Jeremia 25
Dies ist das Wort, welches zu Jeremia geschah über das ganze Volk Juda im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs in Juda (welches ist das erste Jahr Nebukadnezars, des Königs zu Babel),
38 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Dies ist das Wort, welches zu Jeremia geschah über das ganze Volk Juda im vierten Jahr Jojakims, des Sohnes Josias, des Königs in Juda (welches ist das erste Jahr Nebukadnezars, des Königs zu Babel),
- 2 welches auch der Prophet Jeremia redete zu dem ganzen Volk Juda und zu allen Bürgern zu Jerusalem und sprach:
- 3 Es ist vom dreizehnten Jahr an Josias, des Sohnes Amons, des Königs Juda's, des HERRN Wort zu mir geschehen bis auf diesen Tag, und ich habe euch nun dreiundzwanzig Jahre mit Fleiß gepredigt; aber ihr habt nie hören wollen.
- 4 So hat der HERR auch zu euch gesandt alle seine Knechte, die Propheten, fleißig; aber ihr habt nie hören wollen noch eure Ohren neigen, daß ihr gehorchtet,
- 5 da er sprach: Bekehrt euch, ein jeglicher von seinem bösen Wesen, so sollt ihr in dem Lande, das der HERR euch und euren Vätern gegeben hat, immer und ewiglich bleiben.
- 6 Folget nicht andern Göttern, daß ihr ihnen dienet und sie anbetet, auf daß ihr mich nicht erzürnt durch eurer Hände Werk und ich euch Unglück zufügen müsse.
- 7 Aber ihr wolltet mir nicht gehorchen, spricht der HERR, auf daß ihr mich ja wohl erzürntet durch eurer Hände Werk zu eurem eigenen Unglück.
- 8 Darum so spricht der HERR Zebaoth: Weil ihr denn meine Worte nicht hören wollt,
- 9 siehe, so will ich ausschicken und kommen lassen alle Völker gegen Mitternacht, spricht der HERR, auch meinen Knecht Nebukadnezar, den König zu Babel, und will sie bringen über dies Land und über diese Völker, so umherliegen, und will sie verbannen und verstören und zum Spott und zur ewigen Wüste machen,
- 10 und will herausnehmen allen fröhlichen Gesang, die Stimme des Bräutigams und der Braut, die Stimme der Mühle und das Licht der Lampe,
- 11 daß dies ganze Land wüst und zerstört liegen soll. Und sollen diese Völker dem König zu Babel dienen siebzig Jahre.
- 12 Wenn aber die siebzig Jahre um sind, will ich den König zu Babel heimsuchen und dies Volk, spricht der HERR, um ihre Missetat, dazu das Land der Chaldäer, und will es zur ewigen Wüste machen.
- 13 Also will ich über dies Land bringen alle meine Worte, die ich geredet habe wider sie (nämlich alles, was in diesem Buch geschrieben steht, das Jeremia geweissagt hat über alle Völker).
- 14 Und sie sollen auch großen Völkern und großen Königen dienen. Also will ich ihnen vergelten nach ihrem Verdienst und nach den Werken ihrer Hände.
- 15 Denn also spricht zu mir der HERR, der Gott Israels: Nimm diesen Becher Wein voll Zorns von meiner Hand und schenke daraus allen Völkern, zu denen ich dich sende,
- 16 daß sie trinken, taumeln und toll werden vor dem Schwert, das ich unter sie schicken will.
- 17 Und ich nahm den Becher von der Hand des HERRN und schenkte allen Völkern, zu denen mich der HERR sandte,
- 18 nämlich Jerusalem, den Städten Juda's, ihren Königen und Fürsten, daß sie wüst und zerstört liegen und ein Spott und Fluch sein sollen, wie es denn heutigestages steht;
- 19 auch Pharao, dem König in Ägypten, samt seinen Knechten, seinen Fürsten und seinem ganzen Volk;
- 20 allen Ländern gegen Abend, allen Königen im Lande Uz, allen Königen in der Philister Lande, samt Askalon, Gaza, Ekron und den übrigen zu Asdod;
- 21 denen zu Edom, denen zu Moab, den Kindern Ammon;
- 22 allen Königen zu Tyrus, allen Königen zu Sidon, den Königen auf den Inseln jenseit des Meeres;
- 23 denen von Dedan, denen von Thema, denen von Bus und allen, die das Haar rundherum abschneiden;
- 24 allen Königen in Arabien, allen Königen gegen Abend, die in der Wüste wohnen;
- 25 allen Königen in Simri, allen Königen in Elam, allen Königen in Medien;
- 26 allen Königen gegen Mitternacht, in der Nähe und Ferne, einem mit dem andern, und allen Königen auf Erden, die auf dem Erdboden sind; und der König zu Sesach soll nach diesen trinken.
