Jesaja 27
Zu der Zeit wird der HERR heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert beide, den Leviathan, der eine flüchtige Schlange, und den Leviathan, der eine gewundene Schlange ist, und wird den Drachen im Meer erwü…
13 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Zu der Zeit wird der HERR heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert beide, den Leviathan, der eine flüchtige Schlange, und den Leviathan, der eine gewundene Schlange ist, und wird den Drachen im Meer erwürgen.
- 2 Zu der Zeit wird man singen von dem Weinberge des besten Weins:
- 3 Ich, der HERR, behüte ihn und feuchte ihn bald, daß man seine Blätter nicht vermisse; ich will ihn Tag und Nacht behüten.
- 4 Gott zürnt nicht mit mir. Ach, daß ich möchte mit den Hecken und Dornen kriegen! so wollte ich unter sie fallen und sie auf einen Haufen anstecken.
- 5 Er wird mich erhalten bei meiner Kraft und wird mir Frieden schaffen; Frieden wird er mir dennoch schaffen.
- 6 Es wird dennoch dazu kommen, daß Jakob wurzeln und Israel blühen und grünen wird, daß sie den Erdboden mit Früchten erfüllen.
- 7 Wird er doch nicht geschlagen, wie seine Feinde geschlagen werden, und wird nicht erwürgt, wie seine Feinde erwürgt werden;
- 8 sondern mit Maßen richtest du sie und lässest sie los, wenn du sie betrübt hast mit deinem rauhen Sturm am Tage des Ostwinds.
- 9 Darum wird dadurch die Sünde Jakobs versöhnt werden; und der Nutzen davon, daß seine Sünden weggenommen werden, ist der, daß er alle Altarsteine macht wie zerstoßene Kalksteine, daß keine Ascherabilder noch Sonnensäulen mehr bleiben.
- 10 Denn die feste Stadt muß einsam werden, die schönen Häuser verödet und verlassen werden wie eine Wüste, daß Kälber daselbst weiden und ruhen und daselbst Reiser abfressen.
- 11 Ihre Zweige werden vor Dürre brechen, daß die Weiber kommen und Feuer damit machen werden; denn es ist ein unverständiges Volk. Darum wird sich auch ihrer nicht erbarmen, der sie gemacht hat; und der sie geschaffen hat, wird ihnen nicht gnädig sein.
- 12 Zu der Zeit wird der HERR worfeln von dem Ufer des Stromes bis an den Bach Ägyptens; und ihr, Kinder Israel, werdet versammelt werden, einer nach dem andern.
- 13 Zu der Zeit wird man mit einer großen Posaune blasen; so werden kommen die Verlorenen im Lande Assur und die Verstoßenen im Lande Ägypten und werden den HERRN anbeten auf dem heiligen Berge zu Jerusalem.
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Jesaja 27 bildet den Abschluss der prophetischen Einheit aus den Kapiteln 24–27. Nachdem zuvor das weltweite Gericht und der zukünftige Sieg Gottes beschrieben wurden, zeigt dieses Kapitel den endgültigen Triumph Gottes über das Böse und die Wiederherstellung seines Volkes.
Der Herr besiegt den „Leviathan“, bewahrt seinen Weinberg, reinigt sein Volk durch Zucht und sammelt schließlich seine Kinder aus allen Ländern zurück. Das Kapitel endet mit dem Bild einer großen Posaune, die Zerstreuten zusammenruft, damit sie den Herrn anbeten.
Die zentrale Botschaft lautet:
Gott vernichtet das Böse nicht nur, sondern erlöst und reinigt sein Volk. Sein Ziel ist Wiederherstellung und ewige Gemeinschaft mit ihm.
Historischer und prophetischer Hintergrund
Jesaja 24–27 wird häufig als eine prophetische Gesamtschau über Gottes endgültiges Handeln verstanden. Kapitel 27 schließt diese Reihe mit Hoffnung ab.
Die Prophetie besitzt sowohl eine historische als auch eine zukünftige Dimension. Historisch denkt man an die Zerstreuung und spätere Sammlung Israels. Prophetisch weist sie darüber hinaus auf den endgültigen Sieg Gottes über die Macht der Sünde und die Sammlung aller Erlösten hin.
Vers 1: Der Herr besiegt den Leviathan
Das Kapitel beginnt mit einer gewaltigen Aussage:
„Zu der Zeit wird der Herr mit seinem harten, großen und starken Schwert heimsuchen den Leviathan…“
Der Leviathan wird als:
flüchtige Schlange,
gewundene Schlange,
Drache im Meer
beschrieben.
In der Bibel steht dieses Bild für die chaotischen und gottfeindlichen Mächte, die sich gegen Gottes Herrschaft erheben. Es erinnert an die uralte Rebellion gegen Gott und symbolisiert die Macht des Bösen.
Die Botschaft lautet:
Keine Macht, weder sichtbar noch unsichtbar, ist Gott ebenbürtig.
Am Ende wird Gott den Sieg erringen.
Dies erinnert an die Verheißung in 1. Mose 3,15, dass der Nachkomme der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird. Ebenso beschreibt die Offenbarung den endgültigen Untergang Satans.
Verse 2–6: Gottes Weinberg
Nun wechselt das Bild völlig.
Während Jesaja 5 den untreuen Weinberg Israels beschreibt, erscheint hier ein fruchtbarer Weinberg.
