2. Mose 26

Die Wohnung sollst du machen von zehn Teppichen, von gezwirnter, weißer Leinwand, von blauem und rotem Purpur und von Scharlach. Cherubim sollst du daran machen von kunstreicher Arbeit.

37 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Die Wohnung sollst du machen von zehn Teppichen, von gezwirnter, weißer Leinwand, von blauem und rotem Purpur und von Scharlach. Cherubim sollst du daran machen von kunstreicher Arbeit.
  2. 2 Die Länge eines Teppichs soll achtundzwanzig Ellen sein, die Breite vier Ellen, und sollen alle zehn gleich sein.
  3. 3 Und sollen je fünf zu einem Stück zusammengefügt sein, einer an den andern.
  4. 4 Und sollst Schleifen machen von blauem Purpur an jegliches Stück am Rand, wo die zwei Stücke sollen zusammengeheftet werden;
  5. 5 fünfzig Schleifen an jegliches Stück, daß eine Schleife der andern gegenüberstehe.
  6. 6 Und sollst fünfzig goldene Haken machen, womit man die Teppiche zusammenheftet, einen an den andern, auf daß es eine Wohnung werde.
  7. 7 Du sollst auch eine Decke aus Ziegenhaar machen zur Hütte über die Wohnung von elf Teppichen.
  8. 8 Die Länge eines Teppichs soll dreißig Ellen sein, die Breite aber vier Ellen, und sollen alle elf gleich groß sein.
  9. 9 Fünf sollst du aneinander fügen und sechs auch aneinander, daß du den sechsten Teppich zwiefältig machst vorn an der Hütte.
  10. 10 Und sollst an jegliches Stück fünfzig Schleifen machen am Rand, wo die Stücke sollen zusammengeheftet werden.
  11. 11 Und sollst fünfzig eherne Haken machen und die Haken in die Schleifen tun, daß die Hütte zusammengefügt und eine Hütte werde.
  12. 12 Aber vom Überlangen an den Teppichen der Hütte sollst du einen halben Teppich lassen überhangen hinten an der Hütte
  13. 13 und auf beiden Seiten je eine Elle, daß das Überlange sei an der Hütte Seiten und auf beiden Seiten sie bedecke.
  14. 14 Über diese Decke sollst du eine Decke machen von rötlichen Widderfellen, dazu über sie eine Decke von Dachsfellen.
  15. 15 Du sollst auch Bretter machen zu der Wohnung von Akazienholz, die stehen sollen.
  16. 16 Zehn Ellen lang soll ein Brett sein und anderthalb Ellen breit.
  17. 17 Zwei Zapfen soll ein Brett haben, daß eins an das andere könne gesetzt werden. Also sollst du alle Bretter der Wohnung machen.
  18. 18 Ihrer zwanzig sollen stehen gegen Mittag.
  19. 19 Die sollen vierzig silberne Füße unten haben, je zwei Füße unter einem jeglichen Brett an seinen zwei Zapfen.
  20. 20 Also auf der andern Seite gegen Mitternacht sollen auch zwanzig Bretter stehen
  21. 21 und vierzig silberne Füße, je zwei Füße unter jeglichem Brett.
  22. 22 Aber hinten an der Wohnung gegen Abend sollst du sechs Bretter machen;
  23. 23 dazu zwei Bretter hinten an die zwei Ecken der Wohnung,
  24. 24 daß ein jegliches der beiden sich mit seinem Eckbrett von untenauf geselle und oben am Haupt gleich zusammenkomme mit einer Klammer;
  25. 25 daß es acht Bretter seien mit ihren silbernen Füßen, deren sollen sechzehn sein, je zwei unter einem Brett.
  26. 26 Und sollst Riegel machen von Akazienholz, fünf zu den Brettern auf einer Seite der Wohnung
  27. 27 und fünf zu den Brettern auf der andern Seite der Wohnung und fünf zu den Brettern hinten an der Wohnung gegen Abend.
  28. 28 Und sollst den mittleren Riegel mitten an den Brettern hindurchstoßen und alles zusammenfassen von einem Ende zu dem andern.
  29. 29 Und sollst die Bretter mit Gold überziehen und ihre Ringe von Gold machen, daß man die Riegel darein tue.
  30. 30 Und die Riegel sollst du mit Gold überziehen. Und also sollst du denn die Wohnung aufrichten nach der Weise, wie du gesehen hast auf dem Berge.
  31. 31 Du sollst einen Vorhang machen von blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter weißer Leinwand; und sollst Cherubim daran machen von kunstreicher Arbeit.
  32. 32 Und sollst ihn hängen an vier Säulen von Akazienholz, die mit Gold überzogen sind und goldene Haken und vier silberne Füße haben.
  33. 33 Und sollst den Vorhang hängen unter die Haken, und die Lade des Zeugnisses innen hinter den Vorhang setzen, daß er euch eine Scheidewand sei zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten.
  34. 34 Und sollst den Gnadenstuhl tun auf die Lade des Zeugnisses in dem Allerheiligsten.
  35. 35 Den Tisch aber setze außen vor den Vorhang und den Leuchter dem Tisch gegenüber, mittagswärts in der Wohnung, daß der Tisch stehe gegen Mitternacht.
  36. 36 Und sollst ein Tuch machen in die Tür der Hütte, gewirkt von blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter weißer Leinwand.
  37. 37 Und sollst dem Tuch fünf Säulen machen von Akazienholz, mit Gold überzogen, mit goldene Haken, und sollst ihnen fünf eherne Füße gießen.

Kapitelüberblick

In 2. Mose 26 gibt Gott Mose genaue Anweisungen für den Bau der Stiftshütte. Zehn kunstvoll gewebte Zeltbahnen mit Cherubimdarstellungen sollen die innere Wohnung bilden. Darüber werden weitere Bahnen aus Ziegenhaar sowie schützende Decken aus Tierhäuten angebracht. Die tragende Konstruktion besteht aus aufrecht stehenden Holzbauteilen, die mit Gold überzogen, in silbernen Sockeln befestigt und durch Riegel miteinander verbunden werden.

Besondere Bedeutung erhält der innere Vorhang. Er trennt das Heilige vom Allerheiligsten, in dem die Bundeslade mit dem Sühndeckel stehen soll. Außerhalb dieses Vorhangs werden der Schaubrottisch und der goldene Leuchter aufgestellt. Ein weiterer Vorhang bildet den Eingang zur Stiftshütte.

Die Anweisungen zeigen, wie sorgfältig der Ort gestaltet werden soll, an dem Gott seine Gegenwart unter Israel offenbaren will. Zugleich wird deutlich, dass der Zugang zu seiner besonderen Gegenwart einer von ihm festgelegten Ordnung unterliegt.

Einführung

Nachdem Gott Mose die Anweisungen für die Bundeslade, den Schaubrottisch und den goldenen Leuchter gegeben hat, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf das Gebäude, in dem diese Gegenstände ihren Platz erhalten sollen. Die Israeliten befinden sich weiterhin am Sinai. Mose empfängt dort die Weisungen, nach denen das Volk später die Stiftshütte herstellen und einrichten wird.

Die besondere Herausforderung besteht darin, ein Heiligtum für ein Volk auf der Wanderung zu errichten. Israel besitzt noch keinen festen Tempel und wird seine Lagerplätze auf dem Weg durch die Wüste wiederholt wechseln. Deshalb muss die Stiftshütte nicht nur einen geschützten Raum für den Gottesdienst bieten, sondern auch abgebaut, transportiert und erneut aufgerichtet werden können. Die einzelnen Materialien, Verbindungen und tragenden Bauteile erfüllen innerhalb dieser Ordnung konkrete Aufgaben.

Für das Verständnis des Kapitels ist wichtig, dass die Stiftshütte aus unterschiedlich zugänglichen Bereichen bestehen soll. Ihre räumliche Gliederung wird später für den priesterlichen Dienst entscheidend sein. Besonders der Vorhang vor dem Allerheiligsten macht deutlich, dass Gottes Gegenwart zwar mitten unter Israel offenbar wird, der Zugang zu ihr aber nicht uneingeschränkt möglich ist. Die genaueren Bestimmungen darüber, wer welche Bereiche betreten darf, folgen in den späteren Heiligtumsvorschriften.

Nicht alle technischen Einzelheiten lassen sich heute zweifelsfrei rekonstruieren. Besonders die Bauweise der Holzwände und einzelne Verbindungen bleiben umstritten. Auch die kunstvollen Farben und Verzierungen sollten zunächst in ihrer tatsächlichen Funktion verstanden werden, bevor weiterführende geistliche Bedeutungen erwogen werden.

Die Anweisungen beginnen mit den inneren Zeltbahnen. Sie bilden die kunstvoll gestaltete Grundlage der Wohnung und werden anschließend durch weitere Schichten und eine tragende Konstruktion ergänzt.

2. Mose 26,1–6

Die kunstvollen Zeltbahnen und ihre Verbindung

Gott beginnt die Anweisungen für die eigentliche Stiftshütte mit zehn kunstvoll gestalteten Zeltbahnen. Sie sollen aus feinem Gewebe und kostbaren farbigen Garnen hergestellt werden. Cherubimdarstellungen gehören ausdrücklich zu ihrer Gestaltung. Jede Bahn erhält dieselben Maße, anschließend werden jeweils fünf miteinander verbunden. Die beiden größeren Stoffgruppen sollen schließlich durch blaue Schlaufen und fünfzig goldene Klammern zusammengefügt werden, sodass eine einzige zusammenhängende Wohnung entsteht. Damit beschreibt Gott zunächst die innere textile Ausstattung des Heiligtums, bevor er die äußeren Schutzdecken und die tragende Holzkonstruktion festlegt.

Vers 1 verwendet für diese Wohnung das hebräische Wort mischkan. Es gehört zum Wortstamm schakan, der das Wohnen oder Sich-Niederlassen bezeichnet. Bereits in 2. Mose 25,8 hatte Gott erklärt, dass die Israeliten ihm ein Heiligtum errichten sollen, damit er mitten unter ihnen wohne. Die kunstvollen Bahnen gehören somit zu dem Ort, an dem seine Gegenwart innerhalb des Volkes besonders offenbar werden soll. Sie sind nicht lediglich eine beliebige Zeltverkleidung. Dennoch bedeutet die Bezeichnung nicht, dass Gott auf diesen Raum begrenzt wäre. Die Stiftshütte wird vielmehr nach seiner Anweisung zu einem besonderen Ort der Begegnung mit ihm. In Vers 7 folgt dann eine weitere Lage, die ausdrücklich als Zelt über der Wohnung bezeichnet wird. Diese Unterscheidung hilft, die verschiedenen Stoffschichten auseinanderzuhalten.

Als Grundlage der Bahnen wird fein gezwirntes Gewebe vorgeschrieben. Die Schlachter 1951 spricht von „gezwirnter weißer Baumwolle“, während das hebräische Wort schesch wahrscheinlich feines Leinen bezeichnet. Zusätzlich nennt Gott blauen und roten Purpur sowie Karmesin. Die hebräischen Begriffe techelet, argaman und tolaʿat schani stehen für kostbare gefärbte Materialien beziehungsweise Garne. Ihre Herstellung erforderte geeignete Rohstoffe und besondere handwerkliche Kenntnisse. Die Farben verleihen den Bahnen eine eindrucksvolle Gestaltung, doch der Text erklärt nicht, dass jede Farbe eine festgelegte geistliche Bedeutung besitzen müsse. Insbesondere wäre es unbegründet, aus den drei Farbtönen ohne weitere biblische Erklärung ein vollständiges prophetisches Symbolsystem abzuleiten. Zunächst handelt es sich um konkrete Materialien, die Gott für sein Heiligtum bestimmt hat.

Besonders auffällig ist die Anweisung, Cherubim in die Bahnen einzuarbeiten. Das hebräische maʿaseh choschev bezeichnet kunstvolle, fachkundige Arbeit. Die Cherubim sollen also nicht einfach nachträglich als selbstständige Figuren neben den Stoffbahnen aufgestellt werden. Sie gehören zur gestalteten Textilarbeit. Ob ihre Darstellung mit einer bestimmten Webtechnik oder durch zusätzliche Stickarbeit entstand, lässt sich aus dem Ausdruck allein nicht vollständig rekonstruieren. Die sorgfältige Gestaltung ist jedoch ausdrücklich vorgeschrieben. Cherubim waren bereits in 1. Mose 3,24 als Wächter am Zugang zum Garten Eden erwähnt worden. In 2. Mose 25,18–22 begegnen sie außerdem als goldene Darstellungen über dem Sühndeckel der Bundeslade. Diese Verbindungen zeigen, dass Cherubim in der biblischen Bildwelt besonders mit Gottes Gegenwart verbunden sind. Der vorliegende Text beschreibt allerdings weder ihre vollständige Gestalt noch eine eigenständige symbolische Bedeutung jeder einzelnen Darstellung. Die Israeliten sollten die Cherubim auch nicht als Gottheiten verehren.

