2. Könige 15
Im siebenundzwanzigsten Jahr Jerobeams, des Königs Israels, ward König Asarja, der Sohn Amazjas, des Königs Juda's;
38 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Im siebenundzwanzigsten Jahr Jerobeams, des Königs Israels, ward König Asarja, der Sohn Amazjas, des Königs Juda's;
- 2 und er war sechzehn Jahre alt, da er König ward, und regierte zweiundfünfzig Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Jecholja von Jerusalem.
- 3 Und er tat, was dem HERRN wohl gefiel, ganz wie sein Vater Amazja,
- 4 nur, daß sie die Höhen nicht abtaten; denn das Volk opferte und räucherte noch auf den Höhen.
- 5 Der HERR aber plagte den König, daß er aussätzig war bis an seinen Tod, und wohnte in einem besonderen Hause. Jotham aber, des Königs Sohn, regierte das Haus und richtete das Volk im Lande.
- 6 Was aber mehr von Asarja zu sagen ist und alles, was er getan hat, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Juda's.
- 7 Und Asarja entschlief mit seinen Vätern, und man begrub ihn bei seinen Vätern in der Stadt Davids. Und sein Sohn Jotham ward König an seiner Statt.
- 8 Im achtunddreißigsten Jahr Asarjas, des Königs Juda's, ward König Sacharja, der Sohn Jerobeams, über Israel zu Samaria sechs Monate;
- 9 und er tat, was dem HERRN übel gefiel, wie seine Väter getan hatten. Er ließ nicht ab von den Sünden Jerobeams, des Sohnes Nebats, der Israel sündigen machte.
- 10 Und Sallum, der Sohn des Jabes, machte einen Bund wider ihn und schlug ihn vor dem Volk und tötete ihn und ward König an seiner Statt.
- 11 Was aber mehr von Sacharja zu sagen ist, siehe, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels.
- 12 Und das ist's, was der HERR zu Jehu geredet hatte: Dir sollen Kinder ins vierte Glied sitzen auf dem Stuhl Israels. Und ist also geschehen.
- 13 Sallum aber, der Sohn des Jabes, ward König im neununddreißigsten Jahr Usias, des Königs in Juda, und regierte einen Monat zu Samaria.
- 14 Denn Menahem, der Sohn Gadis, zog herauf von Thirza und kam gen Samaria und schlug Sallum, den Sohn des Jabes, zu Samaria und tötete ihn und ward König an seiner Statt.
- 15 Was aber mehr von Sallum zu sagen ist und seinen Bund, den er anrichtete, siehe, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels.
- 16 Dazumal schlug Menahem Tiphsah und alle, die darin waren, und ihr Gebiet von Thirza aus, darum daß sie ihn nicht wollten einlassen, und schlug alle ihre Schwangeren und zerriß sie.
- 17 Im neununddreißigsten Jahr Asarjas, des Königs Juda's, ward König Menahem, der Sohn Gadis, über Israel zu Samaria;
- 18 und er tat, was dem HERRN übel gefiel. Er ließ sein Leben lang nicht von den Sünden Jerobeams, des Sohnes Nebats, der Israel sündigen machte.
- 19 Und es kam Phul, der König von Assyrien, ins Land. Und Menahem gab dem Phul tausend Zentner Silber, daß er's mit ihm hielte und befestigte ihm das Königreich.
- 20 Und Menahem setzte ein Geld in Israel auf die Reichsten, fünfzig Silberlinge auf einen jeglichen Mann, daß er's dem König von Assyrien gäbe. Also zog der König von Assyrien wieder heim und blieb nicht im Lande.
- 21 Was aber mehr von Menahem zu sagen ist und alles, was er getan hat, siehe, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels.
- 22 Und Menahem entschlief mit seinen Vätern, und Pekahja, sein Sohn, ward König an seiner Statt.
- 23 Im fünfzigsten Jahr Asarjas, des Königs in Juda, ward König Pekahja, der Sohn Menahems, über Israel zu Samaria, zwei Jahre;
- 24 und er tat, was dem HERRN übel gefiel; denn er ließ nicht von der Sünde Jerobeams, des Sohnes Nebats, der Israel sündigen machte.
