Josua 13
Da nun Josua alt war und wohl betagt, sprach der HERR zu ihm: Du bist alt geworden und wohl betagt, und des Landes ist noch sehr viel übrig einzunehmen,
33 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Da nun Josua alt war und wohl betagt, sprach der HERR zu ihm: Du bist alt geworden und wohl betagt, und des Landes ist noch sehr viel übrig einzunehmen,
- 2 nämlich alle Kreise der Philister und ganz Gessur,
- 3 vom Sihor an, der vor Ägypten fließt bis an die Grenze Ekrons gegen Mitternacht, die den Kanaanitern zugerechnet wird, fünf Herren der Philister, nämlich der Gaziter, der Asdoditer, der Askaloniter, der Gathiter der Ekroniter, und die Avviter;
- 4 vom Mittag an aber das ganze Land der Kanaaniter und Meara der Sidonier bis gen Aphek, bis an die Grenze der Amoriter;
- 5 dazu das Land der Gebaliter und der ganze Libanon gegen der Sonne Aufgang, von Baal-Gad an unter dem Berge Hermon, bis man kommt gen Hamath.
- 6 Alle, die auf dem Gebirge wohnen, vom Libanon an bis an die warmen Wasser, alle Sidonier: ich will sie vertreiben vor den Kindern Israel; lose nur darum, sie auszuteilen unter Israel, wie ich dir geboten habe.
- 7 So teile nun dies Land zum Erbe unter die neun Stämme und unter den halben Stamm Manasse.
- 8 Denn die Rubeniter und Gaditer haben mit dem andern halben Manasse ihr Erbteil empfangen, das ihnen Mose gab jenseit des Jordans, gegen Aufgang, wie ihnen dasselbe Mose, der Knecht des HERRN, gegeben hat,
- 9 von Aroer an, das am Ufer des Bachs Arnon liegt, und von der Stadt mitten im Tal und die ganze Ebene Medeba bis gen Dibon
- 10 und alle Städte Sihons, des Königs der Amoriter, der zu Hesbon saß, bis an die Grenze der Kinder Ammon,
- 11 dazu Gilead und das Gebiet von Gessur und Maacha und den ganzen Berg Hermon und das ganze Basan bis gen Salcha
- 12 (das ganze Reich Ogs von Basan, der zu Astharoth und Edrei saß, welcher noch übrig war von den Riesen. Mose aber schlug sie und vertrieb sie.
- 13 Die Kinder Israel vertrieben aber die zu Gessur und zu Maacha nicht, sondern es wohnten beide, Gessur und Maacha, unter den Kindern Israel bis auf diesen Tag).
- 14 Aber dem Stamm der Leviten gab er kein Ertbteil; denn das Opfer des HERRN, des Gottes Israels, ist ihr Erbteil, wie er ihnen geredet hat.
- 15 Also gab Mose dem Stamm der Kinder Ruben nach ihren Geschlechtern,
- 16 daß ihr Gebiet war von Aroer an, das am Ufer des Bachs Arnon liegt, und von der Stadt mitten im Tal mit allem ebenen Felde bis gen Medeba,
- 17 Hesbon und alle seine Städte, die im ebenen Felde liegen, Dibon, Bamoth-Baal und Beth-Baal-Meon,
- 18 Jahza, Kedemoth, Mephaath,
- 19 Kirjathaim, Sibma, Zereth-Sahar auf dem Berge im Tal,
- 20 Beth-Peor, die Abhänge am Pisga und Beth-Jesimoth
- 21 und alle Städte auf der Ebene und das ganze Reich Sihons, des Königs der Amoriter, der zu Hesbon saß, den Mose schlug samt den Fürsten Midians, Evi, Rekem, Zur, Hur und Reba, den Gewaltigen des Königs Sihon, die im Lande wohnten.
- 22 Auch Bileam, der Sohn Beors, den Weissager erwürgten die Kinder Israel mit dem Schwert samt den Erschlagenen.
- 23 Und die Grenze der Kinder Ruben war der Jordan. Das ist das Erbteil der Kinder Ruben nach ihren Geschlechtern, die Städte und ihre Dörfer.
- 24 Dem Stamm der Kinder Gad nach ihrem Geschlecht gab Mose,
- 25 daß ihr Gebiet war Jaser und alle Städte in Gilead und das halbe Land der Kinder Ammon bis gen Aroer, welches liegt vor Rabba,
- 26 und von Hesbon bis gen Ramath-Mizpe und Betonim, und von Mahanaim bis an die Grenze Debirs,
- 27 im Tal aber Beth-Haran, Beth-Nimra, Sukkoth und Zaphon, was übrig war von dem Reich Sihons, des Königs zu Hesbon, daß der Jordan die Grenze war bis ans Ende des Meeres Kinnereth, jenseit des Jordans gegen Aufgang.
- 28 Das ist das Erbteil der Kinder Gad nach ihren Geschlechtern, die Städte und ihre Dörfer.
- 29 Dem halben Stamm der Kinder Manasse nach ihren Geschlechtern gab Mose,
- 30 daß ihr Gebiet war von Mahanaim an: das ganze Basan, das ganze Reich Ogs, des Königs von Basan, und alle Flecken Jairs, die in Basan liegen, nämlich Städte.
- 31 Und das halbe Gilead, Astharoth, Edrei, die Städte des Königreichs Ogs von Basan, gab er den Kindern Machirs, des Sohnes Manasses, das ist die Hälfte der Kinder Machirs, nach ihren Geschlechtern.
- 32 Das ist es, was Mose ausgeteilt hat in dem Gefilde Moabs, jenseit des Jordans vor Jericho gegen Aufgang.
- 33 Aber dem Stamm Levi gab Mose kein Erbteil; denn der HERR, der Gott Israels, ist ihr Erbteil, wie er ihnen geredet hat.
Kapitelüberblick
Josua ist inzwischen alt geworden, doch die Einnahme des verheißenen Landes ist noch nicht abgeschlossen. Gott nennt ihm die Gebiete, die Israel bisher nicht unter seine Herrschaft gebracht hat, und beauftragt ihn dennoch, das Land unter den Stämmen aufzuteilen. Die noch ausstehenden Eroberungen ändern nichts an Gottes Zusage, seinem Volk das verheißene Erbe zu geben.
Anschließend richtet sich der Blick auf das Land östlich des Jordans, das Mose bereits den Stämmen Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse zugeteilt hatte. Ihre Gebiete werden mit zahlreichen Städten, Grenzen und früheren Herrschaftsgebieten beschrieben. Dabei erinnert der Bericht an die besiegten Könige Sihon und Og, erwähnt den Tod Bileams und hält fest, dass einige fremde Bevölkerungsgruppen weiterhin im Land wohnten.
Eine besondere Stellung nimmt der Stamm Levi ein. Er erhält kein eigenes zusammenhängendes Stammesgebiet wie die anderen Stämme. Seine Versorgung ist mit dem Dienst am Heiligtum verbunden, und der HERR selbst wird als sein Erbteil bezeichnet.
Einführung
Die großen Feldzüge Israels liegen hinter Josua. Im Süden und Norden Kanaans hatte er mächtige Bündnisse besiegt, befestigte Städte angegriffen und zahlreiche Könige überwunden. Kapitel 12 fasst diese Siege zusammen und nennt allein westlich des Jordans 31 besiegte Könige. Damit endet ein wichtiger Teil der Eroberungsgeschichte. Doch zwischen einem militärischen Sieg und der dauerhaften Besiedlung eines Landes liegt ein weiterer Schritt.
Schon vor dem Einzug nach Kanaan hatte Gott angekündigt, dass die bisherigen Bewohner nicht alle auf einmal vertrieben werden sollten. Die Einnahme des Landes sollte schrittweise erfolgen, damit die verlassenen Gebiete nicht verwilderten und sich die wilden Tiere nicht zu stark vermehrten (2. Mose 23,29–30). Die großen Siege unter Josua waren deshalb ein entscheidender Fortschritt, bedeuteten aber nicht, dass bereits jede Stadt und jedes Gebiet dauerhaft unter israelitischer Kontrolle stand.
Auch die Ausgangslage der zwölf Stämme war unterschiedlich. Noch zu Moses Lebzeiten hatten Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse Land östlich des Jordans erhalten. Dort lagen weite Weidegebiete, die für ihre großen Viehherden geeignet waren. Ihre kriegsfähigen Männer hatten sich jedoch verpflichtet, den übrigen Israeliten bei der Einnahme Kanaans zu helfen, bevor sie endgültig zu ihren Familien zurückkehren durften (4. Mose 32).
Für das Verständnis der folgenden Kapitel ist deshalb eine Unterscheidung wichtig: Eine Landverheißung, die Zuteilung eines Gebietes und dessen tatsächliche Besitznahme sind miteinander verbunden, aber nicht dasselbe. Die ausführlichen Orts- und Grenzangaben zeigen, wie die bisher erreichten Gebiete den einzelnen Stämmen zugeordnet wurden. Zugleich bilden sie den geschichtlichen Rahmen für die Aufgaben, die Israel noch vor sich hatte.
Josua 13,1
Josuas hohes Alter und der noch unvollendete Auftrag
Der Bericht beginnt mit einer persönlichen Feststellung über Josua: Er ist inzwischen alt und wohlbetagt. Viele Jahre lang hatte er Israel begleitet, zunächst als Diener Moses und später als dessen Nachfolger. Er gehörte zu den Männern, die das Land Kanaan bereits zur Zeit Moses erkundet hatten, und war anschließend mit Kaleb dafür eingetreten, Gottes Verheißung trotz der mächtigen Bewohner des Landes zu vertrauen (4. Mose 13–14). Nun liegen auch die großen Eroberungsfeldzüge unter seiner eigenen Führung hinter ihm. Josua hat einen bedeutenden Teil seines Lebens damit verbracht, das Volk auf dem Weg zu dem Land zu führen, das Gott seinen Vorfahren zugesagt hatte.
Auffällig ist, dass Gott Josuas hohes Alter selbst ausdrücklich anspricht. Der Erzähler stellt zunächst fest, dass Josua alt geworden ist, und unmittelbar darauf wiederholt der HERR diese Aussage in seiner persönlichen Anrede. Im Hebräischen steht dafür eine Wendung, die wörtlich beschreibt, dass jemand weit in seinen Tagen vorangeschritten ist. Damit wird nicht nur ein bestimmter Lebensabschnitt bezeichnet. Die wiederholte Feststellung bereitet auch darauf vor, dass sich die Art von Josuas Verantwortung verändern wird. Seine bisherige Aufgabe war vor allem durch die Führung des Volkes und die militärischen Auseinandersetzungen geprägt. Nun rückt eine andere notwendige Aufgabe in den Vordergrund.
Wie alt Josua zu diesem Zeitpunkt genau war, erfahren wir nicht. Erst am Ende des Buches wird berichtet, dass er im Alter von 110 Jahren starb (Josua 24,29). Daraus lässt sich jedoch nicht zuverlässig berechnen, wie viele Lebensjahre ihm bei dieser Unterredung noch verblieben. Der Text nennt auch keine bestimmte Krankheit und erklärt nicht, dass Josua aufgrund körperlicher Schwäche grundsätzlich handlungsunfähig geworden wäre. Sein hohes Alter ist eine Tatsache, die Gott bei seinen weiteren Anweisungen berücksichtigt, ohne dadurch Josuas bisherigen Dienst abzuwerten.
Die zweite Hälfte des Verses enthält eine ebenso deutliche Feststellung: Es bleibt noch sehr viel Land einzunehmen. Im hebräischen Text wird die große Menge durch die Verbindung zweier verstärkender Ausdrücke hervorgehoben. Gott spricht also nicht nur von einigen unbedeutenden Restgebieten. Er erklärt ausdrücklich, dass ein erheblicher Teil der vorgesehenen Besitznahme noch aussteht. Das verwendete hebräische Verb gehört zum Bedeutungsbereich des Inbesitznehmens und Erbens. Es geht damit um mehr als den Sieg über einzelne feindliche Heere. Die zugesagten Gebiete sollen tatsächlich zum Besitz der jeweiligen Stämme werden.
Gerade diese göttliche Feststellung ist wichtig für das Verständnis der bisherigen Eroberungsberichte. In Josua 11,23 wird zusammenfassend berichtet, dass Josua das ganze Land eingenommen hatte und das Land vom Krieg ruhte. Nun macht Gott selbst deutlich, dass noch umfangreiche Aufgaben ausstehen. Die früheren Siegesberichte sind deshalb nicht so zu verstehen, als wären bereits alle Gebiete restlos besiedelt und sämtliche fremden Bevölkerungsgruppen vertrieben worden. Die großen Feldzüge hatten die entscheidenden militärischen Grundlagen geschaffen. Die vollständige Besitznahme war damit jedoch noch nicht abgeschlossen. Dass Gott selbst beide Seiten der Geschichte anerkennt, bewahrt davor, die früheren Siege entweder zu übertreiben oder wegen der verbleibenden Gebiete für bedeutungslos zu erklären.
