5. Mose 31

Und Mose ging hin und redete diese Worte mit dem ganzen Israel

30 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Und Mose ging hin und redete diese Worte mit dem ganzen Israel
  2. 2 und sprach zu ihnen: Ich bin heute hundertundzwanzig Jahre alt; ich kann nicht mehr aus noch ein gehen; dazu hat der HERR zu mir gesagt: Du sollst nicht über diesen Jordan gehen.
  3. 3 Der HERR, dein Gott, wird selber vor dir her gehen; er wird selber diese Völker vor dir her vertilgen, daß du ihr Land einnehmest. Josua, der soll vor dir hinübergehen, wie der HERR geredet hat.
  4. 4 Und der HERR wird ihnen tun, wie er getan hat Sihon und Og, den Königen der Amoriter, und ihrem Lande, welche er vertilgt hat.
  5. 5 Wenn sie nun der HERR vor euch dahingeben wird, so sollt ihr ihnen tun nach allem Gebot, das ich euch geboten habe.
  6. 6 Seid getrost und unverzagt, fürchtet euch nicht und laßt euch nicht vor ihnen grauen; denn der HERR, dein Gott, wird selber mit dir wandeln und wird die Hand nicht abtun noch dich verlassen.
  7. 7 Und Mose rief zu Josua und sprach zu ihm vor den Augen des ganzen Israel: Sei getrost und unverzagt; denn du wirst dies Volk in das Land bringen, das der HERR ihren Vätern geschworen hat ihnen zu geben, und du wirst es unter sie austeilen.
  8. 8 Der HERR aber, der selber vor euch her geht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun noch dich verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht.
  9. 9 Und Mose schrieb dies Gesetz und gab's den Priestern, den Kindern Levi, die die Lade des Bundes trugen, und allen Ältesten Israels
  10. 10 und gebot ihnen und sprach: Je nach sieben Jahren, zur Zeit des Erlaßjahrs, am Fest der Laubhütten,
  11. 11 wenn das ganze Israel kommt, zu erscheinen vor dem HERRN, deinem Gott, an dem Ort, den er erwählen wird, sollst du dieses Gesetz vor dem ganzen Israel ausrufen lassen vor ihren Ohren,
  12. 12 nämlich vor der Versammlung des Volks (der Männer, Weiber und Kinder und deines Fremdlings, der in deinem Tor ist), auf daß sie es hören und lernen den HERRN, euren Gott, fürchten und es zu halten, daß sie tun alle Worte dieses Gesetzes,
  13. 13 und daß ihre Kinder, die es nicht wissen, es auch hören und lernen den HERRN, euren Gott, fürchten alle Tage, die ihr in dem Lande lebt, darein ihr gehet über den Jordan, es einzunehmen.
  14. 14 Und der HERR sprach zu Mose: Siehe, deine Zeit ist herbeigekommen, daß du stirbst. Rufe Josua und tretet in die Hütte des Stifts, daß ich ihm Befehl tue. Mose ging hin mit Josua, und sie traten in die Hütte des Stifts.
  15. 15 Der HERR aber erschien in der Hütte in einer Wolkensäule, und die Wolkensäule stand in der Hütte Tür.
  16. 16 Und der HERR sprach zu Mose: Siehe, du wirst schlafen mit deinen Vätern; und dies Volk wird aufkommen und wird abfallen zu fremden Göttern des Landes, darein sie kommen, und wird mich verlassen und den Bund fahren lassen, den ich mit ihm gemacht habe.
  17. 17 So wird mein Zorn ergrimmen über sie zur selben Zeit, und ich werde sie verlassen und mein Antlitz vor ihnen verbergen, daß sie verzehrt werden. Und wenn sie dann viel Unglück und Angst treffen wird, werden sie sagen: Hat mich nicht dies Übel alles betreten, weil mein Gott nicht mit mir ist?
  18. 18 Ich aber werde mein Antlitz verbergen zu der Zeit um alles Bösen willen, das sie getan haben, daß sie sich zu andern Göttern gewandt haben.
  19. 19 So schreibt euch nun dies Lied und lehret es die Kinder Israel und legt es in ihren Mund, daß mir das Lied ein Zeuge sei unter den Kindern Israel.
  20. 20 Denn ich will sie in das Land bringen, das ich ihren Vätern geschworen habe, darin Milch und Honig fließt. Und wenn sie essen und satt und fett werden, so werden sie sich wenden zu andern Göttern und ihnen dienen und mich lästern und meinen Bund fahren lassen.
  21. 21 Und wenn sie dann viel Unglück und Angst betreten wird, so soll dieses Lied ihnen antworten zum Zeugnis; denn es soll nicht vergessen werden aus dem Mund ihrer Nachkommen. Denn ich weiß ihre Gedanken, mit denen sie schon jetzt umgehen, ehe ich sie in das Land bringe, das ich geschworen habe.
  22. 22 Also schrieb Mose dieses Lied zur selben Zeit und lehrte es die Kinder Israel.
  23. 23 Und befahl Josua, dem Sohn Nuns, und sprach: Sei getrost und unverzagt; denn du sollst die Kinder Israel in das Land führen, das ich ihnen geschworen habe, und ich will mit dir sein.
  24. 24 Da nun Mose die Worte dieses Gesetzes ganz ausgeschrieben hatte in ein Buch,
  25. 25 gebot er den Leviten, die die Lade des Zeugnisses des HERRN trugen, und sprach:
  26. 26 Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es an die Seite der Lade des Bundes des HERRN, eures Gottes, daß es daselbst ein Zeuge sei wider dich.
  27. 27 Denn ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, wo ich noch heute mit euch lebe, seid ihr ungehorsam gewesen wider den HERRN; wie viel mehr nach meinem Tode!
  28. 28 So versammelt nun vor mich alle Ältesten eurer Stämme und eure Amtleute, daß ich diese Worte vor ihren Ohren rede und Himmel und Erde wider sie zu Zeugen nehme.
  29. 29 Denn ich weiß, daß ihr's nach meinem Tode verderben werdet und aus dem Wege treten, den ich euch geboten habe. So wird euch dann Unglück begegnen hernach, darum daß ihr übel getan habt vor den Augen des HERRN, daß ihr ihn erzürntet durch eurer Hände Werk.
  30. 30 Also redete Mose die Worte dieses Liedes ganz aus vor den Ohren der ganzen Gemeinde Israel:

