2. Könige 17

Im zwölften Jahr des Ahas, des Königs in Juda, ward König über Israel zu Samaria Hosea, der Sohn Elas, neun Jahre;

41 Verse – der vollständige Kapiteltext:

  1. 1 Im zwölften Jahr des Ahas, des Königs in Juda, ward König über Israel zu Samaria Hosea, der Sohn Elas, neun Jahre;
  2. 2 und er tat, was dem HERRN übel gefiel, doch nicht wie die Könige Israels, die vor ihm waren.
  3. 3 Wider denselben zog herauf Salmanasser, der König von Assyrien. Und Hosea ward ihm untertan, daß er ihm Geschenke gab.
  4. 4 Da aber der König von Assyrien inneward, daß Hosea einen Bund anrichtete und hatte Boten zu So, dem König in Ägypten, gesandt, griff er ihn und legte ihn ins Gefängnis.
  5. 5 Nämlich der König von Assyrien zog über das ganze Land und gen Samaria und belagerte es drei Jahre.
  6. 6 Und im neunten Jahr Hoseas gewann der König von Assyrien Samaria und führte Israel weg nach Assyrien und setzte sie nach Halah und an den Habor, an das Wasser Gosan und in die Städte der Meder.
  7. 7 Denn die Kinder Israel sündigten wider den HERRN, ihren Gott, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, aus der Hand Pharaos, des Königs von Ägypten, und fürchteten andere Götter
  8. 8 und wandelten nach der Heiden Weise, die der HERR vor den Kindern Israel vertrieben hatte, und taten wie die Könige Israels;
  9. 9 und die Kinder Israels schmückten ihre Sachen wider den HERRN, ihren Gott, die doch nicht gut waren, also daß sie sich Höhen bauten in allen Städten, von den Wachttürmen bis zu den festen Städten,
  10. 10 und richteten Säulen auf und Ascherabilder auf allen hohen Hügeln und unter allen grünen Bäumen,
  11. 11 und räucherten daselbst auf allen Höhen wie die Heiden, die der HERR vor ihnen weggetrieben hatte, und sie trieben böse Stücke, den HERRN zu erzürnen,
  12. 12 und dienten den Götzen, davon der HERR zu ihnen gesagt hatte: Ihr sollt solches nicht tun;
  13. 13 und wenn der HERR bezeugte in Israel und Juda durch alle Propheten und Seher und ließ ihnen sagen: Kehret um von euren bösen Wegen und haltet meine Gebote und Rechte nach allem Gesetz, das ich euren Vätern geboten habe und das ich zu euch gesandt habe durch meine Knechte, die Propheten:
  14. 14 so gehorchen sie nicht, sondern härteten ihren Nacken gleich dem Nacken ihrer Väter, die nicht glaubten an den HERRN, ihren Gott;
  15. 15 dazu verachteten sie seine Gebote und seinen Bund, den er mit ihren Vätern gemacht hatte, und seine Zeugnisse, die er unter ihnen tat, und wandelten ihrer Eitelkeit nach und wurden eitel den Heiden nach, die um sie her wohnten, von welchen ihnen der HERR geboten hatte, sie sollten nicht wie sie tun;
  16. 16 aber sie verließen alle Gebote des HERRN, ihres Gottes, und machten sich zwei gegossene Kälber und Ascherabild und beteten an alles Heer des Himmels und dienten Baal
  17. 17 und ließen ihre Söhne und Töchter durchs Feuer gehen und gingen mit Weissagen und Zaubern um und verkauften sich, zu tun, was dem HERRN übel gefiel, ihn zu erzürnen:
  18. 18 da ward der HERR sehr zornig über Israel und tat sie von seinem Angesicht, daß nichts übrigblieb denn der Stamm Juda allein.
  19. 19 (Dazu hielten auch die von Juda nicht die Gebote des HERRN, ihres Gottes, und wandelten in den Sitten, darnach Israel getan hatte.)
  20. 20 Darum verwarf der HERR allen Samen Israels und drängte sie und gab sie in die Hände der Räuber, bis er sie verwarf von seinem Angesicht.
