2. Chronik 30
Und Hiskia sandte hin zum ganzen Israel und Juda und schrieb Briefe an Ephraim und Manasse, daß sie kämen zum Hause des HERRN gen Jerusalem, Passah zu halten dem HERRN, dem Gott Israels.
27 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Und Hiskia sandte hin zum ganzen Israel und Juda und schrieb Briefe an Ephraim und Manasse, daß sie kämen zum Hause des HERRN gen Jerusalem, Passah zu halten dem HERRN, dem Gott Israels.
- 2 Und der König hielt einen Rat mit seinen Obersten und der ganzen Gemeinde zu Jerusalem, das Passah zu halten im zweiten Monat.
- 3 Denn sie konnten's nicht halten zur selben Zeit, darum daß der Priester nicht genug geheiligt waren und das Volk noch nicht zuhauf gekommen war gen Jerusalem.
- 4 Und es gefiel dem König wohl und der ganzen Gemeinde,
- 5 und sie bestellten, daß solches ausgerufen würde durch ganz Israel von Beer-Seba an bis gen Dan, daß sie kämen, Passah zu halten dem HERRN, dem Gott Israels, zu Jerusalem; denn es war lange nicht gehalten, wie es geschrieben steht.
- 6 Und die Läufer gingen hin mit den Briefen von der Hand des Königs und seiner Obersten durch ganz Israel und Juda nach dem Befehl des Königs und sprachen: Ihr Kinder Israel, bekehrt euch zu dem HERRN, dem Gott Abrahams, Isaaks und Israels, so wird er sich kehren zu den Entronnenen, die noch übrig unter euch sind aus der Hand der Könige von Assyrien.
- 7 Und seid nicht wie eure Väter und Brüder, die sich am HERRN, ihrer Väter Gott, vergriffen, daß er sie dahingab in die Verwüstung, wie ihr selber seht.
- 8 So seid nun nicht halsstarrig wie eure Väter; sondern gebt eure Hand dem HERRN und kommt zu seinem Heiligtum, das er geheiligt hat ewiglich, und dient dem HERRN, eurem Gott, so wird sich der Grimm seines Zorns von euch wenden.
- 9 Denn so ihr euch bekehrt zu dem HERRN, so werden eure Brüder und Kinder Barmherzigkeit haben vor denen, die sie gefangen halten, daß sie wieder in dies Land kommen. Denn der HERR, euer Gott, ist gnädig und barmherzig und wird sein Angesicht nicht von euch wenden, so ihr euch zu ihm bekehrt.
- 10 Und die Läufer gingen von einer Stadt zur andern im Lande Ephraim und Manasse und bis gen Sebulon; aber sie verlachten sie und spotteten ihrer.
- 11 Doch etliche von Asser und Manasse und Sebulon demütigten sich und kamen gen Jerusalem.
- 12 Auch kam Gottes Hand über Juda, daß er ihnen gab einerlei Herz, zu tun nach des Königs und der Obersten Gebot aus dem Wort des HERRN.
- 13 Und es kam zuhauf gen Jerusalem ein großes Volk, zu halten das Fest der ungesäuerten Brote im zweiten Monat, eine sehr große Gemeinde.
- 14 Und sie machten sich auf und taten ab die Altäre, die zu Jerusalem waren, und alle Räuchwerke taten sie weg und warfen sie in den Bach Kidron;
- 15 und sie schlachteten das Passah am vierzehnten Tage des zweiten Monats. Und die Priester und Leviten bekannten ihre Schande und heiligten sich und brachten die Brandopfer zum Hause des HERRN
- 16 und standen in ihrer Ordnung, wie sich's gebührt, nach dem Gesetz Mose's, des Mannes Gottes. Und die Priester sprengten das Blut von der Hand der Leviten.
- 17 Denn ihrer waren viele in der Gemeinde, die sich nicht geheiligt hatten; darum schlachteten die Leviten das Passah für alle, die nicht rein waren, daß sie dem HERRN geheiligt würden.
- 18 Auch war des Volks viel von Ephraim, Manasse, Isaschar und Sebulon, die nicht rein waren, sondern aßen das Osterlamm, aber nicht, wie geschrieben steht. Denn Hiskia bat für sie und sprach: Der HERR, der gütig ist, wolle gnädig sein
- 19 allen, die ihr Herz schicken, Gott zu suchen, den HERRN, den Gott ihrer Väter, wiewohl nicht in heiliger Reinigkeit.
- 20 Und der HERR erhörte Hiskia und heilte das Volk.
- 21 Also hielten die Kinder Israel, die zu Jerusalem gefunden wurden, das Fest der ungesäuerten Brote sieben Tage mit großer Freude. Und die Leviten und Priester lobten den HERRN alle Tage mit starken Saitenspielen des HERRN.