Kapitel-Erklärung

Kurze Zusammenfassung

  1. Mose 31 ist ein Kapitel des Übergangs. Mose steht kurz vor seinem Tod. Seine Aufgabe als Führer Israels geht zu Ende, und Josua wird als neuer Leiter eingesetzt.

Gott bereitet das Volk auf die Zukunft vor. Mose ermutigt Israel und Josua, schreibt das Gesetz nieder und gibt Anweisungen, dass es regelmäßig vorgelesen werden soll. Gleichzeitig offenbart Gott, dass Israel nach seinem Tod vom rechten Weg abweichen wird.

Dieses Kapitel verbindet Hoffnung und Warnung. Hoffnung, weil Gott sein Volk nicht verlässt. Warnung, weil der Mensch selbst nach großen Erfahrungen mit Gott die Gefahr hat, untreu zu werden.

Historischer Hintergrund

Vierzig Jahre lang hatte Mose Israel geführt. Kein anderer Mensch im Alten Testament hatte eine vergleichbare Stellung.

Durch Mose gab Gott:

  • das Gesetz

  • die Bundesordnung

  • die Heiligtumsdienste

  • die Führung durch die Wüste

Nun ist Mose 120 Jahre alt. Die Zeit seines Dienstes ist beendet.

Israel steht am Jordan. Vor ihnen liegt das verheißene Land. Hinter ihnen liegen vierzig Jahre Wüstenwanderung.

Ein Führungswechsel ist immer ein kritischer Moment. Gott sorgt deshalb dafür, dass das Volk versteht: Seine Hoffnung liegt nicht in Mose, sondern im Herrn.