  21. 21 Denn Israel ward gerissen vom Hause Davids; und sie machten zum König Jerobeam, den Sohn Nebats. Derselbe wandte Israel ab vom HERRN und machte, daß sie schwer sündigten.
  22. 22 Also wandelten die Kinder Israel in allen Sünden Jerobeams, die er angerichtet hatte, und ließen nicht davon,
  23. 23 bis der HERR Israel von seinem Angesicht tat, wie er geredet hatte durch alle seine Knechte, die Propheten. Also ward Israel aus seinem Lande weggeführt nach Assyrien bis auf diesen Tag.
  24. 24 Der König aber von Assyrien ließ kommen Leute von Babel, von Kutha, von Avva, von Hamath und Sepharvaim und setzte sie in die Städte in Samaria anstatt der Kinder Israel. Und sie nahmen Samaria ein und wohnten in desselben Städten.
  25. 25 Und da sie aber anhoben daselbst zu wohnen und den HERRN nicht fürchteten, sandte der HERR Löwen unter sie, die erwürgten sie.
  26. 26 Und sie ließen dem König von Assyrien sagen: Die Heiden, die du hast hergebracht und die Städte Samarias damit besetzt, wissen nichts von der Weise Gottes im Lande; darum hat der HERR Löwen unter sie gesandt, und siehe, dieselben töten sie, weil sie nicht wissen um die Weise Gottes im Lande.
  27. 27 Der König von Assyrien gebot und sprach: Bringet dahin der Priester einen, die von dort sind weggeführt, und ziehet hin und wohnet daselbst, und er lehre sie die Weise Gottes im Lande.
  28. 28 Da kam der Priester einer, die von Samaria weggeführt waren, und wohnte zu Beth-El und lehrte sie, wie sie den HERRN fürchten sollten.
  29. 29 Aber ein jegliches Volk machte seinen Gott und taten sie in die Häuser auf den Höhen, die die Samariter gemacht hatten, ein jegliches Volk in ihren Städten, darin sie wohnten.
  30. 30 Die von Babel machten Sukkoth-Benoth; die von Chut machten Nergal; die von Hamath machten Asima;
  31. 31 die von Avva machten Nibehas und Tharthak; die von Sepharvaim verbrannten ihre Söhne dem Adrammelech und Anammelech, den Göttern derer von Sepharvaim.
  32. 32 Und weil sie den HERRN auch fürchteten, machten sie sich Priester auf den Höhen aus allem Volk unter ihnen; die opferten für sie in den Häusern auf den Höhen.
  33. 33 Also fürchteten sie den HERRN und dienten auch den Göttern nach eines jeglichen Volkes Weise, von wo sie hergebracht waren.
  34. 34 Und bis auf diesen Tag tun sie nach der alten Weise, daß sie weder den HERRN fürchten noch ihre Rechte und Sitten tun nach dem Gesetz und Gebot, das der HERR geboten hat den Kindern Jakobs, welchem er den Namen Israel gab.
  35. 35 Und er machte einen Bund mit ihnen und gebot ihnen und sprach: Fürchtet keine andern Götter und betet sie nicht an und dienet ihnen nicht und opfert ihnen nicht;
  36. 36 sondern den HERRN, der euch aus Ägyptenland geführt hat mit großer Kraft und ausgerecktem Arm, den fürchtet, den betet an, und dem opfert;
  37. 37 und die Sitten, Rechte Gesetze und Gebote, die er euch hat aufschreiben lassen, die haltet, daß ihr darnach tut allewege und nicht andere Götter fürchtet;
  38. 38 und des Bundes, den er mit euch gemacht hat, vergesset nicht daß ihr nicht andre Götter fürchtet;
  39. 39 sondern fürchtet den HERRN, euren Gott, der wird euch erretten von allen euren Feinden.
  40. 40 Aber diese gehorchten nicht, sondern taten nach ihrer vorigen Weise.
  41. 41 Also fürchteten die Heiden den HERRN und dienten auch ihren Götzen. Also taten auch ihre Kinder und Kindeskinder, wie ihre Väter getan haben, bis auf diesen Tag.