Vers 2 legt die Maße fest. Jede der zehn Bahnen soll achtundzwanzig Ellen lang und vier Ellen breit sein. Alle erhalten ausdrücklich dieselbe Größe. Bei einer ungefähren Ellenlänge von 45 Zentimetern entspricht dies etwa 12,6 Metern Länge und 1,8 Metern Breite pro Bahn. Die Zahlen sind wichtig, weil die einzelnen Stoffstücke später genau zusammenpassen müssen. Zugleich sollte nicht vergessen werden, dass die genaue historische Ellenlänge nicht in jeder Einzelheit sicher bestimmt werden kann. Die biblischen Maße sind deshalb verbindlicher als ihre moderne Umrechnung. Der Text macht deutlich, dass die Herstellung nach einer einheitlichen Vorgabe erfolgen soll. Die Handwerker dürfen nicht beliebig unterschiedliche Bahngrößen verwenden, deren Verbindung anschließend nur durch zusätzliche Veränderungen möglich wäre.

Nach Vers 3 werden zunächst fünf Bahnen miteinander verbunden und ebenso die übrigen fünf. Es entstehen somit zwei größere Stoffgruppen, die im nächsten Schritt zusammengefügt werden sollen. Die genaue textile Verbindung der fünf einzelnen Bahnen wird nicht näher beschrieben. Sie müssen so aneinandergefügt werden, dass die vorgesehene Gesamtform entsteht. Die Zweiteilung der Bahnen bedeutet jedoch nicht, dass zwei voneinander unabhängige Heiligtümer entstehen sollten. Sie gehört zur Herstellung einer einzigen Wohnung. Warum Gott gerade diese Aufteilung in zwei Gruppen von fünf Bahnen anordnet, wird nicht erklärt. Deshalb ist es nicht notwendig, darin eine verborgene Bedeutung der Zahl fünf zu suchen. Die unmittelbar erkennbare Funktion besteht darin, die Herstellung und Verbindung der großen Stofffläche nach einer geordneten Vorgabe zu ermöglichen.

In den Versen 4–5 wird die Verbindung der beiden Stoffgruppen genauer beschrieben. An der äußeren Kante der jeweils letzten Bahn sollen Schlaufen aus blauem Material angebracht werden. Jede Gruppe erhält fünfzig solcher Schlaufen, die einander genau gegenüberliegen müssen. Diese Anordnung ist wichtig, weil die Verbindung nur dann gleichmäßig erfolgen kann, wenn die Schlaufen auf beiden Seiten zueinander passen. Der Text spricht von fünfzig Schlaufen an den einander zugewandten Rändern der beiden großen Stoffgruppen. Er verlangt nicht, dass sämtliche Verbindungen zwischen den einzelnen zehn Bahnen ebenfalls auf genau dieselbe Weise mit jeweils fünfzig Schlaufen hergestellt werden müssten. Die blauen Schlaufen bilden somit eine ausdrücklich beschriebene Verbindung zwischen den beiden zuvor zusammengesetzten Stoffgruppen.

Vers 6 ordnet schließlich fünfzig goldene Klammern an, mit denen die gegenüberliegenden Schlaufen verbunden werden sollen. Das hebräische Wort qerasim bezeichnet hier Verbindungselemente beziehungsweise Klammern. Ihre genaue Form ist nicht überliefert. Sicher ist jedoch ihre Funktion: Sie sollen die beiden Stoffgruppen zusammenhalten. Der Vers nennt auch das Ergebnis ausdrücklich. Die Wohnung soll zu einem Ganzen verbunden werden. Im hebräischen Text steht die Formulierung wehajah hammischkan echad, sinngemäß: „So wird die Wohnung eine einzige sein.“ Die Einheit ist hier zunächst ganz konkret baulich gemeint. Aus zehn einzelnen Bahnen entsteht durch eine festgelegte Verbindung eine zusammenhängende textile Wohnung. Eine weiterführende geistliche Anwendung auf die Einheit des Gottesvolkes ist denkbar, wird in diesem Vers aber nicht ausdrücklich erklärt und sollte deshalb nicht an die Stelle seiner unmittelbaren Aussage treten.

Die spätere Ausführung dieser Anweisungen wird in 2. Mose 36,8–13 berichtet. Dort stellen die kunstverständigen Arbeiter die zehn Bahnen mit den Cherubimdarstellungen her, verbinden sie in zwei Gruppen und fügen sie mit den fünfzig goldenen Klammern zusammen. Der Bericht bestätigt damit, dass die gegebenen Maße und Verbindungen nicht lediglich symbolische Beschreibungen waren. Sie gehörten zu einer tatsächlichen handwerklichen Aufgabe, die von geeigneten Menschen ausgeführt werden sollte. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Schönheit des Heiligtums und seine praktische Konstruktion nicht voneinander getrennt werden können. Die Farben und Cherubim prägen seine besondere Gestaltung, während gleiche Maße und passende Verbindungselemente die Herstellung einer zusammenhängenden Wohnung ermöglichen.

Die Verse 1–6 zeigen somit, mit welcher Sorgfalt Gott die innere Ausstattung seines Heiligtums anordnet. Die kostbaren Stoffe und Cherubimdarstellungen unterstreichen die besondere Bestimmung dieses Ortes. Die einheitlichen Maße, Schlaufen und goldenen Klammern sorgen dafür, dass aus einzelnen Bahnen eine einzige Wohnung entsteht. Dabei bleiben die Anweisungen zunächst konkret und praktisch. Nicht jede Farbe, Zahl oder Verzierung muss eine zusätzliche verborgene Bedeutung besitzen. Entscheidend ist, dass die Stiftshütte nach dem von Gott gezeigten Muster hergestellt werden soll. Nachdem die kunstvolle innere Stofflage beschrieben ist, folgen nun die äußeren Bahnen aus Ziegenhaar, die darüber angebracht werden und einen weiteren Bestandteil der Zeltkonstruktion bilden.

2. Mose 26,7–11

Die Decke aus Ziegenhaar und ihre Befestigung

Nachdem Gott die kunstvoll gewebten inneren Zeltbahnen beschrieben hat, folgen die Anweisungen für eine weitere Stofflage. Sie soll aus Ziegenhaar hergestellt und über der eigentlichen Wohnung angebracht werden. Anders als die inneren Bahnen, die mit kostbaren Farben und Cherubimdarstellungen gestaltet werden, erhält diese äußere Lage keine ausdrücklich vorgeschriebenen Verzierungen. Ihre Bedeutung liegt vor allem in ihrer Funktion als Bestandteil der schützenden Zeltkonstruktion. Gott bestimmt elf gleich große Bahnen, die zunächst in zwei Gruppen verbunden und anschließend durch fünfzig metallene Klammern zusammengefügt werden sollen. Damit entsteht eine zweite zusammenhängende Stofflage, die sich in Material, Abmessungen und Befestigung von der zuvor beschriebenen inneren Wohnung unterscheidet.

Vers 7 verwendet für die äußere Lage das hebräische Wort ohel, das gewöhnlich ein Zelt bezeichnet. Demgegenüber wurde die innere Wohnung in Vers 1 als mischkan beschrieben. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil der Text ausdrücklich anordnet, das Zelt aus Ziegenhaar über der Wohnung anzubringen. Es handelt sich also nicht um zwei unabhängig nebeneinander errichtete Gebäude, sondern um aufeinander bezogene Bestandteile derselben Stiftshütte. Die kunstvoll gestalteten inneren Bahnen gehören zur eigentlichen Wohnung, während die Ziegenhaarlage darüber angebracht wird. Der äußere Stoff übernimmt damit eine praktische Schutzfunktion. Zugleich bleibt er Teil des von Gott bestimmten Heiligtums, auch wenn seine Gestaltung schlichter ausfällt.

Ziegenhaar war als Material für Zeltgewebe gut geeignet. Daraus konnten feste, widerstandsfähige Stoffbahnen hergestellt werden, die sich für den Gebrauch im Freien eigneten. Der Text spricht deshalb nicht von unbearbeiteten Tierhäuten, sondern von Bahnen, die aus Ziegenhaar gefertigt werden sollten. Die genaue Webtechnik und die natürliche oder bearbeitete Farbe des Gewebes werden nicht genannt. Ebenso wenig erklärt Gott hier, welche besonderen Eigenschaften das Ziegenhaar gegenüber anderen Stoffen besitzen sollte. Aus dem praktischen Zusammenhang lässt sich jedoch gut verstehen, weshalb ein solches Material für die äußere Lage einer beweglichen Zeltkonstruktion verwendet wurde. Die Israeliten sollten die Stiftshütte während ihrer Wanderung wiederholt auf- und abbauen können. Dafür waren neben den kunstvollen inneren Stoffen auch widerstandsfähige äußere Materialien notwendig.

Vers 8 legt die Maße fest. Jede der elf Bahnen soll dreißig Ellen lang und vier Ellen breit sein. Alle elf müssen dieselbe Größe besitzen. Im Vergleich zu den inneren Bahnen aus Vers 2 fällt ein wichtiger Unterschied auf: Diese waren achtundzwanzig Ellen lang, während die Ziegenhaarbahnen zwei Ellen länger sein sollen. Auch ihre Anzahl unterscheidet sich. Für die innere Wohnung werden zehn Bahnen angeordnet, für die äußere Lage elf. Damit erhält die Ziegenhaardecke größere Gesamtabmessungen als die darunterliegende Stofflage. Die unterschiedlichen Maße sind also keine zufälligen Abweichungen, sondern gehören zur vorgesehenen Konstruktion. Wie das zusätzliche Material an Vorderseite, Rückseite und Seiten verteilt werden soll, wird in den folgenden Versen näher beschrieben. Eine genaue Dachform lässt sich aus den Zahlen allein noch nicht vollständig rekonstruieren.

In Vers 9 ordnet Gott an, zunächst fünf Bahnen miteinander zu verbinden und die übrigen sechs ebenfalls zusammenzufügen. Dadurch entstehen zwei größere Stoffgruppen, ähnlich wie bei den inneren Bahnen. Der Unterschied besteht darin, dass eine Gruppe nun sechs statt fünf Bahnen umfasst. Die sechste Bahn soll an der Vorderseite des Zeltes doppelt gelegt beziehungsweise umgeschlagen werden. Der hebräische Text verwendet hier eine Formulierung, die ausdrücklich das Falten bezeichnet. Damit wird deutlich, dass das zusätzliche Material nicht einfach in voller Länge über die übrigen Bahnen hinausreichen soll. Ein Teil wird an der Vorderseite umgelegt. Die genaue praktische Ausführung dieser Faltung lässt der Vers jedoch offen. Deshalb sollte weder eine bestimmte Größe des umgeschlagenen Abschnitts noch eine besondere Befestigungsweise als ausdrücklich überliefert dargestellt werden.

Die Anordnung der zusätzlichen Bahn ist für die gesamte Konstruktion bedeutsam. Die äußere Stofflage besitzt nicht nur größere Abmessungen, sondern wird auch anders zusammengesetzt als die innere. Das zeigt, dass die beiden Lagen nicht einfach deckungsgleich übereinanderliegen sollten. Vielmehr berücksichtigt Gott bei der äußeren Decke besondere Anforderungen an die Bedeckung des Zeltes. Die spätere Beschreibung der überhängenden Bahnen bestätigt diesen Zusammenhang. Allerdings sollte man aus der sechsten Bahn keine eigenständige geistliche Bedeutung ableiten, die im Text nicht erklärt wird. Dass sie umgeschlagen werden soll, ist eine konkrete bauliche Anweisung. Die Zahl sechs bezeichnet hier zunächst die Anzahl der Bahnen innerhalb einer Stoffgruppe und nicht ausdrücklich ein religiöses Symbol.

In Vers 10 wird die Verbindung der beiden großen Stoffgruppen vorbereitet. An den einander zugewandten Außenkanten sollen jeweils fünfzig Schlaufen angebracht werden. Diese Anordnung entspricht grundsätzlich der Verbindung der inneren Bahnen aus den Versen 4–5. Die Schlaufen müssen so angeordnet sein, dass die beiden Stoffgruppen gleichmäßig zusammengefügt werden können. Anders als bei den inneren Bahnen wird ihre Farbe jedoch nicht ausdrücklich genannt. Dort waren blaue Schlaufen vorgeschrieben worden. Bei der Ziegenhaardecke beschränkt sich der Text auf ihre Anzahl und Anordnung. Es wäre deshalb nicht gerechtfertigt, ohne weitere Begründung auch hier genau dieselbe Farbe vorauszusetzen. Der Bericht konzentriert sich auf die technische Verbindung der äußeren Stofflage.

Vers 11 ordnet schließlich fünfzig Klammern aus nechoschet an. Die Schlachter 1951 spricht von ehernen Klammern. Der hebräische Begriff kann Kupfer beziehungsweise ein kupferhaltiges Metall wie Bronze bezeichnen. Im Unterschied zu den goldenen Verbindungsklammern der inneren Wohnung wird für die äußere Ziegenhaardecke somit ein anderes Metall vorgeschrieben. Diese Unterscheidung gehört zur tatsächlichen Materialordnung der Stiftshütte. Der Text erklärt jedoch nicht, dass Gold und Kupfer hier jeweils eine bestimmte geistliche Eigenschaft darstellen sollen. Die Klammern erfüllen zunächst eine konkrete Aufgabe: Sie werden in die gegenüberliegenden Schlaufen eingefügt und verbinden die beiden Stoffgruppen miteinander. Wie schon bei den inneren Bahnen entsteht dadurch eine zusammenhängende Einheit.

