Jeremia 36
Im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs in Juda, geschah dies Wort zu Jeremia vom HERRN und sprach:
32 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs in Juda, geschah dies Wort zu Jeremia vom HERRN und sprach:
- 2 Nimm ein Buch und schreibe darein alle Reden, die ich zu dir geredet habe über Israel, über Juda und alle Völker von der Zeit an, da ich zu dir geredet habe, nämlich von der Zeit Josias an bis auf diesen Tag;
- 3 ob vielleicht die vom Hause Juda, wo sie hören all das Unglück, das ich ihnen gedenke zu tun, sich bekehren wollten, ein jeglicher von seinem bösen Wesen, damit ich ihnen ihre Missetat und Sünde vergeben könnte.
- 4 Da rief Jeremia Baruch, den Sohn Nerias. Derselbe Baruch schrieb in ein Buch aus dem Munde Jeremia's alle Reden des HERRN, die er zu ihm geredet hatte.
- 5 Und Jeremia gebot Baruch und sprach: Ich bin gefangen, daß ich nicht kann in des HERRN Haus gehen.
- 6 Du aber gehe hinein und lies das Buch, darein du des HERRN Reden aus meinem Munde geschrieben hast, vor dem Volk im Hause des HERRN am Fasttage, und sollst sie auch lesen vor den Ohren des ganzen Juda, die aus ihren Städten hereinkommen;
- 7 ob sie vielleicht sich mit Beten vor dem HERRN demütigen wollen und sich bekehren, ein jeglicher von seinem bösen Wesen; denn der Zorn und Grimm ist groß, davon der HERR wider dies Volk geredet hat.
- 8 Und Baruch, der Sohn Nerias, tat alles, wie ihm der Prophet Jeremia befohlen hatte, daß er die Reden des HERRN aus dem Buche läse im Hause des HERRN.
- 9 Es begab sich aber im fünften Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs Juda's, im neunten Monat, daß man ein Fasten verkündigte vor dem HERRN allem Volk zu Jerusalem und allem Volk, das aus den Städten Juda's gen Jerusalem kommt.
- 10 Und Baruch las aus dem Buche die Reden Jeremia's im Hause des HERRN, in der Kapelle Gemarjas, des Sohnes Saphans, des Kanzlers, im obern Vorhof, vor dem neuen Tor am Hause des HERRN, vor dem ganzen Volk.
- 11 Da nun Michaja, der Sohn Gemarjas, des Sohnes Saphans, alle Reden des HERRN gehört hatte aus dem Buche,
- 12 ging er hinab in des Königs Haus, in die Kanzlei. Und siehe, daselbst saßen alle Fürsten: Elisama, der Kanzler, Delaja, der Sohn Semajas, Elnathan, der Sohn Achbors, Gemarja, der Sohn Saphans, und Zedekia, der Sohn Hananjas, samt allen Fürsten.
- 13 Und Michaja zeigte ihnen an alle Reden, die er gehört hatte, da Baruch las aus dem Buche vor den Ohren des Volks.
- 14 Da sandten alle Fürsten Judi, den Sohn Nethanjas, des Sohnes Selemjas, des Sohnes Chusis, nach Baruch und ließen ihm sagen: Nimm das Buch daraus du vor dem Volk gelesen hast, mit dir und komme! Und Baruch, der Sohn Nerias, nahm das Buch mit sich und kam zu ihnen.
- 15 Und sie sprachen zu ihm: Setze dich und lies, daß wir es hören! Und Baruch las ihnen vor ihren Ohren.
- 16 Und da sie alle die Reden hörten, entsetzten sie sich einer gegen den andern und sprachen zu Baruch: Wir wollen alle diese Reden dem König anzeigen.
- 17 Und sie fragten Baruch: Sage uns, wie hast du alle diese Reden aus seinem Munde geschrieben?
- 18 Baruch sprach zu ihnen: Er sagte vor mir alle diese Reden aus seinem Munde, und ich schrieb sie mit Tinte ins Buch.
