Jeremia 42

Da traten herzu alle Hauptleute des Heeres, Johanan, der Sohn Kareahs, Jesanja, der Sohn Hosajas, samt dem ganzen Volk, klein und groß,

22 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Da traten herzu alle Hauptleute des Heeres, Johanan, der Sohn Kareahs, Jesanja, der Sohn Hosajas, samt dem ganzen Volk, klein und groß,
  2. 2 und sprachen zum Propheten Jeremia: Laß doch unser Gebet vor dir gelten und bitte für uns den HERRN, deinen Gott, für alle diese Übrigen (denn unser ist leider wenig geblieben von vielen, wie du uns selbst siehst mit deinen Augen),
  3. 3 daß uns der HERR, dein Gott, wolle anzeigen, wohin wir ziehen und was wir tun sollen.
  4. 4 Und der Prophet Jeremia sprach zu ihnen: Wohlan, ich will gehorchen; und siehe, ich will den HERRN, euren Gott, bitten, wie ihr gesagt habt; und alles, was euch der HERR antworten wird, das will ich euch anzeigen und will euch nichts verhalten.
  5. 5 Und sie sprachen zu Jeremia: Der HERR sei ein gewisser und wahrhaftiger Zeuge zwischen uns, wo wir nicht tun werden alles, was dir der HERR, dein Gott, an uns befehlen wird.
  6. 6 Es sei Gutes oder Böses, so wollen wir gehorchen der Stimme des HERRN, unsers Gottes, zu dem wir dich senden; auf daß es uns wohl gehe, so wir der Stimme des HERRN, unsers Gottes, gehorchen.
  7. 7 Und nach zehn Tagen geschah des HERRN Wort zu Jeremia.
  8. 8 Da rief er Johanan, den Sohn Kareahs, und alle Hauptleute des Heeres, die bei ihm waren, und alles Volk, klein und groß,
  9. 9 und sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels, zu dem ihr mich gesandt habt, daß ich euer Gebet vor ihn sollte bringen:
  10. 10 Werdet ihr in diesem Lande bleiben, so will ich euch bauen und nicht zerbrechen; ich will euch pflanzen und nicht ausreuten; denn es hat mich schon gereut das Übel, das ich euch getan habe.
  11. 11 Ihr sollt euch nicht fürchten vor dem König zu Babel, vor dem ihr euch fürchtet, spricht der HERR; ihr sollt euch vor ihm nicht fürchten, denn ich will bei euch sein, daß ich euch helfe und von seiner Hand errette.
  12. 12 Ich will euch Barmherzigkeit erzeigen und mich über euch erbarmen und euch wieder in euer Land bringen.
  13. 13 Werdet ihr aber sagen: Wir wollen nicht in diesem Lande bleiben, damit ihr ja nicht gehorcht der Stimme des HERRN, eures Gottes,
  14. 14 sondern sagen: Nein, wir wollen nach Ägyptenland ziehen, daß wir keinen Krieg sehen noch der Posaune Schall hören und nicht Hunger Brots halben leiden müssen; daselbst wollen wir bleiben:
  15. 15 nun so hört des HERRN Wort, ihr übrigen aus Juda! So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Werdet ihr euer Angesicht richten, nach Ägyptenland zu ziehen, daß ihr daselbst bleiben wollt,
  16. 16 so soll euch das Schwert, vor dem ihr euch fürchtet, in Ägyptenland treffen, und der Hunger, des ihr euch besorgt, soll stets hinter euch her sein in Ägypten, und sollt daselbst sterben.
  17. 17 Denn sie seien, wer sie wollen, die ihr Angesicht richten, daß sie nach Ägypten ziehen, daselbst zu bleiben, die sollen sterben durchs Schwert, Hunger und Pestilenz, und soll keiner übrigbleiben noch entrinnen dem Übel, das ich über sie will kommen lassen.
  18. 18 Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Gleichwie mein Zorn und Grimm über die Einwohner zu Jerusalem ausgeschüttet ist, so soll er auch über euch ausgeschüttet werden, wo ihr nach Ägypten zieht, daß ihr zum Fluch, zum Wunder, Schwur und Schande werdet und diese Stätte nicht mehr sehen sollt.
  19. 19 Das Wort des HERRN gilt euch, ihr übrigen aus Juda, daß ihr nicht nach Ägypten zieht. Darum so wisset, daß ich euch heute bezeuge;
  20. 20 ihr werdet sonst euer Leben verwahrlosen. Denn ihr habt mich gesandt zum HERRN, eurem Gott, und gesagt: Bitte den HERRN, unsern Gott, für uns; und alles, was der HERR, unser Gott, sagen wird, das zeige uns an, so wollen wir darnach tun.
  21. 21 Das habe ich euch heute zu wissen getan; aber ihr wollt der Stimme des HERRN, eures Gottes, nicht gehorchen noch alle dem, das er mir befohlen hat.
  22. 22 So sollt ihr nun wissen, daß ihr durch Schwert, Hunger und Pestilenz sterben müßt an dem Ort, dahin ihr gedenkt zu ziehen, daß ihr daselbst wohnen wollt.

