Josua 12

Dies sind die Könige des Landes, die die Kinder Israel schlugen und nahmen ihr Land ein jenseit des Jordans gegen der Sonne Aufgang von dem Bach Arnon an bis an den Berg Hermon und das ganze Gefilde gegen Morgen:

24 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Dies sind die Könige des Landes, die die Kinder Israel schlugen und nahmen ihr Land ein jenseit des Jordans gegen der Sonne Aufgang von dem Bach Arnon an bis an den Berg Hermon und das ganze Gefilde gegen Morgen:
  2. 2 Sihon, der König der Amoriter, der zu Hesbon wohnte und herrschte von Aroer an, das am Ufer liegt des Bachs Arnon, und von der Mitte des Tals an und über das halbe Gilead bis an den Bach Jabbok, der die Grenze ist der Kinder Ammon,
  3. 3 und über das Gefilde bis an das Meer Kinneroth gegen Morgen und bis an das Meer im Gefilde, nämlich das Salzmeer, gegen Morgen, des Weges gen Beth-Jesimoth, und gegen Mittag unten an den Abhängen des Gebirges Pisga.
  4. 4 Dazu das Gebiet des Königs Og von Basan, der noch von den Riesen übrig war und wohnte zu Astharoth und Edrei
  5. 5 und herrschte über den Berg Hermon, über Salcha und über ganz Basan bis an die Grenze der Gessuriter und Maachathiter und über das halbe Gilead, da die Grenze war Sihons, des Königs zu Hesbon.
  6. 6 Mose, der Knecht des HERRN, und die Kinder Israel schlugen sie. Und Mose, der Knecht des HERRN, gab ihr Land einzunehmen den Rubenitern, Gaditer und dem halben Stamm Manasse.
  7. 7 Dies sind die Könige des Landes, die Josua schlug und die Kinder Israel, diesseit des Jordans gegen Abend, von Baal-Gad an auf der Ebene beim Berge Libanon bis an das kahle Gebirge, das aufsteigt gen Seir (und Josua gab das Land den Stämmen Israels einzunehmen, einem jeglichen sein Teil,
  8. 8 was auf den Gebirgen, in den Gründen, Gefilden, an den Abhängen, in der Wüste und gegen Mittag war: die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter):
  9. 9 der König zu Jericho, der König zu Ai, das zur Seite an Beth-el liegt,
  10. 10 der König zu Jerusalem, der König zu Hebron,
  11. 11 der König zu Jarmuth, der König zu Lachis,
  12. 12 der König zu Eglon, der König zu Geser,
  13. 13 der König zu Debir, der König zu Geder,
  14. 14 der König zu Horma, der König zu Arad,
  15. 15 der König zu Libna, der König zu Adullam,
  16. 16 der König zu Makkeda, der König zu Beth-El,
  17. 17 der König zu Thappuah, der König zu Hepher,
  18. 18 der König zu Aphek, der König zu Lasaron,
  19. 19 der König zu Madon, der König zu Hazor,
  20. 20 der König zu Simron-Meron, der König zu Achsaph,
  21. 21 der König zu Thaanach, der König zu Megiddo,
  22. 22 der König zu Kedes, der König zu Jokneam am Karmel,
  23. 23 der König zu Naphoth-Dor, der König der Heiden zu Gilgal,
  24. 24 der König zu Thirza. Das sind einunddreißig Könige.

Kapitelüberblick

Josua 12 fasst die Siege zusammen, durch die Israel große Teile des verheißenen Landes unter seine Kontrolle brachte. Zunächst erinnert das Kapitel an die beiden Könige Sihon und Og, die bereits unter Moses Führung östlich des Jordan besiegt worden waren. Ihre Herrschaftsgebiete erstreckten sich über unterschiedliche Landschaften vom Arnon bis in den Norden Basans. Mose hatte diese Gebiete den Stämmen Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse als Erbteil gegeben.

Anschließend richtet sich der Blick auf das Land westlich des Jordan. Dort hatte Josua zahlreiche kanaanitische Könige besiegt. Der Bericht beschreibt zunächst die geografische Ausdehnung dieser Eroberungen und nennt danach die einzelnen Herrscher mit ihren Städten. Die Liste reicht von Jericho und Ai über die südlichen Gebiete bis zu den nördlichen Königreichen. Insgesamt werden 31 Könige aufgeführt, die unter Josuas Führung besiegt worden waren.

Das Kapitel verbindet damit die Eroberungen unter Mose und Josua zu einem gemeinsamen Rückblick. Zugleich unterscheidet es zwischen dem militärischen Sieg über einen Herrscher und der späteren vollständigen Besitznahme seines Gebietes. Die Aufzählung bezeugt die weitreichenden Erfolge Israels, ohne zu behaupten, dass bereits jede Stadt dauerhaft besiedelt und jeder verbliebene Widerstand beseitigt worden wäre.

Einführung

Manche Abschnitte der Bibel erzählen von außergewöhnlichen Ereignissen, während andere die Namen von Menschen und Orten bewahren, an denen sich diese Geschichte ereignet hat. Josua 12 gehört zur zweiten Gruppe. Auf den ersten Blick begegnen uns hier hauptsächlich geografische Angaben und eine lange Reihe von Königen. Doch hinter dieser Aufzählung steht eine Entwicklung, die für Israel von entscheidender Bedeutung war.

Über Generationen hinweg hatte das Volk von einem Land gehört, das Gott seinen Vorfahren versprochen hatte. Abraham war durch dieses Land gezogen, ohne es bereits als bleibenden Besitz seiner Nachkommen zu erleben. Später hatte Israel viele Jahre in Ägypten verbracht. Nach der Befreiung aus der Sklaverei folgte der Weg durch die Wüste, auf dem das Volk wiederholt mit seiner eigenen Angst, seinem Unglauben und den Folgen seiner Entscheidungen konfrontiert wurde.

All diese Erfahrungen lagen zwischen der ursprünglichen Verheißung und dem Augenblick, in dem Israel tatsächlich im Land Kanaan stand. Die Menschen, die unter Josua den Jordan überquert hatten, blickten deshalb nicht nur auf einige Jahre militärischer Auseinandersetzungen zurück. Ihre Geschichte reichte viel weiter. Was sie nun erlebten, war mit einer Zusage verbunden, die bereits ihre Vorfahren getragen hatte.

Dabei hatte sich der Weg in das Land anders entwickelt, als viele Israeliten vielleicht erwartet hatten. Selbst nach dem Auszug aus Ägypten waren große Hindernisse geblieben. Befestigte Städte, mächtige Könige und unbekannte Landschaften standen vor ihnen. Der Einzug in Kanaan bedeutete nicht, dass sämtliche Schwierigkeiten plötzlich verschwanden. Vielmehr musste das Volk lernen, Gottes Führung auch dann zu vertrauen, wenn die nächste Aufgabe größer erschien als die eigenen Möglichkeiten.

Im vorherigen Kapitel hatte der Erzähler schließlich berichtet, dass das Land vom Krieg ausruhte. Diese Aussage markierte einen wichtigen Einschnitt. Die großen Eroberungsfeldzüge waren zu einem vorläufigen Abschluss gekommen. Nun hält die biblische Darstellung inne, bevor sie sich der weiteren Verteilung des Landes und den noch ausstehenden Aufgaben zuwendet.

An genau dieser Stelle steht Josua 12. Das Kapitel blickt zurück und ordnet die bisherigen Siege. Es geht nicht darum, die vergangenen Kämpfe noch einmal ausführlich zu erzählen. Stattdessen werden ihre Ergebnisse festgehalten. Die Namen und Ortsangaben geben der Erinnerung eine konkrete Gestalt. Sie zeigen, dass die Geschichte der Landnahme nicht nur aus allgemeinen Aussagen über Mut, Glauben und Gottes Hilfe besteht, sondern mit tatsächlichen Herrschaftsgebieten, Städten und politischen Machtverhältnissen verbunden wird.

Auffällig ist dabei, dass der Rückblick nicht erst mit Josua beginnt. Auch Mose erhält seinen Platz in der Darstellung. Obwohl er selbst den Jordan nicht überqueren durfte, hatte Gott durch ihn bereits wichtige Siege geschenkt. Sein Auftrag war nicht bedeutungslos geworden, als Josua die Führung übernahm. Vielmehr setzte sich die Geschichte fort, während die Verantwortung von einem Diener Gottes auf den nächsten überging.

Darin liegt ein Gedanke, der über die unmittelbaren Ereignisse hinausweist. Gottes Verheißungen sind in der Bibel nicht an die Lebenszeit eines einzigen Menschen gebunden. Abraham sah ihre Erfüllung nur von ferne. Mose führte Israel bis an die Schwelle Kanaans. Josua durfte anschließend einen weiteren entscheidenden Abschnitt erleben. Keiner von ihnen stand für sich allein. Ihr Leben gehörte zu einer größeren Geschichte, deren Anfang und Ende nicht in ihrer eigenen Hand lagen.

Die lange Liste der Könige lädt deshalb zu einer besonderen Betrachtung ein. Sie erinnert uns daran, wie aus vielen einzelnen Ereignissen eine zusammenhängende Entwicklung entsteht. Was während einer Schlacht noch unsicher erschien, lässt sich im Rückblick als Teil eines größeren Weges erkennen. Zugleich stellt sich die Frage, was ein gewonnener Sieg tatsächlich bedeutet und welche Verantwortung beginnt, wenn ein versprochenes Erbe in die Hände des Volkes gelegt wird.

Josua 12 führt uns damit an eine wichtige Grenze zwischen Erinnerung und Zukunft. Hinter Israel liegen große Auseinandersetzungen. Vor ihm liegen die Ordnung und Besiedlung des Landes. Die folgenden Verse zeigen, wie die Bibel diese beiden Seiten miteinander verbindet und weshalb selbst eine scheinbar einfache Liste von Königsnamen einen wichtigen Platz in der Geschichte von Gottes Verheißungen einnimmt.

Josua 12,1–3

Sihon: Der erste große Sieg östlich des Jordan

Josua 12 beginnt mit einem Rückblick auf die Ereignisse, die bereits vor Israels Einzug in das Land Kanaan stattgefunden hatten. Der Erzähler nennt zunächst die Könige, die das Volk östlich des Jordan besiegt hatte. Diese Entscheidung ist bemerkenswert, denn die vorausgegangenen Kapitel konzentrierten sich hauptsächlich auf Josuas Feldzüge westlich des Flusses. Nun führt der Bericht noch einmal in die Zeit Moses zurück und erinnert daran, dass die Einnahme des verheißenen Landes nicht erst mit dem Durchzug durch den Jordan begonnen hatte.

Vers 1 beschreibt zunächst den geografischen Rahmen dieser früheren Eroberungen. Das Gebiet erstreckte sich vom Bach Arnon im Süden bis zum Berg Hermon im Norden und umfasste die östlichen Bereiche der großen Jordansenke. Damit wird ein ausgedehnter Landstrich beschrieben, der verschiedene Landschaften einschloss: tief eingeschnittene Flusstäler, fruchtbare Hochflächen, Gebirgsregionen und die tiefer gelegenen Gebiete entlang des Jordan.

Wenn der Text von dem Land jenseits des Jordan spricht, meint er ausdrücklich die Gebiete gegen Sonnenaufgang, also östlich des Flusses. Das ist wichtig, weil die Bezeichnung „jenseits des Jordan“ in der Bibel je nach Standort des Sprechers unterschiedliche Seiten meinen kann. Der Erzähler lässt hier keinen Zweifel daran, welche Region er beschreibt. Es geht um jene Gebiete, die Israel bereits vor der Überquerung des Jordan erobert hatte und die später zum Erbteil einzelner israelitischer Stämme wurden.

Der Arnon, der die südliche Begrenzung bildet, ist ein Fluss, dessen tief eingeschnittenes Tal östlich des Toten Meeres liegt. Heute wird er gewöhnlich mit dem Wadi Mujib im Gebiet Jordaniens identifiziert. Seine Schlucht bildete in der damaligen Landschaft eine bedeutende natürliche Grenze. Weiter im Norden erhebt sich der Hermon, ein mächtiges Gebirge, das weithin sichtbar ist und in der Bibel wiederholt als nördlicher Orientierungspunkt erscheint. Zwischen diesen beiden Landschaftsmarken lagen die Herrschaftsgebiete der Könige Sihon und Og, die der Erzähler nun einzeln vorstellt.

In Vers 2 beginnt die genauere Beschreibung mit Sihon, dem König der Amoriter. Seine Residenz befand sich in Hesbon, einer bedeutenden Stadt östlich des Jordan. Die Amoriter begegnen uns bereits in den früheren Büchern Moses als eine der Bevölkerungsgruppen Kanaans und seiner Umgebung. Der Begriff bezeichnet in den verschiedenen biblischen Zusammenhängen nicht immer exakt dasselbe Gebiet. Hier bezieht er sich auf das Königreich Sihons, dessen Herrschaft sich über einen beträchtlichen Teil des südlichen Ostjordanlandes erstreckte.

Die Geschichte dieses Königs war Israel bereits aus der Wüstenwanderung bekannt. Nach 4. Mose 21,21–23 hatte Mose zunächst Boten zu Sihon geschickt und um die Erlaubnis gebeten, sein Land zu durchziehen. Israel versprach, weder Felder noch Weinberge zu betreten und kein Wasser aus den Brunnen zu nehmen. Das Volk wollte auf der Königsstraße bleiben, bis es das Gebiet durchquert hätte. Sihon verweigerte jedoch die Erlaubnis, sammelte sein Heer und zog Israel entgegen. Bei Jahaz kam es zum Kampf, in dem die Israeliten den amoritischen König besiegten.

Diese Vorgeschichte ist für Josua 12 von Bedeutung, weil die kurze Königsliste allein nicht erkennen lässt, unter welchen Umständen der Krieg begonnen hatte. Der frühere Bericht schildert ausdrücklich eine Bitte um friedlichen Durchzug, der Sihon nicht entsprach. In 5. Mose 2,26–30 wird außerdem erzählt, dass Mose eine entsprechende Botschaft von der Wüste Kedemot aus sandte und dass Gott Sihons Geist verhärtete und sein Herz fest werden ließ, damit er in Israels Hand gegeben würde.

Damit verbindet die Bibel Sihons politische Entscheidung und seinen militärischen Widerstand ausdrücklich mit Gottes Gerichtshandeln. Sie erklärt allerdings nicht jeden inneren Vorgang, der zu seiner Entscheidung führte. Es wäre deshalb ungenau, eine ausführliche persönliche Vorgeschichte Sihons zu behaupten, die der Text nicht überliefert. Sicher ist, dass der König Israel den Durchzug verweigerte, mit seinem Heer entgegenzog und schließlich besiegt wurde.

Nach dieser Erinnerung an Sihons Schicksal beschreibt Josua 12 die Grenzen seines früheren Herrschaftsgebietes. Im Süden beginnt die Darstellung bei Aroer, einer Stadt am Rand des Arnontals. Der Text erwähnt außerdem die Mitte des Tales. Die genaue Auslegung dieser Grenzformulierung ist nicht in allen Einzelheiten eindeutig. Sie unterstreicht jedenfalls die Bedeutung der Arnonlandschaft für die südliche Begrenzung des Königreiches. Aroer wird auch in 5. Mose 2,36 und Josua 13,9 genannt, sodass der Ort mehrfach als wichtiger Grenzpunkt erscheint.

Von dort reicht die Beschreibung weiter über die Hälfte Gileads bis an den Bach Jabbok. Gilead bezeichnet eine ausgedehnte Berg- und Hügellandschaft östlich des Jordan, die in der Bibel unter anderem wegen ihrer Weidegebiete bekannt ist. Bereits in 4. Mose 32 wird berichtet, dass die Stämme Ruben und Gad dort günstige Bedingungen für ihre großen Viehherden erkannten. Die Erwähnung des halben Gilead zeigt, dass Sihons Herrschaft nicht die gesamte Region umfasste. Der nördlichere Teil wird im folgenden Abschnitt dem Herrschaftsgebiet Ogs zugeordnet.

Der Jabbok bildete eine weitere wichtige natürliche Grenze. Dieser Fluss wird heute gewöhnlich mit dem Wadi az-Zarqa in Jordanien identifiziert. Er ist aus einer viel früheren biblischen Geschichte bekannt: Jakob überquerte den Jabbok, bevor er seinem Bruder Esau wieder begegnete, und erlebte dort in der Nacht seine geheimnisvolle Begegnung mit Gott (1. Mose 32,23–31). In Josua 12 erhält derselbe Fluss eine andere Bedeutung. Hier dient er als geografischer Bezugspunkt zwischen dem Herrschaftsgebiet Sihons und dem Land der Ammoniter.

Dass die Ammoniter ausdrücklich erwähnt werden, ist nicht nebensächlich. In 5. Mose 2,19 hatte Gott Israel untersagt, das Land Ammons anzugreifen oder für sich zu beanspruchen. Die Ammoniter gehörten zu den Nachkommen Lots, und Gott hatte ihnen ein eigenes Gebiet zugewiesen. Auch nach dem Sieg über Sihon durfte Israel deshalb nicht nach Belieben über die Grenzen des eroberten Königreiches hinausgehen. Die Verheißung des Landes bedeutete keinen unbegrenzten Anspruch auf sämtliche benachbarten Gebiete.

Vers 3 ergänzt die Beschreibung durch die östlichen Bereiche der Jordansenke. Die Schlachter 1951 spricht hier von der Ebene, die bis an den See Genezaret und das Salzmeer reichte. Im hebräischen Text steht dafür der geografische Begriff Araba. Er bezeichnet hier die tiefer gelegene Landschaft des Jordantals und der angrenzenden Senken. Gemeint ist also nicht einfach irgendeine flache Ebene, sondern ein bestimmter Landschaftsraum, der durch seine Lage zwischen Gebirgen und Gewässern geprägt ist.

Der See Genezaret ist aus dem Neuen Testament besonders gut bekannt. An seinen Ufern wirkte Jesus, berief Jünger und lehrte große Menschenmengen. Im Alten Testament begegnet er auch unter dem Namen Kinneret oder Kinneroth. In Josua 12 dient er als nördlicher Orientierungspunkt für die beschriebenen östlichen Niederungen. Die spätere Bedeutung dieses Sees für das Wirken Jesu darf allerdings nicht in den damaligen Bericht hineingelesen werden. Hier geht es zunächst ausschließlich um die geografische Ausdehnung des früheren Königreiches.

Das Salzmeer ist die alttestamentliche Bezeichnung für das Tote Meer. Der hebräische Text nennt es außerdem das Meer der Araba. Es liegt wesentlich tiefer als der See Genezaret und bildet das südliche Ende des Jordantals. Zusammen helfen diese beiden Gewässer, die östlichen Gebiete entlang der Jordansenke geografisch einzuordnen. Die Aussage bedeutet dabei nicht, dass Sihon sämtliche Länder zwischen beiden Seen beherrschte. Beschrieben wird der östliche Landschaftsbereich, der zu seinem Herrschaftsgebiet gehörte.

Anschließend nennt der Erzähler Beth-Jesimot. Dieser Ort lag in der Ebene von Moab, nordöstlich des Toten Meeres. Er wird auch in 4. Mose 33,48–49 erwähnt, wo die letzten Lagerplätze Israels vor dem Jordanübergang beschrieben werden. Damit begegnet uns ein Ort, der sowohl zur geografischen Beschreibung des ehemaligen amoritischen Königreiches als auch zur Geschichte der letzten Etappe der Wüstenwanderung gehört. Die genaue Lage wird gewöhnlich in der Nähe des nordöstlichen Ufers des Toten Meeres gesucht, auch wenn einzelne historische Identifizierungen unterschiedlich beurteilt werden.

Den Abschluss der Grenzbeschreibung bilden die Abhänge des Pisga. Dieses Berggebiet ist besonders mit dem letzten Lebensabschnitt Moses verbunden. Nach 5. Mose 34 stieg Mose vor seinem Tod auf das Gebirge Nebo, auf den Gipfel des Pisga, und Gott ließ ihn von dort das verheißene Land sehen. Die Landschaft, die in Josua 12 als Bestandteil der früheren Herrschaftsgebiete beschrieben wird, war somit auch Schauplatz eines der bewegendsten Ereignisse in Moses Leben.

Die Schlachter 1951 verwendet an dieser Stelle außerdem die Formulierung „von Teman an“. Das entsprechende hebräische Wort kann eine südliche Richtung bezeichnen. Einige Übersetzungen geben es deshalb mit „gegen Süden“ oder „südwärts“ wieder. Vereinzelt wurde auch eine Deutung als Ortsname erwogen. Der geografische Zusammenhang spricht hier vor allem für eine Richtungsangabe. Eine Gleichsetzung mit einem bestimmten Ort in Edom wäre dagegen nicht ausreichend gesichert.

Alle diese Angaben zeigen, wie sorgfältig der Erzähler das Gebiet Sihons eingrenzt. Er nennt Flüsse, Seen, Städte und Gebirgsabhänge, die als Orientierungspunkte dienen. Gleichzeitig wird sichtbar, dass die Landnahme nicht als eine unbestimmte Ausdehnung israelitischer Macht beschrieben wird. Bestimmte Gebiete wurden eingenommen, andere blieben ausdrücklich außerhalb des Auftrags. Die Grenzen gehörten damit ebenso zur Geschichte wie die Siege selbst.

Für Israel besaß Sihons Niederlage eine besondere Bedeutung. Noch bevor das Volk den Jordan überquert hatte, durfte es erfahren, dass mächtige Könige den Weg in das verheißene Land nicht dauerhaft versperren konnten. Mose erinnerte Israel später ausdrücklich an diese Siege, um Josua für seine kommende Aufgabe zu ermutigen (5. Mose 3,21–22). Die Erfahrung im Ostjordanland wurde damit zu einem wichtigen Bestandteil der Vorbereitung auf die Kämpfe westlich des Flusses.

Josua 12 hält diese Erinnerung nun für die kommende Generation fest. Der Sieg über Sihon war nicht bloß ein abgeschlossenes Ereignis aus der Vergangenheit. Sein ehemaliges Herrschaftsgebiet wurde zu einem Teil jenes Landes, in dem israelitische Familien eine neue Heimat finden sollten. Aus einer militärischen Auseinandersetzung entstand damit eine dauerhafte Verantwortung für das empfangene Erbe.

Doch Sihon war nicht der einzige mächtige König, den Israel unter Moses Führung besiegt hatte. Weiter nördlich herrschte Og über Basan, ein König, dessen Gebiet und Herkunft die Bibel besonders hervorhebt. Seine Niederlage vervollständigte die großen Eroberungen östlich des Jordan. Von ihr und der anschließenden Verteilung des Landes berichten die folgenden Verse.

Josua 12,4–6

Og von Basan: Moses letzte Eroberungen und die Landverteilung

Nachdem der Erzähler das Herrschaftsgebiet Sihons beschrieben hat, wendet er sich in Vers 4 dem zweiten großen König zu, den Israel noch unter Moses Führung besiegt hatte. Sein Name war Og, und er herrschte über Basan, eine ausgedehnte Landschaft nordöstlich des Sees Genezaret. Das Gebiet unterschied sich in vieler Hinsicht von den südlicher gelegenen Landstrichen. Basan war für seine fruchtbaren Weideflächen bekannt und besaß zahlreiche Siedlungen und befestigte Städte. Wer hier herrschte, verfügte über ein bedeutendes Gebiet östlich des Jordan.

Die Erwähnung Ogs führt uns zu einem der letzten großen Kämpfe während der Wüstenwanderung zurück. In 4. Mose 21,33–35 berichtet die Bibel, dass Og mit seinem gesamten Heer auszog, um Israel bei Edrei entgegenzutreten. Noch bevor es zur Entscheidung kam, sprach Gott zu Mose und forderte ihn auf, sich vor dem König nicht zu fürchten. Er versprach, Og ebenso in Israels Hand zu geben wie zuvor Sihon. Daraufhin besiegten die Israeliten den König von Basan und nahmen sein Land ein.

