas

Nachdem die ersten dreizehn Städte Simeons genannt worden sind, ergänzt Vers 7 die Aufzählung um vier weitere Orte: Ain, Rimmon, Eter und Asan. Auch zu diesen Städten gehören die umliegenden Dörfer. Damit umfasst die Zuteilung Simeons zunächst zwei ausdrücklich unterschiedene Städtegruppen mit insgesamt siebzehn genannten Städten. Die zweite Gruppe ist nicht einfach eine Wiederholung der ersten, sondern erweitert den Erbbesitz um weitere Siedlungen. Dass die Städte in zwei Gruppen aufgeführt werden, könnte mit ihrer unterschiedlichen geografischen Lage zusammenhängen. Der Text erklärt die Gliederung jedoch nicht ausdrücklich, sodass daraus keine gesicherte administrative Einteilung abgeleitet werden kann.

Ain und Rimmon waren bereits in Josua 15,32 unter den Städten Judas genannt worden. Auch Eter und Asan erscheinen in Josua 15,42 innerhalb des judäischen Erbteils. Ihre erneute Erwähnung bestätigt somit, dass Simeon Städte erhielt, die zuvor Juda zugesprochen worden waren. Die Namen Ain und Rimmon begegnen außerdem in 1. Chronik 4,32 bei einer späteren Aufzählung simeonitischer Städte. Dort werden allerdings fünf Orte genannt, darunter Etam und Tochen, während Josua 19,7 vier Städte aufführt. Die unterschiedliche Zusammenstellung lässt sich nicht vollständig erklären. Möglich sind abweichende Namensformen oder Veränderungen des Siedlungsbestandes. Die beiden Berichte sollten deshalb nicht ohne weitere Prüfung als vollständig identische Ortslisten behandelt werden.

Vers 8 erweitert den Blick von den Städten auf die umliegenden Dörfer. Das Erbteil reicht bis nach Baalat-Beer-Ramat gegen Süden, wie die Schlachter 1951 die Ortsangabe wiedergibt. Der hebräische Text nennt Baalat-Beer und Ramat-Negeb. Häufig wird die zweite Bezeichnung als ein weiterer Name für Baalat-Beer verstanden, sodass von einem Ort die Rede wäre, der auch „Rama des Südlandes“ genannt wurde. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Ramat-Negeb als zusätzlichen geografischen Orientierungspunkt zu verstehen. Welche Erklärung ursprünglich beabsichtigt war, ist nicht abschließend gesichert. Das hebräische Negeb bezeichnet das südliche, überwiegend trockene Land Kanaans. Die Angabe macht damit deutlich, dass sich Simeons Erbteil weit in den Süden des zuvor Juda zugesprochenen Gebietes erstreckte.

Die ausdrückliche Erwähnung aller umliegenden Dörfer ist für das Verständnis der Landverteilung wichtig. Simeon erhielt nicht nur einzelne Städte, deren Namen in einer Liste festgehalten wurden. Zu seinem Besitz gehörten auch kleinere Ansiedlungen und die Landschaften, die für das Leben und die Versorgung der Familien notwendig waren. Der Umfang dieser Gebiete wird allerdings nicht durch eine eigene zusammenhängende Grenzbeschreibung bestimmt. Anders als bei Benjamin oder Juda lässt sich Simeons Erbteil deshalb nicht anhand einer vollständig beschriebenen äußeren Grenzlinie rekonstruieren. Die überlieferten Städtenamen ermöglichen eine geografische Einordnung, legen aber nicht jede Einzelheit der Besitzverhältnisse fest.

In Vers 9 erklärt der Bericht schließlich ausdrücklich, weshalb Simeon sein Erbteil innerhalb Judas erhielt. Das Gebiet, das Juda zunächst zugesprochen worden war, erwies sich für diesen Stamm als zu groß. Deshalb wurde ein Teil davon den Nachkommen Simeons überlassen. Diese Begründung ist bemerkenswert, weil sie zeigt, dass die Landverteilung nicht lediglich aus voneinander unabhängigen Losentscheidungen bestand. Die bereits festgelegten Besitzungen mussten bei der weiteren Zuteilung berücksichtigt werden. Die Anpassung steht zugleich im Einklang mit dem Grundsatz aus 4. Mose 26,53–56, wonach die Größe des Erbteils in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Angehörigen eines Stammes stehen sollte. Der Text nennt jedoch keine genauen Flächenangaben oder Berechnungen, aus denen sich bestimmen ließe, wie groß Judas ursprünglicher Überschuss war.

Die Verkleinerung des judäischen Anteils wird dabei nicht als Bestrafung Judas oder als Folge eines Streites zwischen beiden Stämmen dargestellt. Ebenso wenig berichtet der Text, dass Juda sich gegen die Abgabe dieser Gebiete gewehrt hätte. Die Entscheidung erscheint vielmehr als Bestandteil der geordneten Verteilung des Landes. Juda behielt sein eigenes Erbteil, während Simeon innerhalb dieses Gebietes einen rechtmäßigen Besitz erhielt. Beide Stämme waren damit geografisch eng miteinander verbunden, blieben aber eigenständige Stammesgemeinschaften mit ihren jeweiligen Familien und Erbrechten.

Die Verse 7–9 schließen die Beschreibung Simeons mit einer besonderen Einsicht ab: Ein bereits zugesprochenes Stammesgebiet konnte bei der weiteren Landverteilung so berücksichtigt werden, dass auch die Bedürfnisse eines anderen Stammes ihren Platz fanden. Entscheidend war nicht, dass jeder Stamm ein vollkommen getrenntes Gebiet erhielt, sondern dass die Familien Israels entsprechend der festgelegten Ordnung mit Land versorgt wurden. Simeons Erbteil innerhalb Judas verdeutlicht diese besondere Form der Zuteilung. Mit Vers 10 beginnt anschließend die Beschreibung des dritten Loses, das auf Sebulon fällt und den Blick von den südlichen Landschaften Kanaans in das nördliche Stammesgebiet führt.

Josua 19,10–16

Sebulons Gebiet und die zwölf Städte im südlichen Galiläa

Mit Vers 10 beginnt die Beschreibung des dritten Loses, das auf die Nachkommen Sebulons fällt. Anders als Simeon, dessen Erbteil innerhalb des Gebietes Judas lag, erhält Sebulon ein eigenes Stammesgebiet im nördlichen Kanaan. Die Grenzbeschreibung beginnt bei Sarid, einem Ort, dessen genaue Lage heute nicht zweifelsfrei bestimmt werden kann. Gewöhnlich wird er im Bereich des südlichen Galiläa, nahe der Jesreelebene, gesucht. Von diesem Ausgangspunkt aus beschreibt der Text verschiedene Grenzabschnitte, die nach Westen, Osten und Norden führen. Die Darstellung entspricht damit keiner einfachen Aufzählung von Städten, sondern versucht, den Umfang des zugewiesenen Landes anhand bestimmter geografischer Orientierungspunkte festzuhalten.

Vers 11 verfolgt zunächst den westlichen Grenzverlauf. Von Sarid führt die Linie in Richtung Marala und Dabbeschet, bevor sie ein Tal beziehungsweise einen Bachlauf in der Nähe von Jokneam erreicht. Jokneam lag im Bereich des Karmelgebirges und wird bereits in Josua 12,22 unter den Städten genannt, deren Könige von Israel besiegt worden waren. Die Erwähnung eines Wasserlaufes ist für die Grenzbeschreibung bedeutsam. Im hebräischen Text steht das Wort nachal, das sowohl einen Bach als auch ein Tal bezeichnen kann, durch das zeitweise Wasser fließt. Ein solcher Geländeeinschnitt konnte als erkennbare Grenze dienen, selbst wenn er nicht ganzjährig Wasser führte. Welcher heutige Wasserlauf hier genau gemeint ist, lässt sich allerdings nicht sicher bestimmen.

In Vers 12 kehrt die Beschreibung zum Ausgangspunkt Sarid zurück und verfolgt die Grenze nun nach Osten. Diese erneute Nennung zeigt, dass die Grenzbeschreibung nicht einfach eine fortlaufende Reise von einem Ort zum nächsten wiedergibt. Vielmehr werden von einem gemeinsamen Bezugspunkt aus verschiedene Richtungen beschrieben. Die östliche Linie führt über Kislot-Tabor und Daberat nach Jafia. Der Name Kislot-Tabor weist auf die Gegend des Berges Tabor hin, eines markanten Berges am Rand der Jesreelebene. Daberat erscheint später in Josua 21,28 als eine Stadt, die den Leviten aus den Geschlechtern Gersons zugeteilt wurde. Die spätere Überlassung einer Stadt an die Leviten bedeutete nicht, dass das gesamte umliegende Stammesgebiet seine Zugehörigkeit zu Sebulon verlor. Die levitischen Städte bildeten eine besondere Besitzordnung innerhalb der Stammesgebiete Israels.

Von Jafia aus verläuft die Grenze nach Vers 13 weiter über Gat-Hepher und Et-Kazin nach Rimmon und in Richtung Nea. Die genaue Lage mehrerer dieser Orte ist umstritten. Besonders bei Rimmon enthält der hebräische Wortlaut eine schwierige Formulierung, die unterschiedlich übersetzt wird. Manche Ausleger verstehen die Angabe als Beschreibung einer Richtungsänderung bei Rimmon, andere verbinden die nachfolgenden Wörter enger mit dem Ortsnamen. Deshalb lässt sich der exakte Grenzverlauf aus diesem Vers nicht vollständig rekonstruieren. Dennoch wird deutlich, dass die Beschreibung verschiedene Orte im östlichen und nordöstlichen Bereich des Stammesgebietes miteinander verbindet, bevor sie in Vers 14 die nördliche Grenze erreicht.

Gat-Hepher besitzt eine besondere Bedeutung für die spätere biblische Geschichte. Nach 2. Könige 14,25 stammte der Prophet Jona, der Sohn Amittais, aus dieser Stadt. Jona war somit mit einer Landschaft verbunden, die bereits bei der Landverteilung Sebulon zugesprochen worden war. Diese Herkunft wird im zweiten Königsbuch im Zusammenhang mit einer prophetischen Ankündigung während der Regierungszeit Jerobeams II. erwähnt. Das Buch Jona berichtet dagegen vor allem von Jonas Sendung nach Ninive. Die Verbindung beider Bücher hilft, den Propheten geografisch und geschichtlich einzuordnen. Josua 19 selbst enthält jedoch noch keine Aussage über seine spätere Berufung oder seinen Dienst.

