Tag 2

Nicht zufällig geboren

„Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erke…

Psalm 139,13–14 – „„Denn du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl“"

Einstieg

Wenn die eigene Geschichte Fragen macht

Manche Fragen über den eigenen Anfang tauchen ganz plötzlich auf. Vielleicht erzählen andere Mädchen von Babyfotos, ihrem Namen oder davon, was ihre Familie über ihre Geburt erzählt. Dann kann dir auffallen, dass deine eigene Geschichte anders aussieht oder dass du manches darüber gar nicht weißt.

Vielleicht gibt es Dinge in deiner Familie, die du gern anders hättest. Dann kann die Frage kommen: War mein Leben überhaupt gewollt, oder bin ich einfach nur irgendwie hier? Die Bibel erfindet keine schöne Erklärung für alles, was Menschen tun. Sie zeigt dir aber etwas Sicheres: Dein Leben ist Gott nicht unbekannt. Er ist dein Schöpfer, er kennt dich, und du bist für ihn kein übersehener Mensch.

Verstanden werden

Wenn Herkunft weh tun kann

Es kann weh tun, wenn die Geschichte eines anderen Mädchens einfacher oder sicherer wirkt als deine eigene. Vielleicht kennst du nicht alle Antworten. Vielleicht haben Erwachsene Entscheidungen getroffen, die du nicht verstehst oder die dich traurig machen. Du musst solche Dinge nicht schönreden, damit Gott dich ernst nimmt.

Wichtig ist auch: Du bist nicht verantwortlich für die Entscheidungen der Erwachsenen in deiner Familie. Falsche Entscheidungen anderer machen dich nicht zu einem Fehler. Wenn Fragen über deine Geburt oder Familie dich stark belasten, Angst machen oder dich unsicher fühlen lassen, darfst du mit einer vertrauenswürdigen erwachsenen Person darüber sprechen. Du musst schwere Fragen nicht allein tragen.

Vertiefung

Gott kennt deinen Anfang

Psalm 139 ist ein Gebet Davids. Er staunt darüber, dass Gott ihn ganz genau kennt: seine Wege, seine Gedanken und sogar Orte, an denen kein anderer Mensch ihn sehen könnte. In diesem Zusammenhang spricht David auch über seinen Anfang. Er sagt, dass Gott ihn im Mutterleib gebildet und „gewoben“ hat. Dieses Bild soll zeigen: Gottes schöpferisches Handeln ist persönlich. Der Mensch ist für ihn nicht irgendein unbekanntes Stück Leben.

Das heißt nicht, dass jede Entscheidung, die Menschen rund um deine Geburt oder in deiner Familie getroffen haben, Gottes Wunsch war. Menschen können lieblos, ungerecht oder verantwortungslos handeln. Die Bibel nennt Falsches nicht plötzlich gut. Psalm 139 sagt etwas anderes: Menschliches Versagen nimmt Gott nicht seine Rolle als Schöpfer. Was andere getan oder versäumt haben, entscheidet nicht darüber, ob dein Leben vor Gott Bedeutung hat.

Schon am Anfang der Bibel steht, dass Gott den Menschen in seinem Bild schuf (1. Mose 1,27). Deshalb hängt menschliche Würde nicht davon ab, ob jemand aus einer einfachen oder schwierigen Familie kommt, beliebt ist oder besondere Leistungen zeigt. Jeder Mensch ist Gottes Geschöpf.

Jesus macht diese Haltung Gottes Kindern gegenüber besonders sichtbar. Als Erwachsene Kinder von ihm fernhalten wollten, ließ Jesus das nicht zu. Er sagte, man solle die Kinder zu ihm kommen lassen (Markus 10,14). Kinder waren für ihn keine Nebensache. Du darfst deshalb mit deiner wirklichen Geschichte zu Jesus kommen - auch mit Fragen, auf die du noch keine Antwort hast.

„Nicht zufällig geboren“ bedeutet also nicht: Alles, was in deiner Geschichte geschehen ist, war von Gott so geplant. Es bedeutet: Dein Dasein ist Gott nicht aus Versehen passiert. Er kennt dich als sein Geschöpf, und kein schwieriger Anfang macht dich in seinen Augen zu einem wertlosen Menschen.

Für das Herz

Du bist mehr als dein Anfang

Vielleicht würdest du einzelne Teile deiner Geschichte gern ändern. Du darfst das ehrlich zugeben. Gottes Wahrheit verlangt nicht, dass du Verletzendes gut findest oder so tust, als wäre alles leicht gewesen.

Psalm 139 hilft dir, zwei Dinge auseinanderzuhalten: Was Menschen getan haben, ist das eine. Wer du vor Gott bist, ist das andere. Falsche Worte, Streit oder Entscheidungen anderer dürfen nicht bestimmen, welchen Wert du dir selbst gibst. Du darfst sagen: „Das war schwer“ - und zugleich festhalten: Gott kennt mich, und mein Leben ist ihm nicht gleichgültig.

Begegnung

Mit offenen Fragen zu Gott

Bring Gott heute nicht eine perfekte Erklärung, sondern eine echte Frage. Du kannst ihm sagen, was du an deiner Geschichte nicht verstehst, was dich traurig macht oder was du gern anders hättest. Du musst dabei nichts schönreden.

Dann richte deinen Blick auf das, was Psalm 139 sicher sagt: Gott kennt dich und hat dich als sein Geschöpf nicht übersehen. Wenn du keine langen Worte findest, kannst du den Psalm langsam lesen und bei dem Satz stehen bleiben, der dir am meisten hilft.

Handlung

Ein kleiner Schritt für heute

Du musst deine ganze Geschichte nicht auf einmal verstehen. Zwei kleine Schritte können dir helfen:

  • Lies Psalm 139,13-14 noch einmal langsam. Markiere den Satzteil, der dir am deutlichsten zeigt, dass Gott dich kennt und gemacht hat.

  • Wenn Fragen über deine Geburt oder Familie dich traurig, ängstlich oder unsicher machen, erzähle einer vertrauenswürdigen erwachsenen Person davon, die dir zuhören und helfen kann.

Frieden

Gesehen, auch wenn Fragen bleiben

Du musst heute nicht erklären können, warum jeder Teil deiner Geschichte so aussieht, wie er aussieht. Manche Fragen bleiben vielleicht noch eine Weile offen. Frieden bedeutet nicht, dass du dafür schnell eine schöne Antwort finden musst.

Du darfst dich auf etwas Sicheres stützen: Gott kennt dich. Er hat dich als sein Geschöpf nicht übersehen, und Jesus weist Kinder nicht ab. Was Menschen falsch gemacht oder versäumt haben, kann diese Wahrheit nicht auslöschen. Du darfst mit offenen Fragen weitergehen und trotzdem wissen: Mein Leben ist Gott bekannt, und ich darf zu ihm kommen.

Gebet

Du kennst meine Geschichte

Vater im Himmel, du kennst meinen Anfang und meine ganze Geschichte. Manche Dinge verstehe ich, andere nicht. Danke, dass du mich als dein Geschöpf siehst und kennst. Hilf mir, falsche oder verletzende Entscheidungen anderer nicht mit meinem eigenen Wert zu verwechseln. Wenn mich Fragen über meine Familie oder Geburt belasten, gib mir Mut, mit einer vertrauenswürdigen erwachsenen Person zu sprechen. Jesus, danke, dass ich zu dir kommen darf. Hilf mir, deiner Wahrheit zu vertrauen. Amen.