Die beiden Siege werden in der Bibel häufig gemeinsam erwähnt. Das liegt nicht allein daran, dass beide östlich des Jordan stattfanden. Sie gehörten zu einer entscheidenden Übergangszeit: Israel näherte sich dem verheißenen Land, nachdem die erste Generation wegen ihres Unglaubens viele Jahre in der Wüste hatte bleiben müssen. Nun erlebte das Volk, dass selbst mächtige Herrscher den weiteren Weg nicht dauerhaft versperren konnten. Die Siege über Sihon und Og wurden deshalb zu wichtigen Erinnerungen, auf die Mose später ausdrücklich zurückgriff, um Josua für seine bevorstehende Aufgabe zu ermutigen (5. Mose 3,21–22).

Vers 4 fügt eine besondere Einzelheit hinzu. Og gehörte zu den letzten Angehörigen der Rephaiter. Diese Bezeichnung begegnet an mehreren Stellen des Alten Testaments und wird in manchen Übersetzungen mit Menschen von außergewöhnlicher Größe verbunden. Nach 5. Mose 2,10–11 wurden die früheren Bewohner Moabs als große und zahlreiche Menschen beschrieben, die den Enakitern ähnlich gewesen seien und ebenfalls zu den Rephaitern gerechnet wurden.

Auch Og wird in 5. Mose 3,11 ausdrücklich mit dieser Bevölkerungsgruppe verbunden. Dort erwähnt Mose ein außergewöhnlich großes Bettgestell, das Og zugeschrieben wird. Seine Maße werden mit neun Ellen Länge und vier Ellen Breite angegeben. Je nachdem, welches historische Ellenmaß zugrunde gelegt wird, entsprach dies ungefähr vier Metern Länge und knapp zwei Metern Breite.

Diese Angabe hat immer wieder zu Vermutungen über Ogs Körpergröße geführt. Doch der Bibeltext nennt die Maße des Bettgestells, nicht die Größe seines Besitzers. Aus der Länge eines Bettes lässt sich die Körpergröße eines Menschen nicht zuverlässig berechnen. Auch die genaue Funktion des Gegenstandes wird in der Forschung diskutiert. Deshalb wäre es falsch, aus dieser Stelle die sichere Behauptung abzuleiten, Og sei selbst vier Meter groß gewesen.

Die Bezeichnung als Rephaiter zeigt zunächst, dass Og einer Bevölkerungsgruppe zugerechnet wurde, die in der biblischen Überlieferung für ihre außergewöhnliche Körpergröße bekannt war. Sie beweist jedoch keine übernatürliche Abstammung. Insbesondere lässt sich daraus nicht ableiten, dass Og ein Mischwesen aus Menschen und Engeln gewesen sei. Solche Vorstellungen gehen über das hinaus, was Josua 12 und 5. Mose 3 ausdrücklich berichten.

Dass der Erzähler Og als einen der Übriggebliebenen dieser Bevölkerungsgruppe vorstellt, verleiht seiner Erwähnung dennoch besonderes Gewicht. Der König erscheint als Vertreter einer älteren Bevölkerung, deren Angehörige in der Erinnerung Israels mit großer körperlicher Stärke verbunden waren. Hinzu kam seine politische und militärische Macht. Og war nicht lediglich ein einzelner außergewöhnlich großer Mann, sondern ein Herrscher, der über zahlreiche Städte und ein ausgedehntes Gebiet verfügte.

Vers 4 nennt Astarot und Edrei als Orte, an denen Og wohnte beziehungsweise von denen aus er seine Herrschaft ausübte. Beide Städte gehörten zum Gebiet Basan und werden auch an anderen Stellen gemeinsam genannt. Edrei besitzt innerhalb der Erzählung eine besondere Bedeutung, denn dort fand nach 4. Mose 21,33 der entscheidende Kampf gegen Og statt.

Der Name Astarot erinnert sprachlich an die kanaanitische Göttin Astarte beziehungsweise an religiöse Bezeichnungen aus dem Umfeld der altorientalischen Fruchtbarkeitskulte. Solche Verbindungen sind für die historische Erforschung von Ortsnamen bedeutsam. Allerdings erklärt Josua 12 nicht, welche konkreten religiösen Einrichtungen zur Zeit Ogs in dieser Stadt bestanden. Der Name allein reicht deshalb nicht aus, um ausführliche Aussagen über bestimmte Rituale oder Heiligtümer zu treffen.

Beide Städte werden gewöhnlich im südlichen Gebiet des heutigen Syrien gesucht, doch nicht jede Einzelheit ihrer antiken Lage und Besiedlungsgeschichte ist zweifelsfrei geklärt. Für das Verständnis des Bibeltextes ist vor allem wichtig, dass Og offenbar über mehrere bedeutende Siedlungszentren verfügte. Seine Herrschaft beschränkte sich nicht auf einen einzelnen befestigten Ort, sondern erstreckte sich über eine größere Landschaft.

Wie bedeutend dieses Gebiet war, zeigt der frühere Bericht in 5. Mose 3,4–5. Dort wird erzählt, dass Israel sechzig Städte aus dem Gebiet Argob einnahm, die zum Königreich Ogs gehörten. Diese Städte besaßen hohe Mauern, Tore und Riegel. Daneben gab es zahlreiche unbefestigte Ortschaften. Die Beschreibung vermittelt damit das Bild eines Landes, dessen Bewohner nicht ausschließlich in kleinen Dörfern lebten, sondern auch über ausgebaute befestigte Zentren verfügten.

Die Angabe von sechzig Städten ist eine ausdrückliche biblische Zahl. Sie bedeutet jedoch nicht, dass heute sechzig archäologisch eindeutig identifizierte und sicher in dieselbe Zeit datierte Stadtanlagen nachgewiesen wären. Auch die genaue Ausdehnung des Gebietes Argob wird unterschiedlich beurteilt. Die Zahl gehört zunächst zum biblischen Bericht über die Größe und Bedeutung des Königreiches.

In Vers 5 folgt eine ausführlichere Beschreibung seiner Grenzen. Zunächst wird der Berg Hermon genannt, der bereits zu Beginn des Kapitels als nördlicher Orientierungspunkt diente. Mit seinen hohen Gipfeln bildet er eine weithin sichtbare Landschaftsmarke. Die Herrschaft Ogs reichte demnach bis in den Bereich dieses Gebirges, das zugleich den nördlichen Rahmen der beschriebenen Ostjordaneroberungen bildet.

Anschließend nennt der Text Salcha und ganz Basan. Salcha, in anderen Übersetzungen auch Salka oder Saleka genannt, lag im östlichen Bereich des beschriebenen Herrschaftsgebietes. Häufig wird der Ort mit dem heutigen Salkhad im Süden Syriens verbunden. Diese Identifizierung ist geografisch plausibel, doch Einzelheiten der antiken Stadtgeschichte müssen von der biblischen Ortsangabe unterschieden werden.

Die Landschaft Basan war besonders für ihre Weidegebiete bekannt. An anderen Stellen der Bibel begegnen uns die Rinder Basans als Sinnbild kräftiger und gut genährter Tiere (Amos 4,1). Auch Psalm 22,13 verwendet starke Stiere aus Basan als Bild für bedrohliche Gegner. Solche Vergleiche setzen voraus, dass die Region in der Erinnerung Israels mit bedeutender Viehzucht verbunden war. Sie helfen uns, ihre wirtschaftliche Bedeutung besser zu verstehen, ohne dass Josua 12 selbst die Landwirtschaft oder Viehwirtschaft des Königreiches näher beschreibt.

Besonders wichtig ist die anschließende Grenzangabe zu den Gessuritern und Maachitern. Diese beiden Bevölkerungsgruppen besaßen eigene Gebiete in der nördlichen beziehungsweise nordöstlichen Umgebung des biblischen Landes. Der Erzähler nennt sie hier ausdrücklich als Nachbarn des Königreiches Og. Damit wird deutlich, dass die Herrschaft Basans nicht grenzenlos war. Auch im Norden und Nordosten existierten weitere politische Gemeinschaften.

Die Erwähnung dieser beiden Völker gewinnt durch Josua 13,13 zusätzliche Bedeutung. Dort heißt es ausdrücklich, dass die Israeliten die Gessuriter und Maachiter nicht vertrieben hatten. Ihre Anwesenheit blieb also auch nach den großen Eroberungen ein Bestandteil der politischen Landschaft. Deshalb darf die Grenzangabe in Josua 12 nicht so verstanden werden, als hätte Mose automatisch auch sämtliche Gebiete dieser beiden Bevölkerungsgruppen eingenommen.

Hier begegnet uns erneut eine wichtige Unterscheidung, die für das Verständnis der gesamten Landnahme erforderlich ist. Die Beschreibung eines Königreiches und seiner Grenzen bedeutet nicht, dass alle benachbarten Gebiete ebenfalls erobert wurden. Ebenso wenig beweist ein militärischer Sieg über einen Herrscher, dass danach jeder Bewohner seines ehemaligen Reiches vertrieben war. Der biblische Bericht nennt sowohl die erreichten Siege als auch Grenzen, an denen andere Bevölkerungsgruppen weiterhin bestanden.

Zum Abschluss von Vers 5 wird das halbe Gilead genannt. Die südlichere Hälfte dieser Landschaft hatte bereits zum Herrschaftsgebiet Sihons gehört. Der nördliche Teil wird nun dem Königreich Ogs zugerechnet. Dadurch ergänzen sich die Beschreibungen der beiden Könige. Ihre Reiche lagen nebeneinander und bildeten zusammen einen großen Teil des Landes östlich des Jordan, das Israel unter Moses Führung eingenommen hatte.

Gerade diese geografische Verbindung erklärt, weshalb die Bibel Sihon und Og so häufig gemeinsam nennt. Ihre Niederlagen gehörten zu demselben größeren Abschnitt der Geschichte Israels. Beide Könige hatten den israelitischen Vormarsch militärisch bekämpft. Beide wurden unter Moses Führung besiegt. Und beide Herrschaftsgebiete wurden anschließend in die Landverteilung Israels einbezogen.

In Vers 6 fasst der Erzähler diese Ereignisse ausdrücklich zusammen. Mose, der Knecht des HERRN, und die Israeliten hatten die beiden Könige besiegt. Auffällig ist dabei die wiederholte Bezeichnung Moses als Knecht des HERRN. Sie betont seine Stellung als Diener Gottes, der den ihm übertragenen Auftrag ausführte. Der militärische Erfolg wird nicht als Grundlage für einen persönlichen Herrschaftsanspruch Moses dargestellt. Seine Aufgabe bestand darin, das Volk zu führen und entsprechend Gottes Anweisungen zu handeln.

Die Bezeichnung verbindet Mose zugleich mit Josua. Bereits in Josua 1,1 war Mose als Knecht des HERRN vorgestellt worden, während Josua zunächst als sein Diener bezeichnet wurde. Später übernimmt Josua die Führung des Volkes. Dass Josua 12 nun beide großen Abschnitte der Landnahme nebeneinanderstellt, zeigt die Kontinuität zwischen ihrem Wirken. Gottes Verheißung blieb bestehen, obwohl der verantwortliche menschliche Führer wechselte.

Der zweite Teil von Vers 6 berichtet, dass Mose das eroberte Land den Rubenitern, Gaditern und dem halben Stamm Manasse zum Besitz gab. Hinter dieser kurzen Aussage steht eine längere Vorgeschichte, die besonders in 4. Mose 32 erzählt wird. Die Stämme Ruben und Gad verfügten über große Viehherden und erkannten, dass sich die Weidegebiete östlich des Jordan gut für ihre Bedürfnisse eigneten. Deshalb baten sie Mose, dort ihr Erbteil erhalten zu dürfen.

Diese Bitte führte zunächst zu einer ernsten Auseinandersetzung. Mose befürchtete, die Männer dieser Stämme könnten sich der gemeinsamen Verantwortung entziehen und ihre Brüder allein den bevorstehenden Kämpfen in Kanaan überlassen. Er erinnerte an die frühere Kundschafterkrise, als die Angst vor den Bewohnern des Landes zur Auflehnung gegen Gott geführt hatte. Eine erneute Weigerung, den gemeinsamen Auftrag zu erfüllen, hätte schwerwiegende Folgen für das ganze Volk haben können.

Die betreffenden Stämme erklärten daraufhin, dass ihre kampffähigen Männer den Jordan überqueren und gemeinsam mit den übrigen Israeliten kämpfen würden. Ihre Familien und Herden sollten währenddessen in den bereits eroberten Gebieten bleiben. Erst wenn auch die anderen Stämme ihre Erbteile erhalten hätten, wollten die Männer dauerhaft zu ihren Familien zurückkehren. Mose stimmte dieser Regelung unter der Bedingung zu, dass sie ihr Versprechen erfüllten.

Die Verteilung des Ostjordanlandes war damit eng mit einer Verpflichtung verbunden. Die Stämme durften ihr Erbe empfangen, sollten aber nicht nur an die eigene Sicherheit denken. Sie blieben Teil des gemeinsamen Volkes und trugen Verantwortung dafür, dass auch ihre Brüder das verheißene Land einnehmen konnten. Diese Verpflichtung wird in Josua 1,12–18 erneut aufgegriffen. Dort fordert Josua die Männer der ostjordanischen Stämme ausdrücklich auf, entsprechend ihrer Zusage am bevorstehenden Feldzug teilzunehmen.

Auch das spätere Abschiedsgeschehen in Josua 22,1–9 knüpft an diese Vereinbarung an. Nachdem die gemeinsamen Kämpfe beendet waren, entließ Josua die Männer der betreffenden Stämme in ihre Heimat östlich des Jordan. Er bestätigte, dass sie ihre Verpflichtung gegenüber ihren Brüdern erfüllt hatten. Damit wird sichtbar, dass die ursprüngliche Landverteilung unter Mose nicht zur dauerhaften Auflösung der gemeinsamen Verantwortung Israels führen sollte.

Dass neben Ruben und Gad auch der halbe Stamm Manasse genannt wird, besitzt eine eigene Bedeutung. Manasse war einer der beiden Söhne Josefs, die Jakob als Stammväter Israels angenommen hatte (1. Mose 48,5). Seine Nachkommen erhielten später Gebiete auf beiden Seiten des Jordan. Ein Teil des Stammes siedelte östlich des Flusses, während der andere Teil sein Erbteil westlich davon bekam. Die Bezeichnung „halber Stamm“ beschreibt diese Aufteilung innerhalb der Landverteilung.

Die genaue Zuweisung der einzelnen Gebiete wird in Josua 13 noch einmal ausführlicher beschrieben. Für Josua 12 genügt zunächst die Feststellung, dass das unter Mose eroberte Land nicht unverteilt blieb. Es wurde zum Besitz bestimmter Stämme, die dort ihre Familien ansiedeln und ihr Leben aufbauen konnten.

Damit erhält der Rückblick auf Og und Sihon seinen eigentlichen Abschluss. Der Bericht erinnert nicht nur an mächtige Herrscher, befestigte Städte und weitreichende militärische Erfolge. Er zeigt, wie aus den früheren Königreichen ein Erbteil für israelitische Familien wurde. Die Gebiete, deren Eroberung einst erhebliche Gefahren mit sich gebracht hatte, wurden nun zu einer Heimat, für die das Volk Verantwortung übernehmen sollte.

Zugleich wird erkennbar, dass Gottes Führung nicht erst mit Josuas großen Siegen begann. Schon unter Mose waren wesentliche Teile des verheißenen Erbes gewonnen worden. Obwohl Mose selbst nicht in das Land westlich des Jordan einziehen durfte, war sein Wirken eng mit dessen Besitznahme verbunden. Seine Aufgabe hatte eine Bedeutung, die über sein eigenes Leben hinausreichte.

Die Verse 4 bis 6 verbinden deshalb die Erinnerung an Gottes Hilfe mit der Verantwortung der Menschen. Gott hatte den Sieg über Og zugesagt. Mose und Israel mussten den Kampf bestehen. Danach wurde das Land verteilt, und die empfangenden Stämme verpflichteten sich, ihre Brüder nicht im Stich zu lassen. Verheißung, Gehorsam und gemeinschaftliche Verantwortung gehören in diesem Abschnitt eng zusammen.

Mit Vers 6 endet der Rückblick auf die Eroberungen unter Mose. Die beiden großen Königreiche östlich des Jordan sind beschrieben, ihre Grenzen genannt und ihre Gebiete den entsprechenden Stämmen zugeteilt. Nun wendet sich der Erzähler den Ereignissen westlich des Jordan zu. Dort hatte Josua die Führung übernommen und zahlreiche weitere Könige besiegt. Die folgenden Verse eröffnen deshalb den zweiten großen Teil der Siegesübersicht und beschreiben zunächst die Landschaften, in denen sich diese Feldzüge ereigneten.

Josua 12,7–8

Das Land westlich des Jordan und seine verschiedenen Landschaften

Mit Vers 7 beginnt der zweite große Teil der Königsübersicht. Nachdem der Erzähler an die Siege unter Mose erinnert hat, wendet er sich nun den Gebieten zu, die Israel unter Josuas Führung eroberte. Der Jordan bildet dabei die entscheidende geografische Grenze. Während Sihon und Og östlich des Flusses geherrscht hatten, lagen die Königreiche, die nun aufgezählt werden, auf seiner westlichen Seite. Damit führt der Bericht zu den Ereignissen zurück, die in den vorherigen Kapiteln ausführlich geschildert wurden.

Auffällig ist, dass der Erzähler Josua und die Kinder Israel gemeinsam als diejenigen nennt, die diese Könige besiegten. Josua stand als verantwortlicher Führer an der Spitze des Volkes, doch die Feldzüge waren keine Unternehmung eines einzelnen Mannes. Die Israeliten hatten unter seiner Führung gekämpft, befestigte Städte angegriffen und große feindliche Bündnisse überwunden. Die gemeinsame Erwähnung erinnert daran, dass die Landnahme eine Aufgabe des ganzen Volkes war. Josuas besondere Verantwortung hebt die Beteiligung der übrigen Israeliten nicht auf.

Die geografische Beschreibung beginnt im Norden mit Baal-Gad im Tal des Libanon. Dieser Ort war bereits in Josua 11,17 als nördlicher Bezugspunkt der Eroberungen genannt worden. Seine genaue Lage lässt sich heute nicht mit letzter Sicherheit bestimmen. Der biblische Text ordnet ihn jedoch dem Libanontal zu, in der Nähe der nördlichen Gebirgslandschaften Kanaans. Besonders der Hermon und die angrenzenden Täler bilden den größeren geografischen Zusammenhang, in dem dieser Ort gesucht wird.

Der Name Baal-Gad besitzt außerdem einen bemerkenswerten sprachlichen Hintergrund. Der Bestandteil Baal bedeutet ursprünglich Herr oder Gebieter und begegnet häufig als Bezeichnung einer kanaanitischen Gottheit. Gad kann mit Glück oder Geschick verbunden werden und erscheint ebenfalls in religiösen Zusammenhängen des Alten Orients. Der Ortsname könnte daher auf eine ältere religiöse Tradition zurückgehen. Daraus lässt sich allerdings nicht sicher ableiten, welches Heiligtum dort bestand oder welche konkreten Rituale zur Zeit Josuas ausgeübt wurden. Der Bericht verwendet Baal-Gad vor allem als geografischen Orientierungspunkt.

Das Libanontal selbst gehört zu einer Landschaft, die von mächtigen Gebirgszügen geprägt wird. Zwischen den Höhen des Libanon und den weiter östlich gelegenen Bergen erstrecken sich Täler und Verkehrswege, die schon in der Antike verschiedene Regionen miteinander verbanden. Wer diese Gebiete beherrschte, konnte Einfluss auf wichtige Verbindungen zwischen dem nördlichen Kanaan und seinen Nachbarländern ausüben. Dass der Erzähler einen Ort aus dieser Region als nördlichen Grenzpunkt nennt, zeigt, wie weit die militärischen Unternehmungen Israels nach seiner Darstellung reichten.

Den südlichen Bezugspunkt bildet das kahle Gebirge, das sich gegen Seir erhebt. Auch diese Angabe begegnete bereits in Josua 11,17. Im hebräischen Text wird das Gebirge als Har Hechalak bezeichnet. Der Name lässt sich als kahler oder glatter Berg verstehen und beschreibt wahrscheinlich das äußere Erscheinungsbild der Landschaft. Welche heutige Erhebung damit genau gemeint ist, bleibt umstritten. Verschiedene Höhenzüge im südlichen Grenzbereich Kanaans sind dafür vorgeschlagen worden.

Seir bezeichnet in der Bibel eine Gebirgsregion, die besonders mit den Nachkommen Esaus und dem Land Edom verbunden ist. Die Formulierung in Josua 12 bedeutet jedoch nicht, dass Josua das gesamte Gebiet Edoms eingenommen hätte. Der Erzähler nennt vielmehr einen südlichen Orientierungspunkt, dessen Lage durch die Richtung nach Seir näher beschrieben wird. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn Gott hatte Israel bereits in 5. Mose 2,4–5 ausdrücklich angewiesen, das Land der Nachkommen Esaus nicht eigenmächtig in Besitz zu nehmen.

Zwischen Baal-Gad im Norden und dem kahlen Gebirge im Süden liegt somit ein ausgedehnter Teil Kanaans. Mit diesen beiden Bezugspunkten zeichnet der Erzähler den äußeren Rahmen der bisher beschriebenen Feldzüge nach. Es handelt sich nicht um eine lückenlose Grenzbeschreibung, bei der jeder einzelne Verlauf festgelegt würde. Vielmehr werden zwei weit voneinander entfernte Orte genannt, um die große räumliche Ausdehnung der Siege unter Josua zusammenzufassen.

Diese Art der Darstellung hilft auch, die folgenden Königsnamen richtig zu verstehen. Die einzelnen Herrscher hatten über verschiedene Städte und deren Umland geherrscht. Ihre Königreiche waren nicht alle gleich groß und bildeten keine einheitliche politische Verwaltung. Kanaan bestand vielmehr aus zahlreichen lokalen Herrschaftsgebieten, die teilweise miteinander verbündet waren und teilweise eigene Interessen verfolgten. In den vorherigen Kapiteln hatte der Erzähler gezeigt, wie sich mehrere dieser Könige zusammenschlossen, um Israel gemeinsam entgegenzutreten.

Nach den geografischen Grenzen berichtet Vers 7, dass Josua das Land den Stämmen Israels zum Besitz gab, jedem seinen Teil. Damit knüpft der Text an die Aussage aus Vers 6 an. Dort hatte Mose die östlich des Jordan eroberten Gebiete bestimmten Stämmen zugewiesen. Nun wird die entsprechende Landgabe unter Josua westlich des Flusses erwähnt. Der Bericht stellt damit eine Verbindung zwischen beiden Führern her: Mose und Josua hatten unterschiedliche Abschnitte der Landnahme geleitet, aber beide trugen dazu bei, dass Israel sein verheißenes Erbe empfing.

Diese Zuteilung besitzt eine Bedeutung, die über den militärischen Erfolg hinausgeht. Das Land sollte nicht einfach als eroberter Besitz unter den Heerführern verteilt werden. Es war den Stämmen Israels als Erbteil zugedacht. Bereits in 4. Mose 26,52–56 hatte Gott Anweisungen für die Verteilung gegeben. Dabei sollten sowohl die Größe der Stämme als auch die Zuteilung durch das Los berücksichtigt werden. Die verschiedenen Familien und Stammesgemeinschaften sollten ihren Platz innerhalb des verheißenen Landes erhalten.

