2. Mose 5

Darnach ging Mose und Aaron hinein und sprachen zu Pharao: So sagt der HERR, der Gott Israels: Laß mein Volk ziehen, daß mir's ein Fest halte in der Wüste.

23 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Darnach ging Mose und Aaron hinein und sprachen zu Pharao: So sagt der HERR, der Gott Israels: Laß mein Volk ziehen, daß mir's ein Fest halte in der Wüste.
  2. 2 Pharao antwortete: Wer ist der HERR, des Stimme ich hören müsse und Israel ziehen lassen? Ich weiß nichts von dem HERRN, will auch Israel nicht lassen ziehen.
  3. 3 Sie sprachen: Der Hebräer Gott hat uns gerufen; so laß uns nun hinziehen drei Tagereisen in die Wüste und dem HERRN, unserm Gott, opfern, daß uns nicht widerfahre Pestilenz oder Schwert.
  4. 4 Da sprach der König in Ägypten zu ihnen: Du Mose und Aaron, warum wollt ihr das Volk von seiner Arbeit frei machen? Gehet hin an eure Dienste!
  5. 5 Weiter sprach Pharao: Siehe, des Volks ist schon zuviel im Lande, und ihr wollt sie noch feiern heißen von ihrem Dienst!
  6. 6 Darum befahl Pharao desselben Tages den Vögten des Volks und ihren Amtleuten und sprach:
  7. 7 Ihr sollt dem Volk nicht mehr Stroh sammeln und geben, daß sie Ziegel machen wie bisher; laßt sie selbst hingehen, und Stroh zusammenlesen,
  8. 8 und die Zahl der Ziegel, die sie bisher gemacht haben, sollt ihr ihnen gleichwohl auflegen und nichts mindern; denn sie gehen müßig, darum schreien sie und sprechen: Wir wollen hinziehen und unserm Gott opfern.
  9. 9 Man drücke die Leute mit Arbeit, daß sie zu schaffen haben und sich nicht kehren an falsche Rede.
  10. 10 Da gingen die Vögte des Volkes und ihre Amtleute aus und sprachen zum Volk: So spricht Pharao: Man wird euch kein Stroh geben;
  11. 11 geht ihr selbst hin und sammelt euch Stroh, wo ihr's findet; aber von eurer Arbeit soll nichts gemindert werden.
  12. 12 Da zerstreute sich das Volk ins ganze Land Ägypten, daß es Stoppeln sammelte, damit sie Stroh hätten.
  13. 13 Und die Vögte trieben sie und sprachen: Erfüllet euer Tagewerk, gleich als da ihr Stroh hattet.
  14. 14 Und die Amtleute der Kinder Israel, welche die Vögte Pharaos über sie gesetzt hatten, wurden geschlagen, und ward zu ihnen gesagt: Warum habt ihr weder heute noch gestern euer gesetztes Tagewerk getan wie bisher?
  15. 15 Da gingen hinein die Amtleute der Kinder Israel und schrien zu Pharao: Warum willst du mit deinen Knechten also fahren?
  16. 16 Man gibt den Knechten kein Stroh, und sie sollen die Ziegel machen, die uns bestimmt sind; siehe deine Knechte werden geschlagen, und dein Volk muß schuldig sein.
  17. 17 Pharao sprach: Ihr seid müßig, müßig seid ihr; darum sprecht ihr: Wir wollen hinziehen und dem HERRN opfern.
  18. 18 So gehet nun hin und frönt; Stroh soll man euch nicht geben, aber die Anzahl der Ziegel sollt ihr schaffen.
  19. 19 Da sahen die Amtleute der Kinder Israel, daß es ärger ward, weil man sagte: Ihr sollt nichts mindern von dem Tagewerk an den Ziegeln.
  20. 20 Und da sie von Pharao gingen, begegneten sie Mose und Aaron und traten ihnen entgegen
  21. 21 und sprachen zu ihnen: Der HERR sehe auf euch und richte es, daß ihr unsern Geruch habt stinkend gemacht vor Pharao und seinen Knechten und habt ihnen das Schwert in die Hände gegeben, uns zu töten.
  22. 22 Mose aber kam wieder zu dem HERRN und sprach: Herr, warum tust du so übel an diesem Volk? Warum hast du mich hergesandt?
  23. 23 Denn seit dem, daß ich hineingegangen bin zu Pharao, mit ihm zu reden in deinem Namen, hat er das Volk noch härter geplagt, und du hast dein Volk nicht errettet.

Kapitelüberblick

Mose und Aaron treten vor den Pharao und überbringen ihm Gottes Forderung, die Israeliten zu einem Fest für den HERRN in die Wüste ziehen zu lassen. Doch der ägyptische Herrscher weigert sich. Er stellt die Autorität des Gottes Israels infrage und erklärt, dass er das Volk nicht ziehen lassen werde.

Statt der erhofften Erleichterung verschärft sich die Unterdrückung. Die Israeliten müssen weiterhin dieselbe Menge Ziegel herstellen, erhalten aber kein Stroh mehr und sollen das benötigte Material selbst beschaffen. Als sie die unmöglichen Anforderungen nicht erfüllen können, werden ihre Vorarbeiter geschlagen. Ihre Beschwerde beim Pharao bleibt erfolglos, und schließlich machen sie Mose und Aaron für die Verschlechterung ihrer Lage verantwortlich.

Mose wendet sich daraufhin mit einer verzweifelten Frage an Gott. Er versteht nicht, warum sein Auftrag bisher nur größeres Leid gebracht hat. Das Kapitel endet ohne sichtbare Befreiung und lässt die Frage offen, wie Gott seine Verheißung erfüllen wird.

Einführung

Die Geschichte Israels in Ägypten begann einst mit einer Rettung vor einer Hungersnot. Durch Josef hatte Gott dafür gesorgt, dass Jakob und seine Familie dort Zuflucht fanden. Doch nach Josefs Tod veränderte sich die Lage grundlegend. Ein neuer Pharao, der Josef nicht mehr kannte, betrachtete die wachsende Zahl der Israeliten als Bedrohung. Er ließ sie zu schwerer Arbeit zwingen und ordnete schließlich sogar die Tötung ihrer neugeborenen Söhne an (2. Mose 1).

Inmitten dieser Unterdrückung wuchs Mose heran. Obwohl er als Israelit geboren worden war, verbrachte er seine Jugend im ägyptischen Königshaus. Nachdem er einen Ägypter erschlagen hatte, musste er fliehen und lebte viele Jahre im Land Midian. Dort begegnete ihm Gott am brennenden Dornbusch und offenbarte ihm seinen Auftrag: Er sollte nach Ägypten zurückkehren und Israel aus der Knechtschaft führen (2. Mose 2–3).

Gott erinnerte Mose dabei an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Dieser Bund umfasste die Verheißung, ihren Nachkommen das Land Kanaan zu geben. Deshalb war die angekündigte Befreiung nicht nur eine Antwort auf das gegenwärtige Leiden, sondern gehörte zu einer Verheißung, die Gott bereits den Vorfahren Israels gegeben hatte (1. Mose 15,13–16; 2. Mose 3,6–8).

Schon vor seiner Rückkehr hatte Gott Mose darauf vorbereitet, dass der Pharao nicht bereitwillig nachgeben würde (2. Mose 3,19). Weil Mose an seiner Fähigkeit zu sprechen zweifelte, stellte Gott ihm seinen Bruder Aaron zur Seite. Gemeinsam versammelten sie zunächst die Ältesten Israels und verkündeten ihnen Gottes Botschaft. Das Volk glaubte ihren Worten und betete den HERRN an, weil er sein Leiden gesehen hatte (2. Mose 4,29–31).

Mit diesem Auftrag und dem Vertrauen des Volkes im Rücken beginnt nun die Begegnung mit dem mächtigsten Mann Ägyptens.

2. Mose 5,1–5

Gottes Anspruch trifft auf den Widerstand des Pharaos

Als Mose und Aaron vor den Pharao treten, sprechen sie nicht im eigenen Namen. Sie beginnen mit den Worten: „So spricht der HERR, der Gott Israels“ (Vers 1). Diese Formulierung verleiht ihrer Botschaft eine besondere Bedeutung. Sie bringen keine persönliche Bitte vor, sondern übermitteln einen Auftrag Gottes. Der Herrscher Ägyptens soll das Volk ziehen lassen, damit es in der Wüste ein Fest für seinen Gott feiern kann. Dabei bezeichnet Gott die Israeliten ausdrücklich als „mein Volk“. Obwohl sie unter der Herrschaft des Pharaos stehen und für Ägypten arbeiten müssen, beansprucht Gott sie als sein Eigentum. Dieser Anspruch war bereits in 2. Mose 4,22 vorbereitet worden, wo Gott Israel seinen erstgeborenen Sohn nennt. Damit stellt sich die Frage, wer letztlich über dieses Volk bestimmen darf.

Die geforderte Feier ist mehr als eine Unterbrechung der täglichen Arbeit. Im Hebräischen steht ein Ausdruck für ein religiöses Fest, das der Verehrung Gottes dient. Die Israeliten sollen ihrem Gott außerhalb der ägyptischen Zwangsarbeit begegnen und ihn anbeten können. Welche einzelnen Handlungen zu diesem Fest gehören sollten, wird in Vers 1 noch nicht beschrieben. Auch wird hier keines der später im Gesetz festgelegten Jahresfeste ausdrücklich genannt. Entscheidend ist zunächst, dass Gott selbst bestimmt, wann und wie sein Volk ihm dienen soll. Für den Pharao bedeutet diese Forderung, dass seine Herrschaft über Israel nicht uneingeschränkt sein kann.

