2. Mose 24
Und zu Mose sprach er: Steig herauf zum HERRN, du und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels, und betet an von ferne.
18 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Und zu Mose sprach er: Steig herauf zum HERRN, du und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels, und betet an von ferne.
- 2 Aber Mose allein nahe sich zum HERRN und lasse jene nicht herzu nahen, und das Volk komme auch nicht zu ihm herauf.
- 3 Mose kam und erzählte dem Volk alle Worte des HERRN und alle Rechte. Da antwortete alles Volk mit einer Stimme und sprachen: Alle Worte, die der HERR gesagt hat, wollen wir tun.
- 4 Da schrieb Mose alle Worte des HERRN und machte sich des Morgens früh auf und baute einen Altar unten am Berge mit zwölf Säulen nach den zwölf Stämmen Israels,
- 5 und sandte hin Jünglinge aus den Kindern Israel, daß sie Brandopfer darauf opferten und Dankopfer dem HERRN von Farren.
- 6 Und Mose nahm die Hälfte des Blutes und tat's in ein Becken, die andere Hälfte sprengte er auf den Altar.
- 7 Und nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes. Und da sie sprachen: Alles, was der HERR gesagt hat, das wollen wir tun und gehorchen,
- 8 da nahm Mose das Blut und besprengte das Volk damit und sprach: Sehet, das ist das Blut des Bundes, den der HERR mit euch macht über allen diesen Worten.
- 9 Da stiegen Mose und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels hinauf
- 10 und sahen den Gott Israels. Unter seinen Füßen war es wie ein schöner Saphir und wie die Gestalt des Himmels, wenn's klar ist.
- 11 Und er reckte seine Hand nicht aus wider die Obersten in Israel. Und da sie Gott geschaut hatten, aßen und tranken sie.
- 12 Und der HERR sprach zu Mose: Komm herauf zu mir auf den Berg und bleib daselbst, daß ich dir gebe steinerne Tafeln und Gesetze und Gebote, die ich geschrieben habe, die du sie lehren sollst.
- 13 Da machte sich Mose auf mit seinem Diener Josua und stieg auf den Berg Gottes
- 14 und sprach zu den Ältesten: Bleibet hier, bis wir wieder zu euch kommen. Siehe, Aaron und Hur sind bei euch; hat jemand eine Sache, der komme vor dieselben.
- 15 Da nun Mose auf den Berg kam, bedeckte eine Wolke den Berg,
- 16 und die Herrlichkeit des HERRN wohnte auf dem Berge Sinai und deckte ihn mit der Wolke sechs Tage, und er rief Mose am siebenten Tage aus der Wolke.
- 17 Und das Ansehen der Herrlichkeit des HERRN war wie ein verzehrendes Feuer auf der Spitze des Berges vor den Kindern Israel.
- 18 Und Mose ging mitten in die Wolke und stieg auf den Berg und blieb auf dem Berg vierzig Tage und vierzig Nächte.
Kapitelüberblick
Am Fuß des Berges Sinai bestätigt Israel feierlich den Bund mit Gott. Mose verkündet dem Volk die Worte des HERRN, schreibt sie nieder und errichtet einen Altar mit zwölf Gedenksteinen für die zwölf Stämme Israels. Nachdem Opfer dargebracht wurden, liest er das Bundesbuch öffentlich vor. Das Volk verspricht, Gottes Weisungen zu befolgen, und Mose besprengt es mit dem Blut des Bundes.
Anschließend steigen Mose, Aaron, Nadab, Abihu und siebzig Älteste auf den Berg. Sie dürfen eine außergewöhnliche Erscheinung Gottes erleben und in seiner Gegenwart essen und trinken. Gott bewahrt ihr Leben, obwohl sie ihm auf besondere Weise begegnen.
Danach ruft Gott Mose weiter hinauf, um ihm die steinernen Tafeln mit seinen Geboten zu geben. Die Wolke seiner Herrlichkeit bedeckt den Berg, und Mose bleibt vierzig Tage und vierzig Nächte dort. Das Kapitel zeigt, wie Gott seinen Bund bestätigt, seinem Volk Gemeinschaft gewährt und Mose auf weitere Offenbarungen vorbereitet.
Einführung
Die Israeliten lagern weiterhin am Sinai, wo Gott ihnen nach ihrer Befreiung aus Ägypten begegnet ist. In 2. Mose 19 hatte er sie darauf vorbereitet, seine Stimme zu hören. Die Offenbarung der Zehn Gebote in Kapitel 20 und die anschließenden Rechtsbestimmungen bis Kapitel 23 bilden den unmittelbaren Hintergrund der nun folgenden Ereignisse. Gott hat nicht nur seine Macht gezeigt, sondern seinem Volk auch erklärt, wie es innerhalb der besonderen Bundesbeziehung leben soll.
Ein Bund war in der damaligen Welt eine verbindliche Beziehung, die mit Zusagen und Verpflichtungen verbunden sein konnte. Der Bund zwischen Gott und Israel unterscheidet sich jedoch von einem gewöhnlichen Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern. Gott selbst hat das Volk aus Ägypten geführt und die Beziehung zu ihm begründet. Israels Gehorsam sollte eine Antwort auf dieses vorausgegangene Handeln sein, nicht die Voraussetzung dafür, sich seine Befreiung nachträglich zu verdienen.
Für das Verständnis des Kapitels ist außerdem die besondere Stellung Moses wichtig. Schon bei der Offenbarung am Sinai hatte das Volk darum gebeten, dass Mose Gottes Worte empfangen und an die Israeliten weitergeben sollte (2. Mose 20,18–21). Auch die Grenzen des Berges waren zuvor ausdrücklich festgelegt worden. Nicht jeder durfte sich Gott auf dieselbe Weise nähern. Diese Ordnung bleibt bestehen, obwohl nun ausgewählten Vertretern des Volkes eine außergewöhnliche Begegnung ermöglicht wird.
Die Stiftshütte ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht errichtet. Die ausführlichen Bauanweisungen beginnen erst im folgenden Kapitel. Die Ereignisse in 2. Mose 24 gehören daher zur Bestätigung des Bundes, bevor das spätere Heiligtum mit seinen geregelten priesterlichen Diensten eingerichtet wird.
2. Mose 24,1–2
Der Aufstieg zum HERRN und die Grenzen seiner Gegenwart
Gott fordert Mose auf, mit einer ausgewählten Gruppe von Männern auf den Berg zu steigen. Neben Aaron werden dessen Söhne Nadab und Abihu sowie siebzig Älteste Israels ausdrücklich genannt. Sie dürfen sich dem Ort der göttlichen Gegenwart nähern, sollen jedoch aus der Ferne anbeten. Mose allein erhält die Erlaubnis, noch weiter zum HERRN vorzudringen. Das übrige Volk muss zurückbleiben. Damit beginnt die feierliche Bundesbestätigung mit einer bemerkenswerten Verbindung: Gott lädt Menschen in seine Gegenwart ein, bestimmt aber zugleich, wie weit sie sich ihm nähern dürfen. Die Einladung und die Begrenzung gehören zusammen.
Die Formulierung am Anfang von Vers 1 knüpft an die vorausgegangene Offenbarung an. In den Kapiteln 20–23 hatte Gott Mose seine Gebote und Rechtsbestimmungen mitgeteilt. Nun erhält Mose eine weitere Anweisung, die den bevorstehenden Aufstieg vorbereitet. Die eigentliche Durchführung wird erst in den Versen 9–11 beschrieben. Dazwischen berichtet der Text, wie Mose Gottes Worte dem Volk verkündet, den Bund schriftlich festhält und die Bundeszeremonie vollzieht. Diese Abfolge ist wichtig: Die ausgewählten Männer steigen nicht einfach unabhängig von der Bundesbestätigung auf den Berg. Die Erzählung verbindet ihre Begegnung mit Gott mit der zuvor öffentlich bekräftigten Beziehung zwischen dem HERRN und Israel.
Aaron war bereits seit der Befreiung aus Ägypten Moses engster Begleiter. Er hatte vor dem Pharao gesprochen und gemeinsam mit seinem Bruder das Volk geführt. Seine beiden Söhne Nadab und Abihu werden in 2. Mose 6,23 als Angehörige seiner Familie vorgestellt. Ihre ausdrückliche Erwähnung ist bemerkenswert, weil sie später zusammen mit ihren Brüdern Eleasar und Ithamar für den priesterlichen Dienst bestimmt werden (2. Mose 28,1). Die späteren Aufgaben Aarons und seiner Söhne erklären ihre besondere Stellung innerhalb der weiteren Geschichte, dürfen aber nicht vollständig in die gegenwärtige Situation zurückverlegt werden. Die Einsetzung des aaronitischen Priestertums wird erst später berichtet.
Dass gerade Nadab und Abihu diese außergewöhnliche Einladung erhalten, verleiht ihrer späteren Geschichte besonderes Gewicht. In 3. Mose 10,1–2 wird berichtet, dass beide bei einer unerlaubten Opferhandlung vor dem HERRN sterben. Der Gegensatz ist eindrücklich: Männer, denen am Sinai eine besondere Gottesbegegnung gewährt wurde, missachteten später die Heiligkeit seines Dienstes. Dennoch darf aus ihrem späteren Verhalten nicht geschlossen werden, dass ihre Teilnahme an der Begegnung aus 2. Mose 24 bereits von Ungehorsam geprägt gewesen sei. Der vorliegende Bericht erhebt keinen solchen Vorwurf. Er zeigt vielmehr, dass eine außergewöhnliche religiöse Erfahrung einen Menschen nicht automatisch vor späteren Fehlentscheidungen bewahrt.
Neben den Angehörigen der Familie Moses werden siebzig Älteste Israels genannt. Als Älteste bezeichnet die Bibel Männer, die innerhalb der Gemeinschaft eine anerkannte Stellung und Verantwortung besaßen. Bereits vor der Offenbarung am Sinai hatte Mose die Ältesten zusammengerufen, um ihnen Gottes Botschaft zu überbringen (2. Mose 19,7). Sie standen damit in einer wichtigen Verbindung zwischen der Führung des Volkes und den Familienverbänden Israels. Dass nun siebzig von ihnen zur Gottesbegegnung eingeladen werden, macht deutlich, dass es nicht ausschließlich um eine persönliche Erfahrung Moses geht. Auch Vertreter der Gemeinschaft dürfen an diesem außergewöhnlichen Ereignis teilhaben.
Die Zahl siebzig begegnet später erneut, als Gott Mose in 4. Mose 11,16–25 befiehlt, siebzig Älteste zu versammeln, die ihn bei der Verantwortung für das Volk unterstützen sollen. Die Verbindung der beiden Berichte liegt nahe, weil jeweils siebzig Älteste in einem besonderen Zusammenhang mit Gottes Handeln auftreten. Dennoch sagt der Bibeltext nicht ausdrücklich, dass es sich in beiden Fällen um dieselben Männer handelt. Ebenso wenig erklärt 2. Mose 24, weshalb gerade siebzig ausgewählt wurden. Die Zahl kann als Ausdruck einer umfassenden Vertretung Israels verstanden werden, doch eine genau festgelegte symbolische Bedeutung wird im Kapitel nicht erläutert.
Der Auftrag an die Gruppe lautet, den HERRN aus der Ferne anzubeten. Das hebräische Verb schachah beschreibt das Sich-Niederwerfen oder Sich-Verbeugen und wird häufig für die ehrfürchtige Anbetung Gottes verwendet. Es bezeichnet damit nicht nur eine innere Haltung, sondern kann auch eine sichtbare körperliche Handlung einschließen. Die Männer sollen sich dem HERRN in Ehrfurcht zuwenden, ohne die ihnen gesetzte Grenze zu überschreiten. Die Entfernung bedeutet nicht, dass ihre Anbetung weniger aufrichtig oder von geringerem Wert wäre. Vielmehr zeigt sie, dass Gott den Zugang zu seiner Gegenwart selbst bestimmt.
Diese Begrenzung erinnert an die Vorbereitung des Volkes in 2. Mose 19. Dort durfte niemand eigenmächtig auf den Berg steigen oder seine Grenzen berühren. Die besondere Gegenwart Gottes wurde von Donner, Blitz, Wolken und dem Schall einer Posaune begleitet. Das Volk sollte erkennen, dass der HERR nicht wie ein gewöhnlicher menschlicher Herrscher behandelt werden durfte. Auch jetzt, nachdem Israel seine Weisungen empfangen hat, bleibt dieser Grundsatz bestehen. Die Nähe zu Gott ist ein Geschenk, über das der Mensch nicht eigenmächtig verfügen kann. Die Einladung hebt die Heiligkeit Gottes nicht auf, sondern setzt voraus, dass seine Anweisungen ernst genommen werden.
Vers 2 unterscheidet deshalb drei Gruppen. Mose allein darf sich dem HERRN unmittelbar nähern. Aaron, seine beiden Söhne und die siebzig Ältesten dürfen aufsteigen, müssen aber Abstand halten. Das übrige Volk soll nicht mit ihnen hinaufkommen. Diese Abstufung ist für das Verständnis der späteren Gotteserscheinung entscheidend. Wenn Vers 10 berichtet, dass die Männer den Gott Israels sahen, bedeutet dies nicht automatisch, dass sie dieselbe Nähe wie Mose erreichten. Die Erzählung unterscheidet ausdrücklich zwischen dem Schauen einer göttlichen Erscheinung und dem besonderen Zutritt, der allein Mose gewährt wird.
Wie die einzelnen Aufenthaltsorte genau angeordnet waren, lässt der Text offen. Er nennt weder eine bestimmte Entfernung noch mehrere eindeutig abgegrenzte Höhenstufen des Berges. Auch eine genaue geografische Rekonstruktion des Aufstiegs ist anhand dieser beiden Verse nicht möglich. Sicher ist jedoch, dass nicht alle Teilnehmer denselben Zugang erhielten. Die spätere Beschreibung bestätigt diese Unterscheidung: Während die Ältesten gemeinsam eine Gotteserscheinung erleben, wird Mose anschließend zu einem weiteren Aufstieg gerufen und betritt schließlich die Wolke der Herrlichkeit (Verse 12–18). Die räumlichen Grenzen dienen somit auch dazu, die besondere Aufgabe Moses als Mittler zwischen Gott und Israel hervorzuheben.
