1. Mose 10

Dies ist das Geschlecht der Kinder Noahs: Sem, Ham, Japheth. Und sie zeugten Kinder nach der Sintflut.

32 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Dies ist das Geschlecht der Kinder Noahs: Sem, Ham, Japheth. Und sie zeugten Kinder nach der Sintflut.
  2. 2 Die Kinder Japheths sind diese: Gomer, Magog, Madai, Javan, Thubal, Mesech und Thiras.
  3. 3 Aber die Kinder von Gomer sind diese: Askenas, Riphath und Thorgama.
  4. 4 Die Kinder von Javan sind diese: Elisa, Tharsis, die Chittiter und die Dodaniter.
  5. 5 Von diesen sind ausgebreitet die Inseln der Heiden in ihren Ländern, jegliche nach ihren Sprachen, Geschlechtern und Leuten.
  6. 6 Die Kinder von Ham sind diese: Chus, Mizraim, Put und Kanaan.
  7. 7 Aber die Kinder von Chus sind diese: Seba, Hevila, Sabtha, Ragma und Sabthecha. Aber die Kinder von Ragma sind diese: Saba und Dedan.
  8. 8 Chus aber zeugte den Nimrod. Der fing an ein gewaltiger Herr zu sein auf Erden,
  9. 9 und war ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN. Daher spricht man: Das ist ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN wie Nimrod.
  10. 10 Und der Anfang seines Reiches war Babel, Erech, Akkad und Chalne im Lande Sinear.
  11. 11 Von dem Land ist er gekommen nach Assur und baute Ninive und Rehoboth-Ir und Kalah,
  12. 12 dazu Resen zwischen Ninive und Kalah. Dies ist die große Stadt.
  13. 13 Mizraim zeugte die Luditer, die Anamiter, die Lehabiter, die Naphthuhiter,
  14. 14 die Pathrusiter und die Kasluhiter (von dannen sind gekommen die Philister) und die Kaphthoriter.
  15. 15 Kanaan aber zeugte Sidon, seinen ersten Sohn, und Heth,
  16. 16 den Jebusiter, den Amoriter, den Girgasiter,
  17. 17 den Heviter, den Arkiter, den Siniter,
  18. 18 den Arvaditer, den Zemariter und den Hamathiter. Daher sind ausgebreitet die Geschlechter der Kanaaniter.
  19. 19 Und ihre Grenzen waren von Sidon an durch Gerar bis gen Gaza, bis man kommt gen Sodom, Gomorra, Adama, Zeboim und bis gen Lasa.
  20. 20 Das sind die Kinder Hams in ihren Geschlechtern, Sprachen und Leuten.
  21. 21 Sem aber, Japheths, des Ältern, Bruder, zeugte auch Kinder, der ein Vater ist aller Kinder von Eber.
  22. 22 Und dies sind seine Kinder: Elam, Assur, Arphachsad, Lud und Aram.
  23. 23 Die Kinder von Aram sind diese: Uz, Hul, Gether und Mas.
  24. 24 Arphachsad aber zeugte Salah, Salah zeugte Eber.
  25. 25 Eber zeugte zwei Söhne. Einer hieß Peleg, darum daß zu seiner Zeit die Welt zerteilt ward; des Bruder hieß Joktan.
  26. 26 Und Joktan zeugte Almodad, Saleph, Hazarmaveth, Jarah,
  27. 27 Hadoram, Usal, Dikla,
  28. 28 Obal, Abimael, Saba,
  29. 29 Ophir, Hevila und Jobab. Das sind die Kinder von Joktan.
  30. 30 Und ihre Wohnung war von Mesa an, bis man kommt gen Sephar, an den Berg gegen Morgen.
  31. 31 Das sind die Kinder von Sem in ihren Geschlechtern, Sprachen, Ländern und Leuten.
  32. 32 Das sind die Nachkommen der Kinder Noahs in ihren Geschlechtern und Leuten. Von denen sind ausgebreitet die Leute auf Erden nach der Sintflut.

Kapitelüberblick

Aus den Nachkommen von Noahs drei Söhnen Sem, Ham und Japhet entstehen zahlreiche Völker, die sich in unterschiedlichen Gebieten der Erde niederlassen. Die Aufzählung beginnt mit Japhets Nachkommen, deren Siedlungsräume besonders mit den nördlichen Regionen und Küstengebieten verbunden werden. Danach folgen die Nachkommen Hams, darunter die Linien von Kusch, Mizraim und Kanaan.

Innerhalb dieser Abstammungslisten erhält Nimrod besondere Aufmerksamkeit. Er wird als mächtiger Jäger und Herrscher beschrieben, dessen Königreich mit Babel und weiteren bedeutenden Städten Mesopotamiens verbunden ist.

Anschließend richtet sich der Blick auf Sems Nachkommen. Besonders hervorgehoben werden Eber, dessen Nachkomme Peleg seinen Namen mit einer Teilung der Erde verbindet, und Joktan mit seinen zahlreichen Söhnen.

Das Kapitel endet mit der Feststellung, dass sich aus diesen Familien nach der Flut die verschiedenen Völker der Erde entwickelt haben. Ihre Abstammung, ihre Siedlungsgebiete und ihre Sprachen bilden den Rahmen für die weitere Geschichte der Menschheit.

Einführung

Bereits am Ende des vorherigen Kapitels hatte die Bibel erklärt, dass die ganze Erde von Noahs drei Söhnen aus bevölkert wurde (1. Mose 9,18–19). Dort war die Familie noch als kleine Gemeinschaft von Überlebenden vorgestellt worden. Nun erweitert sich die Perspektive auf die Generationen, die aus ihr hervorgehen. Damit greift die Genesis einen Auftrag auf, den Gott unmittelbar nach der Flut erneuert hatte: Die Menschen sollten fruchtbar sein, sich vermehren und die Erde füllen (1. Mose 9,1.7).

Der Abschnitt beginnt mit einer besonderen Formulierung, die im ersten Buch Mose mehrfach begegnet: „Dies ist das Geschlecht“. Sie leitet einen neuen Teil der Erzählung ein und verbindet ihn mit dem vorhergehenden Geschehen. Dabei handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Stammbaum, der ausschließlich einzelne Väter und Söhne aufführt. Manche Namen stehen zugleich für größere Familienverbände, Völker oder geografische Gebiete. Deshalb lässt sich nicht jeder Name eindeutig einer bestimmten historischen Person oder einem heutigen Land zuordnen.

Eine weitere Besonderheit betrifft die zeitliche Reihenfolge. Die Völkertafel nennt bereits unterschiedliche Sprachen, während das folgende Kapitel zunächst von einer gemeinsamen Sprache der Menschheit berichtet (1. Mose 11,1). Die beiden Kapitel müssen deshalb nicht als eine lückenlose Abfolge unmittelbar aufeinanderfolgender Ereignisse gelesen werden. Kapitel 10 stellt die entstandene Vielfalt dar; Kapitel 11 richtet den Blick anschließend auf Babel und erklärt, wie es zur Sprachverwirrung und Zerstreuung kam.

Auch die Reihenfolge der Abstammungslinien ist bedeutsam. Sem wird zwar zuerst als Sohn Noahs genannt, seine Nachkommen erscheinen jedoch zuletzt. Auf diese Weise kann die Erzählung anschließend seine Familienlinie weiterverfolgen, aus der später Abraham hervorgeht (1. Mose 11,10–26).

1. Mose 10,1–5

Japhets Nachkommen und die Küstenländer

Die Aufzählung beginnt mit den Nachkommen Japhets, eines der drei Söhne Noahs. Vers 1 hält ausdrücklich fest, dass ihnen nach der Flut Kinder geboren wurden. Damit richtet sich der Blick auf die Generationen, die aus den wenigen Überlebenden der Arche hervorgingen. Die Erzählung nennt zunächst sieben Söhne Japhets: Gomer, Magog, Madai, Javan, Tubal, Mesech und Tiras. Anschließend werden die Nachkommen Gomers und Javans näher beschrieben. Diese Auswahl gibt bereits einen Hinweis darauf, dass die Liste nicht jede einzelne Generation vollständig nachzeichnen will. Sie hebt bestimmte Familienlinien hervor, aus denen sich größere Völker und Siedlungsgemeinschaften entwickelten.

Mehrere dieser Namen lassen sich mit Völkern der alten Welt in Verbindung bringen. Madai bezeichnet die Meder, die später gemeinsam mit den Persern zu einer bedeutenden politischen Macht wurden (Daniel 5,28; 8,20). Javan steht in der biblischen Sprache für die Griechen, wie besonders Daniel 8,21 erkennen lässt. Gomer wird häufig mit den Kimmeriern verbunden, einem Volk, das im Altertum in den Gebieten nördlich und östlich des Schwarzen Meeres sowie in Kleinasien begegnet. Auch Tubal und Mesech werden mit Völkern Kleinasiens in Verbindung gebracht und später gemeinsam bei Hesekiel erwähnt (Hesekiel 27,13). Andere Namen, darunter Magog und Tiras, lassen sich weniger sicher zuordnen. Deshalb wäre es nicht gerechtfertigt, aus jedem Namen eine eindeutige Abstammungslinie zu einer bestimmten heutigen Nation abzuleiten.