Kapitel-Erklärung

Zusammenfassung des Kapitels

  1. Könige 17 gehört zu den bedeutendsten Kapiteln des Alten Testaments, weil es erklärt, warum das Nordreich Israel unterging. Das Kapitel berichtet nicht nur ein historisches Ereignis, sondern liefert Gottes eigene Begründung für das Gericht. Die Eroberung Samarias durch die Assyrer war kein Zufall und keine militärische Niederlage allein – sie war die Folge eines jahrhundertelangen Abfalls von Gott.

Gleichzeitig erklärt das Kapitel die Entstehung der Samariter, eines Volkes, das später zur Zeit Jesu eine wichtige Rolle spielte (Johannes 4). Dadurch verbindet dieses Kapitel das Alte und das Neue Testament.

Historischer Hintergrund

Königreich Israel bestand seit der Reichsteilung nach Salomo aus zehn Stämmen. Seine Hauptstadt war Samaria.

Das Südreich Juda blieb bei der davidischen Königslinie und hatte Jerusalem als Hauptstadt.

Das Nordreich hatte von Anfang an ein großes Problem. Der erste König, Jerobeam I., errichtete goldene Kälber in Bethel und Dan (1. Könige 12), damit die Menschen nicht mehr zum Tempel nach Jerusalem gingen. Damit begann eine jahrhundertelange Entwicklung des Götzendienstes.

Etwa 722 v. Chr. eroberte das Neuassyrisches Reich Samaria und führte viele Israeliten in die Gefangenschaft. Archäologische Funde und assyrische Inschriften bestätigen die assyrische Praxis, eroberte Völker umzusiedeln und andere Bevölkerungsgruppen anzusiedeln, um Aufstände zu verhindern.

Verse 1–6: Das Ende des Nordreiches

Der letzte König Israels war Hoschea.

Er tat nach der Bibel Böses in den Augen Gottes, wenn auch nicht in demselben Ausmaß wie einige seiner Vorgänger. Dennoch blieb das Volk insgesamt im Ungehorsam.

Hoschea wurde zunächst Vasall der Assyrer und musste Tribut zahlen. Später suchte er Unterstützung bei Ägypten und verweigerte den Tribut. Das führte zur Belagerung Samarias.

Die Belagerung dauerte drei Jahre.

Schließlich fiel die Stadt, und viele Einwohner wurden deportiert.

Aus menschlicher Sicht war dies ein politisches Ereignis.

Aus Gottes Sicht war es ein Gericht.

Die Bibel legt großen Wert darauf, dass hinter den politischen Entwicklungen Gottes Handeln steht. Nationen steigen und fallen nicht unabhängig von Gottes Regierung über die Geschichte.

Verse 7–23: Warum Gott Israel richtete

Dies ist der eigentliche Kern des Kapitels.

Der Verfasser zählt nicht nur einzelne Sünden auf, sondern beschreibt einen dauerhaften Lebensstil des Ungehorsams.

Sie vergaßen Gottes Erlösung

Israel hatte erlebt, wie Gott sie aus Ägypten befreite.

Trotzdem fürchteten sie andere Götter.

Das zeigt eine wichtige geistliche Wahrheit:

Wer Gottes frühere Führung vergisst, wird leichter den Versuchungen der Gegenwart nachgeben.

Deshalb fordert die Bibel immer wieder dazu auf, sich an Gottes Taten zu erinnern.

Sie übernahmen die Sitten der Heiden

Gott hatte Israel ausdrücklich gewarnt:

„Tut nicht wie die Völker“

Doch Israel wollte genauso leben wie die umliegenden Nationen.

Sie übernahmen:

  • ihre Religion

  • ihre Moral

  • ihre Altäre

  • ihre Bräuche

Das Problem war nicht kultureller Austausch an sich, sondern dass Gottes Gebote aufgegeben wurden.

Auch heute besteht die Gefahr, dass sich Gläubige mehr an den Maßstäben der Gesellschaft orientieren als an Gottes Wort.

Sie errichteten Höhen

Immer wieder erwähnt die Bibel die „Höhen“.

Das waren Kultstätten auf Hügeln oder Bergen.

Dort wurden Opfer gebracht, oft verbunden mit heidnischen Ritualen.

Obwohl manche Menschen glaubten, sie würden Gott verehren, geschah dies auf eine Weise, die Gott nie angeordnet hatte.

Ein wichtiges biblisches Prinzip lautet:

Gott entscheidet selbst, wie er angebetet werden möchte. Gute Absichten ersetzen keinen Gehorsam.

Sie dienten Götzen

Die Bibel bezeichnet Götzen oft als „Nichtigkeiten“.

Warum?

Weil sie keine Macht besitzen.

Menschen erschaffen sie selbst und vertrauen dann auf das Werk ihrer eigenen Hände.

Dieses Prinzip gilt auch heute.

Ein moderner Götze muss keine Statue sein.

Alles, was den Platz Gottes im Herzen einnimmt, kann zum Götzen werden:

  • Geld

  • Macht

  • Karriere

  • Unterhaltung

  • Ansehen

  • eigene Ideologien

Gott sandte Propheten

Besonders bemerkenswert ist Vers 13.