Der abschließende Satz von Vers 11 betont ausdrücklich das Ergebnis dieser Verbindung: Das Zelt soll zu einem Ganzen werden. Damit erhält die aus elf Einzelbahnen bestehende Decke ihre vorgesehene Form. Besonders bemerkenswert ist, dass Gott nicht nur das Material und die Größe der Bahnen festlegt, sondern auch ihre Zusammenfügung. Die Einheit der Konstruktion entsteht durch sorgfältig aufeinander abgestimmte Einzelteile. Die späteren Ausführungsberichte in 2. Mose 36,14–18 bestätigen, dass die Arbeiter diese Anweisungen tatsächlich umsetzten. Sie fertigten elf Ziegenhaarbahnen an, verbanden sie in zwei Gruppen und verwendeten fünfzig eherne Klammern, um daraus ein zusammenhängendes Zelt herzustellen. Der Vergleich zeigt erneut, dass die Bauanweisungen konkrete handwerkliche Vorgaben waren und nicht lediglich symbolische Beschreibungen.

Die Verse 7–11 verdeutlichen somit, wie sorgfältig Gott auch die weniger auffälligen Bestandteile seines Heiligtums bestimmt. Die äußere Ziegenhaardecke besitzt keine ausdrücklich angeordneten Cherubimdarstellungen und wird nicht mit goldenen Klammern zusammengefügt. Trotzdem ist ihre Herstellung ebenso genau geregelt wie diejenige der kunstvollen inneren Bahnen. Beide Stofflagen haben unterschiedliche Aufgaben und gehören gemeinsam zur Stiftshütte. Die innere Wohnung wird durch kostbare Gestaltung ausgezeichnet, während die darüberliegende Decke zur schützenden Konstruktion beiträgt. In den folgenden Versen wird genauer erklärt, wie das zusätzliche Material über die Wohnung hinausragen soll und welche weiteren Schutzdecken darüber angebracht werden.

2. Mose 26,12–14

Die überhängenden Bahnen und schützenden Tierhäute

Nachdem Gott die Herstellung und Verbindung der Ziegenhaarbahnen angeordnet hat, erklärt er nun, wie das zusätzliche Material die Stiftshütte bedecken soll. Ein Teil der äußeren Zeltdecke wird über die Rückseite gelegt, während an beiden Längsseiten jeweils eine Elle über die darunterliegende Wohnung hinausragt. Darüber sollen zwei weitere Schutzdecken angebracht werden: eine aus rot gefärbten Widderfellen und eine aus einem besonderen Ledermaterial, das im Hebräischen tachash genannt wird. Die Anweisungen ergänzen damit die zuvor beschriebene kunstvolle Innenausstattung um den äußeren Schutz der Wohnung. Die verschiedenen Lagen erfüllen unterschiedliche Aufgaben, gehören aber gemeinsam zu dem Heiligtum, das Gott mitten unter seinem Volk errichten lässt.

Vers 12 bezieht sich auf das überschüssige Material der Ziegenhaardecke. Anders als die innere Wohnung besteht diese aus elf statt zehn Bahnen. Jede Bahn besitzt eine Breite von vier Ellen. In Vers 9 hatte Gott angeordnet, die sechste Bahn an der Vorderseite des Zeltes doppelt zu legen. Nun wird erklärt, dass die verbleibende halbe Bahn an der Rückseite der Wohnung überhängen soll. Bei der üblichen Rekonstruktion entspricht dieser zusätzliche Abschnitt einer Stoffbreite von zwei Ellen. Allerdings ist die genaue Verteilung des Materials nicht vollkommen eindeutig. Besonders die Frage, wie die umgeschlagene Bahn an der Vorderseite mit dem Überhang an der Rückseite zusammenhängt, wird unterschiedlich beantwortet. Der Bibeltext beschreibt den vorgesehenen Überschuss, liefert jedoch keine vollständige Zeichnung der Faltung oder Befestigung.

Die hebräische Formulierung für das Überhängen enthält das Verb sarach, das hier ein freies Herabhängen beziehungsweise Überstehen bezeichnet. Der Ausdruck muss nicht bedeuten, dass das betreffende Stoffstück lose und völlig unbefestigt herunterhing. Vielmehr wird beschrieben, dass ein Teil der Zeltdecke über die darunterliegende Wohnung hinausragen sollte. Wie dieser Abschnitt gespannt oder befestigt wurde, bleibt offen. Die Rückseite der Stiftshütte erhält dadurch eine zusätzliche Bedeckung. Das ist besonders im Zusammenhang mit den anschließenden Versen verständlich, die ebenfalls den Schutz der Wohnung betreffen. Dennoch wäre es ungenau, die exakte Dachneigung, den Abstand des Stoffes vom Boden oder eine bestimmte Art der Befestigung als ausdrücklich überlieferte Tatsachen darzustellen.

Vers 13 beschreibt einen weiteren Unterschied zwischen der inneren und der äußeren Stofflage. Die inneren Bahnen sind achtundzwanzig Ellen lang, während die Ziegenhaarbahnen dreißig Ellen messen. Der zusätzliche Stoff soll auf beiden Seiten der Stiftshütte jeweils eine Elle überhängen. Die beiden Ellen, um welche die äußeren Bahnen länger sind, werden somit gleichmäßig auf die Seiten verteilt. Der Zweck wird ausdrücklich genannt: Die äußere Lage soll die Wohnung bedecken. Diese Aussage verdeutlicht, weshalb die unterschiedlichen Maße wichtig sind. Sie sind nicht lediglich Zahlen innerhalb einer kunstvollen Bauordnung, sondern ermöglichen eine gezielte Bedeckung der darunterliegenden Konstruktion. Die Ziegenhaardecke besitzt dadurch eine praktische Schutzfunktion.

Die Beschreibungen in den Versen 12 und 13 zeigen außerdem, dass die Stiftshütte als zusammenhängende Konstruktion verstanden werden muss. Die inneren Bahnen, die äußere Ziegenhaardecke und die später beschriebenen Holzwände lassen sich nicht unabhängig voneinander rekonstruieren. Ihre Maße stehen in einem erkennbaren Zusammenhang. Dennoch bleibt die vollständige räumliche Anordnung schwierig, weil der Text einzelne Voraussetzungen nicht ausdrücklich erläutert. Besonders die genaue Stellung der Holzwände und die Frage, wie weit die verschiedenen Stofflagen an den Seiten und an der Rückseite herabreichten, beeinflussen die möglichen Rekonstruktionen. Deshalb ist zwischen den ausdrücklich genannten Maßen und einer daraus entwickelten dreidimensionalen Darstellung zu unterscheiden. Die Maße sind Teil des Bibeltextes; die genaue zeichnerische Umsetzung enthält zusätzliche Annahmen.

In Vers 14 folgen zwei weitere Decken. Die erste soll aus rot gefärbten Widderfellen bestehen. Der hebräische Ausdruck ʿorot elim meʾoddamim bezeichnet Widderhäute, die gerötet beziehungsweise rot gemacht wurden. Die Formulierung spricht eher für bearbeitetes und gefärbtes Leder als für eine bloß natürliche Fellfarbe. Welche Farbstoffe oder Gerbverfahren verwendet wurden, berichtet der Text nicht. Sicher ist dagegen, dass es sich um eine besondere Lederschicht handelt, die über dem Ziegenhaarzelt angebracht werden soll. Anders als bei den gewebten Stoffbahnen werden weder eine bestimmte Anzahl von Einzelstücken noch ihre Maße genannt. Deshalb lässt sich nicht feststellen, wie die Tierhäute im Einzelnen zugeschnitten und miteinander verbunden wurden.

Darüber soll eine weitere Decke aus tachash angebracht werden. Die Schlachter 1951 verwendet dafür die Bezeichnung „Seehundsfelle“. Die genaue Bedeutung des hebräischen Wortes ist jedoch umstritten. Vorgeschlagen wurden verschiedene Tierhäute, darunter Seehund- und Seekuhleder, aber auch eine Bezeichnung für besonders bearbeitetes oder gefärbtes Leder. Die griechische Septuaginta verwendet einen Ausdruck, der mit einer bläulich-hyazinthfarbenen Lederart verbunden ist. Damit zeigt sich, dass bereits die antiken Übersetzungstraditionen das Material unterschiedlich verstanden. Aus dem biblischen Wort allein lässt sich deshalb keine bestimmte Tierart sicher nachweisen. Für die Auslegung genügt die Feststellung, dass Gott eine zusätzliche äußere Schutzdecke aus einem besonderen Ledermaterial anordnet.

Die beiden Lederdecken dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Der Text nennt ausdrücklich zuerst die geröteten Widderfelle und danach die darüberliegende Decke aus tachash. Zusammen mit den bereits beschriebenen Leinen- und Ziegenhaarbahnen ergeben sich somit vier unterscheidbare textile beziehungsweise lederne Lagen. Die kostbar gestalteten inneren Bahnen bilden die dem Heiligtum zugeordnete Innenausstattung, während die darüberliegenden Materialien die Wohnung zusätzlich bedecken. Es ist naheliegend, darin auch einen Schutz gegen äußere Witterungseinflüsse zu erkennen. Eine genaue Aussage über die Wasserdichtigkeit, die verwendeten Nähte oder die Haltbarkeit jeder einzelnen Lage enthält der Text jedoch nicht. Ebenso wenig werden den vier Schichten ausdrücklich vier verschiedene geistliche Bedeutungen zugeordnet. Ihre konkrete Aufgabe innerhalb der Stiftshütte sollte deshalb nicht durch unbelegte Symboldeutungen verdrängt werden.

Die Verse 12–14 ergänzen damit das Bild eines Heiligtums, das sowohl kunstvoll gestaltet als auch für den tatsächlichen Gebrauch während der Wüstenwanderung vorbereitet werden soll. Die wertvollen inneren Stoffe mit ihren Cherubimdarstellungen stehen nicht im Gegensatz zu den widerstandsfähigen äußeren Materialien. Beide gehören zur von Gott bestimmten Wohnung. Ihre unterschiedlichen Aufgaben zeigen, dass bei der Errichtung des Heiligtums nicht allein der sichtbare Schmuck, sondern auch die praktische Ausführung sorgfältig bedacht wird. Nachdem die verschiedenen Stoff- und Lederschichten beschrieben sind, folgen nun die Anweisungen für die tragende Holzkonstruktion. Sie soll der Wohnung ihre feste Form geben und die zuvor angeordneten Decken aufnehmen.

2. Mose 26,15–19

Die aufrechten Holzbauteile und ihre silbernen Sockel

Nachdem Gott die verschiedenen Zeltbahnen und Schutzdecken beschrieben hat, folgen nun die Anweisungen für die tragende Konstruktion der Stiftshütte. Sie soll aus aufrecht stehenden Bauteilen aus Akazienholz bestehen, die nach einheitlichen Maßen angefertigt werden. Jedes dieser Elemente erhält zwei Zapfen, mit denen es in silbernen Sockeln befestigt werden kann. Für die südliche Längsseite werden zwanzig Bauteile und vierzig Sockel vorgeschrieben. Damit erhält die bisher beschriebene textile Wohnung eine feste Konstruktion, an der ihre verschiedenen Stofflagen angebracht werden können. Die Anweisungen zeigen, dass das Heiligtum nicht nur kunstvoll gestaltet, sondern auch als tatsächlich nutzbares und wiederholt aufzubauendes Gebäude geplant ist.

Vers 15 verwendet für die hölzernen Bauteile das hebräische Wort qeraschim, das die Schlachter 1951 mit „Bretter“ übersetzt. Diese Wiedergabe entspricht der traditionellen Vorstellung von festen, nebeneinanderstehenden Holzwänden. Allerdings ist die genaue konstruktive Bedeutung des Wortes umstritten. Einige Ausleger verstehen darunter massive Bretter, andere halten offene, rahmenartige Holzelemente für möglich. Beide Erklärungen versuchen, die Maße, die später genannten Verbindungsriegel und die darüberliegenden Stoffbahnen miteinander in Einklang zu bringen. Der Text sagt ausdrücklich, dass die Bauteile aufrecht stehen sollen, beschreibt jedoch nicht ihre Dicke und auch nicht, ob die gesamte angegebene Breite aus einer geschlossenen Holzfläche bestand. Deshalb lässt sich ihre tatsächliche Form nicht vollständig rekonstruieren. Die Bezeichnung „Holzbauteile“ ist für die Erklärung angemessen, ohne die traditionelle Übersetzung „Bretter“ grundsätzlich auszuschließen.

Als Material schreibt Gott Akazienholz vor. Bereits bei der Bundeslade und dem Schaubrottisch war dieses Holz verwendet worden (2. Mose 25,10.23). Es begegnet somit erneut als wichtiger Werkstoff für das Heiligtum. Der Text erläutert nicht, weshalb gerade dieses Holz ausgewählt wurde. Akazienarten kommen jedoch auch in trockenen Regionen vor und können widerstandsfähiges Holz liefern. Die Verwendung eines solchen Materials ist für eine bewegliche Zeltkonstruktion gut nachvollziehbar. Dennoch sollte die praktische Eignung nicht mit einer ausdrücklich offenbarten symbolischen Bedeutung verwechselt werden. Ebenso wenig lässt sich aus dem Wortlaut sicher bestimmen, welche botanische Akazienart verwendet wurde. Entscheidend ist zunächst, dass Gott den Werkstoff festlegt und dadurch eine einheitliche Herstellung der verschiedenen Bauteile ermöglicht.

