Jesaja 40

Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott;

31 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott;
  2. 2 redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, daß ihre Dienstbarkeit ein Ende hat, denn ihre Missetat ist vergeben; denn sie hat Zwiefältiges empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden.
  3. 3 Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HERRN den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott!
  4. 4 Alle Täler sollen erhöht werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlicht werden;
  5. 5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat es geredet.
  6. 6 Es spricht eine Stimme: Predige! Und er sprach: Was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde.
  7. 7 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des HERRN Geist bläst darein. Ja, das Volk ist das Gras.
  8. 8 Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; aber das Wort unsres Gottes bleibt ewiglich.
  9. 9 Zion, du Predigerin, steig auf deinen hohen Berg; Jerusalem, du Predigerin, hebe deine Stimme auf mit Macht, hebe auf und fürchte dich nicht; sage den Städten Juda's: Siehe, da ist euer Gott!
  10. 10 Denn siehe, der Herr HERR kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, sein Lohn ist bei ihm und seine Vergeltung ist vor ihm.
  11. 11 Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte; er wird die Lämmer in seine Arme sammeln und in seinem Busen tragen und die Schafmütter führen.
  12. 12 Wer mißt die Wasser mit der hohlen Hand und faßt den Himmel mit der Spanne und begreift den Staub der Erde mit einem Dreiling und wägt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage?
  13. 13 Wer unterrichtet den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweist ihn?
  14. 14 Wen fragt er um Rat, der ihm Verstand gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn die Erkenntnis und unterweise ihn den Weg des Verstandes?
  15. 15 Siehe, die Heiden sind geachtet wie ein Tropfen, so im Eimer bleibt, und wie ein Scherflein, so in der Waage bleibt. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein.
  16. 16 Der Libanon wäre zu gering zum Feuer und seine Tiere zu gering zum Brandopfer.
  17. 17 Alle Heiden sind vor ihm nichts und wie ein Nichtiges und Eitles geachtet.
  18. 18 Wem wollt ihr denn Gott nachbilden? Oder was für ein Gleichnis wollt ihr ihm zurichten?
  19. 19 Der Meister gießt wohl ein Bild, und der Goldschmied übergoldet's und macht silberne Ketten daran.
  20. 20 Desgleichen wer nur eine arme Gabe vermag, der wählt ein Holz, das nicht fault, und sucht einen klugen Meister dazu, der ein Bild fertige, das beständig sei.
  21. 21 Wisset ihr nicht? Hört ihr nicht? Ist's euch nicht vormals verkündigt? Habt ihr's nicht verstanden von Anbeginn der Erde?
  22. 22 Er sitzt auf dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; der den Himmel ausdehnt wie ein dünnes Fell und breitet ihn aus wie eine Hütte, darin man wohnt;
  23. 23 Der die Fürsten zunichte macht und die Richter auf Erden eitel macht,
  24. 24 als wären sie nicht gepflanzt noch gesät und als hätte ihr Stamm keine Wurzel in der Erde, daß sie, wo ein Wind unter sie weht, verdorren und sie ein Windwirbel wie Stoppeln wegführt.
  25. 25 Wem wollt ihr denn mich nachbilden, dem ich gleich sei? spricht der Heilige.
  26. 26 Hebet eure Augen in die Höhe und sehet! Wer hat solche Dinge geschaffen und führt ihr Heer bei der Zahl heraus? Er ruft sie alle mit Namen; sein Vermögen und seine Kraft ist so groß, daß es nicht an einem fehlen kann.
  27. 27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber?
  28. 28 Weißt du nicht? hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt; sein Verstand ist unausforschlich.
  29. 29 Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.
  30. 30 Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen;
  31. 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

Jesaja 40 markiert den Beginn eines neuen Abschnitts im Buch Jesaja. Während die vorhergehenden Kapitel häufig von Gericht, Warnung und den politischen Ereignissen der damaligen Zeit handeln, richtet Gott nun den Blick seines Volkes auf Hoffnung, Trost und Erlösung.

Das Kapitel beginnt mit den Worten:

„Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott“

Diese Botschaft richtet sich an ein Volk, das wegen seiner Sünde leiden musste, dem Gott aber nun Hoffnung schenkt. Gleichzeitig weist das Kapitel prophetisch auf das Kommen des Messias und den Dienst Johannes des Täufers hin. Der Höhepunkt des Kapitels ist die Offenbarung der unendlichen Größe Gottes: Er ist der Schöpfer des Universums, niemand ist ihm gleich, und dennoch kümmert er sich liebevoll um jeden Einzelnen.

Die zentrale Botschaft lautet:

Menschen sind vergänglich, aber Gottes Wort und seine Verheißungen bleiben ewig bestehen. Wer auf den Herrn vertraut, erhält neue Kraft.