Moses Stellung darf dabei nicht als Zeichen verstanden werden, dass er aufgrund persönlicher Vollkommenheit von Natur aus ein größeres Recht auf Gottes Gegenwart besessen hätte. Schon seine Berufung am brennenden Dornbusch beruhte auf Gottes eigener Entscheidung. Auch während der Befreiung aus Ägypten war Mose vollständig auf Gottes Hilfe angewiesen. Seine besondere Nähe zum HERRN ist deshalb mit einem göttlichen Auftrag verbunden. Er empfängt Gottes Worte und gibt sie an das Volk weiter. Die anderen Israeliten sind dadurch nicht bedeutungslos. Vielmehr dient Moses außergewöhnliche Aufgabe der gesamten Gemeinschaft, die Gott aus Ägypten geführt hat.
Gerade darin liegt eine wichtige Verbindung zur späteren biblischen Darstellung des Mittlers. In 5. Mose 5,23–27 erinnert Mose daran, dass das Volk nach der Offenbarung der göttlichen Stimme darum bat, er möge Gottes Worte stellvertretend empfangen. Im Neuen Testament wird Jesus Christus als Mittler eines neuen Bundes bezeichnet (Hebräer 9,15). Diese Verbindung ist geistlich bedeutsam, doch die beiden Mittlerstellungen sind nicht einfach gleichzusetzen. Mose war ein berufener Diener Gottes, der dessen Worte empfing und weitergab. Christus wird im Hebräerbrief darüber hinaus als derjenige vorgestellt, der durch sein eigenes Opfer einen neuen Zugang zu Gott eröffnet. Dieser Unterschied gehört zur weiteren biblischen Entwicklung und darf nicht bereits als ausdrückliche Aussage von 2. Mose 24,1–2 ausgegeben werden.
Die ersten beiden Verse zeigen damit, dass Gottes Heiligkeit und seine Bereitschaft zur Gemeinschaft kein Widerspruch sind. Derselbe Gott, der den Israeliten Grenzen setzt, lädt ausgewählte Vertreter ihres Volkes ein, sich ihm zu nähern und ihn anzubeten. Niemand muss diese Begegnung selbst erzwingen oder sich eigenmächtig einen Zugang verschaffen. Gott eröffnet ihn aus eigener Entscheidung. Zugleich sollen diejenigen, denen er eine besondere Aufgabe anvertraut, seine Anweisungen achten und nicht über die festgelegten Grenzen hinausgehen.
Für den weiteren Verlauf des Kapitels ist dieser Ausgangspunkt wesentlich. Bevor Israel den Bund feierlich bestätigt und die Ältesten Gott auf außergewöhnliche Weise begegnen, steht fest, dass diese Gemeinschaft von Gott selbst ermöglicht wird. Die Menschen dürfen kommen, weil er sie ruft. Sie sollen anbeten, weil er ihrer Anbetung würdig ist. Und sie müssen seine Grenzen respektieren, weil auch eine gewährte Nähe die Ehrfurcht vor seiner Heiligkeit nicht überflüssig macht.
2. Mose 24,3–4
Gottes Worte, Israels Zustimmung und die zwölf Gedenksteine
Mose kehrt zum Volk zurück und teilt den Israeliten mit, was der HERR ihm aufgetragen hat. Dabei berichtet er nicht nur einzelne Gebote, sondern alle Worte Gottes und sämtliche Rechtsbestimmungen, die er empfangen hat. Das Volk antwortet einstimmig, dass es alles tun will, was der HERR gesagt hat. Anschließend hält Mose die göttlichen Worte schriftlich fest. Früh am nächsten Morgen errichtet er am Fuß des Berges einen Altar und zwölf Gedenksteine, die den zwölf Stämmen Israels entsprechen. Damit beginnt die Vorbereitung auf die feierliche Bundesbestätigung. Was Gott zuvor gesprochen hat, soll nun öffentlich anerkannt und in einer verbindlichen Beziehung zwischen ihm und seinem Volk bekräftigt werden.
Vers 3 unterscheidet zwischen den Worten des HERRN und den Rechtsbestimmungen. Der hebräische Ausdruck devarim kann Worte, Aussagen oder Angelegenheiten bezeichnen, während mischpatim hier besonders die rechtlichen Anordnungen meint. Diese Unterscheidung knüpft an die vorausgegangenen Kapitel an. Nachdem Gott die Zehn Gebote verkündet hatte, erhielt Mose weitere Weisungen, die unter anderem den Umgang mit anderen Menschen, Eigentumsfragen, Verantwortung bei verursachten Schäden und die Rechtsprechung betrafen. Gerade 2. Mose 21,1 hatte diese Bestimmungen mit dem Begriff mischpatim eingeführt. Wenn Mose nun alle Worte und Rechtsbestimmungen weitergibt, liegt deshalb ein enger Bezug zu der gesamten vorausgegangenen Gesetzesrede vor.
Der genaue Umfang dieser Mitteilung lässt sich nicht bis auf jeden einzelnen Satz bestimmen. Besonders die Rechtsbestimmungen aus 2. Mose 21–23 gehören eindeutig zum unmittelbaren Zusammenhang. Ob die erneute Verkündigung auch die Zehn Gebote vollständig einschloss, die das Volk bereits selbst gehört hatte, wird unterschiedlich beurteilt. Der Text unterscheidet an dieser Stelle nicht ausdrücklich zwischen einzelnen Abschnitten der vorausgegangenen Offenbarung. Deshalb sollte weder behauptet werden, Mose habe ausschließlich die Rechtsbestimmungen vorgelesen, noch lässt sich sicher feststellen, dass er sämtliche Gebote wortwörtlich erneut wiederholte. Entscheidend ist, dass das Volk die göttlichen Weisungen kennen sollte, bevor es die Verpflichtung zum Gehorsam bekräftigte.
Dieser Ablauf ist bemerkenswert, weil die Israeliten nicht aufgefordert werden, einem unbekannten Inhalt zuzustimmen. Mose teilt ihnen zuerst Gottes Worte mit. Erst danach folgt ihre gemeinsame Antwort. Die Verpflichtung des Volkes bezieht sich somit auf konkrete Weisungen, deren Inhalt zuvor bekannt gemacht wurde. Gott hatte seine Anforderungen nicht verborgen gehalten. Bereits in 2. Mose 19,5 hatte er erklärt, dass Israel auf seine Stimme hören und seinen Bund halten sollte. Nun wird sichtbar, worauf sich diese Bundesbeziehung im täglichen Leben erstreckt. Sie betrifft nicht allein die Anbetung Gottes, sondern ebenso den gerechten Umgang mit anderen Menschen.
Die Reaktion Israels wird ausdrücklich als einstimmig beschrieben. Im Hebräischen steht die Wendung qol echad, wörtlich „eine Stimme“. Damit wird hervorgehoben, dass das Volk gemeinsam antwortet und nicht verschiedene einander widersprechende Erklärungen abgegeben werden. Die Israeliten bekunden ihre Bereitschaft, alles zu tun, was der HERR gesagt hat. Die Formulierung lässt keinen Raum für eine ausdrückliche Auswahl besonders angenehmer Gebote. Das Volk erklärt sich nicht nur mit einzelnen Verheißungen einverstanden, sondern nimmt die Verpflichtungen der Bundesbeziehung an. Die gemeinsame Antwort bringt somit die grundsätzliche Anerkennung der göttlichen Weisungen zum Ausdruck.
Eine ähnliche Erklärung hatte Israel bereits vor der Offenbarung der Zehn Gebote abgegeben. In 2. Mose 19,8 antwortete das Volk ebenfalls, dass es alles tun wolle, was der HERR geredet habe. Damals stand diese Zusage am Beginn der unmittelbaren Vorbereitung auf die Gotteserscheinung am Sinai. In 2. Mose 24 erfolgt sie dagegen nach der Bekanntgabe der ausführlichen Gebote und Rechtsbestimmungen. Die zweite Erklärung besitzt dadurch einen erweiterten Zusammenhang. Die Israeliten haben inzwischen gehört, welche konkreten Anforderungen der HERR an ihr Zusammenleben stellt. Ihre erneute Zustimmung ist deshalb mehr als eine bloße Wiederholung derselben Worte an derselben Stelle der Geschichte.
Allerdings darf die einstimmige Erklärung nicht mit bereits bewiesenem Gehorsam verwechselt werden. Zwischen einer aufrichtigen Zusage und ihrer dauerhaften Erfüllung besteht ein Unterschied. Das Volk bekundet in diesem Augenblick seine Bereitschaft, Gottes Weisungen zu befolgen. Ob es dieser Verpflichtung später treu bleiben wird, ist damit noch nicht entschieden. Schon wenige Kapitel später berichtet das zweite Mosebuch von der Anbetung des goldenen Kalbes, während Mose noch auf dem Berg ist. Diese spätere Entwicklung zeigt, wie schwerwiegend der Unterschied zwischen einem feierlichen Bekenntnis und dem tatsächlichen Verhalten werden kann. Dennoch wäre es zu weitgehend, den Israeliten bereits in Vers 3 pauschal eine bewusst unehrliche Antwort zu unterstellen. Der Text berichtet ihre Zustimmung, ohne an dieser Stelle ihre inneren Beweggründe zu verurteilen.
In Vers 4 folgt ein weiterer bedeutender Schritt: Mose schreibt alle Worte des HERRN nieder. Die zuvor mündlich verkündeten Weisungen erhalten damit eine schriftliche Form. Der hebräische Text verwendet das gewöhnliche Verb katav, das Schreiben beziehungsweise schriftliches Festhalten bezeichnet. Der Vorgang ist deshalb wichtig, weil der Bund nicht ausschließlich auf einer einmaligen mündlichen Erklärung beruhen soll. Gottes Worte werden in einer Form festgehalten, auf die später zurückgegriffen werden kann. In Vers 7 wird Mose diese Niederschrift als Bundesbuch verwenden und vor dem Volk vorlesen. Die schriftliche Festhaltung steht somit in unmittelbarer Verbindung mit der öffentlichen Bestätigung des Bundes.
Zwischen dieser Niederschrift und den steinernen Tafeln, die Mose später empfangen soll, muss sorgfältig unterschieden werden. Vers 4 berichtet, dass Mose die Worte Gottes aufschreibt. In Vers 12 kündigt der HERR dagegen an, Mose Tafeln zu geben, auf denen Gott selbst seine Weisungen geschrieben hat. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Aussagen innerhalb desselben Kapitels. Die Niederschrift aus Vers 4 darf deshalb nicht ohne Weiteres mit den später empfangenen steinernen Tafeln gleichgesetzt werden. Ebenso wenig nennt der Text das genaue Schreibmaterial der ersten Niederschrift. Ob Mose Leder, Papyrus oder einen anderen geeigneten Beschreibstoff verwendete, bleibt offen. Sicher ist nur, dass eine schriftliche Aufzeichnung entstand, die anschließend öffentlich vorgelesen werden konnte.
Die Erwähnung dieser Niederschrift ist zugleich ein wichtiger Hinweis auf die Bedeutung schriftlich bewahrter Offenbarung. Gottes Weisungen sollten nicht davon abhängig sein, wie einzelne Menschen sie später aus ihrer Erinnerung wiedergaben. Die schriftliche Festhaltung schuf eine verbindliche Grundlage für die bevorstehende Bundeszeremonie. Daraus folgt allerdings nicht, dass 2. Mose 24,4 bereits ausdrücklich die Niederschrift sämtlicher fünf Bücher Mose beschreibt. Der Vers bezieht sich zunächst auf die hier behandelten Bundesworte. Aussagen über die Entstehung und den schriftlichen Umfang der übrigen Bücher müssen anhand weiterer Bibelstellen und eigener historischer Untersuchungen beurteilt werden.
Nachdem Mose die Worte niedergeschrieben hat, steht er früh am Morgen auf und errichtet einen Altar am Fuß des Berges. Der Bericht nennt keine weiteren Einzelheiten darüber, wie viel Zeit zwischen der Verkündigung, der Niederschrift und dem Beginn dieser Vorbereitungen verging. Die Erwähnung des frühen Morgens macht jedoch deutlich, dass Mose die erforderlichen Handlungen ohne ausführlich geschilderte Verzögerung aufnimmt. Der Altar wird nicht auf dem für das Volk unzugänglichen Gipfel errichtet, sondern unten am Berg. Dort kann die Bundeszeremonie stattfinden, an der die Gemeinschaft Israels beteiligt ist. Die Wahl dieses Ortes steht im Einklang mit der zuvor festgelegten Grenze zwischen dem Volk und der besonderen Gottesgegenwart auf dem Berg.
Der Altar besitzt innerhalb der folgenden Handlung eine zentrale Bedeutung. Bereits in 2. Mose 20,24–26 hatte Gott Bestimmungen über den Bau von Altären gegeben. Nun errichtet Mose einen Altar, an dem die Opfer zur Bestätigung des Bundes dargebracht werden sollen. Die Bibel erklärt an dieser Stelle allerdings nicht, aus welchem Material der Altar bestand. Deshalb kann seine Bauweise nicht mit Sicherheit aus dem allgemeinen Gesetz über Erd- und Steinaltäre erschlossen werden. Entscheidend ist seine Aufgabe im Zusammenhang der Bundeszeremonie. Der Altar wird zum Ort der Opferhandlung vor dem HERRN und erhält durch die spätere Verwendung des Opferblutes eine besondere Bedeutung.
Neben dem Altar errichtet Mose zwölf Malsteine, wie sie die Schlachter 1951 nennt. Das hebräische Wort matzevah bezeichnet einen aufgerichteten Stein beziehungsweise einen stehenden Gedenkstein. Solche Steine konnten im Alten Testament unterschiedliche Funktionen besitzen. Jakob richtete beispielsweise nach seiner Gottesbegegnung in Bethel einen Stein auf (1. Mose 28,18). Auch zur Kennzeichnung besonderer Vereinbarungen und als Erinnerungszeichen konnten Steine verwendet werden. Ihre Bedeutung ergibt sich deshalb aus dem jeweiligen Zusammenhang. In 2. Mose 24 werden die zwölf Steine ausdrücklich den zwölf Stämmen Israels zugeordnet. Sie dienen hier nicht als Darstellungen zwölf verschiedener Gottheiten.