Vers 16 bestimmt die Größe jedes Elements. Es soll zehn Ellen lang und anderthalb Ellen breit sein. Bei einer angenommenen Ellenlänge von ungefähr 45 Zentimetern entspricht dies einer Länge von etwa 4,5 Metern und einer Breite von rund 67,5 Zentimetern. Diese Umrechnung dient lediglich der Veranschaulichung, da die genaue historische Ellenlänge nicht für jede Zeit und jeden Zusammenhang mit letzter Sicherheit bestimmt werden kann. Die ausdrücklich vorgeschriebenen Maße bleiben daher die biblischen Angaben. Weil alle Bauteile dieselbe Höhe und Breite erhalten, können sie nach einer gemeinsamen Bauordnung aufgestellt werden. Auffällig ist, dass keine bestimmte Dicke genannt wird. Gerade diese fehlende Angabe erschwert die Entscheidung, ob vollständig massive Bretter oder eine andere tragende Konstruktion gemeint sind. Bei einer dreidimensionalen Darstellung muss deshalb zwischen den überlieferten Maßen und ergänzenden bautechnischen Annahmen unterschieden werden.

In Vers 17 wird erklärt, wie die Bauteile an ihrem unteren Ende befestigt werden sollen. Jedes erhält zwei Zapfen, die einander gegenüberstehen beziehungsweise passend angeordnet sind. Das hebräische Wort jadot bedeutet wörtlich „Hände“, bezeichnet in diesem Zusammenhang jedoch die hervorstehenden Verbindungsteile des Holzes. Die Formulierung über ihre gegenseitige Anordnung ist nicht in allen Einzelheiten eindeutig. Der Zusammenhang mit Vers 19 macht aber deutlich, dass jedem Bauteil zwei silberne Sockel zugeordnet werden, in welche die Zapfen eingesetzt werden können. Die Zapfen gehören somit zu einem einheitlichen Befestigungssystem. Wie lang oder breit sie waren und wie die Aussparungen der Sockel genau aussahen, wird nicht beschrieben. Sicher ist die vorgeschriebene Verbindung zwischen Holz und Silber. Sie unterscheidet sich von einer Konstruktion, bei der die Holzelemente ohne erkennbare Befestigung einfach auf dem Boden stehen würden.

Vers 18 legt die Anzahl der Bauteile für die südliche Längsseite fest. Dort sollen zwanzig aufrecht stehende Elemente angeordnet werden. Die Schlachter 1951 spricht von der Seite „gegen Mittag, südwärts“. Diese Formulierung entspricht dem hebräischen Sprachgebrauch, in dem die Himmelsrichtung Süden mit der Mittagsrichtung verbunden werden kann. Die Beschreibung legt die Orientierung der Stiftshütte eindeutig fest. Werden zwanzig Elemente mit jeweils anderthalb Ellen Breite ohne Abstände nebeneinandergestellt, ergibt sich rechnerisch eine Länge von dreißig Ellen. Diese Zahl passt zur verbreiteten Rekonstruktion der Stiftshütte. Allerdings hängt die exakte äußere Länge auch davon ab, wie die einzelnen Bauteile miteinander verbunden waren und ob ihre Breiten vollständig zur Wandlänge beitrugen. Die Anzahl und Einzelmaße sind ausdrücklich angegeben; die vollständige technische Konstruktion bleibt teilweise offen.

Vers 19 ergänzt, dass für die zwanzig Bauteile insgesamt vierzig silberne Sockel angefertigt werden sollen. Unter jedes Element gehören zwei Sockel, einer für jeden Zapfen. Die Zuordnung wird im Vers wiederholt und lässt deshalb keinen Zweifel an der grundlegenden Anordnung. Das hebräische Wort adanim bezeichnet hier die tragenden Fußstücke beziehungsweise Sockel. Ihre Aufgabe besteht darin, die aufrecht stehenden Holzelemente aufzunehmen. Die genaue äußere Form und die Art ihrer Auflage auf dem Untergrund werden nicht beschrieben. Später berichtet 2. Mose 38,27, dass für die hundert silbernen Sockel des Heiligtums und des inneren Vorhangs jeweils ein Talent Silber verwendet wurde. Damit zeigt sich, dass die Sockel keineswegs unbedeutende Kleinteile waren. Sie gehörten zu den besonders materialaufwendigen Bestandteilen der Konstruktion. Die entsprechende Gewichtsangabe ist jedoch erst im späteren Ausführungsbericht enthalten und sollte nicht mit einer hier ausdrücklich genannten Maßvorschrift verwechselt werden.

Die Verbindung zwischen den aufrechten Holzelementen und ihren silbernen Sockeln ist auch für den späteren Aufbau und Transport der Stiftshütte bedeutsam. Nach 4. Mose 4,29–33 wird der Transport der Bretter, Riegel, Säulen und Sockel den Meraritern zugewiesen. Das bestätigt, dass diese Teile zur beweglichen Ausstattung des Heiligtums gehörten und bei einem Ortswechsel mitgeführt werden mussten. Die Stiftshütte sollte also trotz ihrer festen Konstruktion kein dauerhaft am Sinai verbleibendes Gebäude sein. Sie war für die Wanderung Israels vorgesehen und konnte nach Gottes Anweisung erneut errichtet werden. Die genaue Reihenfolge sämtlicher Aufbauarbeiten wird in 2. Mose 26,15–19 noch nicht beschrieben. Erst spätere Berichte ergänzen, wie die einzelnen Bestandteile bei der tatsächlichen Errichtung zusammengefügt wurden.

Die Verse 15–19 verdeutlichen, dass Gott auch die tragenden und weniger sichtbaren Bestandteile seines Heiligtums sorgfältig bestimmt. Die Schönheit der inneren Bahnen allein hätte nicht genügt, um eine dauerhaft nutzbare Wohnung herzustellen. Ebenso notwendig waren passende Holzelemente, sichere Verbindungen und tragfähige Sockel. Aus dieser Beobachtung lässt sich ableiten, dass bei einem von Gott gegebenen Auftrag nicht nur die sichtbaren Ergebnisse, sondern auch die zuverlässige Ausführung der notwendigen Grundlagen Bedeutung besitzt. Der Text selbst bleibt dabei eine konkrete Bauanweisung und verlangt keine besondere Symboldeutung der Holzmaße oder der Zahl der Sockel. Nachdem die südliche Längsseite beschrieben wurde, folgen nun die nördliche Seite und die westliche Rückwand mit ihren besonderen Eckverbindungen.

2. Mose 26,20–25

Die Seitenwände und die besonderen Eckverbindungen

Nachdem Gott die zwanzig Holzbauteile und vierzig silbernen Sockel für die südliche Längsseite der Stiftshütte bestimmt hat, folgen nun die Anweisungen für die nördliche Seite und die westliche Rückwand. Die Nordseite soll ebenso aufgebaut werden wie die Südseite. Für die Rückwand werden dagegen sechs Bauteile und zwei zusätzliche Eckstücke vorgeschrieben. Besonders die Verbindung dieser Eckstücke wird genauer beschrieben, wobei der hebräische Wortlaut einige technische Fragen offenlässt. Insgesamt entsteht eine geordnete Konstruktion, deren einzelne Teile aufeinander abgestimmt sein müssen, damit sie zusammen die tragende Einfassung der Stiftshütte bilden können.

Vers 20 ordnet für die nördliche Längsseite ebenfalls zwanzig aufrecht stehende Holzbauteile an. Die Schlachter 1951 bezeichnet diese Richtung als „gegen Mitternacht“. Gemeint ist damit Norden, entsprechend der bereits genannten südlichen Seite, die als Mittagsrichtung beschrieben wurde. Beide Längsseiten sollen also dieselbe Anzahl von Bauteilen erhalten. Da nach Vers 16 jedes Element zehn Ellen lang und anderthalb Ellen breit sein soll, entsteht eine grundsätzlich symmetrische Konstruktion. Bei einer lückenlosen Anordnung von zwanzig Elementen mit jeweils anderthalb Ellen Breite ergibt sich rechnerisch eine Länge von dreißig Ellen pro Seite. Diese Berechnung entspricht der üblichen Rekonstruktion. Allerdings beschreibt der Text nicht vollständig, wie die Elemente aneinandergefügt wurden. Auch hier bleibt offen, ob massive Bretter oder eine rahmenartige Bauweise gemeint sind. Die Anzahl, die Maße und die aufrechte Stellung sind dagegen ausdrücklich festgelegt.

Vers 21 ergänzt die vierzig silbernen Sockel für die Nordseite. Wie bei der Südseite sollen jeweils zwei Sockel unter einem Holzbauteil stehen. Damit ist die Befestigungsordnung auf beiden Längsseiten identisch. Zusammengenommen werden für die vierzig Bauteile der Nord- und Südseite achtzig silberne Sockel benötigt. Die wiederholte Anweisung zeigt, dass die aufrechten Elemente nicht nur nebeneinander aufgestellt werden sollen, sondern jeweils eine bestimmte Verbindung mit ihrem Unterbau besitzen. Die in Vers 17 genannten Zapfen gehören zu dieser Konstruktion. Die genaue Form der Sockel und ihre Verbindung mit dem Untergrund werden weiterhin nicht erläutert. Dennoch ist ihre tragende Funktion deutlich. Die Stabilität des Heiligtums hängt nicht allein von den sichtbaren Holzwänden ab, sondern ebenso von den sorgfältig angefertigten Bauteilen, auf denen sie stehen.

In Vers 22 richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Rückseite der Stiftshütte. Sie befindet sich im Westen und wird in der Schlachter 1951 als Seite „gegen Abend“ bezeichnet. Diese Richtungsangabe entspricht der Stellung der Sonne am Abend. Für die westliche Rückwand werden zunächst sechs Holzbauteile vorgeschrieben. Ihre Anzahl unterscheidet sich damit deutlich von den zwanzig Elementen jeder Längsseite. Das ist verständlich, weil die Rückseite die beiden langen Seiten miteinander verbinden soll und deshalb eine andere Breite besitzt. Sechs Elemente von jeweils anderthalb Ellen ergeben rechnerisch neun Ellen. Diese Rechnung beschreibt jedoch noch nicht die vollständige Breite der Rückwand, denn in den folgenden Versen werden zwei besondere Eckstücke ergänzt. Wie deren Breite in die gesamte Konstruktion einbezogen werden muss, ist nicht vollständig geklärt.

Vers 23 ordnet zwei weitere Bauteile für die beiden hinteren Ecken an. Gemeint sind die nordwestliche und die südwestliche Ecke der Stiftshütte. Die sechs zuvor genannten Elemente werden also durch insgesamt zwei zusätzliche Eckstücke ergänzt, nicht durch zwei weitere Bauteile an jeder Ecke. Damit erhält die westliche Seite insgesamt acht Elemente. Die besondere Erwähnung der Eckstücke zeigt, dass die Verbindung zwischen den Längsseiten und der Rückwand eine eigene konstruktive Lösung benötigt. Es genügt offenbar nicht, die beiden Seitenwände und die Rückwand lediglich ohne weitere Verbindung nebeneinanderzustellen. Allerdings gibt der Text noch keine vollständige Erklärung, wie diese Verbindung technisch hergestellt werden soll. Erst Vers 24 ergänzt Hinweise auf die besondere Ausführung der Eckstücke.

Vers 24 gehört zu den schwierigsten technischen Beschreibungen des Kapitels. Die Schlachter 1951 erklärt, dass die Eckstücke von unten an doppelt sein und sich oben mit einem Ring zusammenfügen sollen. Der hebräische Wortlaut ist jedoch nicht vollständig eindeutig. Das Wort toʾamim beschreibt offenbar eine paarweise oder doppelte Anordnung. Ein weiteres Wort, tammim, kann dagegen „vollständig“ oder „ganz“ bedeuten. Weil beide Ausdrücke einander sprachlich ähneln, wurde auch erwogen, ob ursprünglich an beiden Stellen dieselbe Formulierung stand. Hinzu kommt die Erwähnung eines Ringes am oberen Ende der Konstruktion. Sicher ist, dass die beiden Ecken eine besondere Verbindung erhalten sollen. Wie genau die Holzelemente dafür zugeschnitten, verdoppelt oder zusammengefügt wurden, lässt sich aus dem erhaltenen Text nicht zweifelsfrei bestimmen.

Für die Auslegung sind besonders zwei Rekonstruktionsmöglichkeiten wichtig. Nach einer Erklärung sollen die Eckstücke jeweils zusammen mit benachbarten Bauteilen der Rückwand eine verstärkte Verbindung bilden. Eine andere Deutung versteht sie als besonders geformte beziehungsweise doppelt ausgeführte Eckelemente, die den Übergang zwischen den Längsseiten und der Rückwand ermöglichen. Beide Vorstellungen versuchen, die Angaben über die doppelte Ausführung und den oberen Ring miteinander zu verbinden. Der Text entscheidet jedoch nicht eindeutig zwischen ihnen. Ebenso wenig beschreibt er den genauen Querschnitt der Eckverbindung. Deshalb wäre es unbegründet, eine bestimmte moderne Zeichnung der Stiftshütte als zweifelsfrei überlieferte Bauform zu präsentieren. Entscheidend ist, dass Gott an beiden hinteren Ecken eine besondere Verbindung anordnet, durch welche die einzelnen Wandteile zu einer zusammenhängenden Konstruktion gehören.