In Vers 3 werden die drei Söhne Gomers genannt: Aschkenas, Riphat und Togarma. Besonders Aschkenas ist ein Beispiel dafür, wie sich die Bedeutung geografischer Namen im Laufe der Geschichte verändern kann. In der biblischen Welt wird der Name mit nördlichen Völkern verbunden; Jeremia 51,27 nennt Aschkenas zusammen mit Ararat und Minni. Erst wesentlich später wurde Aschkenas im jüdischen Sprachgebrauch zu einer Bezeichnung für Deutschland und die dort lebenden jüdischen Gemeinschaften. Die spätere Bezeichnung der aschkenasischen Juden bedeutet deshalb nicht, dass ihre Abstammung durch 1. Mose 10 unmittelbar auf diesen Sohn Gomers zurückgeführt werden könnte. Bei Togarma begegnet ebenfalls eine spätere Verbindung zu nördlichen Gebieten, unter anderem in Hesekiel 27,14. Die genauen Grenzen und historischen Entwicklungen dieser Völker beschreibt Genesis jedoch nicht.

Vers 4 wendet sich den Nachkommen Javans zu: Elischa, Tarsis, Kittim und Rodanim. Hier treten besonders die Länder und Inseln des Mittelmeerraumes in den Vordergrund. Kittim wird gewöhnlich mit Zypern verbunden, insbesondere mit der alten Stadt Kition. Tarsis begegnet später mehrfach als Name eines fernen Handelsortes, der auf dem Seeweg erreicht werden konnte. Auch Jona wollte mit einem Schiff nach Tarsis fliehen (Jona 1,3). Wo dieses Tarsis genau lag, ist allerdings umstritten; häufig wird eine Verbindung zum westlichen Mittelmeerraum und zum antiken Tartessos im heutigen Spanien vermutet. Die biblischen Angaben rechtfertigen keine endgültige Festlegung auf einen einzigen Ort.

Auch beim letzten Namen in Vers 4 gibt es eine bemerkenswerte Besonderheit. Schlachter 1951 nennt Rodanim, während der überwiegende überlieferte hebräische Genesistext Dodanim liest. In 1. Chronik 1,7 und weiteren alten Textzeugen findet sich dagegen ebenfalls die Form Rodanim. Diese Lesart wird häufig mit den Bewohnern der Insel Rhodos verbunden. Es handelt sich also nicht einfach um zwei verschiedene Völker, die zusätzlich gezählt werden müssten, sondern um eine unterschiedliche Überlieferung desselben Namens. Solche Abweichungen zeigen, weshalb alte Eigennamen besonders sorgfältig behandelt werden müssen. Nicht jede Schreibweise erlaubt eine sichere historische Identifizierung.

Vers 5 fasst die Ausbreitung dieser Familienlinien zusammen. Die Schlachter-Übersetzung spricht von den „Inseln der Heiden“. Das hebräische Wort für Inseln kann in diesem Zusammenhang auch Küstenländer bezeichnen. Gemeint sind deshalb nicht ausschließlich kleine, vom Meer umgebene Landflächen, sondern ebenso die Küstengebiete, in denen sich Völker niederließen. Diese Bedeutung passt zu den zuvor genannten Namen, die besonders mit dem Mittelmeerraum und seinen angrenzenden Regionen verbunden sind. Das Wort „Heiden“ bezeichnet hier die Völker außerhalb Israels; es ist keine Aussage darüber, dass jeder genannte Mensch persönlich gottlos gewesen sei.

Auffällig ist schließlich, wie der Vers die entstandenen Gemeinschaften beschreibt: nach ihren Ländern, Sprachen, Familien und Völkern. Die Menschen werden nicht nur durch ihre Abstammung unterschieden, sondern auch durch ihre Wohngebiete und ihre gewachsenen Gemeinschaften. Damit beschreibt die Bibel eine Menschheit, die sich in zahlreiche Gruppen ausgebreitet hat und dennoch auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgeführt wird. Die Unterschiede zwischen den Völkern heben diese gemeinsame Herkunft nicht auf. Zugleich steht am Ende dieser ersten Familienlinie kein Urteil darüber, dass die Nachkommen Japhets vor Gott mehr oder weniger wert wären als andere Menschen. Nach ihrer Darstellung richtet sich der Blick auf Hams Nachkommen, bei denen die Entstehung früher Herrschaftsgebiete und bedeutender Städte stärker in den Vordergrund tritt.

1. Mose 10,6–7

Die Nachkommen Hams und ihre Siedlungsgebiete

Nach den Nachkommen Japhets wendet sich die Völkertafel der Familie Hams zu. Vers 6 nennt seine vier Söhne: Kusch, Mizraim, Put und Kanaan. Ham war bereits im vorherigen Kapitel als Vater Kanaans besonders hervorgehoben worden (1. Mose 9,18.22). Dort hatte Noah nach dem Vorfall in seinem Zelt einen Fluch über Kanaan ausgesprochen. Nun zeigt die Erzählung, dass Ham nicht nur diesen einen Sohn hatte, sondern zum Vorfahren mehrerer bedeutender Völker wurde. Die Unterscheidung ist wichtig: Noahs Worte richteten sich ausdrücklich gegen Kanaan und nicht gegen sämtliche Nachkommen Hams. Es wäre deshalb falsch, den Fluch auf alle hier genannten Familienlinien zu übertragen.

Die vier Namen führen in unterschiedliche Gebiete der alten Welt. Kusch wird in der Bibel besonders mit den Regionen südlich Ägyptens am Nil verbunden, vor allem mit dem Gebiet des antiken Nubien. Mizraim ist der hebräische Name für Ägypten, das in der späteren Geschichte Israels eine große Rolle spielen wird. Put wird häufig mit Gebieten im nördlichen Afrika, insbesondere westlich Ägyptens, in Verbindung gebracht. Seine genaue geografische Zuordnung ist allerdings weniger sicher. Kanaan bezeichnet dagegen den Raum an der östlichen Mittelmeerküste, in dem später zahlreiche kanaanitische Völker lebten. Die Genesis wird dessen Siedlungsgebiete in den Versen 15–19 noch näher beschreiben. Bereits an diesen vier Namen zeigt sich, dass die Abstammungslinien nicht auf einen einzigen, eng begrenzten Landstrich beschränkt bleiben.

Vers 7 konzentriert sich zunächst auf die Nachkommen Kuschs. Genannt werden Seba, Chavila, Sabta, Raema und Sabteka. Besonders bei diesen Namen ist Zurückhaltung notwendig, weil ihre genaue Zuordnung zu historischen Völkern und Orten nicht in jedem Fall geklärt ist. Seba wird auch später in Verbindung mit Kusch und Ägypten erwähnt (Jesaja 43,3). Andere Namen werden mit Regionen beiderseits des Roten Meeres und mit alten Handelsgebieten der Arabischen Halbinsel in Verbindung gebracht. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich für jeden Nachkommen ein eindeutig bestimmbares Land auf einer heutigen Karte festlegen ließe. Die Völkertafel beschreibt alte Familien- und Volksbeziehungen, deren geografische Bedeutung sich im Laufe der Geschichte verändern konnte.

Eine Besonderheit betrifft die genaue Abstammung innerhalb dieser Liste. In der verbreiteten Fassung der Schlachter 1951 werden Seba, Chavila, Sabta, Raema, Sabteka und Dedan unmittelbar als Söhne Kuschs aufgezählt. Der überlieferte hebräische Text unterscheidet jedoch zwei Generationen: Kusch hat die fünf zuerst genannten Söhne, während Raema wiederum zwei Söhne namens Scheba und Dedan hat. Diese vollständige Abstammungsfolge steht auch in 1. Chronik 1,9. Der Unterschied ist nicht unwichtig, denn dadurch wird deutlich, dass Scheba und Dedan zur Familienlinie Raemas gehören. Bei einer bloßen Aufzählung aller Namen ginge diese Verbindung verloren.

Scheba und Dedan begegnen später mehrfach als Bezeichnungen bedeutender Handelsgemeinschaften. Hesekiel 27,22 nennt Kaufleute aus Scheba und Raema, die mit kostbaren Gütern handelten. Auch Dedan erscheint im Zusammenhang mit Handelsbeziehungen und Karawanen (Hesekiel 27,20). Diese späteren Bibelstellen helfen zu verstehen, weshalb die Völkertafel nicht nur für die Abstammung einzelner Familien von Bedeutung ist. Hinter manchen Namen stehen Gemeinschaften, die sich ausbreiteten, Handelswege erschlossen und Beziehungen zu anderen Völkern entwickelten. Allerdings begegnen Namen wie Scheba und Dedan auch in anderen Abstammungslisten (1. Mose 25,3). Gleiche Namen müssen deshalb nicht zwangsläufig dieselbe Person bezeichnen.

Die Nachkommen Kuschs machen besonders deutlich, wie sich aus den Familien Noahs vielfältige Lebensräume und Verbindungen zwischen den Völkern entwickelten. Die Bibel beschreibt diese Menschen nicht anhand späterer Vorstellungen von unterschiedlichen Menschenrassen. Ihr Interesse gilt den verwandtschaftlichen Zusammenhängen, den Völkern und den Gebieten, in denen sie lebten. Die gemeinsame Herkunft der Menschheit bleibt dabei bestehen, auch wenn sich die Familien mit der Zeit über weit voneinander entfernte Regionen ausbreiten.

Mit Vers 8 verändert sich die Art der Darstellung. Während bisher hauptsächlich Namen und Abstammungsfolgen genannt wurden, bleibt die Erzählung nun bei einer einzelnen Person stehen: Nimrod, einem weiteren Nachkommen Kuschs. Über ihn berichtet die Bibel deutlich mehr als über die zuvor genannten Söhne. Damit tritt neben die Ausbreitung der Familien ein neues Thema: die Entstehung mächtiger Herrschaftsgebiete und früher großer Städte.