Vers 14 beschreibt, wie die Grenze nördlich um Hannaton verläuft und schließlich im Tal Jiftach-El endet. Dieses Tal wird später in Josua 19,27 erneut genannt, diesmal bei der Grenzbeschreibung Assers. Die wiederholte Erwähnung zeigt, dass es als Orientierungspunkt zwischen benachbarten Stammesgebieten diente. Die genaue Lage des Tales ist nicht vollständig gesichert, doch gewöhnlich wird es im Bereich des westlichen Galiläa gesucht. Die beiden Grenzbeschreibungen ergänzen einander, ohne dass sich daraus jede Einzelheit der damaligen Stammesgrenzen rekonstruieren ließe. Insgesamt erscheint Sebulons Erbteil als ein Gebiet des südlichen Galiläa, das an bedeutende Verkehrsverbindungen und benachbarte Stammesgebiete anschloss. Der Text sagt jedoch nicht ausdrücklich, dass Sebulon selbst einen Küstenstreifen am Mittelmeer erhielt.

Vers 15 nennt schließlich fünf Städte: Kattat, Nahalal, Simron, Jideala und Bethlehem. Besonders bei Bethlehem ist eine wichtige Unterscheidung notwendig. Hier handelt es sich nicht um Bethlehem in Juda, den späteren Geburtsort Jesu, sondern um eine gleichnamige Stadt im Gebiet Sebulons. Der Ortsname allein reicht daher nicht aus, um biblische Ereignisse geografisch zuzuordnen. Auch Simron darf nicht ohne weitere Prüfung mit jedem anderen Ort gleichen oder ähnlichen Namens gleichgesetzt werden. Mehrere der genannten Städte lassen sich heute nur ungefähr lokalisieren, weshalb ihre Reihenfolge nicht als vollständig gesicherter Reiseweg verstanden werden sollte.

Eine Schwierigkeit entsteht durch die abschließende Angabe von zwölf Städten. Unmittelbar davor nennt Vers 15 nur fünf Ortsnamen. Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass weitere Städte aus der vorausgehenden Grenzbeschreibung mitgezählt wurden. Der Text erklärt allerdings nicht ausdrücklich, welche Orte zur Gesamtzahl gehören. Ebenso ist nicht sicher nachweisbar, dass ursprünglich sieben weitere Städtenamen vorhanden waren, die später verloren gingen. Deshalb sollte die Zahl zwölf als überlieferte Gesamtangabe anerkannt werden, ohne eine vollständige Liste durch Vermutungen zu ergänzen. Vers 16 schließt den Abschnitt mit der Bestätigung, dass diese Städte und ihre zugehörigen Dörfer das Erbteil Sebulons nach seinen Geschlechtern bildeten. Die Landzuteilung umfasst damit nicht nur die ausdrücklich genannten Städte, sondern auch die zugehörigen kleineren Siedlungen und den Familienbesitz.

Die Verse 10–16 zeigen, wie das dritte Los in die geografische Ordnung des verheißenen Landes eingefügt wird. Sebulon erhält ein eigenes Erbteil, dessen Grenzen anhand von Orten, Höhenzügen und Tälern beschrieben werden. Nicht jede Einzelheit lässt sich heute sicher bestimmen, doch die Zugehörigkeit des Gebietes zum Stamm Sebulon steht im Mittelpunkt des Berichtes. Mit dem folgenden vierten Los richtet sich der Blick auf Issaschar, dessen Erbteil unter anderem die Landschaften um Jesreel und den Berg Tabor umfasst.

Josua 19,17–23

Issaschars Erbteil zwischen Jesreel, Tabor und Jordan

Mit Vers 17 beginnt die Beschreibung des vierten Loses, das auf die Nachkommen Issaschars fällt. Ihr Erbteil liegt im nördlichen Kanaan, südöstlich des Gebietes Sebulons, und umfasst Teile der Jesreelebene sowie die angrenzenden Höhenlandschaften. Im Unterschied zu den ausführlichen Grenzbeschreibungen anderer Stämme nennt der Text zunächst eine Reihe von Städten und ergänzt anschließend einige wichtige Grenzpunkte. Dadurch lässt sich die ungefähre Lage des Stammesgebietes erkennen, auch wenn sein genauer Verlauf nicht an jeder Stelle rekonstruiert werden kann. Die Erwähnung der Geschlechter Issaschars zeigt zugleich, dass die Zuteilung nicht nur dem Stamm als Ganzem galt, sondern den einzelnen Familien eine dauerhafte Lebensgrundlage geben sollte.

An erster Stelle steht Jesreel, eine Stadt, nach der auch die weite Ebene südlich des galiläischen Berglandes benannt wurde. Diese Landschaft war für ihre landwirtschaftlichen Möglichkeiten und ihre Bedeutung als Verbindungsraum zwischen verschiedenen Teilen Kanaans bekannt. Zugleich bot das offene Gelände günstige Bedingungen für den Einsatz von Streitwagen, weshalb die Ebene in mehreren biblischen Kriegsberichten eine wichtige Rolle spielt. Schon Josua 17,16 hatte erwähnt, dass die Kanaaniter in der Jesreelebene eiserne Streitwagen besaßen. Dass Issaschar nun Städte in dieser Gegend erhält, bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche dortigen kanaanitischen Machtzentren bereits vollständig unter israelitischer Herrschaft standen. Josua 17,11–13 berichtet ausdrücklich von bedeutenden Städten, die Manasse innerhalb der Gebiete Issaschars und Assers zugesprochen worden waren, ohne ihre Bewohner vollständig vertreiben zu können.

Jesreel wird später besonders durch die Geschichte Naboths bekannt. Nach 1. Könige 21 besaß Naboth dort einen Weinberg, den König Ahab erwerben wollte. Als Naboth sich weigerte, das Erbe seiner Väter aufzugeben, ließ Isebel durch falsche Anschuldigungen seinen Tod herbeiführen. Die Geschichte zeigt, welche Bedeutung der ererbte Familienbesitz auch in späterer Zeit innerhalb Israels hatte. Was in Josua 19 als geordnete Landzuteilung beschrieben wird, erscheint dort als ein Recht, das selbst ein König nicht willkürlich übergehen durfte. Der spätere Vorgang erklärt allerdings nicht die ursprüngliche Zuteilung Jesreels, sondern zeigt, wie bedeutsam das Familienerbe im weiteren Verlauf der Geschichte blieb.

Neben Jesreel werden Kessulot und Sunem genannt. Sunem lag im Bereich der Jesreelebene und erscheint ebenfalls in späteren biblischen Berichten. In 1. Samuel 28,4 versammelten sich die Philister dort, während Saul mit dem israelitischen Heer auf dem Gebirge Gilboa lagerte. Besonders bekannt ist Sunem jedoch durch die Geschichte der Frau, die dem Propheten Elisa Gastfreundschaft gewährte. Nach 2. Könige 4,8–37 erhielt sie die Verheißung eines Sohnes, der später schwer erkrankte und starb. Elisa betete zu Gott, und das Kind wurde wieder lebendig. Diese Ereignisse gehören zu einer wesentlich späteren Zeit, zeigen aber, dass Sunem über die ursprüngliche Landverteilung hinaus ein bekannter Ort blieb.

Die folgenden Verse nennen Hapharaim, Schion, Anaharat, Rabbit, Kisjon, Ebez, Remet, En-Gannim, En-Hadda und Beth-Pazez. Von mehreren dieser Orte sind heute weder die genaue Lage noch weitere geschichtliche Einzelheiten sicher bekannt. Besonders En-Gannim besitzt jedoch eine wichtige Verbindung zu Josua 21,28–29. Dort werden Kisjon und En-Gannim gemeinsam mit Daberat und Jarmut als Städte genannt, die den Leviten aus den Geschlechtern Gersons zugeteilt wurden. Die spätere Überlassung dieser Städte an die Leviten änderte nichts daran, dass sie innerhalb des Gebietes Issaschars lagen. Sie zeigt vielmehr, wie die besondere Versorgung des Stammes Levi in die bereits bestehende Landordnung eingefügt wurde. Dass auch Daberat in dieser Liste erscheint, erinnert an die vorherige Grenzbeschreibung Sebulons, in der derselbe Ort bereits als Orientierungspunkt genannt worden war (Josua 19,12).

Vers 22 ergänzt die Städteaufzählung durch drei weitere Orientierungspunkte: Tabor, Sahazim und Beth-Semes. Besonders der Name Tabor ist bekannt, weil der gleichnamige Berg die Landschaft am Rand der Jesreelebene deutlich überragt. Später sammelte Barak auf Anweisung Deboras dort die israelitischen Kämpfer zum Kampf gegen Sisera (Richter 4,6.12–14). Allerdings muss zwischen dem Berg Tabor und einem möglicherweise gleichnamigen Ort unterschieden werden. Da Josua 19,22 innerhalb einer Städte- und Grenzbeschreibung steht, kann Tabor hier auch eine Siedlung in der Nähe des Berges bezeichnen. Die genaue Zuordnung bleibt unsicher. Gleiches gilt für Sahazim, dessen Standort nicht zuverlässig bestimmt werden kann. Auch Beth-Semes darf nicht mit der gleichnamigen Stadt im Gebiet Judas verwechselt werden, die später in der Geschichte der Bundeslade erwähnt wird (1. Samuel 6,12–15). Mehrere israelitische Orte trugen diesen Namen.

Die Grenze Issaschars endet nach Vers 22 am Jordan. Damit reicht das Stammesgebiet im Osten bis zu diesem Fluss. Anschließend nennt der Text ausdrücklich sechzehn Städte mit ihren Dörfern. Anders als bei einigen anderen Städteaufzählungen im Josuabuch lässt sich diese Gesamtzahl aus dem unmittelbaren Zusammenhang nachvollziehen: In den Versen 18–21 stehen dreizehn Ortsnamen, während Vers 22 drei weitere Orte beziehungsweise Grenzpunkte nennt. Ob jeder dieser Grenzpunkte ursprünglich als eigenständige Stadt zur Gesamtzahl gehörte, wird nicht näher erläutert. Die ausdrückliche Angabe von sechzehn Städten bleibt jedoch die maßgebliche Zusammenfassung des Textes. Vers 23 bestätigt abschließend, dass diese Städte und ihre zugehörigen Dörfer das Erbteil der Nachkommen Issaschars bildeten.

Die Verse 17–23 beschreiben somit ein Stammesgebiet, das bedeutende Teile der Jesreelebene mit den angrenzenden Landschaften bis zum Jordan verband. Einige seiner Städte werden in der weiteren Geschichte Israels zu wichtigen Schauplätzen, während andere nur durch die überlieferte Landliste bekannt sind. Zugleich zeigt die Erwähnung späterer Levitenstädte, dass innerhalb eines Stammesgebietes besondere Besitzordnungen bestehen konnten. Der Bericht macht deutlich, dass Issaschars Familien ein bestimmtes Erbteil erhielten, ohne damit bereits alle Fragen der tatsächlichen Besiedlung und Herrschaft zu beantworten. Mit dem fünften Los beginnt anschließend die Beschreibung Assers, dessen Gebiet sich weiter nach Westen bis zur Mittelmeerküste erstreckte.