Die Antwort des Pharaos offenbart den eigentlichen Konflikt. Er fragt: „Wer ist der HERR, daß ich seiner Stimme gehorchen und Israel ziehen lassen sollte?“ (Vers 2). Anschließend erklärt er, dass er den HERRN nicht kenne und Israel deshalb nicht freilassen werde. Mit dieser Aussage bestreitet er nicht grundsätzlich die Existenz göttlicher Mächte. Die Ägypter verehrten zahlreiche Götter, und der König besaß innerhalb ihrer Religion eine herausgehobene Stellung. Doch der Pharao erkennt den Gott Israels nicht als Autorität an, deren Anweisungen er befolgen müsste. Seine Frage richtet sich deshalb nicht nur darauf, wer dieser Gott sei, sondern vor allem darauf, weshalb er selbst ihm gehorchen sollte. Gerade diese Haltung wird im weiteren Verlauf der Befreiungsgeschichte immer wieder sichtbar.

Damit erhält die Begegnung eine Bedeutung, die über die Freilassung eines unterdrückten Volkes hinausgeht. Der Pharao verfügt über politische Macht, Arbeitskräfte und Befehlsgewalt. Mose und Aaron dagegen treten ohne ein eigenes Heer vor ihn. Ihre Autorität beruht allein auf dem Gott, der sie gesandt hat. Der Herrscher entscheidet zunächst nach dem, was er selbst anerkennt und kontrollieren kann. Gottes Anspruch weist jedoch über diese menschlichen Machtverhältnisse hinaus. Später kündigt Gott ausdrücklich an, dass die Ägypter ihn durch sein Handeln erkennen werden (2. Mose 7,5). Was der Pharao jetzt zurückweist, wird damit zu einer entscheidenden Frage der folgenden Ereignisse: Wird der König weiterhin seine eigene Macht für ausschlaggebend halten, oder wird er erkennen müssen, dass der Gott Israels tatsächlich handelt?

Mose und Aaron wiederholen daraufhin ihr Anliegen und erklären, dass ihnen der Gott der Hebräer begegnet sei (Vers 3). Nun bitten sie darum, drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen zu dürfen, um dort Opfer darzubringen. Diese begrenzte Forderung entspricht dem Auftrag, den Gott bereits in 2. Mose 3,18 gegeben hatte. Zugleich hatte er Mose angekündigt, dass er Israel vollständig aus Ägypten herausführen und in das verheißene Land bringen werde (2. Mose 3,8). Die Reise von drei Tagereisen und die endgültige Befreiung sind deshalb nicht einfach gleichzusetzen. Die zunächst vorgetragene Bitte ist enger gefasst als Gottes umfassendes Vorhaben. Allerdings enthält sie kein ausdrückliches Versprechen, nach dem Opferdienst wieder nach Ägypten zurückzukehren. Welche weiteren Schritte im Falle einer Zustimmung des Pharaos gefolgt wären, erklärt der Text nicht.

Bemerkenswert ist auch die Begründung, die Mose und Aaron ihrer Bitte hinzufügen. Sie möchten Gott Opfer darbringen, damit er sie nicht mit einer Seuche oder dem Schwert heimsucht (Vers 3). Damit erklären sie, dass die Begegnung mit Gott eine ernste Verpflichtung mit sich bringt. Sie können seinen Auftrag nicht einfach ignorieren, ohne mögliche Folgen fürchten zu müssen. Der Text berichtet an dieser Stelle jedoch nicht, dass Gott bereits eine solche Strafe ausdrücklich angekündigt hätte. Auch richtet sich die genannte Gefahr in der vorgetragenen Begründung zunächst auf die Sprecher und das Volk, nicht auf den Pharao. Mose und Aaron machen deutlich, dass der Gottesdienst für Israel keine nebensächliche Angelegenheit ist, über die allein der ägyptische König verfügen dürfte.

Der Pharao lässt sich davon nicht überzeugen. In Vers 4 spricht er Mose und Aaron unmittelbar an und wirft ihnen vor, das Volk von seiner Arbeit abzuhalten. Anstatt auf Gottes Anspruch einzugehen, behandelt er die Forderung als Störung seiner Wirtschaftsordnung. Er befiehlt, zur Zwangsarbeit zurückzukehren. Seine Reaktion zeigt, wie er die Israeliten betrachtet: Ihre Zeit und ihre Arbeitskraft stehen in seinen Augen unter seiner Verfügung. Die Frage, ob sie ihrem Gott dienen dürfen, ordnet er den Interessen Ägyptens unter. Während Mose und Aaron von Gottesdienst und Opfer sprechen, denkt der Pharao ausschließlich an die Arbeit, die dadurch unterbrochen werden könnte.

In Vers 5 verweist der Pharao zusätzlich auf die große Zahl der Menschen und beschuldigt Mose und Aaron, sie von ihrer Arbeit zur Ruhe zu bringen. Im hebräischen Text wird dafür eine Form des Verbs schābat verwendet, das auch das Aufhören oder Ruhen von einer Tätigkeit bezeichnen kann. Dasselbe Verb begegnet in 1. Mose 2,2–3 bei Gottes Ruhe am siebten Tag. Dieser sprachliche Zusammenhang ist bemerkenswert, doch 2. Mose 5,5 erwähnt weder ausdrücklich den siebten Tag noch eine regelmäßige Sabbatfeier. Deshalb lässt sich aus diesem Vers allein nicht sicher ableiten, dass Mose bereits hier eine Wiederherstellung der Sabbatheiligung verlangte. Dennoch entsteht eine wichtige Verbindung zur späteren Gesetzgebung: In 5. Mose 5,12–15 erinnert Gott Israel ausdrücklich an seine frühere Sklaverei und begründet damit auch die Ruhe der Knechte und Mägde am Sabbat. Menschen, die selbst unter unaufhörlicher Arbeit gelitten haben, sollen später anderen die von Gott gebotene Ruhe nicht verweigern.

Am Ende dieser Begegnung stehen zwei grundverschiedene Vorstellungen vom Leben Israels einander gegenüber. Gott fordert, dass sein Volk ihm dienen darf. Der Pharao sieht darin eine unerwünschte Unterbrechung der Arbeit, über die er bestimmen möchte. Seine Ablehnung bleibt deshalb nicht bei Worten stehen. Noch am selben Tag beginnt er, seine Macht einzusetzen, um den Israeliten den Gedanken an eine Befreiung möglichst schwer zu machen.

2. Mose 5,6–9

Mehr Arbeit als Mittel der Unterdrückung

Noch am selben Tag, an dem Mose und Aaron vor dem Pharao gesprochen haben, ordnet der ägyptische König eine Verschärfung der Zwangsarbeit an. Er wartet nicht ab, ob das Volk tatsächlich seine Arbeit vernachlässigt, sondern greift unmittelbar in dessen Arbeitsbedingungen ein. Seine Befehle richtet er an die Treiber und Amtleute, die für die Überwachung der israelitischen Arbeiter zuständig sind. Dabei gab es verschiedene Verantwortungsebenen. Die ägyptischen Aufseher übten die übergeordnete Kontrolle aus, während israelitische Vorarbeiter innerhalb des eigenen Volkes für die Erfüllung der Arbeitsaufträge verantwortlich waren. Diese Aufteilung wird später in Vers 14 besonders wichtig, als gerade die israelitischen Amtleute für die ausbleibende Leistung bestraft werden.

Der neue Befehl betrifft die Herstellung von Ziegeln, die in Ägypten zu den wichtigsten Baumaterialien gehörten. Solche Ziegel wurden gewöhnlich aus feuchtem Nilschlamm beziehungsweise Lehm geformt, häufig mit zerkleinertem Stroh oder anderen pflanzlichen Bestandteilen vermischt und anschließend in der Sonne getrocknet. Das beigemischte Material konnte den Zusammenhalt verbessern und die Rissbildung beim Trocknen vermindern. Bislang war den Israeliten das benötigte Stroh bereitgestellt worden. Nun sollen sie es selbst beschaffen, ohne dass sich an ihren übrigen Verpflichtungen etwas ändert. Der Pharao entzieht ihnen damit eine wichtige Voraussetzung ihrer Arbeit und verlangt gleichzeitig, dass sie weiterhin dieselbe Leistung erbringen. Die zusätzliche Belastung entsteht also nicht durch einen größeren Bedarf an Ziegeln, sondern durch eine bewusst angeordnete Veränderung der Arbeitsbedingungen.

Wie streng diese Anordnung gemeint ist, wird in Vers 8 deutlich. Die bisher vorgeschriebene Anzahl von Ziegeln darf unter keinen Umständen verringert werden. Dass solche Produktionsvorgaben im alten Ägypten tatsächlich vorkamen, belegen auch außerbiblische Texte. So erwähnt der ägyptische Papyrus Anastasi III Arbeiter, die täglich eine bestimmte Ziegelmenge erfüllen. Dieser historische Hintergrund macht die Arbeitsorganisation des biblischen Berichts verständlich, ohne dass dadurch die einzelnen Ereignisse aus 2. Mose 5 unabhängig nachgewiesen wären. Die besondere Grausamkeit der neuen Forderung liegt darin, dass der Pharao die zur Verfügung stehende Arbeitszeit für die Materialbeschaffung verkürzt, aber am bisherigen Ergebnis festhält. Den Israeliten wird keine Möglichkeit eingeräumt, die zusätzlichen Aufgaben bei der Berechnung ihrer täglichen Leistung zu berücksichtigen.