Die Zahl zwölf verweist auf die Stämme, die aus den Nachkommen Jakobs hervorgegangen waren. Besonders wichtig ist, dass Mose einen Altar errichtet, während die zwölf Steine die verschiedenen Stämme repräsentieren. Der Text beschreibt nicht zwölf voneinander unabhängige Altäre, an denen jeder Stamm seinem eigenen Gott opfern sollte. Vielmehr steht die gesamte Gemeinschaft vor demselben HERRN. Die Stämme besitzen unterschiedliche familiäre Herkunftslinien und werden im weiteren Verlauf der Geschichte auch eigene Gebiete erhalten. Bei der Bundesbestätigung gehören sie jedoch gemeinsam zu dem Volk, das Gott aus Ägypten geführt hat.
Die zwölf Steine machen diese gemeinsame Zugehörigkeit sichtbar. Sie erinnern daran, dass der Bund nicht ausschließlich mit Mose, Aaron oder einigen führenden Familien geschlossen wird. Die gesamte Gemeinschaft Israels ist angesprochen. Die Ältesten vertreten das Volk in besonderer Weise, doch die Verpflichtung zum Gehorsam gilt nicht nur ihnen. Der Bund umfasst die zwölf Stämme, deren gemeinsame Antwort Mose zuvor gehört hat. Die Gedenksteine geben dieser Einheit einen sichtbaren Ausdruck, ohne die Unterschiede zwischen den einzelnen Stämmen aufzuheben.
Ein bemerkenswerter Zusammenhang besteht zu Josua 4. Nach dem Durchzug Israels durch den Jordan werden erneut zwölf Steine aufgerichtet, entsprechend der Zahl der Stämme Israels. Dort besitzen sie ausdrücklich eine Erinnerungsfunktion: Spätere Generationen sollen nach ihrer Bedeutung fragen und von Gottes Handeln erfahren. In 2. Mose 24 wird eine solche Erklärung für zukünftige Kinder nicht ausdrücklich gegeben. Dennoch besteht eine deutliche Verbindung zwischen den beiden Ereignissen. Am Sinai erinnern die zwölf Steine an die gemeinsame Zugehörigkeit zum Bund; nach dem Jordandurchzug bezeugen sie Gottes Führung auf dem Weg in das verheißene Land. Beide Male wird ein entscheidender Abschnitt der Geschichte Israels durch sichtbare Zeichen mit der Gemeinschaft der zwölf Stämme verbunden.
Die Verse 3–4 bereiten damit die eigentliche Bundeszeremonie sorgfältig vor. Gottes Worte werden dem Volk bekannt gemacht, die Israeliten erklären gemeinsam ihre Bereitschaft zum Gehorsam, Mose hält die Weisungen schriftlich fest, und Altar sowie Gedenksteine werden errichtet. Jeder dieser Schritte trägt zum Verständnis des folgenden Geschehens bei. Die Zustimmung des Volkes bezieht sich auf Gottes verkündete Worte. Das Bundesbuch hält diese Worte fest. Der Altar bereitet die Opferhandlung vor, während die zwölf Steine die gesamte Gemeinschaft Israels sichtbar vertreten.
Die besondere Bedeutung dieser Verse liegt darin, dass der Bund nicht nur durch eine feierliche Erklärung bestätigt werden soll. Gottes Weisungen werden gehört, angenommen und schriftlich bewahrt. Die Israeliten sollen wissen, wem sie angehören und welche Verantwortung sich daraus ergibt. Ihre gemeinsame Zustimmung ist ein bedeutender Anfang, doch sie muss sich im späteren Leben bewähren. So zeigen diese Verse zugleich die Würde und den Ernst der Bundesbeziehung: Gott hat zu seinem Volk gesprochen, und Israel erklärt öffentlich, dass es auf seine Worte hören und entsprechend handeln will.
2. Mose 24,5–8
Opfer, Bundesbuch und das Blut des Bundes
Nachdem Mose die Worte Gottes niedergeschrieben und den Altar mit den zwölf Gedenksteinen errichtet hat, beginnt die eigentliche Bundeszeremonie. Junge Männer aus Israel bringen Brandopfer und Friedensopfer dar. Mose nimmt einen Teil des Opferblutes und sprengt ihn auf den Altar, während er die andere Hälfte zunächst in Gefäßen aufbewahrt. Anschließend liest er dem versammelten Volk das Bundesbuch vor. Die Israeliten bekräftigen erneut ihre Bereitschaft, Gottes Weisungen zu befolgen. Erst danach besprengt Mose das Volk mit dem übrigen Blut und erklärt, dass dies das Blut des Bundes sei, den der HERR mit ihnen geschlossen hat. Die Reihenfolge zeigt, dass Gottes verkündete Worte, die Zustimmung des Volkes und die Opferhandlung untrennbar zur feierlichen Bestätigung des Bundes gehören.
Vers 5 berichtet, dass Mose israelitische Jünglinge mit der Darbringung der Opfer beauftragt. Der hebräische Ausdruck naʿare bene Jisraʾel bezeichnet junge Männer aus den Reihen Israels. Weshalb gerade sie ausgewählt wurden, erklärt der Text nicht. Eine bekannte jüdische Auslegung versteht sie als Erstgeborene, denen vor der Einsetzung des aaronitischen Priestertums eine besondere Stellung im Opferdienst zugekommen sei. Dafür lässt sich auf die Heiligung der Erstgeborenen in 2. Mose 13,2 verweisen. Allerdings bezeichnet der vorliegende Vers die Männer nicht ausdrücklich als Erstgeborene. Ihre genaue familiäre Herkunft und eine mögliche besondere religiöse Stellung bleiben deshalb offen.
Ihre Mitwirkung ist auch für die zeitliche Einordnung des Kapitels wichtig. Die ausführlichen Bestimmungen über das Priestertum Aarons werden erst in den folgenden Kapiteln gegeben. Die eigentliche Einsetzung der Priester erfolgt noch später. Deshalb darf die Opferhandlung aus 2. Mose 24 nicht einfach mit dem bereits vollständig eingerichteten Dienst an der Stiftshütte gleichgesetzt werden. Der Bericht beschreibt eine besondere Bundeszeremonie am Sinai, bei der Mose die Leitung übernimmt und junge Israeliten die Opfer darbringen. Er erklärt nicht, dass hier bereits sämtliche späteren Vorschriften des levitischen Opferdienstes in ihrer endgültigen Form angewendet wurden.
Zwei Opferarten werden ausdrücklich genannt. Das hebräische Wort ʿolah bezeichnet das Brandopfer, das auf dem Altar verbrannt wurde. Der Name steht mit dem Gedanken des Aufsteigens in Verbindung, was zur aufsteigenden Rauchentwicklung des Opfers passt. Die zweite Opferart wird mit dem Ausdruck zevachim schelamim bezeichnet. Die Schlachter 1951 spricht hier von Dankopfern, während andere Übersetzungen Friedens- oder Gemeinschaftsopfer schreiben. Das Wort schelamim gehört zum Wortfeld von Frieden, Wohlergehen und Unversehrtheit. Diese Opferart war besonders mit der Gemeinschaft vor Gott verbunden. Die späteren Bestimmungen in 3. Mose 3 und 7 zeigen, dass Friedensopfer auch mit einer gemeinsamen Mahlzeit verbunden sein konnten.
Die Verbindung beider Opferarten ist bedeutsam. Die Israeliten treten nicht nur mit Worten vor Gott, sondern bestätigen ihre Bundesbeziehung durch eine feierliche Opferhandlung. Die Brandopfer bringen die Hingabe an Gott zum Ausdruck, während die Friedensopfer den Gedanken der Gemeinschaft und des Friedens mit ihm nahelegen. Dennoch nennt 2. Mose 24 selbst keine ausführliche Erklärung der symbolischen Bedeutung jedes einzelnen Opfers. Deshalb sollten spätere Opferbestimmungen zur Erläuterung herangezogen werden, ohne sämtliche Einzelheiten bereits in diesen Bericht hineinzulesen. Auch die Annahme, dass das gemeinsame Essen der Ältesten in Vers 11 unmittelbar aus dem Fleisch dieser Friedensopfer bestand, ist nachvollziehbar, wird jedoch nicht ausdrücklich bestätigt.
Vers 6 richtet die Aufmerksamkeit auf das Blut der geschlachteten Tiere. Mose teilt es in zwei Hälften. Die eine Hälfte füllt er in Becken, die andere sprengt er auf den Altar. Das hebräische Verb zaraq beschreibt das Sprengen beziehungsweise Werfen einer Flüssigkeit und begegnet später häufig in den Vorschriften über den Umgang mit Opferblut. Der Bericht macht deutlich, dass Mose das Blut nicht einfach an einem einzigen Ort verwendet. Ein Teil wird bereits auf den Altar gebracht, während der andere für eine spätere Handlung aufbewahrt wird. Weshalb Mose genau diese Verteilung vornimmt, erklärt der Vers noch nicht vollständig. Ihre Bedeutung erschließt sich erst durch den weiteren Verlauf.
Das Blut spielt im alttestamentlichen Opferdienst eine besondere Rolle. Nach 3. Mose 17,11 ist das Leben des Fleisches im Blut, und Gott hat es für den Dienst am Altar bestimmt. Diese spätere Erklärung hilft zu verstehen, weshalb Blut in einer feierlichen Bundeshandlung eine solche Bedeutung erhält. Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Flüssigkeit, sondern um ein sichtbares Zeichen, das mit dem Leben der geopferten Tiere verbunden ist. Dennoch sollte die Opferhandlung aus 2. Mose 24 nicht ohne weitere Begründung als ausdrückliches Sündopfer bezeichnet werden. Der Text nennt Brand- und Friedensopfer. Im Mittelpunkt steht hier die Bestätigung des Bundes, nicht die Beschreibung eines besonderen Reinigungsrituals für eine zuvor ausdrücklich genannte Sünde.
Die Verteilung des Blutes auf Altar und Volk stellt eine erkennbare Verbindung zwischen beiden Seiten der Bundesbeziehung her. Der Altar gehört zur Opferhandlung vor dem HERRN, während das Volk später mit dem übrigen Blut besprengt wird. Darin liegt eine starke symbolische Aussage: Israel wird durch den feierlichen Umgang mit demselben Opferblut in die Beziehung zu Gott einbezogen. Allerdings erklärt der Text nicht ausdrücklich, dass eine Hälfte des Blutes Gott und die andere Hälfte dem Volk als gleichberechtigten Vertragspartner gehören sollte. Gott und Israel stehen nicht als zwei gleichrangige Mächte nebeneinander. Der Bund geht von dem HERRN aus, der Israel bereits aus Ägypten befreit hat.
Bevor Mose das aufbewahrte Blut auf das Volk sprengt, nimmt er in Vers 7 das Bundesbuch und liest es öffentlich vor. Das hebräische Wort sefer bezeichnet eine schriftliche Aufzeichnung, während berit den Bund meint. Das Bundesbuch ist somit die schriftlich festgehaltene Grundlage der Verpflichtungen, die nun bestätigt werden. Sein unmittelbarer Inhalt hängt mit den Worten und Rechtsbestimmungen zusammen, die Mose zuvor empfangen und in Vers 4 niedergeschrieben hat. Besonders die Anweisungen aus 2. Mose 20,22 bis 23,33 gehören dazu. Ob die Niederschrift darüber hinaus sämtliche zuvor gesprochenen Gebote in genau derselben Form enthielt, wird nicht ausdrücklich erläutert. Sicher ist jedoch, dass die öffentliche Zustimmung des Volkes auf den verkündeten Bundesworten beruhte.
Diese Lesung ist ein entscheidender Bestandteil der Zeremonie. Mose vollzieht die Bundesbestätigung nicht allein durch eine religiöse Handlung, deren Bedeutung den Israeliten verborgen bleibt. Er liest die Worte vor, auf die sich ihre Verpflichtung gründet. Damit werden die göttlichen Weisungen erneut zum Gegenstand einer bewussten Entscheidung. Der Bund betrifft nicht nur die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft oder die Teilnahme an einer Opferfeier. Er schließt konkrete Anforderungen an das Verhalten des Volkes ein. Die Israeliten sollen wissen, welche Verpflichtungen sie übernehmen, und können sich später nicht darauf berufen, dass ihnen der Inhalt des Bundes grundsätzlich unbekannt geblieben sei.
Die Antwort des Volkes ähnelt der Erklärung aus Vers 3, enthält aber eine zusätzliche Wendung. Die Israeliten sagen nun, dass sie alles tun und befolgen wollen, was der HERR gesprochen hat. Im Hebräischen lautet die bekannte Formulierung naʿaseh wenischmaʿ, wörtlich „wir werden tun und hören“. Das Verb schamaʿ kann im biblischen Sprachgebrauch sowohl das Hören als auch das aufmerksame Beachten und Gehorchen bezeichnen. Die Schlachter 1951 gibt den Ausdruck deshalb sinngemäß mit „tun und befolgen“ wieder. Die Reihenfolge der hebräischen Wörter hat in der jüdischen Auslegung eine besondere Bedeutung erhalten, weil das Tun vor dem Hören genannt wird. Dennoch darf daraus nicht geschlossen werden, Israel habe hier ausdrücklich versprochen, unbekannte Gebote ohne vorherige Kenntnis ihres Inhalts anzunehmen. Mose hatte die Bundesworte unmittelbar zuvor öffentlich vorgelesen.