1. Mose 10,8–12

Nimrod und die Entstehung mächtiger Königreiche

Mit Nimrod tritt eine Gestalt hervor, der die Bibel innerhalb der Völkertafel ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit widmet. Während die meisten Nachkommen Noahs lediglich mit ihren Namen genannt werden, berichtet die Erzählung von Nimrods besonderer Macht und den Städten seines Königreiches. Vers 8 bezeichnet ihn als Nachkommen Kuschs und erklärt, dass er begann, ein Gewaltiger auf Erden zu sein. Das hebräische Wort für „Gewaltiger“ beschreibt einen Menschen von außergewöhnlicher Stärke, Macht oder Bedeutung. Es kann für tapfere Krieger ebenso verwendet werden wie für andere einflussreiche Persönlichkeiten. Die Aussage allein bedeutet deshalb noch nicht, dass Nimrod ein grausamer Herrscher oder ein Gegner Gottes gewesen sein muss. Sie kennzeichnet ihn zunächst als einen Mann, dessen Macht und Ansehen über das gewöhnliche Maß hinausgingen.

Vers 9 ergänzt, dass Nimrod ein gewaltiger Jäger vor dem HERRN war. Offenbar war seine Fähigkeit so bekannt, dass sein Name zu einem Sprichwort wurde. Wer einen besonders mächtigen Jäger beschreiben wollte, konnte ihn mit Nimrod vergleichen. Die Jagd besaß in der alten Welt eine Bedeutung, die über die Beschaffung von Nahrung hinausging. Besonders im Umfeld mächtiger Herrscher konnte sie als Ausdruck von Stärke, Mut und der Fähigkeit gelten, gefährliche Tiere zu überwältigen. Auch spätere Könige Mesopotamiens ließen ihre Jagderfolge bildlich darstellen. Dieser historische Hintergrund hilft zu verstehen, warum die Erzählung gerade Nimrods Jagdfähigkeit hervorhebt. Ob sie zugleich seine militärische Macht andeuten soll, lässt sich nicht sicher entscheiden.

Eine wichtige Auslegungsfrage betrifft die Worte „vor dem HERRN“. Manche verstehen sie so, dass Nimrod seine Macht in offenem Widerstand gegen Gott ausübte. Besonders in der jüdischen Auslegungsgeschichte wurde er häufig als rebellischer Herrscher beschrieben, der andere Menschen zum Ungehorsam verführte. Das hebräische Wort bedeutet jedoch zunächst „vor“ oder „im Angesicht“ und muss nicht zwangsläufig eine feindliche Haltung ausdrücken. Es kann auch hervorheben, dass jemand unter Gottes Augen handelt oder außergewöhnliche Bekanntheit besitzt. Der Vers bezeichnet Nimrod nicht ausdrücklich als gottlos. Deshalb wäre es zu weitgehend, allein aus dieser Formulierung zu schließen, dass seine Jagd auf Menschen gerichtet war oder er bereits eine organisierte Rebellion gegen Gott anführte.

In Vers 10 erfahren wir, worin Nimrods besondere Macht außerdem bestand. Der Anfang seines Königreiches lag in Babel, Erek, Akkad und Kalne im Land Sinear. Damit beschreibt die Bibel nicht mehr nur die Ausbreitung einer Familie, sondern die Entstehung eines zusammenhängenden Herrschaftsgebietes. Sinear bezeichnet die Landschaft im südlichen Mesopotamien, ungefähr im Gebiet des heutigen Irak. Erek entspricht dem antiken Uruk, einer bedeutenden Stadt der frühen mesopotamischen Kultur. Babel wurde später zum Zentrum des babylonischen Reiches, während Akkad mit einer ebenfalls bedeutenden frühen Macht in Mesopotamien verbunden ist. Die genaue Lage der alten Stadt Akkad ist bis heute nicht sicher bestimmt. Auch Kalne lässt sich nicht eindeutig identifizieren. Manche Übersetzungen verstehen das entsprechende hebräische Wort deshalb nicht als vierten Stadtnamen, sondern sinngemäß als „sie alle“. Die genaue Zahl der hier genannten Städte ist somit nicht völlig unumstritten.

Auffällig ist, dass die Erzählung ausdrücklich vom Anfang seines Königreiches spricht. Die genannten Städte erscheinen als Zentren einer politischen Macht, die über einzelne Familienverbände hinausreicht. Wie Nimrod diese Herrschaft erlangte, berichtet die Bibel allerdings nicht. Sie beschreibt weder seine Kämpfe noch die Regierungsform seines Reiches. Auch die häufige Annahme, Nimrod habe persönlich den Turm von Babel errichtet, geht über den ausdrücklichen Wortlaut hinaus. Zwar verbindet Kapitel 10 ihn mit Babel, und das folgende Kapitel berichtet vom Bau einer Stadt und eines Turmes im Land Sinear (1. Mose 11,1–9). Doch dort wird Nimrod nicht als Anführer oder Erbauer genannt. Die gemeinsame geografische Umgebung macht einen Zusammenhang denkbar, beweist aber keine persönliche Beteiligung.

In Vers 11 verlagert sich der Blick von Sinear nach Assur, dem Gebiet des späteren assyrischen Reiches. Nach der Schlachter-Übersetzung zieht Nimrod dorthin und baut Ninive, Rechobot-Ir und Kelach. Der hebräische Satz lässt allerdings auch eine andere Lesart zu: Assur könnte selbst derjenige sein, der aus jenem Land hinauszieht und die Städte gründet. Assur wird später ausdrücklich als Sohn Sems genannt (1. Mose 10,22). Der Unterschied ist bedeutsam, weil er die Frage betrifft, wem die Gründung der assyrischen Städte zugeschrieben wird. Beide Deutungen sind sprachlich möglich. Unabhängig davon verbindet die Erzählung die frühen Königreiche im südlichen Mesopotamien mit der Entstehung bedeutender Städte weiter im Norden.

Unter diesen Städten nimmt Ninive eine besondere Stellung ein. Sie lag am Tigris und wurde später zu einer der wichtigsten Hauptstädte des assyrischen Reiches. Auch der Prophet Jona wird viele Jahrhunderte später nach Ninive gesandt, um die Bewohner vor Gottes Gericht zu warnen (Jona 1,1–2; 3,1–4). Kelach ist ebenfalls als bedeutende assyrische Stadt bekannt; ihre Ruinen liegen bei dem heutigen archäologischen Fundort Nimrud. Dieser moderne Ortsname darf allerdings nicht als Beweis dafür verstanden werden, dass der biblische Nimrod selbst sämtliche dort gefundenen Bauwerke errichtet hätte. Rechobot-Ir und das in Vers 12 zusätzlich genannte Resen sind dagegen schwieriger zu lokalisieren. Über Resen sagt der Text, dass es zwischen Ninive und Kelach lag. Welche Stadt genau mit der abschließenden Bezeichnung „die große Stadt“ gemeint ist, wird unterschiedlich beurteilt. Der Ausdruck kann auf Resen bezogen werden; andere Ausleger verstehen ihn auf Ninive beziehungsweise den größeren zusammenhängenden Siedlungsraum.

Die besondere Erwähnung Nimrods zeigt, wie sich innerhalb der wachsenden Menschheit größere politische Machtbereiche entwickelten. Aus einzelnen Familien und Siedlungen entstanden Städte und Königreiche, deren Einfluss weit über ihre unmittelbare Umgebung hinausreichen konnte. Diese Entwicklung wird in der Bibel zunächst beschrieben, ohne dass jede Form menschlicher Herrschaft grundsätzlich verurteilt wird. Zugleich ist die Erwähnung Babels innerhalb der Genesis bedeutsam. Im nächsten Kapitel wird die Stadt zum Schauplatz eines gemeinsamen menschlichen Vorhabens, bei dem die Menschen sich einen Namen machen und ihre Zerstreuung verhindern wollen. Dort wird deutlicher, wie menschliches Streben nach Größe mit Gottes Willen in Konflikt geraten kann. Bei Nimrod selbst müssen wir diese spätere Erzählung jedoch von dem unterscheiden, was die Verse 8–12 tatsächlich über ihn aussagen.

Nach diesem Blick auf die frühen Machtzentren Mesopotamiens kehrt die Völkertafel zur Aufzählung der Nachkommen Hams zurück. Nun folgt die Linie Mizraims, aus der weitere Völker hervorgehen, die besonders mit Ägypten und den angrenzenden Regionen verbunden sind.

1. Mose 10,13–14

Mizraims Nachkommen und die Herkunft der Philister

Nach den Berichten über Nimrod und die frühen Königreiche Mesopotamiens kehrt die Völkertafel zur Abstammungslinie Hams zurück. Diesmal geht es um Mizraim, dessen Name in der hebräischen Bibel zugleich die Bezeichnung für Ägypten ist. Die Verse nennen mehrere Völker, die aus seiner Nachkommenschaft hervorgegangen sein sollen: die Luditer, Anamiter, Lehabiter, Naphtuchiter, Patrusiter, Kasluchiter und Kaphtoriter. Anders als bei Nimrod werden keine einzelnen Lebensgeschichten erzählt. Die Namen stehen vor allem für Volksgruppen, die mit Ägypten und seiner weiteren Umgebung verbunden waren. Dabei muss die Formulierung, Mizraim habe diese Völker gezeugt, nicht bedeuten, dass jeder Name einen unmittelbaren Sohn bezeichnet. In der Völkertafel können solche Abstammungsangaben auch die Entstehung größerer Gemeinschaften über mehrere Generationen hinweg zusammenfassen.