Der Pharao begründet diese Maßnahmen mit der Behauptung, die Israeliten seien müßig. Gerade diese Anschuldigung steht in auffälligem Gegensatz zu dem, was die bisherigen Kapitel über ihre Lebensbedingungen berichtet haben. Bereits in 2. Mose 1,13–14 wird beschrieben, wie die Ägypter die Israeliten mit harter Arbeit bedrückten und ihnen das Leben durch ihren Frondienst verbitterten. Der Pharao besitzt deshalb keinen erkennbaren Grund, ihren Wunsch nach Gottesdienst als Ausdruck tatsächlicher Untätigkeit zu behandeln. Vielmehr deutet er die Bitte von Mose und Aaron absichtlich in ein Arbeitsproblem um. Weil die Menschen Zeit für ihren Gott verlangen, erklärt er sie zu unwilligen Arbeitern. Auf diese Weise wird aus ihrem religiösen Anliegen ein vermeintliches Fehlverhalten, mit dem er die Verschärfung seiner Herrschaft rechtfertigt.

In Vers 9 geht der Pharao noch einen Schritt weiter. Die Arbeit soll so schwer werden, dass die Israeliten vollständig mit ihr beschäftigt sind und sich nicht mehr um die Worte von Mose und Aaron kümmern. Damit nennt der Text den Zweck seiner Anordnung ausdrücklich. Es geht nicht allein darum, möglichst viele Ziegel herstellen zu lassen. Die Menschen sollen durch ihre tägliche Belastung davon abgehalten werden, sich mit der Botschaft ihrer Befreiung zu beschäftigen. Was sie zuvor als Hoffnung angenommen hatten, soll unter der Last ihrer Arbeit an Bedeutung verlieren. Darin liegt eine besonders bedrückende Seite der Unterdrückung: Nicht nur ihre körperliche Kraft wird beansprucht, sondern auch der Raum, in dem Hoffnung, Vertrauen und Gottesverehrung wachsen könnten, soll ihnen genommen werden.

Besonders bemerkenswert ist die Bezeichnung der göttlichen Botschaft als „falsche Worte“ (Vers 9). Der Pharao beurteilt Moses Verkündigung aus der Sicht seiner eigenen Herrschaft. Weil er Gottes Anspruch nicht anerkennt, betrachtet er dessen Verheißung als etwas, dem das Volk keine Aufmerksamkeit schenken sollte. Der Leser weiß jedoch bereits aus 2. Mose 3 und 4, dass Mose nicht aus eigener Vorstellung handelt. Gott selbst hat ihn berufen, ihm seinen Namen offenbart und die Befreiung Israels angekündigt. Zwischen dem Urteil des Pharaos und der bisherigen biblischen Erzählung besteht deshalb ein bewusster Gegensatz. Was der König als unglaubwürdige Rede verwirft, ist nach dem Bericht gerade die Botschaft des Gottes, der das Leiden seines Volkes gesehen und seinen Bund nicht vergessen hat.

Zugleich darf dieser Gegensatz nicht so verstanden werden, als wäre die bevorstehende Befreiung für die Israeliten schon sichtbar gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sie Gottes Zusage gehört und Moses Zeichen gesehen, aber ihre Lebensumstände haben sich noch nicht zum Guten verändert. Nun müssen sie sogar erleben, wie ihnen wegen dieser Botschaft noch größere Mühsal auferlegt wird. Bereits in 2. Mose 3,19 hatte Gott angekündigt, dass der ägyptische König sein Volk nicht freiwillig ziehen lassen werde. Der Widerstand des Pharaos widerspricht deshalb nicht Gottes vorheriger Ankündigung, auch wenn die Betroffenen das Geschehen zunächst kaum verstehen können. Für sie entsteht eine schmerzliche Spannung zwischen dem, was Gott verheißen hat, und dem, was sie unmittelbar erleben.

Die Befehle des Pharaos zeigen schließlich, wie weit seine Ablehnung reicht. Er möchte nicht nur die Reise in die Wüste verhindern, sondern dafür sorgen, dass die Menschen möglichst keine Gelegenheit mehr finden, über Gottes Worte nachzudenken. Seine Herrschaft soll ihren Alltag so vollständig bestimmen, dass für eine andere Autorität kein Platz bleibt. Doch mit dieser Anordnung endet die Unterdrückung nicht bei einer königlichen Entscheidung. In den folgenden Versen wird sichtbar, welche Folgen sie für die einzelnen Arbeiter und ihre Vorarbeiter hat. Was der Pharao von seinem Herrschaftssitz aus befiehlt, wird nun zur unmittelbaren Belastung eines ganzen Volkes.

2. Mose 5,10–14

Der unmögliche Arbeitsauftrag und seine Folgen

Die Anordnung des Pharaos wird nun unmittelbar an die israelitischen Arbeiter weitergegeben. Die Treiber und Amtleute verlassen den König und verkünden dem Volk, dass es künftig kein Stroh mehr für die Ziegelherstellung erhalten wird. Auffällig ist die Formulierung, mit der sie ihren Auftrag beginnen: „So spricht der Pharao“ (Vers 10). Sie erinnert an die Worte, mit denen Mose und Aaron zuvor vor den ägyptischen Herrscher getreten waren: „So spricht der HERR“ (Vers 1). Die beiden Aussagen stehen in einem bemerkenswerten Gegensatz. Mose und Aaron hatten Gottes Forderung nach einem Gottesdienst überbracht. Nun antwortet der Pharao durch seine eigenen Beauftragten mit einem Befehl, der die Lebensbedingungen der Israeliten weiter verschlechtert. Während Gottes Worte auf die Befreiung seines Volkes gerichtet sind, setzt der König seine Macht ein, um dessen Abhängigkeit aufrechtzuerhalten. Der Konflikt zwischen beiden Ansprüchen wird damit im täglichen Leben der Menschen spürbar.

Die Arbeiter erhalten den Befehl, sich das benötigte Stroh selbst zu beschaffen, ganz gleich, wo sie es finden können. Gleichzeitig wird ihnen ausdrücklich mitgeteilt, dass von ihrem bisherigen Tagewerk nichts erlassen wird (Vers 11). Die Israeliten können deshalb nicht mehr ausschließlich an den Orten bleiben, an denen sie ihre Ziegel herstellen. Sie müssen zusätzlich nach geeignetem Material suchen, bevor sie ihre eigentliche Arbeit vollständig ausführen können. Damit wird eine Tätigkeit, die bislang durch die Bereitstellung des Strohs erleichtert wurde, zu einer weiteren Verpflichtung. Die Zeit, die sie für diese Suche benötigen, fehlt ihnen bei der Herstellung der vorgeschriebenen Ziegelmenge. Der Text beschreibt keine geregelte Möglichkeit, diese zusätzliche Arbeit auszugleichen. Gerade darin zeigt sich, wie einseitig der Pharao seine Forderungen durchsetzt: Er verändert die Voraussetzungen, weigert sich aber, die Folgen dieser Veränderung anzuerkennen.

Vers 12 berichtet, dass sich das Volk über das Land Ägypten zerstreut, um Stoppeln statt Stroh zu sammeln. Gemeint sind die kurzen Pflanzenreste, die nach dem Abschneiden der Getreidehalme auf den Feldern zurückbleiben. Während Stroh als bereits gesammeltes Pflanzenmaterial verwendet werden konnte, mussten die Israeliten nun solche Reste selbst zusammentragen. Je nachdem, in welchem Zustand sie das Material fanden, konnte auch eine weitere Vorbereitung nötig sein. Der Bibeltext erklärt diese einzelnen Arbeitsschritte nicht näher. Seine Aussage ist jedoch eindeutig: Die Israeliten müssen sich die notwendigen Rohstoffe unter erheblich erschwerten Bedingungen beschaffen. Die Formulierung vom ganzen Land Ägypten unterstreicht dabei die weiträumige Suche. Sie verlangt nicht die Annahme, dass jeder einzelne Arbeiter tatsächlich bis in die entferntesten Gegenden des ägyptischen Reiches gelangte.

Durch diese Zerstreuung verändert sich auch der bisherige Arbeitsablauf. Menschen, die für die Herstellung von Ziegeln benötigt werden, verbringen nun einen Teil ihrer Zeit außerhalb der eigentlichen Arbeitsplätze. Ihre Tätigkeit wird auf mehrere Aufgaben verteilt, während die vorgeschriebene Leistung unverändert bleibt. Besonders bedrückend ist, dass die Suche nach Stoppeln keinen eigenständigen Fortschritt bei der geforderten Ziegelmenge darstellt. Selbst wenn die Israeliten den ganzen Tag beschäftigt sind, können sie ihre Verpflichtungen nur erfüllen, wenn am Ende dennoch die bisherige Anzahl fertiger Ziegel vorliegt. Der Text macht damit verständlich, weshalb die neue Anordnung nicht nur zusätzliche Mühe bedeutet, sondern die Arbeiter in eine Lage bringt, in der großer Einsatz nicht mehr ausreicht, um den Anforderungen ihrer Herren gerecht zu werden.