Die Aussage in Josua 12 ist allerdings eine Zusammenfassung, die dem weiteren Verlauf des Buches bereits vorgreift. Denn die ausführliche Verteilung der westlichen Gebiete wird erst in den folgenden Kapiteln beschrieben. Besonders ab Josua 14 erfahren wir, welche Stämme bestimmte Landschaften und Städte erhielten und wie ihre Grenzen festgelegt wurden. Der Erzähler nennt hier also bereits das Ergebnis einer Entwicklung, die er anschließend noch genauer darstellen wird.

Ebenso wenig bedeutet die Erwähnung des Erbteils, dass jedes Gebiet zu diesem Zeitpunkt vollständig von israelitischen Familien bewohnt wurde. Josua 13,1 wird ausdrücklich feststellen, dass trotz der großen Siege noch viel Land einzunehmen war. Ein König konnte militärisch besiegt worden sein, während einzelne befestigte Orte oder Teile seiner bisherigen Bevölkerung weiterhin bestanden. Die Zuteilung eines Gebietes und seine vollständige dauerhafte Inbesitznahme müssen deshalb unterschieden werden.

In Vers 8 folgt eine ausführlichere Beschreibung der verschiedenen Landschaften, in denen sich diese Herrschaftsgebiete befanden. Die Schlachter 1951 nennt Gebirge, Täler, Ebenen, Abhänge, Wüsten und die südlichen Gebiete. Hinter dieser Aufzählung stehen hebräische Landschaftsbegriffe, die teilweise genauer sind, als es die allgemeinen deutschen Bezeichnungen zunächst erkennen lassen.

An erster Stelle steht das Gebirge. Gemeint sind die ausgedehnten Berglandschaften Kanaans, die sich durch große Teile des Landesinneren ziehen. Dazu gehörten das Bergland Judas im Süden sowie die Höhenzüge weiter nördlich. Viele bedeutende Städte lagen in diesen Regionen auf Anhöhen oder an gut zu verteidigenden Stellen. Jerusalem und Hebron sind Beispiele für Orte, deren Lage im Bergland ihre Geschichte und militärische Bedeutung mitprägte.

Anschließend nennt der Text die Täler. Der entsprechende hebräische Ausdruck bezeichnet hier die Schephela, eine Hügellandschaft zwischen dem zentralen Bergland und der Küstenebene im Westen. Sie besteht nicht einfach aus einem einzigen tiefen Tal. Vielmehr handelt es sich um ein Gebiet mit niedrigen Hügeln, offenen Tälern und natürlichen Verkehrswegen. Besonders im südlichen Kanaan bildete diese Landschaft einen Übergangsraum zwischen den befestigten Städten des Berglandes und den weiter westlich gelegenen Ebenen.

Diese geografische Besonderheit war auch militärisch bedeutsam. Wer die Wege durch die Schephela kontrollierte, konnte den Zugang vom westlichen Tiefland in das Bergland beeinflussen. Städte wie Lachis und Geser gehörten zu den wichtigen Orten dieser größeren Übergangsregion. Ihre Bedeutung lag nicht nur in den Gebäuden und Befestigungen, sondern auch in ihrer Lage an Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen des Landes.

Mit der Ebene ist im hebräischen Text die Araba gemeint. Dieser Begriff bezeichnet die große Senkenlandschaft, zu der das Jordantal und seine südliche Fortsetzung gehören. Die Araba unterscheidet sich deutlich von den Höhen des zentralen Berglandes. Während manche Gebiete fruchtbare Flussniederungen bilden, sind andere Abschnitte trocken und nur dünn besiedelt. Die Übersetzung als Ebene beschreibt deshalb zwar einen Teil ihres Charakters, lässt aber die besondere geografische Lage innerhalb des großen Jordangrabens weniger deutlich erkennen.

Darauf folgen die Abhänge. Diese Bezeichnung erinnert daran, dass die Landschaft Kanaans nicht nur aus klar voneinander getrennten Bergen und Ebenen bestand. Zwischen den Höhenzügen und tiefer gelegenen Regionen befanden sich zahlreiche Hänge, Terrassen und Übergangszonen. Solche Gebiete konnten für Siedlungen, Landwirtschaft und Verkehrswege eine wichtige Rolle spielen. Der hebräische Ausdruck beschreibt die Hanglagen, ohne dass sich daraus für jeden einzelnen Ort eine genaue geografische Zuordnung ableiten ließe.

Anschließend nennt der Erzähler die Wüsten. Dabei sollten wir nicht ausschließlich an ausgedehnte Sandflächen denken. Der biblische Begriff für Wüste kann auch trockene, nur spärlich bewachsene Landschaften und wenig besiedelte Weidegebiete bezeichnen. Manche dieser Regionen konnten zeitweise von Hirten genutzt werden, boten aber wesentlich schwierigere Lebensbedingungen als die fruchtbaren Täler und bewässerten Gebiete. Besonders die Wüste Juda ist in der Bibel als eine solche trockene Landschaft bekannt.

Die letzte Landschaftsangabe lautet in der Schlachter 1951 „gegen Mittag“. Damit ist eine südliche Region gemeint. Der hebräische Begriff Negev kann sowohl den Süden als Himmelsrichtung bezeichnen als auch das trockene Südland Kanaans. Hier liegt die geografische Bedeutung nahe. Der Negev bildete den Übergang von den stärker besiedelten südlichen Gebirgslandschaften zu den trockeneren Gebieten weiter südlich. Bereits Abraham und Isaak hatten sich zeitweise in diesen Regionen aufgehalten, sodass der Name im ersten Buch Mose mehrfach begegnet.

Die Aufzählung dieser verschiedenen Landschaften macht deutlich, dass Israels Feldzüge durch sehr unterschiedliche Gebiete führten. Manche Städte lagen hoch im Gebirge, andere in Hügellandschaften oder in der Nähe großer Täler. Einige Regionen boten gute Voraussetzungen für Landwirtschaft und Viehzucht, während andere nur unter schwierigeren Bedingungen genutzt werden konnten. Für die Israeliten bedeutete die Einnahme des Landes deshalb auch die Begegnung mit unterschiedlichen Siedlungsformen, natürlichen Hindernissen und wirtschaftlichen Voraussetzungen.

Am Ende von Vers 8 nennt der Erzähler sechs Bevölkerungsgruppen, die in diesen Landschaften lebten: Hetiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter. Solche Aufzählungen begegnen bereits in den Büchern Moses. Sie erinnern daran, dass das verheißene Land vor Israels Einzug nicht unbewohnt war. Verschiedene Völker und Gemeinschaften besaßen dort ihre Städte, Dörfer und Herrschaftsgebiete.

Die Namen dürfen allerdings nicht ohne Weiteres wie moderne Staatsangehörigkeiten mit eindeutig festgelegten Grenzen verstanden werden. Der Begriff Kanaaniter kann in der Bibel sowohl eine bestimmte Bevölkerungsgruppe als auch die Bewohner Kanaans im weiteren Sinn bezeichnen. Amoriter ist ebenfalls eine Bezeichnung, deren Verwendung je nach geschichtlichem und biblischem Zusammenhang unterschiedlich weit reicht. Die einzelnen Begriffe stehen deshalb nicht immer für streng voneinander getrennte Bevölkerungen.

Bei den Hetitern ist außerdem Vorsicht geboten. Die Bibel erwähnt bereits in der Geschichte Abrahams Menschen, die als Söhne Heths bezeichnet werden (1. Mose 23). Das große hethitische Reich in Anatolien gehört zwar zum historischen Hintergrund des Alten Orients, doch daraus folgt nicht, dass jede biblische Erwähnung von Hetitern unmittelbar Bewohner oder Vertreter dieses Reiches meint. Die genaue historische Beziehung zwischen den verschiedenen Bezeichnungen muss für den jeweiligen Text gesondert untersucht werden.

Die Jebusiter sind besonders durch ihre Verbindung mit Jerusalem bekannt. Nach Josua 15,63 konnten die Männer Judas die Jebusiter dort nicht vollständig vertreiben. Erst viel später berichtet 2. Samuel 5,6–9 von Davids Einnahme der befestigten Stellung Zion. Gerade dieses Beispiel zeigt, weshalb die Aufzählung der besiegten Könige nicht mit einer vollständigen und dauerhaft gesicherten Herrschaft über alle zuvor kanaanitischen Städte verwechselt werden darf.

Auch die Zahl der genannten Bevölkerungsgruppen verdient Beachtung. In 5. Mose 7,1 werden sieben Völker aufgezählt, darunter zusätzlich die Girgasiter. Josua 12,8 nennt dagegen sechs Gruppen. Das ist zunächst eine Beobachtung über unterschiedliche biblische Aufzählungen. Der Text erklärt nicht, weshalb die Girgasiter hier fehlen. Wir sollten deshalb weder eine bestimmte Ursache behaupten noch daraus schließen, die Bibel wolle mit jeder solchen Liste ein vollständiges Verzeichnis sämtlicher ethnischer Gemeinschaften bieten.

Zusammen bilden die sechs genannten Völker den menschlichen Hintergrund der vorausgegangenen Feldzüge. Die Kämpfe betrafen nicht lediglich unbewohnte Landschaften oder abstrakte politische Grenzen. In den Gebieten lebten Menschen mit eigenen Familien, Siedlungen, religiösen Vorstellungen und Herrschaftsordnungen. Dass die Eroberungen für diese Bevölkerungen schwerwiegende Folgen hatten, gehört zur Wirklichkeit der biblischen Darstellung und darf bei der Betrachtung der Landnahme nicht übersehen werden.

Zugleich erinnert die Liste daran, dass Israel das Land nach dem biblischen Bericht nicht aus eigener Machtvollkommenheit beanspruchte. Die Landverheißung wird auf Gottes Wort an Abraham und seine Nachkommen zurückgeführt. Damit verband sich ein besonderer geschichtlicher Auftrag, dessen Grenzen und Gerichtshandlungen in den Büchern Moses beschrieben werden. Daraus lässt sich jedoch kein allgemeiner Anspruch ableiten, dass spätere Völker im Namen Gottes beliebige fremde Gebiete erobern dürften.

Die Verse 7 und 8 erfüllen somit eine wichtige Aufgabe innerhalb des Kapitels. Sie nennen den geografischen Rahmen der Siege unter Josua, weisen auf die Verteilung des Landes als Erbteil hin und beschreiben die unterschiedlichen Landschaften und Bevölkerungsgruppen Kanaans. Bevor die einzelnen Könige aufgezählt werden, erhält der Leser dadurch ein umfassenderes Bild des Landes, um das in den vorherigen Kapiteln gekämpft worden war.

Nun beginnt der Erzähler mit den Namen der besiegten Herrscher. Den Anfang bilden Jericho und Ai, jene beiden Städte, deren Einnahme unmittelbar nach dem Jordanübergang ausführlich geschildert wurde. Anschließend folgen Könige aus den südlichen Gebieten Kanaans. Damit führt die Liste noch einmal zu den ersten großen Ereignissen unter Josuas Führung zurück und verbindet die einzelnen Siege zu einer gemeinsamen geschichtlichen Bilanz.

Josua 12,9–11

Jericho, Ai und die Könige des südlichen Bündnisses

Mit Vers 9 beginnt die eigentliche Aufzählung der Könige, die Israel unter Josuas Führung westlich des Jordan besiegt hatte. Der Erzähler nennt zunächst Jericho und Ai, anschließend Jerusalem, Hebron, Jarmut und Lachis. Diese Namen führen uns zu den ersten großen Auseinandersetzungen nach dem Einzug in das verheißene Land zurück. Gleichzeitig erinnert die Liste an unterschiedliche Erfahrungen, die Israel während dieser Kämpfe machte. Nicht jeder Sieg wurde auf dieselbe Weise errungen, und nicht jeder Gegner gehörte zu einem großen militärischen Bündnis.

Auffällig ist zunächst die Form der Aufzählung. Der hebräische Text nennt jeweils einen König und fügt das Zahlwort „einer“ hinzu. Damit wird jeder besiegte Herrscher einzeln gezählt, bevor am Ende des Kapitels die Gesamtzahl genannt wird. Der Verfasser erzählt hier also nicht noch einmal die Geschichte jeder Stadt. Er führt die Könige als Bestandteil einer zusammenfassenden Siegesliste auf. Dabei nennt er die Herrscher nach ihren Städten, ohne ihre persönlichen Namen in diesem Abschnitt zu wiederholen.

Den Anfang macht der König von Jericho. Diese Reihenfolge entspricht dem Verlauf der bisherigen Erzählung, denn Jericho war die erste Stadt, deren Einnahme nach dem Jordanübergang ausführlich beschrieben wurde. Ihre Bedeutung lag besonders in ihrer Lage nahe dem westlichen Rand des Jordantals. Wer von Osten nach Kanaan zog, erreichte in dieser Region einen wichtigen Zugang zum Landesinneren. Jericho stand damit am Anfang jenes Weges, der Israel von der Ebene des Jordan in die Berglandschaften Kanaans führte.

Die Geschichte der Stadt wird in Josua 6 erzählt. Gott hatte Josua ungewöhnliche Anweisungen gegeben. Die Israeliten sollten mit der Bundeslade und den Priestern um Jericho ziehen. Sechs Tage lang sollten sie die Stadt jeweils einmal umrunden. Am siebten Tag sollten sie siebenmal um die Stadt ziehen. Nach dem Klang der Posaunen und dem Geschrei des Volkes stürzte die Stadtmauer ein, sodass die Israeliten eindringen konnten.

Gerade diese ungewöhnliche Vorgehensweise hebt die Einnahme Jerichos von gewöhnlichen Belagerungsberichten ab. Die Bibel beschreibt nicht, wie Israel eine lange Belagerung mit aufwendigen Maschinen oder systematischen Angriffen auf die Befestigungen durchführte. Stattdessen steht die genaue Befolgung der göttlichen Anweisung im Mittelpunkt. Der Zusammenbruch der Mauer wird als entscheidendes Ereignis dargestellt, durch das die Stadt für Israel zugänglich wurde.

Josua 12 nennt nun den König Jerichos unter den besiegten Herrschern. Über seine Person erfahren wir allerdings nur wenig. Bereits Josua 6,2 hatte Gott angekündigt, Jericho, seinen König und seine tapferen Krieger in Josuas Hand zu geben. Der Bericht über die Einnahme nennt jedoch keinen persönlichen Namen des Königs und schildert sein individuelles Schicksal nicht gesondert. Wir dürfen deshalb nicht nachträglich eine eigene Geschichte über seine letzten Entscheidungen oder seinen Tod hinzufügen. Sicher ist, dass der Erzähler die königliche Herrschaft über Jericho als besiegt betrachtet.

Zum Verständnis dieses Sieges gehört außerdem die Rettung Rahabs. Die Frau hatte zuvor die israelitischen Kundschafter aufgenommen und geschützt. Sie bekannte, dass der HERR der Gott im Himmel und auf Erden sei (Josua 2,11). Als Jericho erobert wurde, blieben Rahab und ihre Familie am Leben. Ihre Geschichte bildet einen wichtigen Gegenpunkt zum Gericht über die Stadt. Obwohl sie selbst aus Jericho stammte, wurde sie nicht mit dessen übrigen Bewohnern vernichtet.

Die Erinnerung an Rahab zeigt, dass die biblische Erzählung nicht ausschließlich von der Niederlage eines fremden Königs handelt. Sie berichtet zugleich von einer Frau, die Gottes Macht erkannte und entsprechend handelte. Die Stadt verlor ihre bisherige Herrschaft, während Rahab Aufnahme in Israel fand. Diese beiden Entwicklungen gehören zum selben Ereignis und dürfen bei der Betrachtung der Eroberung nicht voneinander getrennt werden.

Als zweiten Herrscher nennt Vers 9 den König von Ai. Der Erzähler fügt ausdrücklich hinzu, dass Ai neben Bethel lag. Diese geografische Bemerkung hilft, den Ort innerhalb des zentralen Berglandes einzuordnen. Ai befand sich nach der biblischen Darstellung in der Nähe Bethels und damit in einer Region, die für Israels weiteren Vormarsch von Bedeutung war. Nachdem Jericho gefallen war, führte der nächste größere Feldzug also aus dem Jordantal hinauf in das Landesinnere.

Die genaue archäologische Identifizierung Ais gehört allerdings zu den schwierigeren Fragen der Landnahmeforschung. Häufig wurde der Ort mit et-Tell östlich von Bethel gleichgesetzt. Dort haben Ausgrabungen bedeutende Überreste einer älteren Stadt freigelegt, doch die Besiedlungsgeschichte wirft Fragen im Verhältnis zur traditionellen Datierung der Landnahme auf. Andere Forscher haben deshalb alternative Orte vorgeschlagen. Keine dieser Zuordnungen darf ohne weitere Begründung als endgültig gesicherte Identifizierung ausgegeben werden.

Für die Auslegung von Josua 12 bleibt entscheidend, dass der biblische Bericht Ai als einen eigenen Herrschaftsort in der Nähe Bethels behandelt. Die Frage nach seiner heutigen archäologischen Lage betrifft die historische Rekonstruktion, verändert aber nicht die grundlegende Aussage des Verses: Auch der König dieser Stadt wurde unter Josua besiegt.

Die Erinnerung an Ai ist mit einer ganz anderen Erfahrung verbunden als die Einnahme Jerichos. Nach dem ersten großen Sieg hatte Josua Männer ausgesandt, um Ai zu erkunden. Aufgrund ihrer Einschätzung rückte zunächst nur ein kleiner Teil des israelitischen Heeres aus. Doch der Angriff scheiterte. Die Männer von Ai schlugen die Israeliten zurück, und sechsunddreißig Männer kamen ums Leben (Josua 7,5).

Der folgende Bericht erklärt die Niederlage durch Achans Übertretung des Bannes. Er hatte Gegenstände aus Jericho an sich genommen, die nach Gottes Anweisung nicht für den persönlichen Besitz bestimmt waren. Dadurch stand Israel nach der biblischen Darstellung unter den Folgen eines schweren Ungehorsams. Erst nachdem diese Angelegenheit aufgedeckt und gerichtet worden war, erhielt Josua den Auftrag, erneut gegen Ai zu ziehen.

In Josua 8 wird deshalb von einem zweiten Angriff berichtet. Diesmal gab Gott Josua eine konkrete militärische Anweisung. Ein Teil der israelitischen Streitkräfte sollte sich hinter der Stadt in einen Hinterhalt legen. Als die Männer von Ai die vermeintlich zurückweichenden Israeliten verfolgten, konnte die verborgene Abteilung in die Stadt eindringen. Die kanaanitischen Verteidiger gerieten dadurch zwischen die israelitischen Streitkräfte.

Die Einnahme Ais unterscheidet sich also deutlich von der Eroberung Jerichos. Bei Jericho stand das ungewöhnliche Umziehen der Stadt im Mittelpunkt, bei Ai beschreibt der Text ein militärisches Vorgehen mit einem Hinterhalt. Beide Berichte führen den Sieg auf Gottes Hilfe zurück, schildern jedoch unterschiedliche Wege, auf denen Israel zum Erfolg gelangte.

Auch der König Ais erhält im Gegensatz zum König Jerichos einen eigenen Bericht über sein Ende. Nach Josua 8,23 wurde er lebendig gefangen genommen und vor Josua gebracht. Später wurde er getötet und sein Leichnam bis zum Abend an einen Baum gehängt. Anschließend wurde er am Eingang des Stadttores niedergelegt und mit einem großen Steinhaufen bedeckt. Diese Einzelheiten zeigen, dass die Niederlage Ais in der biblischen Erzählung nicht nur den Verlust einer Stadt, sondern auch das Ende ihrer bisherigen Königsherrschaft bedeutete.

Dass Josua 12 Jericho und Ai unmittelbar nebeneinander nennt, ist daher besonders aufschlussreich. Die erste Stadt erinnert an einen außergewöhnlichen Sieg, die zweite an eine schwere Niederlage, die erst nach der Aufdeckung des Ungehorsams überwunden wurde. Aus der späteren Siegesliste allein wäre dieser Unterschied nicht mehr erkennbar. Erst die Verbindung mit den vorausgegangenen Kapiteln zeigt, welche Erfahrungen hinter den beiden Namen stehen.

Mit Vers 10 beginnt eine andere Gruppe von Königen. Nun wird zuerst der König von Jerusalem genannt. Dabei handelt es sich um Adoni-Zedek, der in Josua 10,1–3 ausdrücklich als König Jerusalems vorgestellt wird. Als er erfuhr, dass Gibeon einen Friedensbund mit Israel geschlossen hatte, sah er darin eine ernste Bedrohung. Gibeon war eine bedeutende Stadt und verfügte über kampffähige Männer. Wenn sie nun nicht mehr zu den Gegnern Israels gehörte, veränderte sich das politische Kräfteverhältnis in der Region.

Adoni-Zedek reagierte darauf, indem er vier weitere Könige zum gemeinsamen Vorgehen gegen Gibeon aufrief. Das Bündnis richtete sich zunächst gegen jene Stadt, die Frieden mit Israel geschlossen hatte. Die verbündeten Herrscher wollten Gibeon bestrafen und zugleich verhindern, dass weitere Städte seinem Beispiel folgten. Der Text beschreibt ihre Absicht ausdrücklich als gemeinsamen Angriff auf Gibeon.

Als die Gibeoniter von den vereinten Heeren bedroht wurden, baten sie Josua um Hilfe. Damit entstand für Israel eine wichtige Verpflichtung. Der Friedensbund mit Gibeon war zwar durch eine Täuschung zustande gekommen, dennoch hatten die israelitischen Obersten einen Eid geleistet. Josua zog deshalb mit seinen Männern aus, um die verbündete Stadt zu verteidigen.

In Josua 10 wird berichtet, dass Gott Josua vor diesem Kampf ausdrücklich ermutigte und ihm den Sieg zusagte. Die Israeliten griffen die vereinten Könige überraschend an. Die Gegner wurden geschlagen und verfolgt. Der Bericht erzählt außerdem von großen Hagelsteinen und dem außergewöhnlichen Geschehen um Sonne und Mond, durch das die Dauer der Verfolgung besonders hervorgehoben wird. Die Schlacht gehört damit zu den eindrucksvollsten militärischen Ereignissen des gesamten Josuabuches.

Adoni-Zedek konnte mit den übrigen verbündeten Königen zunächst entkommen. Die fünf Herrscher versteckten sich in einer Höhle bei Makkeda. Dort wurden sie entdeckt und eingeschlossen. Nach dem Ende der Verfolgung ließ Josua sie herausbringen. Die Könige wurden getötet, und ihre Leichname wurden bis zum Abend aufgehängt. Anschließend wurden sie in die Höhle gelegt, die man mit großen Steinen verschloss (Josua 10,16–27).

Die Erwähnung Jerusalems in Josua 12 erinnert also an die Niederlage seines Königs und an das Scheitern des von ihm angeführten Bündnisses. Dabei muss jedoch ein wichtiger Unterschied beachtet werden: Josua 10 berichtet ausführlich vom Sieg über Adoni-Zedek, aber nicht von einer unmittelbar anschließenden dauerhaften israelitischen Besetzung Jerusalems.

Diese Unterscheidung wird durch spätere Bibelstellen bestätigt. In Josua 15,63 heißt es, dass die Männer Judas die Jebusiter in Jerusalem nicht vertreiben konnten. Richter 1,8 berichtet zwar von einer Einnahme und Brandzerstörung Jerusalems durch Juda, doch Richter 1,21 nennt weiterhin dort lebende Jebusiter. Erst in 2. Samuel 5 wird beschrieben, wie David die befestigte Stellung Zion einnahm und Jerusalem zu seinem Herrschaftszentrum machte.

Die verschiedenen Berichte lassen erkennen, dass militärische Siege und die dauerhafte Kontrolle über eine Stadt nicht zwangsläufig zusammenfielen. Eine Stadt konnte ihren König verlieren, zeitweise eingenommen werden oder bestimmte Stadtteile weiterhin unter der Herrschaft ihrer bisherigen Bewohner behalten. Welche genaue zeitliche Entwicklung hinter den unterschiedlichen Jerusalemberichten stand, wird nicht in jeder Einzelheit erklärt. Für Josua 12 ist vor allem entscheidend, dass die Niederlage des Königs ausdrücklich bezeugt wird.