Ebenso bemerkenswert ist, was Gott Josua nicht vorwirft. Er bezeichnet das noch einzunehmende Land nicht als persönlichen Beweis für Josuas Untreue. Bereits in Josua 11,15 hatte der Erzähler ausdrücklich bestätigt, dass Josua die Anweisungen Moses sorgfältig ausgeführt hatte. Deshalb wäre es unbegründet, aus der noch unvollendeten Landnahme auf ein heimliches Versagen Josuas zu schließen. Der biblische Bericht lässt vielmehr erkennen, dass ein Mensch seinem Auftrag treu nachkommen kann, obwohl die gesamte Entwicklung, an der er mitarbeitet, seine eigene Lebenszeit übersteigt.
Darin liegt auch der entscheidende Übergang dieses Verses. Gottes Verheißung hängt nicht davon ab, dass Josua persönlich jeden Teil des Landes erobert. Josua wird älter, doch Gottes Vorhaben mit Israel ist damit nicht beendet. Die Aufgabe, die vor dem Volk liegt, reicht über den Dienst seines bisherigen Führers hinaus. Gerade deshalb wird es nun wichtig, die bereits erreichten Gebiete zu ordnen und die Verantwortung für das noch ausstehende Erbe weiterzugeben.
Bevor Gott Josua jedoch den entsprechenden Auftrag erteilt, nennt er zunächst die Landstriche, deren Besitznahme noch aussteht. Dadurch wird deutlich, dass die verbleibende Aufgabe nicht nur eine allgemeine Hoffnung für die Zukunft ist, sondern konkrete Gebiete und Bevölkerungsgruppen betrifft.
Josua 13,2–5
Welche Gebiete Israel noch nicht eingenommen hatte
Nachdem Gott Josua auf die noch ausstehende Besitznahme hingewiesen hat, nennt er die betreffenden Gebiete genauer. Die Aufzählung beginnt im Südwesten Kanaans, führt über die Küstenregionen bis in den Norden und reicht schließlich zum Libanon und zum Hermongebirge. Dabei werden nicht nur große Landschaften genannt, sondern auch einzelne Städte, Bevölkerungsgruppen und Grenzpunkte. So erhält die allgemeine Feststellung, dass noch viel Land einzunehmen bleibt, eine konkrete geografische Bedeutung. Die bisherigen Siege hatten Israels Stellung in Kanaan entscheidend verändert, doch große Teile des Landes standen weiterhin unter der Herrschaft anderer Völker.
Zunächst erwähnt Gott das gesamte Gebiet der Philister. Dieses Volk bewohnte vor allem die südliche Küstenebene am Mittelmeer. Der Bericht nennt fünf bedeutende Städte: Gaza, Asdod, Askalon, Gat und Ekron. Jede von ihnen war ein politisches Zentrum mit einem eigenen Herrscher. Deshalb spricht der Bibeltext von fünf Fürsten der Philister und nicht einfach von einem einzigen König über das gesamte Gebiet. Diese Städte bildeten gemeinsam eine bedeutende Macht, besaßen aber jeweils ihre eigene politische Führung. Ihre Erwähnung erklärt, weshalb die großen Siege Josuas noch nicht bedeuteten, dass Israel bereits alle wichtigen Herrschaftszentren Kanaans unter seine Kontrolle gebracht hatte.
Die südliche Ausdehnung dieses Gebietes wird durch den Schihor beschrieben, einen Wasserlauf im Grenzbereich Ägyptens. Von dort reicht die angegebene Strecke nordwärts bis zum Gebiet von Ekron. Wo genau der Schihor verlief, ist allerdings umstritten. Manche Ausleger identifizieren ihn mit einem östlichen Nilarm beziehungsweise einem Wasserlauf im ägyptischen Deltagebiet, während andere an das Wadi el-Arisch im nordöstlichen Grenzraum Ägyptens denken. Der Text ermöglicht keine zweifelsfreie Entscheidung zwischen diesen Zuordnungen. Für das Verständnis der Aufzählung ist vor allem wichtig, dass der Schihor als südlicher Orientierungspunkt dient und Ekron die nördliche Begrenzung des hier beschriebenen Küstengebiets markiert.
Eine bemerkenswerte Formulierung besagt, dass dieses Gebiet zu den Kanaanitern gerechnet wurde. Damit wird nicht zwingend behauptet, dass Philister und Kanaaniter dieselbe Herkunft besaßen. Die Aussage beschreibt vielmehr die geografische Einordnung des Landes, das Israel als Erbe erhalten sollte. Die Bibel unterscheidet an anderen Stellen ausdrücklich zwischen Philistern und kanaanitischen Bevölkerungsgruppen. Dennoch befanden sich die philistäischen Herrschaftsgebiete innerhalb jenes größeren Raumes, dessen Besitznahme für Israel noch ausstand. Die geografische Zugehörigkeit und die ethnische Herkunft seiner Bewohner dürfen deshalb nicht miteinander verwechselt werden.
Neben den Philistern werden auch die Geschuriter und Avviter genannt. Bei den Geschuritern ist Vorsicht geboten, weil die Bibel denselben Namen in unterschiedlichen geografischen Zusammenhängen verwendet. Die hier erwähnte Gruppe wird gewöhnlich im südlichen beziehungsweise südwestlichen Grenzraum Kanaans verortet. Dazu passt 1. Samuel 27,8, wo David gegen Geschuriter, Girziter und Amalekiter vorgeht und die betreffenden Gebiete in Richtung Schur und Ägypten beschrieben werden. In Josua 13,11–13 erscheint dagegen ein anderes Geschur im nördlichen Ostjordanland, in der Nachbarschaft von Maacha und Baschan. Die räumliche Trennung spricht dafür, dass hier nicht einfach dasselbe Gebiet gemeint ist. Ob zwischen den Bevölkerungsgruppen eine ältere geschichtliche Verbindung bestand, wird nicht erklärt.
Auch die Avviter besitzen eine interessante Vorgeschichte. Nach 5. Mose 2,23 hatten sie früher in Siedlungen bis nach Gaza gewohnt, bevor die Kaphtoriter sie verdrängten und sich an ihrer Stelle niederließen. Josua 13 nennt sie dennoch im Zusammenhang mit den noch nicht eingenommenen Gebieten. Die beiden Aussagen müssen nicht bedeuten, dass die Avviter ihre frühere politische Stellung vollständig behalten hatten. Möglich ist, dass Teile ihrer Bevölkerung oder die Erinnerung an ihre Siedlungsgebiete weiterhin bestanden. Der Text beschreibt jedoch nicht genauer, welche Verhältnisse zur Zeit Josuas herrschten. Die Erwähnung macht vor allem deutlich, dass die südliche Küstenregion eine längere Geschichte wechselnder Bevölkerungsgruppen und Herrschaftsverhältnisse besaß.
Anschließend wendet sich die Aufzählung nach Norden. Genannt werden das Land der Kanaaniter, Maara im Bereich der Zidonier, Aphek und die Grenze der Amoriter. Die Zidonier waren mit der bedeutenden Küstenstadt Zidon verbunden, die nördlich des späteren israelitischen Kerngebietes lag. Der Name Maara ist dagegen schwieriger zu bestimmen. Der hebräische Ausdruck kann auch mit einer Höhle verbunden werden, und die genaue Identifizierung als Ortsname ist nicht unumstritten. Ebenso begegnet der Name Aphek an mehreren Stellen der Bibel für verschiedene Orte. Deshalb lässt sich aus der Aufzählung keine vollständig gesicherte Grenzlinie rekonstruieren. Entscheidend ist, dass auch im nördlichen Bereich Kanaans noch ausgedehnte Gebiete außerhalb der israelitischen Herrschaft lagen.
Vers 5 erweitert diesen geografischen Überblick um das Land der Gibliter und das Libanongebiet. Die Gibliter werden gewöhnlich mit Gebal verbunden, einer alten Küstenstadt, die auch unter dem Namen Byblos bekannt ist. Sie lag im Gebiet des heutigen Libanon und war bereits im Altertum ein bedeutendes Zentrum. Die Bibel erwähnt die Bewohner von Gebal auch in anderen Zusammenhängen, beispielsweise als erfahrene Handwerker beim Bauvorhaben Salomos (1. Könige 5,32 nach der Verszählung der Schlachter 1951). Die Nennung der Gibliter zeigt, dass die Beschreibung des noch ausstehenden Landes über die bereits umkämpften Gebiete im südlichen und mittleren Kanaan hinausreicht.
Als weitere Orientierungspunkte dienen Baal-Gad am Fuß des Hermongebirges und der Zugang nach Hamat. Der Hermon ist ein mächtiges Gebirge im Norden des biblischen Landes. Baal-Gad wird bereits in Josua 11,17 und 12,7 als geografischer Grenzpunkt erwähnt, wodurch die neue Aufzählung an die früheren Feldzugsberichte anknüpft. Der Ausdruck für den Zugang nach Hamat bezeichnet eine nördliche Grenzregion beziehungsweise den Weg in Richtung Hamat. Ob an der betreffenden Stelle ursprünglich ein bestimmter Ort namens Lebo-Hamat oder allgemeiner der Zugang zur Landschaft Hamat gemeint ist, wird unterschiedlich beurteilt. Die geografische Aussage bleibt dennoch verständlich: Der Blick reicht bis weit in den Norden des verheißenen Landes.
Diese ausführliche Aufzählung zeigt, dass Gottes Verheißung nicht mit den bisher erreichten militärischen Erfolgen gleichgesetzt werden darf. Israel hatte mächtige Gegner besiegt, doch zahlreiche Städte, Landschaften und Bevölkerungsgruppen lagen weiterhin außerhalb seiner dauerhaften Kontrolle. Die genannten Gebiete waren keine bloß gedanklichen Erweiterungen eines bereits vollständig beherrschten Landes. Sie bezeichneten wirkliche Orte, deren weitere Besitznahme noch ausstand.
Dabei ist wichtig, dass der Text die verschiedenen Bevölkerungsgruppen zunächst geografisch beschreibt. Aus ihrer bloßen Erwähnung lässt sich noch kein Urteil über das persönliche Verhalten jedes einzelnen Bewohners gewinnen. Die Frage nach Gottes Gericht über die Völker und nach Israels Verantwortung muss anhand der entsprechenden biblischen Aussagen untersucht werden, statt jede Ortsangabe sofort zu einer allgemeinen Begründung von Gewalt zu machen.
Die geografische Beschreibung bereitet nun Gottes nächste Anweisung vor. Josua kennt die Gebiete, die noch nicht eingenommen sind. Dennoch soll die Verteilung des Landes nicht bis zum Abschluss aller künftigen Auseinandersetzungen aufgeschoben werden. Im folgenden Abschnitt erklärt Gott, wie seine Zusage und der Auftrag zur Landverteilung trotz der noch bestehenden Grenzen zusammengehören.
Josua 13,6–7
Gottes Verheißung und der Auftrag zur Landverteilung
Nach der ausführlichen Beschreibung der noch nicht eingenommenen Gebiete richtet Gott den Blick erneut auf den Norden Kanaans. Er erwähnt die Bewohner des Gebirgslandes vom Libanon bis zu den warmen Quellen, wie Schlachter 1951 die nördliche Ortsangabe wiedergibt, und nennt besonders die Zidonier. Im hebräischen Text steht an dieser Stelle der Ortsname Misrefot-Majim, der bereits in Josua 11,8 begegnet. Dort hatten die Israeliten ihre besiegten Gegner bis in diese Gegend verfolgt. Die erneute Erwähnung verbindet den früheren militärischen Erfolg mit der gegenwärtigen Feststellung, dass die Besitznahme noch nicht abgeschlossen war. Ein Sieg über ein feindliches Heer bedeutete nicht zwangsläufig, dass sämtliche Bewohner der umliegenden Landschaft bereits vertrieben worden waren.
Gerade im Blick auf diese noch ausstehenden Aufgaben gibt Gott Josua eine ausdrückliche Zusage: Er selbst wird die Bewohner vor Israel vertreiben. Die Formulierung ist bemerkenswert, weil sie den entscheidenden Anteil am Gelingen nicht Josua oder der militärischen Stärke des Volkes zuschreibt. Schon beim Auszug aus Ägypten hatte Gott angekündigt, Israel voranzugehen und den Weg in das verheißene Land zu bereiten (2. Mose 23,20–23). Auch vor dem Kampf gegen die mächtigen Könige Sihon und Og hatte er zugesagt, die Gegner in Israels Hand zu geben (5. Mose 2,31; 3,2–3). Die neue Verheißung knüpft an diese bisherigen Erfahrungen an. Derselbe Gott, der Israel bis hierher geführt hatte, sagt auch für die verbleibenden Aufgaben seine Hilfe zu.