- 25 Und es machte Pekah, der Sohn Remaljas, sein Ritter, einen Bund wider ihn und schlug ihn zu Samaria im Palast des Königshauses samt Argob und Arje, und mit ihm waren fünfzig Mann von den Kindern Gileads, und tötete ihn und ward König an seiner Statt.
- 26 Was aber mehr von Pekahja zu sagen ist und alles, was er getan hat, siehe, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels.
- 27 Im zweiundfünfzigsten Jahr Asarjas, des Königs Juda's, ward König Pekah, der Sohn Remaljas, über Israel zu Samaria zwanzig Jahre;
- 28 und er tat, was dem HERRN übel gefiel; denn er ließ nicht von den Sünden Jerobeams, des Sohnes Nebats, der Israel sündigen machte.
- 29 Zu den Zeiten Pekahs, des Königs Israels, kam Thiglath-Pileser, der König von Assyrien, und nahm Ijon, Abel-Beth-Maacha, Janoah, Kedes, Hazor, Gilead und Galiläa, das ganze Land Naphthali, und führte sie weg nach Assyrien.
- 30 Und Hosea, der Sohn Elas, machte einen Bund wider Pekah, den Sohn Remaljas, und schlug ihn tot und ward König an seiner Statt im zwanzigsten Jahr Jothams, des Sohnes Usias.
- 31 Was aber mehr von Pekah zu sagen ist und alles, was er getan hat, siehe, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Israels.
- 32 Im zweiten Jahr Pekahs, des Sohnes Remaljas, des Königs über Israel, ward König Jotham, der Sohn Usias, des Königs in Juda.
- 33 Er war fünfundzwanzig Jahre alt, da er König ward, und regierte sechzehn Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Jerusa, eine Tochter Zadoks.
- 34 Und er tat, was dem HERRN wohl gefiel, ganz wie sein Vater Usia getan hatte,
- 35 nur, daß sie die Höhen nicht abtaten; denn das Volk opferte und räucherte noch auf den Höhen. Er baute das obere Tor am Hause des HERRN.
- 36 Was aber mehr von Jotham zu sagen ist und alles, was er getan hat, siehe, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Juda's.
- 37 Zu der Zeit hob der HERR an, zu senden gen Juda Rezin, den König von Syrien und Pekah, den Sohn Remaljas.
- 38 Und Jotham entschlief mit seinen Vätern in der Stadt Davids, seines Vaters. Und Ahas, sein Sohn, ward König an seiner Statt.
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Könige 15 beschreibt die Regierungszeiten mehrerer Könige in Juda und Israel und zeigt den fortschreitenden moralischen und politischen Zerfall des Nordreiches. Während Asarja (Usija) in Juda lange regiert und dem Land Stabilität schenkt, erlebt Israel eine Zeit von Verschwörungen, Morden und schnellen Machtwechseln. Innerhalb weniger Jahrzehnte wechseln mehrere Könige durch Gewalt den Thron.
Gleichzeitig tritt mit dem assyrischen Reich eine neue Weltmacht auf, die beginnt, Israel zu unterwerfen. Das Kapitel macht deutlich, dass Gottes Warnungen über Generationen hinweg ignoriert wurden und nun erste Folgen sichtbar werden.
Die zentrale Botschaft lautet: Ein Volk kann äußerlich noch bestehen, während es innerlich bereits zerfällt. Gott ist geduldig, aber dauerhafter Ungehorsam führt schließlich zum Gericht.
Historischer Hintergrund
Dieses Kapitel spielt etwa im 8. Jahrhundert v. Chr. Das assyrische Reich entwickelt sich unter starken Königen zu einer dominierenden Macht im Nahen Osten.
Während Juda vergleichsweise stabil bleibt, herrscht im Nordreich Israel politische Unsicherheit:
Mehrere Könige werden ermordet.
Verschwörungen werden zum normalen Mittel der Machtübernahme.
Der Götzendienst bleibt bestehen.
Das Volk entfernt sich immer weiter von Gott.