Die erneute Zustimmung zeigt vielmehr, dass das Volk seine bereits erklärte Bereitschaft zum Gehorsam nach der Lesung des Bundesbuches bekräftigt. Der Unterschied zwischen dem bloßen Hören und dem tatsächlichen Befolgen ist dabei wesentlich. Ein Mensch kann Gottes Gebote kennen, ihre Bedeutung verstehen und ihnen dennoch im eigenen Leben widersprechen. Die Israeliten erklären deshalb nicht nur, dass sie Gottes Worte zur Kenntnis nehmen, sondern dass sie entsprechend handeln wollen. Diese Zusage erhält ihr besonderes Gewicht durch die anschließende Blutbesprengung. Das gesprochene Bekenntnis wird Teil einer verbindlichen Bundeshandlung.
In Vers 8 nimmt Mose das zurückbehaltene Blut und sprengt es auf das Volk. Der Text nennt weder die genaue Anzahl der besprengten Personen noch die praktische Durchführung bei der großen Volksmenge. Deshalb wäre es ungenau zu behaupten, jeder einzelne Israelit sei nachweislich persönlich mit Blut benetzt worden. Entscheidend ist, dass das Volk als Gemeinschaft in die Handlung einbezogen wird. Die zwölf Gedenksteine hatten zuvor die zwölf Stämme sichtbar vertreten. Nun wird das Blut ausdrücklich auf das Volk gesprengt, das gerade seine Zustimmung zum Bund bekräftigt hat. Der Bericht beschreibt damit nicht nur eine Opferhandlung am Altar, sondern eine Handlung, die Israel selbst betrifft.
Mose erklärt anschließend, dass dies das Blut des Bundes sei, den der HERR aufgrund der verkündeten Worte mit Israel geschlossen hat. Diese Aussage gibt der gesamten Zeremonie ihre ausdrückliche Bedeutung. Das Opferblut bestätigt die besondere Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Zugleich macht die Formulierung deutlich, dass der Bund nicht unabhängig von den göttlichen Weisungen verstanden werden darf. Mose verweist ausdrücklich auf die zuvor gesprochenen Worte. Die Blutbesprengung ist daher kein Ersatz für den Gehorsam, zu dem Israel sich verpflichtet hat. Sie gehört zur feierlichen Bestätigung einer Beziehung, deren Anforderungen bereits bekannt gemacht wurden.
Die Bedeutung dieser Handlung wird im Neuen Testament erneut aufgegriffen. In Matthäus 26,28 spricht Jesus beim letzten Mahl mit seinen Jüngern von seinem Bundesblut, das zur Vergebung der Sünden vergossen wird. Die sprachliche Verbindung zu 2. Mose 24,8 ist besonders deutlich. Während der Bund am Sinai mit dem Blut geopferter Tiere bestätigt wurde, verbindet Jesus den neuen Bund mit seinem eigenen bevorstehenden Tod. Lukas 22,20 und 1. Korinther 11,25 sprechen ausdrücklich vom neuen Bund in seinem Blut. Damit wird zugleich die Verheißung aus Jeremia 31,31–34 wichtig, in der Gott einen neuen Bund ankündigt und die Vergebung der Sünden ausdrücklich hervorhebt. Diese Verbindung ist nicht bloß eine Ähnlichkeit zweier Opferhandlungen, sondern gehört zur neutestamentlichen Erklärung des Erlösungswerkes Christi.
Auch Hebräer 9,18–22 nimmt die Einweihung des ersten Bundes auf und betont die Rolle des Blutes. Der Verfasser erwähnt dabei zusätzliche Einzelheiten wie Wasser, scharlachfarbene Wolle und Ysop. Diese Gegenstände stehen nicht im unmittelbaren Bericht von 2. Mose 24,3–8. Auch die später erwähnte Besprengung der Stiftshütte kann nicht gleichzeitig mit der hier beschriebenen Bundesbestätigung stattgefunden haben, weil das Heiligtum zu diesem Zeitpunkt noch nicht errichtet war. Der Hebräerbrief verbindet verschiedene kultische Zusammenhänge miteinander. Für die Auslegung von 2. Mose 24 ist deshalb wichtig, den ursprünglichen Bericht zunächst in seiner eigenen Reihenfolge ernst zu nehmen. Der neutestamentliche Rückblick erweitert die theologische Perspektive, ohne dass sämtliche dort genannten Einzelheiten nachträglich in die Sinaizeremonie eingefügt werden dürfen.
Die Verse 5–8 bilden den Höhepunkt der Bundesbestätigung am Sinai. Die Opfer werden dargebracht, das Blut wird auf den Altar gesprengt, Gottes Worte werden noch einmal vorgelesen, und das Volk bekräftigt seine Bereitschaft zum Gehorsam. Erst danach folgt die Besprengung mit dem Blut des Bundes. Diese Abfolge zeigt, wie eng die Beziehung zu Gott mit seinem offenbarten Wort verbunden ist. Die Israeliten sollen nicht nur an einer eindrucksvollen religiösen Feier teilnehmen, sondern als Gottes Volk nach seinen Weisungen leben.
Zugleich erhält die Handlung im Licht des Neuen Testaments eine weiterführende Bedeutung. Die Opfer am Sinai weisen innerhalb der biblischen Heilsgeschichte auf die grundlegende Rolle des Blutes bei der Bestätigung eines Bundes hin. In Jesus Christus findet dieser Zusammenhang eine neue und tiefere Erfüllung: Er gibt nicht das Blut eines anderen Opfers, sondern sein eigenes Leben. Während Israel am Sinai seine Verpflichtung zum Gehorsam feierlich bekräftigte, gründet die Hoffnung des neuen Bundes auf dem vollkommenen Erlösungswerk Christi. Damit bleibt die ursprüngliche Bundeszeremonie ein bedeutendes Zeugnis dafür, wie ernst Gott die Beziehung zu seinem Volk nimmt und wie eng seine Verheißungen mit der Verantwortung verbunden sind, auf sein Wort zu hören.
2. Mose 24,9–11
Die Ältesten sehen Gott und essen in seiner Gegenwart
Nach der feierlichen Bestätigung des Bundes beginnt eine der außergewöhnlichsten Begegnungen mit Gott im Alten Testament. Mose steigt gemeinsam mit Aaron, Nadab, Abihu und siebzig Ältesten Israels auf den Berg. Dort dürfen sie den Gott Israels sehen. Der Bericht beschreibt unter seinen Füßen etwas, das wie ein kunstvoll gearbeitetes Pflaster aus Saphirstein aussieht und an die Klarheit des Himmels erinnert. Obwohl die Männer der göttlichen Gegenwart auf besondere Weise begegnen, bleiben sie am Leben. Anschließend essen und trinken sie. Die wenigen Verse verbinden damit Gottes Heiligkeit mit einer Gemeinschaft, die er den Vertretern seines Volkes selbst gewährt. Besonders bemerkenswert ist, dass die Bibel die Gotteserscheinung ausdrücklich bezeugt, aber kaum Einzelheiten über Gottes sichtbare Gestalt nennt.
Vers 9 greift zunächst die Anweisung aus den ersten beiden Versen auf. Dort hatte Gott Mose befohlen, mit Aaron, dessen beiden Söhnen und den siebzig Ältesten hinaufzusteigen. Nun wird dieser Auftrag ausgeführt. Die Gruppe begegnet Gott nicht aus eigenmächtigem Entschluss, sondern aufgrund seiner Einladung. Auch die Reihenfolge innerhalb des Kapitels ist wichtig. Zuvor waren Gottes Worte öffentlich verkündet, vom Volk angenommen und durch die Blutbesprengung als Grundlage des Bundes bestätigt worden. Erst danach berichtet Mose von der gemeinsamen Gottesbegegnung. Die Erzählung verbindet damit die Gemeinschaft mit Gott eng mit dem Bund, den er mit Israel geschlossen hat. Die Männer treten nicht als unabhängige religiöse Suchende vor ihn, sondern als Vertreter des Volkes, das sich gerade ausdrücklich zu seinen Weisungen bekannt hat.
In Vers 10 folgt die bemerkenswerte Aussage, dass sie den Gott Israels sahen. Der hebräische Text verwendet das gewöhnliche Verb raʾah, das „sehen“ bedeutet. Der Satz besitzt ein ausdrückliches Objekt: den Gott Israels. Es wäre deshalb ungenau, ihn einfach so wiederzugeben, als hätten die Männer lediglich den Berg oder ein außergewöhnliches Naturereignis betrachtet. Die Erzählung berichtet tatsächlich von einer Gotteserscheinung. Zugleich bleibt offen, in welcher Form Gott sich ihnen zeigte. Der Text beschreibt weder sein Gesicht noch seine vollständige Gestalt. Sein Schwerpunkt liegt nicht darauf, den Lesern ein körperliches Bild Gottes zu vermitteln, sondern darauf, dass den Männern eine außergewöhnliche Wahrnehmung seiner Gegenwart ermöglicht wurde.
Gerade an dieser Stelle unterscheidet sich die griechische Septuaginta vom überlieferten hebräischen Text. Während der hebräische Wortlaut ausdrücklich sagt, dass die Männer den Gott Israels sahen, erklärt die Septuaginta, dass sie den Ort sahen, an dem der Gott Israels stand. Damit verschiebt sich der unmittelbare Gegenstand ihrer Wahrnehmung von Gott selbst auf den Ort seiner Erscheinung. Eine naheliegende Erklärung lautet, dass die griechischen Übersetzer die Vorstellung einer unmittelbaren Sichtbarkeit Gottes abschwächen wollten. Diese Deutung ist gut begründet, doch die genaue Absicht lässt sich nicht endgültig nachweisen. Für die Auslegung der hebräischen Textfassung bleibt entscheidend, dass die Männer Gott sahen. Der Unterschied zwischen den beiden Überlieferungen darf weder verschwiegen noch durch eine künstlich einheitliche Übersetzung eingeebnet werden.
Damit stellt sich eine wichtige Frage: Wie konnten Menschen Gott sehen, wenn er später gegenüber Mose erklärt, dass kein Mensch sein Angesicht sehen und am Leben bleiben könne (2. Mose 33,20)? Auch Johannes 1,18 spricht davon, dass niemand Gott jemals gesehen hat. Diese Aussagen stehen zunächst in einer erkennbaren Spannung zueinander. Allerdings erklärt 2. Mose 24 nicht, dass den Ältesten Gottes Wesen in seiner ganzen Fülle offenbar wurde. Die Bibel kennt verschiedene Formen göttlicher Erscheinungen, in denen Gott sich Menschen tatsächlich zu erkennen gibt, ohne dass seine Herrlichkeit dadurch vollständig erfasst würde. Besonders deutlich wird dies in 2. Mose 33, wo Mose eine weitere Offenbarung Gottes erbittet, ihm aber ausdrücklich Grenzen gesetzt werden. Die beiden Berichte lassen sich deshalb als Beschreibungen unterschiedlicher Formen und Grade göttlicher Offenbarung verstehen. Damit ist die genaue Art des Sehens in 2. Mose 24 jedoch noch nicht vollständig erklärt.
Eine wichtige Hilfe zum Verständnis bietet die ungewöhnliche Beschreibung, die unmittelbar auf die Aussage über das Sehen Gottes folgt. Der Erzähler schildert nicht Gottes Gesicht, sondern etwas unter seinen Füßen. Der hebräische Ausdruck livnat hassappir bezeichnet wahrscheinlich ein ziegel- oder plattenartiges Werk aus einem kostbaren blauen Stein. Das Wort sappir wird gewöhnlich mit „Saphir“ übersetzt. Im altorientalischen Zusammenhang kann damit jedoch auch Lapislazuli gemeint sein, ein tiefblauer Schmuckstein, der besonders in Mesopotamien und Ägypten geschätzt wurde. Die genaue mineralogische Bestimmung ist für die Aussage des Verses nicht entscheidend. Wichtig ist vielmehr die außergewöhnliche Erscheinung dieses Untergrundes. Er wirkt kostbar, klar und erinnert an den Himmel selbst.
Der zweite Vergleich verstärkt diesen Eindruck. Das, was die Männer unter Gottes Füßen wahrnehmen, erscheint wie der Himmel in seiner Reinheit. Der hebräische Ausdruck keʿetzem haschamajim latohar lässt sich sinngemäß mit der Klarheit oder Reinheit des Himmels wiedergeben. Der Erzähler verwendet damit Bilder aus der sichtbaren Schöpfung, um etwas zu beschreiben, das die gewöhnliche menschliche Erfahrung übersteigt. Die Vergleiche dürfen nicht so verstanden werden, als sei der Aufenthaltsort Gottes tatsächlich aus einem bestimmten Edelstein gebaut gewesen. Die wiederholte Verwendung von „wie“ zeigt, dass der Schreiber nach verständlichen Bildern sucht. Er vermittelt den Eindruck einer außergewöhnlichen Herrlichkeit, ohne den Anspruch zu erheben, ihre Beschaffenheit vollständig erklären zu können.
Eine bemerkenswerte Parallele findet sich in Hesekiel 1,26. Dort beschreibt der Prophet über einer himmlischen Ausdehnung etwas, das wie ein Thron aus Saphirstein aussieht. Auch in Hesekiel 10,1 erscheint dieses Bild erneut. Die Verbindung liegt besonders in der Verwendung des kostbaren blauen Steines innerhalb einer Gotteserscheinung. In beiden Berichten wird die göttliche Gegenwart mit einer Herrlichkeit verbunden, für die der menschliche Beobachter nur vergleichende Begriffe findet. Dennoch sind die Erscheinungen nicht in allen Einzelheiten identisch. Hesekiel beschreibt ausdrücklich einen Thron und weitere Bestandteile seiner Vision, während 2. Mose 24 nur den Untergrund unter Gottes Füßen näher schildert. Die Parallelstellen helfen, die Bildsprache einzuordnen, dürfen aber nicht dazu verwendet werden, sämtliche Einzelheiten der späteren Vision in den Bericht am Sinai hineinzulesen.
Auch die Erwähnung der Füße Gottes muss sorgfältig verstanden werden. Die Bibel verwendet an verschiedenen Stellen menschliche Körperbegriffe, wenn sie von Gottes Handeln und seiner Gegenwart spricht. Solche Ausdrucksweisen ermöglichen es, göttliche Wirklichkeit in einer Sprache zu beschreiben, die Menschen verstehen können. Das bedeutet nicht, dass sämtliche entsprechenden Aussagen grundsätzlich nur bildlich und ohne wirkliche Erfahrung gemeint wären. Ebenso wenig beweist die Erwähnung der Füße, dass Gott den Ältesten eine vollständig erkennbare menschliche Körpergestalt zeigte. Der Text bezeugt eine tatsächliche Gotteserscheinung, lässt aber offen, wie die wahrgenommene Gestalt genau beschaffen war.
