Tag 5
Wer bist du wirklich?
3 denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.
Kolosser 3,3 – „3 denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott."
Einstieg
Wenn Rollen sich ändern
Manchmal ist es gar nicht so leicht zu sagen, wer man wirklich ist. In der Schule bist du vielleicht der, der gute Antworten gibt – oder der, der lieber still bleibt. Unter Freunden möchtest du vielleicht lustig, mutig oder besonders entspannt wirken. Vielleicht gibt es etwas, das du richtig gut kannst und worauf du stolz bist. Doch was passiert, wenn sich das verändert? Wenn eine Note schlechter ausfällt, jemand anderes plötzlich beliebter ist oder Menschen anders über dich denken als vorher?
Rollen können wechseln. Erfolge können verschwinden. Auch die Meinung anderer bleibt nicht immer gleich. Dann stellt sich eine wichtige Frage: Bin ich nur das, was andere von mir sehen – oder gibt es etwas an mir, das viel tiefer reicht?
Verstanden werden
Wenn du dich beweisen willst
Es kann sich gut anfühlen, wenn andere dich mögen, etwas an dir bewundern oder dir sagen, dass du etwas richtig gut kannst. Und es kann wehtun, wenn du plötzlich nicht mehr mithalten kannst, ausgelacht wirst oder jemand schlecht über dich denkt. Dann entsteht manchmal der Wunsch, unbedingt zu zeigen: „Ich bin doch jemand!“
Vielleicht verhältst du dich in verschiedenen Gruppen sogar etwas anders, weil du dazugehören möchtest. Das bedeutet nicht automatisch, dass du absichtlich unehrlich bist. Oft möchte man einfach anerkannt werden und nicht außen stehen.
Schwierig wird es, wenn die Meinung anderer darüber bestimmt, wie du über dich selbst denkst. Denn dann kann sich dein Bild von dir ständig verändern – je nachdem, wer gerade zuschaut, was dir gelingt oder welche Rolle du spielen kannst.
Vertiefung
Dein Leben gehört Christus
Als Paulus den Christen in Kolossä schreibt, erinnert er sie daran, dass durch ihre Verbindung mit Jesus etwas Grundlegendes geschehen ist. In Kolosser 3,3 sagt er: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“ Damit meint Paulus natürlich nicht, dass diese Menschen körperlich gestorben waren. Er spricht davon, dass ihr früheres Leben ohne Christus nicht mehr bestimmen sollte, wer sie sind.
Die Verse davor und danach helfen dabei, das zu verstehen. Paulus richtet den Blick der Gläubigen auf Christus. Sie gehören zu ihm, und deshalb sollen sie ihr Denken und ihr Leben immer stärker an ihm ausrichten. Ihre wichtigste Zugehörigkeit ist nicht ihre Stellung unter anderen Menschen, sondern ihre Verbindung mit Jesus.
Das Wort „verborgen“ bedeutet hier nicht, dass du deinen Glauben verstecken sollst. Es beschreibt vielmehr, wo dein eigentliches Leben sicher aufgehoben ist: mit Christus bei Gott. Andere Menschen sehen nur einen Teil von dir. Sie sehen vielleicht deine Leistungen, dein Aussehen, deine Fehler oder die Rolle, die du gerade in einer Gruppe einnimmst. Gott sieht tiefer. Wer Christus vertraut, muss seine Identität deshalb nicht aus diesen wechselnden Dingen zusammensetzen.
Das bedeutet nicht, dass Fähigkeiten, Freundschaften oder Erfolge unwichtig wären. Du darfst dich freuen, wenn dir etwas gelingt. Du darfst daran arbeiten, etwas besser zu können. Und natürlich spielt es eine Rolle, wie du dich anderen gegenüber verhältst. Aber all das darf nicht zum Fundament werden, auf dem dein Wert und deine ganze Vorstellung von dir selbst ruhen.
Paulus führt den Gedanken sogar noch weiter: Christus selbst ist das Leben der Gläubigen (Kolosser 3,4). Deine tiefste Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ entsteht deshalb nicht dadurch, dass du immer beeindruckender wirst. Wenn du Christus gehörst, darfst du lernen zu sagen: Mein Leben gehört Jesus. Bei ihm liegt meine tiefste Zugehörigkeit – auch wenn sich vieles andere verändert.