Josua 19,24–27

Assers Grenzen vom Karmel bis zum Tal Jephta-El

Mit Vers 24 beginnt die Beschreibung des fünften Loses, das auf die Nachkommen Assers fällt. Ihr Erbteil liegt im nordwestlichen Kanaan und umfasst Landschaften im westlichen Galiläa sowie Gebiete in Richtung der Mittelmeerküste. Anders als die vorherige Zuteilung Issaschars, dessen östliche Grenze bis zum Jordan reichte, ist Assers Gebiet stärker durch die westlichen Küstenlandschaften geprägt. Der Text nennt zunächst mehrere Städte und beschreibt anschließend den Grenzverlauf anhand bekannter Berge, Täler und benachbarter Stammesgebiete. Die Zuteilung erfolgt ausdrücklich nach den Geschlechtern Assers. Damit erhalten auch seine einzelnen Familien Anteil an dem Land, das dem Stamm durch das Los zugewiesen wird.

Vers 25 nennt zunächst Helkat, Hali, Beten und Achsaph. Diese Orte dienen als Orientierungspunkte innerhalb der Grenzbeschreibung. Besonders Helkat begegnet später erneut in Josua 21,31. Dort wird die Stadt zusammen mit ihrer Weidefläche den Leviten aus den Geschlechtern Gersons zugeteilt. Damit zeigt sich eine Verbindung zwischen der allgemeinen Landverteilung und der besonderen Versorgung der Leviten. Eine Stadt konnte innerhalb des Erbteils eines Stammes liegen und dennoch für den Dienst und die Versorgung levitischer Familien bestimmt werden. Die genaue Lage von Helkat wird gewöhnlich im südlichen Bereich Assers gesucht. Bei Hali und Beten bestehen dagegen größere Unsicherheiten. Auch Achsaph ist aus anderen biblischen Berichten bekannt: Josua 11,1 nennt seinen König unter den Herrschern, die sich gegen Israel verbündeten, und Josua 12,20 führt ihn in der Liste der besiegten Könige auf. Dass der Ort nun zum Erbteil Assers gehört, verbindet die frühere militärische Auseinandersetzung mit der späteren Landzuteilung.

In Vers 26 folgen Alammelech, Amead und Miseal. Auch bei diesen Namen ist eine sichere geografische Bestimmung schwierig. Besonders Miseal besitzt jedoch eine weitere biblische Verbindung. In Josua 21,30 erscheint die Stadt unter den Orten, die den Leviten aus dem Stamm Asser überlassen wurden. Die Erwähnung bestätigt, dass die späteren Levitenstädte nicht unabhängig von der bereits festgelegten Stammesordnung verteilt wurden. Die unterschiedlichen Schreibweisen einzelner Ortsnamen dürfen dabei nicht ohne Prüfung als Hinweise auf verschiedene Städte verstanden werden. Ebenso wenig lässt sich allein aus der Reihenfolge der Namen eine lückenlose historische Grenzlinie rekonstruieren. Der Text bewahrt die wesentlichen Orientierungspunkte, setzt aber offenbar Kenntnisse der damaligen Landschaft voraus, die heutigen Lesern nicht mehr vollständig zur Verfügung stehen.

Anschließend erreicht die Grenze den Karmel am Meer und den Sihor von Libnat. Mit dem Karmel ist das bekannte Gebirge gemeint, das sich im nordwestlichen Kanaan bis nahe an die Mittelmeerküste erstreckt. Seine Lage machte es zu einem markanten Orientierungspunkt zwischen dem Küstengebiet und den weiter östlich gelegenen Landschaften. Später wurde der Karmel besonders durch das Wirken des Propheten Elia bekannt. In 1. Könige 18,19–39 versammelte Elia dort Israel und die Propheten Baals, damit offenbar würde, wer der wahre Gott ist. Diese Begebenheit gehört allerdings zu einer wesentlich späteren Zeit. In Josua 19 besitzt der Karmel zunächst eine geografische Funktion. Die Nennung des Gebirges erklärt, wie weit Assers Gebiet in Richtung Westen reichte, ohne dass damit bereits sämtliche dortigen Küstenstädte als tatsächlich erobert bezeichnet würden.

Schwieriger ist die Bezeichnung Sihor von Libnat. Das hebräische Wort Sihor begegnet auch an anderen Stellen als Bezeichnung eines Wasserlaufes, bezeichnet dort jedoch nicht zwangsläufig denselben Fluss. Deshalb darf der Sihor von Libnat nicht einfach mit dem Sihor in Josua 13,3 gleichgesetzt werden, der im Zusammenhang mit der ägyptischen Grenze genannt wird. Der Name Libnat wird häufig mit dem hebräischen Wort für Weiß in Verbindung gebracht. Eine Erklärung sieht darin einen Hinweis auf einen Wasserlauf im Gebiet des Karmel, möglicherweise den später als Belus bekannten Fluss in der Küstenebene bei Akko. Auch eine Verbindung mit dem Kison wurde vorgeschlagen. Keine dieser Identifizierungen ist jedoch zweifelsfrei gesichert. Für die Auslegung genügt zunächst die Feststellung, dass ein bestimmter Wasserlauf als westlicher Grenzpunkt Assers diente.

Vers 27 führt die Beschreibung von dort aus wieder in östlicher Richtung weiter. Die Grenze wendet sich nach Beth-Dagon und berührt anschließend das Gebiet Sebulons sowie das Tal Jephta-El. Beth-Dagon trägt einen Namen, der sprachlich mit Dagon verbunden ist, einer Gottheit, die besonders aus den Berichten über die Philister bekannt ist. Auch Josua 15,41 nennt eine Stadt Beth-Dagon, allerdings innerhalb des Gebietes Judas. Beide Orte dürfen deshalb nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden. Der Name zeigt möglicherweise, dass in der älteren kanaanitischen Bevölkerung religiöse Ortsbezeichnungen verwendet wurden. Aus der bloßen Nennung lässt sich jedoch nicht feststellen, welche religiösen Handlungen zur Zeit der israelitischen Landverteilung dort tatsächlich stattfanden. Entscheidend ist hier, dass Beth-Dagon als Grenzpunkt zwischen den verschiedenen Landschaften des nördlichen Kanaans erscheint.

Das Tal Jephta-El war bereits in Josua 19,14 bei der Beschreibung Sebulons genannt worden. Dort endete dessen Grenzverlauf an diesem Tal. Nun erscheint es erneut im Zusammenhang mit Asser. Die beiden Angaben ergänzen einander und zeigen, dass das Tal einen Abschnitt der Grenze zwischen den benachbarten Stammesgebieten bildete. Von dort verläuft die Grenze weiter nach Norden über Beth-Emek und Nehiel bis in die Gegend Kabuls. Die Schlachter 1951 erklärt, dass die Grenze bei Kabul „zur Linken“ hinausführt. Diese hebräische Richtungsangabe wird unterschiedlich verstanden, weil ihre geografische Bedeutung von der zugrunde gelegten Blickrichtung abhängt. Einige Übersetzungen geben sie deshalb sinngemäß als nördlichen Verlauf wieder. Auch Kabul sollte nicht ohne Prüfung mit dem später in 1. Könige 9,11–13 genannten Gebiet gleichen Namens gleichgesetzt werden, das im Zusammenhang mit Salomos Abtretung von Städten an Hiram erscheint.

Die Verse 24–27 zeigen damit den südlichen und einen Teil des östlichen beziehungsweise nördlichen Grenzverlaufs Assers. Sein Erbteil umfasst Landschaften zwischen dem Karmel, dem westlichen Galiläa und dem Gebiet Sebulons. Die wiederholte Erwähnung des Tales Jephta-El macht deutlich, wie die verschiedenen Stammesgebiete geografisch ineinandergriffen und durch gemeinsame Orientierungspunkte voneinander abgegrenzt wurden. Zugleich bleiben mehrere Ortsidentifizierungen unsicher. Die folgenden Verse setzen die Grenze weiter nach Norden fort und führen sie bis in die Gegend von Sidon und Tyrus. Dort wird besonders deutlich, dass die Zuteilung eines Gebietes nicht mit der tatsächlichen Herrschaft über sämtliche darin genannten Städte gleichgesetzt werden darf.

Josua 19,28–31

Sidon, Tyrus und die zweiundzwanzig Städte Assers

Nachdem die Grenze Assers bis in die Gegend Kabuls beschrieben worden ist, führt Vers 28 die Aufzählung mit Ebron, Rechob, Hammon und Kana fort. Von dort reicht die Beschreibung bis zur großen Stadt Sidon. Damit richtet sich der Blick auf den nördlichen Bereich des Stammesgebietes und die phönizische Küstenlandschaft. Die genaue Lage der einzelnen Orte lässt sich nicht vollständig rekonstruieren. Besonders bei Ebron besteht eine sprachliche Schwierigkeit, weil in Josua 21,30 eine Levitenstadt namens Abdon im Gebiet Assers genannt wird. Manche Ausleger vermuten, dass beide Angaben denselben Ort bezeichnen. Die Ähnlichkeit der Namen macht diese Erklärung möglich, beweist aber nicht, dass tatsächlich nur eine Stadt gemeint war.

Die Erwähnung Sidons besitzt eine besondere Bedeutung. Die Stadt war bereits vor der israelitischen Landnahme ein bedeutendes Zentrum an der Mittelmeerküste und wird auch in anderen biblischen Berichten ausdrücklich genannt. In 1. Mose 10,15 erscheint Sidon als Erstgeborener Kanaans, während Richter 3,3 die Sidonier unter den Völkern nennt, die weiterhin im Land lebten. Die Bezeichnung „große Stadt Sidon“ unterstreicht ihre Bedeutung innerhalb der damaligen Landschaft. Daraus folgt jedoch nicht, dass Israel bereits die politische Herrschaft über Sidon ausübte. Josua 13,4–6 zählt die Gebiete der Sidonier zu den Landschaften, deren vollständige Einnahme noch ausstand. Auch Richter 1,31 berichtet später, dass Asser die Bewohner Sidons nicht vertrieb. Die Grenzangabe bezeichnet somit einen räumlichen Bezugspunkt, nicht einen bereits abgeschlossenen Eroberungserfolg.