Dabei muss die Zusage in ihrem geschichtlichen Zusammenhang verstanden werden. Gott erklärt nicht, dass sämtliche noch verbliebenen Bewohner bereits verschwunden seien oder ohne weitere Beteiligung Israels vertrieben würden. Auch nennt er keinen genauen Zeitpunkt, zu dem die gesamte Besitznahme abgeschlossen sein werde. Die Verheißung beschreibt vielmehr Gottes zukünftiges Handeln im Rahmen seines Auftrags an Israel. Schon in 2. Mose 23,29–30 hatte er erklärt, dass die Vertreibung schrittweise erfolgen sollte. Deshalb wäre es falsch, aus der noch bestehenden Anwesenheit anderer Völker unmittelbar zu schließen, Gottes Zusage sei gescheitert. Ebenso wenig darf die Verheißung jedoch als Rechtfertigung dafür verstanden werden, dass Israel seinen eigenen Auftrag dauerhaft vernachlässigen könnte. Das spätere Richterbuch zeigt ausdrücklich, dass die Duldung verbotener Bündnisse und die Missachtung göttlicher Anweisungen schwerwiegende Folgen hatten (Richter 2,1–3).
Umso überraschender ist die Anweisung, die Gott nun unmittelbar mit seiner Verheißung verbindet. Josua soll das Land bereits als Erbe unter Israel verteilen. Er muss also nicht warten, bis sämtliche Gebiete vollständig eingenommen und alle Grenzen militärisch gesichert sind. Gott unterscheidet zwischen der Zuweisung eines Gebietes und der Aufgabe, es tatsächlich in Besitz zu nehmen. Die Verteilung soll jetzt erfolgen, während die weitere Besitznahme noch bevorsteht. Dadurch erhält jeder Stamm einen bestimmten Anteil und zugleich einen konkreten Verantwortungsbereich für die kommende Zeit.
Für diese Verteilung soll Josua das Los verwenden. Das war kein willkürliches Verfahren, das er sich selbst ausgedacht hatte. Bereits in 4. Mose 26,52–56 hatte Gott angeordnet, dass das Land entsprechend der Größe der Stämme verteilt und die jeweilige Zuweisung durch das Los bestimmt werden sollte. Die Losverteilung verband damit zwei Gesichtspunkte: Die unterschiedlichen Größen der Stämme mussten berücksichtigt werden, während die konkrete Zuweisung nicht allein von menschlichen Ansprüchen oder persönlichen Vorlieben abhängen sollte. Im biblischen Verständnis stand dieses Verfahren unter Gottes Führung. Der Text beschreibt allerdings nicht im Einzelnen, wie die einzelnen Lose technisch hergestellt oder gezogen wurden. Solche Einzelheiten müssen deshalb nicht ergänzt werden, um die Bedeutung der Anweisung zu verstehen.
Vers 7 legt nun fest, wer das westjordanische Land erhalten soll: die neun Stämme und der halbe Stamm Manasse. Diese zunächst ungewöhnlich wirkende Zahl erklärt sich aus der bisherigen Geschichte Israels. Ruben und Gad sowie die eine Hälfte des Stammes Manasse hatten ihr Erbteil bereits unter Mose östlich des Jordans erhalten (4. Mose 32,33). Für die andere Hälfte Manasses und die übrigen neun Stämme steht die Verteilung westlich des Flusses noch aus. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Josephs Nachkommen durch die Stämme Ephraim und Manasse vertreten werden, während Levi kein eigenes zusammenhängendes Stammesgebiet erhält. Die folgende Verteilung führt somit die bereits unter Mose begonnene Ordnung fort.
Josuas Verantwortung verändert sich dadurch erheblich. Bisher stand vor allem seine Führung während der großen Feldzüge im Mittelpunkt. Nun soll er dafür sorgen, dass Gottes Landgabe eine geordnete Gestalt innerhalb des Volkes erhält. Diese Aufgabe wird später gemeinsam mit dem Priester Eleasar und den Familienoberhäuptern der Stämme ausgeführt (Josua 14,1–2). Die Anweisung an Josua bedeutet also nicht, dass er nach eigenem Ermessen über das Land verfügen dürfte. Er soll vielmehr die Ordnung umsetzen, die Gott bereits durch Mose festgelegt hatte.
Damit erhält die bevorstehende Landverteilung eine Bedeutung, die über eine bloße geografische Aufteilung hinausgeht. Gott hatte Abraham verheißen, seinen Nachkommen ein Land zu geben (1. Mose 12,7; 15,18–21). Generationen später beginnt diese Verheißung nun in konkreten Erbteilen, Städten und Grenzen sichtbar zu werden. Noch ist nicht alles erreicht, was Israel zugesagt wurde. Dennoch darf das bereits Geschenkte geordnet werden, während die weiteren Aufgaben bestehen bleiben. Gottes bisherige Treue wird nicht durch das entwertet, was noch aussteht.
Die beiden Verse verbinden somit Gottes zukünftiges Handeln mit einer unmittelbaren menschlichen Verantwortung. Der HERR kündigt an, die noch verbliebenen Bewohner zu vertreiben, und Josua soll bereits jetzt das Erbe verteilen. Die Verheißung macht den Auftrag nicht überflüssig, sondern bildet seine Grundlage. Zugleich hängt die Fortsetzung von Gottes Vorhaben nicht ausschließlich an Josuas verbleibenden Lebensjahren. Das Land kann den Stämmen zugewiesen werden, auch wenn sie noch eigene Aufgaben bei seiner Besitznahme erfüllen müssen.
Im folgenden Abschnitt richtet sich der Blick deshalb zunächst zurück auf das Ostjordanland. Dort war die Verteilung bereits durch Mose erfolgt. Die Erinnerung an diese früheren Erbteile bildet die Grundlage für die ausführliche Beschreibung der Gebiete, die Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse erhalten hatten.
Josua 13,8–14
Moses frühere Siege, verbliebene Bewohner und Levis besonderes Erbteil
Bevor die Verteilung des westjordanischen Landes ausführlich beschrieben wird, erinnert der Bericht an die Gebiete, die bereits unter Mose vergeben worden waren. Ruben, Gad und die eine Hälfte des Stammes Manasse hatten ihr Erbteil östlich des Jordans erhalten. Diese Entscheidung ging auf die Zeit zurück, als Israel noch unter der Führung Moses stand. Die betreffenden Stämme besaßen große Viehherden und hatten darum gebeten, sich in den weiten Weidegebieten des Ostjordanlandes niederlassen zu dürfen. Mose hatte ihrer Bitte zugestimmt, nachdem sie sich verpflichtet hatten, mit ihren kriegsfähigen Männern auch den übrigen Israeliten bei der Einnahme Kanaans zu helfen (4. Mose 32,1–33). Ihr bereits erhaltenes Erbe bedeutete somit nicht, dass sie von der gemeinsamen Verantwortung gegenüber dem Volk befreit waren.
Die Beschreibung beginnt im Süden mit Aroer am Arnon. Dieser Fluss bildete eine bedeutende natürliche Grenze im Ostjordanland und mündet in das Tote Meer. Von dort reicht das genannte Gebiet über die Hochebene bei Medeba und Dibon bis zu den Städten des Amoriterkönigs Sihon. Die Landschaft war durch weite Hochflächen, Täler und befestigte Siedlungen geprägt. Sie bot geeignete Bedingungen für die Viehhaltung, war aber zugleich ein Gebiet, um dessen Herrschaft bereits zuvor gekämpft worden war. Die Ortsnamen verdeutlichen deshalb, dass Israel nicht einfach unbewohntes Land erhalten hatte. Die Stämme übernahmen Gebiete, die zuvor zu bestehenden Königreichen gehört hatten.
Besonders hervorgehoben wird Sihon, der König der Amoriter, dessen Herrschaftssitz Hesbon gewesen war. Seine Niederlage wird bereits in 4. Mose 21,21–31 ausführlicher beschrieben. Israel hatte zunächst um die Erlaubnis gebeten, friedlich durch sein Gebiet ziehen zu dürfen. Sihon verweigerte den Durchzug und zog dem Volk mit seinem Heer entgegen. Daraufhin kam es zum Kampf, in dessen Verlauf Israel sein Gebiet eroberte. Die erneute Erwähnung dieses Königs verbindet die gegenwärtige Landverteilung mit den Ereignissen, durch die der Besitz des Ostjordanlandes überhaupt möglich geworden war. Die Städte, die jetzt als Erbteil beschrieben werden, waren zuvor Teil eines feindlichen Herrschaftsgebietes gewesen.
Die Grenze reicht bis an das Land der Ammoniter. Diese Angabe besitzt eine besondere Bedeutung, denn Gott hatte Israel ausdrücklich untersagt, das den Nachkommen Lots zugesprochene Land der Ammoniter eigenmächtig einzunehmen (5. Mose 2,19.37). Der Sieg über Sihon bedeutete deshalb keine uneingeschränkte Erlaubnis, auch die Gebiete sämtlicher Nachbarvölker zu erobern. Schon hier zeigt sich, dass die biblischen Landverheißungen mit bestimmten geografischen und geschichtlichen Grenzen verbunden waren. Die genaueren Besitzverhältnisse an der ammonitischen Grenze werden später bei der Beschreibung des Stammes Gad erneut wichtig.
Weiter nördlich nennt der Bericht Gilead, das Gebiet von Geschur und Maacha, den Berg Hermon sowie Baschan bis nach Salcha. Die Aufzählung führt damit von den Hochebenen östlich des Toten Meeres in die Gebirgs- und Hochlandregionen des nördlichen Ostjordanlandes. Der Hermon bildet einen auffälligen geografischen Orientierungspunkt. Baschan war besonders für seine fruchtbaren Weideflächen bekannt, wie auch spätere biblische Aussagen über die kräftigen Tiere dieser Landschaft erkennen lassen (Hesekiel 39,18). Die genannten Gebiete waren deshalb nicht nur wegen ihrer Ausdehnung bedeutsam, sondern besaßen auch einen erheblichen wirtschaftlichen Wert für die dort lebenden Menschen.
In Baschan hatte zuvor König Og geherrscht, dessen bedeutende Herrschaftsorte Astarot und Edrei waren. Bereits in 4. Mose 21,33–35 und 5. Mose 3,1–13 wird berichtet, wie Israel ihm entgegentrat und sein Königreich eroberte. Josua 13 erinnert zusätzlich daran, dass Og zu den noch verbliebenen Rephaitern gehörte. Dieser Name erscheint im Alten Testament im Zusammenhang mit alten Bevölkerungsgruppen, denen außergewöhnliche Größe und Stärke zugeschrieben werden. Nach 5. Mose 3,11 war besonders Ogs großes eisernes Bett beziehungsweise Bettgestell bekannt. Diese Angabe unterstreicht seine ungewöhnliche Erscheinung oder seine königliche Bedeutung, erlaubt aber keine sichere Berechnung seiner Körpergröße. Ebenso wenig liefert sie eine Grundlage für weitergehende Behauptungen über eine übernatürliche Abstammung. Für Josua 13 ist entscheidend, dass auch dieser als besonders mächtig beschriebene König von Mose besiegt worden war.
Nach dem Rückblick auf diese Siege folgt allerdings eine Einschränkung. Die Israeliten hatten die Geschuriter und Maachatiter nicht vertrieben. Ihre Bevölkerungsgruppen wohnten weiterhin in den Gebieten, die Israel zugerechnet wurden. Mit der Formulierung „bis auf diesen Tag“ verweist der Erzähler darauf, dass dieser Zustand auch zu seiner Berichtszeit noch bestand. Daraus lässt sich jedoch kein genaues Datum für die Abfassung des Textes ableiten. Ebenso wenig darf die Aussage so verstanden werden, als sei damit etwas über die politischen Verhältnisse aller späteren Jahrhunderte gesagt.
Das hier genannte Geschur ist von dem südlichen Geschur zu unterscheiden, das bereits am Anfang des Kapitels im Zusammenhang mit den Philistern erwähnt wurde. In den Versen 11–13 geht es um ein Gebiet im nördlichen Ostjordanland, in der Nachbarschaft von Maacha und Baschan. Dieses nördliche Geschur begegnet später erneut in der Geschichte Davids. Nach 2. Samuel 3,3 heiratete David Maacha, die Tochter Talmais, des Königs von Geschur. Ihr Sohn Absalom floh später nach Geschur zu seinem Großvater (2. Samuel 13,37–38). Damit wird erkennbar, dass dort auch in einer späteren Zeit ein eigenständiges Königtum bestand. Der Text ermöglicht jedoch keine lückenlose Rekonstruktion der politischen Entwicklung zwischen Josua und David.
Die fortdauernde Anwesenheit der Geschuriter und Maachatiter erinnert erneut daran, dass eine militärische Niederlage großer Königreiche nicht mit der vollständigen Vertreibung aller Bewohner gleichgesetzt werden darf. Bemerkenswert ist, dass diese Einschränkung unmittelbar nach der Beschreibung der Siege Moses erscheint. Der Bericht verschweigt die Grenzen der tatsächlichen Besitznahme also nicht, obwohl er zuvor Gottes Hilfe bei der Eroberung der Gebiete hervorgehoben hat. Allerdings nennt Vers 13 keinen ausdrücklichen Grund dafür, weshalb die beiden Bevölkerungsgruppen nicht vertrieben wurden. Die spätere Kritik Gottes am Ungehorsam Israels in Richter 2 ist ernst zu nehmen, darf aber nicht ohne weitere Begründung als vollständige Erklärung für jede einzelne noch bestehende Siedlungsgruppe verwendet werden.
