1. Chronik 20
Und da das Jahr um war, zur Zeit, wann die Könige ausziehen, führte Joab die Heermacht und verderbte der Kinder Ammon Land, kam und belagerte Rabba; David aber blieb zu Jerusalem. Und Joab schlug Rabba und zerbrach es.
8 Verse – der vollständige Kapiteltext:
- 1 Und da das Jahr um war, zur Zeit, wann die Könige ausziehen, führte Joab die Heermacht und verderbte der Kinder Ammon Land, kam und belagerte Rabba; David aber blieb zu Jerusalem. Und Joab schlug Rabba und zerbrach es.
- 2 Und David nahm die Krone seines Königs von seinem Haupt und fand daran einen Zentner Gold und Edelsteine; und sie ward David auf sein Haupt gesetzt. Auch führte er aus der Stadt sehr viel Raub.
- 3 Aber das Volk drinnen führte er heraus und zerteilte sie mit Sägen und eisernen Dreschwagen und Keilen. Also tat David in allen Städten der Kinder Ammon. Und David zog samt dem Volk wider nach Jerusalem.
- 4 Darnach erhob sich ein Streit zu Geser mit den Philistern. Dazumal schlug Sibbechai, der Husathiter, den Sippai, der aus den Kindern der Riesen war, und sie wurden gedemütigt.
- 5 Und es erhob sich noch ein Streit mit den Philistern. Da schlug Elhanan, der Sohn Jairs, den Lahemi, den Bruder Goliaths, den Gathiter, welcher hatte eine Spießstange wie ein Weberbaum.
- 6 Abermals ward ein Streit zu Gath. Da war ein großer Mann, der hatte je sechs Finger und sechs Zehen, die machen zusammen vierundzwanzig; und er war auch von den Riesen geboren
- 7 und höhnte Israel. Aber Jonathan, der Sohn Simeas, des Bruders Davids, schlug ihn.
- 8 Diese waren geboren von den Riesen zu Gath und fielen durch die Hand Davids und seiner Knechte.
Kapitel-Erklärung
Kurze Zusammenfassung
Chronik 20 beschreibt drei Ereignisse: die Eroberung der ammonitischen Hauptstadt Rabba, den Sieg Davids über die Ammoniter und mehrere Kämpfe gegen die Philister, bei denen riesenhafte Krieger besiegt werden. Auffällig ist, dass dieses Kapitel den Bericht über Davids Sünde mit Bathseba auslässt, der in 2. Samuel 11–12 zwischen diesen Ereignissen steht. Der Verfasser der Chronik konzentriert sich vielmehr auf Gottes Handeln mit Israel und die Entwicklung des davidischen Königtums.
Die Hauptbotschaft lautet: Gott schenkt seinem Volk Sieg über mächtige Feinde, doch dieser Sieg geschieht durch seinen Beistand und durch treue Menschen, die mutig handeln.
Historischer Hintergrund
Die Ereignisse schließen unmittelbar an Kapitel 19 an. Die Ammoniter hatten Davids Gesandte gedemütigt und Krieg begonnen. Nun folgt die entscheidende Eroberung ihrer Hauptstadt Rabba.
Rabba war eine stark befestigte Stadt und das politische Zentrum der Ammoniter. Heute befindet sich an diesem Ort die jordanische Hauptstadt Amman.
Danach berichtet das Kapitel von weiteren Kämpfen gegen die Philister. Obwohl Goliath bereits lange zuvor gefallen war, gab es noch andere riesenhafte Krieger aus derselben Volksgruppe.
Verse 1–3: Die Einnahme von Rabba
Der Text beginnt:
„Zur Zeit, wenn die Könige in den Krieg ziehen…“
Joab führt das Heer gegen Rabba und belagert die Stadt, während David später hinzukommt.
Nach dem Sieg nimmt David die Krone des ammonitischen Königs. Sie wird als außerordentlich wertvoll beschrieben und mit Edelsteinen geschmückt.
Der Text zeigt, dass Gott die Macht der Feinde Israels beendet und ihre Herrschaft unterwirft.
Die Beute
Außerdem wird sehr viel Beute aus der Stadt gebracht.
Wichtig ist dabei ein biblischer Grundsatz:
Materieller Reichtum ist niemals das eigentliche Ziel. Der Sieg dient der Erfüllung von Gottes Plan für Israel und der Sicherung des Landes.
Vers 3
Je nach Bibelübersetzung klingt dieser Vers unterschiedlich. Manche ältere Übersetzungen lassen den Eindruck entstehen, David habe die Bevölkerung grausam behandelt. Der hebräische Text kann jedoch auch so verstanden werden, dass die Menschen zu schweren Arbeitsdiensten mit Sägen, eisernen Werkzeugen und Äxten eingesetzt wurden. Viele moderne Übersetzungen geben den Vers in diesem Sinn wieder.