Vers 25 fasst die Anordnung der Rückwand zusammen. Sie soll insgesamt acht Holzbauteile besitzen, die auf sechzehn silbernen Sockeln stehen. Wie bei den Längsseiten gehören also zwei Sockel unter jedes Element. Damit lässt sich nun die Gesamtzahl der bisher beschriebenen Wandteile bestimmen: zwanzig auf der Südseite, zwanzig auf der Nordseite und acht an der westlichen Rückseite. Das ergibt achtundvierzig Holzbauteile und sechsundneunzig silberne Sockel. Diese Zahlen ergeben sich unmittelbar aus den vorgegebenen Einzelangaben. Die vier zusätzlichen silbernen Sockel, die später für die Säulen des inneren Vorhangs benötigt werden, gehören nicht zu den hier beschriebenen Wandbauteilen. Zusammen mit ihnen ergibt sich die in 2. Mose 38,27 genannte Zahl von hundert silbernen Sockeln. Die Übereinstimmung zeigt, dass die Anweisungen für die Herstellung der Stiftshütte mit dem späteren Bericht über die tatsächlich verwendeten Materialien zusammenhängen.

Auch die unterschiedliche Gestaltung der Himmelsrichtungen ist bedeutsam. Norden und Süden erhalten gleich lange Seitenwände, während die Westseite durch die besondere Rückwand abgeschlossen wird. An der östlichen Vorderseite wird dagegen keine entsprechende Holzwand vorgeschrieben. Dort soll später ein Eingangsvorhang an fünf Säulen angebracht werden (2. Mose 26,36–37). Die Stiftshütte erhält somit eine feste räumliche Ausrichtung mit einem vorgesehenen Zugang. Diese Anordnung ist eine konkrete bauliche Bestimmung und nicht nur eine allgemeine Beschreibung eines geschlossenen Zeltes. Dennoch erklärt der Text hier nicht, dass jede Himmelsrichtung eine eigenständige geistliche Bedeutung verkörpert. Eine solche Zuordnung wäre eine zusätzliche Deutung, die aus den vorliegenden Versen nicht unmittelbar hervorgeht.

Die spätere Herstellung der Bauteile wird in 2. Mose 36,23–30 berichtet. Dort werden die zwanzig Elemente für jede Längsseite sowie die sechs rückwärtigen Elemente und die beiden Eckstücke erneut genannt. Ebenso bestätigt der Bericht die Zahl der silbernen Sockel. Damit wird deutlich, dass die Anweisungen aus Kapitel 26 tatsächlich in die Herstellung des Heiligtums einflossen. Die Eckverbindungen bleiben auch im Ausführungsbericht sprachlich schwierig, weil dort im Wesentlichen dieselbe Beschreibung wiederholt wird. Der spätere Bericht beseitigt also nicht alle heutigen Fragen zur genauen Bauform. Er bestätigt jedoch die verbindliche Anzahl und Anordnung der Bauteile.

Die Verse 20–25 zeigen damit, wie sorgfältig Gott die räumliche Ordnung der Stiftshütte bestimmt. Die beiden Längsseiten entsprechen einander, während die Rückwand durch besondere Eckstücke ergänzt wird. Alle Bauteile erhalten die vorgesehenen silbernen Sockel. Ihre gemeinsame Aufgabe besteht darin, eine zusammenhängende und tragfähige Konstruktion zu bilden. Dabei sollte die Erklärung zwischen den ausdrücklich überlieferten Bauvorschriften und möglichen historischen Rekonstruktionen unterscheiden. Nicht jede technische Einzelheit ist heute geklärt, doch der grundlegende Aufbau bleibt deutlich erkennbar. Nachdem die Anordnung der Holzbauteile beschrieben wurde, folgen nun die Riegel und Ringe, durch welche die einzelnen Elemente miteinander verbunden und zusätzlich befestigt werden sollen.

2. Mose 26,26–30

Die verbindenden Riegel und Gottes Bauordnung

Nachdem Gott die aufrecht stehenden Holzbauteile und ihre silbernen Sockel bestimmt hat, folgen die Anweisungen für ihre Verbindung. Die einzelnen Elemente sollen durch Riegel aus Akazienholz zusammengehalten werden. Für jede der beiden Längsseiten und die westliche Rückwand sind fünf Riegel vorgesehen. Besonders hervorgehoben wird der mittlere Riegel, der von einem Ende der jeweiligen Wand bis zum anderen reichen soll. Die Holzelemente und Riegel müssen mit Gold überzogen werden, während goldene Ringe zur Aufnahme der Riegel dienen. Abschließend erinnert Gott Mose daran, die gesamte Wohnung nach der Ordnung aufzurichten, die er ihm auf dem Berg gezeigt hat. Damit wird deutlich, dass nicht nur die einzelnen Bestandteile, sondern auch ihr Zusammenwirken zur offenbarten Bauordnung gehört.

Vers 26 schreibt zunächst fünf Riegel aus Akazienholz für eine Längsseite der Stiftshütte vor. Das hebräische Wort berichim bezeichnet Riegel oder Querhölzer, die zur Verbindung und Sicherung einer Konstruktion dienen. Der Begriff wird auch für die Verschlussriegel von Toren verwendet, beispielsweise in Richter 16,3 und Nehemia 3,3. Im vorliegenden Zusammenhang sollen die Riegel die bereits beschriebenen aufrechten Holzbauteile miteinander verbinden. Die silbernen Sockel nehmen die unteren Zapfen dieser Elemente auf, während die Riegel dafür sorgen, dass die Bauteile nicht unabhängig voneinander stehen. Auf diese Weise erhält die Konstruktion zusätzlichen Zusammenhalt. Der Text beschreibt damit ein durchdachtes Befestigungssystem, ohne sämtliche handwerklichen Einzelheiten seiner Herstellung zu erläutern.

Vers 27 ergänzt die übrigen beiden Seiten. Auch die gegenüberliegende Längsseite soll fünf Riegel erhalten, ebenso die westliche Rückwand. Insgesamt werden somit fünfzehn Riegel angeordnet. Diese Zahl ergibt sich unmittelbar aus den drei ausdrücklich genannten Gruppen. Eine entsprechende Gruppe für die östliche Vorderseite wird nicht vorgeschrieben, weil dort später ein Eingangsvorhang an fünf Säulen angebracht werden soll (2. Mose 26,36–37). Die Verteilung der Riegel entspricht also der zuvor beschriebenen Anordnung der Holzwände. Allerdings erklärt der Text noch nicht, auf welcher Höhe jeder einzelne Riegel angebracht werden soll. Auch ihre genauen Längen werden mit Ausnahme des mittleren Riegels nicht ausdrücklich festgelegt. Die grundlegende Funktion und Anzahl sind eindeutig, während die vollständige räumliche Anordnung teilweise rekonstruiert werden muss.

Vers 28 hebt den mittleren Riegel hervor. Er soll von einem Ende bis zum anderen durch die Mitte der Holzbauteile verlaufen. Die Schlachter 1951 formuliert, dass dieser Riegel „inwendig durch die Bretter hindurchgehen“ soll. Der hebräische Ausdruck betoch haqqeraschim lässt sich entsprechend als „inmitten der Bretter“ beziehungsweise „durch die Mitte der Bretter“ verstehen. Dabei bleibt eine technische Frage offen: Führte der Riegel tatsächlich durch Öffnungen im Holz, oder verlief er entlang der mittleren Höhe der Wand und wurde dort durch Ringe gehalten? Beide Vorstellungen sind in der Auslegung vertreten worden. Vers 29 erwähnt ausdrücklich goldene Ringe zur Aufnahme der Riegel. Ob der mittlere Riegel zusätzlich durch das Holz selbst geführt wurde, lässt sich daraus allein nicht zweifelsfrei entscheiden.

Die besondere Länge des mittleren Riegels unterscheidet ihn von den übrigen Riegeln. Während die fünf Riegel jeder Wand ausdrücklich genannt werden, wird nur für den mittleren vorgeschrieben, dass er die gesamte Strecke von einem Ende zum anderen überbrücken soll. Daraus ergibt sich die verbreitete Rekonstruktion, dass die übrigen vier Riegel kürzer waren. Häufig werden zwei kürzere Riegel im oberen und zwei im unteren Bereich angenommen, die jeweils ungefähr die halbe Wandlänge abdecken. Zusammen mit dem durchgehenden mittleren Riegel entstehen dadurch drei horizontale Verbindungsebenen. Diese Anordnung ist technisch nachvollziehbar, wird im Bibeltext jedoch nicht in sämtlichen Einzelheiten beschrieben. Sie sollte deshalb als mögliche Rekonstruktion und nicht als ausdrücklich überlieferter Bauplan behandelt werden.

Vers 29 bestimmt die Materialien der sichtbaren Verbindungselemente. Die aufrechten Holzbauteile sollen mit Gold überzogen werden. Ebenso müssen die Riegel eine Goldverkleidung erhalten. Für die Ringe, durch welche die Riegel geführt werden, wird ebenfalls Gold vorgeschrieben. Damit ergänzt Gott die bereits genannten Holzelemente und silbernen Sockel um weitere Bestandteile aus kostbarem Metall. Auffällig ist, dass die eigentlichen Riegel weiterhin aus Akazienholz bestehen und lediglich mit Gold überzogen werden sollen. Sie sind also nicht vollständig aus massivem Gold gefertigt. Der Text unterscheidet sorgfältig zwischen dem tragenden Holz und seiner metallenen Verkleidung. Die Ringe haben dabei eine konkrete Aufgabe: Sie dienen als Halterungen für die Riegel. Ihre genaue Anzahl und Form werden allerdings nicht genannt.

Die goldene Verkleidung verbindet die tragende Konstruktion gestalterisch mit den zuvor beschriebenen Gegenständen des Heiligtums. Auch die Bundeslade und der Schaubrottisch bestehen aus Akazienholz, das mit Gold überzogen wird (2. Mose 25,10–11.23–24). Dennoch ist Vorsicht geboten, wenn aus jedem verwendeten Material eine eigene geistliche Bedeutung abgeleitet werden soll. Der Text erklärt nicht, dass das Akazienholz die menschliche Natur und das Gold die göttliche Natur darstellen müsse. Ebenso wenig werden die fünf Riegel jeder Wand ausdrücklich mit bestimmten geistlichen Eigenschaften verbunden. Solche Deutungen gehen über die vorliegenden Aussagen hinaus. Die unmittelbar erkennbare Bedeutung besteht darin, dass Gott eine stabile, sorgfältig angefertigte und kostbar ausgestattete Konstruktion für seine Wohnung bestimmt hat.

Vers 30 schließt diesen Abschnitt mit einer Anweisung, die über die Herstellung einzelner Bauteile hinausgeht. Mose soll die Wohnung nach der Ordnung aufrichten, die ihm auf dem Berg gezeigt worden ist. Das hebräische Wort mischpat bezeichnet hier die vorgeschriebene Ordnung beziehungsweise Ausführung. In 2. Mose 25,9.40 wird dagegen das Wort tavnit verwendet, das stärker den Gedanken einer Vorlage oder eines Musters ausdrückt. Die verschiedenen Begriffe widersprechen einander nicht, sondern ergänzen die Aussage: Gott hat Mose gezeigt, wie das Heiligtum gestaltet und errichtet werden soll. Mose soll sich bei der tatsächlichen Umsetzung daran halten. Damit erhält nicht nur die Auswahl der Materialien, sondern auch das Zusammenfügen und Aufrichten der Wohnung eine verbindliche Grundlage.

Die spätere Ausführung wird in 2. Mose 36,31–34 bestätigt. Dort fertigen die Handwerker die fünfzehn Riegel aus Akazienholz an, überziehen sie mit Gold und stellen die goldenen Ringe her. In 2. Mose 40,18 wird schließlich berichtet, dass Mose die Wohnung aufrichtete, ihre Sockel setzte, die Bauteile aufstellte und die Riegel anbrachte. Zwischen dem Auftrag und seiner Ausführung besteht somit ein erkennbarer Zusammenhang. Die Bauanweisungen aus Kapitel 26 sollen nicht lediglich eine Vorstellung des Heiligtums vermitteln, sondern tatsächlich umgesetzt werden. Dass bestimmte technische Einzelheiten heute nicht vollständig rekonstruierbar sind, ändert nichts daran, dass die damaligen Arbeiter nach den ihnen übermittelten Anweisungen handeln sollten.

Die Verse 26–30 zeigen damit, dass die Stabilität der Stiftshütte aus dem Zusammenwirken ihrer einzelnen Bestandteile entsteht. Die Sockel tragen die Holzelemente, die Riegel verbinden sie, und die goldenen Ringe halten die Verbindungen an ihrem vorgesehenen Platz. Das Kapitel betont sowohl die sorgfältige handwerkliche Ausführung als auch die Verbindlichkeit der göttlichen Bauordnung. Die geistliche Bedeutung sollte dabei nicht in unbelegten Zahlensymbolen oder Materialdeutungen gesucht werden. Entscheidend ist zunächst, dass Gottes Heiligtum nach seinen Anweisungen als zusammenhängende Wohnung errichtet werden soll. Nachdem die äußere Konstruktion beschrieben ist, richtet sich der Blick nun auf den inneren Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt und damit eine grundlegende Ordnung des späteren Heiligtumsdienstes sichtbar macht.