Nach den ausführlichen Grenz- und Herrschaftsangaben richtet sich der Blick schließlich auf einen Stamm, der eine besondere Stellung innerhalb Israels einnahm. Mose hatte dem Stamm Levi kein eigenes zusammenhängendes Stammesgebiet zugewiesen. Stattdessen bezeichnet Vers 14 die Feueropfer des HERRN als sein Erbteil. Diese Aussage verweist auf die besondere Aufgabe der Leviten im Zusammenhang mit dem Heiligtum und dem Gottesdienst Israels. Während die anderen Stämme ihren Lebensunterhalt vor allem aus den ihnen zugewiesenen Landgebieten gewinnen konnten, war die Versorgung der Leviten durch eigene göttliche Anordnungen geregelt.
Die Einzelheiten dieser Versorgung hatte Gott bereits in 4. Mose 18 festgelegt. Dabei muss zwischen den Priestern aus der Familie Aarons und den übrigen Leviten unterschieden werden. Bestimmte Opferanteile waren ausdrücklich den Priestern vorbehalten, während den übrigen Leviten insbesondere der Zehnte für ihren Dienst am Heiligtum zugesprochen wurde. Die Erwähnung der Feueropfer in Josua 13,14 bedeutet deshalb nicht, dass sämtliche Leviten unterschiedslos alle Opfergaben erhielten. Vielmehr fasst der Vers ihre besondere Stellung innerhalb der von Gott eingerichteten Versorgungsordnung zusammen.
Auch das Fehlen eines eigenen Stammesgebietes bedeutete nicht, dass die Leviten grundsätzlich ohne Wohnorte bleiben sollten. Nach 4. Mose 35,1–8 sollten ihnen Städte mit dazugehörigen Weideflächen aus den Gebieten der anderen Stämme zugewiesen werden. Diese Anordnung wird später in Josua 21 ausführlich umgesetzt. Der entscheidende Unterschied bestand also nicht zwischen Menschen mit Land und Menschen, die überhaupt keinen Ort zum Leben besaßen, sondern zwischen einem geschlossenen territorialen Erbteil und einer besonderen Versorgung innerhalb des gesamten Volkes.
Eine weitere Erklärung bietet 5. Mose 18,1–2. Dort werden die Anteile an den Opfern ausdrücklich mit der Aussage verbunden, dass der HERR selbst das Erbteil der Leviten ist. Josua 13,14 hebt die konkrete Versorgung durch die Gott dargebrachten Gaben hervor, während Vers 33 am Ende des Kapitels den HERRN selbst als ihr Erbteil bezeichnet. Beide Aussagen gehören zusammen. Die materielle Versorgung der Leviten und ihre besondere Zugehörigkeit zum Dienst Gottes bilden keine Gegensätze, sondern beschreiben unterschiedliche Seiten derselben Ordnung.
Damit endet die allgemeine Rückschau auf die ostjordanischen Gebiete mit einem bemerkenswerten Unterschied. Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse hatten bestimmte Landschaften, Städte und Weideflächen erhalten. Levi dagegen besaß kein eigenes Stammesgebiet, sondern hatte seinen besonderen Platz im Dienst Gottes und in der Versorgung durch das Volk. Nachdem diese grundlegende Ordnung beschrieben worden ist, beginnt der Bericht mit der genaueren Aufteilung der ostjordanischen Erbteile. Zuerst wird das Gebiet des Stammes Ruben mit seinen einzelnen Städten und Grenzen vorgestellt.
Josua 13,15–23
Das Erbteil Rubens und der überraschende Rückblick auf Bileam
Die genauere Beschreibung der ostjordanischen Landverteilung beginnt mit dem Stamm Ruben. Mose hatte ihm bereits vor dem Einzug Israels nach Kanaan ein bestimmtes Gebiet zugewiesen, das nun mit seinen Grenzen und wichtigsten Städten aufgeführt wird. Dabei betont der Bericht, dass die Verteilung nach den Geschlechtern, also den einzelnen Familienverbänden des Stammes, erfolgt war. Das Land sollte nicht lediglich einem Stammesführer gehören, sondern den Familien eine dauerhafte Lebensgrundlage bieten. Ihre Zugehörigkeit zu Ruben bestimmte, innerhalb welchen Gebiets sie ihren Anteil erhielten.
Die südliche Grenze beginnt bei Aroer am Rand des Arnontals. Der Arnon war ein bedeutender Wasserlauf östlich des Toten Meeres, dessen tief eingeschnittenes Tal eine natürliche Grenze bildete. Auch eine Stadt mitten im Tal wird erwähnt, ohne dass der Bericht ihren Namen nennt. Von dort erstreckte sich Rubens Gebiet über die Hochebene bei Medeba. Diese Landschaft unterschied sich deutlich vom schmalen Jordantal. Auf den höher gelegenen Flächen fanden sich ausgedehnte Weidegebiete und zahlreiche Siedlungen. Schon in 4. Mose 32,1–4 hatten die Rubeniter und Gaditer die Eignung des Ostjordanlandes für ihre Viehherden hervorgehoben. Nun wird sichtbar, welche konkreten Orte zu ihrem Erbteil gehörten.
Besonders wichtig war Hesbon, die frühere Residenz des Amoriterkönigs Sihon. Daneben nennt der Bericht Dibon, Bamot-Baal, Beth-Baal-Meon, Jahza, Kedemot und Mephaat. Einige dieser Städte begegnen bereits in den früheren Berichten über die ostjordanische Eroberung und Besiedlung. Andere werden später in den prophetischen Büchern erneut erwähnt, etwa Dibon und Kirjataim im Zusammenhang mit Moab (Jeremia 48,18.23). Daran lässt sich erkennen, dass diese Orte auch nach der Landverteilung eine wechselvolle Geschichte hatten. Josua 13 beschreibt jedoch zunächst ihre Zugehörigkeit zum Erbteil Rubens und nicht sämtliche späteren Herrschaftsverhältnisse.
Unter den Ortsnamen fallen besonders Bamot-Baal und Beth-Baal-Meon auf. Beide enthalten den Namen Baal, der im Alten Testament häufig mit kanaanitischen Gottheiten verbunden ist. Solche Ortsbezeichnungen können auf ältere religiöse Traditionen der betreffenden Siedlungen hinweisen. Sie beweisen aber nicht, dass die Rubeniter durch die Übernahme dieser Städte automatisch die dort früher verehrten Gottheiten anbeteten. Ein Ort konnte seinen überlieferten Namen behalten, obwohl sich seine Bewohner und politischen Verhältnisse veränderten. Schon 4. Mose 32,38 berichtet im Zusammenhang mit der Wiederherstellung von Städten ausdrücklich von Namensänderungen. Die Ortslisten müssen deshalb als geografische Angaben gelesen werden, bevor aus ihren Namen weitergehende religiöse Schlussfolgerungen gezogen werden.
Anschließend werden Kirjataim, Sibma, Zeret-Sahar, Beth-Peor, die Abhänge des Pisga und Beth-Jesimot genannt. Mit diesen Angaben reicht die Beschreibung bis zu den Höhenzügen oberhalb des Toten Meeres und in Richtung Jordantal. Besonders der Pisga besitzt innerhalb der Geschichte Israels eine herausragende Bedeutung. Von einer Höhe dieses Gebirgsbereichs aus durfte Mose vor seinem Tod das verheißene Land betrachten (5. Mose 34,1–4). Er selbst durfte den Jordan nicht mehr überqueren, erlebte jedoch noch, wie die ersten israelitischen Stämme ihr Erbteil östlich des Flusses erhielten. Die spätere Aufzählung dieser Gebiete erinnert somit an eine Landverteilung, die noch unter seiner persönlichen Führung begonnen hatte.
Auch Beth-Peor ist ein bemerkenswerter Ortsname. Der Bericht über Israels schweren Abfall bei Baal-Peor in 4. Mose 25 zeigt, welche religiöse Bedeutung der Name Peor im damaligen Umfeld besitzen konnte. Allerdings darf Beth-Peor nicht ohne weitere Begründung mit dem genauen Schauplatz sämtlicher dort berichteter Ereignisse gleichgesetzt werden. Ebenso wenig muss jede Erwähnung eines Ortes mit diesem Namen automatisch eine versteckte Warnung enthalten. Dennoch entsteht durch die geografische Nähe und den gemeinsamen Namensbestandteil eine sinnvolle Verbindung zur früheren Wüstengeschichte. Die Region, in der Ruben nun sein Erbteil erhält, war Israel nicht allein durch militärische Siege, sondern auch durch ernste geistliche Erfahrungen bekannt.
Vers 21 fasst die beschriebenen Städte als Teil des früheren Königreichs Sihons zusammen. Der Amoriterkönig hatte von Hesbon aus über bedeutende Gebiete östlich des Jordans geherrscht, bevor Israel ihn unter Mose besiegte. Doch der Bericht erwähnt nicht nur Sihon. Er nennt außerdem fünf midianitische Fürsten: Evi, Rekem, Zur, Chur und Reba. Diese werden als Gewaltige beziehungsweise Herrschaftsträger Sihons bezeichnet, die im Land wohnten. Die Formulierung weist auf eine politische Beziehung zwischen ihnen und dem amoritischen König hin. Ihre genaue Stellung lässt sich allerdings nicht vollständig bestimmen. Sie könnten von Sihon abhängige regionale Herrscher gewesen sein. Dass ihre Namen gemeinsam genannt werden, beweist auch nicht, dass sie alle in derselben Schlacht wie Sihon ums Leben kamen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die früheren Mosebücher verschiedene Ereignisse berichten. Sihons Niederlage wird in 4. Mose 21,21–31 geschildert. Die fünf midianitischen Könige erscheinen dagegen ausdrücklich in 4. Mose 31,8, wo Israel sie während eines späteren Krieges gegen Midian tötet. Josua 13 fasst die Ergebnisse dieser Auseinandersetzungen innerhalb eines Rückblicks zusammen. Die früheren Ereignisse werden nicht erneut in ihrer zeitlichen Reihenfolge erzählt, sondern im Zusammenhang mit der Herrschaft über das Land erwähnt, das nun Ruben zugewiesen ist. Aus dieser knappen Zusammenfassung darf deshalb keine einzige große Schlacht konstruiert werden, in der Sihon und sämtliche genannten Fürsten gleichzeitig gefallen wären.
Unmittelbar darauf folgt eine weitere Nachricht, die zunächst überraschend wirkt. Unter den Erschlagenen wird ausdrücklich Bileam genannt, der Sohn Beors. Die Israeliten hatten auch ihn mit dem Schwert getötet. Der Bericht bezeichnet ihn dabei als Wahrsager. Um zu verstehen, weshalb sein Name an dieser Stelle erscheint, muss man auf die Ereignisse vor dem Einzug nach Kanaan zurückblicken. Nach 4. Mose 22 hatte Balak, der König von Moab, Bileam herbeirufen lassen, damit dieser Israel verfluche. Bileam konnte jedoch nicht einfach den gewünschten Fluch aussprechen. Gott griff ein und ließ ihn wiederholt Worte des Segens über Israel verkündigen. Zu den bekanntesten Aussagen gehört die Ankündigung eines Sterns, der aus Jakob hervorgehen wird (4. Mose 24,17).
Gerade dieser frühere Bericht macht die Bezeichnung Bileams als Wahrsager in Josua 13 bedeutsam. Dass Gott ihn zeitweise dazu brachte, wahre Worte auszusprechen, bedeutete nicht, dass Bileam dadurch insgesamt als treuer Diener Gottes bestätigt worden wäre. Schon 4. Mose 22 berichtet von seiner problematischen Haltung, und die weitere biblische Überlieferung beurteilt seinen Weg ausdrücklich kritisch. In 4. Mose 31,16 erklärt Mose, dass die Midianiterinnen Israel auf Bileams Rat hin zur Untreue bei Peor verleitet hatten. Der Mann, der Israel nicht verfluchen konnte, war demnach an einer Entwicklung beteiligt, durch die das Volk zum Götzendienst und zur Sünde verführt wurde.
Damit erhält die kurze Todesnachricht aus Josua 13,22 ihren größeren Zusammenhang. Bereits 4. Mose 31,8 hatte Bileams Tod während des Krieges gegen Midian berichtet. Josua wiederholt dieses Ereignis nicht, um eine neue Hinrichtung zu beschreiben, sondern erinnert innerhalb der Darstellung des eroberten Landes an das Schicksal eines Mannes, der in Israels früherer Geschichte eine besondere Rolle gespielt hatte. Seine Erwähnung neben den midianitischen Herrschern verbindet die Gebietsbeschreibung mit dem vorherigen Krieg und den Ereignissen, die zu ihm geführt hatten. Dabei erklärt Josua 13 selbst nicht alle Beweggründe für Bileams Tod. Die ausführlichere Einordnung ergibt sich aus den früheren Berichten.
