Hiob 19 – Lutherbibel 1912
Hiob antwortete und sprach:
Lutherbibel 1912 – 29 Verse. Der vollständige Kapiteltext:
- 1 Hiob antwortete und sprach:
- 2 Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten?
- 3 Ihr habt mich nun zehnmal gehöhnt und schämt euch nicht, daß ihr mich also umtreibt.
- 4 Irre ich, so irre ich mir.
- 5 Wollt ihr wahrlich euch über mich erheben und wollt meine Schmach mir beweisen,
- 6 so merkt doch nun einmal, daß mir Gott Unrecht tut und hat mich mit seinem Jagdstrick umgeben.
- 7 Siehe, ob ich schon schreie über Frevel, so werde ich doch nicht erhört; ich rufe, und ist kein Recht da.
- 8 Er hat meinen Weg verzäunt, daß ich nicht kann hinübergehen, und hat Finsternis auf meinen Steig gestellt.
- 9 Er hat meine Ehre mir ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen.
- 10 Er hat mich zerbrochen um und um und läßt mich gehen und hat ausgerissen meine Hoffnung wie einen Baum.
- 11 Sein Zorn ist über mich ergrimmt, und er achtet mich für seinen Feind.
- 12 Seine Kriegsscharen sind miteinander gekommen und haben ihren Weg gegen mich gebahnt und haben sich um meine Hütte her gelagert.
- 13 Er hat meine Brüder fern von mir getan, und meine Verwandten sind mir fremd geworden.
- 14 Meine Nächsten haben sich entzogen, und meine Freunde haben mein vergessen.
- 15 Meine Hausgenossen und meine Mägde achten mich für fremd; ich bin unbekannt geworden vor ihren Augen.
- 16 Ich rief meinen Knecht, und er antwortete mir nicht; ich mußte ihn anflehen mit eigenem Munde.
- 17 Mein Odem ist zuwider meinem Weibe, und ich bin ein Ekel den Kindern meines Leibes.
- 18 Auch die jungen Kinder geben nichts auf mich; wenn ich ihnen widerstehe, so geben sie mir böse Worte.
- 19 Alle meine Getreuen haben einen Greuel an mir; und die ich liebhatte, haben sich auch gegen mich gekehrt.
- 20 Mein Gebein hanget an mir an Haut und Fleisch, und ich kann meine Zähne mit der Haut nicht bedecken.
- 21 Erbarmt euch mein, erbarmt euch mein, ihr meine Freunde! denn die Hand Gottes hat mich getroffen.
- 22 Warum verfolgt ihr mich gleich wie Gott und könnt meines Fleisches nicht satt werden?
- 23 Ach daß meine Reden geschrieben würden! ach daß sie in ein Buch gestellt würden!
- 24 mit einem eisernen Griffel auf Blei und zum ewigem Gedächtnis in Stein gehauen würden!
- 25 Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben.
- 26 Und nachdem diese meine Haut zerschlagen ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen.
- 27 Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Darnach sehnen sich meine Nieren in meinem Schoß.
- 28 Wenn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache gegen ihn finden!
- 29 so fürchtet euch vor dem Schwert; denn das Schwert ist der Zorn über die Missetaten, auf daß ihr wißt, daß ein Gericht sei.