Vers 29 führt die Grenze von dieser nördlichen Gegend wieder nach Rama und weiter bis zur befestigten Stadt Tyrus. Welche der mehreren biblischen Städte namens Rama hier gemeint ist, muss aus dem geografischen Zusammenhang erschlossen werden. Eine Gleichsetzung mit Rama im Gebiet Benjamins wäre unbegründet. Tyrus dagegen ist als bedeutende Küstenstadt bekannt. Der Text hebt ausdrücklich ihre Befestigung hervor und macht damit ihre militärische Bedeutung erkennbar. Auch hier ist zwischen der Nennung innerhalb der Grenzbeschreibung und einer tatsächlichen israelitischen Besitznahme zu unterscheiden. Die Erwähnung von Tyrus beweist nicht, dass die Stadt bereits unter Assers Herrschaft stand. Später erscheint Tyrus als eigenständiges politisches Zentrum, dessen König Hiram mit David und Salomo in Verbindung stand (2. Samuel 5,11; 1. Könige 5,15–26).

Von der Gegend Tyrus führt die Grenze anschließend nach Hosa und erreicht das Mittelmeer beim Landstrich Achsib. Die Schlachter 1951 bezeichnet Achsib ausdrücklich als einen Landstrich, während andere Übersetzungen die Formulierung enger mit der Stadt Achsib verbinden. Im hebräischen Text steht hier ein schwieriger Ausdruck, der sowohl die Küstenregion als auch ihre nähere geografische Einteilung betrifft. Ein zusätzlicher Ortsname wie Mahaleb wird in manchen Übersetzungen aufgenommen, gehört jedoch nicht als eigenständige Stadtbezeichnung zum überlieferten masoretischen Wortlaut. Der genaue Verlauf der Grenze lässt sich deshalb nicht zweifelsfrei bestimmen. Deutlich ist aber, dass der Text nach den nördlichen Grenzpunkten wieder zur Mittelmeerküste zurückkehrt und die Gegend von Achsib als wichtigen Orientierungspunkt verwendet.

Achsib erscheint später in Richter 1,31 unter den Städten, deren kanaanitische Bewohner Asser nicht vertrieb. Dasselbe gilt für weitere Orte wie Akko und Rechob. Die Aussage ist für das Verständnis von Josua 19 wesentlich, denn sie bestätigt erneut den Unterschied zwischen der Zuteilung eines Gebietes und seiner tatsächlichen Beherrschung. Asser erhielt seinen Anteil innerhalb der göttlich angeordneten Landverteilung, doch die damit verbundenen Städte wurden nicht alle vollständig eingenommen. Richter 1,32 berichtet sogar ausdrücklich, dass die Asseriten unter den kanaanitischen Bewohnern des Landes wohnten, weil diese nicht vertrieben worden waren. Die spätere Situation zeigt somit, dass die Landverteilung keine vollständige Beschreibung der politischen Verhältnisse darstellt, die sich anschließend tatsächlich entwickelten.

Vers 30 ergänzt die Aufzählung um Umma, Aphek und Rechob. Die genaue Identifizierung dieser Orte ist unterschiedlich sicher. Besonders Rechob fällt auf, weil der Name bereits in Vers 28 genannt worden war. Es könnte sich um zwei verschiedene Städte gleichen Namens handeln. Ebenso ist möglich, dass ein Ort innerhalb der Grenzbeschreibung erneut aufgegriffen wird. Der Text entscheidet diese Frage nicht eindeutig. Auch Aphek ist ein Ortsname, der an mehreren Stellen der Bibel begegnet. Deshalb darf die hier genannte Stadt nicht automatisch mit jedem anderen Aphek gleichgesetzt werden. Eine solche Gleichsetzung würde zusätzliche geografische Belege benötigen. Die Ortsliste zeigt, wie umfangreich Assers Erbteil war, erlaubt aber keine lückenlose Rekonstruktion sämtlicher Siedlungen.

Am Ende von Vers 30 nennt der Bericht ausdrücklich zweiundzwanzig Städte mit ihren Dörfern. Diese Gesamtzahl lässt sich aus den vorausgehenden Namen nicht ohne Weiteres nachrechnen. Das liegt unter anderem daran, dass der Abschnitt sowohl Städte als auch Grenzpunkte nennt und einzelne Bezeichnungen mehrfach vorkommen können. Es bleibt deshalb offen, welche Orte im Einzelnen zur angegebenen Gesamtzahl gerechnet wurden. Die Zahl zweiundzwanzig ist jedoch die ausdrückliche Zusammenfassung des biblischen Berichtes. Es wäre unbegründet, fehlende Städtenamen zu erfinden oder sämtliche genannten Grenzpunkte unabhängig von ihrer Funktion als einzelne Städte mitzuzählen. Vers 31 bestätigt schließlich, dass diese Städte und ihre zugehörigen Dörfer das Erbteil Assers nach seinen Geschlechtern bildeten.

Mit dieser Bestätigung endet die Beschreibung des fünften Loses. Asser erhält ein Gebiet im nordwestlichen Kanaan, das bis an die Mittelmeerküste und in die Gegend der bedeutenden Städte Sidon und Tyrus reicht. Der Text beschreibt damit den Umfang seines zugesprochenen Erbteils, ohne eine vollständige Eroberung aller darin genannten Orte vorauszusetzen. Gerade der Vergleich mit Richter 1 macht deutlich, dass die rechtliche Landzuteilung und die spätere tatsächliche Besitznahme auseinandergehalten werden müssen. Im folgenden Abschnitt beginnt das sechste Los, das auf Naphtali fällt. Dessen Stammesgebiet liegt weiter östlich und umfasst bedeutende Landschaften im nördlichen Galiläa bis zum Jordan.

Josua 19,32–34

Naphtalis Grenzen und die schwierige Erwähnung Judas

Mit Vers 32 beginnt die Beschreibung des sechsten Loses, das auf die Nachkommen Naphtalis fällt. Ihr Erbteil liegt im nördlichen Kanaan und umfasst Teile Galiläas sowie Gebiete in Richtung des Jordans. Im Süden grenzt Naphtali an Sebulon, im Westen an Asser. Anders als bei Issaschar und Asser, deren Erbteile zuvor beschrieben wurden, führt die Grenzbeschreibung hier wieder ausdrücklich bis an den Jordan. Der Text betont, dass auch Naphtali sein Gebiet nach seinen Geschlechtern erhält. Die Zuteilung betrifft somit nicht nur den Stamm als Ganzes, sondern die Familien, denen innerhalb dieses Gebietes ein dauerhafter Erbbesitz zukommen sollte.

Vers 33 beginnt die Grenzbeschreibung bei Heleph und der Eiche von Zaanannim. Die genaue Lage Helephs ist nicht sicher bekannt. Besonders bemerkenswert ist jedoch die Erwähnung einer einzelnen Eiche als geografischer Orientierungspunkt. Im alten Kanaan konnten auffällige Bäume ebenso wie Quellen, Berge oder Täler zur Kennzeichnung bestimmter Orte dienen. Der hebräische Ausdruck allon bezeichnet hier einen großen Baum, gewöhnlich als Eiche wiedergegeben. Die Formulierung weist darauf hin, dass der Baum beziehungsweise die damit verbundene Örtlichkeit damals bekannt genug war, um als Grenzpunkt zu dienen. Ob es sich zugleich um einen religiös bedeutsamen Platz handelte, wird in Josua 19 nicht gesagt. Eine solche Bedeutung allein aus der Erwähnung des Baumes abzuleiten, wäre deshalb unbegründet.

Die Eiche von Zaanannim begegnet auch in Richter 4,11. Dort wird berichtet, dass Heber, der Keniter, sich von seinen Verwandten getrennt und seine Zelte bei der Eiche von Zaanannim in der Nähe von Kedesch aufgeschlagen hatte. Diese Angabe verbindet die Grenzbeschreibung Naphtalis mit der späteren Geschichte Deboras und Baraks. In Richter 4,17–22 findet Sisera nach seiner Flucht Zuflucht im Zelt Jaels, der Frau Hebers, und wird dort getötet. Die Erwähnung Zaanannims in beiden Büchern macht eine Verbindung der Schauplätze wahrscheinlich. Ob tatsächlich derselbe Baum über einen längeren Zeitraum hinweg bestand, lässt sich daraus allerdings nicht beweisen. Sicher ist zunächst, dass beide Berichte denselben oder einen sehr ähnlich benannten geografischen Orientierungspunkt im nördlichen Kanaan kennen.

Von Zaanannim führt die Grenze nach Vers 33 über Adami-Nekeb und Jabneel bis nach Lakkum und endet am Jordan. Mehrere dieser Ortsnamen sind nur aus dieser Grenzbeschreibung bekannt oder können nicht mit ausreichender Sicherheit lokalisiert werden. Besonders bei Adami-Nekeb ist die genaue Namensbildung nicht völlig eindeutig. Der Ausdruck kann als zusammengesetzter Ortsname verstanden werden, wie ihn die Schlachter 1951 wiedergibt. Die genannten Orte werden gewöhnlich im Bereich des südöstlichen Galiläa gesucht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht jede moderne Identifizierung gleichermaßen gesichert ist. Auch Jabneel darf nicht einfach mit dem gleichnamigen Ort im Gebiet Judas verwechselt werden, der in Josua 15,11 genannt wird. Der Abschluss am Jordan bietet dagegen einen eindeutigen geografischen Bezugspunkt, selbst wenn der genaue Verlauf der Grenzlinie dorthin offenbleibt.

Vers 34 beschreibt einen weiteren Abschnitt der Grenze. Sie wendet sich nach Westen in Richtung Asnot-Tabor und verläuft von dort bis Hukkok. Asnot-Tabor steht sprachlich und geografisch in Verbindung mit dem Berg Tabor, dessen Umgebung bereits bei der Zuteilung Sebulons und Issaschars eine Rolle spielte. Die genaue Lage des Ortes ist jedoch nicht sicher bestimmt. Auch Hukkok lässt sich nicht zweifelsfrei lokalisieren. Der Text nennt anschließend die angrenzenden Stammesgebiete: Sebulon im Süden und Asser im Westen. Damit ergibt sich eine räumliche Verbindung zu den beiden zuvor beschriebenen Erbteilen. Die Grenzangaben machen deutlich, dass die verschiedenen Stammesgebiete nicht unabhängig voneinander festgelegt wurden, sondern sich an gemeinsamen Landschaften und Orientierungspunkten berührten.

Eine erhebliche Schwierigkeit entsteht am Ende von Vers 34. Die Schlachter 1951 erklärt, dass Naphtalis Grenze im Osten „an Juda am Jordan“ stieß. Nach der übrigen Landverteilung lag das Erbteil Judas jedoch weit im Süden Kanaans. Eine unmittelbare Grenze zwischen dem südlichen Juda und Naphtali lässt sich geografisch nicht nachvollziehen. Der masoretische hebräische Text enthält den Namen Juda ausdrücklich. Die alte griechische Übersetzung lässt ihn dagegen aus und nennt lediglich den Jordan als östliche Begrenzung. Deshalb geben mehrere moderne Bibelübersetzungen den Vers ohne Juda wieder. Die Abweichung ist in der textkritischen Anmerkung der NET Bible und in den Übersetzungshinweisen von SIL dokumentiert.