Als nächsten Herrscher nennt Vers 10 den König von Hebron. Sein Name war Hoham, wie Josua 10,3 berichtet. Auch er gehörte zu dem Bündnis, das Adoni-Zedek gegen Gibeon zusammengestellt hatte. Hebron lag im südlichen Bergland Kanaans und war eine alte und bedeutende Stadt. Ihre Lage in einer bergigen Region verlieh ihr einen anderen geografischen Charakter als den Städten der westlichen Hügellandschaft.

Hebron besitzt innerhalb der Bibel eine besondere Vorgeschichte. Bereits Abraham hielt sich in dieser Gegend auf und errichtete dort einen Altar für den HERRN (1. Mose 13,18). Später erwarb er bei Hebron die Höhle Machpela als Begräbnisstätte für Sara (1. Mose 23). Nach dem Bericht der Genesis wurden dort auch Abraham, Isaak und Jakob begraben. Die Stadt war deshalb schon lange vor Josuas Feldzügen eng mit der Geschichte der Erzväter verbunden.

Eine weitere Verbindung besteht zur ersten Erkundung Kanaans. In 4. Mose 13,22 wird Hebron als ein Ort genannt, an dem die Kundschafter Angehörige der Enakiter sahen. Die dort lebenden Menschen gehörten zu jenen Gruppen, deren Größe und Stärke bei vielen Israeliten große Furcht auslösten. Als die Kundschafter später vor dem Volk berichteten, trugen diese Eindrücke zur ablehnenden Haltung gegenüber dem Einzug in das Land bei.

Unter den Kundschaftern befand sich Kaleb, der gemeinsam mit Josua dazu aufrief, Gottes Verheißung zu vertrauen. Später erhielt Kaleb gerade das Bergland um Hebron als Erbteil. In Josua 14,12–14 bittet er ausdrücklich um das Gebiet, in dem die Enakiter und befestigten Städte waren. Die Geschichte Hebrons verbindet damit die Erinnerung an frühere Zweifel mit der späteren Besitznahme des Landes.

Allerdings ist auch hier eine sorgfältige Unterscheidung nötig. Josua 10 berichtet von der militärischen Eroberung Hebrons, und Josua 12 nennt dessen König unter den Besiegten. Josua 14 und 15 schildern dagegen Kalebs spätere Rolle bei der Einnahme des Gebietes und der Vertreibung der dort lebenden Enakiter. Wie diese Vorgänge zeitlich genau ineinandergreifen, erklärt der Text nicht vollständig. Es wäre deshalb ungenau, sämtliche Berichte ohne weitere Prüfung zu einem einzigen Kampf zusammenzufassen.

Die Niederlage Hohams beendete nach Josua 10 seine persönliche Herrschaft. Die spätere Geschichte Hebrons zeigt jedoch, dass die Sicherung des Landes und die tatsächliche Vertreibung verbliebener Bewohner weitere Anstrengungen erfordern konnten. Gerade deshalb ist die Erwähnung seines Königs in Josua 12 nicht mit der Aussage gleichzusetzen, dass von diesem Zeitpunkt an alle Angelegenheiten der Stadt endgültig geregelt gewesen seien.

Vers 11 setzt die Aufzählung mit zwei weiteren Herrschern des südlichen Bündnisses fort. Der erste ist der König von Jarmut. In Josua 10,3 wird sein Name mit Piram angegeben. Jarmut gehörte zu den Städten, deren Könige sich dem Aufruf Adoni-Zedeks angeschlossen hatten. Damit stand auch dieser Herrscher auf der Seite des Bündnisses, das gegen Gibeon zog und schließlich von Israel besiegt wurde.

Jarmut wird gewöhnlich im westlichen Hügelland Judas gesucht. Eine verbreitete Identifizierung verbindet den biblischen Ort mit Tel Jarmut, auch als Khirbet Yarmuk bekannt, im Bereich westlich des judäischen Berglandes. Dort haben archäologische Untersuchungen bedeutende Siedlungsspuren aus der Bronzezeit festgestellt. Die Funde zeigen, dass sich in dieser Landschaft bereits lange vor der israelitischen Königszeit größere befestigte Siedlungen befanden.

Allerdings beweisen solche Überreste nicht unmittelbar, dass der in Josua 10 genannte König Piram historisch genau an diesem Ort regierte. Für die Identifizierung einer biblischen Stadt müssen geografische Angaben, Namen, archäologische Befunde und die zeitliche Einordnung gemeinsam betrachtet werden. Eine plausible Ortsbestimmung und der unabhängige Nachweis eines bestimmten biblischen Herrschers sind zwei verschiedene Fragen.

Die Erwähnung Jarmuts macht zugleich deutlich, dass das Bündnis gegen Gibeon nicht ausschließlich aus den bekanntesten Städten des Landes bestand. Neben Jerusalem und Hebron beteiligten sich weitere regionale Herrscher, die über eigene Städte und deren Umgebung verfügten. Ihre Zusammenarbeit zeigt, wie ernst sie die Veränderungen einschätzten, die durch Israels Vordringen und den Friedensschluss Gibeons entstanden waren.

Als letzten König dieses Versabschnittes nennt der Erzähler den Herrscher von Lachis. Sein persönlicher Name war Japhia (Josua 10,3). Auch er gehörte zu den fünf Königen des Bündnisses. Lachis war eine bedeutende Stadt im südwestlichen Teil Kanaans und lag an wichtigen Verbindungen zwischen der Küstenregion und dem Bergland Judas.

Die Stadt wird heute mit Tel Lachisch beziehungsweise Tell ed-Duweir identifiziert. Diese Zuordnung ist archäologisch gut begründet. Ausgrabungen haben dort Überreste verschiedener Besiedlungs- und Zerstörungsphasen freigelegt. Die Stadt besaß über viele Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Stellung in der Region. Ihre spätere Geschichte reicht bis in die Zeit der israelitischen und judäischen Könige.

Besonders bekannt wurde Lachis durch einen weit späteren Krieg. Im Jahr 701 v. Chr. eroberte der assyrische König Sanherib die Stadt während seines Feldzuges gegen Juda. Assyrische Reliefdarstellungen aus Ninive zeigen die Belagerung und Einnahme von Lachis. Diese historischen Zeugnisse gehören allerdings zu einer anderen Epoche als die Landnahme unter Josua. Sie beweisen deshalb nicht unmittelbar die Ereignisse aus Josua 10. Sie verdeutlichen vielmehr, dass Lachis auch viele Jahrhunderte später noch eine militärisch und politisch wichtige Stadt war.

Für Josuas Zeit ist besonders die Lage von Lachis bedeutsam. Ein Herrscher, der über diese Stadt verfügte, konnte Einfluss auf Wege zwischen verschiedenen Landschaften des südlichen Kanaan ausüben. Deshalb war Lachis ein gewichtiger Teilnehmer des Bündnisses. Die Vereinigung mehrerer solcher Herrschaftszentren stellte für Israel eine ernst zu nehmende militärische Bedrohung dar.

Nach Josua 10,31–32 zog Israel später auch gegen Lachis selbst. Der Bericht erklärt, dass die Stadt nach zweitägigem Kampf eingenommen wurde. Hier wird ein wichtiger Unterschied zwischen zwei Ereignissen sichtbar: Der König von Lachis war bereits im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Angriff auf Gibeon besiegt worden, während die spätere Einnahme seiner Stadt als eigener Vorgang geschildert wird.

Gerade dieses Beispiel hilft, die Königsübersicht in Josua 12 richtig zu lesen. Sie nennt die Herrscher, die Israel besiegt hatte, und fasst damit die politischen und militärischen Ergebnisse der Feldzüge zusammen. Die einzelnen Stadteroberungen und die Niederlagen ihrer Könige fanden jedoch nicht in jedem Fall gleichzeitig statt. Die Liste ordnet diese Ereignisse zu einer gemeinsamen Bilanz, ohne sämtliche zeitlichen Unterschiede erneut zu erklären.

Die ersten sechs Könige der Aufzählung stehen somit für verschiedene Abschnitte der Landnahme. Jericho erinnert an den ersten großen Sieg nach dem Jordanübergang. Ai führt zu der Erfahrung, dass Ungehorsam schwerwiegende Folgen hatte und Israel seine Aufgabe erst nach der Bereinigung dieser Schuld fortsetzen konnte. Jerusalem, Hebron, Jarmut und Lachis erinnern an das Bündnis der südlichen Könige, das sich gegen Gibeon zusammengeschlossen hatte.

Hinter den Namen stehen außerdem unterschiedliche Landschaften und ältere geschichtliche Verbindungen. Jericho lag am Zugang vom Jordantal, Ai im zentralen Bergland, Hebron in einer Region, die bereits mit Abraham und Kaleb verbunden war. Jarmut und Lachis gehörten zu den bedeutenden Siedlungen der westlichen Hügellandschaften. Die Aufzählung zeigt damit, dass die Eroberungen nicht auf einen einzigen Ort oder eine einheitliche Art von Gegner beschränkt waren.

Zugleich bewahrt die Rückschau vor einer vereinfachten Darstellung der Geschichte. Ein besiegter König bedeutete nicht automatisch eine dauerhaft besiedelte Stadt. Ein gewonnener Feldzug bedeutete nicht, dass der Widerstand in der gesamten Region vollständig verschwunden war. Und ein militärischer Erfolg erklärte noch nicht, wie Israel später mit dem empfangenen Land umgehen würde. Diese Unterschiede werden gerade durch den Vergleich der Königsnamen mit den ausführlichen Berichten der vorherigen Kapitel sichtbar.

So beginnt die Liste mit Städten, deren Geschichten bereits ausführlich erzählt wurden. Der Erzähler setzt voraus, dass diese Ereignisse im Gedächtnis Israels geblieben sind. Indem er die Könige nun nacheinander nennt, macht er sichtbar, wie viele einzelne Kämpfe und Entscheidungen hinter der zusammenfassenden Aussage stehen, dass Josua das Land eingenommen hatte.

Doch die sechs bisher genannten Herrscher bilden erst den Anfang. Weitere Könige aus den südlichen Gebieten folgen, darunter Eglon, Geser, Debir und mehrere Städte, die in den bisherigen Erzählungen nur kurz oder gar nicht einzeln beschrieben wurden. Ihre Namen erweitern das Bild der Landnahme und zeigen, dass die biblische Siegesübersicht über die ausführlich geschilderten Schlachten hinausreicht.

Josua 12,12–17

Die weiteren Könige des Südens und der Übergang zum Landesinneren

Nachdem der Erzähler die Könige von Jerusalem, Hebron, Jarmut und Lachis genannt hat, setzt er in Vers 12 die Aufzählung mit Eglon und Geser fort. Beide Städte gehörten zum südlichen beziehungsweise westlichen Teil Kanaans, doch ihre Rolle während der Landnahme war unterschiedlich. Während Eglon zu den fünf Königreichen gehörte, die sich unter der Führung Jerusalems gegen Gibeon zusammengeschlossen hatten, trat Geser in einem anderen Zusammenhang in die Kämpfe ein. Die gemeinsame Erwähnung erinnert daran, dass die Eroberungen nicht ausschließlich aus den großen Bündnisschlachten bestanden.

Der König von Eglon hieß Debir. Sein Name wird bereits in Josua 10,3 genannt, wo er neben den Herrschern von Jerusalem, Hebron, Jarmut und Lachis erscheint. Als diese Könige gemeinsam gegen Gibeon zogen, gehörte auch Debir zu den Anführern des feindlichen Heeres. Nach der Niederlage des Bündnisses floh er mit den übrigen Königen und versteckte sich in einer Höhle bei Makkeda. Dort wurden die Herrscher entdeckt, später gefangen genommen und getötet.

Der Name Debir verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er im nächsten Vers erneut erscheint. Dort bezeichnet er jedoch nicht mehr den König von Eglon, sondern eine Stadt. Der König namens Debir und die Stadt Debir sind ausdrücklich voneinander zu unterscheiden. Dass beide denselben Namen tragen, bedeutet nicht, dass der Herrscher von Eglon zugleich König der Stadt Debir gewesen wäre.

Nach dem Sieg über die fünf verbündeten Könige führte Josua weitere Feldzüge gegen ihre Städte. In Josua 10,34–35 wird die Einnahme Eglons geschildert. Damit berichtet die Bibel sowohl von der Niederlage des Königs im gemeinsamen Feldzug als auch von der späteren Eroberung seines Herrschaftszentrums. Josua 12 fasst diese Ereignisse nun unter der Bezeichnung „König von Eglon“ zusammen.

Eglon wird im südwestlichen Kanaan gesucht, wahrscheinlich im Bereich der westlichen Hügellandschaften. Häufig wird die Stadt mit Tel Eton in Verbindung gebracht. Diese Identifizierung ist jedoch nicht zweifelsfrei gesichert. Für die biblische Erzählung steht fest, dass Eglon zu den südlichen Königreichen gehörte und eine bedeutende Rolle im Bündnis gegen Gibeon spielte. Die genaue Zuordnung zu einer heutigen Ausgrabungsstätte bleibt eine historische Forschungsfrage.

Als zweiten Herrscher nennt Vers 12 den König von Geser. Sein persönlicher Name war Horam, wie Josua 10,33 berichtet. Anders als die fünf Könige des ursprünglichen Bündnisses tritt Horam erst während der anschließenden Kämpfe in Erscheinung. Als Josua gegen Lachis zog, kam der König von Geser mit seinem Heer, um der bedrängten Stadt zu helfen. Sein Eingreifen zeigt, dass die kanaanitischen Herrscher auch außerhalb des ursprünglichen Bündnisses versuchten, einander gegen Israels Vormarsch zu unterstützen.

Der Bericht erklärt, dass Josua Horam und seine Streitkräfte besiegte. Bemerkenswert ist jedoch, was er nicht sagt: Josua 10,33 berichtet nicht ausdrücklich von einer gleichzeitigen Einnahme der Stadt Geser. Der König wurde geschlagen, aber daraus folgt nicht automatisch, dass seine Stadt anschließend vollständig unter israelitische Kontrolle gelangte.

Diese Unterscheidung wird durch spätere Bibelstellen besonders wichtig. In Josua 16,10 heißt es, dass die Kanaaniter in Geser nicht vertrieben wurden. Sie blieben unter den Ephraimitern wohnen und wurden zu Frondiensten verpflichtet. Noch in 1. Könige 9,16 begegnet Geser als Stadt, die der Pharao von Ägypten eroberte und verbrannte, bevor er sie seiner Tochter, der Frau Salomos, als Mitgift gab.

Zwischen den Ereignissen unter Josua und der Zeit Salomos liegen viele Generationen. Dennoch zeigen diese Berichte, dass Geser eine längere und wechselvolle Geschichte besaß. Die Niederlage Horams bedeutete nicht, dass die kanaanitische Bevölkerung der Stadt damit endgültig verschwunden war. Gerade Geser ist daher ein besonders anschauliches Beispiel dafür, weshalb die Liste besiegter Könige nicht mit einem vollständigen Verzeichnis dauerhaft eroberter und besiedelter Städte verwechselt werden darf.

Auch historisch war Geser ein bedeutender Ort. Die Stadt lag an wichtigen Verkehrswegen zwischen der Küstenebene und dem zentralen Bergland. Ihre Lage ermöglichte es, Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen Kanaans zu beeinflussen. Archäologische Ausgrabungen haben umfangreiche Siedlungs- und Befestigungsreste aus unterschiedlichen Epochen freigelegt. Die Identifizierung des biblischen Geser mit Tel Geser gilt als gut begründet. Allerdings müssen die einzelnen archäologischen Schichten jeweils für sich datiert werden. Nicht jede dort entdeckte Zerstörung lässt sich automatisch mit einem bestimmten biblischen Feldzug verbinden.

In Vers 13 folgen die Könige von Debir und Geder. Zunächst richtet sich der Blick auf Debir, eine Stadt im südlichen Bergland Kanaans. Sie wird bereits in Josua 10,38–39 erwähnt. Dort berichtet der Erzähler, dass Josua nach der Einnahme Hebrons gegen Debir zog und die Stadt eroberte. Auch ihr König wurde besiegt.

Debir ist außerdem unter einem älteren Namen bekannt. In Josua 15,15 heißt es, dass die Stadt früher Kirjat-Sepher genannt wurde. Richter 1,11 überliefert dieselbe Bezeichnung. Der Name wird häufig mit einer „Schriftstadt“ oder einer Stadt des Buches in Verbindung gebracht, doch seine genaue historische Bedeutung ist nicht sicher geklärt. Daraus darf nicht ohne zusätzliche Beweise geschlossen werden, dass Debir ein großes Zentrum für Bibliotheken oder besondere Schriftgelehrsamkeit gewesen sei.

Eine wichtige Verbindung besteht zur späteren Geschichte Kalebs. Nach Josua 15,16–17 versprach Kaleb demjenigen, der Kirjat-Sepher einnehmen würde, seine Tochter Achsa zur Frau. Othniel, ein Verwandter Kalebs, eroberte die Stadt und erhielt Achsa zur Frau. Damit begegnet Debir sowohl innerhalb der großen Eroberungsfeldzüge Josuas als auch in der Geschichte der späteren Besitznahme einzelner Stammesgebiete.

Wie diese Berichte zeitlich im Einzelnen zusammenhängen, wird nicht vollständig erklärt. Möglich ist, dass Josua 10 den militärischen Sieg zusammenfasst, während Josua 15 einen weiteren Abschnitt der endgültigen Einnahme oder Sicherung des Gebietes beschreibt. Auch eine zwischenzeitliche Veränderung der Herrschaftsverhältnisse wird diskutiert. Der Bibeltext legt sich jedoch nicht ausdrücklich auf eine dieser Rekonstruktionen fest.

Für das Verständnis von Josua 12 genügt zunächst die Feststellung, dass der König von Debir zu den unter Josua besiegten Herrschern gehörte. Die späteren Berichte zeigen zugleich, dass die Geschichte der Stadt mit dieser Niederlage noch nicht abgeschlossen war.

Der zweite König in Vers 13 herrschte über Geder. Über diesen Ort erfahren wir wesentlich weniger. In den ausführlichen Berichten der vorausgegangenen Feldzüge wird keine eigenständige Schlacht um Geder geschildert. Auch der persönliche Name seines Königs ist nicht überliefert. Der Erzähler setzt lediglich voraus, dass dieser Herrscher zu den besiegten Königen gehörte.

Die geografische Lage Geders ist nicht eindeutig geklärt. Manche Ausleger bringen den Ort mit Gedor im Bergland Judas in Verbindung, das in Josua 15,58 genannt wird. Diese Gleichsetzung ist jedoch nicht ausdrücklich durch den Bibeltext gesichert. Ähnliche Ortsnamen können in verschiedenen Gegenden vorkommen, weshalb eine bloße sprachliche Ähnlichkeit noch keinen sicheren Nachweis darstellt.

Gerade Geder macht eine Besonderheit der Königsübersicht sichtbar. Nicht jeder besiegte Herrscher hatte zuvor einen ausführlichen Platz in der Erzählung erhalten. Der Verfasser nennt auch Königreiche, deren Eroberung er nicht mit eigenen Schlachtberichten beschrieben hat. Die Liste umfasst damit mehr, als der Leser allein aus den ausführlich erzählten Ereignissen entnehmen könnte.

Vers 14 führt anschließend weiter in die südlichen Gebiete Kanaans. Dort werden die Könige von Horma und Arad genannt. Beide Namen sind bereits aus der Wüstenwanderung bekannt und stehen mit Ereignissen in Verbindung, die sich noch vor dem eigentlichen Einzug Israels in Kanaan ereigneten.

Horma besitzt eine besonders ernste Vorgeschichte. In 4. Mose 14 wird berichtet, dass Israel nach dem ungläubigen Bericht der Kundschafter nicht in das verheißene Land ziehen wollte. Als Gott daraufhin ankündigte, dass die damalige Generation das Land nicht betreten werde, versuchten einige Israeliten dennoch, eigenmächtig vorzurücken. Mose warnte sie ausdrücklich davor, weil der HERR nicht mit ihnen ziehen würde. Sie hörten jedoch nicht auf ihn.

Die Amalekiter und Kanaaniter besiegten die vordringenden Israeliten und verfolgten sie bis Horma. Damit wurde die Gegend zu einem Ort, der mit den Folgen eines eigenmächtigen Angriffs verbunden war. Die Israeliten hatten zunächst den gebotenen Einzug aus Furcht verweigert und anschließend versucht, ihre frühere Entscheidung durch einen Angriff gegen Gottes ausdrückliche Warnung rückgängig zu machen.

Der Name Horma hängt sprachlich mit dem hebräischen Wortfeld des Bannes zusammen. Er erinnert an das vollständige Übergeben beziehungsweise Vernichten dessen, was dem Bann unterstellt wurde. Auch in 4. Mose 21,1–3 begegnet dieser Name im Zusammenhang mit einem Kampf gegen kanaanitische Gegner. Dort bittet Israel Gott um Hilfe und legt ein Gelübde ab. Nach dem Sieg wird die Gegend Horma genannt.

Hinzu kommt Richter 1,17. Dort berichtet die Bibel, dass die Stämme Juda und Simeon gegen die Kanaaniter von Zephat kämpften, die Stadt dem Bann weihten und sie Horma nannten. Damit besitzen wir mehrere Berichte, die denselben Namen mit unterschiedlichen Abschnitten der Geschichte Israels verbinden.

Wie diese Ereignisse genau zueinander stehen, ist umstritten. Möglich sind wiederholte Kämpfe in derselben Region, eine spätere erneute Einnahme oder eine unterschiedliche erzählerische Zuordnung der Namensgebung. Die Bibel legt keine vollständige Chronologie vor, die sämtliche Fragen eindeutig beantwortet. Deshalb wäre es ungenau, die Vorgänge aus 4. Mose 14, 4. Mose 21, Josua 12 und Richter 1 ohne weitere Begründung als ein einziges Ereignis zu behandeln.

Fest steht jedoch, dass Horma im südlichen Grenzgebiet Kanaans lag und mehrfach mit militärischen Auseinandersetzungen verbunden wird. Während die erste Erwähnung an Israels Niederlage und Ungehorsam erinnert, erscheint in Josua 12 ein König von Horma unter den besiegten Herrschern. Der Ort gehört damit zu jener Landschaft, in der Israel bereits vor dem Jordanübergang schwere Erfahrungen gemacht hatte.

Als zweiten Herrscher nennt Vers 14 den König von Arad. Auch dieser Name begegnet bereits in 4. Mose 21,1. Dort wird von einem kanaanitischen König von Arad berichtet, der im Südland wohnte und gegen Israel kämpfte. Er hatte vom Anmarsch der Israeliten gehört und griff sie an. Dabei gelang es ihm zunächst, einige Israeliten gefangen zu nehmen.

Nach dem Bericht wandte sich das Volk daraufhin an Gott und erhielt den Sieg über die kanaanitischen Gegner. Die genaue geografische und zeitliche Beziehung zwischen diesem Ereignis und der Erwähnung Arads in Josua 12 ist nicht vollständig geklärt. Die Liste unter Josua muss deshalb sorgfältig von den bereits unter Mose geschilderten Kämpfen unterschieden werden.

Arad wird gewöhnlich im nördlichen Negev gesucht. Die Ausgrabungsstätte Tel Arad gehört zu den bekanntesten archäologischen Fundplätzen dieser Region. Dort wurden bedeutende Überreste einer Stadt aus der frühen Bronzezeit sowie einer späteren israelitischen Festungsanlage entdeckt. Die Besiedlungsgeschichte weist jedoch zeitliche Lücken auf, die für die Identifizierung der Stadt aus den Landnahmeberichten Schwierigkeiten bereiten.