Später greift das Neue Testament Bileams Verhalten erneut auf. In Offenbarung 2,14 erinnert Jesus die Gemeinde in Pergamon an Bileams Einfluss und verbindet ihn ausdrücklich mit Götzenopferessen und sexueller Unmoral. Auch 2. Petrus 2,15–16 warnt anhand Bileams vor einem Weg, bei dem ungerechter Gewinn wichtiger wird als Treue gegenüber Gott. Diese Stellen machen deutlich, dass die Bibel zwischen einer richtigen ausgesprochenen Botschaft und der persönlichen Treue ihres Überbringers unterscheidet. Wahre Worte allein beweisen noch nicht, dass ein Mensch selbst dem Willen Gottes folgt. Diese Einsicht erwächst aus dem Gesamtbild der Bileamüberlieferung und darf nicht allein aus der knappen Todesnachricht in Josua 13 abgeleitet werden.
Nachdem der Bericht an die früheren Herrscher und an Bileams Ende erinnert hat, schließt Vers 23 die Beschreibung des Erbteils Rubens mit seiner westlichen Grenze ab. Diese wird durch den Jordan und sein Ufergebiet gebildet. Der Fluss trennte Rubens Land von den Gebieten westlich des Jordans, die nun unter den übrigen Stämmen verteilt werden sollten. Die Aufzählung endet noch einmal mit dem Hinweis auf die Städte und ihre zugehörigen Dörfer. Damit wird deutlich, dass das Erbteil nicht nur aus großen politischen Zentren bestand. Auch die kleineren Siedlungen, in denen die Familien ihren Alltag verbrachten, gehörten zu der zugewiesenen Landschaft.
So verbindet dieser Abschnitt die genaue Beschreibung einer neuen Heimat mit der Erinnerung an Israels Vergangenheit. Die Bewohner erhielten Städte, Felder und Weidegebiete, deren Geschichte weit vor ihrer eigenen Besiedlung begonnen hatte. In manchen Orten hatten früher mächtige Könige geherrscht, andere Namen erinnerten an alte religiöse Traditionen oder an die schwere Zeit der Wüstenwanderung. Nun sollte der Stamm Ruben dort seinen Platz innerhalb Israels finden. Mit dem Abschluss seiner Gebietsgrenzen ist die erste ausführliche Stammeszuteilung beschrieben. Der Bericht wendet sich anschließend dem benachbarten Erbteil Gads zu.
Josua 13,24–28
Das Erbteil Gads und die Grenzen seines Gebietes
Nach der Beschreibung des Erbteils Rubens wendet sich der Bericht dem Stamm Gad zu. Auch ihm hatte Mose bereits vor der Überquerung des Jordans ein bestimmtes Gebiet zugewiesen. Wie bei Ruben wird ausdrücklich erwähnt, dass die Verteilung nach den einzelnen Geschlechtern erfolgte. Die Familien sollten ihren Platz innerhalb des Stammes erhalten und dort eine Lebensgrundlage finden. Gad gehörte zu den Stämmen, die wegen ihrer großen Viehherden um Land östlich des Jordans gebeten hatten (4. Mose 32,1–5). Nun beschreibt der Bericht genauer, welche Landschaften und Städte zu seinem Anteil gehörten.
Den Anfang bildet Jaser, eine Stadt östlich des Jordans, die bereits während der Eroberungen unter Mose erwähnt wird. Nach 4. Mose 21,32 hatte Mose Kundschafter ausgesandt, um Jaser zu erkunden. Anschließend nahmen die Israeliten die Stadt und ihre umliegenden Ortschaften ein. Ihre erneute Erwähnung in Josua 13 erinnert daran, dass das Erbteil Gads nicht erst durch die spätere Verteilung unter Josua entstand. Es beruhte auf Gebieten, die Israel bereits während der letzten Lebenszeit Moses unter seine Herrschaft gebracht hatte. Neben Jaser werden zahlreiche Städte Gileads genannt, einer ausgedehnten Gebirgslandschaft östlich des Jordans. Die Region besaß fruchtbare Täler, bewaldete Höhen und geeignete Weideflächen. Gerade für einen Stamm mit großen Viehbeständen war sie deshalb von erheblicher Bedeutung.
Besonders erklärungsbedürftig ist die anschließende Aussage, dass Gad auch das halbe Land der Ammoniter bis nach Aroer gegenüber Rabba erhielt. Denn nach 5. Mose 2,19 hatte Gott den Israeliten ausdrücklich untersagt, das Land der Ammoniter anzugreifen oder in Besitz zu nehmen. Er begründete dieses Verbot damit, dass er das betreffende Gebiet den Nachkommen Lots gegeben hatte. Auch 5. Mose 2,37 betont, dass Israel die geschützten ammonitischen Gebiete nicht angetastet hatte. Wie kann Josua 13 dennoch von einem Teil des ammonitischen Landes sprechen, der Gad zugewiesen wurde?
Eine naheliegende Erklärung unterscheidet zwischen der früheren Zugehörigkeit eines Gebietes und seiner tatsächlichen Herrschaft zur Zeit Moses. Möglicherweise hatte ein Teil des ursprünglich ammonitischen Landes bereits vor Israels Ankunft unter der Kontrolle des Amoriterkönigs Sihon gestanden. Israel hätte dann ein Gebiet von Sihon übernommen, das weiterhin unter seiner älteren geografischen Bezeichnung bekannt war, ohne das den Ammonitern verbliebene Land anzugreifen. Diese Erklärung passt zur biblischen Aussage, dass Sihon bereits zuvor Gebiete anderer Völker erobert hatte. So berichtet 4. Mose 21,26 ausdrücklich von der früheren Eroberung moabitischen Landes. Eine entsprechende Eroberung genau des hier genannten ammonitischen Gebietes wird jedoch nicht ausdrücklich beschrieben. Die Erklärung bleibt deshalb eine begründete Möglichkeit und darf nicht als gesicherte Ereignisfolge dargestellt werden.
Dass die Besitzverhältnisse in dieser Region tatsächlich umstritten waren, zeigt später Richter 11,12–28. Dort verlangt der König der Ammoniter von Israel die Rückgabe eines Gebietes zwischen Arnon, Jabbok und Jordan. Jephthah widerspricht ihm und erklärt, Israel habe dieses Land nicht den Ammonitern, sondern dem Amoriterkönig Sihon abgenommen. Dieser spätere Streit macht verständlich, weshalb unterschiedliche Völker Ansprüche auf dieselben Landschaften erheben konnten. Er liefert jedoch keine vollständige Geschichte aller früheren Grenzverschiebungen. Für Josua 13 ist entscheidend, dass die Landverteilung in einem Gebiet erfolgte, dessen politische Zugehörigkeit bereits vor Israels Ankunft eine längere Entwicklung durchlaufen hatte.
Auch der genannte Grenzort Aroer muss sorgfältig unterschieden werden. Bereits im Erbteil Rubens war eine Stadt dieses Namens am Arnon erwähnt worden. Das Aroer aus Vers 25 liegt dagegen im Bereich von Rabba, der Hauptstadt der Ammoniter, die mit dem heutigen Amman verbunden wird. Die beiden Orte dürfen nicht einfach gleichgesetzt werden. Ihre genaue Lage lässt sich anhand der überlieferten Angaben nicht vollständig bestimmen. Der hebräische Ausdruck, den Schlachter 1951 mit „vor Rabba“ wiedergibt, bezeichnet eine räumliche Beziehung zwischen den Orten, legt aber nicht zweifelsfrei fest, in welcher Himmelsrichtung Aroer von Rabba aus lag. Die Ortsangabe dient somit der Eingrenzung des Stammesgebietes, ohne dass wir daraus eine präzise moderne Grenzlinie zeichnen könnten.
Vers 26 setzt die Beschreibung mit Hesbon, Ramat-Mizpe und Betonim fort. Hesbon war bereits als frühere Hauptstadt Sihons bekannt und erscheint auch innerhalb der Gebietsbeschreibung Rubens. Dass derselbe Ort in benachbarten Stammeslisten genannt wird, muss nicht bedeuten, dass zwei Stämme gleichzeitig uneingeschränkten Besitz an derselben Stadt beanspruchten. Grenzorte und größere Landschaftsbezeichnungen konnten in unterschiedlichen Beschreibungen eine Rolle spielen. Der Text erläutert allerdings nicht, wie jede örtliche Zuständigkeit zwischen Ruben und Gad im Einzelnen geregelt war. Ramat-Mizpe wird häufig mit dem späteren Ramot in Gilead in Verbindung gebracht, einem Ort, der in der Geschichte Israels noch mehrfach bedeutsam wird. Die Identifizierung ist möglich, aber nicht völlig gesichert. Auch die genaue Lage Betonims bleibt eine Frage der historischen Ortsforschung.
Anschließend wird Mahanaim genannt. Dieser Ort begegnet bereits in der Geschichte Jakobs. Als Jakob nach seiner Begegnung mit Laban weiterzog, trafen ihn Engel Gottes. Daraufhin gab er dem Ort den Namen Mahanaim, der mit der Vorstellung zweier Lager verbunden ist (1. Mose 32,2–3). Später erscheint Mahanaim erneut in der Geschichte Israels. Nach Sauls Tod wurde sein Sohn Isch-Boseth dort als König über Israel eingesetzt (2. Samuel 2,8–9). Auch David suchte während der Auflehnung Absaloms in Mahanaim Zuflucht (2. Samuel 17,24–27). Diese späteren Ereignisse zeigen, dass der Ort über die Zeit der Landverteilung hinaus von Bedeutung blieb. Josua 13 selbst nennt ihn jedoch zunächst als Bestandteil der geografischen Beschreibung Gads.
Die Grenze wird von Mahanaim bis zum Gebiet von Debir beschrieben. Dieser Name erfordert besondere Vorsicht, weil der hebräische Wortlaut eine schwierige Ortsbezeichnung enthält. Mehrere Übersetzungen geben sie als Lidebir oder ähnlich wieder. Manche Ausleger vermuten eine Verbindung zu Lo-Debar, das in 2. Samuel 9,4–5 als Aufenthaltsort Mephiboseths genannt wird. Die sprachliche Ähnlichkeit und die mögliche geografische Nähe machen diese Zuordnung erwägenswert. Dennoch lässt sich nicht sicher beweisen, dass beide Bezeichnungen denselben Ort meinen. Ebenso darf das hier genannte Debir nicht ohne Weiteres mit der gleichnamigen Stadt im Gebiet Judas verwechselt werden, die Josua zuvor im südlichen Kanaan erobert hatte (Josua 10,38–39). Gleiche oder ähnliche Ortsnamen bedeuten in der Bibel nicht automatisch, dass derselbe Ort gemeint ist.
Mit Vers 27 verlagert sich die Beschreibung in die östliche Jordanebene. Hier werden Beth-Haram, Beth-Nimra, Sukkot und Zaphon genannt. Anders als die höher gelegenen Teile Gileads liegt diese Landschaft im Bereich des Jordantals. Der Fluss und seine Umgebung bildeten eine natürliche Grenze und verbanden zugleich verschiedene Siedlungsgebiete miteinander. Beth-Nimra wird bereits in 4. Mose 32,36 unter den Städten erwähnt, die der Stamm Gad befestigte. Der Ort gehört damit zu den Siedlungen, deren Ausbau schon während der Vorbereitung auf die spätere Niederlassung begonnen hatte.
Besonders bekannt ist Sukkot. Nach seiner Versöhnung mit Esau zog Jakob dorthin, baute sich ein Haus und errichtete Hütten für sein Vieh (1. Mose 33,17). Der Ortsname bedeutet entsprechend „Hütten“. Später spielt Sukkot auch in der Geschichte Gideons eine Rolle. Als Gideon die fliehenden midianitischen Könige verfolgte, verweigerten ihm die Männer von Sukkot die erbetene Unterstützung (Richter 8,4–9). Diese Begebenheiten gehören zu unterschiedlichen Zeiten und haben jeweils ihren eigenen geschichtlichen Zusammenhang. Sie verdeutlichen aber, dass Sukkot zu jenen Orten gehörte, die innerhalb der weiteren Geschichte Israels wiederholt erwähnt werden.
Zaphon wird dagegen nur selten genannt und lässt sich geografisch nicht mit derselben Sicherheit einordnen. Auch hier ist es sinnvoller, die verbleibende Unsicherheit anzuerkennen, als dem Ort eine nur vermutete Lage zuzuschreiben. Die Aufzählung der vier Städte erfüllt ihren Zweck bereits dadurch, dass sie einen Teil der Siedlungslandschaft im östlichen Jordantal beschreibt. Zusammen mit den vorher genannten Orten zeigt sie, dass das Erbteil Gads verschiedene natürliche Räume umfasste: höher gelegene Gebirgs- und Weideflächen ebenso wie tiefere Talgebiete entlang des Jordans.
Der Bericht bezeichnet diese Landschaften als den noch übrigen Teil des früheren Königreichs Sihons. Damit knüpft er an die Geschichte der Eroberung unter Mose an. Das frühere Herrschaftsgebiet des Amoriterkönigs war unter den israelitischen Stämmen aufgeteilt worden. Ruben erhielt einen Teil, Gad einen weiteren. Die Beschreibung endet mit dem Jordan und dem Gebiet bis zum südlichen Ende des Sees Genezareth, der im hebräischen Text Kinnereth genannt wird. Die Angabe macht deutlich, dass sich Gads Erbteil weit nach Norden erstreckte. Sie bedeutet jedoch nicht, dass jeder Punkt der genannten Grenze heute zweifelsfrei bestimmt werden könnte.