Die ägyptischen Treiber reagieren auf diese Schwierigkeiten nicht mit einer Verringerung der Forderungen. Stattdessen drängen sie die Israeliten weiterhin zur Erfüllung ihres täglichen Pensums. In Vers 13 verlangen sie dieselbe Arbeitsleistung wie in der Zeit, als das Stroh noch bereitgestellt wurde. Dass der Text ausdrücklich auf die frühere Versorgung zurückblickt, ist bedeutsam. Der Unterschied zwischen den alten und den neuen Arbeitsbedingungen kann den Verantwortlichen nicht verborgen geblieben sein. Sie kennen die Veränderung, bestehen aber trotzdem auf dem bisherigen Ergebnis. Die Leistung der Arbeiter wird somit nicht nach ihren tatsächlichen Möglichkeiten beurteilt, sondern ausschließlich daran gemessen, ob sie die festgesetzte Ziegelmenge erreichen. Die Härte dieses Systems zeigt sich gerade darin, dass die Erfüllung des Befehls wichtiger ist als die Frage, unter welchen Bedingungen die Menschen ihn überhaupt ausführen können.

Als die verlangte Menge nicht erreicht wird, trifft die Strafe die israelitischen Amtleute. Vers 14 erklärt, dass diese Männer von den Treibern des Pharaos über die Arbeiter eingesetzt worden waren. Sie gehören selbst zu den Kindern Israels, stehen aber innerhalb der ägyptischen Arbeitsorganisation in einer verantwortlichen Stellung. Ihre Aufgabe besteht darin, die ihnen unterstellten Arbeiter zu beaufsichtigen und für die Erfüllung der vorgeschriebenen Leistung einzustehen. Nun werden sie geschlagen, weil die Ziegelmenge nicht erreicht wurde. Dabei wird ihnen vorgeworfen, weder am Vortag noch am gegenwärtigen Tag das geforderte Pensum erfüllt zu haben. Der Hinweis auf beide Tage verdeutlicht, dass die Schwierigkeiten nicht auf einen einzelnen Augenblick beschränkt bleiben. Die Folgen der neuen Anordnung zeigen sich wiederholt, doch anstatt die Ursache zu berücksichtigen, machen die ägyptischen Aufseher die israelitischen Vorarbeiter verantwortlich.

Hier tritt eine weitere Seite der Unterdrückung hervor. Die Verantwortung wird innerhalb der Befehlskette nach unten weitergegeben, obwohl die entscheidenden Arbeitsbedingungen von oben festgelegt worden sind. Der Pharao hat den Entzug des Strohs angeordnet, seine Treiber setzen den Befehl durch, und die israelitischen Amtleute tragen die Strafe für die ausbleibende Leistung. Der Bericht sagt nicht, dass diese Männer selbst die neuen Anforderungen beschlossen hätten. Sie befinden sich vielmehr in einer Stellung, in der sie Befehle ausführen sollen, deren Folgen sie nicht verhindern können. Dass sie geschlagen werden, obwohl die Ursache der Schwierigkeiten in der königlichen Anordnung liegt, macht das Unrecht besonders deutlich. Die Gewalt richtet sich gegen diejenigen, die für ein Ergebnis verantwortlich gemacht werden, ohne über die notwendigen Voraussetzungen bestimmen zu dürfen.

Damit erreicht die Verschärfung der Zwangsarbeit eine neue Stufe. Die Israeliten müssen nicht nur mehr leisten, als ihre bisherigen Arbeitsbedingungen verlangen konnten. Nun werden auch Männer aus ihrem eigenen Volk körperlich bestraft, weil diese Forderungen nicht erfüllt werden. Der Bericht lässt erkennen, dass die ägyptische Herrschaft nicht bereit ist, ihre eigenen Maßnahmen infrage zu stellen. Stattdessen behandelt sie das Scheitern der Arbeiter als deren Versäumnis. Für die israelitischen Amtleute stellt sich deshalb eine dringende Frage: Wenn die Aufseher keine Rücksicht auf die veränderten Bedingungen nehmen, wer kann ihnen dann noch helfen? In ihrer Not wenden sie sich schließlich unmittelbar an den Pharao. Sie hoffen, dass der König selbst das Unrecht erkennt, das seine Anordnung hervorgerufen hat. Doch die folgende Begegnung wird zeigen, wie wenig Bereitschaft er besitzt, ihre Lage zu verändern.

2. Mose 5,15–19

Die vergebliche Bitte der israelitischen Amtleute

Nachdem die israelitischen Amtleute geschlagen worden sind, wenden sie sich unmittelbar an den Pharao. Sie hoffen offenbar, bei ihm eine Änderung ihrer unerträglichen Arbeitsbedingungen erreichen zu können. Ihre Beschwerde beginnt mit der Frage: „Warum willst du mit deinen Knechten also verfahren?“ (Vers 15). Bemerkenswert ist, dass sie sich selbst als Knechte des Königs bezeichnen. Sie treten nicht als Gegner seiner Herrschaft auf, sondern sprechen aus ihrer bestehenden Stellung innerhalb der ägyptischen Arbeitsordnung. Gerade deshalb erwarten sie möglicherweise, dass der Pharao ihre Beschwerde ernst nimmt. Schließlich dienen sie seinem Reich und sollen die von ihm geforderte Arbeit erfüllen. Ihre Worte lassen erkennen, dass sie die Ursache ihrer Bestrafung nicht in mangelnder Bereitschaft zur Arbeit sehen, sondern in Bedingungen, unter denen die verlangte Leistung kaum noch zu erbringen ist.

In Vers 16 schildern sie die Ungerechtigkeit genauer. Ihnen wird kein Stroh mehr bereitgestellt, trotzdem sollen sie dieselbe Menge Ziegel herstellen. Wenn sie diese Vorgaben nicht erfüllen können, werden sie geschlagen. Die Amtleute benennen damit einen entscheidenden Widerspruch: Von den Arbeitern wird weiterhin die bisherige Leistung gefordert, obwohl man ihnen eine notwendige Voraussetzung dafür entzogen hat. Am Ende ihrer Beschwerde steht in der Schlachter-Übersetzung von 1951 die Frage, womit sich das Volk des Pharaos versündigt habe. Der hebräische Ausdruck ist an dieser Stelle nicht ganz einfach zu übersetzen. Andere Übersetzungen verstehen ihn so, dass die Schuld bei den eigenen Leuten des Pharaos liegt, also bei den ägyptischen Verantwortlichen. In beiden Fällen richtet sich die Beschwerde gegen das Unrecht der bestehenden Behandlung. Die Israeliten werden für Schwierigkeiten bestraft, die sie nicht selbst verursacht haben.

Die Amtleute versuchen nicht, die Ziegelherstellung grundsätzlich zu verweigern. Sie verlangen auch nicht ausdrücklich die vollständige Freilassung ihres Volkes. Ihre Bitte betrifft zunächst die Arbeitsbedingungen und die körperlichen Strafen, denen sie ausgesetzt sind. Darin zeigt sich, wie sehr sich ihre unmittelbare Aufmerksamkeit inzwischen auf das tägliche Überleben richtet. Noch kurz zuvor hatte Mose dem Volk Gottes Verheißung der Befreiung überbracht, woraufhin die Israeliten glaubten und anbeteten (2. Mose 4,31). Nun müssen ihre Vorarbeiter beim ägyptischen König um eine gerechtere Behandlung bitten. Der Bericht sagt nicht, dass sie Gottes Zusage bereits vergessen hätten. Er zeigt aber, wie stark die Verschärfung der Unterdrückung ihre gegenwärtigen Sorgen bestimmt. Anstatt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft weiter entfalten zu können, müssen sie zunächst versuchen, die unmittelbare Gewalt und Überforderung zu beenden.

Die Antwort des Pharaos macht jedoch deutlich, dass er ihre Beschwerde nicht als berechtigt anerkennen will. Er wiederholt seinen Vorwurf: „Ihr seid müßig, müßig seid ihr“ (Vers 17). Die doppelte Formulierung unterstreicht die Schärfe seiner Zurückweisung. Dabei setzt er sich mit keinem der vorgebrachten Probleme auseinander. Er bestreitet weder ausdrücklich, dass das Stroh fehlt, noch dass die israelitischen Amtleute geschlagen werden. Stattdessen führt er ihren Wunsch, dem HERRN Opfer darzubringen, erneut auf angebliche Untätigkeit zurück. Für ihn scheint bereits die Bitte um Zeit zur Gottesverehrung ein ausreichender Grund zu sein, die Arbeiter der Faulheit zu beschuldigen. Die tatsächlichen Arbeitsbedingungen spielen bei seinem Urteil keine erkennbare Rolle. Damit wird sichtbar, dass seine Entscheidung nicht aus einer sorgfältigen Prüfung der Beschwerde hervorgeht. Er hält vielmehr an seiner ursprünglichen Begründung fest, obwohl die Folgen des Befehls inzwischen offen vor ihm liegen.

Besonders aufschlussreich ist, dass der Pharao die geplante Opferdarbringung erneut erwähnt. Mose und Aaron hatten die Reise in die Wüste verlangt, weil Gott ihnen diesen Auftrag gegeben hatte (2. Mose 3,18; 5,3). Der König deutet dieselbe Forderung nun wiederholt als Vorwand, um sich der Arbeit zu entziehen. Darin liegt mehr als ein unterschiedliches Verständnis religiöser Pflichten. Der Pharao lässt keinen Raum für die Möglichkeit, dass die Israeliten tatsächlich einer höheren Verpflichtung gegenüberstehen könnten. Weil er den Gott Israels nicht anerkennt, misst er auch dessen Gebot keine Bedeutung bei. So beurteilt er den Gottesdienst ausschließlich danach, wie er sich auf die von ihm geforderte Arbeitsleistung auswirkt. Seine eigene Herrschaft wird zum Maßstab, an dem er entscheidet, was für das Volk notwendig und erlaubt ist.