Verse 1–6: Mose ermutigt das Volk

Mose erklärt:

„Ich bin heute hundertundzwanzig Jahre alt“

Dann sagt er:

„Der HERR, dein Gott, wird vor dir her gehen“

Das ist entscheidend.

Die eigentliche Sicherheit Israels lag nie in Mose.

Sie lag in Gott.

Menschen kommen und gehen.

Gottes Treue bleibt.

Das gilt bis heute.

Viele Gläubige erleben Zeiten, in denen geistliche Leiter sterben, Gemeinden sich verändern oder vertraute Strukturen wegfallen.

Doch Gottes Werk hängt niemals von einem einzelnen Menschen ab.

Der gleiche Gott, der Mose führte, würde auch Israel weiterhin führen.

Deshalb wiederholt Mose mehrfach:

„Seid getrost und unverzagt“

Angst entsteht oft, wenn wir auf Menschen schauen.

Mut wächst, wenn wir auf Gott schauen.

Verse 7–8: Josua wird eingesetzt

Nun spricht Mose direkt zu Josua.

Josua hatte Mose viele Jahre begleitet.

Er war bereits als treuer Kundschafter aufgefallen.

Er hatte während der Wüstenwanderung Glauben bewiesen.

Dennoch brauchte auch er Ermutigung.

Gott sagt:

„Ich will dich nicht verlassen noch versäumen“

Dies ist eine der schönsten Verheißungen der Bibel.

Sie wird später mehrfach wiederholt.

Auch Christen dürfen wissen:

Gott verlässt seine Kinder nicht, wenn er ihnen Aufgaben überträgt.

Wo Gott beruft, dort begleitet er auch.

Verse 9–13: Das Gesetz soll vorgelesen werden

Mose schreibt das Gesetz nieder und übergibt es den Priestern.

Anschließend ordnet er an, dass das Gesetz alle sieben Jahre öffentlich vorgelesen werden soll.

Besonders bemerkenswert ist, wer zuhören sollte:

  • Männer

  • Frauen

  • Kinder

  • Fremde

Niemand sollte ausgeschlossen werden.

Warum?

Weil Gottes Wort die Grundlage des Glaubenslebens ist.

Jede Generation muss Gottes Wahrheit selbst kennenlernen.

Glaube wird nicht automatisch vererbt.

Kinder müssen Gottes Wort selbst hören.

Jede neue Generation muss sich erneut entscheiden.

Eine wichtige Lektion

Israel sollte nicht nur von Erinnerungen leben.

Es sollte immer wieder zum Wort Gottes zurückkehren.

Dasselbe gilt heute.

Erfahrungen können wertvoll sein.

Predigten können hilfreich sein.

Bücher können segnen.

Aber nichts ersetzt das persönliche Studium von Gottes Wort.

Verse 14–18: Gottes Warnung

Nun ruft Gott Mose und Josua in die Stiftshütte.

Dort offenbart er etwas Erschütterndes.

Er sagt voraus, dass Israel nach Moses Tod von ihm abweichen wird.

Das Volk wird fremden Göttern nachlaufen.

Es wird den Bund brechen.

Dies zeigt Gottes Allwissenheit.

Er kennt die Zukunft.

Doch bemerkenswert ist:

Obwohl Gott Israels zukünftiges Versagen kennt, führt er seinen Plan dennoch weiter.

Er verwirft sein Volk nicht vorschnell.

Er gibt weiterhin Gelegenheit zur Umkehr.

Hier sehen wir die Geduld Gottes.

Warum lässt Gott das zu?

Weil Liebe Freiheit voraussetzt.

Gott zwingt niemanden zum Gehorsam.

Israel konnte sich für Treue oder Rebellion entscheiden.

Dasselbe gilt heute.

Gott ruft Menschen.

Er überzeugt Menschen.

Er lädt Menschen ein.

Aber er zwingt niemanden.

Verse 19–22: Das Lied als Zeuge

Gott befiehlt Mose, ein Lied aufzuschreiben.

Dieses Lied finden wir im nächsten Kapitel.

Es soll als Zeuge gegen Israel dienen.

Warum ein Lied?

Weil Menschen Lieder oft leichter behalten als lange Reden.