- 22 Und Hiskia redete herzlich mit allen Leviten, die verständig waren im Dienste des HERRN. Und sie aßen das Fest über, sieben Tage, und opferten Dankopfer und dankten dem HERRN, ihrer Väter Gott.
- 23 Und die ganze Gemeinde ward Rats, noch andere sieben Tage zu halten, und hielten auch die sieben Tage mit Freuden.
- 24 Denn Hiskia, der König Juda's, gab eine Hebe für die Gemeinde: tausend Farren und siebentausend Schafe; die Obersten aber gaben eine Hebe für die Gemeinde: tausend Farren und zehntausend Schafe. Auch hatten sich der Priester viele geheiligt.
- 25 Und es freuten sich die ganze Gemeinde Juda's, die Priester und Leviten und die ganze Gemeinde, die aus Israel gekommen waren, und die Fremdlinge, die aus dem Lande Israel gekommen waren und in Juda wohnten,
- 26 und war eine große Freude zu Jerusalem; denn seit der Zeit Salomos, des Sohnes Davids, des Königs Israels, war solches zu Jerusalem nicht gewesen.
- 27 Und die Priester und die Leviten standen auf und segneten das Volk, und ihre Stimme ward erhört, und ihr Gebet kam hinein vor seine heilige Wohnung im Himmel.
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Chronik 30 beschreibt eines der bedeutendsten Ereignisse während der Regierungszeit des Königs Hiskia: die Wiederherstellung des Passahfestes. Nachdem der Tempel gereinigt worden war, wollte Hiskia nicht nur den Gottesdienst erneuern, sondern das ganze Volk zurück in die Gemeinschaft mit Gott führen.
Er sendet Boten durch ganz Juda und sogar in das Nordreich Israel mit der Einladung, nach Jerusalem zu kommen und das Passah zu feiern. Viele verspotten die Einladung, doch einige demütigen sich und kommen. Obwohl nicht alle Teilnehmer nach den vorgeschriebenen Reinigungsbestimmungen vorbereitet sind, betet Hiskia für sie, und Gott nimmt ihre aufrichtige Herzenshaltung an und heilt das Volk.
Das Kapitel zeigt, dass Gott Heiligkeit fordert, aber gleichzeitig voller Gnade gegenüber denen ist, die ihn ehrlich suchen.
Historischer Hintergrund
Das Passah war eines der wichtigsten Feste Israels. Es erinnerte an die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft, als Gott die Israeliten verschonte und sie aus der Sklaverei führte (2. Mose 12).
Über viele Jahre war dieses Fest vernachlässigt worden. Durch den Götzendienst früherer Könige war das geistliche Leben stark zerstört worden.
Nach der Reinigung des Tempels wollte Hiskia deshalb das Volk wieder an die Erlösungstat Gottes erinnern. Er verstand: Wahre Erweckung besteht nicht nur darin, falsche Dinge zu entfernen, sondern auch darin, Gottes Heilswerk neu in den Mittelpunkt zu stellen.
Verse 1–5 – Die Einladung an ganz Israel
Hiskia sendet Briefe an ganz Juda und sogar an die Stämme des Nordreichs.
Das ist bemerkenswert.
Politisch waren Juda und Israel seit langer Zeit getrennt. Dennoch sieht Hiskia das Volk Gottes nicht nur aus politischen Grenzen heraus, sondern ruft alle zur Anbetung des Herrn auf.
Da die Priester und Leviten im ersten Monat noch nicht ausreichend geheiligt waren und das Volk nicht versammelt werden konnte, beschließt man, das Passah im zweiten Monat zu feiern.
Dies entspricht einer bereits im Gesetz Gottes vorgesehenen Möglichkeit für Menschen, die zum ursprünglichen Termin verhindert waren (4. Mose 9,9–11).
Geistliche Lektion
Gott hält an seiner Ordnung fest, zeigt aber auch Barmherzigkeit, wenn Menschen ihn ehrlich suchen und die von ihm gegebenen Wege nutzen.
Verse 6–9 – Der Aufruf zur Umkehr
Die Boten verkünden:
„Kehrt um zu dem HERRN, dem Gott Abrahams, Isaaks und Israels“
Sie erinnern das Volk daran, dass ihre Väter untreu waren und deshalb Gericht erfahren mussten.
Doch gleichzeitig enthalten die Briefe eine wunderbare Verheißung:
Wenn sie umkehren, wird Gott sich wieder über sie erbarmen.
Hier zeigt sich ein Grundprinzip der gesamten Bibel:
Gottes Gericht ist niemals sein eigentliches Ziel. Sein Ziel ist die Umkehr des Menschen.
Anwendung
Viele Menschen glauben, Gott suche Gründe zum Strafen. Die Bibel zeigt das Gegenteil: Gott ruft immer wieder zur Umkehr und bietet Vergebung an.