In Vers 18 beendet der Pharao die Beschwerde mit einem unmissverständlichen Befehl. Die Amtleute sollen zur Arbeit zurückkehren. Stroh wird ihnen weiterhin nicht bereitgestellt, und die vorgeschriebene Anzahl Ziegel bleibt unverändert. Damit bestätigt der König genau jene Bedingungen, wegen derer sie zu ihm gekommen waren. Die Bestrafung der Arbeiter führt also nicht zu einer Untersuchung der Ursachen, sondern zu einer erneuten Bekräftigung des ursprünglichen Befehls. Für die Amtleute bleibt keine erkennbare Möglichkeit, die Forderungen auf diesem Weg zu verändern. Sie müssen ihre Arbeit fortsetzen und weiterhin für eine Leistung einstehen, deren Erfüllung ihnen durch die neuen Bedingungen erheblich erschwert wird. Dass der Pharao trotz der vorgetragenen Not keine Erleichterung zulässt, zeigt seine Entschlossenheit, den Anspruch auf Gottesdienst mit wirtschaftlichem und körperlichem Druck zu beantworten.

Vers 19 beschreibt schließlich, wie die israelitischen Amtleute ihre Lage erkennen. Als ihnen erneut mitgeteilt wird, dass sie von der täglichen Ziegelmenge nichts nachlassen dürfen, sehen sie, wie schlecht es um sie steht. Diese Feststellung bildet einen wichtigen Wendepunkt innerhalb des Kapitels. Bis zu ihrer Begegnung mit dem Pharao bestand für sie zumindest die Möglichkeit, dass der König ihre Beschwerde anhören und die Bedingungen ändern könnte. Nun wissen sie, dass sie von ihm keine Erleichterung erwarten können. Die höchste menschliche Autorität, an die sie sich innerhalb Ägyptens wenden konnten, hält ausdrücklich an dem Unrecht fest, unter dem sie leiden.

Damit endet ihr Versuch, auf dem Weg einer Beschwerde Hilfe zu erhalten. Die Amtleute haben ihre Not geschildert, die Widersprüche der Arbeitsanordnung aufgezeigt und den Pharao um eine Erklärung gebeten. Doch keine ihrer Aussagen hat seine Entscheidung verändert. Für sie bleibt die bedrückende Frage, wie sie unter diesen Umständen weiterleben und arbeiten sollen. Auf ihrem Rückweg begegnen sie Mose und Aaron. Gerade die Männer, durch deren Botschaft sie zunächst Hoffnung auf Befreiung geschöpft hatten, werden nun zum Ziel ihrer Enttäuschung. So führt die Weigerung des Pharaos nicht nur zu größerem körperlichem Leid, sondern bereitet auch einen tiefen Vertrauenskonflikt innerhalb des eigenen Volkes vor.

2. Mose 5,20–21

Die israelitischen Amtleute wenden sich gegen Mose und Aaron

Als die israelitischen Amtleute den Pharao verlassen, begegnen sie Mose und Aaron, die draußen stehen und auf sie warten (Vers 20). Der biblische Bericht erklärt nicht, weshalb die beiden Brüder gerade dort geblieben sind. Er zeigt jedoch, dass sie die Vorarbeiter unmittelbar nach deren erfolgloser Beschwerde antreffen. Für diese Männer ist die Begegnung besonders schmerzhaft. Sie haben gerade erfahren, dass der Pharao an seinen unerfüllbaren Forderungen festhalten wird. Nun stehen sie denjenigen gegenüber, deren Auftreten beim König die Verschärfung der Zwangsarbeit ausgelöst hat. Die Hoffnung, die mit Moses Rückkehr verbunden war, scheint sich für sie in das Gegenteil verwandelt zu haben.

Ihre Enttäuschung entlädt sich in einem schweren Vorwurf. Sie rufen Mose und Aaron zu: „Der HERR sehe auf euch und richte es“ (Vers 21). Diese Worte sind bemerkenswert, weil die Amtleute ausgerechnet den Gott zum Richter anrufen, in dessen Auftrag Mose und Aaron handeln. Sie bitten nicht um eine erneute Erklärung der göttlichen Verheißung, sondern wünschen, dass Gott das Verhalten der beiden Brüder beurteilt. Aus ihrer Sicht haben Mose und Aaron großes Unheil über das Volk gebracht. Die Formulierung ist deshalb mehr als eine gewöhnliche Beschwerde. Sie enthält den Wunsch nach göttlichem Gericht über Männer, die Gott selbst zu seinen Boten berufen hat.

Die Amtleute begründen ihren Vorwurf damit, dass Mose und Aaron sie beim Pharao und seinen Dienern verhasst gemacht hätten. Im hebräischen Text steht dafür eine bildhafte Wendung, die wörtlich davon spricht, ihren Geruch stinkend gemacht zu haben. Gemeint ist nicht ein tatsächlicher Geruch, sondern dass sie in den Augen der ägyptischen Machthaber verachtet und unerwünscht geworden seien. Eine ähnliche Ausdrucksweise begegnet in 1. Mose 34,30, als Jakob befürchtet, dass seine Familie durch das Verhalten seiner Söhne bei den Bewohnern des Landes verhasst geworden sei. Auch dort verbindet sich die Sorge um den eigenen Ruf mit der Angst vor gewaltsamen Folgen. Die israelitischen Amtleute betrachten ihre Stellung gegenüber dem Pharao nun als so gefährdet, dass sie um die Sicherheit ihres Volkes fürchten.

Noch deutlicher wird ihre Angst durch die anschließende Anschuldigung. Mose und Aaron hätten den Ägyptern das Schwert in die Hand gegeben, um die Israeliten zu töten. Damit behaupten die Amtleute nicht, Mose habe selbst Gewalt gegen sein Volk ausgeübt. Sie werfen ihm vielmehr vor, durch sein Auftreten den ägyptischen Herrschern einen Anlass für noch härtere Maßnahmen geliefert zu haben. Das Schwert steht hier für die tödliche Gefahr, die sie von den Ägyptern befürchten. Bis zu diesem Zeitpunkt berichtet das Kapitel von verschärfter Zwangsarbeit und körperlichen Misshandlungen, aber nicht von einem neuen Befehl des Pharaos, die israelitischen Arbeiter mit dem Schwert zu töten. Die Aussage der Amtleute beschreibt deshalb ihre Einschätzung der Bedrohung und darf nicht mit einem bereits ausgeführten Todesurteil verwechselt werden.

Ihre Furcht ist dennoch nicht unbegründet. Die bisherige Geschichte hat bereits gezeigt, wozu die ägyptische Herrschaft bereit ist. In 2. Mose 1 hatte ein früherer Pharao angeordnet, die neugeborenen Söhne der Israeliten zu töten. Später mussten die Menschen unter immer härteren Arbeitsbedingungen leiden. Nun erleben die Vorarbeiter, dass selbst eine begründete Beschwerde keine Erleichterung bringt. Sie wissen, dass der König über genügend Macht verfügt, seine Drohungen und Befehle durchzusetzen. Was sie jedoch nicht richtig beurteilen, ist die Verantwortung für ihre gegenwärtige Lage. Die Unterdrückung hatte lange vor Moses Rückkehr begonnen. Mose und Aaron haben die Gewalt des Pharaos nicht geschaffen. Sie haben Gottes Forderung überbracht, auf die der König mit einer eigenverantwortlichen Verschärfung der Zwangsarbeit reagiert hat.

Gerade hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen dem, was die Amtleute erleben, und dem, was der Leser durch die vorausgehenden Kapitel bereits weiß. Für die Vorarbeiter besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Moses Auftreten und ihrem größeren Leiden. Diese Beobachtung ist zutreffend: Die Verschärfung der Arbeit folgt tatsächlich auf die Begegnung mit dem Pharao. Ihre Schlussfolgerung, Mose und Aaron seien deshalb die eigentlichen Schuldigen, greift jedoch zu kurz. Gott hatte Mose ausdrücklich nach Ägypten gesandt und ihm bereits angekündigt, dass der König sich widersetzen werde (2. Mose 3,19). Der Widerstand des Pharaos bedeutet daher nicht, dass Mose eigenmächtig gehandelt oder Gottes Auftrag missverstanden hätte. Vielmehr wird nun sichtbar, wie entschieden der Herrscher seine Macht gegen Gottes Forderung verteidigt.

Besonders schmerzhaft erscheint die Entwicklung im Vergleich zu 2. Mose 4,29–31. Dort hatten Mose und Aaron die Ältesten Israels versammelt, Gottes Worte weitergegeben und die angekündigten Zeichen vor dem Volk getan. Die Israeliten glaubten, dass der HERR sich ihrer angenommen und ihr Elend gesehen hatte. Sie neigten ihre Häupter und beteten an. Zwischen dieser Reaktion und den Vorwürfen der Amtleute liegt nur eine kurze Erzählstrecke, aber eine tiefgreifende Veränderung ihrer Lebensumstände. Der Bericht behauptet nicht ausdrücklich, dass das gesamte Volk seinen Glauben aufgegeben hätte. Er macht jedoch sichtbar, wie die verschärfte Unterdrückung das Vertrauen zwischen den israelitischen Vorarbeitern und den von Gott berufenen Führern beschädigt.