Kapitel-Erklärung

Zusammenfassung des Kapitels

Jeremia 42 beschreibt eine der tragischsten Entscheidungen des verbliebenen Volkes Juda. Nach der Ermordung Gedaljas herrscht große Angst. Die Menschen fürchten, dass die Babylonier Rache nehmen werden. Deshalb kommen sie zu Jeremia und bitten ihn, Gottes Willen zu erfragen. Sie versprechen feierlich:

„Ob es gut oder schlecht ist – wir wollen auf die Stimme des Herrn hören“

Doch nachdem Gott seine Antwort gibt, zeigt sich ihr wahres Herz. Sie wollten Gottes Willen nicht kennenlernen, um ihm zu gehorchen, sondern um ihre bereits gefasste Entscheidung bestätigen zu lassen. Gott befiehlt ihnen, im Land zu bleiben und ihm zu vertrauen. Sie aber möchten nach Ägypten fliehen.

Das Kapitel lehrt, dass echter Glaube nicht darin besteht, Gottes Meinung einzuholen, sondern bereit zu sein, ihr auch zu folgen.

Historischer Hintergrund

Nach den Ereignissen in Kapitel 41 befanden sich die verbliebenen Juden in großer Unsicherheit. Der von Babylon eingesetzte Statthalter Gedalja war ermordet worden. Viele befürchteten nun, dass Nebukadnezar II alle verbliebenen Juden bestrafen würde.

Deshalb dachten viele an eine Flucht nach Ägypten. Aus menschlicher Sicht erschien das vernünftig:

  • Ägypten war eine starke Macht.

  • Dort hoffte man auf Sicherheit.

  • Dort schien keine babylonische Gefahr zu bestehen.

Doch Gottes Gedanken waren andere.

Verse 1–6: Das Volk bittet um Gottes Führung

Die Heerführer und das Volk treten gemeinsam vor Jeremia.

Besonders genannt werden:

  • Johanan

  • Asarja

Sie bitten Jeremia:

„Bitte den Herrn, deinen Gott, für uns“

Interessant ist ihre Formulierung.

Sie sagen zunächst:

„deinen Gott“

Später sprechen sie von:

„unserem Gott“.

Sie versprechen sogar:

„Wir werden gehorchen, ganz gleich, was Gott sagt“

Das klingt vorbildlich.

Jeremia antwortet:

Ich werde den Herrn befragen und euch alles mitteilen. Ich werde nichts verschweigen.

Praktische Anwendung

Viele Menschen beten:

„Herr, zeige mir deinen Willen“

Die entscheidende Frage lautet jedoch:

Bin ich bereit, ihm zu folgen, selbst wenn seine Antwort meinen eigenen Plänen widerspricht?

Verse 7–12: Gottes Antwort nach zehn Tagen

Bemerkenswert ist, dass Gott nicht sofort antwortet.

Erst nach zehn Tagen erhält Jeremia die Botschaft.

Dies erinnert daran, dass Gottes Zeitplan oft anders ist als unserer. Er möchte Geduld und Vertrauen lehren.

Die Botschaft lautet:

„Bleibt in diesem Land“

Gott gibt sogar wunderbare Verheißungen:

  • Ich werde euch bauen und nicht abbrechen.

  • Ich werde euch pflanzen und nicht ausreißen.

  • Ich habe Erbarmen mit euch.

  • Der König von Babylon wird euch Gnade erweisen.

Das bedeutet:

Die Sicherheit liegt nicht in Ägypten, sondern im Gehorsam gegenüber Gott.

Geistliche Bedeutung

Die Menschen sahen Babylon als größte Gefahr.

Gott sah ihren Unglauben als die eigentliche Gefahr.

Verse 13–18: Die Warnung vor Ägypten

Dann folgt eine ernste Warnung.