Verse 10–12 – Zwei unterschiedliche Reaktionen
Ein Teil der Menschen verspottet die Boten und lacht über sie.
Andere dagegen demütigen sich und kommen nach Jerusalem.
Das ist bis heute eine Realität.
Wenn Gottes Wort verkündigt wird, reagieren Menschen unterschiedlich:
Manche lehnen es ab.
Manche machen sich darüber lustig.
Manche hören zu.
Manche kehren um.
Der Zustand des Herzens entscheidet über die Reaktion.
Verse 13–20 – Die Feier des Passah
Eine große Menschenmenge versammelt sich in Jerusalem.
Zunächst entfernen sie die heidnischen Altäre aus der Stadt.
Das zeigt eine wichtige Reihenfolge:
Erst Reinigung, dann Anbetung.
Viele Teilnehmer waren jedoch nach dem Gesetz noch nicht vollständig gereinigt. Eigentlich hätten sie deshalb nicht am Passah teilnehmen dürfen.
Hiskia betet für sie:
„Der HERR, der gütig ist, wolle vergeben einem jeden, der sein Herz darauf gerichtet hat, Gott zu suchen“
Die Bibel berichtet:
„Und der HERR erhörte Hiskia und heilte das Volk“
Bedeutet das, dass Gottes Gebote unwichtig sind?
Nein.
Die Teilnehmer missachteten die Gebote nicht aus Rebellion, sondern aus mangelnder Vorbereitung. Ihr Herz war aufrichtig auf Gott ausgerichtet.
Die Bibel stellt niemals Herz gegen Gehorsam. Vielmehr zeigt sie: Wahrer Gehorsam entspringt einem aufrichtigen Herzen, und Gott kennt die Beweggründe des Menschen.
Verse 21–27 – Große Freude und Verlängerung des Festes
Das Volk feiert sieben Tage lang mit großer Freude.
Danach beschließen alle gemeinsam, weitere sieben Tage zu feiern.
Insgesamt dauert das Fest vierzehn Tage.
Die Priester segnen das Volk, und die Bibel sagt, dass ihr Gebet bis in den Himmel kam.
Bemerkenswert ist die Aussage:
Seit den Tagen Salomos hatte es in Jerusalem nichts Vergleichbares gegeben.
Das zeigt, wie tiefgreifend diese geistliche Erneuerung war.
Geistliche Kernbotschaft
Dieses Kapitel offenbart das Herz Gottes.
Gott lädt Menschen zur Umkehr ein.
Er zwingt niemanden, aber er ruft alle.
Wer stolz bleibt, wird die Einladung ablehnen. Wer sich demütigt, wird Gnade finden.
Außerdem zeigt das Kapitel, dass wahre Freude aus der Gemeinschaft mit Gott entsteht. Die Menschen wollten das Fest nicht möglichst schnell beenden, sondern freiwillig verlängern.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
2. Mose 12 berichtet über die Einsetzung des Passah.
4. Mose 9 erlaubt unter bestimmten Umständen die Feier des Passah im zweiten Monat.
Jesaja 55,6–7 ruft dazu auf, den Herrn zu suchen, solange er zu finden ist.
Lukas 15 zeigt in den Gleichnissen vom verlorenen Schaf, der verlorenen Münze und dem verlorenen Sohn Gottes Freude über die Umkehr von Sündern.
1. Korinther 5,7 bezeichnet Christus als unser Passahlamm und zeigt, dass das alttestamentliche Passah auf das Erlösungswerk Jesu hinweist.
Praktische Anwendung für heute
Jeder Mensch erhält die Einladung Gottes zur Umkehr. Doch jeder entscheidet selbst, wie er darauf reagiert.
Fragen zur Selbstprüfung:
Nehme ich Gottes Einladung ernst oder schiebe ich sie auf?
Bin ich bereit, alles aus meinem Leben zu entfernen, was zwischen Gott und mir steht?
Suche ich Gott mit einem aufrichtigen Herzen oder nur aus Gewohnheit?
Freue ich mich an der Gemeinschaft mit Gott oder empfinde ich sie als Pflicht?
Wichtige Lektionen und Warnungen
Gott ruft alle Menschen zur Umkehr, nicht nur wenige Auserwählte.
Stolz verschließt das Herz für Gottes Einladung, Demut öffnet den Weg zur Gnade.
Wahre Anbetung beginnt mit der Abkehr von der Sünde.
Gott sieht nicht nur äußere Formen, sondern vor allem die Haltung des Herzens.
Die Erinnerung an Gottes Erlösung sollte im Zentrum des Glaubens stehen, denn das Passah weist auf das vollkommene Opfer Jesu Christi hin, durch das allein Rettung möglich ist.