Diese Entwicklungen bereiten den späteren Untergang Israels vor, der einige Kapitel später beschrieben wird.
Verse 1–7: Die Regierung Asarjas (Usijas)
Asarja (Usija) wird König von Juda.
Die Bibel urteilt:
„Er tat, was dem Herrn wohlgefiel“
Doch wieder folgt der bekannte Zusatz:
„Die Höhen wurden nicht entfernt“
Das bedeutet:
Obwohl Asarja grundsätzlich Gott dienen wollte, blieben religiöse Missstände bestehen.
Der Aussatz des Königs
Der Herr schlägt Asarja mit Aussatz.
Deshalb lebt er abgesondert und sein Sohn Jotam übernimmt die Regierungsgeschäfte.
Das Buch der Könige nennt hier den Grund nicht.
In 2. Chronik 26 erfahren wir mehr:
Asarja wurde stolz und wollte eigenmächtig im Tempel räuchern, obwohl dies allein den Priestern zustand.
Als die Priester ihn warnten, wurde er zornig.
In diesem Moment traf ihn der Aussatz.
Geistliche Bedeutung
Selbst ein guter König ist nicht über Gottes Ordnung gestellt.
Je höher Gott einen Menschen erhebt, desto wichtiger wird Demut.
Praktische Anwendung
Erfolg kann zu Stolz führen.
Darum fordert die Bibel immer wieder Demut vor Gott.
Verse 8–12: Sacharja
Nach Jerobeam II. wird sein Sohn Sacharja König.
Er regiert lediglich sechs Monate.
Dann wird er von Schallum ermordet.
Damit erfüllt sich Gottes Wort an Jehu:
Vier Generationen seiner Nachkommen sollten auf dem Thron sitzen.
Nach Sacharja endet diese Dynastie.
Geistliche Bedeutung
Gottes Verheißungen erfüllen sich exakt.
Weder früher noch später.
Verse 13–15: Schallum
Schallum wird König.
Doch seine Herrschaft dauert nur einen Monat.
Dann wird er von Menahem getötet.
Dies zeigt den völligen politischen Zerfall Israels.
Macht wird nicht mehr durch Gottes Ordnung oder legitime Nachfolge übertragen, sondern durch Gewalt.
Praktische Anwendung
Wenn Gottes Maßstäbe verlassen werden, verliert auch die menschliche Ordnung ihre Stabilität.
Verse 16–22: Menahem
Menahem herrscht zehn Jahre.
Bereits zu Beginn berichtet die Bibel eine erschütternde Tat:
Er zerstört die Stadt Tiphsach und misshandelt ihre Bewohner grausam.
Dies zeigt die zunehmende Verrohung der Gesellschaft.
Der König von Assyrien erscheint
Nun tritt Pul (Tiglat-Pileser III.) auf.
Menahem zahlt ihm tausend Talente Silber.
Um diese Summe aufzubringen, erhebt er hohe Abgaben von den wohlhabenden Männern Israels.
Geistliche Bedeutung
Früher vertraute Israel auf Gottes Schutz.
Nun versucht man Sicherheit durch Geld zu kaufen.
Politische Lösungen ersetzen geistliches Vertrauen.
Praktische Anwendung
Menschen neigen dazu, Probleme ausschließlich mit materiellen Mitteln lösen zu wollen.
Doch wirkliche Sicherheit kommt von Gott.
Verse 23–26: Pekachja
Nach Menahem wird sein Sohn Pekachja König.
Auch über ihn heißt es:
„Er wich nicht von den Sünden Jerobeams“
Nach zwei Jahren wird auch er ermordet.
Sein eigener Offizier Pekach übernimmt die Herrschaft.
Wieder zeigt sich:
Ein Reich ohne geistliche Grundlage verliert auch seine politische Stabilität.
Verse 27–31: Pekach
Pekach regiert zwanzig Jahre.
Während seiner Herrschaft beginnt Assyrien große Teile Israels zu erobern.
Mehrere Städte und ganze Regionen werden weggeführt.
Dies ist der Beginn der späteren vollständigen Wegführung des Nordreiches.
Warum geschieht dies?
