Tag 4
Frieden im Gespräch finden
19 Darum, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam aber zum Reden, langsam zum Zorn;
Jakobus 1,19 – „19 Darum, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam aber zum Reden, langsam zum Zorn;"
Botschaft
In angespannten Gesprächen kann derselbe Satz bei euch ganz unterschiedlich ankommen. Einer möchte vielleicht nur etwas erklären, während der andere darin bereits Kritik hört. Einer versucht, schnell Klarheit zu schaffen, während der andere erst einmal Zeit braucht, um auszudrücken, was ihn eigentlich beschäftigt. So kann es geschehen, dass beide reden und sich dennoch keiner wirklich verstanden fühlt.
Gerade dann entsteht leicht der Drang, sofort zu antworten. Vielleicht wollt ihr etwas richtigstellen, euch verteidigen oder verhindern, dass ein falscher Eindruck stehen bleibt. Doch eine schnelle Reaktion kann dazu führen, dass ihr auf das antwortet, was ihr vermutet habt, statt auf das, was tatsächlich gesagt wurde.
Zuhören bedeutet deshalb mehr, als still zu sein, während der andere spricht. Es bedeutet, dem anderen die Möglichkeit zu geben, seinen Gedanken zu Ende zu bringen und zunächst verstehen zu wollen, bevor ihr bewertet, erklärt oder löst. Darin liegt eine Form von Achtung, die einem Gespräch wieder Raum zum Atmen geben kann.
Anwendung
Nehmt euch für ein nächstes schwieriges Gespräch bewusst vor, nicht sofort aufeinander zu reagieren. Entscheidend ist nicht, das Gespräch künstlich langsam zu machen, sondern dem anderen wirklich Raum zu geben.
Lasst einander ausreden, auch wenn ihr glaubt, schon zu wissen, was der andere sagen möchte.
Bevor ihr eure eigene Sicht erklärt, fasst kurz zusammen, was ihr verstanden habt: „Habe ich dich richtig verstanden, dass …?“
Wenn ihr merkt, dass Ärger oder Verteidigung die Führung übernehmen, unterbrecht das Gespräch nicht im Zorn, sondern vereinbart bewusst eine kurze Pause und kehrt später dazu zurück.
So wird Zuhören zu einer konkreten Form gelebter Selbstbeherrschung und gegenseitiger Achtung.
Gebet
Vater im Himmel, danke, dass du uns kennst und auch siehst, was in unseren Gesprächen geschieht. Du weißt, wie schnell Worte fallen können und wie schwer es manchmal ist, ruhig zuzuhören, wenn wir uns angegriffen, missverstanden oder nicht ernst genommen fühlen.
Bitte schenke uns die Bereitschaft, einander wirklich zuzuhören. Hilf uns, nicht vorschnell zu antworten, nicht jedes Wort sofort zu bewerten und nicht schon während des Zuhörens unsere Verteidigung vorzubereiten. Gib uns Weisheit, zwischen dem zu unterscheiden, was gesagt wurde, und dem, was wir nur vermuten.
Lehre uns, unsere Worte unter deine Führung zu stellen. Wo wir zu schnell reagieren, schenke uns Selbstbeherrschung. Wo Missverständnisse entstanden sind, gib uns Geduld und Demut. Lass unsere Gespräche von Achtung, Wahrheit und Liebe geprägt sein, damit wir einander besser verstehen und gemeinsam näher zu dir finden.
In Jesu Namen. Amen.