- 19 Da sprachen die Fürsten zu Baruch: Gehe hin und verbirg dich mit Jeremia, daß niemand wisse, wo ihr seid.
- 20 Sie aber gingen hin zum König in den Vorhof und ließen das Buch behalten in der Kammer Elisamas, des Kanzlers, und sagten vor dem König an alle diese Reden.
- 21 Da sandte der König den Judi, das Buch zu holen. Der nahm es aus der Kammer Elisamas, des Kanzlers. Und Judi las vor dem König und allen Fürsten, die bei dem König standen.
- 22 Der König aber saß im Winterhause, im neunten Monat, vor dem Kamin.
- 23 Wenn aber Judi drei oder vier Blatt gelesen hatte, zerschnitt er es mit einem Schreibmesser und warf es ins Feuer, das im Kaminherde war, bis das Buch ganz verbrannte im Feuer,
- 24 und niemand entsetzte sich noch zerriß seine Kleider, weder der König noch seine Knechte, so doch alle diese Reden gehört hatten,
- 25 und wiewohl Elnathan, Delaja und Gemarja den König baten, er wolle das Buch nicht verbrennen, gehorchte er ihnen doch nicht.
- 26 Dazu gebot noch der König Jerahmeel, dem Königssohn, und Seraja, dem Sohn Asriels, und Selemja, dem Sohn Abdeels, sie sollten Baruch, den Schreiber, und Jeremia, den Propheten, greifen. Aber der HERR hatte sie verborgen.
- 27 Da geschah des HERRN Wort zu Jeremia, nachdem der König das Buch und die Reden, so Baruch geschrieben aus dem Munde Jeremia's, verbrannt hatte, und sprach:
- 28 Nimm dir wiederum ein anderes Buch und schreib alle vorigen Reden darein, die im ersten Buche standen, welches Jojakim, der König Juda's, verbrannt hat,
- 29 und sage von Jojakim, dem König Juda's: So spricht der HERR: Du hast dies Buch verbrannt und gesagt: Warum hast du darein geschrieben, daß der König von Babel werde kommen und dies Land verderben und machen, daß weder Leute noch Vieh darin mehr sein werden?
- 30 Darum spricht der HERR von Jojakim, dem König Juda's: Es soll keiner von den Seinen auf dem Stuhl Davids sitzen, und sein Leichnam soll hingeworfen des Tages in der Hitze und des Nachts im Frost liegen;
- 31 und ich will ihn und seinen Samen und seine Knechte heimsuchen um ihrer Missetat willen; und ich will über sie und über die Bürger zu Jerusalem und über die in Juda kommen lassen all das Unglück, davon ich ihnen geredet habe, und sie gehorchten doch nicht.
- 32 Da nahm Jeremia ein anderes Buch und gab's Baruch, dem Sohn Nerias, dem Schreiber. Der schrieb darein aus dem Munde Jeremia's alle die Reden, so in dem Buch standen, das Jojakim, der König Juda's, hatte mit Feuer verbrennen lassen; und zu denselben wurden dergleichen Reden noch viele hinzugetan.
Kapitel-Erklärung
Zusammenfassung des Kapitels
Jeremia 36 gehört zu den eindrucksvollsten Kapiteln des Buches, weil es zeigt, wie Menschen auf Gottes Wort reagieren können. Gott befiehlt Jeremia, alle bisherigen Prophetien auf eine Schriftrolle schreiben zu lassen. Sein Schreiber Baruch liest diese Botschaft öffentlich vor. Einige hören mit Ehrfurcht zu und erschrecken, andere lehnen sie ab. Schließlich gelangt die Schriftrolle zum König Jojakim, der sie Stück für Stück abschneidet und ins Feuer wirft.
Doch Gottes Wort kann nicht vernichtet werden. Gott befiehlt Jeremia, eine neue Schriftrolle anzufertigen und dieselben Worte erneut aufzuschreiben – ergänzt durch weitere Botschaften. Das Kapitel zeigt eindrucksvoll: Menschen können Gottes Wort ablehnen oder zerstören wollen, aber sie können Gottes Wahrheit nicht aufhalten.