Falls sie sagen:

„Nein, wir wollen nach Ägypten ziehen“

weil sie dort hoffen,

  • keinen Krieg zu sehen,

  • keinen Hunger zu erleben,

  • in Frieden zu wohnen,

dann wird genau das eintreten, wovor sie fliehen.

Gott erklärt:

Das Schwert, der Hunger und die Pest werden ihnen nach Ägypten folgen.

Ein wichtiges Prinzip

Man kann Gottes Führung nicht dadurch entgehen, dass man den Ort wechselt.

Wenn das eigentliche Problem der Ungehorsam ist, löst ein Ortswechsel dieses Problem nicht.

Vergleich aus dem heutigen Leben

Manche Menschen denken:

  • Ein neuer Arbeitsplatz wird alle Probleme lösen.

  • Ein Umzug wird alle Schwierigkeiten beseitigen.

  • Eine neue Beziehung wird das Leben vollkommen machen.

Doch wenn das Herz unverändert bleibt, nehmen sie viele Probleme mit.

Gott möchte zuerst den Menschen verändern und erst dann seine Umstände.

Verse 19–22: Die letzte Warnung

Jeremia spricht nun sehr direkt.

Er erinnert sie:

„Ihr habt mich selbst gebeten, den Herrn zu befragen“

Sie können also später nicht behaupten, sie hätten Gottes Willen nicht gekannt.

Dann sagt er sinngemäß:

Wenn ihr trotzdem nach Ägypten zieht,

werdet ihr dort sterben.

Die Warnung ist eindeutig.

Jeremia macht keinerlei Kompromisse.

Warum ist diese Deutlichkeit wichtig?

Liebe verschweigt die Wahrheit nicht.

Ein Arzt, der eine lebensgefährliche Krankheit erkennt, handelt nicht liebevoll, wenn er aus Rücksicht schweigt.

Ebenso verschweigt Gott die Folgen des Ungehorsams nicht.

Kultureller Hintergrund

Seit dem Auszug aus Ägypten spielte Ägypten in der Geschichte Israels eine besondere Rolle.

Dort hatte Gott sein Volk aus der Sklaverei befreit.

Immer wieder warnten die Propheten davor, erneut auf Ägypten als politische Rettung zu vertrauen.

Ägypten wurde dadurch zu einem Bild menschlicher Sicherheit anstelle des Vertrauens auf Gott.

Die eigentliche Frage lautete daher nicht:

„Ist Ägypten militärisch stark?“

Sondern:

„Vertraut ihr Gott oder Menschen?“

Geistliche Kernbotschaft

Jeremia 42 zeigt, dass echter Gehorsam bereits entschieden wird, bevor Gott antwortet.

Das Volk wollte Gottes Willen hören, aber nicht tun.

Sie hatten ihre Entscheidung innerlich längst getroffen und suchten nur noch eine göttliche Bestätigung.

Gott dagegen fordert ein Herz, das bereit ist zu sagen:

„Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“

Die größte Gefahr war deshalb nicht Babylon, sondern der Unglaube.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

  • 5. Mose 28 erklärt, dass Segen aus Gehorsam und Fluch aus anhaltendem Ungehorsam folgt.

  • Jesaja 31 warnt davor, auf Ägypten statt auf den Herrn zu vertrauen.

  • Sprüche 3 lehrt: „Vertraue auf den Herrn von ganzem Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand“

  • Jakobus 1 fordert dazu auf, Gottes Wort nicht nur zu hören, sondern auch zu tun.

Praktische Anwendung für heute

Jeremia 42 stellt jedem Gläubigen wichtige Fragen:

  • Suche ich Gottes Willen wirklich oder nur seine Zustimmung zu meinen eigenen Plänen?

  • Bin ich bereit, Gottes Antwort anzunehmen, auch wenn sie meinen Wünschen widerspricht?

  • Vertraue ich mehr auf menschliche Sicherheiten als auf Gottes Verheißungen?

  • Warte ich geduldig auf Gottes Führung oder handle ich aus Angst?

Das Kapitel macht deutlich, dass Glaube und Gehorsam untrennbar zusammengehören. Gott lädt uns ein, ihm zu vertrauen, selbst wenn seine Wege gegen unsere menschliche Logik zu stehen scheinen. Wer Gottes Willen sucht, sollte bereit sein, ihm zu folgen – nicht nur dann, wenn seine Antwort den eigenen Vorstellungen entspricht.