- 27 Und sprich zu ihnen: So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Trinket, daß ihr trunken werdet, speiet und niederfallt und nicht aufstehen könnt vor dem Schwert, das ich unter euch schicken will.
- 28 Und wo sie den Becher nicht wollen von deiner Hand nehmen und trinken, so sprich zu ihnen: Also spricht der HERR Zebaoth: Nun sollt ihr trinken!
- 29 Denn siehe, in der Stadt, die nach meinem Namen genannt ist, fange ich an zu Plagen; und ihr solltet ungestraft bleiben? Ihr sollt nicht ungestraft bleiben; denn ich rufe das Schwert herbei über alle, die auf Erden wohnen, spricht der HERR Zebaoth.
- 30 Und du sollst alle diese Wort ihnen weissagen und sprich zu ihnen: Der HERR wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung; er wird brüllen über seine Hürden; er wird singen ein Lied wie die Weintreter über alle Einwohner des Landes, des Hall erschallen wird bis an der Welt Ende.
- 31 Der HERR hat zu rechten mit den Heiden und will mit allem Fleisch Gericht halten; die Gottlosen wird er dem Schwert übergeben, spricht der HERR.
- 32 So spricht der HERR Zebaoth: Siehe, es wird eine Plage kommen von einem Volk zum andern, und ein großes Wetter wird erweckt werden aus einem fernen Lande.
- 33 Da werden die Erschlagenen des HERRN zu derselben Zeit liegen von einem Ende der Erde bis an das andere Ende; die werden nicht beklagt noch aufgehoben noch begraben werden, sondern müssen auf dem Felde liegen und zu Dung werden.
- 34 Heulet nun, ihr Hirten, und schreiet, wälzet euch in der Asche, ihr Gewaltigen über die Herde; denn die Zeit ist hier, daß ihr geschlachtet und zerstreut werdet und zerfallen müßt wie ein köstliches Gefäß.
- 35 Und die Hirten werden nicht fliehen können, und die Gewaltigen über die Herde werden nicht entrinnen können.
- 36 Da werden die Hirten schreien, und die Gewaltigen über die Herde werden heulen, daß der HERR ihre Weide so verwüstet hat
- 37 und ihre Auen, die so wohl standen, verderbt sind vor dem grimmigen Zorn des HERRN.
- 38 Er hat seine Hütte verlassen wie ein junger Löwe, und ist also ihr Land zerstört vor dem Zorn des Tyrannen und vor seinem grimmigen Zorn.
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Jeremia 25 bildet einen Wendepunkt im Buch Jeremia. Nach über zwanzig Jahren treuen Dienstes fasst der Prophet seine Botschaft zusammen: Gott hat sein Volk immer wieder zur Umkehr gerufen, doch es wollte nicht hören. Deshalb wird das angekündigte Gericht nun kommen. Juda und die umliegenden Völker werden dem König von Babylon siebzig Jahre dienen.
Doch Gottes Gericht endet nicht bei Juda. Auch Babylon selbst und schließlich alle Nationen der Erde stehen unter Gottes Herrschaft und werden für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen. Niemand kann sich seinem Gericht entziehen.
Die zentrale Botschaft lautet: Gott ist geduldig und warnt lange, aber seine Geduld darf nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden. Sein Gericht ist gerecht, und seine Verheißungen erfüllen sich zuverlässig.
Historischer Hintergrund
Das Kapitel datiert sich auf das vierte Regierungsjahr des Königs Jojakim. Gleichzeitig war es das erste Regierungsjahr von Nebukadnezar II über Babylon.
Historisch befand sich die Welt in einer Umbruchphase. Babylon hatte die Vorherrschaft über das assyrische Reich übernommen und entwickelte sich zur stärksten Macht des Nahen Ostens.
Seit etwa 23 Jahren hatte Jeremia unermüdlich gepredigt. Immer wieder sandte Gott Propheten zu seinem Volk. Doch die Mehrheit wollte nicht hören.
Dieses Kapitel erklärt deshalb nicht nur dass das Gericht kommt, sondern auch warum.