Für diese Schwierigkeit werden unterschiedliche Erklärungen erwogen. Möglicherweise gelangte der Name Juda durch einen Fehler in die hebräische Textüberlieferung. Eine andere Deutung nimmt an, dass Juda an dieser Stelle einen heute unbekannten Ort in der Nähe des Jordans bezeichnet und nicht das südliche Stammesgebiet. Für einen solchen Ort fehlt allerdings eine unabhängige sichere Identifizierung. Auch die griechische Lesart beweist für sich allein nicht, wie der ursprüngliche hebräische Wortlaut genau aussah. Deshalb sollte die überlieferte Angabe der Schlachter 1951 nicht stillschweigend verändert, sondern als textkritisch und geografisch schwierige Stelle erläutert werden. Der Jordan bleibt unabhängig davon der wesentliche östliche Orientierungspunkt der Grenzbeschreibung.

Die Verse 32–34 zeigen somit die Lage Naphtalis zwischen den benachbarten Stammesgebieten und dem Jordan. Einzelne Ortsnamen lassen sich heute nur ungefähr bestimmen, während die Erwähnung Zaanannims eine bemerkenswerte Verbindung zur späteren Richtergeschichte eröffnet. Die schwierige Angabe über Juda erinnert zugleich daran, dass die alten Grenzbeschreibungen nicht in jedem Detail problemlos rekonstruiert werden können. Die grundsätzliche Zuteilung Naphtalis bleibt davon unberührt. Ab Vers 35 nennt der Bericht die befestigten Städte seines Erbteils, darunter Hammat, Kinneret, Hazor und Kedesch, die für die weitere Geschichte des nördlichen Israels von besonderer Bedeutung sind.

Josua 19,35–39

Die befestigten Städte Naphtalis

Nachdem die Grenzen Naphtalis beschrieben worden sind, richtet sich der Blick ab Vers 35 auf die befestigten Städte seines Erbteils. Anders als die vorausgehenden Grenzangaben nennt dieser Abschnitt hauptsächlich Orte, die innerhalb des zugewiesenen Gebietes lagen. Der hebräische Ausdruck für befestigte Städte weist auf Siedlungen hin, die durch ihre Verteidigungsanlagen geschützt waren. Solche Städte konnten für die Sicherheit der umliegenden Bevölkerung von besonderer Bedeutung sein. Aus ihrer Erwähnung folgt jedoch nicht, dass sämtliche Befestigungen zur Zeit der Landverteilung bereits von Israel besetzt waren. Der Text beschreibt zunächst das Erbteil, das den Nachkommen Naphtalis zugesprochen wurde. Ob und wann die einzelnen Städte tatsächlich unter israelitische Herrschaft gelangten, muss anhand weiterer biblischer Berichte untersucht werden.

Die Aufzählung beginnt mit Ziddim, Zer, Hammat, Rakkat und Kinneret. Mehrere dieser Orte werden in der Nähe des Sees Genezareth gesucht, ihre genaue Lage ist jedoch unterschiedlich sicher bestimmt. Besonders Hammat wird häufig mit den warmen Quellen im Bereich des späteren Tiberias verbunden. Der hebräische Ortsname lässt sich sprachlich mit Wärme beziehungsweise heißen Quellen in Verbindung bringen. Auch Rakkat wird in der jüdischen Überlieferung mit Tiberias in Zusammenhang gebracht. Diese späteren Identifizierungen sind für die Ortsforschung bedeutsam, dürfen aber nicht als ausdrückliche Aussagen des Josuabuches behandelt werden. Der Text nennt die Städte als Bestandteile Naphtalis, ohne ihre Entstehungszeit, ihre Größe oder ihre damalige Bevölkerungszahl näher zu beschreiben.

Kinneret besitzt eine besondere Bedeutung, weil derselbe Name auch für den See verwendet wird, der später als See Genezareth bekannt wurde. Bereits 4. Mose 34,11 nennt das Meer Kinneret innerhalb der Grenzbeschreibung des verheißenen Landes. Josua 19 spricht dagegen von einer Stadt dieses Namens. Zwischen beiden Bezeichnungen besteht ein eindeutiger geografischer und sprachlicher Zusammenhang, doch dürfen Stadt und See nicht miteinander verwechselt werden. Im Neuen Testament wird der See auch als See Genezareth bezeichnet (Lukas 5,1). Damit führt die Ortsbezeichnung aus der Landverteilung in eine Landschaft, die später für das öffentliche Wirken Jesu von besonderer Bedeutung wurde. Josua 19 enthält jedoch keine prophetische Ankündigung dieses späteren Geschehens, sondern beschreibt die damalige Zuteilung eines israelitischen Stammesgebietes.

Die weitere Aufzählung nennt Adama, Rama und Hazor. Besonders Hazor war bereits vor der Landverteilung ein bedeutendes kanaanitisches Machtzentrum. Nach Josua 11,10–13 besiegte Josua den König dieser Stadt, nahm Hazor ein und ließ es verbrennen. Dass Hazor nun zum Erbteil Naphtalis gehört, verbindet die vorausgehende Eroberungsgeschichte mit der anschließenden Verteilung des Landes. Bemerkenswert ist jedoch, dass Hazor später erneut als Sitz eines kanaanitischen Königs namens Jabin erscheint. Richter 4,2 berichtet, dass dieser König Israel bedrängte und sein Heerführer Sisera über eine große Streitmacht verfügte. Die beiden Berichte dürfen nicht vorschnell als Schilderungen desselben Ereignisses verstanden werden. Ebenso wenig muss der später genannte Jabin mit dem von Josua besiegten König persönlich identisch gewesen sein. Die Wiederkehr Hazors als bedeutender Machtstandort zeigt vielmehr, dass ein militärischer Sieg nicht zwangsläufig eine dauerhaft gesicherte Herrschaft über die gesamte Umgebung bedeutete.

Vers 37 nennt Kedesch, Edrei und En-Hazor. Von diesen Städten besitzt Kedesch die deutlichsten weiteren Verbindungen innerhalb der Bibel. Der Ort wird gewöhnlich mit Kedesch in Galiläa identifiziert und erscheint in Josua 20,7 als eine der von Israel bestimmten Zufluchtsstädte. Dort konnte ein Mensch, der einen anderen unbeabsichtigt getötet hatte, Schutz suchen, bis sein Fall nach den vorgesehenen Rechtsgrundsätzen untersucht wurde. Nach Josua 21,32 wurde Kedesch außerdem den Leviten aus den Geschlechtern Gersons zugeteilt. Damit erhielt eine Stadt innerhalb des Erbteils Naphtalis eine besondere rechtliche und religiöse Aufgabe. Auch in der Geschichte Deboras wird Kedesch erwähnt: Nach Richter 4,6 ließ Debora Barak von dort rufen und beauftragte ihn, Kämpfer aus Naphtali und Sebulon zu sammeln. Die verschiedenen Berichte zeigen, dass Kedesch über längere Zeit eine wichtige Stellung innerhalb des nördlichen Israels besaß. Edrei darf dagegen nicht ohne Weiteres mit der gleichnamigen Stadt im ehemaligen Reich des Königs Og von Basan gleichgesetzt werden, die östlich des Jordans lag (4. Mose 21,33).

Die letzten genannten Orte sind Jireon, Migdal-El, Horem, Beth-Anat und Beth-Semes. Von mehreren dieser Städte ist die genaue Lage nicht sicher bekannt. Besonders Beth-Anat und Beth-Semes sind jedoch für das Verständnis der späteren Geschichte Naphtalis bedeutsam. Richter 1,33 berichtet ausdrücklich, dass die Naphtaliter die Bewohner dieser beiden Städte nicht vertrieben. Stattdessen lebten sie unter der kanaanitischen Bevölkerung, während die Bewohner von Beth-Anat und Beth-Semes zu Fronarbeit verpflichtet wurden. Das zeigt erneut, dass die Zuteilung einer Stadt und ihre tatsächliche vollständige Einnahme unterschiedliche Vorgänge waren. Auch der Name Beth-Semes begegnet an anderen Stellen der Bibel. Die hier genannte Stadt gehört jedoch zu Naphtali und darf weder mit Beth-Semes im Gebiet Judas noch mit dem gleichnamigen Ort im Erbteil Issaschars gleichgesetzt werden.

Am Ende von Vers 38 nennt der Text ausdrücklich neunzehn Städte mit ihren Dörfern. In der erhaltenen Aufzählung lassen sich jedoch nur sechzehn einzelne Städtenamen erkennen. Für diesen Unterschied gibt es keine allgemein gesicherte Erklärung. Möglicherweise wurden weitere Orte aus der vorausgehenden Grenzbeschreibung mitgezählt oder einzelne Namen innerhalb der Überlieferung anders gegliedert. Ebenso wird erwogen, ob die Liste ursprünglich zusätzliche Städtenamen enthielt. Keine dieser Möglichkeiten lässt sich aus dem erhaltenen hebräischen Text abschließend beweisen. Deshalb sollte die überlieferte Gesamtzahl von neunzehn Städten beibehalten werden, ohne drei fehlende Namen durch Vermutungen zu ergänzen. Vers 39 bestätigt schließlich, dass diese Städte und ihre zugehörigen Dörfer das Erbteil Naphtalis nach seinen Geschlechtern bildeten. Damit endet die Beschreibung des sechsten Loses. Der Bericht hat die geografischen Grenzen und bedeutenden Städte Naphtalis festgehalten, während die spätere Geschichte zeigt, welche Herausforderungen bei der tatsächlichen Besitznahme noch bestanden. Mit Vers 40 beginnt das siebte und letzte Los, das auf den Stamm Dan fällt.

Josua 19,40–46

Dans ursprüngliches Erbteil bis zur Küstenregion

Mit Vers 40 beginnt die Beschreibung des siebten und letzten Loses, das auf die Nachkommen Dans fällt. Ihr ursprüngliches Erbteil liegt im westlichen Kanaan, zwischen dem Gebirgsland und der Mittelmeerküste. Damit unterscheidet sich Dans Gebiet deutlich von den zuvor beschriebenen Erbteilen im Norden. Die Zuteilung umfasst Landschaften westlich von Benjamin und Juda und reicht bis in die Gegend von Japho. Wie bei den übrigen Stämmen erfolgt die Verteilung ausdrücklich nach den Geschlechtern Dans. Der Text beschreibt hier zunächst den zugesprochenen Besitz, nicht die vollständige tatsächliche Beherrschung sämtlicher Städte. Gerade bei Dan wird diese Unterscheidung besonders wichtig, weil spätere Berichte von erheblichen Schwierigkeiten bei der Einnahme seines Gebietes erzählen.