Schließlich fasst Vers 28 die gesamte Zuteilung zusammen. Alle aufgeführten Städte und die zu ihnen gehörenden Dörfer bilden das Erbteil der Gaditer nach ihren Geschlechtern. Der abschließende Hinweis auf die kleineren Siedlungen ist bedeutsam, weil das Leben eines Stammes nicht allein in großen Städten stattfand. Zu seinem Gebiet gehörten auch die umliegenden Wohnplätze, Felder und Weideflächen, auf denen die einzelnen Familien ihren Alltag gestalten konnten. Die Landverteilung schuf damit die Grundlage für eine dauerhafte Niederlassung innerhalb des Volkes Israel.
So erhält der Stamm Gad ein Gebiet, dessen Landschaften und Ortsnamen bereits eine lange Geschichte besitzen. Manche Orte erinnern an die Wanderungen der Erzväter, andere an die Siege Moses oder an frühere Herrschaftsverhältnisse. Die Beschreibung zeigt zugleich, dass die neuen Stammesgrenzen nicht alle älteren geografischen und politischen Zusammenhänge einfach auslöschten. Israel übernahm eine Landschaft mit einer bestehenden Geschichte und erhielt den Auftrag, innerhalb dieses Erbteils nach Gottes Weisungen zu leben.
Nachdem Ruben und Gad ihre jeweiligen Gebiete erhalten haben, richtet sich der Blick auf den dritten Anteil östlich des Jordans. Dieser gehört der Hälfte des Stammes Manasse und umfasst insbesondere das ausgedehnte Gebiet Baschan, das zuvor unter der Herrschaft König Ogs gestanden hatte.
Josua 13,29–31
Das Erbteil des halben Stammes Manasse und die Städte Jairs
Als letzter der ostjordanischen Stämme wird die Hälfte des Stammes Manasse genannt. Auch ihr hatte Mose bereits vor seinem Tod ein eigenes Gebiet zugewiesen. Während die andere Hälfte Manasses später westlich des Jordans Land erhalten sollte, war für diese Familien ein Erbteil im nördlichen Ostjordanland vorgesehen. Die Aufteilung eines Stammes auf beide Seiten des Flusses war eine Besonderheit innerhalb Israels. Dennoch gehörten sämtliche Familien weiterhin zu demselben Stamm und waren durch ihre gemeinsame Abstammung miteinander verbunden. Der Jordan bildete somit eine geografische Grenze zwischen ihren Wohngebieten, ohne ihre Zugehörigkeit zum Volk Israel aufzuheben.
Das Erbteil beginnt in der Beschreibung bei Mahanaim und reicht bis in die Landschaft Baschan. Dieses Gebiet lag östlich beziehungsweise nordöstlich des Sees Genezareth und war zuvor ein wesentlicher Teil des Königreichs Og gewesen. Baschan war für seine ausgedehnten Hochflächen und geeigneten Weidegebiete bekannt. Besonders im Vergleich zu den trockeneren Landschaften weiter südlich besaß die Region günstige Voraussetzungen für Viehhaltung und Landwirtschaft. Bereits in 4. Mose 32 hatten die ostjordanischen Stämme den Wert solcher Gebiete für ihre Herden hervorgehoben. Nun wird deutlich, dass auch die Nachkommen Manasses an dieser Landzuteilung beteiligt waren.
Der Bericht bezeichnet Baschan ausdrücklich als das ehemalige Herrschaftsgebiet König Ogs. Damit erinnert er an den Sieg, den Israel noch unter Mose errungen hatte. Og war dem Volk bei Edrei mit seinem Heer entgegengezogen, doch Gott hatte Mose zugesagt, auch diesen König in Israels Hand zu geben (4. Mose 21,33–35). Nach seinem Fall wurde sein Gebiet unter den israelitischen Familien verteilt. Die früheren Machtverhältnisse waren damit grundlegend verändert worden. Was einst zu einem bedeutenden ostjordanischen Königreich gehört hatte, wurde nun zum Erbteil eines Teils des Stammes Manasse. Die Erwähnung Ogs erklärt somit nicht nur, wem das Land zuvor gehört hatte, sondern verbindet die Verteilung mit den geschichtlichen Ereignissen, durch die Israel es erhalten hatte.
Innerhalb dieses Gebietes nennt Vers 30 die sechzig Städte beziehungsweise Ortschaften Jairs. Die Schlachter 1951 verwendet dafür den Ausdruck „Flecken Jairs“. Damit sind Siedlungen gemeint, deren Name mit Jair verbunden war. Nach 4. Mose 32,41 hatte Jair, ein Nachkomme Manasses, mehrere Ortschaften eingenommen und sie nach sich benannt. Auch 5. Mose 3,14 berichtet, dass Jair das Gebiet Argob in Baschan gewann und die dortigen Siedlungen seinen Namen erhielten. Die Ortsbezeichnung bewahrte somit die Erinnerung an einen Mann beziehungsweise einen Familienverband, der bei der Besitznahme dieser Landschaft eine besondere Rolle gespielt hatte.
Die Zahl sechzig begegnet bereits in 5. Mose 3,4, wo berichtet wird, dass Israel im Gebiet Argob sechzig befestigte Städte eroberte. Dort wird zusätzlich erwähnt, dass diese Städte hohe Mauern, Tore und Riegel besaßen und von weiteren offenen Ortschaften umgeben waren (5. Mose 3,5). Das zeigt, dass Baschan keineswegs nur aus verstreuten Hirtenlagern bestand. Die Landschaft verfügte über zahlreiche organisierte Siedlungen und befestigte Orte. Die Bezeichnung als Flecken oder Dörfer Jairs darf deshalb nicht automatisch so verstanden werden, als hätten sämtliche genannten Siedlungen nur aus wenigen einfachen Hütten bestanden. Der überlieferte Name beschreibt ihre Verbindung mit Jair, nicht zwingend ihre bauliche Größe oder ihre Befestigungsanlagen.
Eine genauere Untersuchung der biblischen Berichte zeigt allerdings, dass die Anzahl der mit Jair verbundenen Städte nicht überall gleich angegeben wird. Während Josua 13,30 sechzig Orte nennt, spricht 1. Chronik 2,22 von dreiundzwanzig Städten Jairs in Gilead. Im folgenden Vers berichtet die Chronik außerdem davon, dass Geschuriter und Aramäer den betreffenden Familien Orte wegnahmen. Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass die verschiedenen Angaben unterschiedliche Teile eines größeren Gebietes oder verschiedene Zeitabschnitte beschreiben. So könnten die dreiundzwanzig Städte den engeren Besitz Jairs bezeichnen, während die sechzig Orte einen umfangreicheren Siedlungsverband einschlossen. Doch der Bibeltext legt die genaue Aufteilung nicht eindeutig fest. Deshalb wäre es unbegründet, die fehlenden siebenunddreißig Orte als ausdrücklich belegte zusätzliche Besitzungen Jairs auszugeben.
Auch Richter 10,3–4 berichtet später von einem Mann namens Jair, der zweiundzwanzig Jahre lang Israel richtete. Seine dreißig Söhne werden dort mit dreißig Städten im Land Gilead verbunden, die ebenfalls Jairs Dörfer genannt wurden. Die gemeinsame Namensgebung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass der Richter Jair mit dem Mann aus der Zeit Moses identisch war. Zwischen den Berichten liegen unterschiedliche geschichtliche Zusammenhänge, und die Bibel stellt keine ausdrückliche Gleichsetzung her. Möglich ist, dass der spätere Jair einer mit diesem Gebiet verbundenen Familie angehörte oder dass der Name der Siedlungen über Generationen hinweg weitergeführt wurde. Welche Verbindung tatsächlich bestand, bleibt offen. Für Josua 13 genügt die Feststellung, dass das ostjordanische Erbteil Manasses zahlreiche Siedlungen umfasste, die unter dem Namen Jairs bekannt waren.
Vers 31 ergänzt die Gebietsbeschreibung um die Hälfte von Gilead sowie die Städte Astarot und Edrei. Gilead war eine ausgedehnte Gebirgslandschaft östlich des Jordans, die bereits in der Zuteilung an Gad eine wichtige Rolle gespielt hatte. Dass der Name nun erneut erscheint, zeigt, dass die historische Landschaft Gilead nicht vollständig mit dem Gebiet eines einzigen israelitischen Stammes gleichgesetzt werden darf. Verschiedene Teile dieser Region gehörten zu unterschiedlichen Erbteilen. Der Bericht nennt die Hälfte Gileads, ohne sämtliche Grenzen noch einmal einzeln aufzuführen. Daraus lässt sich keine genaue moderne Grenzlinie ableiten, doch die grundsätzliche Aufteilung ist erkennbar: Auch die Familien Manasses erhielten einen bedeutenden Anteil an dieser Landschaft.
Astarot und Edrei waren besonders wichtige Städte, weil sie mit der früheren Herrschaft König Ogs verbunden waren. Bereits Josua 12,4 hatte beide Orte im Zusammenhang mit seinem Königreich genannt. Astarot lag in Baschan, während Edrei als Schauplatz der entscheidenden militärischen Auseinandersetzung mit Og bekannt war. Dass beide Städte jetzt ausdrücklich zum Erbteil Manasses gezählt werden, verdeutlicht den Umfang der früheren Gebietsveränderung. Nicht nur kleinere Dörfer und Weideflächen, sondern auch bedeutende Herrschaftsorte des besiegten Königs waren Israel zugefallen. Der Bericht erklärt jedoch nicht, welche verwaltungsmäßige Bedeutung diese Städte anschließend innerhalb des Stammes Manasse besaßen. Ihre frühere Stellung darf deshalb nicht ohne Weiteres als unveränderte politische Funktion in der israelitischen Zeit fortgeschrieben werden.
Zum Schluss wird genauer bezeichnet, welche Familien diesen Teil des Erbes erhielten: Es waren die Nachkommen Machirs, des Sohnes Manasses, und zwar die Hälfte dieser Nachkommenschaft nach ihren Geschlechtern. Machir war ein Sohn des Stammvaters Manasse und hatte innerhalb der Familiengeschichte eine herausragende Stellung. Nach 4. Mose 26,29–34 gingen aus seinem Familienverband weitere Geschlechter hervor, darunter die Nachkommen Gileads. Die Erwähnung Machirs in Josua 13 bezeichnet deshalb nicht nur eine einzelne historische Person, sondern zugleich die umfangreiche Nachkommenschaft, die ihren Ursprung auf ihn zurückführte. Wenn der Text von seinen Kindern spricht, können damit auch spätere Generationen seines Familienverbandes gemeint sein.
Diese genealogische Einordnung hilft auch, die Zugehörigkeit Jairs zu verstehen. Nach 1. Chronik 2,21–22 war Jair ein Nachkomme Segubs, dessen Mutter aus der Familie Machirs stammte. Dadurch besaß Jair eine Verbindung zur Nachkommenschaft Manasses, obwohl seine Abstammung väterlicherseits in der Chronik innerhalb einer judäischen Geschlechtslinie erscheint. Die unterschiedlichen genealogischen Perspektiven müssen sich daher nicht gegenseitig ausschließen. Sie zeigen vielmehr, dass familiäre Beziehungen zwischen den israelitischen Stammesverbänden bestanden und die Zugehörigkeit zu einem Gebiet nicht in jeder Überlieferung ausschließlich anhand einer einzigen Abstammungslinie beschrieben wird.
Bemerkenswert ist schließlich, dass die Landgabe auch beim halben Stamm Manasse ausdrücklich nach den einzelnen Geschlechtern erfolgte. Die Erwähnung mächtiger Könige und bedeutender Städte könnte leicht den Eindruck erwecken, es gehe lediglich um die Übertragung eines großen Herrschaftsgebietes. Doch der Bericht endet bei den Familien, die dort wohnen sollten. Sie erhielten nicht nur einen geografischen Raum, sondern einen konkreten Anteil für ihr gemeinsames Leben und ihre Nachkommen. Die Verheißung Gottes nahm damit innerhalb des Volkes eine geordnete Gestalt an.
Mit der Beschreibung des Erbteils Manasses sind nun alle drei ostjordanischen Stammesanteile vorgestellt. Ruben hatte seinen Besitz im Süden erhalten, Gad in den daran anschließenden Landschaften und der halbe Stamm Manasse besonders in den nördlichen Gebieten Gileads und Baschans. Trotz ihrer unterschiedlichen Lage und Geschichte gehörten alle diese Gebiete zu der Verteilung, die Mose vor seinem Tod vorgenommen hatte. Die abschließenden Verse des Kapitels werden diese frühere Landgabe noch einmal zusammenfassen und anschließend an den besonderen Platz des Stammes Levi erinnern.