Einige dieser Namen lassen sich historisch besser einordnen als andere. Die Lehabiter werden häufig mit den Libyern in Verbindung gebracht, die westlich von Ägypten lebten. Auch die Patrusiter besitzen einen gut erkennbaren geografischen Hintergrund. Ihr Name hängt mit Pathros zusammen, einer biblischen Bezeichnung für Oberägypten, also den südlichen Teil des ägyptischen Niltals. Der Prophet Hesekiel erwähnt Pathros ausdrücklich als ägyptisches Gebiet (Hesekiel 29,14). Bei den Naphtuchitern wird eine Verbindung zum Raum um Memphis, einer bedeutenden Stadt Ägyptens, diskutiert. Diese Zuordnung ist jedoch weniger sicher. Die Anamiter und Kasluchiter lassen sich noch schwieriger lokalisieren. Deshalb wäre es nicht gerechtfertigt, für sämtliche genannten Völker genaue Wohngebiete anzugeben, als wären ihre historischen Spuren vollständig geklärt.

Eine weitere Besonderheit betrifft die Luditer. Der Name erinnert an Lud, der später unter den Söhnen Sems genannt wird (1. Mose 10,22). Daraus darf jedoch nicht automatisch geschlossen werden, dass beide Angaben dieselbe Person oder dasselbe Volk bezeichnen. Die Liste verwendet mehrfach ähnliche oder gleiche Namen für unterschiedliche Abstammungszusammenhänge. Auch spätere Bibelstellen verbinden den Namen Lud mit verschiedenen geografischen und politischen Zusammenhängen (Jeremia 46,9; Hesekiel 27,10). Die Völkertafel lässt somit erkennen, wie unterschiedlich die Entwicklung der alten Völker gewesen sein kann. Sie liefert aber keine vollständige Erklärung ihrer Herkunft, ihrer Wanderungen oder ihrer späteren Geschichte.

Besonders wichtig ist der abschließende Teil von Vers 14, weil dort die Philister erwähnt werden. Sie werden in der späteren Geschichte Israels eine bedeutende Rolle spielen. Zur Zeit der Richter und der ersten Könige gehören sie zu den mächtigsten Gegnern Israels. Ihre Städte Gaza, Askalon, Asdod, Ekron und Gat werden als wichtige Zentren ihres Siedlungsgebietes genannt (Josua 13,3; 1. Samuel 6,17). Die Völkertafel führt ihre Herkunft jedoch nicht unmittelbar auf eine dieser Städte zurück. Sie ordnet sie zunächst in die Abstammungslinie Mizraims ein und stellt einen Zusammenhang mit den Kasluchitern her.

An dieser Stelle ist der genaue Wortlaut bedeutsam. Schlachter 1951 formuliert, dass aus den Kasluchitern sowohl die Philister als auch die Kaphtoriter hervorgegangen seien. Der überlieferte hebräische Text unterscheidet dagegen zwischen den Kasluchitern, aus denen die Philister hervorgegangen sein sollen, und den anschließend eigens genannten Kaphtoritern. Die Kaphtoriter erscheinen dort als eine weitere Gruppe innerhalb der Nachkommenschaft Mizraims. Die Unterschiede betreffen somit nicht nur die Satzstellung, sondern die Frage, welche Abstammungsverhältnisse der Leser aus dem Text entnimmt. Auch die entsprechende Liste in 1. Chronik 1,11–12 enthält die Unterscheidung zwischen Kasluchitern und Kaphtoritern.

Allerdings wird die Herkunft der Philister durch andere Bibelstellen noch aus einem weiteren Blickwinkel beschrieben. In Amos 9,7 erklärt Gott ausdrücklich, dass er die Philister aus Kaphtor heraufgeführt habe. Jeremia 47,4 verbindet sie ebenfalls mit Kaphtor, während 5. Mose 2,23 berichtet, dass Kaphtoriter aus Kaphtor kamen und sich im Gebiet bis Gaza niederließen. Kaphtor wird häufig mit Kreta oder dem weiteren ägäischen Raum in Verbindung gebracht. Die biblischen Angaben weisen somit einerseits auf die Abstammungszusammenhänge der Völkertafel und andererseits auf ein Herkunftsgebiet hin, aus dem Menschen an die südliche Küste Kanaans gelangten. Ob damit verschiedene Etappen einer Wanderungsgeschichte beschrieben werden oder ob sich unterschiedliche Überlieferungen in diesen Angaben widerspiegeln, lässt sich nicht sicher entscheiden. Die Bibel schildert hier keine vollständige Abfolge der betreffenden Wanderungen.

Bemerkenswert ist, dass die Philister damit schon lange vor ihren späteren Auseinandersetzungen mit Israel in den größeren Zusammenhang der Menschheitsgeschichte eingeordnet werden. Sie erscheinen nicht erst als Feinde des Volkes Gottes, sondern zunächst als eines der Völker, deren Herkunft die Genesis beschreibt. Später macht der Prophet Amos sogar deutlich, dass Gottes Handeln nicht auf Israel beschränkt ist: Er erinnert daran, dass Gott nicht nur Israel aus Ägypten geführt hat, sondern auch die Philister aus Kaphtor und die Aramäer aus Kir (Amos 9,7). Das bedeutet nicht, dass alle diese Völker dieselben Verheißungen oder dieselbe Bundesstellung erhalten hätten. Es zeigt jedoch, dass ihre Geschichte nicht außerhalb von Gottes Herrschaft steht.

Mit der Erwähnung der Philister endet die Aufzählung der Nachkommen Mizraims. Der Blick richtet sich anschließend auf Kanaan, den vierten Sohn Hams. Anders als bei den zuvor genannten Völkern wird die Genesis dessen Nachkommenschaft besonders ausführlich mit einzelnen Städten und Siedlungsgebieten verbinden. Das ist für die weitere biblische Geschichte von großer Bedeutung, denn gerade in diesem Land werden später Abraham und seine Nachkommen eine besondere Rolle spielen.

1. Mose 10,15–20

Kanaan und die Grenzen seines Siedlungsgebietes

Nach den Nachkommen Mizraims wendet sich die Völkertafel Kanaan zu, dem vierten Sohn Hams. Seine Abstammungslinie erhält eine besonders ausführliche Beschreibung, weil sie mit dem Land verbunden ist, das später im Mittelpunkt der Geschichte Abrahams und Israels stehen wird. Kanaan war bereits in 1. Mose 9 mehrfach erwähnt worden, als Noah nach dem Vorfall in seinem Zelt einen Fluch über ihn aussprach. Nun erfahren wir, welche Völker aus seiner Linie hervorgingen und in welchen Gebieten sie sich niederließen. Die Aufzählung bereitet damit einen wichtigen Teil der weiteren Genesis vor. Denn noch bevor Gott Abraham das Land Kanaan verheißt, berichtet die Bibel davon, dass dort bereits zahlreiche Völker und Gemeinschaften lebten.

Vers 15 nennt zunächst Sidon als Erstgeborenen Kanaans und anschließend Heth. Sidon ist zugleich der Name einer bedeutenden Hafenstadt an der östlichen Mittelmeerküste, im Gebiet des heutigen Libanon. Die Stadt entwickelte sich später zu einem wichtigen Zentrum des phönizischen Handels. Die Phönizier waren für ihre Seefahrt, ihre Handelsverbindungen und ihre Küstenstädte bekannt. Der Name Sidon begegnet deshalb in der Bibel nicht nur als Abstammungsangabe, sondern auch als Bezeichnung einer Stadt und ihrer Bewohner. Dass Sidon hier als Erstgeborener genannt wird, unterstreicht seine besondere Stellung innerhalb der Liste. Es bedeutet jedoch nicht, dass die später bekannte Stadt schon bei der Geburt eines einzelnen Sohnes Kanaans in ihrer historischen Gestalt existiert haben musste. In den Völkertafeln können Personennamen zugleich größere Abstammungs- und Volksgemeinschaften bezeichnen.

Mit Heth wird eine weitere bedeutende Bevölkerungsgruppe eingeführt. Seine Nachkommen werden später als Hetiter bezeichnet. Bereits in der Geschichte Abrahams begegnen sie als Bewohner des Landes Kanaan. Als Sara stirbt, erwirbt Abraham von Ephron, einem Hetiter, ein Feld mit einer Höhle als Begräbnisstätte (1. Mose 23,3–20). Dadurch werden die Nachkommen Heths nicht nur als Namen einer alten Liste erwähnt, sondern als Menschen sichtbar, mit denen Abraham konkrete rechtliche und wirtschaftliche Beziehungen unterhält. Allerdings ist Vorsicht geboten, wenn die biblischen Hetiter unmittelbar mit dem großen hethitischen Reich Anatoliens gleichgesetzt werden. Zwischen diesen Bezeichnungen bestehen historische und sprachliche Fragen, die sich nicht allein aus 1. Mose 10 entscheiden lassen. Der sichere Befund ist zunächst, dass die Genesis eine Bevölkerungsgruppe namens Heth beziehungsweise Hetiter im Zusammenhang mit Kanaan kennt.

In den Versen 16 und 17 folgen die Jebusiter, Amoriter, Girgasiter, Hewiter, Arkiter und Siniter. Einige dieser Gruppen spielen später eine deutlich erkennbare Rolle. Die Jebusiter werden besonders mit Jerusalem verbunden. Als David viele Generationen später die Stadt erobert, wird sie noch als Wohnort der Jebusiter beschrieben (2. Samuel 5,6–9). Die Amoriter begegnen ebenfalls häufig in der Geschichte Israels. Dabei kann ihre Bezeichnung unterschiedliche Reichweiten besitzen. Manchmal meint sie eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, an anderen Stellen wird sie allgemeiner für Bewohner Kanaans verwendet. Auch die Könige Sihon und Og östlich des Jordan werden als Amoriter bezeichnet (4. Mose 21,21–35). Deshalb sollte der Name nicht so verstanden werden, als habe er zu allen Zeiten ausschließlich ein kleines, genau abgegrenztes Volk bezeichnet.