Vers 11 richtet die Aufmerksamkeit auf eine andere Besonderheit: Gott streckte seine Hand nicht gegen die Vornehmen der Israeliten aus. Der hebräische Ausdruck atzile bene Jisraʾel bezeichnet hier hervorgehobene beziehungsweise angesehene Männer Israels. Im unmittelbaren Zusammenhang sind damit die zuvor genannten Teilnehmer der Gottesbegegnung gemeint, besonders die Ältesten als Vertreter des Volkes. Die Formulierung, dass Gott seine Hand nicht gegen sie ausstreckte, beschreibt, dass er sie nicht durch ein Gericht oder einen vernichtenden Eingriff traf. Sie durften ihm auf außergewöhnliche Weise begegnen und blieben dennoch am Leben. Gerade diese Feststellung zeigt, dass der Erzähler die Begegnung nicht als etwas Gewöhnliches betrachtet. Gottes Nähe war keine Selbstverständlichkeit, über die Menschen frei verfügen konnten.
Die Aussage erinnert an die Furcht Israels während der Offenbarung der Zehn Gebote. In 2. Mose 20,19 hatte das Volk Mose gebeten, dass Gott nicht unmittelbar weiter zu ihnen sprechen möge, damit sie nicht sterben müssten. Die sichtbare Herrlichkeit und die Stimme Gottes hatten den Israeliten ihre eigene Begrenztheit deutlich gemacht. Nun dürfen ausgewählte Vertreter des Volkes eine noch nähere Begegnung erleben. Der entscheidende Unterschied besteht nicht darin, dass diese Männer von Natur aus weniger gefährdet gewesen wären. Gott selbst gewährt ihnen den Zugang und bewahrt ihr Leben. Vers 11 hebt deshalb besonders die Gnade hervor, die in dieser außergewöhnlichen Begegnung sichtbar wird.
Anschließend heißt es erneut, dass die Männer Gott schauten. Diesmal verwendet der hebräische Text das Verb chazah, das häufig auch im Zusammenhang prophetischer Schauungen begegnet. Die beiden unterschiedlichen Verben bestätigen gemeinsam, dass das Sehen Gottes im Mittelpunkt des Berichts steht. Daraus lässt sich jedoch nicht sicher ableiten, die Männer hätten zwei zeitlich voneinander getrennte Erscheinungen erlebt. Ebenso wenig beweist die Verwendung von chazah allein, dass es sich ausschließlich um eine innere Vision ohne jede äußere Wahrnehmung gehandelt habe. Der Text erläutert die genaue Art der Erfahrung nicht. Er hält vielmehr zweimal fest, dass Gott sich diesen Männern auf besondere Weise zu erkennen gab.
Auch Vers 11 weist in der Septuaginta eine wichtige Abweichung auf. Der griechische Text erklärt sinngemäß, dass keiner der ausgewählten Männer zugrunde ging und dass sie am Ort Gottes erschienen beziehungsweise gesehen wurden. Die hebräische Aussage, dass sie Gott schauten, wird damit nicht in derselben Form wiedergegeben. Zusammen mit der Änderung in Vers 10 zeigt sich eine zurückhaltendere Darstellung der unmittelbaren Gotteswahrnehmung. Zugleich bleibt die Tatsache bestehen, dass die Männer in außergewöhnlicher Nähe zur göttlichen Gegenwart waren und ihr Leben bewahrt wurde. Die Unterschiede sind deshalb für die Geschichte der Bibelauslegung bedeutsam, verändern aber nicht den grundlegenden Zusammenhang zwischen Gottes Gegenwart und der gewährten Bewahrung.
Der letzte Satz der Begegnung ist besonders eindrücklich: Die Männer aßen und tranken. Nach der außergewöhnlichen Gotteserscheinung beschreibt der Erzähler eine alltägliche menschliche Handlung. Essen und Trinken gehören zum gewöhnlichen Leben, erhalten aber durch den Zusammenhang eine besondere Bedeutung. Die Männer befinden sich in einer Situation, die von Gottes Gegenwart geprägt ist. Sie haben seine Herrlichkeit wahrgenommen und erfahren, dass er ihr Leben bewahrt. Anschließend dürfen sie essen und trinken. Die unmittelbare Verbindung mit der vorausgegangenen Bundesbestätigung legt nahe, darin ein gemeinsames Mahl im Zusammenhang des Bundes zu erkennen. Die Gemeinschaft mit Gott wird damit nicht nur durch Worte und Opferhandlungen, sondern auch durch ein gemeinsames Essen sichtbar.
Im Alten Testament konnten gemeinsame Mahlzeiten eine bestehende Beziehung bestätigen oder begleiten. Besonders 1. Mose 31,44–54 bietet einen Vergleich. Dort schließen Jakob und Laban eine Vereinbarung, errichten ein Erinnerungszeichen und essen gemeinsam. Ebenso berichtet 2. Mose 18,12 von einem Opfer und einem anschließenden Mahl Aarons und der Ältesten Israels vor Gott. Solche Stellen helfen, das Essen in 2. Mose 24 als Teil einer feierlichen Gemeinschaft zu verstehen. Allerdings erklärt der Text nicht, welche Speisen und Getränke die Männer zu sich nahmen. Auch die Vermutung, dass sie das Fleisch der zuvor dargebrachten Friedensopfer verzehrten, bleibt eine plausible, aber nicht ausdrücklich bestätigte Erklärung. Aus der bloßen Erwähnung des Trinkens lässt sich insbesondere kein bestimmtes Getränk nachweisen.
In der Auslegungsgeschichte wurde die Mahlzeit unterschiedlich beurteilt. Manche jüdischen Ausleger verstanden das Essen und Trinken als Zeichen einer besonderen, von Gott ermöglichten Gemeinschaft. Andere sahen darin eine unangemessene Vertraulichkeit gegenüber seiner Heiligkeit und vermuteten, dass die Männer sich nicht ehrfürchtig genug verhielten. Der unmittelbare Text erhebt jedoch keinen ausdrücklichen Vorwurf. Vielmehr hebt er hervor, dass Gott die Männer am Leben ließ. Deshalb ist es naheliegender, die Mahlzeit zunächst als gewährte Gemeinschaft im Zusammenhang der Bundesbestätigung zu verstehen. Eine verborgene Sünde der Ältesten sollte nicht allein aus späteren Auslegungstraditionen in den Bericht hineingelesen werden.
Die außergewöhnliche Gottesbegegnung besitzt zugleich eine Bedeutung für das Verständnis des gesamten Bundesgeschehens. Israel hatte gerade öffentlich erklärt, den Worten des HERRN gehorchen zu wollen. Mose hatte den Bund mit Blut bestätigt. Nun dürfen Vertreter des Volkes in Gottes Gegenwart kommen und dort essen und trinken. Die Bundesbeziehung erscheint damit nicht lediglich als eine Sammlung rechtlicher Verpflichtungen. Gott hat Israel aus Ägypten befreit, ihm seine Weisungen gegeben und gewährt ihm nun eine besondere Form der Gemeinschaft. Dennoch wird seine Heiligkeit dadurch nicht aufgehoben. Die Männer dürfen ihm nur so nahe kommen, wie er es selbst ermöglicht hat, und Mose allein wird anschließend zu einem weiteren Aufstieg gerufen.
Die Verse 9–11 zeigen somit eine außergewöhnliche Verbindung von göttlicher Herrlichkeit, menschlicher Begrenztheit und gewährter Gemeinschaft. Die Ältesten sehen den Gott Israels, ohne dass der Bericht seine Erscheinung vollständig beschreibt. Sie erleben seine Nähe, ohne daran zugrunde zu gehen, und dürfen anschließend in seiner Gegenwart essen und trinken. Der Abschnitt macht deutlich, dass Gott nicht nur Gebote erteilt und Verpflichtungen fordert, sondern seinem Volk auch Gemeinschaft mit sich ermöglicht. Diese Gemeinschaft beruht jedoch nicht darauf, dass Menschen seine Heiligkeit überwinden oder sich eigenmächtig Zugang verschaffen könnten. Sie wird ihnen von dem Gott geschenkt, der sie zu sich ruft und ihr Leben in seiner Gegenwart bewahrt.
2. Mose 24,12–14
Die steinernen Tafeln, Josua und die Verantwortung Aarons und Hurs
Nach der außergewöhnlichen Gottesbegegnung der Ältesten richtet sich die Aufmerksamkeit wieder auf Mose. Gott fordert ihn auf, weiter auf den Berg zu steigen und dort zu bleiben. Er will ihm die steinernen Tafeln geben, auf denen er seine Weisungen selbst niedergeschrieben hat. Mose macht sich daraufhin gemeinsam mit seinem Diener Josua auf den Weg. Bevor er die Ältesten zurücklässt, weist er sie an, auf seine Rückkehr zu warten. Aaron und Hur sollen während seiner Abwesenheit als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die drei Verse verbinden damit zwei wichtige Aufgaben Moses: Er soll Gottes Weisung empfangen und zugleich dafür sorgen, dass die Gemeinschaft Israels während seiner Abwesenheit nicht ohne verantwortliche Führung bleibt.
Vers 12 beginnt mit einer erneuten Einladung Gottes. Mose soll zu ihm auf den Berg kommen und dort bleiben. Die hebräische Formulierung wehejeh scham bedeutet „und bleibe dort“ beziehungsweise „und sei dort“. Sie macht deutlich, dass Mose nicht nur für eine kurze Begegnung gerufen wird. Gott hat weitere Anweisungen für ihn, deren Empfang Zeit beanspruchen wird. Wie lange der Aufenthalt dauern soll, erfährt Mose an dieser Stelle noch nicht. Erst am Ende des Kapitels berichtet die Erzählung von vierzig Tagen und vierzig Nächten. Der Auftrag verlangt deshalb Vertrauen und die Bereitschaft, die gewohnte Verantwortung für das Volk vorübergehend anderen zu überlassen.
Der angekündigte Zweck des Aufstiegs ist besonders bedeutsam. Gott will Mose steinerne Tafeln übergeben und nennt dabei das Gesetz und das Gebot, das er geschrieben hat, um das Volk zu unterweisen. Im hebräischen Text stehen die Begriffe torah und mitzwah. Torah bezeichnet grundsätzlich eine Weisung oder Unterweisung; mitzwah bedeutet Gebot oder Anordnung. Die Formulierung unterstreicht, dass die schriftlich festgehaltenen Worte der Unterweisung Israels dienen sollen. Mose empfängt sie nicht als persönliches Geheimwissen, sondern damit das Volk Gottes Willen kennt und sein Leben danach ausrichten kann.
Dabei muss zwischen der Niederschrift Moses aus Vers 4 und den Tafeln aus Vers 12 unterschieden werden. Mose hatte die Bundesworte bereits selbst aufgeschrieben und anschließend öffentlich vorgelesen. Nun kündigt Gott eine andere schriftliche Gabe an: Die Tafeln stammen von ihm selbst. In 2. Mose 31,18 wird später ausdrücklich erklärt, dass die beiden steinernen Tafeln mit dem Finger Gottes beschrieben waren. 2. Mose 32,15–16 hebt hervor, dass sowohl die Tafeln als auch die Schrift Gottes Werk waren. Der Text unterstreicht damit die besondere Autorität dieser Aufzeichnung. Während Mose als Übermittler und Schreiber der zuvor verkündeten Bundesworte tätig war, wird die Schrift auf den Tafeln ausdrücklich Gott zugeschrieben.
Was genau auf den Tafeln stand, wird in Vers 12 noch nicht vollständig erläutert. Die Formulierung „Gesetz und Gebot“ hat deshalb unterschiedliche Auslegungen hervorgerufen. Manche verstehen sie als Bezeichnung für die gesamte göttliche Unterweisung, die Mose empfangen sollte. In der jüdischen Auslegung wurde der Vers außerdem mit dem Verhältnis zwischen schriftlicher und mündlich überlieferter Lehre verbunden. Aus dem unmittelbaren Wortlaut lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Gott Mose hier ausdrücklich zwei getrennte Gesetzessammlungen oder bereits sämtliche fünf Bücher Mose auf steinernen Tafeln übergeben wollte. Der weitere biblische Zusammenhang ist entscheidend: Nach 5. Mose 4,13 und 10,4 schrieb Gott die Zehn Worte auf zwei steinerne Tafeln. Diese späteren Aussagen bestimmen den Inhalt der Bundestafeln genauer. Die Zahl zwei wird in 2. Mose 24,12 selbst noch nicht genannt.
Die steinernen Tafeln besitzen damit eine besondere Stellung innerhalb der Bundesgeschichte. Sie enthalten nicht einfach eine weitere menschliche Zusammenfassung der göttlichen Weisungen. Gott selbst lässt seine Worte schriftlich festhalten. Gerade nach der feierlichen Bundesbestätigung wird dadurch deutlich, dass Israel seine Verpflichtungen nicht nach Belieben verändern darf. Die Tafeln werden später auch als „Tafeln des Zeugnisses“ bezeichnet (2. Mose 31,18). Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie die von Gott gegebene Bundesweisung bezeugen. Zugleich bleibt der Zweck ihrer Übergabe ausdrücklich die Unterweisung des Volkes. Die Gebote sollen nicht nur als ehrwürdige Gegenstände aufbewahrt, sondern verstanden und beachtet werden.