Deshalb sollte man vorsichtig sein, aus diesem Vers Aussagen abzuleiten, die über den Text hinausgehen.
Verse 4–8: Kämpfe gegen die Riesen der Philister
Nach dem Krieg folgen Berichte über weitere Kämpfe.
Der Riese Sippai
Ein Krieger namens Sibbechai besiegt den Riesen Sippai.
Die Bibel macht deutlich:
Nicht nur David wird von Gott gebraucht.
Auch andere treue Männer erhalten Kraft und Mut.
Das ist eine wichtige geistliche Lektion:
Gottes Werk hängt nicht von einem einzigen Menschen ab. Er beruft viele Mitarbeiter.
Der Bruder Goliaths
Ein weiterer Philister wird von Elhanan besiegt.
In den Parallelberichten wird erklärt, dass dieser Mann mit der Familie Goliaths verbunden war. Dadurch entsteht kein Widerspruch zur bekannten Geschichte von David und Goliath, denn David tötete Goliath selbst, während Elhanan einen anderen riesenhaften Krieger aus derselben Familie oder Linie besiegte.
Der Mann mit sechs Fingern und sechs Zehen
Schließlich erscheint ein weiterer Riese:
Er hatte
sechs Finger an jeder Hand,
sechs Zehen an jedem Fuß,
insgesamt also vierundzwanzig Glieder.
Heute weiß die Medizin, dass eine solche körperliche Besonderheit tatsächlich vorkommen kann. Sie wird als Polydaktylie bezeichnet und ist genetisch erklärbar. Die Bibel beschreibt hier also eine ungewöhnliche körperliche Eigenschaft, die auch wissenschaftlich bekannt ist.
Dieser Mann verspottet Israel.
Doch Jonathan, ein Neffe Davids, besiegt ihn.
Was lehren diese Berichte?
Die Riesen symbolisieren scheinbar unüberwindbare Hindernisse.
Schon bei Goliath hatte Gott gezeigt, dass Größe und Stärke nicht über den Ausgang entscheiden.
Hier wird dieselbe Wahrheit erneut bestätigt:
Gott schenkt Sieg.
Mutiger Glaube ist wichtiger als äußere Stärke.
Gott gebraucht verschiedene Menschen für sein Werk.
Warum erwähnt die Chronik Davids Sünde nicht?
Zwischen Kapitel 19 und 20 würde nach der zeitlichen Reihenfolge eigentlich die Geschichte von Bathseba stehen.
Der Chronist lässt sie jedoch aus.
Das bedeutet nicht, dass sie unwichtig wäre oder geleugnet wird. Vielmehr verfolgt die Chronik einen anderen Schwerpunkt:
Sie möchte zeigen, wie Gott seine Verheißungen an David und Israel erfüllt und die Geschichte des Königreichs im Blick auf den Tempel und den kommenden Messias darstellt.
Um Davids Leben vollständig zu verstehen, sollte man daher auch 2. Samuel 11–12 lesen.
Geistliche Kernbotschaft
Die Siege Israels beruhen letztlich nicht auf menschlicher Überlegenheit, sondern auf Gottes Hilfe.
Außerdem zeigt das Kapitel:
Gott gebraucht nicht nur bekannte Führer, sondern viele treue Diener.
Große Herausforderungen dürfen Gläubige nicht einschüchtern.
Was für Menschen unmöglich erscheint, kann Gott überwinden.
Verbindungen zu anderen Bibelstellen
1. Samuel 17 berichtet den Kampf Davids gegen Goliath.
2. Samuel 21 enthält einen parallelen Bericht über die Kämpfe gegen die riesenhaften Philister.
Sacharja 4,6 erinnert daran: „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist“
Philipper 4,13 erklärt: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht“
Praktische Anwendung für heute
Dieses Kapitel fordert jeden Gläubigen heraus:
Welche „Riesen“ erscheinen mir unüberwindbar?
Vertraue ich mehr auf menschliche Möglichkeiten oder auf Gottes Kraft?
Bin ich bereit, auch im Hintergrund treu zu dienen, wie die Männer, die hier genannt werden?
Erkenne ich, dass Gott oft verschiedene Menschen gebraucht, um sein Werk voranzubringen?
Wichtige Lektionen
Gott schenkt den Sieg über Herausforderungen, die menschlich überwältigend erscheinen.
Treue Mitarbeiter sind für Gottes Werk ebenso wichtig wie bekannte Leiter.
Äußere Stärke entscheidet nicht über den Ausgang – entscheidend ist Gottes Beistand.
Der wiederholte Sieg über die riesenhaften Gegner erinnert daran, dass kein Problem, keine Macht und kein Feind größer ist als der Herr, der sein Volk führt und seine Verheißungen erfüllt.