Die Hewiter erscheinen später unter anderem im Zusammenhang mit Sichem und mit den Bewohnern Gibeons (1. Mose 34,2; Josua 9,7). Über die Girgasiter erfahren wir dagegen nur wenig. Sie werden mehrfach unter den Völkern Kanaans aufgezählt, etwa in 5. Mose 7,1, ohne dass ihre eigene Geschichte ausführlich erzählt wird. Die Arkiter lassen sich wahrscheinlich mit der alten Stadt Arqa im nördlichen Libanon verbinden. Die Siniter sind schwieriger zu bestimmen; ihre genaue historische Identität bleibt umstritten. Solche Unterschiede zeigen, dass die Bibel zwar mehrere kanaanitische Gemeinschaften mit Namen bewahrt, uns aber nicht über jede von ihnen dieselbe Menge an Informationen gibt. Eine sorgfältige Auslegung muss deshalb zwischen gut erkennbaren Ortsverbindungen und unsicheren Zuordnungen unterscheiden.

Vers 18 nennt außerdem die Arvaditer, Zemariter und Hamatiter. Arvad war eine bekannte Hafenstadt auf einer Insel vor der syrischen Mittelmeerküste. Die Bewohner dieser Stadt werden später vom Propheten Hesekiel im Zusammenhang mit dem Seehandel von Tyrus erwähnt (Hesekiel 27,8.11). Die Zemariter werden häufig mit dem antiken Ort Sumur an der nördlichen Levanteküste verbunden, wobei die genaue Gleichsetzung nicht völlig sicher ist. Hamath lag weiter im Norden am Fluss Orontes und wurde zu einem bedeutenden Stadtstaat. Sein Name begegnet in der Bibel mehrfach als geografischer Orientierungspunkt (4. Mose 13,21; 1. Könige 8,65). Gemeinsam verdeutlichen diese Namen, dass die hier beschriebenen kanaanitischen Familien nicht nur im späteren Kerngebiet Israels lebten, sondern sich auch entlang der nördlichen Mittelmeerküste und in angrenzenden Regionen ausbreiteten.

Nach der Aufzählung hält der Text ausdrücklich fest, dass sich die Familien der Kanaaniter weiter ausbreiteten. Damit geht die Erzählung von der Abstammung zu den tatsächlichen Siedlungsräumen über. Vers 19 beschreibt deren Grenzen anhand bekannter Orte. Im Norden beginnt die Angabe bei Sidon. Von dort reicht das Gebiet in Richtung Gerar und Gaza, die weiter südlich liegen. Anschließend werden Sodom, Gomorra, Adama und Zeboim sowie Lasa genannt. Die ersten vier Städte begegnen später erneut im Zusammenhang mit der Jordanebene (1. Mose 14,2.8). Besonders Sodom und Gomorra werden in der weiteren Genesis eine wichtige Rolle spielen. Ihre Erwähnung bedeutet hier jedoch noch keine Bewertung ihres späteren Verhaltens. Sie dienen zunächst als geografische Orientierungspunkte.

Die genaue Lage einiger dieser Orte ist bis heute nicht abschließend geklärt. Gaza liegt an der südlichen Mittelmeerküste, während Sidon weit nördlich davon zu finden ist. Die Städte Sodom, Gomorra, Adama und Zeboim werden häufig im Gebiet der südlichen Jordanebene beziehungsweise in der Umgebung des Toten Meeres gesucht. Ihre exakten Standorte sind jedoch umstritten. Auch Lasa lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Deshalb wäre es zu weitgehend, aus Vers 19 eine vollständig gesicherte Landkarte mit allen damaligen Grenzen zu erstellen. Die Beschreibung vermittelt vielmehr einen räumlichen Überblick über das Gebiet, das mit den kanaanitischen Völkern verbunden wird. Sie ist außerdem nicht einfach mit jeder späteren Grenzbeschreibung des verheißenen Landes gleichzusetzen, denn diese stehen jeweils in ihrem eigenen geschichtlichen Zusammenhang.

Gerade diese geografischen Angaben gewinnen durch die spätere Geschichte Abrahams an Bedeutung. Als Gott ihn auffordert, seine Heimat zu verlassen, führt sein Weg in das Land Kanaan. Dort stellt die Genesis ausdrücklich fest, dass zu jener Zeit die Kanaaniter im Land wohnten (1. Mose 12,5–7). Die Verheißung an Abraham bezieht sich also nicht auf einen unbewohnten Raum. Das Land besitzt bereits eine Geschichte und zahlreiche Bewohner. Diese Tatsache wird später für das Verständnis der göttlichen Landverheißung und der damit verbundenen schwierigen Fragen nach Gericht, Besitz und Verantwortung wichtig. Kapitel 10 selbst erklärt jedoch noch nicht die Gründe für die späteren Gerichte über kanaanitische Völker. Es wäre deshalb falsch, allein aus ihrer Abstammung von Kanaan abzuleiten, dass jeder einzelne Nachkomme bereits persönlich unter einem göttlichen Schuldspruch stand.

Vers 20 schließt die Abstammungslinien Hams zusammenfassend ab. Wie zuvor bei Japhet werden die Nachkommen nach ihren Familien, Sprachen, Ländern und Völkern beschrieben. Die Völkertafel führt damit unterschiedliche Gemeinschaften auf denselben Ursprung innerhalb der Familie Noahs zurück, ohne ihre späteren geschichtlichen Entwicklungen gleichzusetzen. Besonders bei Kanaan wird deutlich, wie eine zunächst einfache Abstammungsangabe zum Hintergrund vieler kommender biblischer Ereignisse wird. Nach dieser ausführlichen Darstellung richtet sich der Blick nun auf Sem. Seine Nachkommenschaft wird schließlich zur Familienlinie führen, durch die Gott Abraham beruft und seine Verheißung des Segens für alle Geschlechter der Erde weiter entfaltet.

1. Mose 10,21–25

Sems Nachkommen und die Teilung zur Zeit Pelegs

Nachdem die Nachkommen Japhets und Hams beschrieben wurden, richtet sich die Völkertafel auf Sem, den dritten Sohn Noahs. Obwohl Sem in der bisherigen Aufzählung zuletzt behandelt wird, erhält seine Familienlinie für den weiteren Verlauf der Genesis eine besondere Bedeutung. Vers 21 bezeichnet ihn ausdrücklich als Vorfahren aller Söhne Ebers. Damit wird bereits eine spätere Generation hervorgehoben, bevor ihre genaue Abstammung erklärt wird. Der Name Eber ist besonders bemerkenswert, weil er sprachlich mit der Bezeichnung „Hebräer“ in Verbindung gebracht wird. Diese Verbindung ist seit Langem bekannt, doch die genaue Entstehung der Volksbezeichnung lässt sich nicht allein aus der Ähnlichkeit der Namen beweisen. Innerhalb der Genesis wird Eber vor allem deshalb wichtig, weil die spätere Abstammungslinie Abrahams über ihn verläuft (1. Mose 11,16–26).

Vers 21 enthält außerdem eine sprachliche Besonderheit. Schlachter 1951 bezeichnet Sem als den älteren Bruder Japhets. Der hebräische Satz lässt sich jedoch unterschiedlich verstehen, weil die Altersangabe entweder auf Sem oder auf Japhet bezogen werden kann. Für Sem als älteren Bruder sprechen gewichtige grammatische Gründe, doch auch die andere Lesart hat Eingang in Bibelübersetzungen gefunden. Die Reihenfolge, in der Noahs Söhne genannt werden, löst diese Frage nicht eindeutig. Schon in 1. Mose 9,24 begegnete eine Altersbezeichnung, deren genaue Zuordnung für die Auslegung wichtig war. Deshalb sollten wir auch hier keine sichere Geburtsreihenfolge behaupten, die sich nicht zweifelsfrei aus dem Zusammenhang ergibt. Für die eigentliche Botschaft der Völkertafel ist ohnehin nicht entscheidend, welcher Bruder zuerst geboren wurde, sondern welche Familienlinien aus ihnen hervorgingen.

In Vers 22 werden fünf Söhne Sems genannt: Elam, Assur, Arpakschad, Lud und Aram. Einige dieser Namen begegnen später als Bezeichnungen bedeutender Völker und Regionen. Elam wird mit dem Gebiet östlich des südlichen Mesopotamiens verbunden, im Südwesten des heutigen Iran. Die Elamiter bildeten dort eine eigenständige Kultur, deren Geschichte sich über viele Jahrhunderte erstreckte. Assur bezeichnet sowohl eine bedeutende Stadt am Tigris als auch das daraus hervorgegangene assyrische Reich. Die Assyrer werden später zu einer der mächtigsten Kräfte des Alten Orients und spielen besonders in der Geschichte des Nordreiches Israel eine entscheidende Rolle. Dass Assur hier als Nachkomme Sems erscheint, ist auch für den vorherigen Abschnitt über Nimrod interessant: Die Völkertafel verbindet frühe assyrische Städte mit Nimrods Umfeld, nennt Assur jedoch ausdrücklich innerhalb einer anderen Abstammungslinie. Die Erzählung unterscheidet somit zwischen genealogischer Herkunft und der Entwicklung politischer Herrschaftsgebiete.