Vers 13 berichtet, dass Mose gemeinsam mit seinem Diener Josua aufbricht. Josua ist bereits aus 2. Mose 17 bekannt. Dort hatte Mose ihn beauftragt, Männer auszuwählen und Israel im Kampf gegen Amalek anzuführen. Während Josua im Tal kämpfte, stand Mose auf dem Hügel und hielt den Stab Gottes empor. Nun begegnet Josua in einer anderen Aufgabe. Er begleitet Mose auf seinem Weg zum Berg Gottes. Das hebräische Wort mescharet, das hier für seinen Dienst verwendet wird, bezeichnet einen persönlichen Helfer oder Diener, der einem anderen bei dessen Aufgaben zur Seite steht. Es handelt sich nicht um die Bezeichnung eines Sklaven, sondern um eine verantwortliche Dienststellung. Josua wird später selbst die Führung Israels übernehmen. An dieser Stelle steht er jedoch noch als Begleiter Moses im Hintergrund.
Auffällig ist, dass Vers 13 zunächst Mose und Josua gemeinsam nennt, anschließend aber ausdrücklich sagt, Mose sei auf den Berg Gottes gestiegen. Daraus ergibt sich keine vollständige Beschreibung ihrer jeweiligen Aufenthaltsorte. Sicher ist, dass Josua Mose auf seinem Weg begleitete. Ob beide während des gesamten Aufstiegs unmittelbar beieinanderblieben, wird nicht erläutert. In 2. Mose 32,17 erscheint Josua erneut in Moses Nähe, als die beiden nach dem Aufenthalt auf dem Berg die Geräusche aus dem Lager hören. Das spricht dafür, dass Josua auch während eines wesentlichen Teils der Abwesenheit Moses in seiner Nähe blieb. Der Text sagt jedoch nicht, dass Josua gemeinsam mit Mose die göttliche Herrlichkeit innerhalb der Wolke betrat oder sämtliche Offenbarungen empfing. Diese besondere Aufgabe wird ausdrücklich Mose zugeordnet.
Bevor Mose weitergeht, gibt er den Ältesten eine klare Anweisung: Sie sollen warten, bis er und sein Begleiter zurückkehren. Die Aufforderung richtet sich an diejenigen, die zuvor an der besonderen Gottesbegegnung teilgenommen hatten. Der genaue Ort, an dem sie warten sollten, wird nicht beschrieben. Deshalb lässt sich keine sichere Höhenstufe des Berges bestimmen, auf der sie sich zu diesem Zeitpunkt befanden. Wichtig ist vielmehr, dass Mose seine Rückkehr ankündigt und die Ältesten nicht eigenmächtig weitersteigen sollen. Ihre Aufgabe besteht darin, an dem ihnen zugewiesenen Ort zu bleiben und die weitere Entwicklung abzuwarten. Die verschiedenen Zugangsgrenzen aus den ersten beiden Versen bleiben somit auch während des weiteren Aufstiegs bedeutsam.
Anschließend nennt Mose Aaron und Hur als Ansprechpartner. Aaron war bereits seit der Befreiung aus Ägypten an Moses Seite tätig. Hur wird besonders in 2. Mose 17,10–12 erwähnt, wo er gemeinsam mit Aaron Moses Arme während des Kampfes gegen Amalek stützte. Beide Männer hatten sich damit schon zuvor als wichtige Unterstützer Moses erwiesen. Nun erhalten sie eine Aufgabe, die nicht unmittelbar mit einem Kampf oder einer Gotteserscheinung verbunden ist. Sie sollen während Moses Abwesenheit für diejenigen zur Verfügung stehen, die eine Angelegenheit vorbringen müssen. Der Text sagt nicht ausdrücklich, dass sie damit sämtliche bisherigen Aufgaben Moses vollständig übernehmen. Er macht jedoch deutlich, dass innerhalb der Gemeinschaft weiterhin verantwortliche Ansprechpartner vorhanden sein sollen.
Die Wendung „wer eine Angelegenheit hat“ verwendet den hebräischen Ausdruck baʿal devarim, der hier jemanden bezeichnet, der einen Streitfall oder eine zu verhandelnde Angelegenheit vorbringen möchte. Dieser rechtliche Zusammenhang erinnert an 2. Mose 18. Dort hatte Jethro Mose geraten, die Rechtsprechung nicht ausschließlich selbst auszuüben, sondern geeignete Männer mit der Entscheidung gewöhnlicher Streitfälle zu betrauen. Schwierige Angelegenheiten sollten weiterhin Mose vorgelegt werden. In 2. Mose 24 wird nun eine besondere Regelung für seine bevorstehende Abwesenheit genannt. Aaron und Hur sollen verhindern, dass die Israeliten bei wichtigen Angelegenheiten ohne eine erreichbare Leitung bleiben.
Diese Anweisung zeigt eine wichtige Seite der Verantwortung Moses. Er verlässt das Volk nicht einfach, ohne an die Aufgaben zu denken, die während seiner Abwesenheit weiterbestehen. Die Begegnung mit Gott besitzt für ihn höchste Bedeutung, aber die Bedürfnisse der Gemeinschaft verschwinden dadurch nicht. Rechtsstreitigkeiten, Fragen des Zusammenlebens und Entscheidungen innerhalb des Lagers können nicht grundsätzlich auf unbestimmte Zeit aufgeschoben werden. Deshalb sorgt Mose dafür, dass andere Männer Verantwortung übernehmen können. Die biblische Erzählung beschreibt damit eine geordnete Weitergabe bestimmter Aufgaben, ohne Moses besondere Berufung dadurch aufzuheben.
Gerade Aarons Stellung erhält durch den späteren Verlauf eine ernste Bedeutung. In 2. Mose 32 wird berichtet, dass das Volk während Moses Abwesenheit von Aaron verlangt, ihm Götter zu machen, die vor ihm herziehen sollen. Aaron gibt diesem Druck nach und wirkt an der Herstellung des goldenen Kalbes mit. Dadurch wird sichtbar, dass eine übertragene Leitungsverantwortung nicht automatisch bedeutet, dass der Beauftragte in jeder späteren Situation richtig handelt. Die Erwähnung Aarons in 2. Mose 24,14 enthält jedoch noch keine Kritik. An dieser Stelle erhält er eine verantwortliche Aufgabe. Erst die spätere Erzählung zeigt, wie er mit einer besonderen Herausforderung umgeht. Die beiden Ereignisse dürfen deshalb nicht so miteinander vermischt werden, als würde Mose bereits hier Aarons spätere Verfehlung voraussetzen.
Auch über Hur berichtet die Bibel nach dieser Anweisung nur noch wenig. Aus dem Schweigen des folgenden Berichts kann nicht sicher geschlossen werden, wie er während der Ereignisse um das goldene Kalb handelte. Spätere jüdische Überlieferungen enthalten Erklärungen über sein Schicksal, die jedoch nicht ausdrücklich im zweiten Mosebuch stehen. Für eine bibelgebundene Auslegung muss diese Grenze beachtet werden. Mose überträgt Aaron und Hur eine Aufgabe; was Hur anschließend im Einzelnen tat, wird nicht berichtet.
Die Verse 12–14 verbinden damit die außergewöhnliche Berufung Moses mit den gewöhnlichen Anforderungen an verantwortliche Leitung. Gott ruft Mose zu sich, um ihm seine schriftlich festgehaltenen Weisungen zu geben. Josua begleitet ihn als treuer Diener, während Aaron und Hur für die Ältesten erreichbar bleiben sollen. Das Volk wird nicht sich selbst überlassen, auch wenn sein wichtigster menschlicher Leiter vorübergehend abwesend ist. Zugleich wird deutlich, dass der Empfang göttlicher Weisung nicht dem persönlichen Ansehen Moses dienen soll. Gott gibt ihm die Tafeln ausdrücklich, damit Israel unterwiesen wird.
Der Abschnitt zeigt somit, dass Gottes Wort und verantwortliches Handeln innerhalb der Gemeinschaft eng zusammengehören. Mose soll Gottes Gebote empfangen, während andere Männer die notwendigen Aufgaben im Volk übernehmen. Seine besondere Nähe zu Gott entbindet ihn nicht von der Verantwortung für die Menschen, die ihm anvertraut sind. Umgekehrt können Aaron und Hur ihre Aufgaben nur dann richtig erfüllen, wenn sie selbst Gottes Weisungen achten. So bereiten diese Verse den weiteren Aufstieg Moses vor und zeigen zugleich, dass die Leitung des Volkes während seiner Abwesenheit geordnet fortgesetzt werden soll.
2. Mose 24,15–18
Gottes Herrlichkeit und Moses vierzig Tage auf dem Berg
Mose steigt weiter auf den Sinai, während eine Wolke den Berg bedeckt. Die Herrlichkeit des HERRN lässt sich dort nieder, doch Mose darf nicht sofort in die Wolke hineingehen. Sechs Tage vergehen, bevor Gott ihn am siebenten Tag aus ihrer Mitte ruft. Für die Israeliten, die sich unterhalb des Berges befinden, erscheint Gottes Herrlichkeit wie ein verzehrendes Feuer auf dem Gipfel. Mose folgt schließlich dem göttlichen Ruf, betritt die Wolke und bleibt vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berg. Damit endet die Bundesbestätigung und zugleich beginnt ein neuer Abschnitt der Offenbarung Gottes. In den folgenden Kapiteln wird Mose die ausführlichen Anweisungen für das Heiligtum und den Dienst darin empfangen.
Vers 15 berichtet zunächst, dass Mose auf den Berg steigt und eine Wolke ihn bedeckt. Die Wolke ist bereits aus der bisherigen Geschichte Israels bekannt. Während des Auszugs aus Ägypten hatte Gott sein Volk durch eine Wolkensäule am Tag und eine Feuersäule in der Nacht geführt (2. Mose 13,21–22). Auch bei der Offenbarung am Sinai war eine dichte Wolke erschienen, aus der Gott zu Mose sprach (2. Mose 19,9.16). Nun begegnet dieses Zeichen erneut. Es macht Gottes besondere Gegenwart erkennbar, ohne den Menschen einen unbeschränkten Blick auf ihn zu ermöglichen. Die Wolke ist damit nicht lediglich eine ungewöhnliche Wettererscheinung. Innerhalb der Erzählung gehört sie zur sichtbaren Offenbarung des HERRN.
In Vers 16 wird ausdrücklich erklärt, dass die Herrlichkeit des HERRN auf dem Sinai ruhte. Das hebräische Wort für Herrlichkeit lautet kavod. Es kann im gewöhnlichen Sprachgebrauch Gewicht, Bedeutung oder Ansehen bezeichnen. Wenn die Bibel jedoch von der Herrlichkeit Gottes spricht, geht es um die Offenbarung seiner besonderen Größe und Gegenwart. Der Ausdruck darf deshalb nicht auf ein bloßes Gefühl der Ehrfurcht reduziert werden. Die Israeliten konnten etwas wahrnehmen, das ihnen Gottes Gegenwart auf außergewöhnliche Weise vor Augen führte. Zugleich beschreibt der Text nicht, dass Gottes gesamtes Wesen innerhalb der sichtbaren Erscheinung vollständig erfasst werden konnte. Die Herrlichkeit wird offenbar, doch Gott bleibt größer als das, was Menschen von ihm sehen.
Besonders bemerkenswert ist das hebräische Verb schakan, das für das Ruhen oder Sich-Niederlassen der Herrlichkeit verwendet wird. Es bezeichnet ein Bleiben beziehungsweise Wohnen an einem Ort. Dieses Wort steht sprachlich in enger Verbindung mit mischkan, der späteren Bezeichnung für die Stiftshütte als Wohnung Gottes unter seinem Volk. Die Verbindung ist für den weiteren Verlauf des zweiten Mosebuches wichtig. In 2. Mose 25,8 wird Gott Mose befehlen, ihm ein Heiligtum zu errichten, damit er mitten unter den Israeliten wohne. Noch ist diese Wohnung nicht gebaut. Gottes Herrlichkeit ruht zunächst auf dem Berg. Später wird die Wolke die fertiggestellte Stiftshütte bedecken und die Herrlichkeit des HERRN sie erfüllen (2. Mose 40,34–35). Der Zusammenhang zeigt, dass die Gegenwart Gottes am Sinai und sein späteres Wohnen unter Israel eng miteinander verbunden sind.
Die Wolke bedeckt den Berg sechs Tage lang. Erst am siebenten Tag ruft Gott Mose aus ihrer Mitte. Der Bericht nennt keinen ausdrücklichen Grund für diese Wartezeit. Deshalb sollte nicht behauptet werden, Mose habe sechs Tage lang eine bestimmte vorgeschriebene Reinigung, ein festgelegtes Fasten oder eine besondere Vorbereitungszeremonie vollzogen. Solche Erklärungen können in der Auslegungsgeschichte begegnen, werden aber hier nicht berichtet. Sicher ist, dass Mose den weiteren Zugang nicht eigenmächtig nimmt. Obwohl er bereits auf Gottes Befehl hinaufgestiegen ist, wartet er auf den erneuten Ruf. Die Entscheidung über den Zeitpunkt der Begegnung liegt bei Gott.
Die Abfolge von sechs Tagen und einem siebenten Tag erinnert an die Schöpfungserzählung aus 1. Mose 1–2. Dort wird Gottes Schöpfungswerk in sechs Tagen beschrieben, während der siebente Tag eine besondere Stellung erhält. Auch im weiteren Zusammenhang der Heiligtumsanweisungen treten Verbindungen zur Schöpfung hervor. Besonders am Ende der Bauanweisungen wird erneut das Sabbatgebot hervorgehoben und mit Gottes Schöpfungshandeln begründet (2. Mose 31,12–17). Deshalb ist es gut möglich, dass die siebentägige Abfolge am Sinai bewusst an die Schöpfungsordnung erinnert. Der vorliegende Vers bezeichnet den siebenten Tag jedoch nicht ausdrücklich als Sabbat. Ebenso wenig wird gesagt, Gott habe Mose an diesem Tag aufgrund eines wöchentlichen Sabbatgottesdienstes gerufen. Die sprachliche und literarische Verbindung ist bemerkenswert, darf aber nicht zu einer Aussage erweitert werden, die der Text selbst nicht macht.