Gott richtete Israel nicht plötzlich.

Er sandte immer wieder Propheten.

Sie warnten:

  • Kehrt um.

  • Haltet meine Gebote.

  • Verlasst den Götzendienst.

Doch das Volk wollte nicht hören.

Hier zeigt sich Gottes Geduld.

Gericht folgt in der Bibel nicht ohne vorherige Warnung.

Sie verhärteten ihr Herz

Das Problem war nicht fehlendes Wissen.

Sie wollten nicht gehorchen.

Die Bibel beschreibt dieses Verhalten als Herzenshärtigkeit.

Je öfter ein Mensch Gottes Stimme ignoriert, desto leichter fällt ihm das nächste Nein.

Deshalb ruft Hebräer 3,15 auf:

„Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht“

Sie verwarfen Gottes Bund

Sie verließen Gottes Gebote und schlossen sich dem Götzendienst an.

Das Ergebnis war geistlicher Niedergang.

Sünde beginnt oft mit kleinen Kompromissen und endet in großer Entfernung von Gott.

Verse 24–41: Die Entstehung der Samariter

Nach der Eroberung siedelten die Assyrer Menschen aus verschiedenen Regionen im Land an.

Diese brachten ihre eigenen Religionen mit.

Als Löwen das Land heimsuchten, glaubten sie, den Gott des Landes nicht richtig zu kennen.

Daraufhin ließ der assyrische König einen israelitischen Priester zurückbringen, der sie über den Gott Israels unterrichten sollte.

Doch das Ergebnis war keine echte Bekehrung.

Vers 33 fasst die Situation zusammen:

„Sie fürchteten den HERRN und dienten zugleich ihren Göttern“

Das ist der entscheidende Satz des Abschnitts.

Sie wollten Gott und ihre alten Götter gleichzeitig behalten.

Die Bibel zeigt jedoch immer wieder:

Wahrer Glaube kennt keine geteilte Loyalität.

Jesus sagt später in Matthäus 6,24:

„Niemand kann zwei Herren dienen“

Diese gemischte Religion prägte die Samariter über Generationen und erklärt den tiefen Konflikt zwischen Juden und Samaritern zur Zeit Jesu. Dennoch zeigt Jesus später im Gleichnis vom barmherzigen Samariter und im Gespräch mit der samaritischen Frau, dass Gottes Gnade Menschen aus jedem Volk erreichen will.

Geistliche Hauptbotschaft

  1. Könige 17 erklärt eindeutig:

Israel ging nicht wegen militärischer Schwäche unter, sondern wegen geistlichen Ungehorsams.

Gott ist geduldig und sendet Warnungen. Doch andauernde Ablehnung seiner Wege führt schließlich zum Gericht.

Das Kapitel macht außerdem deutlich, dass äußerliche Religiosität nicht genügt. Man kann behaupten, Gott zu verehren, und gleichzeitig anderen „Göttern“ dienen. Die Bibel fordert jedoch eine ungeteilte Hingabe an Gott.

Verbindungen zu anderen Bibelstellen

  • 5. Mose 28: Die Segnungen des Gehorsams und die Folgen des Ungehorsams werden bereits angekündigt.

  • 1. Könige 12: Der Beginn des Götzendienstes unter Jerobeam.

  • Hosea: Der Prophet ruft Israel eindringlich zur Umkehr.

  • Johannes 4: Jesus begegnet der samaritischen Frau und offenbart sich ihr als Messias.

  • Matthäus 6,24: Niemand kann zwei Herren dienen.

Praktische Anwendung

Dieses Kapitel fordert jeden Gläubigen zur Selbstprüfung auf:

  • Gibt es Bereiche meines Lebens, in denen ich Gottes Wort kenne, aber bewusst nicht befolge?

  • Habe ich Kompromisse geschlossen, weil sie gesellschaftlich akzeptiert sind?

  • Ist Christus wirklich der Mittelpunkt meines Lebens oder teile ich meine Loyalität mit anderen „Götzen“?

  • Höre ich auf Gottes Warnungen, solange noch Zeit zur Umkehr ist?

Die Geschichte Israels zeigt, dass Gottes Geduld groß ist, aber nicht unbegrenzt missachtet werden darf. Sein Ziel ist immer die Umkehr und die Wiederherstellung des Menschen.