Auch Lud und Aram besitzen eine Bedeutung, die über diese Aufzählung hinausgeht. Lud wird häufig mit den Lydern in Kleinasien in Verbindung gebracht, doch die genaue historische Gleichsetzung ist nicht vollständig gesichert. Zudem darf dieser Name nicht ohne Prüfung mit den zuvor erwähnten Luditern aus der Nachkommenschaft Mizraims gleichgesetzt werden. Aram dagegen bezeichnet einen größeren Zusammenhang aramäischer Bevölkerungsgruppen, die besonders in Syrien und im nördlichen Mesopotamien lebten. Später werden aramäische Königreiche wie Damaskus wiederholt in der Geschichte Israels erwähnt. Auch die aramäische Sprache gewinnt große Bedeutung: Sie wird in weiten Teilen des Vorderen Orients zu einer wichtigen Verkehrs- und Verwaltungssprache. Einzelne Abschnitte der Bücher Daniel und Esra sind sogar auf Aramäisch überliefert. Die Völkertafel stellt Aram damit an den Anfang einer Familienlinie, deren sprachlicher und geschichtlicher Einfluss weit über ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete hinausreichen wird.

Vers 23 nennt vier Nachkommen Arams: Uz, Chul, Geter und Masch. Besonders der Name Uz fällt auf, weil das Buch Hiob seinen Hauptmann als Bewohner des Landes Uz vorstellt (Hiob 1,1). Daraus ergibt sich eine mögliche geografische Verbindung. Die Bibel erklärt jedoch nicht ausdrücklich, dass das Land Hiobs nach genau diesem Sohn Arams benannt wurde. Auch an anderen Stellen begegnet Uz als Personen- oder Gebietsname. Deshalb lässt sich die Gleichsetzung nicht sicher beweisen. Die übrigen Namen sind historisch noch schwieriger einzuordnen. Bei Masch gibt es außerdem eine Abweichung in der Textüberlieferung: Die griechische Übersetzung und 1. Chronik 1,17 bieten eine Form, die Meschech entspricht. Ob damit tatsächlich dieselbe Gruppe gemeint ist wie der zuvor unter Japhets Nachkommen genannte Meschech, bleibt jedoch fraglich. Ein ähnlicher Name allein reicht für eine solche Gleichsetzung nicht aus.

Mit Vers 24 verengt sich die Aufzählung wieder auf eine bestimmte Familienlinie. Arpakschad wird als Vater Schelachs genannt, und Schelach als Vater Ebers. Über die übrigen Nachkommen Arpakschads berichtet dieser Abschnitt nichts Näheres. Gerade diese Auswahl ist aber für den Aufbau der Genesis entscheidend. Während die Völkertafel zahlreiche Völker nebeneinanderstellt, beginnt sie nun, eine Linie hervorzuheben, die im nächsten Kapitel ausführlicher weitergeführt wird. Arpakschad ist dabei nicht deshalb bedeutsam, weil die Bibel besondere Taten von ihm berichtet. Seine Stellung innerhalb der Abstammungsfolge verbindet vielmehr Sem mit Eber und schließlich mit den Vorfahren Abrahams.

An dieser Stelle begegnet auch ein bemerkenswerter Unterschied zwischen alten Bibelüberlieferungen. Der hebräische Text führt die Abstammung unmittelbar von Arpakschad über Schelach zu Eber. Die griechische Septuaginta enthält dagegen zusätzlich einen Kainan zwischen Arpakschad und Schelach. Dieser Name begegnet ebenfalls im Geschlechtsregister Jesu bei Lukas (Lukas 3,35–36). Es handelt sich somit um einen tatsächlichen Unterschied zwischen überlieferten Abstammungslisten, nicht lediglich um verschiedene Schreibweisen. Die Frage, wie diese Abweichung entstanden ist, wird unterschiedlich beurteilt. Für das Verständnis von 1. Mose 10 bleibt wichtig, dass die hebräische Genesis an dieser Stelle die kürzere Abstammungsfolge überliefert. Der Unterschied sollte nicht übergangen, aber auch nicht zu einer Behauptung über die gesamte frühe Menschheitsgeschichte ausgeweitet werden, die sich aus diesen wenigen Angaben nicht sicher begründen lässt.

Vers 25 berichtet schließlich, dass Eber zwei Söhne hatte: Peleg und Joktan. Bei Peleg wird ausdrücklich erklärt, warum er diesen Namen erhielt. In seinen Tagen wurde das Land beziehungsweise die Erde geteilt. Der Name Peleg steht sprachlich mit dem Gedanken des Teilens oder Trennens in Verbindung. Diese Erklärung unterscheidet ihn von vielen anderen Personen der Völkertafel, deren Namen ohne weitere Erläuterung genannt werden. Offenbar soll der Leser hier auf ein Ereignis aufmerksam gemacht werden, das für die Entwicklung der Menschheit von größerer Bedeutung war.

Was genau mit dieser Teilung gemeint ist, erklärt der Vers allerdings nicht. Eine naheliegende Deutung verbindet sie mit der Zerstreuung der Menschen nach der Sprachverwirrung von Babel, die im folgenden Kapitel beschrieben wird (1. Mose 11,1–9). Dort wird ausdrücklich erzählt, dass Gott die gemeinsame Sprache der Menschen verwirrte und sie über die Erde zerstreute. Da Kapitel 10 bereits verschiedene Sprachen und Siedlungsgebiete nennt, passt die Erwähnung einer Teilung zur Zeit Pelegs gut in diesen Zusammenhang. Eine andere Erklärung versteht die Aussage allgemeiner als Verteilung des Landes unter verschiedenen Familien und Völkern. Auch eine besondere Trennung zwischen den Familienzweigen Pelegs und Joktans wird diskutiert. Der Text selbst entscheidet nicht ausdrücklich zwischen diesen Möglichkeiten.

Nicht überzeugend ist dagegen die Behauptung, der Vers beschreibe eindeutig eine geologische Spaltung der Kontinente. Zwar kann das hebräische Wort für Erde auch das Land bezeichnen, doch fehlen hier sämtliche Angaben über Erdplatten, Kontinente oder eine Veränderung der Erdoberfläche. Die Erklärung des Namens steht vielmehr innerhalb einer Aufzählung von Familien, Völkern, Sprachen und Siedlungsgebieten. Der unmittelbare Zusammenhang spricht deshalb besonders für eine Teilung, die mit der Ausbreitung und Trennung menschlicher Gemeinschaften verbunden ist. Ob damit unmittelbar die Ereignisse von Babel gemeint sind, wird erst im Vergleich mit Kapitel 11 deutlicher.

Mit Joktan nennt Vers 25 schließlich den zweiten Sohn Ebers. Während die spätere Geschichte Abrahams über Pelegs Linie weitergeführt wird, beschreibt die Völkertafel zunächst ausführlich die Nachkommen Joktans. Auch dieser Familienzweig gehört zur gemeinsamen Geschichte der Menschen nach der Flut. Dadurch wird deutlich, dass die Bibel die Abstammungslinie Abrahams nicht isoliert betrachtet. Sie stellt sie in einen größeren Zusammenhang vieler Völker, bevor sie den Blick auf die Familie richtet, durch die Gott seinen weiteren Heilsplan besonders entfalten wird.

1. Mose 10,26–32

Joktans Nachkommen und die Ausbreitung der Völker

Mit den Nachkommen Joktans erreicht die Völkertafel ihre letzte größere Abstammungsgruppe. Während die Linie seines Bruders Peleg im folgenden Kapitel weitergeführt wird, beschreibt die Genesis zunächst die Familie Joktans. Die Verse 26–29 nennen dreizehn Söhne: Almodad, Schaleph, Chazarmavet, Jarach, Hadoram, Usal, Dikla, Obal, Abimael, Scheba, Ophir, Chavila und Jobad. In anderen Bibelübersetzungen begegnet der letzte Name auch in der Form Jobab. Wie bei den vorherigen Abstammungslisten müssen diese Namen nicht ausschließlich einzelne Personen bezeichnen. Sie können zugleich für Familienverbände stehen, aus denen sich über mehrere Generationen größere Gemeinschaften entwickelten. Die Bibel berichtet hier keine persönlichen Erlebnisse dieser Männer, sondern bewahrt ihre Namen als Teil der frühen Völkergeschichte.

Mehrere Namen werden mit alten Siedlungsgebieten der Arabischen Halbinsel in Verbindung gebracht. Besonders Chazarmavet besitzt eine auffällige Ähnlichkeit mit Hadramaut, einer historischen Landschaft im heutigen Jemen. Auch Usal wird häufig mit dem alten Namen einer Siedlung im Gebiet des heutigen Sanaa verbunden. Solche Übereinstimmungen sind für die historische Einordnung interessant, doch nicht jede vorgeschlagene Gleichsetzung lässt sich sicher beweisen. Bei anderen Namen, etwa Almodad, Schaleph oder Abimael, fehlen ausreichend eindeutige Hinweise, um ihre Wohnorte zuverlässig zu bestimmen. Die Liste vermittelt daher ein Bild von Familiengruppen, die besonders mit dem arabischen Raum verbunden werden, ohne dass sich ihre gesamten Wanderungen und Siedlungsgebiete rekonstruieren ließen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Scheba, Ophir und Chavila, weil diese Namen an anderen Stellen der Bibel erneut begegnen. Scheba wird später als ein Land beschrieben, das für seinen Reichtum und seine Handelsverbindungen bekannt war. Die Königin von Scheba reist nach Jerusalem, um Salomo auf die Probe zu stellen, und bringt kostbare Geschenke mit (1. Könige 10,1–10). Ob diese spätere Herrscherin unmittelbar aus der hier genannten Familienlinie Joktans hervorging, erklärt der Text jedoch nicht. Schon innerhalb der Genesis erscheint Scheba in unterschiedlichen Abstammungszusammenhängen, unter anderem bei den Nachkommen Kuschs und später bei den Nachkommen Abrahams (1. Mose 10,7; 25,3). Gleiche Namen beweisen deshalb nicht automatisch, dass immer dieselbe Person oder genau dieselbe Volksgemeinschaft gemeint ist.