Verse 1–7: Dreiundzwanzig Jahre vergebliche Warnungen
Jeremia erinnert das Volk:
„Vom dreizehnten Jahr Josias ... bis auf diesen Tag ... habe ich zu euch geredet; aber ihr habt nicht gehört“
Das ist erschütternd.
Gott hatte nicht nur einmal gewarnt.
Nicht zehnmal.
Sondern über Jahrzehnte.
Immer wieder sandte er seine Propheten.
Doch das Volk blieb hart.
Hier erkennen wir Gottes Charakter:
Er richtet niemals vorschnell.
Vor jedem Gericht steht seine Geduld.
Vor jeder Strafe steht sein Ruf zur Umkehr.
Die Menschen konnten später nicht sagen:
„Wir wussten es nicht“
Auch heute schenkt Gott dem Menschen Zeit zur Umkehr.
Doch diese Zeit ist nicht unbegrenzt.
Verse 8–11: Die siebzig Jahre
Weil das Volk nicht hören wollte, spricht Gott nun sein Urteil.
Er wird Nebukadnezar holen.
Bemerkenswert ist, dass Gott ihn sogar
„meinen Knecht“
nennt.
Das bedeutet nicht, dass Nebukadnezar ein gläubiger Mensch war.
Vielmehr benutzt Gott sogar heidnische Herrscher, um seine Pläne auszuführen.
Die Bibel zeigt mehrfach:
Gott steht über allen Nationen und Regierungen.
Selbst mächtige Könige handeln letztlich nur innerhalb der Grenzen, die Gott zulässt.
Dann folgt die berühmte Prophetie:
„Diese Völker sollen dem König von Babel siebzig Jahre dienen“
Warum siebzig Jahre?
Die Bibel erklärt später, dass das Land seine Sabbatjahre nachholen sollte.
Nach dem Gesetz Gottes sollte jedes siebte Jahr ein Ruhejahr für das Land sein.
Das Volk hatte diese Gebote über lange Zeit missachtet.
Während der Gefangenschaft konnte das Land die versäumten Ruhejahre nachholen.
Dies zeigt:
Gottes Gebote sind nicht beliebig.
Sie besitzen Bedeutung, auch wenn Menschen sie lange ignorieren.
Historisch endeten etwa siebzig Jahre später die babylonische Herrschaft und die Rückkehr der Juden begann unter dem persischen König Kyrus.
Verse 12–14: Auch Babylon wird gerichtet
Man könnte denken:
„Wenn Gott Babylon benutzt, bleibt Babylon dann ungestraft?“
Die Antwort lautet:
Nein.
Nachdem Babylon seinen Auftrag erfüllt hat, wird Gott auch Babylon richten.
Das zeigt einen wichtigen Grundsatz:
Gott kann Menschen oder Nationen als Werkzeuge gebrauchen, aber sie bleiben dennoch für ihre eigenen Motive und Taten verantwortlich.
Niemand steht über Gottes Gerechtigkeit.
Historisch erfüllte sich dies, als Babylon später vom medo-persischen Reich besiegt wurde.
Verse 15–29: Der Becher des Zorns
Nun erhält Jeremia ein symbolisches Bild.
Gott gibt ihm einen Becher mit Wein und sagt, dass die Völker daraus trinken sollen.
Der Wein steht hier nicht für Freude, sondern für Gottes Gericht.
Jeremia soll den Becher symbolisch verschiedenen Nationen reichen.
Darunter befinden sich:
Juda,
Ägypten,
Edom,
Moab,
Ammon,
Tyrus,
Sidon,
und viele weitere Völker.
Am Ende heißt es sogar:
„alle Königreiche der Erde“
Damit macht Gott deutlich:
Sein Gericht betrifft nicht nur Israel.
Er ist der Herr aller Nationen.
Warum ein Becher?
In der Bibel symbolisiert ein Becher häufig das Maß, das jemand empfängt.
Später spricht Jesus im Garten Gethsemane von dem „Kelch“, den er trinken soll.
Dort geht es um das Gericht über die Sünde, das Christus stellvertretend trägt.
Hier in Jeremia steht der Becher für das gerechte Gericht über die Nationen.
Verse 30–33: Der HERR brüllt wie ein Löwe
Jeremia beschreibt Gott mit einem eindrucksvollen Bild:
„Der HERR wird aus der Höhe brüllen“
Ein Löwe brüllt nicht ohne Grund.