Historischer Hintergrund
Die Ereignisse finden in der Regierungszeit des Königs Jojakim statt. Politisch befand sich Juda zwischen den Großmächten Ägypten und Babylon. Viele hofften, durch geschickte Politik ihre Zukunft sichern zu können, während Gott durch Jeremia zur Umkehr aufrief.
Jeremia durfte den Tempel offenbar nicht mehr frei betreten oder war daran gehindert. Deshalb beauftragt Gott ihn, seinen treuen Schreiber Baruch ben Nerija, die Botschaft öffentlich vorzulesen.
Dieses Kapitel ist zugleich ein wichtiger Beleg dafür, dass die prophetischen Botschaften nicht nur mündlich verkündet, sondern auch schriftlich festgehalten wurden.
Verse 1–4: Gott befiehlt die Niederschrift
Gott sagt zu Jeremia:
„Nimm eine Buchrolle und schreibe alle Worte darauf, die ich zu dir geredet habe“
Hier erkennen wir, wie wichtig Gott die schriftliche Überlieferung seines Wortes ist.
Jeremia soll nicht seine eigenen Gedanken aufschreiben, sondern das, was Gott ihm offenbart hat.
Baruch schreibt die Worte nieder, während Jeremia sie diktiert.
Bedeutung
Die Bibel versteht sich nicht als Sammlung menschlicher Meinungen, sondern als Offenbarung Gottes durch Menschen, die von ihm geleitet wurden.
Schriftliche Aufzeichnung bewahrt Gottes Botschaft vor Vergessen und Verfälschung.
Verse 5–10: Baruch liest die Schriftrolle vor
Jeremia kann selbst nicht zum Tempel gehen und schickt deshalb Baruch.
Dieser liest die Schriftrolle an einem Fastentag vor, an dem viele Menschen nach Jerusalem gekommen sind.
Warum gerade dann?
Weil besonders viele Zuhörer anwesend sind und die Botschaft möglichst viele erreichen soll.
Gott möchte, dass möglichst viele Menschen Gelegenheit zur Umkehr erhalten.
Praktische Anwendung
Gott richtet sein Wort nicht nur an einzelne Personen, sondern an ganze Gemeinschaften. Seine Warnungen dienen nicht der Verurteilung, sondern der Umkehr.
Verse 11–19: Die Fürsten reagieren
Ein Mann namens Micha hört die Worte und berichtet sie den führenden Männern des Volkes.
Die Fürsten lassen Baruch kommen und bitten ihn, die Schriftrolle nochmals vorzulesen.
Während sie zuhören, erschrecken sie.
Das zeigt einen Unterschied zum späteren Verhalten des Königs:
Sie nehmen Gottes Wort zunächst ernst.
Sie erkennen:
Diese Botschaft muss dem König mitgeteilt werden.
Gleichzeitig raten sie Jeremia und Baruch, sich zu verstecken, weil sie die mögliche Reaktion des Königs fürchten.
Anwendung
Nicht jeder, der Gottes Wort hört, reagiert gleich.
Manche erschrecken über ihre Schuld und denken nach.
Andere werden wütend, weil Gottes Wort ihre Lebensweise infrage stellt.
Verse 20–26: König Jojakim verbrennt die Schriftrolle
Dies ist einer der dramatischsten Momente des Buches.
Der König sitzt im Winterhaus vor einem Kohlenfeuer.
Immer wenn drei oder vier Spalten vorgelesen werden, schneidet er sie mit einem Schreibmesser ab und wirft sie ins Feuer.
So verbrennt die gesamte Schriftrolle.
Besonders erschütternd ist die Bemerkung:
Niemand erschrak.
Der König und seine Diener zeigen keine Ehrfurcht vor Gottes Wort.
Einige Beamte bitten den König sogar, die Rolle nicht zu verbrennen, doch er hört nicht auf sie.