Auch Ophir wird in der späteren Geschichte Israels mehrfach erwähnt. Besonders während der Herrschaft Salomos begegnet es als Herkunftsgebiet wertvoller Güter, darunter Gold (1. Könige 9,28; 10,11). Wo Ophir genau lag, ist jedoch umstritten. Als mögliche Gebiete werden unter anderem Teile der Arabischen Halbinsel, Ostafrikas und Indiens diskutiert. Der Zusammenhang der Völkertafel spricht dafür, zunächst an den geografischen Raum zu denken, in dem auch die übrigen Nachkommen Joktans angesiedelt werden. Dennoch lässt sich nicht sicher nachweisen, dass der Name des hier genannten Sohnes und der spätere Handelsort in jeder Hinsicht identisch sind. Die Bibel verbindet beide nicht durch eine ausdrückliche Erklärung.

Bei Chavila ist eine ähnliche Vorsicht notwendig. Der Name begegnet bereits im Zusammenhang mit dem Garten Eden, wo ein Land Chavila erwähnt wird, in dem Gold vorkommt (1. Mose 2,11–12). Außerdem wird Chavila unter den Nachkommen Kuschs genannt (1. Mose 10,7). Später erscheint der Name erneut als geografische Orientierung bei der Beschreibung von Siedlungsgebieten (1. Mose 25,18). Diese mehrfachen Erwähnungen zeigen, wie wichtig es ist, Personen-, Volks- und Gebietsnamen jeweils im unmittelbaren Zusammenhang zu verstehen. Die Namensgleichheit allein beweist nicht, dass alle Stellen genau denselben Ort meinen. Ebenso wenig kann daraus eine sichere Lage des Gartens Eden abgeleitet werden.

Nach der Aufzählung beschreibt Vers 30 das Gebiet, in dem die Nachkommen Joktans lebten. Ihre Wohnsitze erstreckten sich von Mesa bis nach Sephar und zum östlichen Gebirge. Diese Angaben sollen offenbar die räumliche Ausdehnung der genannten Familien verdeutlichen. Die genaue Lage von Mesa ist allerdings nicht geklärt. Auch Sephar wird unterschiedlich identifiziert, häufig mit Orten im südlichen Arabien. Das erwähnte Gebirge lässt ebenfalls keine eindeutige moderne Grenzziehung zu. Die Beschreibung macht deutlich, dass die Familien Joktans ein größeres zusammenhängendes Siedlungsgebiet besaßen. Eine genaue Landkarte lässt sich daraus jedoch nicht mit Sicherheit erstellen.

Vers 31 schließt die Nachkommenschaft Sems mit derselben grundlegenden Ordnung ab, die bereits bei Japhet und Ham begegnete. Die Menschen werden nach ihren Geschlechtern, Sprachen, Ländern und Völkern unterschieden. Diese wiederkehrende Formulierung ist wichtig für das Verständnis der gesamten Völkertafel. Sie beschreibt nicht nur biologische Abstammung, sondern die Entstehung eigenständiger menschlicher Gemeinschaften. Familien wachsen zu größeren Verbänden heran, bewohnen unterschiedliche Gebiete und entwickeln eigene sprachliche und gesellschaftliche Zusammenhänge. Zugleich bleibt ihre gemeinsame Herkunft innerhalb der Erzählung bestehen. Die Verschiedenheit der Völker bedeutet nicht, dass sie voneinander unabhängige Ursprünge hätten.

Der letzte Vers fasst schließlich alle drei Familienlinien Noahs zusammen. Aus ihren Nachkommen haben sich nach der Flut die Völker auf der Erde ausgebreitet. Damit erfüllt sich innerhalb der Erzählung der Auftrag, den Gott Noah und seinen Söhnen gegeben hatte, als sie die Arche verlassen hatten (1. Mose 9,1.7). Doch die Völkertafel ist keine vollständige Aufzählung sämtlicher Menschen, die jemals gelebt haben. Sie stellt ausgewählte Abstammungs- und Völkerzusammenhänge dar, die für die weitere Geschichte der Genesis besonders wichtig sind. Auch die häufig genannte Gesamtzahl von siebzig Völkern beruht auf einer traditionellen Zählung der Namen; der Text selbst nennt diese Zahl nicht ausdrücklich.

Gerade am Ende des Kapitels entsteht jedoch eine Frage, die bisher unbeantwortet geblieben ist. Wie konnten aus einer Familie, die gemeinsam die Flut überlebt hatte, so viele Völker mit unterschiedlichen Sprachen entstehen? Die Völkertafel beschreibt das Ergebnis dieser Entwicklung, ohne ihren Ablauf vollständig zu erzählen. Darauf richtet sich das folgende Kapitel. Dort berichtet die Genesis zunächst von einer Menschheit mit einer gemeinsamen Sprache und anschließend von den Ereignissen in Babel, die zur Verwirrung der Sprache und zur Zerstreuung der Menschen führen (1. Mose 11,1–9). Kapitel 11 greift damit zeitlich auf einen früheren Zusammenhang zurück, um zu erklären, was Kapitel 10 bereits als entstandene Wirklichkeit dargestellt hat.

Mit diesem Abschluss führt die Genesis zwei Gedanken zusammen. Die Menschheit besitzt nach der biblischen Erzählung einen gemeinsamen Ursprung, während ihre Geschichte sich zunehmend in unterschiedliche Völker, Sprachen und Herrschaftsgebiete verzweigt. Zugleich bereitet die letzte Abstammungslinie den nächsten großen Abschnitt der Bibel vor. Aus der Vielzahl der Nachkommen Noahs wird die Erzählung bald eine einzelne Familie herausgreifen: die Vorfahren Abrahams. Gottes spätere Berufung Abrahams geschieht damit nicht losgelöst von der übrigen Menschheit. Sie beginnt innerhalb einer Welt vieler Völker, denen Gott durch Abraham schließlich seinen Segen verheißen wird (1. Mose 12,1–3).

Geistliche Kernbotschaft

Die Völkertafel zeigt eine Menschheit, die sich nach der Flut in viele Familien, Sprachen und Völker ausgebreitet hat und dennoch einen gemeinsamen Ursprung besitzt. Hinter den unterschiedlichen Namen, Wohngebieten und Lebensweisen stehen Menschen, die zur selben großen Menschheitsfamilie gehören. Ihre Verschiedenheit hebt diese Verbindung nicht auf. Schon bei der Schöpfung hatte Gott dem Menschen seine besondere Würde gegeben (1. Mose 1,26–27). Diese Würde bleibt bestehen, auch wenn sich die Menschheit über die Erde verteilt und eigene Gemeinschaften entwickelt. Kein Volk erhält seinen menschlichen Wert erst durch seine Größe, seine Macht oder seine Stellung in der Geschichte.

Zugleich zeigt das Kapitel, wie unterschiedlich menschliche Gemeinschaften wachsen können. Aus Familien entstehen Völker, aus Siedlungen werden Städte, und einzelne Herrscher gewinnen Macht über größere Gebiete. Besonders die Erwähnung Nimrods macht deutlich, dass menschliche Stärke und politische Herrschaft schon früh zur Geschichte der Völker gehören. Die Bibel verurteilt diese Entwicklung nicht allein deshalb, weil Menschen Städte errichten oder Königreiche bilden. Doch die weitere Erzählung wird die Frage aufwerfen, welchem Ziel menschliche Macht dient. Größe und Einfluss sind noch kein Beweis dafür, dass Menschen nach Gottes Willen handeln. Entscheidend ist, ob sie ihre Möglichkeiten verantwortungsvoll gebrauchen oder daraus einen Anspruch auf Unabhängigkeit von Gott entwickeln.

Eine weitere geistliche Bedeutung liegt darin, wie die Bibel die zahlreichen Völker in ihre Erzählung einbezieht. Viele der genannten Familien werden später nicht mehr ausführlich behandelt. Manche Namen verschwinden sogar vollständig aus dem weiteren Bericht. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Menschen für Gott bedeutungslos wären. Die Genesis zeichnet keine vollständige Geschichte aller Völker auf, sondern verfolgt eine bestimmte Linie innerhalb der Menschheitsgeschichte. Gottes Aufmerksamkeit und Herrschaft werden dadurch nicht auf diese eine Linie begrenzt.

Von besonderer Bedeutung ist deshalb der Übergang zu Sems Nachkommen. Die Bibel wird bald die Geschichte Abrahams erzählen, den Gott aus der Vielzahl menschlicher Familien beruft. Doch diese Erwählung dient nicht dazu, die übrigen Völker grundsätzlich auszuschließen. Gottes Verheißung an Abraham richtet sich ausdrücklich auf den Segen für alle Geschlechter der Erde (1. Mose 12,3). Die Berufung eines Einzelnen steht somit im Dienst einer größeren Absicht.

