Hiob 6 – Lutherbibel 1912
Hiob antwortete und sprach:
Lutherbibel 1912 – 30 Verse. Der vollständige Kapiteltext:
- 1 Hiob antwortete und sprach:
- 2 Wenn man doch meinen Unmut wöge und mein Leiden zugleich in die Waage legte!
- 3 Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer; darum gehen meine Worte irre.
- 4 Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir: derselben Gift muß mein Geist trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet.
- 5 Das Wild schreit nicht, wenn es Gras hat; der Ochse blökt nicht, wenn er sein Futter hat.
- 6 Kann man auch essen, was ungesalzen ist? Oder wer mag kosten das Weiße um den Dotter?
- 7 Was meine Seele widerte anzurühren, das ist meine Speise, mir zum Ekel.
- 8 O, daß meine Bitte geschähe und Gott gäbe mir, was ich hoffe!
- 9 Daß Gott anfinge und zerschlüge mich und ließe seine Hand gehen und zerscheiterte mich!
- 10 So hätte ich nun Trost, und wollte bitten in meiner Krankheit, daß er nur nicht schonte, habe ich doch nicht verleugnet die Reden des Heiligen.
- 11 Was ist meine Kraft, daß ich möge beharren? und welches ist mein Ende, daß meine Seele geduldig sein sollte?
- 12 Ist doch meine Kraft nicht steinern und mein Fleisch nicht ehern.
- 13 Habe ich doch nirgend Hilfe, und mein Vermögen ist dahin.
- 14 Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten verweigert, der verläßt des Allmächtigen Furcht.
- 15 Meine Brüder trügen wie ein Bach, wie Wasserströme, die vergehen,
- 16 die trübe sind vom Eis, in die der Schnee sich birgt:
- 17 zur Zeit, wenn sie die Hitze drückt, versiegen sie; wenn es heiß wird, vergehen sie von ihrer Stätte.
- 18 Die Reisezüge gehen ab vom Wege, sie treten aufs Ungebahnte und kommen um;
- 19 die Reisezüge von Thema blicken ihnen nach, die Karawanen von Saba hofften auf sie:
- 20 aber sie wurden zu Schanden über ihrer Hoffnung und mußten sich schämen, als sie dahin kamen.
- 21 So seid ihr jetzt ein Nichts geworden, und weil ihr Jammer sehet, fürchtet ihr euch.
- 22 Habe ich auch gesagt: Bringet her von eurem Vermögen und schenkt mir
- 23 und errettet mich aus der Hand des Feindes und erlöst mich von der Hand der Gewalttätigen?
- 24 Lehret mich, so will ich schweigen; und was ich nicht weiß, darin unterweist mich.
- 25 Warum tadelt ihr rechte Rede? Wer ist unter euch, der sie strafen könnte?
- 26 Gedenket ihr, Worte zu strafen? Aber eines Verzweifelten Rede ist für den Wind.
- 27 Ihr fielet wohl über einen armen Waisen her und grübet eurem Nachbarn Gruben.
- 28 Doch weil ihr habt angehoben, sehet auf mich, ob ich vor euch mit Lügen bestehen werde.
- 29 Antwortet, was recht ist; meine Antwort wird noch recht bleiben.
- 30 Ist denn auf meiner Zunge Unrecht, oder sollte mein Gaumen Böses nicht merken?