Die geistliche Bedeutung
Der König glaubt offenbar:
Wenn ich die Schrift vernichte, verschwindet auch die Botschaft.
Doch Gottes Wahrheit hängt nicht von Papier oder Pergament ab.
Man kann ein Buch verbrennen, aber nicht Gottes Willen auslöschen.
Vergleich zum heutigen Leben
Auch heute versuchen Menschen manchmal, unbequeme Wahrheiten zu verdrängen:
Man ignoriert die Bibel.
Man erklärt Gottes Gebote für veraltet.
Man passt Gottes Wort den eigenen Vorstellungen an.
Doch das Verdrängen einer Wahrheit verändert ihre Gültigkeit nicht.
Verse 27–32: Gott lässt die Schrift neu schreiben
Nachdem die Schriftrolle verbrannt wurde, spricht Gott erneut zu Jeremia.
Er sagt:
„Nimm dir wieder eine andere Rolle und schreibe alle vorigen Worte darauf“
Baruch schreibt alles erneut auf.
Die Bibel fügt ausdrücklich hinzu:
„Und es wurden noch viele ähnliche Worte hinzugefügt“
Das zeigt zwei wichtige Wahrheiten:
Erstens: Gottes Wort kann durch menschlichen Widerstand nicht zerstört werden.
Zweitens: Der Versuch, Gottes Botschaft zu unterdrücken, führt nicht zu ihrem Verschwinden, sondern dazu, dass Gott sein Wort erneut und noch deutlicher verkündigt.
Anschließend spricht Gott Gericht über Jojakim aus. Weil er Gottes Wort verachtet hat, wird seine Königsherrschaft kein dauerhaftes Ansehen behalten, und das angekündigte Gericht über Juda wird eintreffen.
Archäologischer Hintergrund
Im Alten Orient wurden wichtige Dokumente häufig auf Papyrus- oder Pergamentrollen geschrieben. Ein Schreiber wie Baruch war eine angesehene Person, die offizielle Texte sorgfältig anfertigte. Die Beschreibung des Vorlesens einer Rolle und des Abschneidens einzelner Abschnitte entspricht den damaligen Schreib- und Lesegewohnheiten.
Archäologische Funde aus der Zeit Judas bestätigen die Bedeutung professioneller Schreiber für Verwaltung und religiöse Überlieferung.
Geistliche Kernbotschaft
Jeremia 36 zeigt, dass die entscheidende Frage nicht lautet, ob Gottes Wort existiert, sondern wie der Mensch darauf reagiert.
Die Fürsten erschraken.
Baruch gehorchte.
Jeremia blieb treu.
Jojakim verbrannte die Botschaft.
Doch Gottes Wort blieb bestehen.
Die Autorität der Heiligen Schrift hängt nicht von der Zustimmung oder Ablehnung des Menschen ab. Gottes Wahrheit bleibt Wahrheit, auch wenn sie verworfen wird.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
5. Mose 31 beschreibt, wie Gottes Gesetz schriftlich niedergelegt wurde.
Jesaja 40 sagt: „Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich“
Matthäus 24 lehrt, dass Himmel und Erde vergehen werden, Gottes Worte aber nicht.
2. Timotheus 3 erklärt die Heilige Schrift als von Gott eingegeben und zur Unterweisung nützlich.
Praktische Anwendung für heute
Jeremia 36 fordert jeden Leser heraus:
Wie reagiere ich, wenn Gottes Wort mein Leben korrigiert?
Nehme ich die Bibel ernst oder passe ich sie meinen Vorstellungen an?
Bin ich bereit, unbequeme Wahrheiten anzunehmen?
Bin ich wie Baruch bereit, Gottes Wort treu weiterzugeben, auch wenn Widerstand entsteht?
Das Kapitel macht deutlich: Menschen können Bibeln verbrennen, verbieten oder verspotten, doch Gottes Wort bleibt bestehen. Die eigentliche Entscheidung liegt nicht darin, ob Gottes Wahrheit Bestand hat, sondern ob wir bereit sind, ihr zu glauben und nach ihr zu leben.