Die Aufzählung beginnt in Vers 41 mit Zorea, Estaol und Ir-Semes. Die ersten beiden Städte sind aus der späteren Geschichte Simsons bekannt. Nach Richter 13,2 stammte sein Vater Manoach aus Zorea und gehörte zum Stamm Dan. Richter 13,25 berichtet außerdem, dass der Geist des HERRN begann, Simson zwischen Zorea und Estaol anzutreiben. Auch Richter 18,11–12 nennt diese beiden Orte als Ausgangsgebiet einer Gruppe von Danitern, die später nach Norden zog. Dadurch lässt sich die ursprüngliche Heimat dieser Daniter geografisch einordnen. Ir-Semes bedeutet sprachlich „Sonnenstadt“ und wird häufig mit Beth-Semes in Verbindung gebracht. Da Beth-Semes auch in Josua 15,10 innerhalb einer Grenzbeschreibung Judas erscheint, ist eine Lage im Grenzbereich beider Stämme denkbar. Eine sichere Identifizierung allein anhand der ähnlichen Namen wäre jedoch zu weitgehend.

Vers 42 nennt Schaalabbin, Ajalon und Jitla. Besonders Schaalabbin und Ajalon besitzen eine wichtige Verbindung zum ersten Kapitel des Richterbuches. Dort wird berichtet, dass die Amoriter die Daniter ins Gebirge zurückdrängten und sie nicht in die Ebene hinabkommen ließen. Richter 1,35 erwähnt ausdrücklich, dass die Amoriter sich unter anderem in Ajalon und Schaalbim behaupteten. Die Namensform Schaalbim wird gewöhnlich mit Schaalabbin in Verbindung gebracht. Damit begegnen zwei Städte aus Dans zugesprochenem Erbteil später als Orte, an denen die einheimische Bevölkerung zunächst ihre Stellung bewahren konnte. Dieser Vergleich zeigt, dass die Landverteilung keine vollständige Eroberung aller genannten Städte voraussetzt. Jitla ist dagegen außerhalb dieser Aufzählung kaum sicher nachzuweisen. Seine genaue geografische Lage bleibt deshalb ungewiss.

Mit Elon, Timnata und Ekron setzt Vers 43 die Städteaufzählung fort. Timnata wird häufig mit Timna in der Geschichte Simsons verbunden. Nach Richter 14,1 ging Simson nach Timna und sah dort eine Frau aus den Töchtern der Philister, die er heiraten wollte. Der Zusammenhang mit dem ursprünglichen Stammesgebiet Dans macht diese Identifizierung plausibel. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass ähnliche Ortsnamen mehrfach vorkommen können. Ekron ist als eine der bedeutenden Philisterstädte bekannt. Bereits Josua 13,3 nennt die fünf Fürsten der Philister und führt Ekron unter ihren Städten auf. Später begegnet Ekron in der Geschichte der von den Philistern erbeuteten Bundeslade (1. Samuel 5,10). Dass Ekron in Josua 19 dem Gebiet Dans zugerechnet wird, bedeutet deshalb nicht, dass die Stadt damals bereits dauerhaft von den Danitern beherrscht wurde. Die biblischen Berichte unterscheiden zwischen dem zugesprochenen Gebiet und den tatsächlichen Machtverhältnissen.

Vers 44 nennt Elteke, Gibbeton und Baalat. Elteke und Gibbeton erscheinen später erneut in der Liste der Levitenstädte aus dem Gebiet Dans (Josua 21,23). Diese spätere Zuteilung zeigt, dass auch innerhalb des danitischen Erbteils Städte für die Versorgung levitischer Familien vorgesehen waren. Besonders Gibbeton besitzt darüber hinaus eine bemerkenswerte Geschichte. Nach 1. Könige 15,27 wurde Nadab, der König Israels, während einer Belagerung Gibbetons durch Baesa getötet. Der Text bezeichnet Gibbeton dabei ausdrücklich als eine Stadt der Philister. Auch unter König Ela wird von israelitischen Kämpfen um Gibbeton berichtet (1. Könige 16,15). Die späteren Ereignisse verdeutlichen, wie lange einzelne Orte innerhalb des ursprünglich zugeteilten Landes umkämpft bleiben konnten. Baalat wird ebenfalls als Bestandteil des danitischen Erbteils genannt, doch seine genaue Identifizierung mit anderen gleichnamigen Orten bleibt unsicher.

In Vers 45 folgen Jehud, Benebarak und Gat-Rimmon. Jehud und Benebarak werden gewöhnlich in der Küstenebene südöstlich der Gegend von Japho gesucht. Die genaue Zuordnung zu heutigen Siedlungen ist jedoch nicht in allen Einzelheiten gesichert. Gat-Rimmon begegnet erneut in Josua 21,24 als eine Stadt, die den Leviten aus den Geschlechtern Kehaths gegeben wurde. Eine weitere Erwähnung dieses Namens findet sich in Josua 21,25 im Zusammenhang mit Manasse, wobei die dortige Textüberlieferung Schwierigkeiten aufweist. Deshalb darf nicht selbstverständlich angenommen werden, dass sämtliche Nennungen Gat-Rimmons denselben Ort bezeichnen. Die Aufzählung macht deutlich, dass Dans ursprüngliches Erbteil mehrere Städte in der westlichen Ebene umfasste. Wie weit die Daniter diese Siedlungen tatsächlich kontrollieren konnten, lässt sich aus der Liste allein nicht bestimmen.

Vers 46 schließt die Beschreibung mit Me-Jarkon, Rakkon und dem Gebiet gegen Japho hin ab. Me-Jarkon lässt sich sprachlich als „Wasser des Jarkon“ verstehen. Der Name wird gewöhnlich mit einem Wasserlauf in der Küstenebene verbunden, der in das Mittelmeer mündet. Ob damit eine bestimmte Siedlung oder vor allem ein geografischer Orientierungspunkt gemeint ist, lässt sich nicht vollständig klären. Rakkon wird ebenfalls in dieser Gegend gesucht, seine genaue Lage bleibt jedoch unsicher. Besonders wichtig ist die anschließende Erwähnung Japhos, das mit dem später bekannten Joppe beziehungsweise Jaffa verbunden wird. Die Formulierung der Schlachter 1951 spricht vom Gebiet „gegen Japho hin“. Sie erklärt somit die Ausrichtung des Erbteils zur Küstenregion, sagt aber nicht ausdrücklich, dass die Daniter die Hafenstadt selbst erobert oder dauerhaft beherrscht hatten.

Die Verse 40–46 beschreiben damit Dans ursprüngliches Erbteil im westlichen Kanaan. Zu ihm gehören Städte, die später mit Simson, den Philistern und den Kämpfen Israels verbunden sind. Besonders die Beispiele Ajalon, Schaalabbin, Ekron und Gibbeton machen deutlich, dass die zugesprochene Landfläche nicht mit einer gesicherten israelitischen Herrschaft über jeden Ort gleichgesetzt werden darf. Der Text selbst enthält noch keine Erklärung dafür, weshalb die Daniter später ein zusätzliches Gebiet im Norden suchten. Diese Entwicklung wird erst im folgenden Vers angesprochen und in Richter 18 ausführlicher geschildert. Dort zeigt sich, wie die Schwierigkeiten im ursprünglichen Stammesgebiet mit der späteren Eroberung von Leschem und der Entstehung der Stadt Dan zusammenhängen.

Josua 19,47–48

Die Eroberung von Leschem und die Entstehung der Stadt Dan

Nachdem die ursprünglichen Städte Dans aufgezählt worden sind, berichtet Vers 47 von einer bemerkenswerten Veränderung seines Stammesgebietes. Die Schlachter 1951 erklärt, dass sich das Gebiet der Daniter noch weiter ausdehnte. Anschließend wird geschildert, wie sie gegen Leschem zogen, die Stadt eroberten und sich dort niederließen. Damit unterscheidet sich dieser Abschnitt von den vorhergehenden Landlisten. Während diese hauptsächlich festhalten, welche Gebiete den einzelnen Stämmen durch das Los zugesprochen wurden, berichtet Vers 47 von einer tatsächlichen militärischen Unternehmung. Die Eroberung Leschems gehörte nicht zur ursprünglichen Aufzählung der Städte Dans in den Versen 41–46, sondern führte zu einer zusätzlichen Ansiedlung weit im Norden Kanaans.

Der hebräische Eingangssatz von Vers 47 ist sprachlich schwierig. Wörtlich lässt er sich ungefähr so verstehen, dass das Gebiet der Daniter „von ihnen ausging“. Die Schlachter 1951 deutet dies als Erweiterung ihres Besitzes. Andere Übersetzungen verstehen die Aussage dagegen so, dass die Daniter ihr ursprüngliches Gebiet verloren oder nicht vollständig einnehmen konnten. Für diese zweite Deutung spricht der Vergleich mit Richter 1,34–35. Dort wird ausdrücklich berichtet, dass die Amoriter die Daniter ins Gebirge zurückdrängten und sie nicht in die Ebene hinabkommen ließen. Besonders in Ajalon und Schaalbim behaupteten sich die Amoriter, obwohl diese Orte zuvor dem Stamm Dan zugesprochen worden waren. Der Zusammenhang erklärt, weshalb Teile des Stammes nach einer anderen Siedlungsmöglichkeit suchten. Der genaue hebräische Wortlaut von Josua 19,47 entscheidet allerdings nicht zweifelsfrei, ob zunächst der Verlust des alten Gebietes oder unmittelbar die spätere Erweiterung betont werden soll.

Richter 18 schildert die nördliche Wanderung der Daniter ausführlicher. Nach Richter 18,1 suchten sie nach einem Gebiet, in dem sie sich dauerhaft niederlassen konnten. Zunächst wurden fünf Männer ausgesandt, um das Land zu erkunden. Diese gelangten nach Lais, einer Stadt im Norden Kanaans. Dort fanden sie eine Bevölkerung vor, die nach ihrer Beobachtung ruhig und sicher lebte. Die Stadt lag weit von Sidon entfernt und besaß offenbar keine unmittelbaren Verbündeten, die bei einem Angriff hätten eingreifen können. Nach der Rückkehr der Kundschafter brachen sechshundert bewaffnete Daniter aus der Gegend von Zorea und Estaol auf. Dass gerade diese beiden Städte als Ausgangspunkte genannt werden, verbindet den Bericht unmittelbar mit dem ursprünglichen Erbteil Dans in Josua 19,41. Die Wanderung nach Norden war somit keine unabhängige Geschichte eines anderen Stammes, sondern ging von den zuvor genannten Siedlungen aus.