Auch die unterschiedliche Rolle Gottes und Moses wird durch die Wartezeit hervorgehoben. Mose ist der berufene Vermittler der göttlichen Weisungen. Er hat die Gebote bereits empfangen, das Volk geführt und den Bund bestätigt. Trotzdem kann er die nächste Offenbarung nicht selbst herbeiführen. Er muss warten, bis Gott zu ihm spricht. Diese Zurückhaltung zeigt, dass Moses besondere Stellung nicht auf einer eigenständigen Macht über die göttliche Gegenwart beruht. Seine Autorität entsteht aus Gottes Auftrag. Gerade weil er Gottes Worte an Israel weitergeben soll, darf er nicht seine eigenen Vorstellungen an die Stelle dessen setzen, was der HERR ihm tatsächlich offenbart.
In Vers 17 richtet sich die Aufmerksamkeit vom Berg auf das Volk. Für die Israeliten erscheint die Herrlichkeit des HERRN wie ein verzehrendes Feuer auf dem Gipfel. Das hebräische Wort ʾokhelet gehört zum Verb ʾakhal, „essen“ beziehungsweise „verzehren“. Die Formulierung beschreibt einen Anblick, der an ein Feuer erinnert, das alles ergreift, was ihm ausgesetzt ist. Der Text verwendet ausdrücklich einen Vergleich. Er sagt nicht, dass der gesamte Berg tatsächlich verbrannte oder dass seine Gesteinsmassen durch ein gewöhnliches Feuer zerstört wurden. Entscheidend ist der überwältigende Eindruck der sichtbaren Herrlichkeit Gottes.
Wolke und Feuer stehen dabei nicht im Widerspruch zueinander. Die Wolke verhüllt die göttliche Gegenwart, während der feurige Glanz ihre außergewöhnliche Macht erkennbar macht. Beide Erscheinungen waren bereits beim Auszug aus Ägypten miteinander verbunden. Nun begegnen sie erneut, allerdings in einer anderen Situation. Am Schilfmeer offenbarte Gott seine Macht besonders durch die Rettung Israels vor dem ägyptischen Heer. Am Sinai verbindet sich seine Herrlichkeit mit der Offenbarung seiner Weisungen und der Bestätigung seines Bundes. In beiden Fällen soll Israel erkennen, dass es nicht einem gewöhnlichen menschlichen Anführer folgt, sondern dem Gott, der es aus Ägypten befreit hat.
Der Vergleich mit dem verzehrenden Feuer erhält in 5. Mose 4,24 eine weitere Bedeutung. Dort erklärt Mose, dass der HERR ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott sei. Der Zusammenhang warnt besonders vor der Anfertigung und Verehrung von Götzenbildern. Die Erinnerung an Gottes Herrlichkeit soll Israel davor bewahren, den lebendigen Gott mit einem selbst hergestellten Bild gleichzusetzen. Auch Hebräer 12,28–29 greift später das Bild des verzehrenden Feuers auf und verbindet es mit Ehrfurcht und einer Gott wohlgefälligen Anbetung. Diese Stellen zeigen, dass Gottes Herrlichkeit nicht lediglich als eindrucksvolle Schönheit verstanden werden soll. Sie erinnert ebenso an seine Heiligkeit und daran, dass Menschen ihm nicht gleichgültig oder eigenmächtig begegnen sollen.
Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen dem, was Mose erlebt, und dem, was das Volk sieht. Für die Israeliten bleibt die Herrlichkeit auf dem Gipfel sichtbar, doch sie hören nicht sämtliche Worte, die Mose dort empfangen wird. Mose dagegen wird ausdrücklich in die Wolke gerufen. Der Text beschreibt somit unterschiedliche Formen der Begegnung mit Gott. Das Volk erhält ein sichtbares Zeugnis seiner Gegenwart, während Mose die besondere Aufgabe hat, seine weiteren Weisungen entgegenzunehmen. Diese Unterscheidung bedeutet nicht, dass Gott nur Mose als Angehörigen seines Volkes anerkennen würde. Vielmehr dient dessen besondere Berufung der gesamten Gemeinschaft. Was Mose empfängt, soll später Israel zugutekommen.
Vers 18 berichtet schließlich, dass Mose in die Wolke hineingeht und weiter auf den Berg steigt. Damit wird die Bewegung abgeschlossen, die bereits in Vers 12 begonnen hatte. Mose hatte Gottes Einladung erhalten, war gemeinsam mit Josua aufgebrochen und hatte die Ältesten zurückgelassen. Nun betritt er den Bereich, aus dem Gott zu ihm gesprochen hat. Der Text nennt an dieser Stelle ausschließlich Mose. Daraus darf nicht abgeleitet werden, Josua habe ihn überhaupt nicht auf den Berg begleitet, denn Vers 13 berichtet ausdrücklich das Gegenteil. Ebenso wenig wird jedoch gesagt, Josua sei mit ihm in die Wolke eingetreten. Der Zugang zu diesem besonderen Ort der Offenbarung wird ausdrücklich Mose zugeschrieben.
Am Ende steht die Zeitangabe von vierzig Tagen und vierzig Nächten. Das hebräische Wort ʾarbaʿim bezeichnet die Zahl vierzig. Der Bericht beschreibt damit einen ausgedehnten Aufenthalt auf dem Berg, ohne an dieser Stelle jeden einzelnen Tag näher zu erläutern. Die zuvor genannten sechs Tage und die Berufung am siebenten Tag werfen eine chronologische Frage auf: Sind diese Tage bereits in den vierzig Tagen enthalten, oder beschreibt der abschließende Satz einen Zeitraum, der erst mit dem Eintritt in die Wolke beginnt? Der Text enthält keine ausdrückliche Rechenanweisung, die diese Frage zweifelsfrei entscheidet. Deshalb sollte nicht behauptet werden, Mose sei insgesamt sicher sechsundvierzig oder siebenundvierzig Tage auf dem Berg gewesen. Die Überlieferung kann den gesamten Aufenthalt zusammenfassend beschreiben, ohne jede einzelne Phase gesondert zu addieren.
In 5. Mose 9,9–11 blickt Mose auf diesen Aufenthalt zurück. Dort erklärt er ausdrücklich, dass er während der vierzig Tage und Nächte weder Brot aß noch Wasser trank. Diese Information steht nicht in 2. Mose 24,18 selbst, gehört aber zum späteren biblischen Rückblick auf die Ereignisse am Sinai. Ein derart langer vollständiger Verzicht auf Nahrung und Wasser wäre unter gewöhnlichen menschlichen Bedingungen nicht möglich. Innerhalb des biblischen Berichts ist deshalb von einer außergewöhnlichen Bewahrung Moses auszugehen. Die Aussage darf weder als gewöhnliche menschliche Leistungsfähigkeit dargestellt noch als Aufforderung verstanden werden, ein solches Fasten nachzuahmen. Ihre Bedeutung liegt in der Besonderheit der Gottesbegegnung, nicht in der Einführung einer allgemeinen religiösen Fastenvorschrift.
Die vierzig Tage besitzen außerdem eine Verbindung zu späteren Ereignissen. Nach der Sünde mit dem goldenen Kalb wird Mose erneut vierzig Tage und Nächte vor Gott verbringen (2. Mose 34,28; 5. Mose 9,18). Diese Aufenthalte müssen in ihrer jeweiligen geschichtlichen Situation unterschieden werden. Der erste steht mit dem Empfang der göttlichen Weisungen und der Bundestafeln in Verbindung. Der spätere Aufenthalt folgt auf den Bundesbruch Israels und gehört zur Erneuerung der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk. Die wiederholte Zeitangabe zeigt eine deutliche Verbindung zwischen den Ereignissen, bedeutet aber nicht, dass alle Berichte von vierzig Tagen dasselbe Geschehen beschreiben.
In den folgenden Kapiteln wird sichtbar, weshalb Moses Aufenthalt so ausführlich erwähnt wird. Gott gibt ihm Anweisungen über das Heiligtum, die Bundeslade, den Tisch, den Leuchter, die Altäre, die priesterlichen Gewänder und weitere Einrichtungen des Gottesdienstes. Diese Bestimmungen sind keine zufälligen Einzelheiten, die Mose nach seinem eigenen Geschmack entwerfen soll. Wiederholt wird er aufgefordert, sich an das zu halten, was Gott ihm zeigt. Besonders 2. Mose 25,9.40 hebt hervor, dass die Herstellung des Heiligtums nach dem offenbarten Muster erfolgen soll. Der lange Aufenthalt auf dem Berg bildet deshalb den Rahmen für eine umfangreiche Unterweisung, die das spätere Leben Israels prägen wird.
Eine besonders bedeutsame Verbindung entsteht zum Ende des zweiten Mosebuches. Nachdem die Stiftshütte fertiggestellt ist, bedeckt die Wolke das Heiligtum, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllt es (2. Mose 40,34–38). Die Erscheinung, die am Sinai den Berg bedeckte, wird dann mit dem Ort verbunden, an dem Gott mitten unter seinem Volk wohnen will. Damit erhält die gesamte Erzählung eine bemerkenswerte Entwicklung. Israel musste zunächst am Fuß des Berges bleiben, während Mose die göttlichen Weisungen empfing. Später wird Gott durch das von ihm angeordnete Heiligtum seine Gegenwart inmitten des Lagers bezeugen. Die Stiftshütte hebt seine Heiligkeit nicht auf, sondern schafft eine von ihm bestimmte Ordnung für die Begegnung mit seiner Gegenwart.
Die letzten Verse von 2. Mose 24 zeigen somit, dass Gottes Herrlichkeit zugleich offenbar und verhüllt ist. Das Volk sieht den feurigen Glanz auf dem Berg, während Mose erst nach ausdrücklicher Einladung in die Wolke eintreten darf. Die sechs Tage des Wartens, der Ruf am siebenten Tag und die vierzig Tage auf dem Berg unterstreichen, dass die Offenbarung Gottes nicht dem menschlichen Willen untersteht. Mose empfängt seine besondere Aufgabe nicht, weil er über die göttliche Gegenwart verfügen könnte, sondern weil Gott ihn beruft und zu sich ruft.
Damit endet das Kapitel an einem entscheidenden Übergang. Der Bund ist bestätigt, die Vertreter Israels haben eine außergewöhnliche Gotteserscheinung erlebt, und Mose befindet sich nun in der Gegenwart des HERRN, um weitere Weisungen zu empfangen. Das verzehrende Feuer erinnert an Gottes unantastbare Heiligkeit, während seine Bereitschaft, Mose zu sich zu rufen, seine Zuwendung zum Volk erkennen lässt. Der Gott, dessen Herrlichkeit für Menschen überwältigend ist, will dennoch unter ihnen wohnen. Wie diese Gemeinschaft möglich sein soll und welche Ordnung er dafür bestimmt, wird zum Gegenstand der folgenden Kapitel.
Geistliche Kernbotschaft
2. Mose 24 zeigt, dass Gott die Gemeinschaft mit seinem Volk nicht dem Zufall überlässt. Er hat Israel aus der Knechtschaft befreit, ihm seine Weisungen offenbart und bestätigt nun den Bund, der beide miteinander verbindet. Dabei geht die Initiative von Gott aus. Die Israeliten haben ihre Befreiung nicht durch vorherigen Gehorsam verdient. Erst nachdem Gott sie gerettet hat, erfahren sie, wie sie als sein Volk leben sollen. Ihre Bereitschaft zum Gehorsam ist deshalb eine Antwort auf seine vorausgegangene Gnade. Diese Reihenfolge ist entscheidend: Gottes Zuwendung begründet die Beziehung, und die Menschen werden dazu aufgerufen, ihr durch Vertrauen und Gehorsam zu entsprechen.
Besonders deutlich wird die Ernsthaftigkeit dieser Beziehung bei der Bundesbestätigung. Die Worte Gottes werden öffentlich vorgelesen, und das Volk erklärt seine Zustimmung. Anschließend wird der Bund mit Opferblut bestätigt. Die Israeliten sollen verstehen, dass ihre Zugehörigkeit zum HERRN mehr bedeutet als ein gemeinsames religiöses Bekenntnis. Sie übernehmen eine verbindliche Verantwortung. Gottes Gebote sollen ihr Zusammenleben prägen, ihre Entscheidungen bestimmen und ihre Treue zu ihm sichtbar machen. Dabei genügt die feierliche Zusage allein noch nicht. Erst das spätere Verhalten wird zeigen, ob das Volk bereit ist, entsprechend zu leben. Der folgende Bericht über das goldene Kalb macht deutlich, wie schnell Menschen von einer aufrichtigen Verpflichtung abweichen können.
Gleichzeitig offenbart das Kapitel eine erstaunliche Seite der Beziehung Gottes zu seinem Volk: Er will nicht nur Gehorsam, sondern gewährt Gemeinschaft mit sich. Die Ältesten Israels dürfen eine außergewöhnliche Erscheinung seiner Gegenwart erleben und vor ihm essen und trinken. Gerade weil die Bibel Gottes Heiligkeit so ernst nimmt, ist diese Begegnung bedeutsam. Die Männer können sich den Zugang nicht selbst verschaffen. Sie dürfen kommen, weil Gott sie eingeladen hat, und bleiben am Leben, weil er sie bewahrt. Seine Heiligkeit wird dadurch nicht geringer, aber seine Bereitschaft zur Gemeinschaft tritt umso deutlicher hervor. Gott bleibt erhaben über die Menschen und wendet sich ihnen dennoch zu.
Moses weiterer Aufstieg zeigt, dass diese Gemeinschaft zugleich auf Gottes Offenbarung angewiesen bleibt. Der Mensch bestimmt nicht selbst, wann und wie Gott zu ihm sprechen muss. Mose wartet auf den göttlichen Ruf und empfängt die Weisungen, die er später an Israel weitergeben soll. Seine besondere Stellung dient nicht seiner persönlichen Erhöhung, sondern dem Volk. Gottes Worte werden ihm anvertraut, damit die Israeliten lernen können, entsprechend ihrem Bund mit dem HERRN zu leben. Die steinernen Tafeln unterstreichen dabei, dass Gottes Weisungen nicht von menschlichen Vorlieben abhängen.