Sein Brüllen kündigt seine Macht an.
So kündigt Gott sein Gericht an.
Die Erde wird erschüttert.
Die Toten werden zahlreich sein.
Dies zeigt:
Gottes Gericht ist kein lokales Ereignis.
Es besitzt weltweite Bedeutung.
Viele Ausleger erkennen hier neben der damaligen historischen Erfüllung auch einen Ausblick auf das endgültige Gericht Gottes über die Welt.
Verse 34–38: Die Hirten werden fallen
Zum Schluss richtet sich Gottes Wort an die Hirten.
Damit sind die Leiter des Volkes gemeint:
Könige,
Fürsten,
Verantwortliche.
Sie sollen heulen und klagen.
Warum?
Weil ihre Zeit gekommen ist.
Der Hirte trägt besondere Verantwortung.
Wer viele Menschen führt, trägt auch größere Rechenschaft vor Gott.
Das gilt bis heute.
Geistliche Leiter werden nicht nach ihrem Ansehen beurteilt, sondern nach ihrer Treue gegenüber Gottes Wort.
Dann endet das Kapitel mit dem Bild:
„Der Löwe hat seine Hütte verlassen“
Gott erscheint hier als Richter.
Sein Gericht kommt nicht willkürlich, sondern weil das Maß der Sünde voll geworden ist.
Theologische Bedeutung
1. Gottes Geduld hat ein Ziel
Über Jahrzehnte rief Gott zur Umkehr.
Seine Geduld sollte zur Buße führen.
Doch wer sie missachtet, sammelt Gericht über sich.
2. Gott regiert über die Weltgeschichte
Babylon erscheint als Weltmacht.
Doch in Wahrheit lenkt Gott die Geschichte.
Kein Reich besteht unabhängig von ihm.
3. Gottes Prophetien erfüllen sich
Die siebzig Jahre der Gefangenschaft waren keine zufällige Zahl.
Sie erfüllten sich in der Geschichte und zeigen die Zuverlässigkeit von Gottes Wort.
4. Niemand steht über Gottes Gericht
Nicht Juda.
Nicht Babylon.
Nicht die übrigen Nationen.
Gott richtet alle Menschen gerecht.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
3. Mose 25 erklärt das Sabbatjahr für das Land.
2. Chronik 36 verbindet die babylonische Gefangenschaft mit den versäumten Sabbatjahren.
Daniel 9 zeigt, wie Daniel die siebzig Jahre aus Jeremia studiert und Gottes Eingreifen erwartet.
Offenbarung 14 und 18 greifen das Bild des Bechers des göttlichen Zorns sowie das Gericht über das geistliche Babylon auf.
Historische und prophetische Beobachtung
Die Prophetie über die siebzig Jahre gehört zu den bemerkenswertesten Zeitangaben des Alten Testaments. Sie zeigt, dass Gott Geschichte nicht nur kennt, sondern lenkt. Gleichzeitig wird Babylon – obwohl es als Werkzeug des Gerichts dient – später selbst gerichtet. Damit macht die Bibel deutlich, dass Gottes Gerechtigkeit universell ist und keine Nation bevorzugt.
Praktische Anwendung für heute
Jeremia 25 fordert jeden Gläubigen heraus:
Höre auf Gottes Stimme, solange er zur Umkehr ruft.
Verwechsle Gottes Geduld nicht mit Zustimmung.
Vertraue darauf, dass Gott die Geschichte lenkt, auch wenn die Welt chaotisch erscheint.
Erkenne, dass Macht, Erfolg und politische Stärke vergänglich sind.
Nimm Gottes Wort ernst, denn seine Verheißungen und Warnungen erfüllen sich.
Geistliche Kernbotschaft
Jeremia 25 zeigt den Gott der Geduld und den Gott der Gerechtigkeit. Jahrzehntelang ruft er sein Volk zur Umkehr. Erst als alle Warnungen verworfen werden, kommt das Gericht. Gleichzeitig beweist die Prophetie der siebzig Jahre, dass Gottes Wort zuverlässig ist.
Das Kapitel erinnert daran, dass die Geschichte nicht vom Zufall bestimmt wird. Gott steht über den Nationen, über Königen und über Weltreichen. Er führt seinen Plan aus und ruft jeden Menschen dazu auf, sich ihm zuzuwenden, solange seine Gnade noch offensteht.