Einige Forscher vermuten deshalb, dass der Name Arad zeitweise eine größere Region bezeichnete oder dass sich die kanaanitische Siedlung an einem anderen Ort in der Umgebung befand. Andere Modelle versuchen, die archäologischen Befunde mit einer früheren Datierung der Landnahme zu verbinden. Eine vollständige Übereinstimmung zwischen sämtlichen Datierungsmodellen und den erhaltenen Siedlungsspuren ist nicht nachgewiesen.

Die biblische Aussage bleibt davon zu unterscheiden. Josua 12 nennt einen König von Arad unter den besiegten Herrschern. Der Text liefert jedoch keine genaue Beschreibung seiner Stadtanlage und keine unmittelbar überprüfbare archäologische Datierung. Für eine historische Rekonstruktion müssen deshalb sowohl die biblischen Angaben als auch die archäologischen Schwierigkeiten berücksichtigt werden.

In Vers 15 setzt sich die Aufzählung mit Libna und Adullam fort. Libna war bereits während der südlichen Feldzüge Josuas erobert worden. Nach Josua 10,29–30 zog das israelitische Heer von Makkeda nach Libna. Dort kämpften die Israeliten gegen die Stadt und ihren König, bis beide besiegt waren. Der Erzähler hebt dabei ausdrücklich hervor, dass der HERR auch Libna in Israels Hand gab.

Libna wird im westlichen beziehungsweise südwestlichen Teil Judas gesucht. Die genaue archäologische Identifizierung ist nicht unumstritten. Verschiedene Ausgrabungsstätten sind vorgeschlagen worden, darunter Tel Burna. Welche davon dem biblischen Libna entspricht, ist weiterhin Gegenstand historischer und archäologischer Untersuchungen.

Später wird Libna erneut in der Geschichte Judas erwähnt. Nach 2. Könige 8,22 fiel die Stadt während der Herrschaft Jorams von Juda ab. In 2. Könige 19,8 erscheint sie im Zusammenhang mit dem assyrischen Feldzug Sanheribs. Diese späteren Erwähnungen zeigen, dass Libna auch nach der Landnahme als bedeutender Ort in der Region bestand.

Die unterschiedlichen Berichte dürfen jedoch nicht zu einem einzigen geschichtlichen Ereignis verbunden werden. Zwischen Josuas Feldzügen und den assyrischen Angriffen lagen viele Jahrhunderte. Josua 12 erinnert an die frühe Niederlage des kanaanitischen Königs. Die Königsbücher berichten dagegen von den politischen und militärischen Auseinandersetzungen einer wesentlich späteren Zeit.

Auf Libna folgt der König von Adullam. Über seine Niederlage enthält das Josuabuch keinen ausführlichen eigenen Schlachtbericht. Die Stadt wird jedoch später mehrfach erwähnt und lässt sich dem westlichen Hügelland Judas zuordnen. In Josua 15,35 gehört Adullam zu den Städten des judäischen Erbteils.

Besonders bekannt wurde Adullam durch die Geschichte Davids. Nachdem David vor Saul fliehen musste, zog er sich nach 1. Samuel 22,1 in die Höhle Adullam zurück. Dort fanden sich seine Brüder und weitere Angehörige seiner Familie bei ihm ein. Später versammelten sich auch Menschen, die in Not geraten waren oder unter Schulden und Bedrängnis litten. David wurde zum Anführer dieser Gruppe.

Die Erwähnung der Höhle erinnert an die besondere Landschaft der westlichen Hügelländer, in denen zahlreiche natürliche Höhlen vorkommen. Solche Orte konnten Menschen Schutz bieten, die vor Verfolgern fliehen mussten. Dennoch sollte aus der Geschichte Davids nicht geschlossen werden, dass der König von Adullam zur Zeit Josuas dieselbe Höhle als Festung oder Wohnort nutzte. Darüber berichtet der Text nichts.

Die Verbindung zwischen Josua und David zeigt vielmehr, dass einzelne Orte im Laufe der biblischen Geschichte ganz unterschiedliche Bedeutungen gewinnen konnten. Adullam erscheint zunächst als Sitz eines besiegten kanaanitischen Königs. Viele Generationen später wird die Umgebung zu einem Zufluchtsort für den Mann, der einmal König über Israel werden sollte.

Vers 16 nennt anschließend Makkeda und Bethel. Makkeda war bereits während des Feldzuges gegen die fünf verbündeten Könige von besonderer Bedeutung. Nach Josua 10,16 hatten sich die geschlagenen Herrscher in einer Höhle bei Makkeda versteckt. Als Josua davon erfuhr, ließ er große Steine vor den Eingang bringen und stellte Männer zur Bewachung auf. Die übrigen israelitischen Streitkräfte sollten zunächst die fliehenden Gegner verfolgen.

Erst nach dem Ende der Verfolgung wurden die fünf Könige aus der Höhle herausgebracht und getötet. Ihre Leichname wurden anschließend dort niedergelegt, und der Eingang wurde mit Steinen verschlossen. Die Höhle wurde dadurch zu einem sichtbaren Erinnerungsort an den Zusammenbruch des südlichen Bündnisses.

Doch die Geschichte Makkedas endete nicht mit diesem Ereignis. Josua 10,28 berichtet ausdrücklich von der Einnahme der Stadt selbst und der Niederlage ihres Königs. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die fünf gefangenen Könige nicht mit dem König von Makkeda gleichgesetzt werden dürfen. Sie hatten sich bei Makkeda versteckt, herrschten aber über Jerusalem, Hebron, Jarmut, Lachis und Eglon. Der König von Makkeda gehörte als weiterer Herrscher zur Liste der unter Josua Besiegten.

Der genaue Standort Makkedas ist bis heute nicht zweifelsfrei bestimmt. Die Erzählung erwähnt eine Höhle, liefert aber keine vollständigen geografischen Angaben, durch die sich der Ort sicher mit einer heutigen Ausgrabungsstätte verbinden ließe. Verschiedene Lokalisierungen sind vorgeschlagen worden. Eine bestimmte Höhle als jene aus Josua 10 auszugeben, wäre deshalb ohne eindeutige Belege nicht gerechtfertigt.

Als zweiten König nennt Vers 16 den Herrscher von Bethel. Diese Stadt besitzt innerhalb der Bibel eine lange Geschichte, die weit vor Josuas Zeit beginnt. In 1. Mose 28 berichtet die Schrift, dass Jakob auf seiner Flucht vor Esau an einem Ort übernachtete und einen bemerkenswerten Traum hatte. Er sah eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, auf der Engel Gottes auf- und niederstiegen. Der HERR bestätigte ihm dabei die Verheißungen, die bereits Abraham und Isaak erhalten hatten.

Als Jakob erwachte, erkannte er die besondere Bedeutung dieses Ortes. Er nannte ihn Bethel, was „Haus Gottes“ bedeutet. Zuvor hatte die Stadt nach dem Bericht den Namen Lus getragen. Später kehrte Jakob nach Bethel zurück, um dort einen Altar zu errichten (1. Mose 35,1–7).

Für die Geschichte Israels war Bethel damit eng mit der Erinnerung an Gottes Verheißungen verbunden. Doch zur Zeit Josuas befand sich die Stadt nach der biblischen Darstellung noch unter kanaanitischer Herrschaft. Der König von Bethel erscheint nun unter den besiegten Herrschern. Dadurch steht ein Ort, der bereits mit Jakobs Gottesbegegnung verbunden war, zugleich innerhalb der Landnahmegeschichte.

Bethel war außerdem eng mit Ai verbunden. Schon Josua 12,9 hatte erklärt, dass Ai neben Bethel lag. In Josua 8,17 wird berichtet, dass sich beim Angriff auf Ai auch Männer aus Bethel an der Verfolgung der Israeliten beteiligten. Damit bestand offenbar eine militärische Verbindung zwischen beiden Orten. Die bloße Erwähnung ihrer gemeinsamen Beteiligung erklärt jedoch noch nicht sämtliche späteren Herrschaftsverhältnisse.

Besonders aufschlussreich ist deshalb Richter 1,22–26. Dort wird berichtet, dass das Haus Joseph gegen Bethel zog. Kundschafter entdeckten einen Mann, der ihnen den Zugang zur Stadt zeigte. Daraufhin wurde Bethel eingenommen. Der Mann und seine Familie blieben am Leben, während die übrige Stadt geschlagen wurde.

Diese spätere Einnahme wirft eine ähnliche Frage auf wie die Berichte über Hebron und Debir. Wenn bereits Josua 12 den König von Bethel als besiegt nennt, weshalb wird in Richter 1 erneut von einer Eroberung der Stadt gesprochen? Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass die frühere Niederlage des Königs nicht zu einer dauerhaften israelitischen Besetzung führte. Ebenso ist denkbar, dass unterschiedliche Phasen der Einnahme und Sicherung beschrieben werden. Der Text legt den genauen Verlauf jedoch nicht vollständig offen.

Die Verbindung beider Berichte bestätigt deshalb vor allem eine methodische Unterscheidung: Der Sieg über einen König, die Einnahme einer Stadt und die dauerhafte Kontrolle über ihre Bevölkerung müssen nicht immer zum selben Zeitpunkt erfolgt sein. Gerade die Königsübersicht in Josua 12 macht diese Unterscheidung notwendig, weil sie die militärischen Siege zusammenfasst, ohne die weitere Geschichte jeder Stadt erneut zu schildern.

In Vers 17 begegnen schließlich die Könige von Tappuach und Hepher. Im Unterschied zu den bekanntesten Städten des südlichen Feldzuges werden ihre Herrscher in den vorherigen Kapiteln nicht mit einer ausführlichen eigenen Schlacht vorgestellt. Der Erzähler nennt sie nun als zwei weitere Könige, die unter Josua besiegt worden waren.

Tappuach ist als Ortsname aus mehreren Stellen des Alten Testaments bekannt. In Josua 16,8 und 17,7–8 begegnet ein Tappuach im Zusammenhang mit den Grenzgebieten der Stämme Ephraim und Manasse. Besonders Josua 17,8 unterscheidet zwischen dem Land Tappuach, das Manasse gehörte, und der Stadt Tappuach, die Ephraim zugerechnet wurde. Diese Unterscheidung zeigt, dass Stammesgrenzen nicht immer einfach durch weit voneinander entfernte Städte verliefen. Einzelne Orte und ihr Umland konnten unterschiedlichen Stämmen zugeordnet werden.

Allerdings erwähnt Josua 15,34 ebenfalls einen Ort namens Tappuach im Gebiet Judas. Deshalb ist nicht zweifelsfrei gesichert, welches Tappuach in der Königsübersicht von Josua 12 gemeint ist. Manche Ausleger verbinden es mit der Stadt im Grenzbereich zwischen Ephraim und Manasse, andere bevorzugen eine südlichere Lage. Der biblische Text gibt in Vers 17 selbst keine zusätzlichen geografischen Hinweise, die diese Frage endgültig entscheiden würden.

Der Name Tappuach bedeutet im Hebräischen gewöhnlich Apfel oder bezeichnet eine entsprechende Frucht. Bei der Frage, welche Pflanzenart in antiken Texten genau gemeint war, sind jedoch sprachliche und botanische Unterschiede zu beachten. Aus dem Ortsnamen allein lässt sich deshalb nicht beweisen, dass die Stadt durch ausgedehnte Apfelplantagen bekannt gewesen sei. Der Name kann einen solchen Hintergrund haben, doch der Text überliefert keine entsprechende Erklärung.

Noch weniger erfahren wir über den König von Hepher. Die Stadt wird in Josua 12 unter den besiegten Königreichen aufgeführt, ohne dass ein eigener Feldzug gegen sie beschrieben wird. Auch ihre genaue Lage ist nicht gesichert. In 1. Könige 4,10 wird später ein Gebiet Hepher genannt, das zu den Verwaltungsbezirken unter Salomo gehörte. Eine Verbindung zwischen beiden Bezeichnungen ist möglich, beweist jedoch nicht automatisch, dass sich ihre geografischen Grenzen vollständig deckten.

Zudem begegnet Hepher im Alten Testament als Personenname. In 4. Mose 26,32 wird ein Hepher unter den Nachkommen Manasses genannt. Die Töchter Zelophhads gehören zu dieser Familienlinie. Doch daraus folgt nicht, dass der König von Hepher aus Josua 12 über einen Ort herrschte, der nach diesem israelitischen Vorfahren benannt worden wäre. Die Königsübersicht beschreibt ein kanaanitisches Herrschaftsgebiet, während das vierte Buch Mose eine Familiengeschichte innerhalb Israels behandelt.

Diese letzten beiden Namen zeigen besonders deutlich, wie vorsichtig mit den weniger bekannten Orten der Landnahme umgegangen werden muss. Nicht für jede Stadt besitzen wir eine ausführliche Geschichte, eine gesicherte archäologische Identifizierung oder einen eindeutigen Nachweis ihres späteren Verlaufs. Die Bibel nennt ihre Könige als besiegt. Alles Weitere muss aus anderen Texten erschlossen oder als offene historische Frage behandelt werden.

Betrachten wir die Verse 12 bis 17 zusammen, fällt auf, dass sich hinter der Aufzählung sehr unterschiedliche Ereignisse verbergen. Eglon gehörte zu einem großen Bündnis gegen Gibeon. Geser versuchte, Lachis militärisch zu unterstützen. Debir, Libna und Makkeda erscheinen in den ausführlichen südlichen Feldzügen. Horma und Arad erinnern an frühere Auseinandersetzungen während der Wüstenwanderung. Bethel besitzt eine besondere Verbindung zu den Verheißungen an Jakob, während Adullam erst in der späteren Geschichte Davids größere Bekanntheit erhält.

Andere Städte wie Geder, Tappuach und Hepher werden dagegen nur knapp genannt. Ihre Aufnahme in die Liste macht deutlich, dass die erzählten Schlachten nicht alle militärischen Vorgänge der Landnahme vollständig wiedergeben. Der Erzähler bewahrt auch die Namen solcher Herrschaftszentren, über deren Niederlage er keine ausführlichen Einzelheiten mitteilt.

Damit zeigt sich ein wichtiger Unterschied zwischen den vorangegangenen Kapiteln und dieser Zusammenstellung. Die früheren Berichte erklären ausgewählte Ereignisse und stellen dabei Gottes Zusagen, Israels Entscheidungen und die Folgen des Handelns seiner Führer in den Mittelpunkt. Josua 12 hält dagegen das Gesamtergebnis fest. Die einzelnen Könige werden gezählt, weil jeder von ihnen eine zuvor bestehende politische Herrschaft repräsentierte, die während der Feldzüge ihre Macht verlor.

Gerade bei den bekannten Städten wird jedoch sichtbar, dass ihre Geschichte damit nicht zu Ende war. Geser blieb lange von kanaanitischen Bewohnern geprägt. Bethel wurde später erneut eingenommen. Debir und Hebron erscheinen in weiteren Berichten über die endgültige Besitznahme. Die Liste beschreibt somit die weitreichenden militärischen Siege Josuas, ohne bereits den vollständigen Abschluss aller Siedlungs- und Herrschaftsfragen zu behaupten.

Mit den Königen von Tappuach und Hepher erreicht die Aufzählung schließlich den Übergang zu weiteren Herrschaftsgebieten, deren Lage teilweise im Landesinneren und in den nördlichen Regionen gesucht wird. Im nächsten Abschnitt begegnen uns mit Aphek, Lascharon, Madon und Hazor weitere Namen. Besonders Hazor führt dann zu jenem großen nördlichen Bündnis zurück, dessen Niederlage im vorherigen Kapitel ausführlich beschrieben wurde.

Josua 12,18–20

Weitere Herrschaftsgebiete und die Könige des nördlichen Bündnisses

Mit Vers 18 setzt der Erzähler die Aufzählung der besiegten Könige fort und nennt zunächst Aphek und Lascharon. Anschließend folgen Madon, Hazor, Simron-Meron und Achsaph. Besonders die letzten vier Namen führen uns zu den Ereignissen aus Josua 11 zurück, als sich mehrere Könige des Nordens gegen Israel zusammenschlossen. Die kurze Liste verbindet damit verschiedene Herrschaftsgebiete, deren geografische Lage und geschichtliche Bedeutung nicht in jedem Fall gleichermaßen sicher bekannt sind.

Zunächst fällt auf, dass sich die Reihenfolge der Könige nicht ohne Weiteres als genauer Weg rekonstruieren lässt, den Josuas Heer während seiner Feldzüge zurücklegte. Der Erzähler nennt die Herrscher nacheinander, beschreibt aber weder die zeitliche Abfolge sämtlicher Eroberungen noch die Wege zwischen den Städten. Besonders bei Orten, deren Lage heute nicht eindeutig bestimmt werden kann, wäre eine solche Rekonstruktion spekulativ. Die Liste soll vor allem festhalten, welche politischen Herrschaften während der Landnahme besiegt wurden.

Der erste König in Vers 18 herrschte über Aphek. Dieser Name begegnet mehrfach im Alten Testament und bezeichnet verschiedene Orte. Das hebräische Wort wird gewöhnlich mit einer befestigten Stellung oder Festung in Verbindung gebracht. Ein solcher Name konnte an mehreren Orten verwendet werden, weil befestigte Siedlungen in der damaligen Landschaft weit verbreitet waren. Deshalb darf nicht jedes biblische Aphek automatisch mit derselben Stadt gleichgesetzt werden.

Besonders bekannt ist ein Aphek aus der späteren Geschichte Israels. In 1. Samuel 4,1 wird berichtet, dass sich die Philister bei Aphek lagerten, während Israel bei Eben-Eser Stellung bezog. Die anschließende Schlacht endete mit einer schweren Niederlage Israels und der Wegnahme der Bundeslade. Auch in 1. Samuel 29,1 erscheint Aphek als Sammelplatz der Philister, bevor diese gegen Saul in den Krieg zogen.

Diese Berichte zeigen, dass der Name Aphek in der israelitischen Geschichte eine wichtige Rolle spielte. Sie beweisen jedoch nicht, dass der König von Aphek aus Josua 12 über genau jene Stadt herrschte, bei der Israel später gegen die Philister kämpfte. Dafür müsste zunächst geklärt werden, welches der verschiedenen Apheks in der Königsübersicht gemeint ist.

Ein weiterer Ort dieses Namens wird in Josua 19,30 innerhalb des Erbteils des Stammes Asser genannt. Dieses Aphek lag demnach in einer anderen Region als das gewöhnlich mit den Philisterkriegen verbundene Aphek. Auch in 1. Könige 20,26–30 wird eine Stadt Aphek erwähnt, bei der die Aramäer gegen Israel kämpften. Die geografischen Zusammenhänge dieser Stellen machen deutlich, dass der Name mehrfach vergeben war.

Für Josua 12,18 bleibt die genaue Identifizierung deshalb offen. Einige Ausleger suchen die genannte Stadt im nördlichen Kanaan, andere verbinden sie mit dem Gebiet der Scharonebene an der Mittelmeerküste. Eine wichtige Rolle spielt bei diesen Überlegungen der unmittelbar folgende Name Lascharon. Ob beide Angaben tatsächlich geografisch zusammengehören, hängt jedoch auch von einer Besonderheit des hebräischen Textes ab.

Die Schlachter 1951 nennt nach Aphek ausdrücklich einen König von Lascharon. Damit folgt sie der üblichen Einteilung des hebräischen Textes, in dem jeder der beiden Herrscher einzeln aufgeführt wird. Das Wort Lascharon besitzt allerdings eine ungewöhnliche Form. Es enthält den hebräischen Namen Scharon zusammen mit einer vorangestellten Silbe, die auch als Verhältniswort verstanden werden kann.

Scharon bezeichnet in der Bibel eine fruchtbare Ebene entlang der Mittelmeerküste. Die Landschaft erstreckt sich über einen bedeutenden Abschnitt des westlichen Landes und war wegen ihrer offenen Flächen und ihrer Vegetation bekannt. In Jesaja 35,2 erscheint Scharon als Bild für Schönheit und Fruchtbarkeit. Auch Jesaja 65,10 verwendet die Landschaft als Bezugspunkt für Weidegebiete. Diese Stellen zeigen, dass Scharon nicht nur als einzelner Ortsname, sondern auch als Bezeichnung einer größeren Region bekannt war.

Die sprachliche Besonderheit von Lascharon führt zu einer interessanten Auslegungsfrage. Während der hebräische Text gewöhnlich als Aufzählung zweier Könige verstanden wird, verbindet eine Lesart der alten griechischen Übersetzung Aphek unmittelbar mit Scharon. Danach könnte die Angabe sinngemäß einen König von Aphek in der Scharonebene bezeichnen. In dieser Lesart wäre Scharon keine selbstständige Königsstadt, sondern eine nähere geografische Bestimmung zu Aphek.

Dieser Unterschied ist für die Forschung wichtig, weil er zeigt, dass selbst eine scheinbar einfache Königsaufzählung Fragen der Textüberlieferung aufwerfen kann. Die beiden Lesarten dürfen nicht unbemerkt miteinander vermischt werden. Der hebräische Referenztext zählt Aphek und Lascharon getrennt; darauf beruht auch die überlieferte Gesamtzahl der Könige am Ende des Kapitels. Die griechische Lesart bietet dagegen eine andere Verbindung der Ortsangaben. Welche Textgeschichte zu dieser Abweichung führte, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit entscheiden.

Für die Auslegung nach der Schlachter 1951 bleiben Aphek und Lascharon zwei Einträge der Königsübersicht. Gleichzeitig sollten wir nicht behaupten, die Lage einer eigenständigen Stadt Lascharon sei archäologisch zweifelsfrei nachgewiesen. Ihre genaue Identität ist ungeklärt. Die sprachliche Nähe zur Scharonebene bietet eine mögliche Erklärung, aber keinen vollständigen Beweis.

Mit Vers 19 richtet sich der Blick deutlicher auf das nördliche Kanaan. Als ersten Herrscher nennt der Erzähler den König von Madon. Dieser Ort war bereits in Josua 11,1 erwähnt worden. Damals hatte Jabin, der König von Hazor, Botschaften an mehrere benachbarte Könige geschickt, um ein großes Bündnis gegen Israel zu bilden. Unter den angesprochenen Herrschern befand sich Jobab, der König von Madon.

Damit kennen wir im Unterschied zu vielen anderen Königen dieser Liste zumindest den persönlichen Namen des Herrschers. Über sein Leben und seine frühere Regierung erfahren wir allerdings nichts Näheres. Der Text stellt ihn im Zusammenhang mit seiner Beteiligung am nördlichen Bündnis vor. Als Jabin die anderen Könige zum gemeinsamen Vorgehen aufrief, schloss sich Jobab offenbar diesem Zusammenschluss an.

Die Beteiligung Madons zeigt, dass Hazor seine Unternehmung nicht allein durchführen wollte. Die verschiedenen Könige verfügten über eigene Herrschaftsgebiete und brachten ihre Streitkräfte zusammen. In Josua 11,4 wird die Größe des vereinten Heeres besonders hervorgehoben. Zahlreiche Soldaten, Pferde und Streitwagen bildeten eine Macht, die Israel erheblich bedrohen konnte. Madon gehörte zu den Königreichen, deren militärische Kräfte in dieser gemeinsamen Unternehmung zusammengeführt wurden.

Die genaue Lage Madons ist allerdings nicht zweifelsfrei bekannt. Häufig wird der Ort im Bereich westlich des Sees Genezaret gesucht. Eine vorgeschlagene Identifizierung verbindet ihn mit der Gegend von Qarn Hattin und einem nahe gelegenen Ort namens Khirbet Madin. Besonders die Ähnlichkeit der Namen hat zu dieser Vermutung geführt. Eine sprachliche Übereinstimmung allein genügt jedoch nicht, um die Identifizierung endgültig zu sichern. Auch archäologische Befunde und die geografischen Angaben der biblischen Erzählung müssen berücksichtigt werden.

