Hiob 9 – Lutherbibel 1912
Hiob antwortete und sprach:
Lutherbibel 1912 – 35 Verse. Der vollständige Kapiteltext:
- 1 Hiob antwortete und sprach:
- 2 Ja, ich weiß gar wohl, daß es also ist und daß ein Mensch nicht recht behalten mag gegen Gott.
- 3 Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.
- 4 Er ist weise und mächtig; wem ist's je gelungen, der sich wider ihn gelegt hat?
- 5 Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden, die er in seinem Zorn umkehrt.
- 6 Er bewegt die Erde aus ihrem Ort, daß ihre Pfeiler zittern.
- 7 Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.
- 8 Er breitet den Himmel aus allein und geht auf den Wogen des Meeres.
- 9 Er macht den Wagen am Himmel und Orion und die Plejaden und die Sterne gegen Mittag.
- 10 Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist.
- 11 Siehe, er geht an mir vorüber, ehe ich's gewahr werde, und wandelt vorbei, ehe ich's merke.
- 12 Siehe, wenn er hinreißt, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?
- 13 Er ist Gott; seinen Zorn kann niemand stillen; unter ihn mußten sich beugen die Helfer Rahabs.
- 14 Wie sollte ich denn ihm antworten und Worte finden gegen ihn?
- 15 Wenn ich auch recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten, sondern ich müßte um mein Recht flehen.
- 16 Wenn ich ihn schon anrufe, und er mir antwortet, so glaube ich doch nicht, daß er meine Stimme höre.
- 17 Denn er fährt über mich mit Ungestüm und macht mir Wunden viel ohne Ursache.
- 18 Er läßt meinen Geist sich nicht erquicken, sondern macht mich voll Betrübnis.
- 19 Will man Macht, so ist er zu mächtig; will man Recht, wer will mein Zeuge sein?
- 20 Sage ich, daß ich gerecht bin, so verdammt er mich doch; bin ich Unschuldig, so macht er mich doch zu Unrecht.
- 21 Ich bin unschuldig! ich frage nicht nach meiner Seele, begehre keines Lebens mehr.
- 22 Es ist eins, darum sage ich: Er bringt um beide, den Frommen und den Gottlosen.
- 23 Wenn er anhebt zu geißeln, so dringt er alsbald zum Tod und spottet der Anfechtung der Unschuldigen.
- 24 Das Land aber wird gegeben unter die Hand der Gottlosen, und der Richter Antlitz verhüllt er. Ist's nicht also, wer anders sollte es tun?
- 25 Meine Tage sind schneller gewesen denn ein Läufer; sie sind geflohen und haben nichts Gutes erlebt.
- 26 Sie sind dahingefahren wie die Rohrschiffe, wie ein Adler fliegt zur Speise.
- 27 Wenn ich gedenke: Ich will meiner Klage vergessen und meine Gebärde lassen fahren und mich erquicken,
- 28 so fürchte ich alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß du mich nicht unschuldig sein lässest.
- 29 Ich muß ja doch ein Gottloser sein; warum mühe ich mich denn so vergeblich?
- 30 Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wüsche und reinigte mein Hände mit Lauge,
- 31 so wirst du mich doch tauchen in Kot, und so werden mir meine Kleider greulich anstehen.
- 32 Denn er ist nicht meinesgleichen, dem ich antworten könnte, daß wir vor Gericht miteinander kämen.
- 33 Es ist zwischen uns kein Schiedsmann, der seine Hand auf uns beide lege.
- 34 Er nehme von mir seine Rute und lasse seinen Schrecken von mir,
- 35 daß ich möge reden und mich nicht vor ihm fürchten dürfe; denn ich weiß, daß ich kein solcher bin.