Gott sagt:
„Ich, der Herr, behüte ihn“
Er selbst:
bewässert ihn,
bewacht ihn,
schützt ihn Tag und Nacht.
Das zeigt einen wichtigen Unterschied:
Der Mensch kann geistliches Leben nicht aus eigener Kraft hervorbringen. Gott selbst erhält sein Volk.
Dann folgt die Verheißung:
Israel wird Wurzeln schlagen, blühen und die Welt mit Früchten erfüllen.
Früchte sind in der Bibel ein Bild für ein Leben, das Gottes Charakter widerspiegelt.
Jesus greift später denselben Gedanken auf, wenn er erklärt, dass nur derjenige Frucht bringt, der in ihm bleibt.
Verse 7–9: Gottes Zucht dient der Reinigung
Jesaja stellt eine Frage:
Hat Gott Israel so geschlagen wie seine Feinde?
Die Antwort lautet:
Nein.
Zwar hat Gott sein Volk gezüchtigt, aber nicht mit dem Ziel der Vernichtung.
Seine Absicht war Reinigung.
Besonders wichtig ist Vers 9:
Die Schuld Jakobs wird dadurch gesühnt, dass die Götzen beseitigt werden.
Das bedeutet nicht, dass der Mensch sich durch Leiden selbst erlöst.
Vielmehr zeigt Gott, dass echte Umkehr dazu führt, falsche Götter aufzugeben.
Buße besteht nicht nur darin, Sünde zu bedauern, sondern sie auch zu verlassen.
Ein heutiger Vergleich:
Wer erkennt, dass eine Krankheit durch eine schädliche Gewohnheit verursacht wird, muss nicht nur die Krankheit behandeln, sondern auch die Ursache beseitigen.
Ebenso will Gott die Wurzel der Sünde entfernen.
Verse 10–11: Die verlassene Stadt
Jesaja beschreibt eine verlassene und verwüstete Stadt.
Dort weiden Tiere, und die Zweige werden zum Brennholz gesammelt.
Dieses Bild zeigt die Folgen geistlicher Gleichgültigkeit.
Dann folgt ein ernster Satz:
„Denn es ist ein Volk ohne Einsicht“
Die eigentliche Ursache des Gerichts liegt nicht in fehlender Intelligenz, sondern darin, dass Menschen Gott nicht erkennen wollen.
Die Bibel verbindet wahre Weisheit immer mit der Ehrfurcht vor Gott.
Verse 12–13: Die große Sammlung
Zum Abschluss beschreibt Jesaja, wie Gott sein Volk sammelt.
Es heißt sinngemäß:
Der Herr wird seine Kinder einzeln einsammeln.
Dieses Detail ist bemerkenswert.
Gott sammelt nicht nur eine anonyme Masse.
Er kennt jeden Einzelnen.
Dann wird eine große Posaune geblasen.
Die Zerstreuten werden kommen und den Herrn auf seinem heiligen Berg anbeten.
In der Bibel dient die Posaune oft als Zeichen:
einer Versammlung,
eines göttlichen Eingreifens,
eines wichtigen Wendepunktes.
Im Neuen Testament wird dieses Bild erneut verwendet. Die Wiederkunft Christi wird ebenfalls mit dem Schall der Posaune verbunden.
Geistliche Kernbotschaft
Jesaja 27 fasst den Erlösungsplan Gottes eindrucksvoll zusammen:
Gott besiegt das Böse.
Gott bewahrt sein Volk.
Gott reinigt die Gläubigen.
Gott entfernt den Götzendienst.
Gott sammelt die Seinen.
Gott führt sie in seine Gegenwart.
Die Zucht Gottes ist deshalb Ausdruck seiner Liebe. Sein Ziel ist nicht Vernichtung, sondern Heiligung und Wiederherstellung.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
1. Mose 3,15 enthält die erste Verheißung des endgültigen Sieges über die Schlange.
Jesaja 5 beschreibt den unfruchtbaren Weinberg, während Kapitel 27 den von Gott bewahrten Weinberg zeigt.
Johannes 15 erklärt, dass Christus der wahre Weinstock ist und seine Nachfolger Frucht bringen sollen.
1. Korinther 15 spricht von der Auferstehung beim Schall der letzten Posaune.
1. Thessalonicher 4 beschreibt die Wiederkunft Christi mit dem Ruf des Erzengels und der Posaune Gottes.
Offenbarung 20 schildert den endgültigen Untergang Satans und den Sieg Gottes.
Praktische Anwendung für heute
Jesaja 27 fordert jeden Gläubigen heraus:
Gibt es Bereiche meines Lebens, die wie „Götzen“ Gottes Platz einnehmen?
Verstehe ich Gottes Erziehung als Ausdruck seiner Liebe oder nur als Strafe?
Bringe ich geistliche Frucht oder lebe ich nur äußerlich religiös?
Vertraue ich darauf, dass Gott das Böse endgültig besiegen wird?
Das Kapitel endet mit einer großen Hoffnung: Der Herr verliert keinen seiner Treuen aus den Augen. Er kennt jeden Einzelnen, bewahrt seinen „Weinberg“ und wird am Ende alle sammeln, die ihm gehören. Dann wird das Böse endgültig besiegt sein, und die Erlösten werden den Herrn gemeinsam anbeten.