2. Mose 26,31–34

Der Vorhang zwischen dem Heiligen und Allerheiligsten

Nachdem Gott die äußere Konstruktion der Stiftshütte beschrieben hat, folgen die Anweisungen für ihre innere Raumaufteilung. Ein kunstvoll gestalteter Vorhang soll den heiligen Raum vom Allerheiligsten trennen. Er wird aus kostbaren Stoffen gefertigt, mit Cherubimdarstellungen versehen und an vier goldüberzogenen Säulen aufgehängt. Hinter diesem Vorhang soll die Bundeslade stehen, auf der sich der Sühndeckel befindet. Damit wird erstmals ausdrücklich erklärt, wie die beiden Bereiche innerhalb der Stiftshütte voneinander abgegrenzt werden sollen. Der Vorhang erfüllt somit nicht nur eine gestalterische Aufgabe, sondern bestimmt eine grundlegende Grenze innerhalb des Heiligtums. Diese räumliche Ordnung wird später für den priesterlichen Dienst und besonders für den Versöhnungstag von entscheidender Bedeutung sein.

Vers 31 verwendet für den inneren Vorhang das hebräische Wort parochet. Der Begriff bezeichnet hier die Trennwand zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten. Der Vorhang soll aus blauem und rotem Purpur, Karmesin und fein gezwirntem Gewebe bestehen. Die Schlachter 1951 spricht erneut von „weißer Baumwolle“, während das hebräische schesch wahrscheinlich feines Leinen bezeichnet. Die Materialien entsprechen damit weitgehend denen der kunstvoll gestalteten inneren Zeltbahnen aus Vers 1. Auch die Cherubim sollen in kunstvoller Arbeit eingearbeitet werden. Eine solche Gestaltung unterscheidet den inneren Vorhang vom später beschriebenen Eingangsvorhang, für den zwar ähnliche Farben, aber keine Cherubimdarstellungen vorgeschrieben werden. Die kostbare Ausführung unterstreicht die besondere Stellung des inneren Vorhangs, ohne dass jeder Farbe eine ausdrücklich erklärte geistliche Bedeutung zugewiesen wird.

Die Cherubim bilden eine auffällige Verbindung zu den übrigen Bestandteilen des Heiligtums. Bereits auf den inneren Zeltbahnen sollen Cherubim dargestellt werden. In 2. Mose 25,18–22 werden außerdem zwei goldene Cherubim über dem Sühndeckel der Bundeslade beschrieben. In 1. Mose 3,24 begegnen Cherubim am Zugang zum Garten Eden, wo sie den Weg zum Baum des Lebens bewachen. Diese Stellen zeigen, dass Cherubim innerhalb der biblischen Bildsprache besonders mit Gottes heiliger Gegenwart verbunden sind. Dennoch erklärt 2. Mose 26 nicht ausdrücklich, dass der Vorhang eine unmittelbare Nachbildung des Gartens Eden darstellen soll. Eine solche Verbindung kann als weiterführender biblischer Zusammenhang betrachtet werden, darf aber nicht mit der eigentlichen Bauanweisung gleichgesetzt werden. Ebenso wichtig ist, dass die Cherubim keine Gegenstände der Anbetung sind. Die Verehrung gehört allein dem HERRN, dessen Gegenwart durch das Heiligtum besonders offenbar werden soll.

Vers 32 bestimmt die Befestigung des Vorhangs. Er soll an vier Säulen aus Akazienholz aufgehängt werden, die mit Gold überzogen sind und goldene Haken besitzen. Jede Säule steht auf einem silbernen Sockel. Damit unterscheidet sich diese Konstruktion von den zuvor beschriebenen Wandbauteilen, obwohl ebenfalls Akazienholz, Gold und Silber verwendet werden. Die vier Sockel gehören zu den hundert silbernen Sockeln, die später in 2. Mose 38,27 zusammenfassend genannt werden. Sechsundneunzig davon tragen die aufrechten Wandbauteile, die übrigen vier die Säulen des inneren Vorhangs. Die genaue Höhe der Säulen wird in diesem Vers nicht ausdrücklich angegeben. Auch die Breite und Höhe des Vorhangs selbst werden nicht unmittelbar genannt. Seine Abmessungen müssen deshalb aus dem Zusammenhang der übrigen Bauvorschriften erschlossen werden.

Vers 33 beschreibt zunächst die Position des Vorhangs. Er soll unter den „Haften“ aufgehängt werden. Gemeint sind die Verbindungsklammern der inneren Zeltbahnen, die bereits in Vers 6 beschrieben wurden. Dort werden zwei Gruppen aus jeweils fünf Bahnen durch fünfzig goldene Klammern miteinander verbunden. Die Stelle dieser Verbindung dient nun als räumlicher Bezugspunkt für den inneren Vorhang. Nach der verbreiteten Rekonstruktion entsteht dadurch eine Aufteilung in einen vorderen Raum von zwanzig Ellen Länge und einen hinteren Raum von zehn Ellen Länge. Diese Einteilung passt zur üblichen Vorstellung der Stiftshütte. Allerdings enthält der Text keine vollständige technische Zeichnung, sodass die genaue räumliche Anordnung weiterhin von einzelnen Rekonstruktionsannahmen abhängt. Sicher ist, dass der Vorhang an der vorgeschriebenen Stelle angebracht werden soll und nicht beliebig innerhalb der Wohnung versetzt werden darf.

Anschließend bestimmt Gott, dass die Bundeslade hinter den Vorhang gebracht werden soll. Damit erhält die räumliche Trennung ihre eigentliche Bedeutung. Der Vorhang soll ausdrücklich zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten unterscheiden. Im Hebräischen wird der innerste Bereich als qodesch haqqodaschim bezeichnet, sinngemäß das „Heilige der Heiligkeiten“. Diese Bezeichnung hebt seine besondere Heiligkeit hervor. Die beiden Räume gehören zwar zu demselben Heiligtum, besitzen aber unterschiedliche Aufgaben und Zugangsordnungen. Das Allerheiligste ist der Ort der Bundeslade, während die übrigen Heiligtumsgegenstände außerhalb des inneren Vorhangs aufgestellt werden. Der Vorhang ist deshalb mehr als ein Sichtschutz. Er bildet eine von Gott festgelegte Grenze, die später auch für den Dienst der Priester verbindlich sein wird.

Die weiteren Vorschriften erklären, welche Bedeutung diese Grenze für den Zugang zur Gegenwart Gottes besitzt. In 3. Mose 16,2 wird Aaron ausdrücklich davor gewarnt, zu jeder beliebigen Zeit hinter den Vorhang vor den Sühndeckel zu treten. Sein Zugang wird mit bestimmten Opfern, Reinigungen und dem Dienst am Versöhnungstag verbunden. Hebräer 9,6–7 greift die Unterscheidung der beiden Räume auf und beschreibt den regelmäßigen Dienst der Priester im ersten Teil sowie den besonderen Dienst des Hohenpriesters im zweiten. Diese späteren Bestimmungen dürfen allerdings nicht vollständig in 2. Mose 26 hineingelesen werden. Hier wird zunächst die räumliche Grundlage geschaffen, auf der die späteren Dienstordnungen beruhen. Der Text zeigt, dass Gottes Gegenwart mitten unter Israel offenbar werden soll, ohne dass dadurch jeder Mensch jederzeit unmittelbar in den innersten Bereich des Heiligtums treten darf.

Vers 34 ergänzt, dass der Sühndeckel auf die Bundeslade im Allerheiligsten gelegt werden soll. Der Sühndeckel war bereits in 2. Mose 25,17–22 ausführlich beschrieben worden. Er besteht aus reinem Gold und trägt zwei Cherubim, deren Flügel über ihm ausgebreitet sind. Gott hatte Mose zugesagt, ihm dort zu begegnen und von dieser Stelle aus seine Gebote für Israel mitzuteilen. Dadurch wird verständlich, weshalb die Bundeslade mit dem Sühndeckel gerade im Allerheiligsten stehen soll. Sie enthält das Zeugnis Gottes, während über ihr der Ort seiner besonderen Offenbarung bezeichnet wird. Die spätere Verwendung des Sühndeckels am Versöhnungstag ergänzt diese Bedeutung um den Zusammenhang von Sünde, Reinigung und Versöhnung. Der Text erklärt jedoch nicht, dass das Gold oder die einzelnen Maße des Sühndeckels jeweils eine eigenständige geistliche Bedeutung besitzen.

Die Formulierung von Vers 34 sollte außerdem nicht als zwingende zeitliche Reihenfolge aller Aufbauarbeiten verstanden werden. In 2. Mose 40,20–21 wird berichtet, dass Mose zunächst das Zeugnis in die Bundeslade legte und den Sühndeckel daraufsetzte. Danach brachte er die Lade in die Wohnung und hängte den Vorhang auf, um sie zu verhüllen. Der spätere Ausführungsbericht zeigt somit, dass 2. Mose 26 vor allem die endgültige Anordnung der Gegenstände beschreibt. Entscheidend ist nicht, ob der Sühndeckel während der praktischen Errichtung erst hinter dem bereits aufgehängten Vorhang aufgesetzt wurde. Entscheidend ist, dass die Bundeslade mit ihrem Sühndeckel ihren vorgesehenen Platz im Allerheiligsten erhält.

Auch im Neuen Testament besitzt der Vorhang eine wichtige Bedeutung. Hebräer 9 erinnert an die räumliche Trennung und die eingeschränkten Zugangsregeln des früheren Heiligtums. Hebräer 10,19–20 spricht dagegen vom neuen Zugang zu Gott durch das Blut Jesu Christi und verbindet diesen Zugang mit dem Vorhang. Die Aussage macht deutlich, dass das Erlösungswerk Christi eine Wirklichkeit eröffnet, die der frühere Heiligtumsdienst nicht endgültig herstellen konnte. Dabei sollte nicht behauptet werden, dass die Israeliten durch den Vorhang vollständig von jeder Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossen gewesen seien. Gott hatte ihnen gerade zugesagt, mitten unter ihnen zu wohnen. Die Grenze betraf den unmittelbaren Zugang zum Allerheiligsten und gehörte zur damaligen Ordnung der Gottesverehrung. Durch Christus wird die Bedeutung dieser Ordnung im Licht seines vollkommenen Erlösungswerkes weitergeführt.

Die Verse 31–34 zeigen somit, dass Gottes Nähe und seine Heiligkeit innerhalb der Stiftshütte zusammengehören. Der HERR will bei seinem Volk wohnen, bestimmt aber selbst die Ordnung, nach der ihm begegnet werden soll. Der kunstvolle Vorhang trennt die beiden heiligen Bereiche voneinander, während die Bundeslade mit dem Sühndeckel den Mittelpunkt des Allerheiligsten bildet. Diese räumliche Ordnung bereitet die späteren Vorschriften über den Priesterdienst und die Versöhnung vor. Nachdem der innerste Bereich festgelegt wurde, beschreibt Gott nun die Aufstellung des Schaubrottisches und des Leuchters sowie den Eingangsvorhang, der den Zugang zur Stiftshütte abschließen soll.

2. Mose 26,35–37

Die Einrichtung des Heiligtums und der Eingangsvorhang

Nachdem Gott die Trennung zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten angeordnet hat, bestimmt er nun die Aufstellung der beiden übrigen Einrichtungsgegenstände im vorderen Raum. Der Schaubrottisch soll an der nördlichen Seite stehen, während der goldene Leuchter ihm gegenüber auf der südlichen Seite aufgestellt wird. Anschließend folgen die Anweisungen für den Eingangsvorhang der Stiftshütte. Er soll aus kostbaren, farbigen Stoffen gefertigt und an fünf goldüberzogenen Säulen aus Akazienholz befestigt werden. Die Säulen stehen auf Sockeln aus Kupfer beziehungsweise Bronze. Damit schließt Gott die Beschreibung der eigentlichen Stiftshütte ab. Ihre inneren Räume, ihre tragende Konstruktion und ihr Eingang erhalten eine festgelegte Ordnung, nach der das Heiligtum später errichtet werden soll.

Vers 35 beginnt mit der Anweisung, den Schaubrottisch außerhalb des inneren Vorhangs aufzustellen. Damit wird seine Position innerhalb des Heiligen bestimmt. Er gehört nicht zum Allerheiligsten, in dem die Bundeslade mit dem Sühndeckel steht. Bereits in 2. Mose 25,23–30 hatte Gott die Herstellung des Tisches angeordnet. Dort wurde auch bestimmt, dass beständig Schaubrote vor seinem Angesicht liegen sollen. Die genaue Aufstellung des Tisches wird jedoch erst hier beschrieben. Er soll sich an der nördlichen Seite der Wohnung befinden. Die Schlachter 1951 verwendet dafür die ältere Richtungsbezeichnung „gegen Mitternacht“. Gemeint ist eindeutig die Nordseite. Der Tisch erhält somit einen bestimmten Platz innerhalb des Heiligtums und soll nicht beliebig im Raum aufgestellt werden.