Darin wird ein wichtiger Grundzug der biblischen Heilsgeschichte erkennbar. Gott handelt innerhalb wirklicher Familien, Völker und geschichtlicher Ereignisse, doch sein Heilswille reicht über nationale und sprachliche Grenzen hinaus. Die Völkertafel bildet den Hintergrund dieser umfassenden Hoffnung. Bevor die Bibel von der besonderen Geschichte Abrahams berichtet, stellt sie die Vielzahl der Menschen vor Augen, die später durch Gottes Verheißung erreicht werden sollen.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Eine unmittelbare Verbindung besteht zu 1. Mose 9,1 und 9,7. Nach der Flut hatte Gott Noah und seine Söhne aufgefordert, fruchtbar zu sein, sich zu vermehren und die Erde zu füllen. Die Völkertafel beschreibt die Entwicklung, die aus diesem neuen Anfang hervorging. Die zahlreichen Abstammungslinien zeigen, dass das Leben nicht auf die kleine Gemeinschaft der Überlebenden beschränkt blieb. Gottes Auftrag zur Vermehrung und Ausbreitung der Menschheit bildet damit den Hintergrund des gesamten Kapitels.

Besonders eng ist die Verbindung zu 1. Mose 11,1–9. Während Kapitel 10 bereits verschiedene Sprachen und Siedlungsgebiete nennt, berichtet Kapitel 11 zunächst von einer gemeinsamen Sprache. Dort wollen die Menschen eine Stadt mit einem Turm bauen und verhindern, dass sie über die Erde zerstreut werden. Gott verwirrt ihre Sprache und zerstreut sie. Diese Erzählung erklärt eine Entwicklung, deren Ergebnis die Völkertafel bereits beschreibt. Zugleich ergänzt sie die Abstammungslisten um eine geistliche Frage: Wie verhält sich menschliches Streben nach Zusammenhalt und Größe zu Gottes Auftrag? Die Zerstreuung wird dort nicht einfach als friedliche, freiwillige Auswanderung beschrieben, sondern steht im Zusammenhang mit Gottes Eingreifen.

Eine weitere Verbindung findet sich in 1. Chronik 1,4–23. Dort werden zahlreiche Namen aus der Völkertafel erneut aufgeführt. Das Chronikbuch beginnt seine Geschichtsübersicht nicht erst bei David oder beim Volk Israel, sondern bei den frühen Generationen der Menschheit. Dadurch wird die Geschichte Israels erneut in einen größeren Zusammenhang gestellt. Die Abstammungslisten erinnern daran, dass auch Israels Geschichte Teil der gemeinsamen Menschheitsgeschichte ist. Einzelne Unterschiede zwischen den überlieferten Namensformen zeigen zugleich, dass solche Listen beim Vergleich sorgfältig gelesen werden müssen.

Im Neuen Testament greift Paulus den gemeinsamen Ursprung der Menschheit ausdrücklich auf. In Apostelgeschichte 17,26 erklärt er den Menschen in Athen, dass Gott aus einem Ursprung das ganze Menschengeschlecht gemacht hat, damit es auf der ganzen Erde wohne. Er spricht dabei zu Menschen, die den Gott Israels nicht in derselben Weise kennen wie seine jüdischen Zuhörer. Gerade ihnen verkündigt er Gott als Schöpfer und Herrn aller Menschen. Diese Aussage bestätigt die umfassende Perspektive der Genesis: Die Verschiedenheit der Völker beseitigt weder ihre gemeinsame Herkunft noch ihre Verantwortung gegenüber dem Schöpfer. Paulus führt den Gedanken weiter, indem er erklärt, dass die Menschen Gott suchen sollen (Apostelgeschichte 17,27).

Auch die Ereignisse zu Pfingsten besitzen eine bemerkenswerte Verbindung zur Sprachenvielfalt. In Apostelgeschichte 2,5–11 hören Menschen aus verschiedenen Ländern die großen Taten Gottes in ihren eigenen Sprachen verkündigt. Die Bibel berichtet dort nicht, dass sämtliche Sprachen wieder zu einer einzigen Sprache werden. Vielmehr überwindet Gott durch das Wirken des Heiligen Geistes eine Verständigungsgrenze, ohne die sprachliche Verschiedenheit aufzuheben. Menschen unterschiedlicher Herkunft können dieselbe Botschaft verstehen. Darin zeigt sich, wie das Evangelium über die Grenzen einzelner Völker hinausgetragen wird.

Besonders eindrücklich wird diese Entwicklung in Offenbarung 7,9–10 sichtbar. Johannes sieht eine große Schar aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen vor Gottes Thron und vor dem Lamm stehen. Sie verehren Gott gemeinsam und bekennen, dass die Rettung von ihm und dem Lamm kommt. Die Unterschiede ihrer Herkunft werden nicht verschwiegen, sondern ausdrücklich genannt. Das Ziel der Erlösung besteht also nicht darin, dass nur noch ein einziges irdisches Volk Bedeutung besitzt. Durch Jesus Christus versammelt Gott Menschen aus der ganzen Welt zu einer Gemeinschaft, die ihn gemeinsam anbetet. Die Völkertafel und diese Vision stehen damit an zwei weit auseinanderliegenden Stellen der Bibel: Am Anfang wird die Vielfalt der Völker beschrieben, und am Ende erscheinen Menschen aus dieser Vielfalt gemeinsam vor Gottes Thron.

Wichtige Lektionen

Eine wichtige Lektion dieses Kapitels betrifft den Blick auf andere Menschen. Die Völkertafel erinnert daran, dass Herkunft, Sprache und kulturelle Unterschiede keine unterschiedlichen Stufen menschlicher Würde begründen. Wer einem Menschen begegnet, dessen Sprache oder Lebensweise ihm fremd ist, begegnet nicht einem Menschen geringeren Wertes. Die gemeinsame Herkunft und die Erschaffung des Menschen nach Gottes Bild geben einen Grund, anderen mit Achtung zu begegnen. Das verlangt nicht, sämtliche Überzeugungen und Handlungen unterschiedslos gutzuheißen. Es bedeutet jedoch, die Würde des Menschen von der Bewertung seines Verhaltens zu unterscheiden.

Eine weitere Lektion ergibt sich aus der Erwähnung der frühen Königreiche. Menschliche Macht kann wachsen, und aus zunächst kleinen Anfängen können einflussreiche Städte und Herrschaftsgebiete entstehen. Das allein entscheidet aber noch nicht über ihren moralischen Wert. Deshalb ist es wichtig, Erfolg nicht automatisch mit Gottes Zustimmung gleichzusetzen. Größe, Besitz, Ansehen oder politische Stärke sagen für sich genommen wenig darüber aus, ob ein Mensch gerecht handelt. Diese Unterscheidung betrifft nicht nur Herrscher und Staaten, sondern auch das persönliche Leben. Entscheidend ist nicht allein, was jemand erreicht, sondern wie er mit den ihm anvertrauten Möglichkeiten umgeht.

Das Kapitel lehrt außerdem einen sorgfältigen Umgang mit biblischen Aussagen. Viele der alten Namen lassen sich nicht zweifelsfrei heutigen Ländern oder Bevölkerungsgruppen zuordnen. Deshalb sollten aus unsicheren Abstammungslinien keine weitreichenden Behauptungen über moderne Nationen entwickelt werden. Besonders problematisch wäre es, bestimmte Völker aufgrund vermuteter Herkunft pauschal mit einem göttlichen Segen oder Fluch zu verbinden. Die Bibel verdient eine Auslegung, die genau zwischen ihren ausdrücklichen Aussagen und späteren Vermutungen unterscheidet. Nicht jede interessante Verbindung ist bereits eine gesicherte Erkenntnis.

Schließlich ermutigt die Völkertafel dazu, die eigene Bedeutung nicht allein daran zu messen, wie ausführlich ein Mensch in der Geschichte erwähnt wird. Viele der aufgeführten Namen erhalten nur wenige Worte, manche sogar lediglich eine einzige Erwähnung. Dennoch gehören sie zum geschichtlichen Zusammenhang, in dem sich die Menschheit ausbreitet und Gottes weitere Verheißungen ihren Platz finden. Nicht jeder Mensch muss eine herausragende öffentliche Stellung besitzen, um Teil einer größeren Geschichte zu sein. Ebenso wenig entscheidet menschliche Bekanntheit über den Wert eines Lebens.

Für den Glauben ergibt sich daraus ein weiter Blick auf Gottes Handeln. Seine Geschichte mit Abraham und Israel beginnt innerhalb einer Welt, die bereits von zahlreichen Völkern bewohnt wird. Wer später die Verheißungen Gottes liest, sollte diesen größeren Zusammenhang nicht vergessen. Gottes Gnade ist nicht an eine bestimmte Sprache, Abstammung oder gesellschaftliche Stellung gebunden. In Jesus Christus wird die Einladung zum Heil Menschen aller Völker verkündigt (Matthäus 28,18–20). Deshalb darf auch der Glaube nicht auf die Grenzen der eigenen Herkunft oder Gemeinschaft verengt werden.

So lädt 1. Mose 10 dazu ein, die Vielfalt der Menschheit mit Achtung zu betrachten, menschliche Macht verantwortlich zu beurteilen und Gottes Absichten über die Grenzen des eigenen Lebens hinaus zu verstehen. Die vielen Namen erinnern daran, dass die Geschichte der Menschen größer ist als die Geschichte eines einzelnen Volkes. Zugleich bereiten sie darauf vor, wie Gott durch die Berufung Abrahams einen Weg eröffnet, auf dem sein Segen schließlich Menschen aus allen Völkern erreichen soll.