Historischer und prophetischer Hintergrund

Bis Kapitel 39 standen vor allem die assyrische Bedrohung und die Zeit Hiskias im Mittelpunkt. Kapitel 40 blickt prophetisch weit in die Zukunft.

Gott spricht bereits zu einem Volk, das sich später in der babylonischen Gefangenschaft befinden wird. Obwohl dieses Ereignis zur Zeit Jesajas noch Jahrzehnte entfernt war, spricht Gott bereits Trost zu den zukünftigen Generationen.

Noch weiter weist das Kapitel auf den kommenden Messias hin. Besonders die Verse über den „Rufer in der Wüste“ werden im Neuen Testament auf Johannes den Täufer angewandt, der den Weg für Jesus Christus vorbereitete.

Verse 1–2: „Tröstet mein Volk“

Gott beginnt nicht mit Anklagen, sondern mit Trost.

„Redet mit Jerusalem freundlich“

Das bedeutet nicht, dass die Sünde unwichtig geworden wäre.

Vielmehr zeigt Gott:

Sein Ziel ist niemals das Gericht selbst, sondern die Wiederherstellung seines Volkes.

Es heißt:

„Ihre Mühsal hat ein Ende“

Gott handelt immer gerecht, aber auch voller Barmherzigkeit.

Für den Gläubigen heute ist das eine wichtige Wahrheit:

Gottes Erziehung dient der Heilung und nicht der Vernichtung.

Verse 3–5: Der Ruf in der Wüste

„Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HERRN den Weg“

Im historischen Zusammenhang bedeutet dies:

Ein Weg soll für den kommenden König vorbereitet werden.

Im prophetischen Sinn erfüllt sich diese Aussage durch Johannes den Täufer.

Er rief die Menschen zur Buße auf und bereitete sie auf das Kommen Christi vor.

Die Bilder sind eindrucksvoll:

  • Täler werden erhöht,

  • Berge erniedrigt,

  • krumme Wege gerade,

  • unebene Wege eben.

Hier geht es nicht um Straßenbau, sondern um die Vorbereitung des Herzens.

Stolz muss erniedrigt werden.

Verzweiflung muss Hoffnung finden.

Sünde muss verlassen werden.

Nur ein vorbereitetes Herz kann den Herrn aufnehmen.

Verse 6–8: Die Vergänglichkeit des Menschen

Eine Stimme ruft:

„Alles Fleisch ist Gras“

Das Gras blüht für kurze Zeit und verdorrt dann.

So beschreibt Gott das menschliche Leben.

Menschen bauen Reiche auf.

Sie erwerben Macht und Ruhm.

Doch alles vergeht.

Dann folgt einer der bekanntesten Verse der Bibel:

„Aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich“

Das ist ein grundlegendes Prinzip der gesamten Bibel.

Kulturen verändern sich.

Gesellschaften verändern sich.

Meinungen verändern sich.

Gottes Wahrheit verändert sich nicht.

Deshalb ist die Bibel kein zeitgebundenes Buch, sondern Gottes bleibendes Wort.

Verse 9–11: Der kommende Hirte

Jerusalem soll die gute Botschaft verkünden:

„Siehe, da ist euer Gott!“

Gott kommt mit Macht.

Doch unmittelbar danach erscheint ein anderes Bild:

„Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte“

Er sammelt die Lämmer auf seinen Arm und trägt sie.

Hier begegnen sich Gottes Stärke und seine Liebe.

Der allmächtige Schöpfer kümmert sich gleichzeitig um die Schwächsten.

Dieses Bild erfüllt sich vollkommen in Christus, der sich selbst als den guten Hirten bezeichnet.

Verse 12–17: Die Größe Gottes

Nun richtet Jesaja den Blick auf Gottes Schöpfungsmacht.

Er stellt eine Reihe von Fragen:

Wer hat die Wasser mit der hohlen Hand gemessen?

Wer hat den Himmel mit der Spanne abgegrenzt?

Wer hat den Staub der Erde gewogen?

Die Antwort lautet:

Niemand außer Gott.

Diese Fragen sollen zeigen:

Der Mensch ist begrenzt.

Gott ist unbegrenzt.

Vor ihm gelten selbst die größten Nationen als:

„wie ein Tropfen am Eimer“

Das bedeutet nicht, dass Menschen für Gott wertlos wären.

Vielmehr wird Gottes unendliche Größe hervorgehoben.

Verse 18–20: Die Torheit des Götzendienstes

Jesaja fragt:

„Wem wollt ihr denn Gott nachbilden?“

Ein Mensch fertigt einen Götzen an.