Die Bibel macht deutlich:
Die militärische Niederlage ist letztlich eine Folge des anhaltenden Ungehorsams gegenüber Gott.
Gott hatte sein Volk über Generationen hinweg gewarnt.
Praktische Anwendung
Gericht kommt oft nicht plötzlich.
Es entwickelt sich schrittweise, nachdem viele Warnungen ignoriert wurden.
Verse 32–38: Jotam
Nun richtet sich der Blick wieder auf Juda.
Jotam wird König.
Die Bibel beurteilt ihn positiv:
„Er tat, was dem Herrn wohlgefiel“
Doch auch hier bleibt der bekannte Zusatz:
„Die Höhen wurden nicht entfernt“
Jotam baut das obere Tor des Tempels.
Er stärkt also den Gottesdienst.
Dennoch beginnt Gott in seiner Regierungszeit, die Bedrohung durch Aram und Israel gegen Juda zuzulassen.
Die kommenden Kapitel zeigen, dass sich die politische Lage weiter zuspitzt.
Geistliche Kernbotschaft
Dieses Kapitel vermittelt mehrere wichtige Wahrheiten:
1. Gottes Geduld ist groß, aber nicht unbegrenzt.
Über viele Generationen hinweg ruft Gott Israel zur Umkehr.
Doch das Volk bleibt auf seinem Weg.
2. Geistlicher Verfall führt oft zu gesellschaftlichem Verfall.
Wo Gottes Ordnung verlassen wird, entstehen Gewalt, Unsicherheit und Machtkämpfe.
3. Stolz bleibt gefährlich.
Selbst Asarja, ein grundsätzlich guter König, fällt durch Überheblichkeit.
4. Wahre Sicherheit kommt nicht durch Politik oder Geld.
Israel versucht, Assyrien mit Silber zu besänftigen.
Doch letztlich entscheidet Gott über das Schicksal der Nationen.
Prophetische Zusammenhänge
Die Zeit dieses Kapitels überschneidet sich mit dem Wirken der Propheten Jesaja und Hosea. Beide warnen eindringlich davor, auf menschliche Bündnisse statt auf Gott zu vertrauen.
Besonders Hosea beschreibt Israel als ein Volk, das zwar religiöse Formen bewahrt, dessen Herz aber weit von Gott entfernt ist.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
2. Chronik 26 – Der Stolz und Aussatz Usijas.
Sprüche 16,18 – „Hochmut kommt vor dem Fall“
Psalm 20,8 – Manche verlassen sich auf Wagen und Rosse, wir aber auf den Herrn.
Jesaja 31,1 – Warnung vor Vertrauen auf menschliche Macht.
Galater 6,7 – Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.
Archäologischer und historischer Hinweis
Die Erwähnung des assyrischen Königs Pul wird allgemein mit Tiglat-Pileser III. in Verbindung gebracht. Assyrische Inschriften berichten von Tributzahlungen aus Israel und bestätigen, dass israelitische Könige Abgaben leisten mussten. Diese außerbiblischen Quellen stimmen bemerkenswert mit dem Bericht in 2. Könige 15 überein und zeigen den wachsenden Einfluss Assyriens auf die Region.
Praktische Anwendung für heute
Ein guter Ruf oder ein guter Anfang ersetzt keine tägliche Demut vor Gott.
Geistliche Kompromisse bleiben selten folgenlos und können langfristig ganze Gemeinschaften prägen.
Vertraue nicht in erster Linie auf Geld, Politik oder menschliche Stärke, sondern auf Gottes Führung.
Höre auf Gottes Warnungen, solange noch Zeit zur Umkehr ist.
Prüfe regelmäßig dein Herz: Äußerliche Stabilität kann innere Entfernung von Gott verdecken.
Die wichtigste Lektion dieses Kapitels
Der Niedergang eines Menschen oder einer Gesellschaft beginnt selten plötzlich. Er beginnt dort, wo Gottes Wahrheit Schritt für Schritt verlassen wird. Doch wer Gott vertraut und in Demut mit ihm lebt, findet in ihm die einzige dauerhafte Sicherheit.