Für das Verständnis von Josua 12 steht deshalb nicht die genaue heutige Lage Madons im Mittelpunkt. Entscheidend ist seine Rolle innerhalb des Bündnisses. Der König war einer jener Herrscher, die gemeinsam gegen Israel zogen und bei der großen nördlichen Auseinandersetzung besiegt wurden. Die erneute Erwähnung bestätigt, dass der Sieg aus Josua 11 nicht nur das Heer eines einzelnen Königs betraf, sondern den militärischen Zusammenschluss mehrerer Königreiche.

Auf Madon folgt der König von Hazor. Dieser Name besitzt innerhalb des Abschnittes besonderes Gewicht, denn Hazor war nach Josua 11,10 das führende Zentrum der nördlichen Königreiche. Sein König Jabin hatte die Initiative zur Bildung des großen Bündnisses ergriffen. Während andere Herrscher seinem Aufruf folgten, ging die gemeinsame Unternehmung von Hazor aus.

Die Stadt gehörte zu den bedeutendsten Zentren des bronzezeitlichen Kanaans. Ihre Größe und ihre Lage an wichtigen Verkehrsverbindungen erklären, weshalb sie innerhalb der nördlichen Königreiche eine herausragende Stellung einnehmen konnte. Auch außerbiblische Quellen aus dem Alten Orient bezeugen die Bedeutung Hazors. Dazu gehören Texte aus Mari und ägyptische Überlieferungen, die erkennen lassen, dass die Stadt bereits lange vor der israelitischen Königszeit in größere politische und wirtschaftliche Zusammenhänge eingebunden war.

Die archäologischen Überreste von Hazor liegen im Norden des heutigen Israel. Der Fundplatz umfasst die erhöht gelegene Stadtanlage und ausgedehnte Siedlungsbereiche. Ausgrabungen haben unter anderem Befestigungen, Gebäude und Zerstörungsschichten aus verschiedenen Zeitabschnitten freigelegt. Dadurch gehört Hazor zu den besonders intensiv erforschten Städten der biblischen Welt.

Allerdings ist die genaue Zuordnung der dort nachgewiesenen Zerstörungen zu den Ereignissen des Josuabuches wissenschaftlich umstritten. Die archäologischen Befunde zeigen, dass Hazor schwere Zerstörungen erlebte. Sie bestimmen aber nicht von selbst, welche historische Gruppe dafür verantwortlich war. Eine Gleichsetzung mit Josuas Feldzug benötigt deshalb zusätzliche Argumente zur Datierung und historischen Einordnung.

Der biblische Bericht beschreibt das Schicksal Hazors ausdrücklich. Nachdem die vereinten Heere bei den Wassern von Merom geschlagen worden waren, wandte sich Josua gegen die Stadt. Nach Josua 11,10–11 nahm er Hazor ein, tötete seinen König und ließ die Stadt mit Feuer verbrennen. Die Zerstörung wird besonders hervorgehoben, weil die übrigen im Zusammenhang genannten Städte nicht in gleicher Weise verbrannt wurden.

Diese unterschiedliche Behandlung macht verständlich, warum Hazor innerhalb der Landnahmegeschichte eine Sonderstellung besitzt. Die Stadt hatte das große Bündnis angeführt und war dessen bedeutendstes politisches Zentrum. Mit ihrer Einnahme verlor nicht nur ein einzelner Herrscher seine Macht. Auch das führende Zentrum des Zusammenschlusses wurde zerstört. Dass dies die besondere Behandlung Hazors erklärt, liegt nahe, wird aber vom Text nicht ausdrücklich als alleiniger Grund genannt.

Die erneute Erwähnung Hazors in Josua 12 verbindet somit den ausführlichen Kriegsbericht mit der abschließenden Siegesbilanz. Dort wurde geschildert, wie Jabin das Bündnis organisierte und wie Josua seine Stadt einnahm. Hier genügt die Nennung des Königs, weil der Leser diese Geschichte bereits kennt. Die Liste bewahrt das Ergebnis, ohne die einzelnen Ereignisse noch einmal zu erzählen.

Vers 20 nennt anschließend den König von Simron-Meron. Auch hier begegnet eine sprachliche Besonderheit. In Josua 11,1 wird ein König von Simron unter den Herrschern genannt, die Jabin von Hazor zu seinem Bündnis einlud. In Josua 12,20 erscheint dagegen die längere Namensform Simron-Meron. Die Ähnlichkeit legt nahe, dass beide Stellen denselben Herrschaftsort meinen. Weshalb die Namen unterschiedlich überliefert werden, erklärt der Text jedoch nicht ausdrücklich.

Eine mögliche Verbindung besteht zur Stadt Simron, die in Josua 19,15 zum Erbteil des Stammes Sebulon gerechnet wird. Dieser Ort wird häufig mit Tel Shimron am westlichen Rand der Jesreelebene identifiziert. Dort haben archäologische Untersuchungen umfangreiche Spuren alter Besiedlung nachgewiesen. Die Lage der Stadt an bedeutenden Verkehrsverbindungen zwischen der Küstenregion und dem Landesinneren passt zu ihrer Rolle als wichtiger Siedlungsplatz.

Die Verbindung zwischen Simron-Meron aus Josua 12 und Simron im Gebiet Sebulons ist historisch gut nachvollziehbar, aber nicht jede Einzelheit der Namensform ist sicher geklärt. Insbesondere darf das zusätzliche „Meron“ nicht ohne Weiteres als Beweis verstanden werden, dass die Stadt unmittelbar an den Wassern von Merom lag. Obwohl der ähnliche Name zu einer solchen Vermutung einlädt, sind die Ortsangaben getrennt zu prüfen.

Diese Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil die genaue Lage der Wasser von Merom, an denen das nördliche Bündnis sein Heer versammelte, ebenfalls umstritten ist. Eine Identifizierung von Simron-Meron kann nicht allein auf der Annahme beruhen, dass beide Namen zwingend denselben geografischen Ursprung besitzen. Der biblische Text nennt die Wasser von Merom als Schlachtgebiet und Simron beziehungsweise Simron-Meron als Königssitz. Ob eine unmittelbare örtliche Verbindung bestand, bleibt offen.

Innerhalb der Erzählung ist die politische Rolle Simrons dagegen deutlich. Sein König gehörte zu den Herrschern, die Jabin für die gemeinsame Unternehmung gewinnen wollte. Auch dieser König steht nun in der Liste der Besiegten. Die große nördliche Koalition bestand damit nicht nur aus Hazor und Madon, sondern umfasste weitere Städte, deren genaue geografische Stellung innerhalb des Bündnisses nicht vollständig beschrieben wird.

Als letzten Herrscher dieses Versabschnittes nennt Josua 12 den König von Achsaph. Die Stadt wurde ebenfalls bereits in Josua 11,1 erwähnt. Wie Madon und Simron gehörte sie zu den Königreichen, deren Herrscher Jabin zum gemeinsamen Kampf gegen Israel aufrief. Über den persönlichen Namen des Königs von Achsaph erfahren wir nichts. Der Erzähler nennt seine Stadt, aber keine weiteren Einzelheiten seiner früheren Herrschaft.

Achsaph erscheint später erneut im Zusammenhang mit der Landverteilung. In Josua 19,25 wird die Stadt innerhalb des Erbteils des Stammes Asser genannt. Damit entsteht eine wichtige Verbindung zwischen den militärischen Eroberungen und der späteren Zuweisung des Landes. Ein Ort, dessen König im großen nördlichen Bündnis gegen Israel stand, wird anschließend einem israelitischen Stamm als Teil seines Erbgebietes zugeordnet.

Auch hier darf allerdings die Niederlage des Königs nicht automatisch mit einer sofortigen vollständigen Besiedlung der Stadt gleichgesetzt werden. Das Josuabuch unterscheidet an mehreren Stellen zwischen dem Sieg über einen Herrscher, der Zuweisung seines bisherigen Gebietes und der tatsächlichen späteren Besitznahme. Die Erwähnung Achsaphs im Erbteil Assers belegt deshalb zunächst die Zuordnung des Gebietes innerhalb der Landverteilung.

Die genaue geografische Lage Achsaphs ist bis heute Gegenstand unterschiedlicher Auffassungen. Häufig wird die Stadt im westlichen Galiläa beziehungsweise im weiteren Bereich der Ebene von Akko gesucht. Zu den vorgeschlagenen Fundplätzen gehören Tel Keisan und Tel Regev. Die verschiedenen Identifizierungen beruhen auf geografischen Überlegungen, alten Ortsnamen und archäologischen Befunden. Eine zweifelsfreie Entscheidung ist jedoch nicht allgemein anerkannt.

Der Name Achsaph wird außerdem mit altorientalischen Ortsbezeichnungen verglichen, die in ägyptischen Quellen und den Amarna-Briefen begegnen. Solche Texte sind für die historische Forschung besonders wertvoll, weil sie Einblicke in die politischen Verhältnisse Kanaans während der Bronzezeit ermöglichen. Die Amarna-Briefe zeigen beispielsweise, dass lokale Herrscher mit der ägyptischen Verwaltung korrespondierten und von Konflikten zwischen verschiedenen Stadtgebieten berichteten.

Diese außerbiblischen Quellen helfen, die politische Welt der kanaanitischen Stadtkönige besser zu verstehen. Sie zeigen, dass Kanaan keine einheitliche Nation mit nur einem König war, sondern aus zahlreichen Herrschaftsgebieten bestand, deren politische Beziehungen sich verändern konnten. Zugleich müssen mögliche Gleichsetzungen einzelner Ortsnamen sorgfältig geprüft werden. Eine ähnliche Namensform in einem ägyptischen Dokument beweist nicht automatisch, dass damit die in Josua 12 erwähnte Stadt gemeint ist.

Besonders aufschlussreich ist nun die gemeinsame Betrachtung der Verse 19 und 20. Madon, Hazor, Simron-Meron und Achsaph stehen auch in Josua 11,1 in einem engen Zusammenhang. Damals wurden ihre Könige als Beteiligte beziehungsweise Angesprochene des nördlichen Bündnisses vorgestellt. Nun erscheinen sie unmittelbar hintereinander in der abschließenden Liste der besiegten Herrscher.

Diese Übereinstimmung zeigt, dass die Königsübersicht nicht aus einer zufälligen Aneinanderreihung unbekannter Namen besteht. Zumindest in diesem Abschnitt greift sie eine Gruppe von Herrschern auf, die bereits zuvor gemeinsam in der Erzählung genannt worden waren. Die beiden Kapitel ergänzen sich dadurch: Josua 11 berichtet von der Entstehung und Niederlage des Bündnisses, während Josua 12 seine beteiligten Könige in die Gesamtbilanz der Landnahme einordnet.

Dabei bleibt eine wichtige Einzelheit zu beachten. Die Bibel berichtet nicht von einer eigenständigen, ausführlich beschriebenen Schlacht gegen jeden dieser Könige. Der entscheidende Kampf gegen das vereinte Heer fand nach Josua 11 an den Wassern von Merom statt. Anschließend wurden weitere Städte eingenommen. Ob einzelne Herrscher bereits während der gemeinsamen Schlacht fielen oder erst im Verlauf der späteren Eroberungen getötet wurden, wird nicht für jeden von ihnen gesondert erklärt.

Die Liste lässt deshalb nicht zu, für Madon, Simron-Meron oder Achsaph eigene Schlachtverläufe zu erfinden. Sie bestätigt, dass diese Herrscher zu den Besiegten gehörten. Darüber hinaus muss die historische Auslegung die Grenzen der überlieferten Angaben beachten.

Betrachten wir die sechs Könige dieses Abschnittes gemeinsam, erkennen wir zwei unterschiedliche Schwerpunkte. Aphek und Lascharon führen zu geografischen und textgeschichtlichen Fragen, die nicht abschließend geklärt sind. Madon, Hazor, Simron-Meron und Achsaph verbinden die Liste dagegen unmittelbar mit dem großen nördlichen Bündnis aus Josua 11.

Gerade diese Verbindung macht den geschichtlichen Umfang der Landnahme deutlich. Die israelitischen Feldzüge richteten sich nicht ausschließlich gegen einzelne Städte, sondern begegneten auch größeren Zusammenschlüssen regionaler Herrscher. Das nördliche Bündnis verfügte nach dem Bericht über erhebliche militärische Kräfte. Dennoch wurde es besiegt, und seine beteiligten Könige erscheinen nun einzeln in der abschließenden Übersicht.

Die Aufzählung erinnert zugleich daran, dass politische Macht in Kanaan auf viele verschiedene Städte verteilt war. Hazor besaß zwar eine herausragende Stellung, herrschte aber nicht einfach als alleiniger König über das gesamte nördliche Land. Andere Städte verfügten über eigene Könige, die sich zu einem gemeinsamen Vorgehen zusammenschließen konnten. Nach ihrer Niederlage verlor dieser Zusammenschluss seine militärische Bedeutung.

Damit erweitert sich die Siegesbilanz um weitere Teile des nördlichen Kanaans. Während die vorausgegangenen Verse vor allem an die Kämpfe im Süden und im zentralen Bergland erinnerten, treten nun die Königreiche hervor, die sich unter Jabins Führung verbunden hatten. Ihre Nennung führt die Geschichte der Landnahme von den ersten großen Eroberungen bis zu den weitreichenden Feldzügen im Norden.

Doch die Aufzählung ist damit noch nicht abgeschlossen. In den folgenden Versen begegnen uns Taanach und Megiddo, zwei bedeutende Städte im Bereich der Jesreelebene. Dazu kommen weitere Herrschaftsgebiete in Galiläa, am Karmel und an der Mittelmeerküste. Mit diesen Namen tritt noch deutlicher hervor, wie eng die politische Geschichte Kanaans mit seinen großen Verkehrswegen, fruchtbaren Ebenen und befestigten Städten verbunden war.

Josua 12,21–24

Die letzten Könige und die Bilanz von 31 Siegen

Mit Vers 21 nähert sich die Aufzählung der besiegten Könige ihrem Ende. Noch einmal führt der Erzähler verschiedene Herrschaftsgebiete auf, die für die Geschichte Kanaans von Bedeutung waren. Darunter befinden sich Städte an wichtigen Handelswegen, befestigte Siedlungen im Landesinneren und ein bedeutender Hafen an der Mittelmeerküste. Einige dieser Orte begegnen uns später erneut in der Geschichte Israels. Dadurch lässt sich erkennen, dass die Niederlage ihrer Könige nicht das Ende ihrer weiteren Entwicklung bedeutete.

Zunächst nennt Vers 21 den König von Taanach. Die Stadt lag am südlichen Rand der Jesreelebene, einer ausgedehnten und fruchtbaren Landschaft im Norden Kanaans. Sie wird gewöhnlich mit dem heutigen Tel Ta'anach identifiziert. Der Siedlungshügel befindet sich in einer Gegend, in der das westliche Bergland in die offene Ebene übergeht. Diese Lage war für die damaligen Bewohner von erheblicher Bedeutung, denn durch die Jesreelebene verliefen wichtige Verkehrswege zwischen verschiedenen Regionen des Alten Orients.

Wer über eine Stadt wie Taanach herrschte, konnte Einfluss auf die Verbindungen zwischen dem Landesinneren und den nördlichen Handelswegen ausüben. Kaufleute, Reisende und militärische Streitkräfte mussten sich in dieser Landschaft an den natürlichen Übergängen zwischen den Bergen und der Ebene orientieren. Deshalb besaßen die dort gelegenen Städte eine Bedeutung, die über ihre unmittelbaren Stadtgrenzen hinausging.

Auch archäologisch ist Taanach von Interesse. Ausgrabungen haben Überreste verschiedener Siedlungsphasen freigelegt, die bis weit vor die israelitische Königszeit zurückreichen. Besonders bemerkenswert sind die dort gefundenen Keilschrifttafeln aus der Spätbronzezeit. Sie gewähren Einblicke in die Verwaltung und die politischen Beziehungen einer kanaanitischen Stadt. Solche Zeugnisse machen verständlich, dass die in Josua 12 erwähnten Königreiche nicht nur aus befestigten Gebäuden bestanden. Hinter ihnen standen organisierte Herrschaftsstrukturen, wirtschaftliche Verbindungen und Beziehungen zu anderen politischen Mächten.

Diese archäologischen Funde beweisen allerdings nicht unmittelbar die Niederlage des Königs von Taanach unter Josua. Sie ermöglichen vor allem ein besseres Verständnis der geschichtlichen Umwelt. Der König selbst wird in Josua 12 nicht mit seinem persönlichen Namen vorgestellt. Auch eine ausführliche Beschreibung des Kampfes gegen ihn fehlt. Der Erzähler hält lediglich fest, dass dieser Herrscher zu den von Israel Besiegten gehörte.

Taanach erscheint später erneut in Josua 17,11. Dort wird die Stadt innerhalb der Gebiete genannt, die dem Stamm Manasse zugeteilt wurden, obwohl sie in einer Region lag, die mit den Erbteilen anderer Stämme verbunden war. Noch wichtiger ist die Aussage in Richter 1,27. Dort erfahren wir, dass die Manassiter die Bewohner Taanachs und seiner umliegenden Ortschaften nicht vollständig vertrieben hatten.

Damit begegnet uns wieder der Unterschied zwischen der Niederlage eines Königs und der dauerhaften Kontrolle über seine Stadt. Josua 12 nennt den Herrscher von Taanach unter den Besiegten. Richter 1 berichtet dagegen, dass kanaanitische Bewohner dort weiterhin lebten. Die Texte lassen sich nicht einfach dadurch erklären, dass einer von ihnen übergangen wird. Vielmehr müssen wir berücksichtigen, dass eine militärische Niederlage und die spätere Besitznahme unterschiedliche Ereignisse sein konnten. Welche Veränderungen der örtlichen Herrschaft zwischen den einzelnen Berichten stattfanden, wird nicht vollständig beschrieben.

Eine weitere Verbindung findet sich im Lied Deboras. In Richter 5,19 wird berichtet, dass kanaanitische Könige bei Taanach an den Wassern von Megiddo kämpften. Dieser Vers gehört zur späteren Geschichte des Kampfes gegen die Streitkräfte Siseras. Er beschreibt nicht dieselbe Schlacht wie Josua 12. Dennoch zeigt er, dass die Gegend um Taanach auch nach den Feldzügen Josuas weiterhin ein bedeutender Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen blieb.

Unmittelbar nach Taanach nennt der Erzähler den König von Megiddo. Die beiden Städte lagen verhältnismäßig nahe beieinander und gehörten zu derselben größeren Landschaft. Megiddo befand sich an einem besonders wichtigen Übergang zwischen der Küstenebene und der Jesreelebene. Die Stadt konnte damit Verkehrswege beeinflussen, auf denen Menschen und Waren zwischen Ägypten, Kanaan und den weiter nördlich gelegenen Ländern unterwegs waren.

Gerade diese Lage erklärt, weshalb Megiddo über viele Jahrhunderte hinweg eine große strategische Bedeutung besaß. Wer die Stadt kontrollierte, konnte einen wichtigen Zugang zur Jesreelebene überwachen. Das war nicht nur für den Handel bedeutsam, sondern auch für Heere, die durch diese Region ziehen wollten. Deshalb wurde Megiddo im Laufe seiner langen Geschichte mehrfach befestigt, zerstört und wiederaufgebaut.

Die Überreste der Stadt sind heute auf dem Tel Megiddo erhalten. Archäologische Untersuchungen haben dort zahlreiche übereinanderliegende Siedlungsschichten freigelegt. Sie bezeugen eine lange Geschichte, in der Megiddo unter wechselnden politischen Verhältnissen bestand. Zu den Funden gehören Befestigungen, Toranlagen, Gebäude und weitere Einrichtungen aus unterschiedlichen Epochen. Die genaue Datierung einzelner Bauwerke ist teilweise umstritten, doch die grundsätzliche Bedeutung der Stadt als befestigtes Zentrum gilt als gut belegt.

Auch hier müssen archäologische Funde und biblische Aussagen sorgfältig voneinander unterschieden werden. Die Geschichte Megiddos lässt sich durch zahlreiche außerbiblische Zeugnisse untersuchen. Daraus folgt aber nicht, dass eine bestimmte Zerstörungsschicht ohne weitere Beweise dem Feldzug Josuas zugeordnet werden könnte. Der biblische Bericht nennt den König von Megiddo als besiegt, beschreibt jedoch keine eigenständige Schlacht um seine Stadt.

Die spätere biblische Geschichte bestätigt die Bedeutung Megiddos. In Richter 1,27 wird die Stadt gemeinsam mit Taanach unter den Orten genannt, deren kanaanitische Bewohner Manasse nicht vollständig vertrieb. Die beiden Städte erscheinen damit sowohl in der Siegesliste Josuas als auch in einem späteren Bericht über die Grenzen der tatsächlichen israelitischen Besitznahme.

Zur Zeit Salomos gehörte Megiddo zu den bedeutenden Städten seines Reiches. In 1. Könige 9,15 wird die Stadt ausdrücklich unter den Orten genannt, an denen Salomo Bauarbeiten durchführen ließ. Zusammen mit Hazor und Geser erscheint sie damit in einer Gruppe wichtiger befestigter Zentren. Diese spätere Entwicklung zeigt, dass Megiddo auch nach der Landnahme seine strategische Bedeutung behielt.

Noch viele Generationen später wurde die Gegend erneut Schauplatz eines entscheidenden Ereignisses. Nach 2. Könige 23,29 starb König Josia bei Megiddo, als er dem ägyptischen Pharao Necho entgegentrat. In 2. Chronik 35,20–24 wird der Kampf näher beschrieben. Damit verbindet sich Megiddo in der Bibel sowohl mit frühen kanaanitischen Herrschern als auch mit der Geschichte des Königreiches Juda.

Der Ortsname begegnet außerdem in einem besonderen Zusammenhang der Offenbarung. In Offenbarung 16,16 wird ein Ort genannt, der auf Hebräisch Harmagedon heißt. Häufig wird dieser Name mit dem Berg oder der Gegend von Megiddo verbunden. Die genaue sprachliche Herleitung und die Bedeutung dieser Bezeichnung werden allerdings unterschiedlich erklärt. Deshalb darf aus der Ähnlichkeit der Namen nicht ohne weitere Prüfung geschlossen werden, dass die Offenbarung zwingend eine buchstäbliche Endzeitschlacht auf dem Gelände der antiken Stadt Megiddo beschreibt.

Für Josua 12 bleibt zunächst entscheidend, dass Megiddo zu den besiegten kanaanitischen Königreichen gehörte. Seine spätere Geschichte verdeutlicht jedoch, wie lang der Weg von einem militärischen Erfolg bis zu einer dauerhaft veränderten Herrschaftsordnung sein konnte.

In Vers 22 folgt der König von Kedesch. Dieser Ortsname bedeutet sinngemäß einen heiligen Ort oder ein Heiligtum. Solche Namen konnten in der antiken Welt mit religiösen Stätten verbunden sein. Daraus lässt sich jedoch nicht sicher bestimmen, welche Gottheit an einem konkreten Ort verehrt wurde oder welche religiösen Handlungen dort zur Zeit Josuas stattfanden.

Bei Kedesch entsteht außerdem eine geografische Schwierigkeit. In der Bibel begegnen mehrere Orte mit diesem oder einem ähnlichen Namen. Besonders bekannt ist Kedesch in Galiläa, das im Gebiet des Stammes Naphtali lag. In Josua 20,7 wird diese Stadt als eine der Zufluchtsstädte bestimmt. Solche Städte sollten Menschen Schutz bieten, die jemanden unabsichtlich getötet hatten, bis ihr Fall nach den dafür geltenden Rechtsbestimmungen geklärt werden konnte.

Kedesch in Naphtali spielt auch in der Geschichte Deboras und Baraks eine wichtige Rolle. Nach Richter 4,6 ließ Debora Barak aus Kedesch in Naphtali rufen und übermittelte ihm Gottes Auftrag, Männer aus den Stämmen Naphtali und Sebulon zu sammeln. Von dort aus sollte der Kampf gegen die Streitkräfte Siseras vorbereitet werden. Die Stadt war somit noch in einer späteren Epoche ein bedeutender Ort der nördlichen Stammesgebiete.