Im Licht des Neuen Testaments erhält die Bundesbestätigung eine weiterführende Bedeutung. Jesus spricht von seinem Bundesblut und verbindet seinen bevorstehenden Tod mit der Vergebung der Sünden (Matthäus 26,28). Der Hebräerbrief stellt ihn als Mittler eines neuen Bundes vor (Hebräer 9,15). Damit wird die Hoffnung des Menschen nicht auf die Vollkommenheit seiner eigenen Gehorsamsversprechen gegründet, sondern auf das Erlösungswerk Christi. Der neue Bund hebt die Bedeutung der Treue zu Gott nicht auf. Er verbindet die Vergebung der Sünden mit Gottes Verheißung, seine Weisung in das Herz seines Volkes zu schreiben (Jeremia 31,31–34).
Die geistliche Kernbotschaft von 2. Mose 24 liegt damit in der Verbindung von Gottes Gnade, der verbindlichen Antwort des Menschen und der von Gott ermöglichten Gemeinschaft mit ihm. Der HERR ist heilig und verdient Ehrfurcht. Zugleich wendet er sich Menschen zu, spricht zu ihnen und eröffnet ihnen einen Weg, in seiner Gegenwart zu leben. Der Bund erinnert daran, dass wahre Gottesbeziehung weder auf äußere religiöse Handlungen noch auf unverbindliche Worte beschränkt werden darf. Sie gründet auf Gottes Handeln und soll im Vertrauen auf ihn und im Gehorsam gegenüber seinem Wort sichtbar werden.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
2. Mose 19,4–6 und 5. Mose 5,1–6 – Befreiung als Grundlage des Bundes
Die Bundesbestätigung aus 2. Mose 24 wird verständlicher, wenn sie mit Gottes früherer Ansprache am Sinai verbunden wird. In 2. Mose 19,4 erinnert Gott die Israeliten zunächst daran, dass er sie aus Ägypten getragen und zu sich gebracht hat. Erst danach fordert er sie auf, seine Stimme zu hören und seinen Bund zu halten. Auch bei der Wiederholung der Zehn Gebote in 5. Mose 5 steht die Erinnerung an die Befreiung vor den einzelnen Geboten. Diese Abfolge zeigt, dass Israels Bundesgehorsam eine Antwort auf Gottes bereits erwiesene Treue sein sollte. Die Zustimmung in 2. Mose 24 gehört deshalb nicht zum Versuch des Volkes, sich seine Befreiung zu verdienen, sondern zur Annahme der Verantwortung, die aus dieser Befreiung folgt.
5. Mose 4,13 und 10,1–5 – Die besondere Stellung der steinernen Tafeln
In 2. Mose 24,12 kündigt Gott an, Mose die von ihm beschriebenen Tafeln zu geben. Die späteren Aussagen im fünften Mosebuch erläutern ihren Inhalt genauer. Dort wird ausdrücklich erklärt, dass Gott die Zehn Worte auf zwei steinerne Tafeln schrieb. Besonders 5. Mose 10,1–5 berichtet außerdem von der erneuten Anfertigung der Tafeln nach dem Bundesbruch am Sinai. Diese Verbindung hilft, zwei schriftliche Zeugnisse auseinanderzuhalten: Mose schrieb die zuvor empfangenen Bundesworte nieder, während Gott selbst die Zehn Worte auf die steinernen Tafeln schrieb. Beide gehören zur Bundesgeschichte, dürfen aber nicht ohne Weiteres als dieselbe Niederschrift betrachtet werden.
2. Mose 33,18–23; 4. Mose 12,6–8 und Johannes 1,18 – Gottes Offenbarung und die Grenzen menschlicher Wahrnehmung
Die Gotteserscheinung in 2. Mose 24,9–11 steht in einem bemerkenswerten Zusammenhang mit späteren Aussagen über das Sehen Gottes. In 2. Mose 33 erklärt Gott, dass Mose sein Angesicht nicht in uneingeschränkter Weise sehen könne. 4. Mose 12 hebt dagegen hervor, dass Gott mit Mose auf besonders unmittelbare Weise sprach, anders als bei gewöhnlichen prophetischen Offenbarungen. Johannes 1,18 betont schließlich, dass der Sohn den unsichtbaren Gott offenbart. Diese Stellen zeigen gemeinsam, dass die Bibel wirkliche Gottesbegegnungen kennt, ohne damit zu behaupten, Menschen könnten Gottes Wesen vollständig erfassen. Die Ältesten sahen Gott in einer ihnen gewährten Erscheinung; wie umfassend diese Wahrnehmung war, bleibt im Bericht offen.
Jeremia 31,31–34; Matthäus 26,26–28 und Hebräer 9,15–22 – Vom Blut des Sinaibundes zum neuen Bund
Die Worte Moses über das Blut des Bundes werden im Neuen Testament besonders deutlich aufgenommen. Jesus verbindet beim letzten Mahl sein eigenes Blut mit dem Bund und der Vergebung der Sünden. Jeremia 31 hatte zuvor einen neuen Bund angekündigt, in dem Gott seinem Volk seine Weisung ins Herz schreiben und seine Sünden vergeben würde. Der Hebräerbrief stellt Christus als Mittler dieses neuen Bundes vor und erläutert seine Erlösungstat im Zusammenhang mit den alttestamentlichen Opfer- und Bundeshandlungen. Der Unterschied ist wesentlich: Am Sinai wird der Bund mit dem Blut geopferter Tiere bestätigt. Jesus dagegen gibt sein eigenes Leben. Die Verbindung besteht deshalb nicht nur in einer ähnlichen Formulierung, sondern in der neutestamentlichen Deutung seines Todes als Grundlage des neuen Bundes.
1. Petrus 1,1–2 – Gehorsam und Besprengung mit dem Blut Christi
Petrus verbindet die Erwählung der Gläubigen mit der Heiligung durch den Geist, dem Gehorsam gegenüber Jesus Christus und der Besprengung mit seinem Blut. Diese Verbindung erinnert auffällig an 2. Mose 24, wo Israel Gottes Weisungen annimmt und anschließend mit Bundesblut besprengt wird. Der Petrusbrief zitiert die Sinaizeremonie nicht ausdrücklich, doch die gemeinsame Verbindung von Gehorsam und Blutbesprengung legt eine bewusste Aufnahme des Bundesmotivs nahe. Der Unterschied liegt wiederum in Christus selbst: Die Gläubigen werden nicht mit dem Blut der damaligen Opfer in Beziehung gesetzt, sondern mit seinem Erlösungswerk.
Hebräer 12,18–24 – Der Sinai und der Zugang zu Gott durch Jesus Christus
Der Hebräerbrief stellt die furchterregende Erscheinung am Sinai der Hoffnung gegenüber, die Christen durch Jesus Christus empfangen haben. Er erinnert an die Heiligkeit Gottes und die Furcht, die seine Offenbarung auslöste. Anschließend beschreibt er den Zugang zum himmlischen Jerusalem und nennt Jesus als Mittler des neuen Bundes. Die Gegenüberstellung bedeutet nicht, dass der Gott des Sinai ein anderer wäre als der Gott des neuen Bundes. Vielmehr zeigt sie, wie die Beziehung zu demselben heiligen Gott durch das Mittlerwerk Christi eine neue Grundlage erhält. Die Ehrfurcht vor Gott bleibt bestehen, während die Hoffnung des Gläubigen auf Christus gerichtet wird.
2. Mose 40,34–38 und 1. Könige 8,10–11 – Gottes Herrlichkeit erfüllt sein Heiligtum
Die Wolke, die in 2. Mose 24 den Sinai bedeckt, erscheint später erneut bei der Fertigstellung der Stiftshütte. In 2. Mose 40 erfüllt die Herrlichkeit des HERRN das Heiligtum so deutlich, dass Mose zunächst nicht hineingehen kann. Ein ähnliches Ereignis wird bei der Einweihung des salomonischen Tempels berichtet. In 1. Könige 8 erfüllt eine Wolke das Haus Gottes, sodass die Priester ihren Dienst nicht fortsetzen können. Diese Berichte verbinden die Gotteserscheinung am Sinai mit seinem späteren Wohnen unter Israel. Der HERR bleibt derselbe heilige Gott, doch seine Gegenwart ist nicht dauerhaft auf den Berg beschränkt. Das von ihm angeordnete Heiligtum wird zum besonderen Ort seiner Gegenwart innerhalb des Volkes.
Wichtige Lektionen
Gottes Wort verstehen, bevor man Verpflichtungen eingeht. Die Israeliten erklären ihre Zustimmung nicht zu einem unbekannten Inhalt. Mose teilt ihnen Gottes Worte mit und liest anschließend das Bundesbuch öffentlich vor. Daraus ergibt sich die Verantwortung, religiöse Überzeugungen nicht ausschließlich aus Gewohnheit oder aufgrund des Einflusses anderer Menschen zu übernehmen. Wer Gott gehorchen möchte, sollte sich ernsthaft damit beschäftigen, was die Bibel tatsächlich lehrt. Ein feierliches Bekenntnis gewinnt an Bedeutung, wenn der Mensch versteht, wozu er sich bekennt.
Ein Versprechen muss sich im späteren Verhalten bewähren. Israel erklärt zweimal seine Bereitschaft, alles zu tun, was der HERR gesagt hat. Dennoch wird das Volk schon bald gegen den bestätigten Bund verstoßen. Das zeigt, dass selbst eine öffentliche und aufrichtige Entscheidung keine Garantie für zukünftige Treue ist. Auch im persönlichen Glaubensleben genügt es nicht, einmal eine bedeutende Entscheidung getroffen zu haben. Gottes Weisungen müssen weiterhin beachtet werden, gerade wenn Versuchungen, Schwierigkeiten oder der Druck anderer Menschen entstehen. Zugleich erinnert das spätere Geschehen daran, wie sehr Menschen auf Gottes Vergebung und Hilfe angewiesen bleiben.
Besondere geistliche Erfahrungen ersetzen keinen beständigen Gehorsam. Nadab und Abihu durften gemeinsam mit Mose und den Ältesten eine außergewöhnliche Gotteserscheinung erleben. Trotzdem berichtet die Bibel später von ihrem schweren Ungehorsam. Daraus folgt nicht, dass ihre Begegnung am Sinai wertlos gewesen wäre. Sie zeigt jedoch, dass eine eindrucksvolle Erfahrung einen Menschen nicht automatisch vor späteren Fehlentscheidungen schützt. Entscheidend bleibt, wie jemand mit dem umgeht, was er über Gott erkannt hat. Geistliche Erfahrungen sollen die Treue zu Gott vertiefen, dürfen aber nicht als Ersatz für sie betrachtet werden.
Verantwortung muss auch bei Abwesenheit zuverlässig wahrgenommen werden. Bevor Mose weiter auf den Berg steigt, benennt er Aaron und Hur als Ansprechpartner für die Ältesten. Er berücksichtigt damit die Bedürfnisse der Gemeinschaft, obwohl ihn eine außergewöhnliche Aufgabe erwartet. Wer für andere Menschen Verantwortung trägt, sollte ebenfalls darauf achten, dass notwendige Entscheidungen nicht allein von seiner ständigen persönlichen Anwesenheit abhängen. Zugleich zeigt Aarons späteres Versagen, dass die Übertragung einer Aufgabe mit echter Verantwortung verbunden ist. Eine Führungsstellung ist keine Garantie für richtiges Handeln, sondern verlangt Treue und Urteilsvermögen.
Gottes Nähe ist ein Geschenk und kein menschlicher Anspruch. Die Ältesten können Gott begegnen, weil er ihnen den Zugang gewährt. Mose darf erst nach seinem ausdrücklichen Ruf in die Wolke eintreten. Daraus lässt sich keine allgemeine Vorschrift ableiten, nach der ein Mensch heute eine bestimmte Anzahl von Tagen warten oder einen besonderen Berg aufsuchen müsste. Der Abschnitt erinnert jedoch daran, dass Gott nicht durch menschliche Methoden verfügbar gemacht werden kann. Gebet und Gottesverehrung sollen von Vertrauen und Ehrfurcht geprägt sein. Der Mensch darf sich Gott zuwenden, ohne zu meinen, über ihn verfügen zu können.
Gottes Heiligkeit und seine Zuwendung gehören zusammen. Auf dem Berg erscheint seine Herrlichkeit wie ein verzehrendes Feuer. Gleichzeitig gewährt er den Ältesten Gemeinschaft und bewahrt ihr Leben. Beide Seiten sind für ein ausgewogenes Gottesverständnis wichtig. Wer ausschließlich Gottes Macht und Heiligkeit betrachtet, könnte seine Bereitschaft zur Gemeinschaft aus dem Blick verlieren. Wer dagegen nur seine Nähe betont, könnte die notwendige Ehrfurcht vernachlässigen. Der Bericht zeigt, dass Gottes Erhabenheit seine Zuwendung nicht ausschließt und seine Zuwendung seine Heiligkeit nicht aufhebt.
Die Hoffnung des neuen Bundes gründet auf Jesus Christus. Die Bundesbestätigung am Sinai macht deutlich, dass die Beziehung zu Gott ernst genommen werden muss. Das Neue Testament zeigt zugleich, dass Menschen ihre Hoffnung nicht auf die Fehlerlosigkeit eigener Versprechen setzen können. Jesus Christus ist der Mittler des neuen Bundes, und durch sein Opfer wird Vergebung möglich. Deshalb besteht die christliche Antwort auf menschliches Versagen weder darin, Sünde gleichgültig hinzunehmen, noch darin, sich durch eigene Leistung Gottes Gnade verdienen zu wollen. Sie besteht darin, sich Christus zuzuwenden, seine Vergebung anzunehmen und im Vertrauen auf ihn nach Gottes Willen zu leben.
2. Mose 24 erinnert damit an eine Verantwortung, die über ein einmaliges Glaubensbekenntnis hinausgeht. Gott spricht, offenbart seinen Willen und ermöglicht Gemeinschaft mit sich. Der Mensch wird eingeladen, darauf mit Vertrauen, Ehrfurcht und beständigem Gehorsam zu antworten. Gerade angesichts menschlicher Schwäche wird deutlich, weshalb die Vergebung und das Mittlerwerk Jesu Christi für die Hoffnung des neuen Bundes so entscheidend sind.