Dem Tisch gegenüber wird der goldene Leuchter angeordnet. Er soll an der südlichen Seite der Wohnung stehen. Die räumliche Gegenüberstellung beider Gegenstände wird ausdrücklich hervorgehoben. Während auf dem Tisch die Schaubrote liegen, trägt der Leuchter die sieben Lampen, die zur Beleuchtung des Heiligtums dienen. In 2. Mose 25,31–40 waren seine kunstvolle Gestaltung und die Anfertigung der Lampen beschrieben worden. Nun wird deutlich, wo er innerhalb der Stiftshütte stehen soll. Die beiden Gegenstände befinden sich im selben Raum, aber auf gegenüberliegenden Seiten. Ihre Aufgaben unterscheiden sich, doch beide gehören zur regelmäßigen Gottesverehrung. Die genaue Entfernung zwischen Tisch und Leuchter wird nicht genannt. Ebenso wenig beschreibt der Text, wie viel Platz zwischen den Gegenständen und den Seitenwänden bleiben sollte.

Bemerkenswert ist, dass 2. Mose 26,35 nur den Schaubrottisch und den Leuchter erwähnt. Der goldene Räucheraltar, der später ebenfalls im Heiligen stehen soll, wird erst in 2. Mose 30,1–10 beschrieben. Aus seiner Nichterwähnung in Vers 35 darf deshalb nicht geschlossen werden, dass der vordere Raum ausschließlich zwei Einrichtungsgegenstände enthielt. Die Bauanweisungen werden im zweiten Mosebuch auf mehrere Abschnitte verteilt und müssen gemeinsam betrachtet werden. Nach 2. Mose 30,6 soll der Räucheraltar vor dem inneren Vorhang aufgestellt werden, der die Bundeslade mit dem Sühndeckel verdeckt. Der spätere Ausführungsbericht in 2. Mose 40,22–27 bestätigt die Aufstellung aller drei Gegenstände. Die Reihenfolge der Anweisungen entspricht also nicht vollständig einer einzigen zusammenhängenden Aufzählung sämtlicher Möbel des Heiligen.

Die festgelegte Anordnung ist auch für den späteren Priesterdienst wichtig. In 2. Mose 27,20–21 und 30,7–8 wird beschrieben, dass die Lampen regelmäßig versorgt werden sollen. Die Vorschriften für die Schaubrote werden in 3. Mose 24,5–9 näher erläutert. Damit gehören sowohl der Tisch als auch der Leuchter zu Aufgaben, die innerhalb des Heiligen wiederholt ausgeführt werden müssen. Ihre Stellung im Raum ist deshalb nicht nur eine Frage der Gestaltung. Sie bildet die räumliche Grundlage für den Dienst der Priester. Allerdings erklärt Vers 35 nicht, dass Norden und Süden jeweils eine bestimmte geistliche Eigenschaft symbolisieren. Ebenso wenig werden Tisch und Leuchter hier ausdrücklich als gegensätzliche oder einander ergänzende Heilswahrheiten gedeutet. Die unmittelbare Aussage besteht in ihrer konkreten Aufstellung nach Gottes Anweisung.

Vers 36 richtet sich anschließend auf den Eingang der Stiftshütte. Dort soll ein weiterer Vorhang angebracht werden. Das hebräische Wort masach bezeichnet hier einen abschirmenden Vorhang beziehungsweise eine Eingangsbedeckung. Damit unterscheidet sich dieser Gegenstand sprachlich vom inneren Vorhang, der in Vers 31 als parochet bezeichnet wurde. Beide Vorhänge gehören zur Ausstattung derselben Wohnung, besitzen aber unterschiedliche Aufgaben. Der innere Vorhang trennt das Heilige vom Allerheiligsten. Der Eingangsvorhang bildet dagegen den Abschluss des vorderen Raumes nach außen. Durch ihn wird der Zugang zur eigentlichen Stiftshütte gekennzeichnet. Die beiden Vorhänge dürfen deshalb weder räumlich noch hinsichtlich ihrer Funktion miteinander verwechselt werden.

Für den Eingangsvorhang werden dieselben grundlegenden Farben vorgeschrieben wie für den inneren Vorhang: blauer und roter Purpur sowie Karmesin. Dazu kommt fein gezwirntes Gewebe, das die Schlachter 1951 als „weiße Baumwolle“ bezeichnet. Das hebräische schesch wird jedoch auch hier besser als feines Leinen verstanden. Die Verwendung derselben kostbaren Materialien schafft eine erkennbare gestalterische Verbindung zwischen den beiden Vorhängen. Dennoch ist ihre Herstellung nicht vollständig gleich. Während Vers 31 für den inneren Vorhang kunstvoll eingearbeitete Cherubim vorschreibt, verwendet Vers 36 den Ausdruck maʿaseh roqem, den die Schlachter 1951 mit „Buntwirkerarbeit“ wiedergibt. Dieser bezeichnet eine besondere Form farbiger Textilarbeit. Ob die Farben dabei ausschließlich eingewebt oder teilweise mit einer Nadel eingearbeitet wurden, lässt sich aus dem Begriff allein nicht zweifelsfrei bestimmen.

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Ein weiterer Unterschied betrifft die Cherubimdarstellungen. Für den inneren Vorhang sind sie ausdrücklich vorgeschrieben, beim Eingangsvorhang werden sie dagegen nicht erwähnt. Deshalb sollte man sie nicht ohne weitere Grundlage auch für den Eingangsvorhang voraussetzen. Daraus folgt jedoch nicht, dass dessen gesamte dekorative Gestaltung bekannt wäre. Der Text nennt die Materialien und die Art der handwerklichen Ausführung, beschreibt aber keine einzelnen Muster oder Figuren. Die spätere Herstellung wird in 2. Mose 36,37 bestätigt. Auch dort wird die besondere Buntwirkerarbeit genannt, ohne Cherubimdarstellungen anzuordnen. Damit bleibt die Unterscheidung zwischen den beiden Vorhängen in Auftrag und Ausführung bestehen.

Vers 37 legt fest, wie der Eingangsvorhang aufgehängt werden soll. Gott ordnet fünf Säulen aus Akazienholz an. Sie müssen mit Gold überzogen werden und goldene Haken erhalten. Die Befestigung entspricht damit in einigen Punkten derjenigen des inneren Vorhangs. Dennoch bestehen deutliche Unterschiede. Der innere Vorhang hängt an vier Säulen, während für den Eingang fünf vorgesehen sind. Auch das Material der Sockel unterscheidet sich. Die vier Säulen des inneren Vorhangs stehen auf silbernen Sockeln. Für die fünf Säulen des Eingangsvorhangs sollen dagegen fünf Sockel aus nechoschet gegossen werden. Dieser hebräische Begriff bezeichnet Kupfer oder ein kupferhaltiges Metall wie Bronze. Die Schlachter 1951 verwendet dafür die ältere Bezeichnung „ehern“. Welches genaue Metall beziehungsweise welche Legierung verwendet wurde, lässt sich aus dem Begriff allein nicht sicher feststellen.

Die Zahl der Säulen und Sockel ist ausdrücklich vorgegeben. Unter jeder der fünf Säulen steht ein Sockel. Die genaue Breite der Zwischenräume wird jedoch nicht beschrieben. Ebenso wenig nennt der Text die Höhe der Säulen, die Maße des Vorhangs oder den genauen Mechanismus, mit dem er geöffnet und geschlossen werden konnte. Es ist verständlich, dass spätere Rekonstruktionen den Eingangsvorhang als eine die gesamte Vorderseite abschließende Stoffbahn darstellen. Die konkrete Ausführung bleibt aber teilweise erschlossen. Besonders die Frage, ob der Vorhang zur Seite geschoben, angehoben oder auf andere Weise für den Durchgang geöffnet wurde, lässt sich anhand dieser Verse nicht entscheiden. Der Text bestimmt seine Funktion als Eingangsbedeckung, ohne eine vollständige technische Beschreibung seines Gebrauchs zu liefern.

Auch die unterschiedlichen Sockelmaterialien sollten zunächst als konkrete Bauvorschriften verstanden werden. Der innere Vorhang besitzt silberne Sockel, während die Säulen am Eingang auf kupferhaltigen Sockeln stehen. Diese Unterscheidung entspricht der materiellen Ordnung, die Gott für die verschiedenen Bestandteile des Heiligtums festlegt. Eine ausdrückliche Erklärung, dass Silber hier beispielsweise Erlösung und Bronze Gericht bedeuten müsse, enthält der Text nicht. Solche Zuordnungen werden gelegentlich in symbolischen Auslegungen vorgenommen, lassen sich aber nicht unmittelbar aus 2. Mose 26,37 beweisen. Die Bedeutung der Materialien liegt zunächst darin, dass die Säulen und ihre Sockel nach der vorgeschriebenen Art hergestellt werden sollen.

Die spätere Ausführung des Eingangsvorhangs wird in 2. Mose 36,37–38 berichtet. Dort fertigen die Handwerker den Vorhang und seine fünf Säulen an. Der Bericht ergänzt, dass auch die Säulenköpfe und ihre Verbindungen mit Gold überzogen wurden. In 2. Mose 40,28 wird schließlich ausdrücklich berichtet, dass Mose den Eingangsvorhang an der Wohnung anbrachte. Damit schließt sich der Zusammenhang zwischen den Anweisungen des Kapitels und ihrer tatsächlichen Ausführung. Die Bauteile werden nicht nur beschrieben, sondern später nach Gottes Auftrag hergestellt und am vorgesehenen Ort angebracht. Die wiederholte Übereinstimmung von Auftrag und Ausführung gehört zu den wichtigen Merkmalen der gesamten Heiligtumserzählung.

Für das Verständnis des Eingangsvorhangs ist außerdem seine Stellung innerhalb der gesamten Heiligtumsanlage wichtig. Er bildet den Zugang zum eigentlichen Zelt, nicht den äußeren Eingang des gesamten Vorhofs. Für diesen wird in 2. Mose 27,16 ein weiterer Vorhang vorgeschrieben. Die Stiftshütte besitzt somit mehrere voneinander unterscheidbare Zugangspunkte und Abgrenzungen. Der Vorhof umgibt das eigentliche Heiligtum. Der Eingangsvorhang führt vom Vorhof in das Heilige, während der innere Vorhang das Allerheiligste abtrennt. Diese räumliche Ordnung darf jedoch nicht so verstanden werden, als hätte jeder Israelit die verschiedenen Bereiche nach Belieben betreten können. Wer welche Bereiche betreten und welche Dienste darin ausführen durfte, wird durch die späteren priesterlichen Vorschriften geregelt.

Die Verse 35–37 schließen damit die Bauanweisungen für die eigentliche Stiftshütte ab. Die innere Raumaufteilung ist festgelegt, die Gegenstände erhalten ihre vorgesehenen Plätze, und der Eingang wird durch einen eigenen Vorhang abgeschlossen. Besonders deutlich wird, dass die unterschiedlichen Bereiche des Heiligtums miteinander verbunden, aber nicht gleichgesetzt werden dürfen. Gott will mitten unter Israel wohnen, doch seine Gegenwart wird innerhalb einer von ihm bestimmten Ordnung offenbar. Die sorgfältige Gestaltung der Stiftshütte zeigt zugleich, dass Schönheit, praktische Funktion und verbindliche Anweisungen zusammengehören. Das Heiligtum soll nicht nach menschlichem Belieben eingerichtet werden, sondern als der Ort dienen, an dem Gott seinem Volk auf die von ihm festgelegte Weise begegnet.

Mit Vers 37 endet die Beschreibung der eigentlichen Stiftshütte. Das folgende Kapitel richtet die Aufmerksamkeit auf den Brandopferaltar, den Vorhof und die Versorgung der Lampen. Damit wird die bisher beschriebene Wohnung in die größere Anlage des Heiligtums eingeordnet und die Grundlage für den späteren Opfer- und Priesterdienst weiter ausgeführt.

Geistliche Kernbotschaft

Die zentrale Botschaft von 2. Mose 26 liegt in der besonderen Verbindung zwischen Gottes Nähe und seiner Heiligkeit. Der HERR hatte Israel zugesagt, mitten unter seinem Volk zu wohnen. Nun erklärt er, wie die dafür bestimmte Stiftshütte errichtet werden soll. Die zahlreichen Anweisungen für Stoffbahnen, Holzbauteile, Verbindungen und Vorhänge dienen einem gemeinsamen Ziel: Es soll ein Heiligtum entstehen, in dem Gottes Gegenwart auf die von ihm festgelegte Weise offenbar wird. Die sorgfältige Bauordnung zeigt dabei, dass seine Nähe kein gewöhnlicher oder beliebig verfügbarer Bestandteil des menschlichen Lebens ist. Gott sucht Gemeinschaft mit seinem Volk, bleibt aber der heilige HERR, der selbst bestimmt, wie Menschen ihm begegnen dürfen.

Besonders deutlich wird dies am inneren Vorhang. Er trennt das Heilige vom Allerheiligsten, in dem die Bundeslade mit dem Sühndeckel stehen soll. Diese Grenze bedeutet nicht, dass Gott sein Volk von sich fernhalten möchte. Schließlich ist die Errichtung des Heiligtums gerade Ausdruck seines Wunsches, unter Israel zu wohnen. Sie macht jedoch deutlich, dass sündige Menschen nicht eigenmächtig in seine unmittelbare Gegenwart treten können. Der spätere Heiligtumsdienst wird zeigen, dass der Zugang zum Allerheiligsten besonderen Voraussetzungen unterliegt. Gottes Nähe und seine Heiligkeit werden deshalb nicht gegeneinander ausgespielt. Beide gehören zum Verständnis seiner Beziehung zu den Menschen.