Josua 19 nennt die eroberte Stadt Leschem, während Richter 18 sie als Lais bezeichnet. Die unterschiedliche Namensform stellt keinen ausreichenden Grund dar, zwei verschiedene Eroberungen anzunehmen. Beide Berichte schildern, dass Daniter eine nördliche Stadt einnahmen, sich dort niederließen und sie nach ihrem Stammvater Dan benannten. Diese Übereinstimmungen sprechen deutlich dafür, dass dasselbe Ereignis gemeint ist. Richter 18,27–29 ergänzt, dass die Daniter die Bewohner mit dem Schwert schlugen, die Stadt verbrannten und anschließend wieder aufbauten. Die Stadt lag in der Ebene bei Beth-Rechob und wird gewöhnlich im äußersten Norden Israels, in der Gegend der Jordanquellen, lokalisiert. Der Bericht in Josua 19 fasst diesen Vorgang wesentlich kürzer zusammen. Er nennt weder die vorausgehende Erkundung noch die Zahl der bewaffneten Männer oder die Zerstörung durch Feuer.

Die Eroberung Leschems wird in Josua 19 innerhalb der Landverteilung erwähnt, obwohl Richter 18 den Vorgang ausführlich in einem anderen geschichtlichen Zusammenhang schildert. Daraus folgt nicht, dass sämtliche beschriebenen Ereignisse unmittelbar während der Losverteilung in Silo stattgefunden haben müssen. Vielmehr kann die Erwähnung Dans eine spätere Entwicklung seines Stammesgebietes zusammenfassend vorwegnehmen. Das Josuabuch hält dadurch fest, dass der spätere Besitz Dans nicht vollständig mit dem ursprünglich zugeteilten Gebiet übereinstimmte. Der genaue Zeitpunkt der nördlichen Wanderung lässt sich aus Josua 19 allein nicht bestimmen. Auch Richter 18 nennt keine eindeutige Jahreszahl, die eine präzise Einordnung ermöglichen würde. Deshalb sollte nicht behauptet werden, Josua selbst habe die Eroberung Leschems angeordnet oder persönlich durchgeführt.

Besonders wichtig ist, dass Richter 18 neben dem militärischen Erfolg auch eine schwerwiegende religiöse Fehlentwicklung beschreibt. Auf ihrem Weg nach Norden nahmen die Daniter das von Micha angefertigte Götzenbild sowie weitere Gegenstände seines privaten Heiligtums an sich. Sie bewegten außerdem den dort tätigen Leviten dazu, sie zu begleiten. Nach der Eroberung von Lais stellten sie das Götzenbild in ihrer neuen Stadt auf und richteten dort einen eigenen Priesterdienst ein (Richter 18,14–20.30–31). Dieser Bericht verhindert, dass die erfolgreiche Einnahme der Stadt uneingeschränkt als Beweis göttlichen Wohlgefallens verstanden wird. Zwar behaupteten die Kundschafter, Gott habe ihnen das Land gegeben (Richter 18,10), doch ihre späteren Handlungen standen im Widerspruch zu Gottes Geboten gegen den Götzendienst. Der Text unterscheidet damit zwischen dem tatsächlichen Erfolg einer Unternehmung und ihrer geistlichen Beurteilung. Später wurde Dan unter Jerobeam erneut zu einem bedeutenden Ort des Götzendienstes, als der König dort eines seiner goldenen Kälber aufstellen ließ (1. Könige 12,28–30). Dabei handelt es sich um eine spätere Einrichtung, die nicht einfach mit Michas früherem Götzenbild gleichgesetzt werden darf.

Nach der Eroberung erhielt Leschem den Namen Dan. Vers 47 erklärt ausdrücklich, dass die Stadt nach dem Stammvater benannt wurde. Dan war ein Sohn Jakobs und Bilhas (1. Mose 30,5–6). Durch die Umbenennung wurde die neue Siedlung dauerhaft mit der Abstammung und Geschichte dieses Stammes verbunden. Die Stadt gewann später eine solche geografische Bedeutung, dass die Wendung „von Dan bis Beer-Seba“ die Ausdehnung Israels vom Norden bis zum Süden beschreiben konnte (1. Samuel 3,20). Vers 48 schließt die Beschreibung mit der üblichen Erbteilsformel ab und bestätigt, dass die genannten Städte und ihre Dörfer zum Erbteil der Nachkommen Dans gehörten. Damit endet die Verteilung der sieben Lose, die in Silo begonnen hatte. Zugleich bleibt eine wichtige Unterscheidung bestehen: Die biblische Überlieferung berichtet sowohl von der rechtmäßigen Zuteilung des ursprünglichen Stammesgebietes als auch von den Schwierigkeiten, der späteren Wanderung und den religiösen Verfehlungen der Daniter. Mit Vers 49 wendet sich der Bericht schließlich Josua selbst zu, der erst nach der Verteilung der Stammesgebiete sein persönliches Erbteil erhält.

Josua 19,49–51

Josuas eigenes Erbteil und der Abschluss der Landverteilung

Nachdem die Erbteile der Stämme verteilt worden sind, berichtet Vers 49 von der persönlichen Zuteilung an Josua. Die Reihenfolge ist bemerkenswert: Josua hatte die Landverteilung gemeinsam mit dem Priester Eleasar und den Familienhäuptern Israels geleitet, erhält seinen eigenen Besitz aber erst, nachdem die übrigen Stammesgebiete festgelegt worden sind. Der Text hebt diesen Ablauf ausdrücklich hervor, indem er zunächst den Abschluss der Verteilung unter den Stämmen nennt und anschließend Josuas Erbteil beschreibt. Anders als bei den Stämmen wird hier kein weiteres Los erwähnt. Vielmehr erhält Josua nach dem Befehl des HERRN die Stadt, um die er gebeten hatte. Welche persönlichen Beweggründe hinter seiner Wahl standen, erklärt der Bericht nicht. Die Reihenfolge lässt jedoch erkennen, dass die gemeinsame Aufgabe der Landverteilung vor der Beschreibung seines eigenen Besitzes steht.

Vers 50 nennt die Stadt Timnat-Serach im Gebirge Ephraim. Josua gehörte selbst zum Stamm Ephraim, wie bereits aus 4. Mose 13,8.16 hervorgeht. Sein Erbteil lag somit innerhalb des Gebietes seines eigenen Stammes. Die Stadt wird gewöhnlich im südwestlichen Bergland Ephraims gesucht, ihre genaue Lage ist jedoch nicht zweifelsfrei gesichert. Der hebräische Name Timnat-Serach lässt sich sprachlich ungefähr mit einer zugeteilten Portion beziehungsweise einem besonderen Anteil in Verbindung bringen. Daraus sollte allerdings keine weitergehende symbolische Bedeutung abgeleitet werden. Der Text gibt keine Erklärung dafür, weshalb Josua gerade diese Stadt auswählte. Entscheidend ist, dass ihm der gewünschte Ort auf ausdrückliche göttliche Anordnung zugesprochen wurde.

Anschließend wird berichtet, dass Josua die Stadt aufbaute und darin wohnte. Das hebräische Verb für das Bauen muss nicht bedeuten, dass zuvor überhaupt keine Siedlung vorhanden gewesen war. Es kann auch den Wiederaufbau, die Befestigung oder den Ausbau einer bestehenden Stadt bezeichnen. Der Bericht nennt weder den genauen Umfang der Arbeiten noch den früheren Zustand Timnat-Serachs. Die Aussage zeigt jedoch, dass Josua seinen zugesprochenen Besitz tatsächlich nutzte und dort seinen Wohnsitz nahm. Damit erscheint er nicht mehr nur als der Heerführer, der Israel über den Jordan geführt und die großen Feldzüge geleitet hatte, sondern auch als ein Angehöriger des Volkes, der seinen Platz im verheißenen Land erhielt.

Die Geschichte Timnat-Serachs wird am Ende des Josuabuches nochmals aufgegriffen. Josua 24,29–30 berichtet von Josuas Tod im Alter von 110 Jahren und seiner Beisetzung in seinem Erbteil in Timnat-Serach. Richter 2,9 nennt denselben Begräbnisort unter der abweichenden Namensform Timnat-Heres. Die Ähnlichkeit der Namen und die übereinstimmende Lage im Gebirge Ephraim sprechen dafür, dass derselbe Ort gemeint ist. Weshalb die unterschiedlichen Namensformen überliefert wurden, lässt sich nicht sicher entscheiden. Wichtig ist die Verbindung zwischen Josuas Landzuteilung und seinem späteren Begräbnis: Die Stadt, die ihm am Ende der Verteilung zugesprochen wurde, blieb bis zu seinem Lebensende mit seiner persönlichen Geschichte verbunden.

Eine weitere Verbindung besteht zu Kaleb, dem Sohn Jephunnes. Beide Männer hatten sich während der Erkundung Kanaans gegenüber dem ungläubigen Urteil der übrigen Kundschafter auf Gottes Verheißung verlassen (4. Mose 14,6–9). Kaleb erhielt bereits in Josua 14,6–15 Hebron als sein Erbteil. Josua bekommt seinen eigenen Besitz dagegen erst am Schluss der Stammesverteilung. Die beiden Berichte unterscheiden sich in ihrer zeitlichen Stellung, zeigen aber, dass auch diese beiden Männer persönlich Anteil an dem Land erhielten, das Gott Israel verheißen hatte. Ihre langjährige Treue bildet einen wichtigen Hintergrund für das Verständnis ihrer Geschichte. Josua 19 erklärt allerdings nicht ausdrücklich, dass Josuas späte Zuteilung als besondere Belohnung für seinen Dienst oder als Beweis seiner Selbstlosigkeit verstanden werden soll.

Vers 51 fasst schließlich die gesamte Landverteilung zusammen. Der Priester Eleasar, Josua und die Familienhäupter Israels werden ausdrücklich als diejenigen genannt, die die Erbteile durch das Los verteilten. Die Entscheidung fand in Silo vor dem HERRN am Eingang der Stiftshütte statt. Damit greift der Schlussvers den Ausgangspunkt aus Josua 18,1–10 wieder auf. Dort war die Stiftshütte in Silo aufgestellt worden, und Josua hatte angeordnet, die noch verbliebenen Landesteile zu beschreiben und vor dem HERRN das Los darüber zu werfen. Nun ist diese Aufgabe abgeschlossen. Die Erwähnung des Heiligtums unterstreicht, dass die Verteilung nicht lediglich eine private Vereinbarung einzelner Stammesführer war, sondern innerhalb der von Gott angeordneten Ordnung Israels erfolgte.