Für das Herz
Du musst keine Rolle spielen
Wenn dein Leben in Christus geborgen ist, musst du nicht ständig beweisen, dass du wichtig bist. Du darfst aufhören, deinen Wert davon abhängig zu machen, wie andere gerade über dich denken oder ob du eine bestimmte Rolle gut ausfüllst.
Das kann dir helfen, ehrlicher zu werden. Du musst nicht so tun, als wärst du immer mutig, lustig, stark oder besonders gut in etwas. Auch Fehler oder Misserfolge ändern nicht deine Zugehörigkeit zu Christus.
Das bedeutet nicht, dass es egal ist, wie du lebst. Gerade weil du zu Jesus gehörst, darf dein Leben immer mehr zu ihm passen. Doch du veränderst dich nicht, um endlich jemand zu sein. Du darfst wachsen, weil dein Leben bereits bei Christus seinen festen Halt gefunden hat.
Begegnung
Sag Gott, wer du sein willst
Du kannst Gott ehrlich sagen, wenn dir die Meinung anderer sehr wichtig geworden ist. Vielleicht merkst du, dass du manchmal anders wirken möchtest, als du wirklich bist, oder dass ein Erfolg dir das Gefühl gibt, mehr wert zu sein. Auch solche Gedanken darfst du vor Gott bringen.
Nimm dir einen Moment und werde still. Denke daran, dass dein Leben in Christus geborgen ist. Du musst Gott nichts vorspielen und ihn nicht beeindrucken.
Bitte ihn darum, dir zu zeigen, wo du dich zu sehr über eine Rolle, eine Leistung oder die Anerkennung anderer bestimmst. Und vertraue ihm neu an, wer du bist und wer du werden möchtest.
Handlung
Zeig, wer dir wichtig ist
Achte in den nächsten Tagen einmal darauf, wann du versuchst, vor anderen eine bestimmte Rolle zu spielen. Dann erinnere dich bewusst daran, wem dein Leben gehört.
Wenn du merkst, dass du dich verstellen willst, frage dich: „Wie würde ich handeln, wenn mir Jesu Meinung wichtiger wäre als die der anderen?“
Wenn dir etwas besonders gut oder schlecht gelingt, mach deinen Wert nicht davon abhängig. Danke Gott für das Gute und lerne aus Fehlern.
Entscheide dich in einer konkreten Situation dafür, ehrlich und so zu handeln, wie es zu deiner Zugehörigkeit zu Christus passt.
Frieden
Dein Halt bleibt
Nicht jeder wird dich immer verstehen oder mögen. Manche Erfolge werden vorbeigehen, Freundschaften können sich verändern, und vielleicht wirst du selbst manches an dir noch ganz neu entdecken. Doch deine tiefste Zugehörigkeit muss deshalb nicht ins Wanken geraten.
Wenn du Christus gehörst, ist dein Leben bei ihm geborgen. Du musst deinen Wert nicht jeden Tag neu verdienen und auch nicht ständig ein bestimmtes Bild von dir aufrechterhalten. Jesus kennt dich vollständiger, als andere Menschen es können.
Darum darfst du ruhig weitergehen, auch wenn du noch herausfinden musst, was du gut kannst oder welchen Platz du unter anderen findest. Was dich im Innersten trägt, ist nicht dein Image. Dein Leben ist mit Christus in Gott geborgen.
Gebet
Bei dir bin ich geborgen
Lieber Gott, danke, dass ich vor dir keine Rolle spielen muss. Du kennst mich besser als jeder andere Mensch. Danke, dass mein Leben in Christus geborgen sein darf.
Hilf mir, meinen Wert nicht davon abhängig zu machen, was andere über mich denken, wie erfolgreich ich bin oder welche Rolle ich vor anderen spiele. Zeige mir, wenn mir Anerkennung wichtiger wird als die Zugehörigkeit zu Jesus. Gib mir den Mut, ehrlich zu sein und so zu leben, wie es zu dir passt.
Lass mich immer besser verstehen, dass mein tiefster Halt bei Christus liegt. Amen.