Häufig wird angenommen, dass auch der König von Kedesch in Josua 12 über diese galiläische Stadt herrschte. Die Identifizierung ist möglich und wird von verschiedenen Auslegern vertreten. Sie wird jedoch dadurch erschwert, dass auch im Gebiet Issachars ein Ort namens Kedesch bezeugt wird. Besonders die entsprechende Ortsangabe in 1. Chronik 6,57 innerhalb der dortigen Zählung der Levitenstädte ist für diese Frage von Bedeutung.

Da Josua 12 den König von Kedesch unmittelbar nach Taanach und Megiddo nennt, haben manche Forscher angenommen, dass hier ein südlicher gelegener Ort im Bereich der Jesreelebene gemeint sein könnte. Die Reihenfolge der Liste allein beweist das jedoch nicht. Der Erzähler erklärt nicht ausdrücklich, dass die Könige nach einem lückenlosen geografischen Weg aufgezählt werden. Deshalb bleibt offen, welches Kedesch genau gemeint ist.

Diese Unsicherheit verändert nicht die grundlegende Aussage des Verses. Ein kanaanitischer König von Kedesch gehörte zu den unter Josua besiegten Herrschern. Welche spätere Leviten- oder Zufluchtsstadt sich mit seinem früheren Herrschaftssitz gleichsetzen lässt, muss dagegen gesondert untersucht werden.

Als nächsten Herrscher nennt Vers 22 den König von Jokneam am Karmel. Im Unterschied zu Kedesch enthält diese Angabe bereits eine nähere geografische Bestimmung. Der Karmel ist ein lang gestrecktes Gebirge im nordwestlichen Teil des Landes, das sich bis zur Mittelmeerküste erstreckt. Seine Höhen und Abhänge bilden einen auffälligen Übergang zwischen der Küstenebene und den weiter östlich gelegenen Landschaften.

Jokneam wird gewöhnlich am südöstlichen Rand des Karmel gesucht. Häufig wird die Stadt mit Tel Jokneam beziehungsweise Tel Qamun identifiziert. Der Ort lag an einem wichtigen Zugang zwischen der Küstenregion und der Jesreelebene. Damit besaß auch Jokneam eine strategisch günstige Lage, selbst wenn wir über den in Josua 12 erwähnten König keine näheren persönlichen Angaben erhalten.

Später begegnet Jokneam innerhalb der Landverteilung. Nach Josua 19,11 lag die Stadt im Bereich der Grenze des Stammes Sebulon. In Josua 21,34 wird sie außerdem unter den Städten genannt, die den levitischen Familien aus der Linie Meraris zugeteilt wurden. Die Leviten erhielten keine zusammenhängende Stammesregion wie die übrigen Stämme, sondern bestimmte Städte mit den dazugehörigen Weideflächen. Jokneam gehörte zu diesen Orten.

Damit führt die Erwähnung Jokneams erneut vom militärischen Sieg zur späteren Ordnung des Landes. Zunächst erscheint die Stadt als Sitz eines kanaanitischen Königs. Später wird sie innerhalb des israelitischen Erbteilsystems einer bestimmten Aufgabe zugeordnet. Über die genauen Schritte zwischen beiden Situationen berichtet Josua 12 jedoch nichts.

Auch der Karmel selbst besitzt in der späteren Bibelgeschichte eine große Bedeutung. Besonders bekannt ist die Auseinandersetzung des Propheten Elia mit den Baalspropheten auf dem Karmel, die in 1. Könige 18 geschildert wird. Dabei ging es um die Frage, ob Israel dem HERRN oder Baal dienen sollte. Der Berg wurde so zum Schauplatz einer Entscheidung über die Treue des Volkes zu Gott.

Diese spätere Geschichte darf jedoch nicht unbemerkt in die Zeit Josuas zurückverlegt werden. Dass Jokneam am Karmel lag, bedeutet nicht, dass der dortige König an der späteren Auseinandersetzung Elias beteiligt gewesen wäre. Zwischen beiden Ereignissen lagen viele Generationen. Die geografische Verbindung ist deutlich, während die geschichtlichen Vorgänge getrennt bleiben müssen.

In Vers 23 führt uns die Aufzählung zunächst weiter nach Westen zur Stadt Dor. Sie lag unmittelbar an der Mittelmeerküste, südlich des Karmel. Damit unterscheidet sich Dor deutlich von vielen anderen Städten der Liste, die im Bergland oder an den Zugängen zur Jesreelebene lagen. Ihre besondere Bedeutung ergab sich aus der Nähe zum Meer und den Möglichkeiten des Seehandels.

Dor war ein bedeutender Küstenort, der Verbindungen zu anderen Hafenstädten des östlichen Mittelmeerraumes unterhielt. Schiffe konnten dort anlegen, Waren wurden ausgetauscht, und Menschen aus verschiedenen Regionen begegneten einander. Die Stadt gehörte dadurch zu einer wirtschaftlichen Welt, die nicht allein durch die Wege des Landesinneren bestimmt wurde.

Der biblische Ort wird gewöhnlich mit Tel Dor an der Mittelmeerküste identifiziert. Archäologische Ausgrabungen haben dort umfangreiche Überreste verschiedener Siedlungsphasen nachgewiesen. Besonders die Geschichte des Seehandels und die Verbindungen zu benachbarten Küstenregionen spielen bei der Erforschung dieser Stadt eine wichtige Rolle. Wie bei den anderen Orten gilt jedoch, dass die archäologische Identifizierung einer Stadt nicht automatisch den genauen Ablauf ihrer Eroberung unter Josua beweist.

Die Schlachter 1951 beschreibt den König von Dor als Herrscher über die Stadt „auf der Höhe von Dor“. Der hebräische Ausdruck Naphath-Dor ist jedoch nicht vollständig eindeutig. Er kann mit den Höhen oder Abhängen von Dor verbunden werden, wird aber auch als Bezeichnung eines größeren Gebietes um die Stadt verstanden. Manche Übersetzungen sprechen deshalb vom Hügelland oder vom Bezirk Dor.

Gerade die Lage Dors an der Küste zeigt, weshalb die Formulierung sorgfältig erklärt werden muss. Gemeint ist nicht zwingend, dass die gesamte Stadt auf einem hohen Berg lag. Die Angabe kann die umliegende Landschaft und das zu Dor gehörende Gebiet bezeichnen. Eine genaue Festlegung auf eine bestimmte topografische Form lässt der Ausdruck nicht sicher zu.

Dor wird bereits in Josua 11,2 erwähnt. Dort gehört die Umgebung der Stadt zu den Landschaften, aus denen sich Herrscher dem großen nördlichen Bündnis anschließen sollten. Nun steht der König von Dor innerhalb der abschließenden Liste der Besiegten. Damit wird ein weiterer Bezug zwischen dem nördlichen Feldzug und der Gesamtbilanz hergestellt.

Besonders bemerkenswert ist die spätere Erwähnung Dors in Josua 17,11. Dort wird die Stadt innerhalb der Gebiete aufgeführt, die Manasse zugerechnet wurden. Richter 1,27 erklärt jedoch ausdrücklich, dass die Bewohner Dors nicht vollständig vertrieben wurden. Die Kanaaniter bestanden in dieser Gegend weiterhin.

Das ist ein wichtiger Unterschied zur knappen Formulierung in Josua 12. Die Niederlage des Königs bedeutete offenbar nicht, dass die Stadt und ihr gesamtes Umland sofort dauerhaft israelitisch besiedelt waren. Besonders eine Küstenstadt mit Handelsverbindungen und eigenen wirtschaftlichen Strukturen konnte auch nach militärischen Auseinandersetzungen eine wechselvolle politische Entwicklung erleben. Der Text erklärt die einzelnen Vorgänge nicht im Detail, macht aber deutlich, dass die Besitznahme unvollständig blieb.

Als nächsten Herrscher nennt Vers 23 den König der Heiden zu Gilgal. Diese Bezeichnung gehört zu den schwierigsten Angaben der gesamten Königsübersicht. Während viele andere Namen bekannte Städte bezeichnen, besteht der Ausdruck hier aus zwei Bestandteilen, deren Verhältnis zueinander nicht eindeutig geklärt ist.

Das hebräische Wort Gojim, das in der Schlachter 1951 mit „Heiden“ wiedergegeben wird, bedeutet zunächst Völker oder Nationen. Je nach Zusammenhang kann es fremde Völker bezeichnen. In Josua 12 steht es innerhalb einer Reihe von Königstiteln und wird gewöhnlich als Eigenname oder besondere Bezeichnung einer Bevölkerungsgruppe verstanden.

Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass hier ein einzelner König über sämtliche heidnischen Völker der damaligen Welt geherrscht hätte. Der Ausdruck erscheint innerhalb einer Liste lokaler kanaanitischer Herrscher. Er bezeichnet deshalb nicht ohne Weiteres eine weltumspannende Königsherrschaft.

Eine besondere Schwierigkeit entsteht durch die Ortsangabe Gilgal. Aus den früheren Kapiteln kennen wir Gilgal als den Ort, an dem Israel nach dem Jordanübergang sein Lager aufschlug. Dort wurden die Gedenksteine aus dem Jordan aufgerichtet, und dort feierte Israel das Passah (Josua 4–5). Auch während der späteren Feldzüge blieb Gilgal ein wichtiger Ausgangspunkt.

Es ist jedoch nicht bewiesen, dass der König der Heiden aus Josua 12 über genau dieses Gilgal herrschte. Der Name begegnet in der Bibel an mehreren Stellen und kann unterschiedliche Orte bezeichnen. Würde man den bekannten israelitischen Lagerplatz ohne weitere Prüfung mit dem Herrschaftssitz dieses Königs gleichsetzen, entstünde ein geografisches und geschichtliches Problem, das der Text selbst nicht erklärt.

Noch wichtiger ist die Textüberlieferung. Der hebräische Text nennt Gilgal, während die alte griechische Übersetzung an dieser Stelle Galiläa bietet. Dadurch verändert sich die geografische Vorstellung erheblich. In der griechischen Lesart wäre der König der Völker in Galiläa zu suchen, also innerhalb einer größeren nördlichen Region.

Welche Lesart die ursprüngliche Formulierung am besten bewahrt, wird in der Forschung unterschiedlich beurteilt. Der griechische Text könnte eine ältere Ortsangabe erhalten haben. Ebenso ist möglich, dass eine schwer verständliche hebräische Bezeichnung später geografisch anders gedeutet wurde. Ohne zusätzliche Belege lässt sich diese Frage nicht endgültig entscheiden.

Für FinalHope bleibt deshalb die Schlachter 1951 mit ihrer Wiedergabe „König der Heiden zu Gilgal“ der maßgebliche Bibeltext. Die griechische Lesart kann als historische und textkritische Erklärung erwähnt werden, darf aber nicht unbemerkt an die Stelle des verwendeten Bibeltextes treten.

Diese Stelle erinnert uns daran, dass die genaue Kenntnis eines Ortsnamens nicht immer selbstverständlich ist. Zwischen den Ereignissen der Landnahme und den erhaltenen Handschriften liegen lange Zeiträume. Während manche Städte durch zahlreiche Quellen sicher identifiziert werden können, bleiben andere Namen nur in wenigen alten Texten erhalten. Eine verantwortungsvolle Auslegung muss solche Unterschiede anerkennen, anstatt jede offene Frage mit einer scheinbar sicheren Antwort zu schließen.

Als letzten König nennt Vers 23 in der Schlachter 1951 den Herrscher von Tirza. Mit ihm erreicht die Aufzählung ihren einunddreißigsten und letzten Eintrag. Tirza lag im zentralen Bergland des späteren Stammesgebietes Manasses. Die Stadt wird gewöhnlich mit Tell el-Far'ah Nord identifiziert, einem archäologisch untersuchten Siedlungshügel nordöstlich von Sichem.

Die Landschaft um Tirza unterscheidet sich von den offenen Ebenen bei Megiddo und den Küstengebieten bei Dor. Sie gehört zum samarischen Bergland, das aus zahlreichen Höhenzügen, Tälern und natürlichen Verkehrsverbindungen besteht. Die Lage der Stadt bot Zugang zu Wegen, die das zentrale Bergland mit den östlich gelegenen Regionen verbanden.

Tirza spielte in der späteren Geschichte Israels eine besonders wichtige Rolle. Nach der Teilung des Königreiches in Juda und Israel wurde die Stadt zeitweise zum Herrschaftszentrum des Nordreiches. In 1. Könige 14,17 wird Tirza bereits während der Regierung Jerobeams erwähnt. Später regierten verschiedene Könige des Nordreiches von dort aus.

Besonders deutlich wird ihre politische Bedeutung in 1. Könige 15 und 16. Baesa herrschte in Tirza, und auch seine Nachfolger waren mit der Stadt verbunden. Während der kurzen Herrschaft Simris kam es zu einer schweren inneren Auseinandersetzung. Als Omri gegen Tirza zog, setzte Simri nach dem Bericht den königlichen Palast in Brand und starb in den Flammen.

Später verlegte Omri den Mittelpunkt seiner Herrschaft nach Samaria. Nach 1. Könige 16,23–24 regierte er zunächst mehrere Jahre in Tirza, bevor er einen neuen Herrschaftssitz auf dem Berg Samaria errichtete. Damit verlor Tirza ihre bisherige Stellung als Hauptstadt des Nordreiches, blieb aber weiterhin ein Ort mit einer bedeutsamen Vergangenheit.

Auch im Hohelied begegnet der Name. In Hohelied 6,4 wird die Schönheit der Geliebten mit der Schönheit Tirzas verglichen. Diese poetische Verwendung lässt erkennen, dass die Stadt beziehungsweise ihr Name mit einer positiven Vorstellung von Anmut und Schönheit verbunden sein konnte. Die ursprüngliche Bedeutung des Namens wird gewöhnlich mit Wohlgefallen oder Lieblichkeit in Verbindung gebracht.

Diese späteren Berichte verleihen der knappen Erwähnung in Josua 12 eine besondere geschichtliche Tiefe. Zur Zeit Josuas erscheint Tirza als Sitz eines kanaanitischen Königs, der zu den Besiegten gehört. Viele Generationen später wird die Stadt zu einem bedeutenden politischen Zentrum Israels. Der Text beschreibt nicht, wie jeder einzelne Schritt dieser Entwicklung verlief. Doch die verschiedenen Bücher der Bibel zeigen, dass ein Ort in unterschiedlichen Epochen sehr verschiedene Aufgaben und Bedeutungen besitzen konnte.

Auch die archäologische Erforschung von Tell el-Far'ah Nord hat wichtige Erkenntnisse zur späteren Geschichte Tirzas geliefert. Untersucht wurden besonders Siedlungsphasen aus der frühen Eisenzeit und der Zeit des Nordreiches. Die Befunde helfen, die Entwicklung einer Stadt zu verstehen, die zeitweise als Königssitz diente. Sie belegen aber nicht unmittelbar die persönliche Identität oder die Niederlage des in Josua 12 genannten kanaanitischen Königs.

Mit Tirza endet die lange Reihe der einzelnen Herrscher. Vers 24 nennt in der Schlachter 1951 nur noch die abschließende Gesamtzahl: Einunddreißig Könige. Diese Zahl ist das Ergebnis der vorausgegangenen Aufzählung. Von Jericho bis Tirza hat der Erzähler jeden König einzeln berücksichtigt und die verschiedenen Siege zu einer gemeinsamen Bilanz verbunden.

Dabei darf die Zahl nicht mit der Anzahl aller einzelnen Schlachten gleichgesetzt werden. Einige Könige gehörten zu größeren Bündnissen und wurden innerhalb derselben militärischen Auseinandersetzung besiegt. Andere Herrscher erscheinen in der Liste, ohne dass das Josuabuch einen eigenen Schlachtbericht überliefert. Die einunddreißig Könige stehen deshalb für die besiegten Herrschaftsgebiete, nicht zwingend für einunddreißig voneinander unabhängige Kriege.

Ebenso wenig bedeutet die Zahl, dass Israel einunddreißig große Reiche von der Ausdehnung Ägyptens oder Babylons erobert hätte. Die politische Landschaft Kanaans war durch zahlreiche Stadtstaaten geprägt, deren Herrscher jeweils eine Stadt und ihr Umland kontrollierten. Manche dieser Gebiete waren größer und wirtschaftlich bedeutender als andere. Die Gesamtzahl beschreibt somit die Vielzahl der überwundenen königlichen Herrschaften innerhalb Kanaans.

Zusammen mit den beiden Königen Sihon und Og, die zu Beginn des Kapitels genannt wurden, umfasst die gesamte Rückschau dreiunddreißig besiegte Könige. Der Erzähler unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen den beiden Siegen unter Mose östlich des Jordan und den einunddreißig Siegen unter Josua westlich des Flusses. Die abschließende Zahl einunddreißig bezieht sich deshalb nur auf den zweiten Teil der Aufzählung.

Diese Unterscheidung macht noch einmal sichtbar, wie die Aufgaben Moses und Josuas miteinander verbunden waren. Die Landnahme begann nicht erst mit dem Einzug über den Jordan. Unter Mose waren bereits bedeutende Gebiete gewonnen worden, und unter Josua wurden die Eroberungen westlich des Flusses fortgesetzt. Die Liste führt beide Abschnitte zu einer zusammenhängenden Geschichte zusammen.

Der Abschluss besitzt außerdem eine wichtige Bedeutung für die weitere Entwicklung des Josuabuches. Nachdem die besiegten Könige aufgezählt sind, wendet sich der Erzähler im nächsten Kapitel den noch ausstehenden Aufgaben zu. Josua 13 beginnt mit Gottes Aussage, dass Josua inzwischen alt geworden sei und noch sehr viel Land einzunehmen bleibe.

Gerade diese Gegenüberstellung ist bemerkenswert. Einerseits berichtet Josua 12 von weitreichenden militärischen Erfolgen. Andererseits erklärt das unmittelbar folgende Kapitel, dass die Besitznahme des Landes noch nicht vollständig abgeschlossen war. Die Bibel stellt beide Aussagen nebeneinander, ohne eine davon zurückzunehmen.

Damit wird deutlich, dass die Erfüllung der Landverheißung innerhalb der Geschichte verschiedene Schritte umfasste. Der militärische Sieg über die Könige war ein entscheidender Abschnitt. Die Verteilung des Landes an die Stämme und die dauerhafte Besiedlung waren weitere Aufgaben. Wo kanaanitische Bewohner weiterhin in ihren Städten lebten, blieben auch nach den großen Feldzügen Fragen der Herrschaft und des Zusammenlebens bestehen.

So endet Josua 12 mit einer Bilanz, die zugleich an Gottes bisherige Führung und an die Verantwortung der kommenden Zeit erinnert. Hinter den einzelnen Namen stehen unterschiedliche Orte, Menschen und geschichtliche Ereignisse. Manche Städte waren bedeutende Handelszentren, andere beherrschten wichtige Zugänge zum Bergland. Einige besaßen lange politische Traditionen, während wir über andere kaum mehr erfahren als ihren Namen.

Die Liste bewahrt sie dennoch alle innerhalb derselben Geschichte. Sie zeigt, wie weit die Eroberungen unter Mose und Josua nach dem biblischen Bericht reichten. Zugleich lässt sie erkennen, dass die Geschichte des Landes mit dem Sieg über seine Könige nicht abgeschlossen war. Israel hatte bedeutende Teile seines Erbes empfangen. Nun musste das Volk lernen, mit diesem Erbe nach Gottes Weisungen zu leben.

Mit der abschließenden Zahl von einunddreißig Königen schließt deshalb nicht nur eine Aufzählung, sondern ein großer Abschnitt der Landnahmegeschichte. Die Kämpfe stehen im Rückblick, die gewonnenen Gebiete sind benannt, und der Blick kann sich nun auf das richten, was nach den Siegen folgen sollte: die Verteilung des Landes und die Verantwortung jedes Stammes für seinen Anteil am verheißenen Erbe.

Geistliche Kernbotschaft

Josua 12 zeigt, wie Gottes Verheißungen über viele Jahre und durch das Leben verschiedener Menschen hindurch Wirklichkeit werden. Das Kapitel erzählt keine neue Schlacht, sondern blickt auf die bereits errungenen Siege zurück. Die zahlreichen Königsnamen erinnern daran, dass Israel auf dem Weg in das verheißene Land immer wieder auf mächtige Gegner gestoßen war. Was in den früheren Kapiteln als einzelne Auseinandersetzung beschrieben wurde, erscheint nun als Teil einer größeren Geschichte.

Diese Geschichte hatte lange vor Josua begonnen. Gott hatte Abraham versprochen, seinen Nachkommen das Land Kanaan zu geben. Abraham selbst erlebte die vollständige Erfüllung dieser Zusage nicht. Auch Isaak und Jakob lebten im Vertrauen auf Gottes Wort, ohne bereits die spätere Landnahme zu sehen. Viele Generationen vergingen, bis ihre Nachkommen schließlich aus Ägypten auszogen und sich dem verheißenen Land näherten. Josua 12 führt vor Augen, dass Gottes Verheißungen nicht an die Lebenszeit eines einzelnen Menschen gebunden sind.

Besonders deutlich wird dies durch die Verbindung zwischen Mose und Josua. Die ersten Verse erinnern an die Siege über Sihon und Og, die noch unter Moses Führung stattgefunden hatten. Anschließend werden die Könige genannt, die Israel unter Josua besiegte. Beide Männer erhielten unterschiedliche Aufgaben, doch ihre Arbeit gehörte zu demselben göttlichen Vorhaben. Mose durfte das Volk bis an die Grenze des Landes führen und bereits wichtige Gebiete erobern. Josua übernahm danach die Verantwortung für die weiteren Feldzüge.

Darin liegt eine wichtige geistliche Einsicht: Nicht jeder Mensch erlebt den Abschluss dessen, woran er im Auftrag Gottes mitgewirkt hat. Manchmal besteht die eigene Aufgabe darin, einen Anfang zu machen, Grundlagen zu schaffen oder anderen den weiteren Weg zu ermöglichen. Mose hatte eine unverzichtbare Rolle innerhalb der Geschichte Israels, obwohl er selbst nicht den gesamten Weg bis zur Landverteilung mitgehen durfte. Seine Arbeit verlor dadurch nicht an Bedeutung.

Die Liste der besiegten Könige erinnert außerdem daran, dass sich Gottes Führung häufig erst im Rückblick in ihrem größeren Zusammenhang erkennen lässt. Während Israel vor Jericho stand, war der spätere Sieg über Hazor noch nicht erlebt worden. Nach der Niederlage bei Ai war der weitere Verlauf keineswegs selbstverständlich. Auch die vereinten Heere der südlichen und nördlichen Könige stellten ernste Bedrohungen dar. Jede dieser Situationen brachte eigene Schwierigkeiten mit sich.

Josua 12 betrachtet diese Ereignisse nun gemeinsam. Aus den einzelnen Siegen entsteht eine Übersicht, die zeigt, wie weit Israel auf seinem Weg gekommen war. Das bedeutet nicht, dass jede Schwierigkeit leicht gewesen wäre oder dass die Menschen während der Kämpfe immer verstanden hätten, wie die Geschichte weitergehen würde. Vielmehr macht der Rückblick sichtbar, dass die zahlreichen Ereignisse innerhalb des biblischen Berichts mit Gottes fortdauernder Treue verbunden werden.

Dabei ist besonders wichtig, dass Israel seine Erfolge nicht als Beweis eigener moralischer Überlegenheit verstehen sollte. Schon Mose hatte das Volk ausdrücklich davor gewarnt, die Landgabe seiner eigenen Gerechtigkeit zuzuschreiben (5. Mose 9,4–6). Die Verheißung an die Vorfahren und Gottes Gericht über die bisherigen Bewohner bildeten nach dem biblischen Bericht den entscheidenden Hintergrund. Israels Berufung machte das Volk nicht unabhängig von Gottes Weisungen und verlieh ihm kein allgemeines Recht, nach eigenem Ermessen fremde Länder zu beanspruchen.