Gott nutzt etwas, das tief im Gedächtnis bleibt.

Das Lied sollte kommende Generationen daran erinnern:

Gott war treu.

Wenn Israel fiel, lag die Ursache nicht bei Gott.

Verse 23–29: Letzte Anweisungen

Gott stärkt Josua erneut.

Dann wird das Gesetz neben die Bundeslade gelegt.

Dies zeigt die besondere Bedeutung des Gesetzes.

Es war nicht einfach ein menschliches Dokument.

Es war Ausdruck des Bundes zwischen Gott und seinem Volk.

Mose spricht schließlich offen über Israels Neigung zur Rebellion.

Er hatte sie während vierzig Jahren erlebt.

Wenn das Volk bereits zu seinen Lebzeiten widerspenstig gewesen war, wie viel mehr nach seinem Tod?

Das klingt zunächst pessimistisch.

Doch Mose spricht die Wahrheit aus.

Wahre geistliche Führung ignoriert Probleme nicht.

Sie benennt sie ehrlich.

Das Problem des menschlichen Herzens

  1. Mose 31 zeigt eine Wahrheit, die sich durch die ganze Bibel zieht:

Das eigentliche Problem Israels war nicht mangelndes Wissen.

Nicht mangelnde Wunder.

Nicht mangelnde Beweise.

Das Problem war das Herz.

Das Volk hatte:

  • die Plagen Ägyptens gesehen

  • das Rote Meer erlebt

  • Manna empfangen

  • Gottes Stimme gehört

Und trotzdem fiel es immer wieder.

Deshalb kündigten die Propheten später einen neuen Bund an.

Nicht nur neue Gebote.

Nicht nur mehr Belehrung.

Ein neues Herz.

Diese Verheißung erfüllt sich letztlich durch das Wirken Gottes im Leben des Gläubigen.

Geistliche Kernbotschaft

Die zentrale Botschaft von 5. Mose 31 lautet:

Gottes Werk hängt nicht von Menschen ab.

Mose geht.

Josua kommt.

Später kommt eine neue Generation.

Doch Gott bleibt derselbe.

Gleichzeitig zeigt das Kapitel, dass äußere Erfahrungen allein nicht ausreichen.

Der Mensch braucht eine echte Herzensbeziehung zu Gott.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

Josuas Berufung wird im nächsten Buch weitergeführt: Josua 1.

Die Verheißung „Ich will dich nicht verlassen“ erscheint später erneut in Hebräer 13.

Die Verheißung eines neuen Herzens wird in Jeremia 31 und Hesekiel 36 entfaltet.

Die Bedeutung des Wortes Gottes wird in Psalm 119 besonders hervorgehoben.

Praktische Anwendung für heute

Vertraue nicht auf Menschen mehr als auf Gott.

Lass dich von Veränderungen nicht entmutigen.

Stärke deinen Glauben durch Gottes Wort.

Denke daran, dass geistliche Erfahrungen allein keine Treue garantieren.

Bitte Gott um ein verändertes Herz.

Erinnere dich daran, dass Gottes Gegenwart wichtiger ist als menschliche Führung.

Wichtige Lektionen

Gott bleibt treu, auch wenn Leiter wechseln.

Mut entsteht durch Vertrauen auf Gottes Gegenwart.

Jede Generation muss Gottes Wort selbst kennenlernen.

Gott kennt die Zukunft und bleibt dennoch geduldig.

Der Mensch braucht mehr als Wissen – er braucht ein neues Herz.

Gottes Werk geht weiter, auch wenn seine Diener sterben.

  1. Mose 31 ist ein Kapitel des Abschieds, aber nicht der Hoffnungslosigkeit. Mose verlässt die Bühne der Geschichte, doch Gottes Plan geht weiter. Der Herr, der Israel durch die Wüste geführt hat, wird auch im Land Kanaan mit seinem Volk sein. Dieselbe Zusage gilt allen Gläubigen: Menschen wechseln, Umstände ändern sich, Generationen kommen und gehen – aber Gott bleibt derselbe und verlässt die Seinen niemals.