Josua 13,32–33
Der Abschluss der ostjordanischen Landverteilung und das besondere Erbteil Levis
Mit diesen beiden Versen schließt der Bericht die Beschreibung der ostjordanischen Stammesgebiete ab. Nachdem die Erbteile Rubens, Gads und des halben Stammes Manasse mit ihren Städten und Grenzen aufgeführt wurden, erinnert der Erzähler noch einmal ausdrücklich daran, wer diese Verteilung vorgenommen hatte. Es war Mose, der Israel aus Ägypten geführt und das Volk viele Jahre durch die Wüste begleitet hatte. Obwohl Josua inzwischen die Führung übernommen hatte, blieb die unter Mose getroffene Landordnung bestehen. Die neue Verteilung westlich des Jordans sollte nicht unabhängig von dem erfolgen, was Gott seinem Volk bereits durch Mose zugesprochen hatte.
Als Ort dieser früheren Zuteilung nennt Vers 32 die Ebenen Moabs östlich des Jordans gegenüber von Jericho. Damit ist die tiefer gelegene Landschaft am östlichen Rand des Jordantals nördlich des Toten Meeres gemeint. Hier hatte Israel vor dem Einzug nach Kanaan sein Lager aufgeschlagen (4. Mose 22,1). In dieser Gegend waren wichtige Ereignisse der letzten Lebenszeit Moses geschehen. Das Volk wurde gezählt, weitere Anordnungen zur Landverteilung wurden gegeben, und Mose bereitete Israel auf die kommende Zeit unter Josua vor. Die Bezeichnung „Ebenen Moabs“ beschreibt dabei eine bekannte Landschaft. Sie bedeutet nicht, dass sämtliche dort aufgeführten Erbteile innerhalb des damaligen moabitischen Herrschaftsgebietes lagen.
Die geografische Angabe besitzt zugleich eine besondere Bedeutung innerhalb der Geschichte Israels. Jericho lag auf der westlichen Seite des Jordans und gehörte zu den ersten Städten, denen Israel unter Josuas Führung gegenüberstehen sollte. Die Ebenen Moabs befanden sich dagegen auf der östlichen Seite des Flusses, wo das Volk vor der Überquerung gelagert hatte. Von dort aus lag das verheißene Land bereits in Sichtweite. Mose durfte es vor seinem Tod vom Nebo aus betrachten, aber nicht selbst betreten (5. Mose 34,1–5). Dennoch hatte er noch erlebt, wie ein Teil der Israeliten östlich des Jordans eine dauerhafte Heimat erhielt. Sein Dienst endete also nicht, ohne dass die Landverheißung bereits konkrete Gestalt angenommen hatte.
Dass der Erzähler die frühere Verteilung Mose zuschreibt, ist deshalb mehr als eine beiläufige historische Erinnerung. Die ostjordanischen Stämme hatten ihren Besitz nicht eigenmächtig an sich genommen. Ihre Niederlassung beruhte auf einer Entscheidung, die Mose nach den Kämpfen gegen Sihon und Og getroffen hatte und die mit bestimmten Verpflichtungen verbunden war. Vor allem mussten ihre kriegsfähigen Männer den übrigen Israeliten bei der Einnahme Kanaans helfen, bevor sie zu ihren Familien zurückkehren durften (4. Mose 32,20–27). Die Landgabe war somit von Anfang an Teil einer gemeinsamen Ordnung. Was die einen bereits erhalten hatten, durfte sie nicht gleichgültig gegenüber den Aufgaben der anderen machen.
Nach dieser abschließenden Feststellung folgt noch einmal die besondere Ausnahme des Stammes Levi. Ihm hatte Mose kein eigenes Stammesgebiet als Erbteil zugewiesen. Während die vorangegangenen Verse ausführlich von Städten, Grenzen, Herrschaftsgebieten und Familienanteilen handelten, endet die Aufzählung mit einer anderen Art von Erbe. Der HERR, der Gott Israels, selbst wird als das Erbteil Levis bezeichnet. Damit greift der Bericht eine Verheißung auf, die Gott bereits früher ausdrücklich ausgesprochen hatte.
In 4. Mose 18,20 hatte der HERR zu Aaron erklärt, dass er selbst sein Anteil und sein Erbe unter den Israeliten sein werde. Eine entsprechende Aussage findet sich in 5. Mose 10,9, wo die besondere Stellung des gesamten Stammes Levi beschrieben wird. Der Stamm war für den Dienst am Heiligtum ausgesondert worden. Zu seinen Aufgaben gehörten die Betreuung der heiligen Stätte, die Unterstützung der Priester und verschiedene Dienste, die im Zusammenhang mit der Anbetung Gottes standen. Die Priester wiederum stammten aus der Familie Aarons und hatten innerhalb dieser Ordnung eigene, besonders geregelte Aufgaben. Diese Unterschiede blieben bestehen, auch wenn der Stamm Levi als Ganzes kein zusammenhängendes Landgebiet erhielt.
Die Aussage, dass Gott selbst das Erbteil der Leviten sei, darf dabei nicht so verstanden werden, als hätten sie keinen Lebensunterhalt benötigt. Bereits Vers 14 hatte ihre Versorgung durch die Gott dargebrachten Gaben erwähnt. Hinzu kamen die Abgaben, die Gott für ihren Dienst bestimmt hatte. Nach 4. Mose 18,21 erhielten die Leviten den Zehnten der Israeliten, während für die Priester besondere Opferanteile vorgesehen waren. Ihre Versorgung war somit nicht dem Zufall überlassen, sondern ausdrücklich geregelt. Dass ihnen kein eigenes Stammesland zugewiesen wurde, bedeutete auch nicht, dass sie ohne festen Wohnort bleiben sollten. Gott hatte angeordnet, ihnen Städte und dazugehörige Weideflächen aus den Gebieten der übrigen Stämme zu geben (4. Mose 35,1–8). Die spätere Durchführung dieser Anordnung wird in Josua 21 beschrieben.
Gerade dieser Unterschied macht die abschließende Aussage bedeutsam. Bei den übrigen Stämmen wurde das Erbteil vor allem durch geografische Grenzen bestimmt. Bei Levi stand dagegen die besondere Beziehung zu Gott und der ihm anvertraute Dienst im Mittelpunkt. Die Leviten lebten innerhalb der Gebiete ihrer israelitischen Brüder, waren aber in einer anderen Weise mit deren religiösem Leben verbunden. Ihre Versorgung setzte voraus, dass die von Gott gegebene Ordnung beachtet wurde. Zugleich sollten sie ihre Aufgabe nicht als gewöhnlichen Besitzanspruch betrachten, sondern als einen Dienst, den Gott ihnen anvertraut hatte.
Damit wird nicht behauptet, dass die anderen Stämme weniger zu Gott gehörten. Auch Ruben, Gad, Manasse und die übrigen Israeliten waren Teil seines Bundesvolkes und sollten ihm in ihrem Leben dienen. Der Unterschied lag in der besonderen Berufung Levis und in der Art seiner Versorgung. Die Leviten hatten keinen eigenen geschlossenen Landbesitz, weil Gott ihnen innerhalb Israels eine andere Aufgabe zugewiesen hatte. Seine Zusage an sie war daher weder eine Abwertung des Landes noch eine Verurteilung materieller Güter. Vielmehr zeigte sie, dass die Ordnung des Gottesdienstes und die Versorgung der dafür bestimmten Menschen einen festen Platz im Leben des Volkes einnahmen.
Bemerkenswert ist schließlich die Formulierung, mit der das Kapitel endet: Gott ist ihr Erbteil, wie er es ihnen zugesagt hatte. Diese Aussage führt die Beschreibung der Landverteilung noch einmal auf den Ursprung der gesamten Ordnung zurück. Mose hatte die einzelnen Gebiete nicht nach persönlichem Belieben verteilt, und auch die Sonderstellung Levis war keine nachträgliche menschliche Entscheidung. Beide gehörten zu den Anordnungen, die Israel von Gott empfangen hatte. Die ausführlichen Listen der Städte und Familienanteile stehen deshalb neben einer ebenso verbindlichen Bestimmung, die gerade keinen eigenen territorialen Anteil vorsieht.
So endet Josua 13 mit einem bewussten Gegensatz. Die ostjordanischen Stämme erhalten klar beschriebene Gebiete, deren Grenzen und Siedlungen der Bericht sorgfältig festhält. Levi erhält kein vergleichbares Stammesland, sondern eine besondere Stellung im Dienst des HERRN. Beides gehört zur Ordnung, die Gott seinem Volk gegeben hatte. Nachdem der Erzähler diese bereits unter Mose erfolgte Verteilung abgeschlossen hat, kann sich der Blick nun vollständig den Gebieten westlich des Jordans zuwenden. Dort wird Josua gemeinsam mit Eleasar und den Oberhäuptern der Stämme die weitere Landverteilung durchführen. Davon berichtet das folgende Kapitel.
Geistliche Kernbotschaft
Josua 13 zeigt einen wichtigen Unterschied zwischen dem, was Gott verheißen hat, und dem, was sein Volk bereits vollständig in Besitz nehmen konnte. Israel hatte große Siege erlebt, mächtige Könige besiegt und bedeutende Gebiete gewonnen. Dennoch erklärte Gott selbst, dass noch viel Land einzunehmen war. Diese Feststellung schmälert weder seine bisherige Hilfe noch seine Verheißung. Sie macht vielmehr deutlich, dass Gottes Handeln in der Geschichte nicht immer mit einem einzigen abgeschlossenen Ereignis gleichgesetzt werden kann. Was er seinem Volk zugesagt hatte, sollte sich auch durch weitere Aufgaben und über die Lebenszeit Josuas hinaus entfalten.
Bemerkenswert ist dabei Gottes Umgang mit dem alt gewordenen Josua. Der HERR sieht die Grenzen seines menschlichen Dieners und führt sein Vorhaben dennoch weiter. Josuas Lebenszeit ist begrenzt, aber die Verheißung Gottes endet nicht mit ihm. Seine Aufgabe verändert sich: Statt sämtliche noch ausstehenden Eroberungen selbst anzuführen, soll er dafür sorgen, dass das Land geordnet unter den Stämmen verteilt wird. Darin zeigt sich eine Form der Treue, die nicht allein im Vollenden aller Aufgaben besteht. Josua dient Gott auch dadurch, dass er die Grundlage für das legt, was andere nach ihm weiterführen werden. Gottes Werk bleibt größer als das Leben eines einzelnen Menschen, ohne dessen Dienst dadurch geringzuschätzen.
Zugleich verbindet das Kapitel Gottes Zusage mit einer konkreten Verantwortung. Der HERR kündigt an, die noch verbliebenen Bewohner vor Israel zu vertreiben, und weist Josua unmittelbar darauf an, das Land als Erbe auszuteilen. Die Israeliten sollen also nicht untätig bleiben, bis jede Schwierigkeit beseitigt ist. Sie sollen innerhalb der bestehenden Verhältnisse das tun, was Gott ihnen bereits aufgetragen hat. Die Verheißung bildet die Grundlage ihres Handelns, ersetzt aber nicht ihre Verantwortung. Gerade diese Verbindung bewahrt vor zwei entgegengesetzten Haltungen: dem Gedanken, alles müsse allein durch menschliche Kraft erreicht werden, und der Erwartung, Gottes Zusage mache jedes eigene Handeln überflüssig.
Die ausführlichen Stammesgebiete zeigen außerdem, dass Gottes Landgabe nicht nur eine allgemeine Hoffnung bleiben sollte. Sie erhielt eine konkrete Ordnung, in der Familien ihren Platz und ihre Lebensgrundlage finden konnten. Dabei bekamen nicht alle Stämme dieselben Landschaften und dieselben Aufgaben. Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse erhielten Gebiete östlich des Jordans, während für die übrigen Stämme die westjordanische Verteilung noch bevorstand. Trotz dieser Unterschiede gehörten sie zu demselben Volk. Ihre gemeinsame Verbindung zu Gott war wichtiger als die Verschiedenheit ihrer Wohnorte. Bereits die Verpflichtung der ostjordanischen Stämme, ihren Brüdern bei der weiteren Landnahme zu helfen, zeigte, dass ein empfangenes Erbe nicht von der Verantwortung für die Gemeinschaft trennte.
Den geistlichen Höhepunkt bildet schließlich die besondere Stellung Levis. Während bei den anderen Stämmen Städte, Grenzen und Landschaften im Mittelpunkt stehen, erklärt Gott, dass er selbst das Erbteil der Leviten ist. Diese Aussage hebt den Wert ihrer materiellen Versorgung nicht auf, sondern stellt ihre besondere Berufung in einen größeren Zusammenhang. Die Leviten sollten von den Gaben leben, die Gott für ihren Dienst bestimmt hatte. Doch ihre Stellung innerhalb Israels wurde nicht durch ein eigenes zusammenhängendes Herrschaftsgebiet gekennzeichnet, sondern durch den Dienst am Heiligtum und ihre besondere Beziehung zu Gott.