Auch die ernste Wirklichkeit der Eroberungskriege darf nicht übergangen werden. Hinter der Liste stehen nicht nur politische Veränderungen, sondern Kämpfe, Zerstörungen und der Tod vieler Menschen. Die Bibel stellt diese Ereignisse in den besonderen Zusammenhang der Landnahme und des göttlichen Gerichtes. Sie gibt uns jedoch keine vollständige Auskunft über die persönliche Schuld jedes einzelnen Betroffenen. Deshalb dürfen wir die Königsliste weder zu einer harmlosen Erfolgsgeschichte verkürzen noch zu einer allgemeinen Rechtfertigung religiöser Gewalt machen.

Eine weitere zentrale Botschaft ergibt sich aus dem Unterschied zwischen einem errungenen Sieg und einer vollständig abgeschlossenen Aufgabe. Josua 12 zählt einunddreißig besiegte Könige westlich des Jordan auf. Dennoch erklärt Gott bereits im folgenden Kapitel, dass noch sehr viel Land einzunehmen sei. Die militärischen Erfolge waren wirklich, aber sie bedeuteten nicht, dass Israel damit jede Verantwortung erfüllt hatte.

Diese Spannung begegnet auch im geistlichen Leben. Ein Mensch kann wichtige Fortschritte machen, ohne deshalb bereits am Ende seines Weges angekommen zu sein. Wer eine schwierige Gewohnheit überwunden, eine falsche Entscheidung korrigiert oder eine Aufgabe verantwortungsvoll abgeschlossen hat, darf dafür dankbar sein. Doch aus einem solchen Erfolg folgt nicht, dass keine weiteren Herausforderungen mehr entstehen werden. Wachstum und Treue bleiben fortlaufende Aufgaben.

Gleichzeitig zeigt die Landverteilung, dass die Siege nicht allein um der Siege willen errungen wurden. Das Ziel der Geschichte war nicht eine endlose Reihe militärischer Erfolge. Israel sollte das Land empfangen, das Gott seinen Vorfahren verheißen hatte, und dort als sein Volk leben. Das Erbe brachte deshalb nicht nur Besitz, sondern auch Verantwortung mit sich. Die einzelnen Stämme sollten ihren Anteil bewohnen und sich an Gottes Weisungen orientieren.

Der tiefere geistliche Zusammenhang reicht schließlich über die damalige Landnahme hinaus. Im Hebräerbrief wird Abraham als ein Mann beschrieben, der im Glauben auf Gottes Verheißung vertraute und zugleich eine bleibende, von Gott bereitete Heimat erwartete (Hebräer 11,8–16). Auch die Ruhe, die Israel unter Josua erlebte, wird später als ein geschichtliches Geschenk verstanden, das noch nicht Gottes endgültige Ruhe war (Hebräer 4,8–11).

Damit wird die Landnahme nicht bedeutungslos. Sie bleibt ein wichtiger Abschnitt der Geschichte, in der Gott seine früheren Zusagen erfüllt. Doch die gesamte Bibel führt die Hoffnung weiter. Durch Jesus Christus öffnet Gott Menschen den Weg zu einer Gemeinschaft mit ihm, deren Bestand nicht von der Herrschaft über ein irdisches Gebiet abhängt.

Die geistliche Kernbotschaft von Josua 12 liegt deshalb in Gottes Treue über Generationen hinweg. Die Namen der Könige erinnern an tatsächliche Widerstände und schwere geschichtliche Auseinandersetzungen. Zugleich steht hinter ihrer Aufzählung die Erinnerung an ein Versprechen, das lange vor diesen Ereignissen gegeben worden war. Gott hatte seine Zusage nicht vergessen. Und auch nach den großen Siegen blieb Israel darauf angewiesen, ihm weiterhin zu vertrauen und seinen Weisungen zu folgen.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Eine grundlegende Verbindung besteht zu 1. Mose 15,13–21. Gott kündigt Abraham dort an, dass seine Nachkommen zunächst Fremdlinge in einem anderen Land sein und Bedrängnis erfahren würden. Erst nach mehreren Generationen sollten sie in das verheißene Land zurückkehren. Zugleich nennt Gott die noch nicht vollendete Schuld der Amoriter als einen Grund dafür, dass die Rückkehr nicht sofort stattfinden würde.

Diese Verheißung gibt Josua 12 einen größeren geschichtlichen Rahmen. Die Eroberungen stehen am Ende einer langen Entwicklung, die bereits Abraham angekündigt worden war. Die Landnahme erscheint deshalb innerhalb der Bibel nicht als ein Vorhaben, das erst mit Moses oder Josuas politischen Entscheidungen begann. Zugleich macht der Bezug zur Schuld der Amoriter deutlich, dass der biblische Bericht die Ereignisse in den Zusammenhang göttlichen Gerichtes stellt. Über die persönliche Schuld jedes einzelnen Menschen trifft die Verheißung jedoch keine gesonderte Aussage.

Eine weitere Verbindung führt zu 2. Mose 3,7–8. Als Gott Mose beruft, erklärt er, dass er das Elend seines Volkes in Ägypten gesehen habe und es in ein gutes und weites Land führen wolle. Dabei nennt er mehrere Völker, deren Gebiete zu dieser Zeit in Kanaan lagen. Josua 12 greift genau diese geschichtliche Entwicklung auf. Die Befreiung aus Ägypten und die Einnahme des Landes sind im biblischen Zusammenhang keine voneinander unabhängigen Ereignisse. Gott hatte Israel nicht nur aus der Knechtschaft herausgeführt, sondern ihm auch eine neue Heimat verheißen.

Besonders eng sind die Verse 1–6 mit 4. Mose 21,21–35 und 5. Mose 2,24–3,22 verbunden. Diese Texte erzählen ausführlich von den Kämpfen gegen Sihon und Og. Die beiden Könige verweigerten beziehungsweise bekämpften Israels Vormarsch, und ihre Herrschaftsgebiete wurden unter Mose erobert. Josua 12 wiederholt nicht die gesamte Geschichte, sondern bewahrt ihre Ergebnisse innerhalb der abschließenden Übersicht.

Der Vergleich zeigt außerdem, wie wichtig die damaligen Siege für Josuas spätere Aufgabe wurden. In 5. Mose 3,21–22 erinnert Mose seinen Nachfolger ausdrücklich daran, was Gott an Sihon und Og getan hatte. Josua sollte daraus Mut für die bevorstehenden Kämpfe westlich des Jordan schöpfen. Die Vergangenheit wird damit zu einer Grundlage der Ermutigung für eine neue Verantwortung.

Auch 5. Mose 2,4–19 ist für die geografischen Angaben bedeutsam. Dort erklärt Gott Israel, dass die Gebiete der Nachkommen Esaus sowie der Moabiter und Ammoniter nicht einfach erobert werden dürfen. Diesen Völkern waren eigene Länder zugewiesen worden. Der Vergleich mit Josua 12 macht deutlich, dass die Siege über Sihon und Og nicht als unbegrenzter Eroberungsauftrag verstanden werden dürfen. Gerade dort, wo Israel militärisch erfolgreich war, blieben die von Gott gesetzten Grenzen verbindlich.

Eine wichtige Verbindung zur Frage nach Israels eigener Stellung findet sich in 5. Mose 9,4–6. Mose warnt das Volk davor, nach der Vertreibung der bisherigen Bewohner zu behaupten, Gott habe ihm das Land wegen seiner eigenen Gerechtigkeit gegeben. Er erinnert vielmehr an die Bosheit der betreffenden Völker und an den Eid, den Gott Abraham, Isaak und Jakob geschworen hatte. Zugleich bezeichnet er Israel selbst als ein halsstarriges Volk.

Diese Stelle ist ein wichtiger Schutz vor einer falschen Auslegung der Königsübersicht. Die Vielzahl der Siege beweist nach dem biblischen Zeugnis nicht, dass Israel aus sich selbst heraus gerecht oder allen anderen Völkern überlegen gewesen wäre. Auch das erwählte Volk bleibt Gott gegenüber verantwortlich und darf seine Berufung nicht als Rechtfertigung für Selbstgerechtigkeit gebrauchen.

Eine besonders enge literarische Verbindung besteht zu Josua 11,16–23. Dort fasst der Erzähler die großen Eroberungsfeldzüge bereits geografisch zusammen und erklärt, dass Josua das Land entsprechend Gottes Zusage eingenommen habe. Josua 12 ergänzt diesen Rückblick nun durch die Namen der besiegten Könige. Beide Kapitel erfüllen damit unterschiedliche Aufgaben: Josua 11 beschreibt die große Entwicklung der Feldzüge, während Josua 12 die überwundenen Herrschaftszentren einzeln aufführt.

Daran schließt Josua 13,1–7 an. Gott erklärt dort ausdrücklich, dass Josua alt geworden sei und noch viel Land einzunehmen bleibe. Gleichzeitig soll er das Land bereits unter den Stämmen verteilen. Dieser Zusammenhang ist für das Verständnis der Königsliste entscheidend. Ein militärischer Sieg, die Zuweisung eines Gebietes und seine dauerhafte vollständige Besitznahme sind nicht zwangsläufig identisch.

Diese Unterscheidung bestätigt Richter 1,27–36. Dort werden verschiedene Orte genannt, deren kanaanitische Bewohner von den israelitischen Stämmen nicht vollständig vertrieben wurden. Zu ihnen gehören Taanach, Megiddo, Dor und Geser. Gerade diese Städte erscheinen bereits in der Liste von Josua 12. Der Vergleich zeigt, dass die Bibel die militärische Niederlage ihrer Könige und das spätere Fortbestehen kanaanitischer Bevölkerungsgruppen nebeneinander überliefert.

Die unterschiedlichen Berichte sind deshalb nicht einfach dadurch zu erklären, dass der spätere Text den früheren Sieg bestreiten würde. Vielmehr betreffen sie unterschiedliche Phasen und Aspekte der Landnahme. Wie die politischen Verhältnisse in jedem einzelnen Ort zwischen diesen Ereignissen wechselten, wird allerdings nicht vollständig beschrieben.

Eine weitere Verbindung besteht zu Josua 21,43–45. Nachdem die Landverteilung ausführlich geschildert worden ist, erklärt der Erzähler, dass der HERR Israel das Land gegeben und ihm Ruhe verschafft habe. Keine der guten Verheißungen Gottes sei ausgeblieben. Diese zusammenfassende Würdigung gehört in denselben theologischen Zusammenhang wie Josua 12. Beide Abschnitte betonen, dass Gottes frühere Zusagen in der Geschichte Israels Wirklichkeit geworden waren.

Zugleich muss Josua 21 im Zusammenhang mit den Berichten über noch nicht vertriebene Bewohner gelesen werden. Die Aussage über Gottes Treue hebt diese Schwierigkeiten nicht auf. Sie stellt vielmehr die grundsätzliche Erfüllung seiner Landverheißung heraus, während die tatsächliche weitere Besitznahme und das Verhalten der Stämme eigene Themen bleiben.

Besonders wichtig ist schließlich die Verbindung zu Hebräer 11,8–16. Dort wird Abraham als Vorbild des Glaubens beschrieben. Er zog auf Gottes Ruf hin in ein Land, das er später als Erbe empfangen sollte. Dennoch lebte er dort zunächst als Fremdling. Der Hebräerbrief richtet den Blick darauf, dass Abraham und andere Glaubenszeugen über ihre unmittelbare irdische Situation hinaus auf Gottes endgültige Verheißungen vertrauten.

Diese Verbindung erweitert die Perspektive von Josua 12. Die Landnahme unter Mose und Josua gehört zur tatsächlichen Geschichte Israels und darf nicht auf ein bloßes Sinnbild reduziert werden. Doch sie ist nicht der letzte Horizont biblischer Hoffnung. Der Hebräerbrief spricht von einer besseren, himmlischen Heimat und verbindet den Glauben mit einer Zukunft, die Gott selbst bereitet.

Damit führt die Linie von den konkreten Gebieten Kanaans über Gottes Treue zu den Erzvätern bis zu der Hoffnung, die im Neuen Testament durch Jesus Christus ihre tiefere Erfüllung erhält. Die Namen der besiegten Könige stehen am Ende eines bedeutenden geschichtlichen Abschnittes. Die Verheißungsgeschichte Gottes reicht jedoch weit darüber hinaus.

Wichtige Lektionen

Eine wichtige Lektion aus Josua 12 besteht darin, Gottes bisherige Führung nicht zu vergessen. Das Kapitel bewahrt die Namen der besiegten Könige, obwohl ihre Niederlagen bereits in den vorherigen Berichten zusammengefasst oder ausführlich erzählt worden waren. Die Erinnerung sollte nicht verloren gehen. Israel konnte auf die Geschichte zurückblicken und erkennen, welche Hindernisse auf seinem Weg bereits überwunden worden waren.

Auch für unser Leben kann ein solcher Rückblick wertvoll sein. Schwierigkeiten, die uns früher große Sorgen bereitet haben, verlieren im Laufe der Zeit manchmal ihre unmittelbare Bedeutung. Wir beschäftigen uns mit neuen Aufgaben und vergessen, wie viel wir bereits gelernt oder bewältigt haben. Wer bewusst zurückblickt, kann Fortschritte erkennen, die während des täglichen Lebens kaum sichtbar waren. Dabei geht es nicht darum, jede positive Entwicklung vorschnell als unmittelbares Wunder zu bezeichnen, sondern dankbar und sorgfältig wahrzunehmen, wie sich das eigene Leben entwickelt hat.

Eine zweite Lektion betrifft die Bedeutung kleinerer und weniger sichtbarer Aufgaben. Manche Könige von Josua 12 sind aus den vorausgegangenen Erzählungen gut bekannt. Andere werden nur mit ihrem Herrschaftsort genannt. Dennoch gehören sie alle zur abschließenden Übersicht. Die Liste erinnert daran, dass eine größere Entwicklung nicht nur aus wenigen außergewöhnlichen Ereignissen besteht. Häufig sind auch weniger bekannte Schritte entscheidend für das Gesamtergebnis.

Dieser Gedanke lässt sich auf viele Bereiche des Lebens übertragen. Nicht jede verantwortungsvolle Handlung führt zu einer bemerkenswerten Geschichte. Manche Aufgaben werden über lange Zeit zuverlässig erfüllt, ohne dass andere Menschen ihnen große Aufmerksamkeit schenken. Ihr Wert hängt jedoch nicht ausschließlich davon ab, wie sichtbar oder eindrucksvoll sie erscheinen. Treue zeigt sich oftmals gerade dort, wo ein Mensch seinen Auftrag gewissenhaft erfüllt, ohne dafür besondere Anerkennung zu erwarten.

Die Verbindung zwischen Mose und Josua vermittelt außerdem eine Lektion über den Umgang mit Verantwortung. Mose hatte Israel durch eine lange und schwierige Zeit geführt, durfte die gesamte Landnahme jedoch nicht selbst vollenden. Josua setzte die Aufgabe fort. Die Geschichte zeigt damit, dass wichtige Vorhaben nicht auf die Person eines einzigen Verantwortlichen beschränkt sein müssen.

Für unser Zusammenleben bedeutet dies, dass wir nicht jede Aufgabe vollständig kontrollieren oder allein zu Ende bringen müssen. Manchmal besteht gute Leitung darin, anderen Menschen Verantwortung zu übertragen, sie vorzubereiten und ihnen einen tragfähigen Anfang zu ermöglichen. Wer eine Aufgabe weitergibt, verliert dadurch nicht automatisch den Wert seiner bisherigen Arbeit.

Eine weitere Lektion betrifft die Unterscheidung zwischen einem erreichten Erfolg und einer vollständig abgeschlossenen Aufgabe. Josua 12 zählt zahlreiche besiegte Könige auf. Dennoch berichtet das folgende Kapitel ausdrücklich von Gebieten, die noch eingenommen werden mussten. Diese beiden Tatsachen widersprechen sich nicht zwangsläufig. Die Erfolge waren bedeutsam, doch sie machten weitere Verantwortung nicht überflüssig.

Auch wir können versucht sein, nach einer gelungenen Entscheidung oder einem wichtigen Fortschritt anzunehmen, dass die damit verbundene Aufgabe nun endgültig erledigt sei. Doch manches muss nach einem erfolgreichen Anfang weiter gepflegt, geschützt oder ausgebaut werden. Das gilt für Beziehungen, persönliche Gewohnheiten, berufliche Aufgaben und geistliches Wachstum. Ein guter Anfang ist wertvoll, ersetzt aber nicht die Treue auf dem weiteren Weg.

Besonders wichtig ist die Lektion über Demut. Die Siege über die kanaanitischen Könige waren nach dem biblischen Bericht mit Gottes Verheißung und seinem Gerichtshandeln verbunden. Israel durfte daraus jedoch keinen Anspruch eigener moralischer Überlegenheit ableiten. Mose hatte das Volk ausdrücklich davor gewarnt, sich wegen der Landgabe für gerechter als die anderen Völker zu halten.

Auch heute ist Erfolg kein sicherer Maßstab für den geistlichen Wert eines Menschen. Wer beruflich erfolgreich ist, gesund bleibt oder schwierige Situationen überwindet, darf daraus nicht schließen, Gott liebe ihn mehr als Menschen, die schwere Verluste erleben. Ebenso wenig ist das Scheitern eines Menschen automatisch ein Beweis dafür, dass Gott ihn verworfen hätte. Solche Urteile gehen weit über das hinaus, was wir über Gottes Handeln im Leben anderer wissen können.

Josua 12 erinnert außerdem daran, dass Gott Menschen unterschiedliche Aufgaben und Grenzen setzt. Das eroberte Ostjordanland war ausdrücklich bestimmten Stämmen zugeteilt worden. Gleichzeitig hatte Gott Israel untersagt, die Gebiete der Nachbarvölker Edom, Moab und Ammon eigenmächtig zu beanspruchen. Der Besitz eines zugesagten Erbes bedeutete deshalb nicht, alles an sich nehmen zu dürfen, was erreichbar erschien.

Daraus lässt sich eine wichtige grundsätzliche Haltung ableiten: Nicht jede Möglichkeit, die uns offensteht, ist deshalb auch richtig. Ein Mensch kann die Fähigkeit besitzen, mehr Einfluss zu gewinnen, zusätzliche Vorteile zu erreichen oder Entscheidungen gegen andere durchzusetzen. Dennoch bleibt die Frage, ob ein solcher Schritt gerecht, verantwortungsvoll und mit Gottes Weisungen vereinbar ist. Die eigenen Grenzen anzuerkennen, gehört ebenso zur Treue wie entschlossenes Handeln innerhalb des eigenen Auftrags.

Eine besonders ernste Lektion betrifft den Umgang mit den Gewaltberichten der Bibel. Josua 12 zählt Könige auf, deren Herrschaft durch Kriege beendet wurde. Die früheren Kapitel berichten ausdrücklich von schweren Kämpfen und der Tötung von Menschen. Diese geschichtliche Wirklichkeit darf nicht verschwiegen werden. Gleichzeitig erlaubt uns der besondere Auftrag der damaligen Landnahme nicht, solche Handlungen als allgemeines Vorbild für christliches Verhalten zu übernehmen.

Jesus Christus hat seine Nachfolger dazu aufgerufen, ihre Feinde zu lieben und für diejenigen zu beten, die sie verfolgen (Matthäus 5,44). Er sandte seine Jünger aus, damit sie Menschen das Evangelium verkündigen und zu Jüngern machen (Matthäus 28,18–20). Dieser Auftrag unterscheidet sich grundlegend von den damaligen Eroberungskriegen. Christlicher Glaube darf deshalb nicht benutzt werden, um Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer Überzeugungen Gewalt anzutun.

Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, offene Fragen ehrlich stehen zu lassen. Nicht alle Städte der Königsübersicht können heute zweifelsfrei lokalisiert werden. Manche Namen begegnen an mehreren Orten. Andere besitzen unterschiedliche Formen in der hebräischen und griechischen Textüberlieferung. Eine sorgfältige Beschäftigung mit der Bibel muss solche Schwierigkeiten nicht verbergen.

Gerade die Unterscheidung zwischen gesicherten Aussagen und möglichen Erklärungen ist Ausdruck eines verantwortungsvollen Umgangs mit Gottes Wort. Wer die Bibel ernst nimmt, sollte nicht mehr Gewissheit behaupten, als der Text tatsächlich vermittelt. Ehrlichkeit über die Grenzen unseres Wissens schwächt die Bedeutung der Schrift nicht, sondern bewahrt uns davor, eigene Vermutungen mit Gottes ausdrücklichem Wort zu verwechseln.

Eine weitere Lektion betrifft die Bedeutung von Gemeinschaft. Die ostjordanischen Stämme hatten bereits ein Erbteil erhalten, blieben aber verpflichtet, den anderen Stämmen bei der Einnahme ihrer Gebiete zu helfen. Die Geschichte Israels bestand nicht aus voneinander unabhängigen Familien, die nur ihren eigenen Vorteil suchten. Die Stämme waren Teil eines gemeinsamen Volkes und trugen Verantwortung füreinander.

Dieser Grundgedanke findet im Neuen Testament eine besondere Fortführung. Paulus beschreibt die christliche Gemeinde als einen Leib mit vielen Gliedern, die unterschiedliche Aufgaben besitzen und dennoch aufeinander angewiesen sind (1. Korinther 12,12–27). Niemand soll seine eigene Stellung für bedeutungslos halten, aber auch niemand darf annehmen, die übrigen Menschen nicht zu benötigen. Die Verschiedenheit der Aufgaben soll der gegenseitigen Unterstützung dienen.

Schließlich lädt Josua 12 dazu ein, die eigene Hoffnung nicht ausschließlich an die sichtbaren Ergebnisse unseres Lebens zu binden. Mose konnte nur einen Teil der Landnahme erleben. Josua durfte weitere entscheidende Siege erringen, doch auch unter seiner Führung blieb das Werk unvollständig. Die Bibel zeigt damit Menschen, die innerhalb ihrer begrenzten Lebenszeit an etwas Größerem mitwirkten.

Diese Beobachtung führt zur Hoffnung des Neuen Testaments. Der Hebräerbrief erinnert daran, dass Abraham und andere Glaubenszeugen Gottes Verheißungen vertrauten, obwohl sie deren endgültige Erfüllung zu ihren Lebzeiten nicht vollständig erlebten. Ihr Glaube richtete sich auf die Zukunft, die Gott selbst bereiten würde.

Für Christen steht diese Hoffnung in enger Verbindung mit Jesus Christus. Seine Auferstehung ist nach dem Neuen Testament die Grundlage der Zuversicht, dass Gottes Verheißungen über die Grenzen des gegenwärtigen Lebens hinausreichen. Deshalb ist unsere Hoffnung nicht darauf beschränkt, alle Schwierigkeiten schon jetzt überwinden oder sämtliche offenen Aufgaben selbst abschließen zu müssen.

Josua 12 erinnert uns daran, dass Gottes Geschichte mit seinen Menschen größer ist als der einzelne Augenblick. Manche Wege beginnen lange vor uns, andere werden nach uns fortgesetzt. Wir sind verantwortlich für das, was uns anvertraut wurde, aber wir müssen nicht die gesamte Zukunft in unseren eigenen Händen halten.

So kann die lange Liste besiegter Könige zu einer Einladung werden, aufmerksam zurückzublicken, dankbar das Empfangene wahrzunehmen und zugleich die noch offenen Aufgaben nicht zu übersehen. Gottes Treue soll uns weder selbstzufrieden noch überheblich machen. Sie soll uns vielmehr dazu ermutigen, unseren eigenen Weg mit Vertrauen, Demut und Ausdauer fortzusetzen.