Dabei entsteht eine weitere Spannung. Mose und Aaron waren gekommen, um Israel aus der Herrschaft des Pharaos herauszuführen. Nun werden sie von Männern aus dem eigenen Volk als Gefahr betrachtet. Der Pharao muss die Israeliten nicht ausdrücklich dazu auffordern, sich gegen Mose zu stellen. Seine Maßnahmen haben eine Situation geschaffen, in der sich die Betroffenen selbst gegen diejenigen wenden, die ihre Befreiung verkündigen. Die Gewalt des Herrschers belastet damit nicht nur die Körper der Arbeiter, sondern auch das Verhältnis innerhalb des unterdrückten Volkes. Menschen, die eigentlich dieselbe Befreiung benötigen, geraten durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Verantwortlichkeiten in einen schweren Konflikt.

Die Worte der Amtleute zeigen schließlich, wie schwierig es sein kann, Gottes Handeln zu verstehen, solange seine Verheißung noch nicht erfüllt ist. Sie erleben gegenwärtig vor allem die Folgen des Widerstands. Den Weg, auf dem Gott Israel schließlich befreien wird, können sie noch nicht überblicken. Daraus folgt jedoch nicht, dass ihr Leiden gering zu achten wäre oder dass jede Verschlechterung menschlicher Lebensumstände automatisch ein Zeichen göttlicher Führung sei. Die besondere Aussage dieser Geschichte liegt darin, dass Gott seinen Auftrag bereits vor dem Auftreten des Widerstands gegeben und Mose auf diesen Konflikt vorbereitet hat. Die Wahrheit der göttlichen Verheißung wird nicht durch das augenblickliche Urteil der Betroffenen entschieden, auch wenn ihr Schmerz und ihre Fragen ernst zu nehmen sind.

Für Mose muss diese Begegnung eine weitere schwere Belastung bedeuten. Er hat den Auftrag Gottes ausgeführt, ist dem mächtigen Pharao entgegengetreten und hat nun nicht nur dessen Ablehnung erlebt, sondern auch die Anklage der eigenen Leute gehört. Der Text berichtet an dieser Stelle keine Antwort, mit der Mose sich gegenüber den Amtleuten verteidigt. Stattdessen verändert sich im folgenden Vers der Adressat seiner Worte. Mose wendet sich an den HERRN selbst. Die Fragen, die durch den Widerstand des Pharaos und das Leiden Israels entstanden sind, bringt er nun vor den Gott, der ihn gesandt hat.

2. Mose 5,22–23

Moses Klage: Warum lässt Gott das Leid zu?

Nachdem die israelitischen Amtleute Mose und Aaron für die Verschlechterung ihrer Lage verantwortlich gemacht haben, sucht Mose keine weitere Auseinandersetzung mit ihnen. Stattdessen wendet er sich an den HERRN. In Vers 22 berichtet die Bibel, dass Mose zu Gott zurückkehrt und ihm seine Fragen vorträgt. Damit verändert sich die Richtung des Gesprächs grundlegend. Zuvor hatte Mose im Auftrag Gottes zum Pharao gesprochen und dessen Widerstand erlebt. Nun spricht er mit dem Gott, der ihn gesandt hat. Der Bericht nennt keinen bestimmten Ort, an dem diese Begegnung stattfindet. Entscheidend ist vielmehr, dass Mose seine Enttäuschung nicht für sich behält, sondern unmittelbar vor Gott bringt.

Seine ersten Worte sind von einer tiefen Erschütterung geprägt. Mose fragt, weshalb Gott dem Volk so viel Leid zugefügt habe und warum er ihn überhaupt gesandt habe (Vers 22). Diese Fragen sind bemerkenswert, weil Mose nicht nur das Verhalten des Pharaos beklagt. Er stellt auch Gottes Handeln infrage. Nach seiner bisherigen Erfahrung hätte die Erfüllung des göttlichen Auftrags der Anfang einer Befreiung sein sollen. Stattdessen sind die Arbeitsbedingungen schlimmer geworden, israelitische Vorarbeiter wurden geschlagen und das eigene Volk hat sich gegen seine Boten gewandt. Mose versucht zu verstehen, weshalb Gott ihn auf einen Weg geführt hat, dessen erste sichtbare Folgen so schmerzhaft sind. Seine Worte dürfen deshalb nicht zu einer harmlosen Bitte um zusätzliche Informationen abgeschwächt werden. Er bringt eine ernsthafte Klage vor, die aus dem Widerspruch zwischen Gottes Verheißung und dem gegenwärtigen Geschehen entstanden ist.

Dabei erinnert Moses Frage an seine früheren Einwände gegen die Berufung. Schon am brennenden Dornbusch hatte er gefragt, wer er sei, dass er zum Pharao gehen und Israel aus Ägypten führen sollte (2. Mose 3,11). Später hatte er befürchtet, dass die Israeliten ihm nicht glauben würden, und auf seine Schwierigkeiten beim Sprechen hingewiesen (2. Mose 4,1.10). Damals standen vor allem seine eigenen Fähigkeiten und die mögliche Reaktion anderer Menschen im Mittelpunkt. Jetzt ist die Situation anders. Mose hat Gottes Auftrag angenommen und ausgeführt. Seine ursprünglichen Befürchtungen sind teilweise Wirklichkeit geworden, doch seine neue Frage richtet sich tiefer: Warum hat Gott ihn überhaupt gesandt, wenn die Menschen dadurch zunächst noch mehr leiden? Es geht nicht mehr nur darum, ob Mose für seine Aufgabe geeignet ist, sondern darum, wie Gottes bisheriges Handeln mit seiner Verheißung zusammenpasst.

In Vers 23 begründet Mose seine Klage mit dem, was seit seinem Auftreten vor dem Pharao geschehen ist. Er hat im Namen Gottes gesprochen, doch der ägyptische Herrscher hat daraufhin das Volk noch härter behandelt. Mose stellt damit einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen seiner Sendung und der Verschärfung der Unterdrückung her. Diesen Zusammenhang bestreitet der biblische Bericht nicht. Tatsächlich hat der Pharao seinen neuen Arbeitsbefehl als Reaktion auf die Forderung von Mose und Aaron erlassen. Allerdings ist zwischen dem Anlass einer Entscheidung und der Verantwortung für diese Entscheidung zu unterscheiden. Mose hat Gottes Botschaft überbracht, während der Pharao selbst beschlossen hat, die Israeliten zusätzlich zu bedrücken. Seine Grausamkeit ist deshalb nicht einfach Mose zuzuschreiben. Dennoch lässt sich verstehen, warum Mose angesichts der Folgen seiner Sendung mit solchen Fragen ringt.

Besonders schwer wiegt seine abschließende Feststellung, dass Gott sein Volk bisher überhaupt nicht errettet habe (Vers 23). Mose beurteilt die Situation nach dem, was er unmittelbar erkennen kann. Die angekündigte Befreiung ist noch nicht eingetreten, und die Macht des Pharaos scheint unverändert zu bestehen. Seine Worte stehen damit in einer Spannung zu Gottes früheren Zusagen. Bereits in 2. Mose 3,7–8 hatte Gott erklärt, dass er das Elend seines Volkes gesehen und dessen Schreien gehört habe. Er hatte angekündigt, Israel aus der Gewalt der Ägypter zu erretten und in ein gutes Land zu führen. In Moses gegenwärtiger Erfahrung ist von dieser angekündigten Rettung jedoch noch nichts sichtbar. Er spricht deshalb nicht aus der Perspektive der später abgeschlossenen Befreiung, sondern aus der bedrängenden Gegenwart eines Auftrags, dessen Erfüllung noch aussteht.

Gerade hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig. Mose hatte nicht völlig ohne Vorbereitung mit dem Widerstand des Pharaos rechnen müssen. Gott hatte ihm bereits in 2. Mose 3,19 mitgeteilt, dass der ägyptische König Israel nicht bereitwillig ziehen lassen würde. Auch die folgenden Machterweise Gottes waren angekündigt worden. Mose konnte also wissen, dass die Befreiung nicht durch eine einzige Begegnung mit dem Pharao zustande kommen würde. Dennoch war damit noch nicht jede Einzelheit des bevorstehenden Leidens erklärt. Zwischen dem Wissen, dass Widerstand kommen wird, und der unmittelbaren Erfahrung, dass Menschen deswegen geschlagen und zusätzlich belastet werden, besteht ein erheblicher Unterschied. Moses Klage zeigt, wie schwer es ihm fällt, Gottes langfristige Zusage mit dem gegenwärtigen Leid in Einklang zu bringen.

Auffällig ist auch, dass Mose trotz seiner erschütterten Erwartungen weiterhin den HERRN anspricht. Er erklärt seinen Auftrag nicht für beendet und berichtet nicht davon, zu seinem früheren Leben in Midian zurückkehren zu wollen. Stattdessen bringt er gerade dem Gott seine Enttäuschung, dessen Vorgehen er nicht versteht. Das bedeutet nicht, dass jede seiner Schlussfolgerungen bereits richtig sein muss. Seine Frage, warum Gott dem Volk Leid zugefügt habe, lässt beispielsweise die eigenständige Schuld des Pharaos in den Hintergrund treten. Doch die Bibel verschweigt diese unvollkommene Sichtweise nicht. Sie lässt Mose mit seinen tatsächlichen Fragen zu Wort kommen. Darin liegt ein bedeutsamer Unterschied zwischen dem ehrlichen Aussprechen einer Klage und der endgültigen Abkehr von Gott. Mose hält an seinem Gespräch mit dem HERRN fest, auch wenn er dessen Handeln noch nicht begreifen kann.