Die Stiftshütte besteht zugleich aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen, die genau zusammenpassen müssen. Die inneren Zeltbahnen, die äußeren Schutzdecken, die Holzbauteile und ihre Verbindungen erfüllen jeweils eigene Aufgaben. Auch die weniger auffälligen Bestandteile sind für die Errichtung der Wohnung notwendig. Das Kapitel betont damit die Bedeutung zuverlässiger Arbeit und sorgfältiger Ausführung. Diese Beobachtung lässt sich auf den Dienst für Gott übertragen, ohne die Einzelheiten der Bauanweisung künstlich zu geistlichen Symbolen zu machen. Treue zeigt sich nicht nur in außergewöhnlichen Handlungen, sondern ebenso darin, dass Menschen die ihnen anvertrauten Aufgaben verantwortungsvoll erfüllen.

Im Neuen Testament wird die Bedeutung des Heiligtums durch Jesus Christus weiter entfaltet. Der Hebräerbrief erklärt, dass der frühere Heiligtumsdienst auf die vollkommenere Wirklichkeit des Erlösungswerkes Christi hinweist. Durch sein Opfer eröffnet er den Zugang zu Gott, den die alttestamentliche Ordnung nicht endgültig herstellen konnte. Das bedeutet nicht, dass die Stiftshütte für Israel bedeutungslos gewesen wäre. Sie war von Gott selbst angeordnet und erfüllte innerhalb seines Bundes mit Israel eine wichtige Aufgabe. Ihre Bedeutung wird jedoch erst im Zusammenhang mit Christus vollständig verständlich.

2. Mose 26 zeigt somit, dass Gott Gemeinschaft mit Menschen sucht und zugleich den Weg zu dieser Gemeinschaft selbst bestimmt. Das Heiligtum erinnert an seine Heiligkeit, seine Gegenwart und die Notwendigkeit einer von ihm eröffneten Annäherung. Die endgültige Hoffnung des Glaubens liegt nicht in einem menschlich errichteten Gebäude, sondern in Jesus Christus, durch den Menschen Zugang zum Vater haben und auf die ewige Gemeinschaft mit Gott hoffen dürfen.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

2. Mose 25,8–9 und 40,17–38 – Gottes Zusage und ihre sichtbare Erfüllung

In 2. Mose 25,8 erklärt Gott, weshalb die Israeliten ihm ein Heiligtum errichten sollen: Er möchte mitten unter ihnen wohnen. Die Bauanweisungen aus Kapitel 26 konkretisieren diese Zusage. Am Ende des zweiten Mosebuches wird berichtet, dass die Stiftshütte tatsächlich aufgerichtet wird. Die Wolke bedeckt die Wohnung, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllt sie. Die zuvor gegebenen Anweisungen führen somit zu einem ausdrücklich beschriebenen Ergebnis. Gott bestätigt seine Gegenwart unter dem Volk, das er aus Ägypten befreit hat. Gleichzeitig wird die Wolke zum sichtbaren Zeichen seiner Führung während der weiteren Wanderung. Das Heiligtum steht also nicht isoliert neben der Geschichte Israels, sondern gehört zu Gottes fortgesetztem Handeln an seinem Volk.

1. Mose 3,24 und 2. Mose 26,1.31 – Cherubim und der Zugang zur Gegenwart Gottes

Nach dem Sündenfall werden Cherubim am Zugang zum Garten Eden erwähnt. In der Stiftshütte erscheinen sie erneut als kunstvolle Darstellungen auf den inneren Zeltbahnen und dem Vorhang zum Allerheiligsten. Auch auf dem Sühndeckel der Bundeslade befinden sich zwei goldene Cherubim (2. Mose 25,18–22). Die Verbindung ist bemerkenswert, weil beide Zusammenhänge mit Gottes Gegenwart und der Frage des Zugangs zu einem besonderen heiligen Bereich verbunden sind. Dennoch bezeichnet 2. Mose 26 die Stiftshütte nicht ausdrücklich als wiederhergestellten Garten Eden. Eine solche Verbindung kann die biblische Bildsprache erhellen, sollte aber als weiterführende Beobachtung von der eigentlichen Bauanweisung unterschieden werden.

3. Mose 16,2–17 – Der Vorhang und der Dienst am Versöhnungstag

Der innere Vorhang aus 2. Mose 26,31–34 erhält durch die Vorschriften des Versöhnungstages eine besondere Bedeutung. Gott warnt Aaron ausdrücklich davor, zu jeder beliebigen Zeit hinter den Vorhang vor den Sühndeckel zu treten. Der Zugang ist mit bestimmten Reinigungen, Opfern und priesterlichen Handlungen verbunden. Damit wird deutlich, dass die räumliche Trennung zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten nicht nur eine bauliche Entscheidung ist. Sie gehört zu einer Ordnung, in der Gottes Heiligkeit, die Sünde des Volkes und die Notwendigkeit der Versöhnung berücksichtigt werden. Der Versöhnungstag erklärt somit eine wesentliche Funktion der Grenze, die in 2. Mose 26 zunächst errichtet wird.

Hebräer 9,1–12 – Die zwei Abteilungen des Heiligtums und der Dienst Christi

Der Hebräerbrief beschreibt die beiden Bereiche der Stiftshütte und unterscheidet den regelmäßigen Dienst der Priester im ersten Raum vom besonderen Dienst des Hohenpriesters im zweiten. Die räumliche Ordnung aus 2. Mose 26 bildet damit einen wichtigen Hintergrund für die neutestamentliche Erklärung. Hebräer 9 zeigt zugleich, dass die damaligen Opfer und Zeremonien die Gewissensreinigung nicht endgültig bewirken konnten. Christus ist dagegen als Hoherpriester gekommen und hat durch sein eigenes Blut eine ewige Erlösung erlangt. Der frühere Heiligtumsdienst wird dadurch weder als menschliche Erfindung noch als bedeutungslos dargestellt. Vielmehr gehörte er zu Gottes Offenbarung, während die endgültige Grundlage der Erlösung im Opfer Christi liegt.

Matthäus 27,50–51 und Hebräer 10,19–22 – Der geöffnete Zugang zu Gott

Beim Tod Jesu zerreißt der Vorhang des Tempels von oben bis unten. Dieses außergewöhnliche Ereignis steht im unmittelbaren Zusammenhang mit seinem Sterben. Welcher Vorhang des damaligen Tempels im Matthäusevangelium genau bezeichnet wird, ist in der Auslegung umstritten. Hebräer 10 erklärt jedoch ausdrücklich, dass Gläubige durch das Blut Jesu einen neuen und lebendigen Zugang zum Heiligtum haben. Der Verfasser verbindet diesen Weg mit dem Vorhang und dem Fleisch Christi. Die entscheidende Aussage besteht darin, dass Jesus durch sein Opfer den Zugang zu Gott eröffnet hat. Diese Verbindung darf nicht so verstanden werden, dass Gottes Heiligkeit aufgehoben wäre. Vielmehr ist es gerade das vollkommene Erlösungswerk Christi, das sündigen Menschen die Annäherung an den heiligen Gott ermöglicht.

Johannes 1,14; Epheser 2,19–22 und Offenbarung 21,3.22 – Gottes Wohnung unter den Menschen

Johannes beschreibt das Kommen Jesu Christi mit einer Formulierung, die wörtlich an das Aufschlagen eines Zeltes erinnert: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter den Menschen. In Epheser 2 werden die Gläubigen als ein geistlicher Bau beschrieben, in dem Gott durch den Geist wohnt. Die Offenbarung führt diese Entwicklung schließlich zu ihrem Ziel. Gottes Wohnung ist bei den Menschen, und er wird selbst bei ihnen sein. Zugleich wird erklärt, dass im neuen Jerusalem kein eigener Tempel gesehen wird, weil Gott und das Lamm sein Tempel sind. Damit reicht die biblische Hoffnung über die Stiftshütte und den späteren Tempel hinaus. Die endgültige Gemeinschaft mit Gott benötigt keine irdische Heiligtumsordnung mehr, weil seine Gegenwart unmittelbar bei den Erlösten sein wird.

Wichtige Lektionen

1. Gottes Nähe ist ein Geschenk, kein menschlicher Anspruch.

Israel durfte die Stiftshütte nicht deshalb errichten, weil Menschen Gott durch ein besonders schönes Gebäude zu sich herabholen könnten. Der Auftrag ging von Gott selbst aus. Er wollte mitten unter seinem Volk wohnen und bestimmte die dafür vorgesehene Ordnung. Auch heute kann niemand Gottes Gegenwart durch kostbare Einrichtungen, religiöse Leistungen oder bestimmte äußere Formen erzwingen. Die Gemeinschaft mit ihm beginnt bei seiner Einladung. Der Mensch darf darauf im Glauben und Gehorsam antworten, bleibt aber auf Gottes Gnade angewiesen.

2. Gottes Heiligkeit darf nicht aus dem Glauben verschwinden.

Der Vorhang zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten erinnert daran, dass Gottes Gegenwart nicht mit gewöhnlicher menschlicher Verfügbarkeit gleichgesetzt werden kann. Er ist barmherzig und sucht die Gemeinschaft mit Menschen, bleibt aber zugleich vollkommen heilig. Diese Wahrheit sollte auch das christliche Gottesverständnis prägen. Die Möglichkeit, durch Jesus Christus zum Vater zu kommen, bedeutet nicht, dass Ehrfurcht, Umkehr und Gehorsam bedeutungslos geworden wären. Gerade weil der Zugang zu Gott durch das Opfer Christi eröffnet wurde, sollte seine Gnade nicht als etwas Selbstverständliches behandelt werden.

3. Nicht alles, was wichtig ist, steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Die goldüberzogenen Holzbauteile, die silbernen Sockel und die verbindenden Riegel werden ausführlich beschrieben, obwohl sie weniger auffällig erscheinen als die kunstvollen Vorhänge oder die Bundeslade. Ohne sie hätte die Stiftshütte jedoch nicht in der vorgesehenen Weise aufgerichtet werden können. Auch im Leben einer Gemeinde sind viele Aufgaben notwendig, die kaum öffentlich wahrgenommen werden. Zuverlässigkeit, sorgfältige Vorbereitung und praktische Hilfe können wertvoll sein, ohne besondere Anerkennung zu erhalten. Die Bedeutung einer Aufgabe hängt nicht allein davon ab, wie sichtbar sie für andere Menschen ist.

4. Gottes Wort soll die Grundlage religiöser Überzeugungen bleiben.

Mose erhält genaue Anweisungen für die Herstellung und Errichtung der Wohnung. Er darf die Bauordnung nicht nach eigenen Vorstellungen verändern. Daraus folgt nicht, dass Christen heute sämtliche alttestamentlichen Bauvorschriften nachahmen müssten. Die grundlegende Haltung bleibt jedoch wichtig: Gottes Wille sollte nicht durch menschliche Traditionen oder unbelegte Behauptungen ersetzt werden. Besonders bei geistlichen Deutungen einzelner Zahlen, Farben und Materialien ist Sorgfalt erforderlich. Eine mögliche symbolische Verbindung darf nicht als ausdrückliche Aussage der Bibel ausgegeben werden, wenn der Text selbst sie nicht erklärt.

5. Schönheit und praktische Verantwortung gehören zusammen.

Die Stiftshütte erhält kunstvolle Stoffbahnen mit Cherubimdarstellungen, aber ebenso widerstandsfähige Schutzdecken und eine tragende Holzkonstruktion. Beides ist notwendig. Der Text stellt sorgfältige Gestaltung nicht gegen praktische Zweckmäßigkeit. Diese Beobachtung lässt sich auch auf heutige Aufgaben übertragen. Wo Menschen etwas für andere oder im Dienst Gottes gestalten, sollten nicht nur der äußere Eindruck, sondern ebenso Verlässlichkeit, Verständlichkeit und tatsächlicher Nutzen beachtet werden. Schönheit kann einen berechtigten Platz haben, darf aber nicht die sorgfältige Erfüllung des eigentlichen Auftrags verdrängen.

6. Der Zugang zu Gott gründet sich auf Jesus Christus.

Die Trennung der beiden Heiligtumsbereiche macht die besondere Bedeutung des späteren hohenpriesterlichen Dienstes verständlich. Der Hebräerbrief erklärt, dass Christus die endgültige Grundlage für den Zugang zum Vater geschaffen hat. Deshalb müssen Menschen ihre Vergebung nicht durch die Wiederholung des alttestamentlichen Opferdienstes erlangen. Wer seine Schuld erkennt, darf sich im Glauben an Jesus wenden und auf sein vollkommenes Erlösungswerk vertrauen. Gleichzeitig ruft diese Gnade dazu auf, sich Gott mit einem aufrichtigen Herzen zu nähern und im Vertrauen auf sein Wort zu leben.

Die bleibende Botschaft von 2. Mose 26 besteht darin, dass Gottes Wunsch nach Gemeinschaft mit den Menschen und seine vollkommene Heiligkeit untrennbar zusammengehören. Die sorgfältig errichtete Stiftshütte war ein von Gott bestimmter Ort seiner Gegenwart unter Israel. In Jesus Christus wird schließlich der Weg eröffnet, auf dem Menschen nicht nur an Gottes Gegenwart erinnert werden, sondern durch sein Erlösungswerk wirklichen Zugang zum Vater erhalten.