Darin tritt ein Gedanke hervor, der über die damalige Landordnung hinausweist: Was Gott einem Menschen anvertraut, ist nicht allein nach äußerem Besitz oder sichtbarer Größe zu beurteilen. Für Israel war das Land eine wirkliche, von Gott zugesagte Gabe. Zugleich machte die Stellung Levis deutlich, dass die Beziehung zum Geber nicht hinter seinen Gaben zurücktreten durfte. Gottes Verheißungen, seine Anweisungen und die Verantwortung des Menschen gehören zusammen. Der HERR bleibt treu, auch wenn seine Diener älter werden, Aufgaben noch offenstehen und seine Gaben innerhalb seines Volkes unterschiedlich verteilt sind.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
Die Grundlage der gesamten Landverteilung liegt in den Verheißungen, die Gott bereits Abraham gegeben hatte. In 1. Mose 12,7 sagte er Abraham zu, dessen Nachkommen das Land zu geben. In 1. Mose 15,18–21 wurde diese Zusage mit einer ausführlicheren Beschreibung der vorgesehenen Gebiete verbunden. Abraham selbst erlebte ihre umfassende Erfüllung nicht. Erst Generationen später führte Gott seine Nachkommen aus Ägypten und schließlich nach Kanaan. Josua 13 gehört damit zu einer langen Geschichte, in der Gottes frühere Zusagen zunehmend konkrete Gestalt annahmen. Die Städte und Grenzen sind deshalb nicht bloß geografische Einzelheiten. Sie zeigen, dass die Landverheißung innerhalb der Geschichte Israels eine wirkliche, räumlich bestimmbare Bedeutung hatte. Zugleich erinnert der zeitliche Abstand zwischen Abraham und Josua daran, dass Gottes Zusagen nicht auf die Lebenszeit des ersten Empfängers beschränkt waren.
Eine wichtige Ergänzung findet sich in 2. Mose 23,29–30. Dort hatte Gott Israel bereits angekündigt, die bisherigen Bewohner des Landes nicht alle auf einmal zu vertreiben. Die Besitznahme sollte schrittweise geschehen, damit die verlassenen Gebiete nicht verwilderten und die wilden Tiere nicht überhandnähmen. Diese frühere Ankündigung hilft, die Aussagen in Josua 11,23 und Josua 13,1 gemeinsam zu verstehen. Einerseits hatte Josua das Land in einem entscheidenden militärischen Sinn eingenommen und die Grundlage für seine Verteilung geschaffen. Andererseits waren noch zahlreiche Gebiete tatsächlich in Besitz zu nehmen. Auch Josua 21,43–45 bezeugt später Gottes Treue bei der Landgabe und die Ruhe, die Israel empfing. Solche zusammenfassenden Aussagen leugnen nicht die bereits ausdrücklich genannten verbliebenen Bewohner. Sie betrachten Gottes Handeln aus der Perspektive der erreichten Erfüllung, während die einzelnen Berichte zugleich die noch bestehenden Aufgaben erkennen lassen.
Eine weitere Verbindung besteht zu 4. Mose 32 und Josua 1,12–18. Dort wird deutlich, dass die ostjordanischen Stämme ihr bereits erhaltenes Erbe nicht zum Anlass nehmen durften, sich aus der gemeinsamen Verantwortung zurückzuziehen. Obwohl ihre Familien und Herden östlich des Jordans bleiben konnten, sollten ihre bewaffneten Männer die übrigen Israeliten bei der Einnahme Kanaans unterstützen. Josua 22,1–9 berichtet später davon, dass Josua diese Männer nach erfülltem Auftrag in ihre Heimat entließ. Zusammengenommen zeigen diese Stellen, dass der Besitz eines eigenen Erbteils und die Verantwortung gegenüber den anderen Stämmen ausdrücklich miteinander verbunden waren. Das Land wurde den Familien zugeteilt, aber Israel blieb ein gemeinsames Volk.
Besonders tief reicht die Verbindung zwischen Josua 13,14.33 und den Anordnungen über den Stamm Levi. In 4. Mose 18,20 erklärte Gott Aaron, dass er selbst dessen Anteil und Erbe sein werde. 5. Mose 18,1–2 verbindet diese Zusage mit den Anteilen, von denen die Priester und Leviten leben sollten. Josua 21 beschreibt später die Städte, die ihnen aus den Gebieten der übrigen Stämme zugewiesen wurden. Diese Stellen erklären, weshalb Levi zwar keinen eigenen zusammenhängenden Landanteil erhielt, aber dennoch nicht ohne Versorgung und Wohnorte blieb. Die Aussage, dass Gott sein Erbteil sei, gehörte zu einer konkreten Ordnung des Gottesdienstes und war nicht lediglich eine bildhafte Ermutigung.
Ein verwandter Gedanke begegnet in Psalm 73,25–26. Dort bekennt der Psalmschreiber, dass Gott auch dann die bleibende Stärke und sein Teil ist, wenn Leib und Herz vergehen. Der Psalm erklärt nicht unmittelbar die Landverteilung unter Josua, doch er führt den geistlichen Gedanken weiter, dass die Gemeinschaft mit Gott einen Wert besitzt, der über vergängliche Lebensumstände hinausreicht. Die besondere Berufung Levis wird dadurch nicht zur allgemeinen Landordnung für alle Menschen. Wohl aber zeigt sich, dass die Beziehung zu Gott auch unabhängig vom Umfang irdischen Besitzes zum Mittelpunkt eines Lebens werden kann.
Das Neue Testament eröffnet schließlich einen weiterführenden Blick auf das Erbe, das Gott seinen Menschen zugedacht hat. In Hebräer 4,8–11 wird ausdrücklich auf Josua Bezug genommen. Der Hebräerbrief erklärt, dass die durch Josua erreichte Ruhe nicht die letzte Erfüllung dessen war, was Gott seinem Volk schenken wollte. Denn sonst hätte Gott später nicht noch von einer ausstehenden Ruhe gesprochen. Der Text spricht deshalb von einer bleibenden Gottesruhe, zu der Menschen im Glauben eingeladen werden. Das bedeutet nicht, dass die Landgabe unter Josua unwirklich gewesen wäre. Vielmehr unterscheidet der Hebräerbrief zwischen der geschichtlichen Ruhe Israels im Land und der noch umfassenderen Ruhe bei Gott.
Auch 1. Petrus 1,3–4 spricht von einem Erbe, das unvergänglich, unbefleckt und unverwelklich ist und für die Glaubenden im Himmel aufbewahrt wird. Die Grundlage dieser Hoffnung ist die Auferstehung Jesu Christi. Hier geht es nicht um eine erneute geografische Verteilung Kanaans, sondern um das endgültige Heil, das Gott durch Christus schenkt. Die Verbindung besteht deshalb nicht darin, die einzelnen Stammesgebiete unmittelbar auf Christen zu übertragen. Sie liegt in der größeren biblischen Entwicklung des Erbgedankens: Gott ist der Geber dessen, was sein Volk zum Leben braucht, und durch Jesus Christus eröffnet er eine Hoffnung, die über jede zeitlich begrenzte irdische Ordnung hinausreicht.
Wichtige Lektionen
Eine wichtige Lektion aus Josua 13 betrifft den Umgang mit unvollendeten Aufgaben. Josua hatte Gott über viele Jahre gedient und bedeutende Siege erlebt. Dennoch war am Ende seiner aktiven Führungszeit nicht alles abgeschlossen. Gottes Anrede macht deutlich, dass ein treuer Dienst nicht daran gemessen werden darf, ob ein Mensch persönlich jede Aufgabe zu Ende bringen kann. Auch im eigenen Leben können Verantwortungen bestehen bleiben, obwohl Kräfte, Zeit oder Möglichkeiten begrenzt sind. Entscheidend ist dann nicht, die eigenen Grenzen zu verleugnen, sondern verantwortungsvoll zu erkennen, welche Aufgabe noch persönlich übernommen werden kann und was für andere vorbereitet werden muss. Josua erhielt gerade in dieser Lebensphase einen neuen Auftrag, durch den sein bisheriger Dienst weiterwirken konnte.
Daran schließt sich die Frage an, wie Menschen mit Gottes Zusagen umgehen. Israel sollte das Land verteilen, obwohl noch nicht alle Gebiete unter seiner Kontrolle standen. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass jeder persönliche Wunsch automatisch eine göttliche Verheißung wäre oder dass ein Mensch ohne Prüfung auf einen erhofften Erfolg vertrauen dürfte. Israel hatte einen ausdrücklich überlieferten Auftrag erhalten. Der bleibende Grundsatz liegt darin, innerhalb klar erkannter Verantwortung nicht allein deshalb untätig zu werden, weil noch Schwierigkeiten bestehen. Wer auf Gottes Hilfe vertraut, kann die Aufgaben, die bereits vor ihm liegen, sorgfältig erfüllen, ohne erst vollkommen günstige Umstände abzuwarten.
Die Erinnerung an die Landgabe unter Mose zeigt außerdem, wie wichtig Verlässlichkeit gegenüber früher eingegangenen Verpflichtungen ist. Die ostjordanischen Stämme hatten ihre Gebiete nicht unabhängig von den anderen erhalten. Sie waren verpflichtet, ihren Brüdern beim weiteren Einzug zu helfen. Für das Zusammenleben bedeutet dies, dass bereits erreichte persönliche Sicherheit nicht zur Gleichgültigkeit gegenüber Menschen führen sollte, mit denen man Verantwortung trägt. In einer Familie, einer Gemeinde oder einer anderen Gemeinschaft kann es Situationen geben, in denen die eigenen Bedürfnisse bereits gedeckt sind, während andere noch Unterstützung benötigen. Der Bericht fordert nicht dazu auf, fremde Lasten grenzenlos zu übernehmen. Er erinnert aber daran, dass empfangene Vorteile und zuvor zugesagte Hilfe nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen.
Eine weitere Lektion betrifft den Umgang mit Besitz und unterschiedlichen Lebenswegen. Die Stämme Israels erhielten nicht dieselben Landschaften, und Levi wurde auf eine grundsätzlich andere Weise versorgt. Daraus folgt nicht, dass jeder heutige Unterschied im Besitz unmittelbar von Gott festgelegt wäre. Ebenso wenig lässt sich aus Josua 13 eine Rangordnung ableiten, nach der Menschen mit viel Eigentum grundsätzlich gesegneter oder Menschen mit wenig Eigentum geistlicher wären. Das Kapitel zeigt vielmehr, dass unterschiedliche Aufgaben auch unterschiedliche Formen der Versorgung mit sich bringen konnten. Entscheidend war, die zugewiesene Verantwortung treu wahrzunehmen und die von Gott eingerichtete Ordnung nicht zum eigenen Vorteil zu missbrauchen.
Gerade die Stellung der Leviten lädt dazu ein, den eigenen Maßstab für ein gelungenes Leben zu prüfen. Ihre besondere Berufung bestand nicht darin, möglichst große Gebiete zu verwalten, sondern Gott am Heiligtum zu dienen. Gleichzeitig sollten ihre materiellen Bedürfnisse durch eine geordnete Versorgung berücksichtigt werden. Geistlicher Dienst und praktische Lebensbedürfnisse wurden also nicht gegeneinander ausgespielt. Auch heute sollte niemand die Bedeutung des Glaubens als Vorwand verwenden, um notwendige Versorgung oder gerechte Unterstützung geringzuschätzen. Umgekehrt darf äußerer Wohlstand nicht zum einzigen Maßstab dafür werden, ob ein Leben wertvoll und sinnvoll ist.
Schließlich lehrt Josua 13 einen sorgfältigen Umgang mit Gottes Wort. Die ausführlichen Ortsangaben, die noch verbliebenen Bewohner und die unterschiedlichen Stammesgebiete lassen sich nicht auf eine einzige einfache Aussage reduzieren. Wer nur die großen Siege betrachtet, könnte die noch offenen Aufgaben übersehen. Wer dagegen ausschließlich auf das unvollendete Werk achtet, könnte Gottes bisherige Hilfe geringachten. Der Text verlangt, beide Seiten wahrzunehmen. Diese Sorgfalt ist auch beim Lesen anderer Bibelstellen notwendig. Einzelne Aussagen sollen nicht aus ihrem Zusammenhang gelöst werden, nur weil sie eine bereits vorhandene Überzeugung scheinbar besonders gut bestätigen.
Über dem gesamten Kapitel steht damit eine Ermutigung, die gerade aus seinem nüchternen Geschichtsbericht erwächst. Gott hatte seinem Volk bereits viel gegeben, und doch lag noch ein Weg vor ihm. Josua durfte nicht alles selbst vollenden, konnte aber das ihm Anvertraute treu weitergeben. Die Stämme sollten das erhaltene Land verantwortungsvoll nutzen, ohne ihre gemeinsame Verpflichtung zu vergessen. Und Levi erinnerte innerhalb dieser Ordnung daran, dass der HERR selbst die tiefste Grundlage des Lebens seines Volkes war. Für den Glaubenden bleibt daraus die Einladung, Gottes bisherige Führung dankbar anzuerkennen, gegenwärtige Aufgaben gewissenhaft zu erfüllen und das eigene Leben nicht allein nach sichtbaren Ergebnissen zu beurteilen.