Eine ähnliche Form des Ringens mit Gott begegnet später in den Psalmen und bei den Propheten. In Psalm 13 fragt David wiederholt, wie lange Gott ihn scheinbar vergessen werde. Der Prophet Habakuk beklagt, dass er Gewalt und Unrecht sieht, ohne die erwartete Rettung zu erleben (Habakuk 1,2–4). Diese Texte haben unterschiedliche geschichtliche Hintergründe, doch sie zeigen eine gemeinsame Erfahrung: Menschen, die Gott vertrauen, können in Situationen geraten, in denen sie sein Handeln nicht verstehen. Die Bibel stellt ihre Fragen nicht grundsätzlich als Gegensatz zum Glauben dar. Entscheidend ist dabei, dass ihre gegenwärtige Wahrnehmung nicht mit dem vollständigen Wissen über Gottes Absichten gleichgesetzt wird. Auch Mose kennt zu diesem Zeitpunkt weder den genauen weiteren Verlauf der Auseinandersetzung noch die Weise, in der Gott seine Zusage erfüllen wird.

Das Ende des Kapitels ist deshalb bewusst offen. Mose hat seine schwerwiegenden Fragen ausgesprochen, aber eine Antwort Gottes wird in 2. Mose 5 noch nicht berichtet. Der Pharao hat seinen Befehl nicht zurückgenommen, die Arbeitslast ist nicht geringer geworden und die Israeliten sind weiterhin in Ägypten gefangen. An dieser Stelle könnte der Eindruck entstehen, dass die Macht des Königs stärker sei als die Verheißung Gottes. Doch der Leser weiß bereits, dass Gott den Widerstand vorausgesehen und sein weiteres Eingreifen angekündigt hat. Das Leiden Israels ist damit weder bedeutungslos noch bereits überwunden. Es steht in einer Geschichte, deren entscheidende Wendung noch bevorsteht.

Erst das folgende Kapitel lässt Gottes Antwort auf Moses Klage hören. In 2. Mose 6,1 kündigt der HERR an, dass Mose nun sehen werde, was er mit dem Pharao tun wird. Damit wird die Aufmerksamkeit von dem gelenkt, was der ägyptische König bisher verweigert hat, auf das, was Gott selbst noch tun wird. Die gegenwärtige Not wird nicht geleugnet, doch sie erhält auch nicht das letzte Wort. Gerade an diesem Übergang wird die besondere Spannung der Befreiungsgeschichte sichtbar: Mose hat Gottes Zusage gehört, aber ihre Erfüllung steht noch aus. Er muss lernen, dass der Widerstand des Pharaos Gottes Vorhaben nicht endgültig aufhalten kann, auch wenn er den Weg zur Befreiung zunächst schmerzlich erschwert.

Geistliche Kernbotschaft

Im Mittelpunkt von 2. Mose 5 steht eine Frage, die weit über die damalige Lage Israels hinausreicht: Wem gehört der Mensch, und wer darf über sein Leben bestimmen? Der Pharao betrachtet die Israeliten vor allem als Arbeitskräfte, über deren Zeit und Leistung er verfügen kann. Gott dagegen nennt sie sein Volk und fordert, dass sie ihm dienen dürfen. Darin offenbart sich ein grundlegender Unterschied zwischen menschlicher Unterdrückung und Gottes Herrschaft. Der Pharao beansprucht die Menschen für seine eigenen Zwecke, während Gott sie aus ihrer Knechtschaft herausführen und in eine Beziehung zu sich bringen will. Die angekündigte Befreiung betrifft deshalb nicht nur ihre äußeren Lebensumstände. Sie soll ihnen ermöglichen, als Gottes Volk zu leben und ihn ohne die Herrschaft eines fremden Königs anzubeten.

Diese Geschichte macht zugleich deutlich, dass die Macht des Menschen nicht darüber entscheidet, ob Gottes Anspruch gültig ist. Der Pharao besitzt die Möglichkeit, Befehle zu erteilen, Arbeitsbedingungen zu verschärfen und Menschen zu bestrafen. Dennoch kann seine Autorität nicht aufheben, was Gott über Israel beschlossen hat. Gerade am Anfang der Auseinandersetzung scheint der ägyptische Herrscher allerdings uneingeschränkt überlegen zu sein. Gottes Verheißung steht einer sichtbaren Macht gegenüber, die sich weigert nachzugeben. Der Leser wird dadurch mit einer wichtigen Wahrheit konfrontiert: Gottes Handeln lässt sich nicht immer daran erkennen, ob sich die äußeren Umstände sofort verbessern. Die Erfüllung seiner Zusagen kann noch ausstehen, während sein Wort bereits gilt.

Dabei verschweigt die Bibel nicht, welche Schmerzen mit diesem noch ungelösten Konflikt verbunden sind. Die Israeliten leiden tatsächlich, und ihre Fragen werden nicht dadurch bedeutungslos, dass Gott ihre spätere Befreiung bereits angekündigt hat. Das Kapitel fordert deshalb auch nicht dazu auf, Unterdrückung widerspruchslos hinzunehmen oder jedes Leiden als notwendigen Bestandteil eines göttlichen Plans zu betrachten. Vielmehr wird der Widerstand eines Herrschers sichtbar, der sich bewusst gegen Gottes Forderung stellt. Die Verantwortung für seine Grausamkeit bleibt bei ihm. Gottes Vorwissen über diese Entwicklung bedeutet nicht, dass der Pharao zu seinem Unrecht gezwungen worden wäre.

Eine besondere geistliche Bedeutung erhält schließlich Moses Gebet. Obwohl er Gottes Auftrag ausgeführt hat, versteht er dessen bisherige Folgen nicht. Seine Klage ist weder vollkommen ausgewogen noch frei von schmerzlichen Vorwürfen. Dennoch wendet er sich an Gott. Gerade darin liegt ein wichtiger Ausdruck seiner fortbestehenden Beziehung zum HERRN. Glaube bedeutet nicht, jede Entwicklung sofort erklären zu können oder niemals enttäuscht zu sein. Er kann sich auch darin äußern, dass ein Mensch mit seinen unbeantworteten Fragen zu Gott kommt, anstatt das Gespräch mit ihm aufzugeben. Moses Geschichte macht deutlich, dass ein Mensch Gottes Verheißung kennen und dennoch darum ringen kann, wie sie sich unter den gegenwärtigen Umständen erfüllen soll.

Das Kapitel endet, bevor Gottes Antwort hörbar wird. Dadurch bleibt die Spannung zwischen menschlicher Erfahrung und göttlicher Zusage zunächst bestehen. Der Pharao besitzt weiterhin seine Macht, Israel wartet auf Rettung, und Mose versteht Gottes Weg noch nicht. Doch die Geschichte ist an dieser Stelle nicht abgeschlossen. Ihre geistliche Botschaft liegt gerade darin, dass die sichtbare Überlegenheit des Bösen nicht mit seinem endgültigen Sieg gleichgesetzt werden darf. Was Menschen gegen Gottes Vorhaben unternehmen, kann schweres Leid verursachen, aber es besitzt nicht die Macht, Gottes Treue auszulöschen. Die Grundlage der Hoffnung liegt deshalb nicht in der augenblicklichen Stärke seines Volkes, sondern in dem Gott, der seinen Bund mit den Vorfahren Israels geschlossen hat und zu seinen Verheißungen steht.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Eine besonders wichtige Verbindung besteht zwischen 2. Mose 5 und Gottes Berufung des Mose in 2. Mose 3,7–12. Dort erklärt Gott, dass er das Elend Israels gesehen, sein Schreien gehört und seine Leiden erkannt hat. Seine Entscheidung zur Befreiung geht also nicht von Moses eigener Initiative aus, sondern von Gottes Erbarmen mit seinem Volk. Zugleich kündigt er bereits an, dass Israel nach seiner Herausführung aus Ägypten ihm am Berg dienen werde. Dadurch erhält der Gottesdienst, den Mose vor dem Pharao fordert, seinen größeren Zusammenhang. Die Freiheit Israels ist nicht bloß die Abwesenheit ägyptischer Herrschaft, sondern soll zu einem Leben in der Gemeinschaft mit Gott führen. In 2. Mose 6,1–8 greift Gott nach Moses Klage diese Verheißung erneut auf und kündigt sein machtvolles Eingreifen an. Besonders auffällig ist, wie häufig Gott dort selbst als Handelnder auftritt. Die Befreiung hängt letztlich nicht von Moses persönlicher Durchsetzungskraft ab, sondern von Gottes Treue zu seinem Bund.

Eine weitere Verbindung entsteht durch die Frage des Pharaos, wer der HERR sei und warum er ihm gehorchen sollte. Diese Herausforderung wird im weiteren Verlauf der Exodusgeschichte ausdrücklich aufgegriffen. In 2. Mose 7,5 kündigt Gott an, dass die Ägypter erkennen werden, dass er der HERR ist, wenn er Israel aus ihrer Mitte herausführt. Auch in 2. Mose 14,4 und 14,18 begegnet dieser Gedanke. Damit beantwortet die spätere Erzählung eine Frage, die am Anfang der offenen Auseinandersetzung steht. Gottes Macht wird nicht nur behauptet, sondern soll durch sein tatsächliches Handeln erkennbar werden. Die kommenden Gerichte über Ägypten sind deshalb innerhalb des biblischen Berichts auch eine Offenbarung darüber, wer der Gott Israels ist und dass der Pharao seinem Willen nicht dauerhaft widerstehen kann.