Die abschließende Feststellung, dass sie mit der Verteilung des Landes fertig waren, muss dennoch im Zusammenhang des gesamten Josuabuches verstanden werden. Bereits Josua 13,1 hatte erklärt, dass noch umfangreiche Gebiete einzunehmen waren. Auch die folgenden Bücher berichten von Städten und Völkern, die nicht vollständig unter israelitische Herrschaft gelangten. Mit Josua 19 ist deshalb die Zuteilung der Stammesgebiete abgeschlossen, nicht jede militärische und politische Aufgabe der Landnahme. Zudem folgt in Josua 20 die Bestimmung der Zufluchtsstädte und in Josua 21 die Zuteilung der Levitenstädte. Die geordnete Verteilung der großen Stammesgebiete schafft somit die Grundlage für weitere Anordnungen, die das Leben Israels im verheißenen Land betreffen. Zugleich erreicht die ausführliche Erbteilsverteilung hier ihren Abschluss: Jeder berücksichtigte Stamm hat seinen zugewiesenen Anteil erhalten, und auch Josua selbst besitzt nun eine Stadt, in der er wohnen kann.

Geistliche Kernbotschaft

Josua 19 zeigt, wie Gottes Verheißung an Israel in der konkreten Lebenswirklichkeit der einzelnen Stämme Gestalt annimmt. Was Gott Abraham, Isaak und Jakob über das Land zugesagt hatte, wird nun durch die Zuteilung bestimmter Gebiete, Städte und Dörfer sichtbar. Die ausführlichen Ortslisten erinnern daran, dass Gottes Zusagen nicht nur große Ereignisse betreffen, sondern auch den Lebensraum und die Zukunft der Familien seines Volkes. Die Verteilung geschieht vor dem HERRN und nach der von ihm gegebenen Ordnung. Zugleich macht das Kapitel deutlich, dass die Zuteilung eines Erbteils nicht automatisch bedeutete, dass alle Schwierigkeiten seiner tatsächlichen Besitznahme bereits überwunden waren.

Besonders bei Simeon wird sichtbar, dass die Landverteilung nicht jedem Stamm dieselbe geografische Form gab. Sein Erbteil lag innerhalb Judas, weil dessen ursprünglicher Anteil zu groß gewesen war. Die unterschiedliche Lage und Größe der Gebiete bedeutete nicht, dass einzelne Stämme außerhalb der Gemeinschaft standen. Jeder erhielt seinen Platz innerhalb der gemeinsamen Landordnung Israels. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Gott jedem Menschen dieselben äußeren Lebensumstände zusagt. Wohl aber zeigt der Bericht, dass die verschiedenen Anteile der Stämme innerhalb einer größeren Ordnung miteinander verbunden waren.

Die Geschichte Dans setzt dazu einen ernsten Gegenakzent. Der Stamm erhielt sein ursprüngliches Erbteil, hatte jedoch Schwierigkeiten, Teile davon tatsächlich in Besitz zu nehmen. Seine spätere Ausbreitung nach Norden führte zu einem militärischen Erfolg, während Richter 18 zugleich von der Errichtung eines Götzenkultes berichtet. Äußerer Erfolg und geistliche Treue dürfen deshalb nicht miteinander verwechselt werden. Eine Unternehmung kann gelingen, ohne dass damit sämtliche Entscheidungen und Handlungen ihrer Beteiligten Gottes Zustimmung finden. Für Israel blieb entscheidend, nicht nur Land zu besitzen, sondern dem Gott treu zu bleiben, der es ihm gegeben hatte.

Am Schluss erhält Josua sein eigenes Erbteil. Der Mann, der Israel über viele Jahre geführt hatte, wird erst nach der Verteilung an die Stämme als persönlicher Empfänger genannt. Der Text beschreibt keine besondere Forderung nach einem großen Gebiet oder einer herausgehobenen Stellung. Josua bekommt eine Stadt, baut sie auf und wohnt darin. Seine Geschichte endet damit nicht bei militärischen Siegen, sondern bei einem geordneten Leben innerhalb des verheißenen Landes. So verbindet das Kapitel Gottes Treue zu seinen Zusagen mit der Verantwortung seines Volkes, das Empfangene in Gehorsam und Treue zu bewahren.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Gottes Landverheißung an die Erzväter – 1. Mose 12,7; 15,18–21; 26,3; 28,13–15; Josua 21,43–45. Die Landverteilung steht im Zusammenhang mit den Verheißungen, die Gott Abraham, Isaak und Jakob gegeben hatte. Josua 19 beschreibt einzelne Erbteile, während Josua 21 die Landgabe zusammenfassend als Erfüllung von Gottes Zusage würdigt. Beide Aussagen müssen mit den Berichten über noch nicht eroberte Gebiete zusammen gelesen werden. Gottes Verheißung wird bestätigt, ohne dass damit jede spätere Herausforderung Israels für beendet erklärt wäre.

Simeon, Juda und Jakobs prophetische Worte – 1. Mose 34; 49,5–7; Josua 15; 19,1–9; 1. Chronik 4,24–43. Jakobs Ankündigung über die Zerstreuung Simeons erhält durch dessen Erbteil innerhalb Judas einen bemerkenswerten geschichtlichen Bezug. Die späteren Geschlechtsregister und Städteangaben in 1. Chronik 4 ergänzen die Geschichte Simeons, ohne in allen Einzelheiten dieselbe Ortsliste zu bieten. Die verstreute Lage seines Besitzes darf nicht mit der besonderen Stellung Levis gleichgesetzt werden.

Die Leviten innerhalb der Stammesgebiete – 4. Mose 35,1–8; Josua 19,12.20–21.25–26.42–45; 21,1–42. Mehrere Städte, die zunächst innerhalb der Erbteile Sebulons, Issaschars, Assers und Dans erscheinen, werden später den Leviten überlassen. Die levitische Städteordnung ersetzt die Stammesgebiete nicht, sondern wird innerhalb der bereits erfolgten Landverteilung verwirklicht. So erklärt sich, weshalb bestimmte Städtenamen sowohl in Josua 19 als auch in Josua 21 begegnen.

Die Schwierigkeiten bei der Besitznahme – Josua 13,1–6; 17,11–18; Richter 1,31–36; 18,1–31. Die Erbteile Assers, Naphtalis und Dans enthalten Orte, deren Bewohner später nicht vollständig vertrieben wurden. Besonders bei Dan wird die Spannung zwischen zugesprochenem Gebiet und tatsächlicher Besiedlung deutlich. Richter 18 schildert außerdem die nördliche Wanderung ausführlicher und berichtet von einem Götzenkult. Die beiden Bücher ergänzen einander, ohne dass jede Episode des Richterbuches zeitlich unmittelbar an die Losverteilung angeschlossen werden darf.

Josuas und Kalebs persönliches Erbteil – 4. Mose 14,6–9.24.30; Josua 14,6–15; 19,49–50; 24,29–30. Josua und Kaleb hatten sich während der Kundschaftergeschichte auf Gottes Verheißung verlassen. Beide erhalten später ein persönliches Erbteil. Während Kaleb in Josua 14 Hebron zugesprochen bekommt, wird Josuas Stadt erst nach Abschluss der Stammesverteilung genannt. Josua 24 verbindet Timnat-Serach schließlich mit seinem Begräbnis und schließt damit einen wichtigen Abschnitt seiner Lebensgeschichte.

Das zukünftige Erbe der Gläubigen – Hebräer 4,1–11; 11,8–16; 1. Petrus 1,3–5. Das Neue Testament greift die Themen Land, Ruhe und Erbe auf und führt den Blick über den damaligen Besitz Kanaans hinaus. Hebräer 4 erklärt ausdrücklich, dass die durch Josua vermittelte Ruhe nicht die endgültige Ruhe Gottes war. Hebräer 11 beschreibt Abraham als jemanden, der auf eine bleibende, von Gott bereitete Stadt wartete. Das irdische Erbteil Israels und die zukünftige Hoffnung der Gläubigen sind dabei zu unterscheiden. Ihre Verbindung liegt in Gottes Verheißungstreue, nicht in einer einfachen Gleichsetzung der jeweiligen Gebiete.

Wichtige Lektionen

1. Gottes Verheißungen besitzen eine konkrete geschichtliche Wirklichkeit. Die Landgabe bestand nicht nur aus einer allgemeinen Zusage. Israel erhielt bestimmte Gebiete mit Städten, Dörfern und Grenzen. Die ausführlichen Aufzählungen zeigen, wie ernst der biblische Bericht die tatsächliche Verteilung des Landes nimmt.

2. Unterschiedliche Aufgaben und Anteile bedeuten nicht unterschiedliche Zugehörigkeit. Simeon erhielt sein Erbteil innerhalb Judas, während andere Stämme größere, eigenständig beschriebene Gebiete bekamen. Die Verschiedenheit der Zuteilungen hob ihre gemeinsame Zugehörigkeit zu Israel nicht auf.

3. Eine empfangene Zusage entbindet nicht von der Verantwortung, entsprechend zu handeln. Die Stämme erhielten ihre Erbteile, mussten sich jedoch weiterhin mit den tatsächlichen Verhältnissen im Land auseinandersetzen. Die spätere Geschichte zeigt, dass versäumte Aufgaben und Ungehorsam ernsthafte Folgen hatten.

4. Äußerer Erfolg ist kein sicherer Maßstab für Gottes Wohlgefallen. Die Daniter konnten Leschem erobern, richteten nach Richter 18 jedoch zugleich einen Götzenkult ein. Deshalb muss eine Handlung nicht nur nach ihrem sichtbaren Ergebnis, sondern auch nach ihrer Übereinstimmung mit Gottes Wort beurteilt werden.

5. Verantwortliche Leitung stellt die gemeinsame Aufgabe nicht hinter persönliche Interessen zurück. Josuas eigenes Erbteil wird erst nach der Verteilung an die Stämme beschrieben. Der Bericht nennt seine inneren Beweggründe nicht, zeigt aber eine Reihenfolge, in der die Erfüllung des gemeinsamen Auftrags vor der Darstellung seines persönlichen Besitzes steht.

6. Gottes gegenwärtige Gaben sind nicht das Ende seiner Verheißungen. Die Landverteilung erfüllte einen wesentlichen Teil dessen, was Gott den Erzvätern zugesagt hatte. Das Neue Testament zeigt zugleich, dass Gottes endgültige Ruhe und das bleibende Erbe seines Volkes über den damaligen Landbesitz hinausreichen. Die Hoffnung der Gläubigen gründet sich auf denselben treuen Gott, dessen Handeln bereits in der Geschichte Israels sichtbar wurde.