Dann muss er darauf achten, dass dieser nicht umfällt.

Die Ironie ist deutlich:

Der Mensch erschafft seinen Gott und muss ihn anschließend selbst stützen.

Der lebendige Gott dagegen trägt das gesamte Universum.

Auch heute existiert Götzendienst.

Nicht unbedingt in Form von Statuen, sondern überall dort, wo Menschen etwas über Gott stellen:

  • Geld,

  • Macht,

  • Karriere,

  • Vergnügen,

  • Ideologien,

  • das eigene Ich.

Alles, worauf ein Mensch letztlich sein Vertrauen setzt, kann zu einem Götzen werden.

Verse 21–26: Der Schöpfer des Universums

Gott sitzt über dem Kreis der Erde.

Die Bewohner erscheinen wie Heuschrecken.

Er spannt den Himmel aus wie einen Vorhang.

Dann fordert Gott:

„Hebet eure Augen in die Höhe“

Schaut die Sterne an.

Wer hat sie geschaffen?

Er führt sie alle heraus und kennt sie einzeln.

Heute wissen wir, dass unsere Galaxie allein Milliarden Sterne enthält und dass es unzählige weitere Galaxien gibt. Die moderne Astronomie macht deutlich, wie gewaltig das Universum ist.

Jesaja zeigt:

Der Gott, der dieses unermessliche Universum geschaffen hat, kennt seine Schöpfung vollkommen und herrscht souverän darüber.

Verse 27–31: Neue Kraft für die Wartenden

Israel fragt:

„Mein Weg ist dem HERRN verborgen“

Mit anderen Worten:

„Gott sieht mich nicht“

Darauf antwortet Gott:

Er wird weder müde noch matt.

Sein Verstand ist unbegreiflich.

Dann folgt die berühmte Verheißung:

„Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft“

Sie werden:

  • auffahren mit Flügeln wie Adler,

  • laufen und nicht matt werden,

  • wandeln und nicht müde werden.

Das bedeutet nicht, dass Gläubige niemals erschöpft sind.

Es bedeutet:

Gott schenkt immer wieder neue Kraft für den Weg, den er ihnen aufträgt.

Bemerkenswert ist auch die Reihenfolge:

Zuerst fliegen,

dann laufen,

dann gehen.

Im Alltag besteht Glauben oft nicht aus spektakulären Momenten, sondern aus treuem Weitergehen – Schritt für Schritt mit Gottes Kraft.

Geistliche Kernbotschaft

Jesaja 40 zeigt zwei Gegensätze:

Der Mensch ist vergänglich.

Gott ist ewig.

Der Mensch ist begrenzt.

Gott ist allmächtig.

Der Mensch wird müde.

Gott wird niemals müde.

Deshalb liegt die Hoffnung des Gläubigen nicht in sich selbst, sondern im Herrn.

Wer auf Gott vertraut, empfängt Kraft, die über die eigene Fähigkeit hinausgeht.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

  • Maleachi 3 kündigt den Boten an, der den Weg des Herrn bereitet.

  • Matthäus 3 identifiziert Johannes den Täufer als die Stimme in der Wüste.

  • Johannes 10 beschreibt Christus als den guten Hirten.

  • 1. Petrus 1,24–25 zitiert Jesaja 40 und bekräftigt: „Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit“

  • Hebräer 12 fordert dazu auf, mit Ausdauer den Glaubenslauf zu vollenden und den Blick auf Jesus zu richten.

Praktische Anwendung für heute

Dieses Kapitel stellt jedem Gläubigen wichtige Fragen:

  • Suche ich Trost zuerst bei Menschen oder bei Gott?

  • Baue ich mein Leben auf vergängliche Dinge oder auf Gottes ewiges Wort?

  • Vertraue ich meiner eigenen Kraft oder der Kraft Gottes?

  • Bin ich bereit, mein Herz für den Herrn vorzubereiten und Stolz oder Sünde abzulegen?

Wenn wir müde werden, lädt Gott uns nicht ein, unsere Kraft zu verdoppeln, sondern unsere Hoffnung auf ihn zu setzen.

Wichtige Lektionen

  1. Gottes Ziel ist die Wiederherstellung seines Volkes und nicht dessen Vernichtung.

  2. Das Herz muss auf das Kommen des Herrn vorbereitet werden.

  3. Der Mensch ist vergänglich, Gottes Wort bleibt ewig.

  4. Der allmächtige Schöpfer ist zugleich ein fürsorglicher Hirte.

  5. Alle menschlichen Sicherheiten und Götzen sind vergänglich, Gott allein ist unvergleichlich.

  6. Wer auf den Herrn wartet und ihm vertraut, empfängt neue Kraft für den Weg des Glaubens.