Von besonderer Bedeutung ist außerdem die Verbindung zum vierten Gebot in 5. Mose 5,12–15. Dort befiehlt Gott Israel, den Sabbat zu heiligen und auch Knechten, Mägden und den übrigen Menschen innerhalb der eigenen Verantwortung Ruhe zu gewähren. Als Begründung erinnert er ausdrücklich daran, dass die Israeliten selbst Knechte in Ägypten gewesen waren und der HERR sie mit mächtiger Hand herausgeführt hatte. Dadurch erhält die Sabbatruhe eine soziale Bedeutung, die unmittelbar an die Erfahrungen der Unterdrückung anknüpft. Wer selbst aus der Knechtschaft befreit wurde, soll anderen die von Gott gebotene Ruhe nicht verweigern. Diese spätere Begründung bildet einen starken Gegensatz zur Haltung des Pharaos in 2. Mose 5. Sie beweist allerdings nicht für sich allein, dass Mose bereits bei seiner ersten Begegnung mit dem König ausdrücklich die Wiederherstellung der wöchentlichen Sabbatheiligung verlangte.

Auch Jesaja 58,3–7 vertieft diesen Zusammenhang. Der Prophet kritisiert Menschen, die religiöse Pflichten erfüllen wollen, gleichzeitig aber ihre Arbeiter bedrücken und ungerechte Lasten aufrechterhalten. Gott fordert dort, die Fesseln der Bosheit zu lösen, bedrückende Joche zu zerbrechen und Unterdrückte freizulassen. Jesaja beschreibt damit nicht dieselben Ereignisse wie 2. Mose 5, sondern spricht zu Menschen in einer anderen geschichtlichen Situation. Dennoch besteht eine deutliche inhaltliche Verbindung: Gottesverehrung darf nicht von Gerechtigkeit und dem Umgang mit anderen Menschen getrennt werden. Das wird im weiteren Verlauf von Jesaja 58 besonders bedeutsam, wenn auch der Sabbat als heiliger Tag des HERRN angesprochen wird. Gottesdienst und Rücksicht auf die Menschen, für die man Verantwortung trägt, gehören innerhalb dieser biblischen Botschaft zusammen.

Im Neuen Testament greift Stephanus die Geschichte Moses in Apostelgeschichte 7,30–36 ausdrücklich auf. Er erinnert daran, wie Gott Mose erschien, ihn nach Ägypten sandte und ihn zum Führer und Befreier seines Volkes bestimmte. Dabei betont Stephanus, dass Mose zuvor von seinen eigenen Volksgenossen zurückgewiesen worden war. Die Ablehnung des Mose gehört somit zu einer größeren Geschichte, in der ein von Gott berufener Retter nicht ohne Widerstand angenommen wird. Diese Darstellung hilft, die Spannungen zwischen Mose und den israelitischen Amtleuten einzuordnen, ohne ihnen bereits das vollständige Verständnis der späteren Befreiung zu unterstellen.

Schließlich führt das Thema der Befreiung auch zu Jesus Christus. In Lukas 4,18–21 bezieht Jesus die Verheißung aus Jesaja 61 auf seinen eigenen Auftrag. Er verkündigt den Gefangenen Freiheit und den Unterdrückten Befreiung. Lukas erklärt damit nicht, dass Jesus lediglich die politischen Ereignisse des Auszugs aus Ägypten wiederholt. Seine Sendung besitzt einen umfassenderen Zusammenhang, der die Befreiung von Sünde, die Wiederherstellung des Menschen und das Heil Gottes einschließt (Lukas 1,68–75; Johannes 8,34–36). Dennoch besteht eine tragfähige Verbindung zwischen beiden Teilen der Heilsgeschichte. Der Gott, der die Knechtschaft Israels nicht gleichgültig hinnimmt, offenbart in Jesus Christus seinen Willen zur Rettung. Die Befreiung aus Ägypten bleibt dabei ein eigenständiges geschichtliches Ereignis und wird zugleich zu einem wichtigen Bestandteil des biblischen Gesamtbildes von Gottes erlösendem Handeln.

Wichtige Lektionen

Eine wesentliche Lektion dieses Kapitels betrifft den Umgang mit Schwierigkeiten, die trotz einer verantwortungsbewussten Entscheidung entstehen. Mose hat nicht gegen Gottes Auftrag gehandelt, und dennoch verschlechtert sich die Lage zunächst erheblich. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass jede erfolglose Entscheidung automatisch von Gott gewollt oder jede zunehmende Schwierigkeit ein Beweis für den richtigen Weg wäre. Wohl aber warnt die Geschichte davor, den Wert einer Entscheidung ausschließlich an ihrem sofortigen Erfolg zu messen. Wer nach bestem Wissen Gottes Willen folgen möchte, muss seine Entscheidungen weiterhin an seinem Wort prüfen. Ein ausbleibender sichtbarer Erfolg allein ist jedoch noch kein ausreichender Grund, einen zuvor begründeten Auftrag für falsch zu erklären.

Ebenso ernst ist die Warnung vor einem Umgang mit Menschen, bei dem Anforderungen wichtiger werden als Gerechtigkeit. Der Pharao verändert die Arbeitsbedingungen, hält aber an denselben Leistungsvorgaben fest und lässt diejenigen bestrafen, die sie nicht mehr erfüllen können. Dieses Verhalten macht eine Form von Unrecht sichtbar, die auch außerhalb der damaligen Zwangsarbeit grundsätzlich verständlich ist: Verantwortung wird eingefordert, ohne die tatsächlichen Möglichkeiten der Betroffenen zu berücksichtigen. Wer heute Aufgaben verteilt, andere Menschen anleitet oder über ihre Arbeitsbedingungen entscheidet, sollte deshalb nicht nur fragen, welches Ergebnis erreicht werden soll. Ebenso wichtig ist, ob die dafür notwendigen Mittel, die verfügbare Zeit und die menschlichen Grenzen angemessen berücksichtigt werden. Leistung darf nicht dadurch erzwungen werden, dass man Menschen für Schwierigkeiten bestraft, die man selbst verursacht hat.

Die Begegnung zwischen den israelitischen Amtleuten und Mose lehrt außerdem, wie sorgfältig Schuld und Verantwortung beurteilt werden müssen. Die Amtleute sehen zutreffend, dass sich ihre Lage nach Moses Auftreten verschlechtert hat. Daraus schließen sie jedoch, dass er für ihr Leiden verantwortlich sei. Sie unterscheiden nicht ausreichend zwischen dem Anlass für die Reaktion des Pharaos und dessen eigener Entscheidung zur Unterdrückung. Auch heute können Menschen unter großem Druck dazu neigen, ihre Enttäuschung gegen diejenigen zu richten, die ihnen am nächsten stehen oder deren Entscheidungen ihnen besonders sichtbar erscheinen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur nach dem zeitlichen Zusammenhang von Ereignissen zu fragen, sondern nach ihren wirklichen Ursachen. Zugleich sollte das Leid der Betroffenen ernst genommen werden, selbst wenn ihre Schuldzuweisungen nicht gerechtfertigt sind.

Eine weitere Lektion liegt im Umgang mit enttäuschten Erwartungen. Mose verbirgt seine Ratlosigkeit nicht hinter frommen Worten. Er spricht aus, dass er Gottes Vorgehen nicht versteht. Seine Reaktion ermutigt dazu, auch schmerzliche Fragen im Gebet ehrlich vor Gott zu bringen. Das bedeutet nicht, jede eigene Wahrnehmung bereits für die ganze Wahrheit zu halten. Menschen können unter dem Eindruck ihres Leidens Zusammenhänge übersehen oder vorschnelle Schlussfolgerungen ziehen. Gerade deshalb ist das Gebet mehr als das Aussprechen des eigenen Urteils. Es eröffnet die Möglichkeit, mit Gott im Gespräch zu bleiben und auch seine Antwort zu hören. Moses Klage endet nicht mit einer selbst gefundenen Erklärung. Er ist darauf angewiesen, dass Gott ihm den nächsten Schritt offenbart.

Schließlich erinnert 2. Mose 5 daran, die Hoffnung nicht ausschließlich auf menschliche Macht oder günstige Umstände zu gründen. Die israelitischen Amtleute versuchen zunächst, beim Pharao selbst eine Erleichterung zu erreichen. Ihre Beschwerde ist verständlich und berechtigt, doch der König weigert sich, ihnen zu helfen. Der Bericht verbietet damit nicht, sich für Gerechtigkeit einzusetzen oder menschliche Möglichkeiten zur Verbesserung einer schwierigen Lage zu nutzen. Er macht vielmehr deutlich, dass solche Möglichkeiten begrenzt sein können. Für Israel lag die endgültige Befreiung außerhalb dessen, was es durch eigene Verhandlungen oder Arbeitsleistungen erreichen konnte. Gerade in einer solchen Lage wurde entscheidend, ob Gottes Verheißung trotz der sichtbaren Übermacht des Pharaos Bestand haben würde.

Das Kapitel lädt damit zu einem Glauben ein, der weder das vorhandene Leid beschönigt noch Gottes Zusage vorschnell aufgibt. Wer sich in einer schweren Situation befindet, muss nicht behaupten, bereits eine Lösung zu erkennen. Ebenso wenig sollte er aus einer noch ausstehenden Antwort schließen, dass Gott seine Verheißungen vergessen habe. Die Geschichte Israels zeigt, dass zwischen Gottes Zusage und ihrer sichtbaren Erfüllung eine Zeit großer Anfechtung liegen kann. Die angemessene Haltung besteht nicht darin, das Leiden für unwichtig zu erklären, sondern Gott auch dort ernst zu nehmen, wo der weitere Weg noch verborgen ist. Mose steht am Ende dieses Kapitels mit unbeantworteten Fragen vor dem HERRN. Doch er hat sich an den gewandt, von dem die Befreiung tatsächlich kommen kann.